Herz gegeben, daß der nun wieder da ist. Und auch für uns da ist als der lebendige Gottesgeist, so daß auch die von mancherlei hartem und dunklem Schicksal niedergedrückten Seelen wieder frei und freudig geworden sind, weil in sie etwas hineingekommen ist — mit Tennyson zu reden —
„der hohe Sinn für etwas,
das im Dasein tief daheim ist,
das in der Abendsonne Leuchten wohnt, im weiten Meer,
im Lebensborn der Lüfte, im Blau des Himmels, ein Geist und eine Kraft, ein Allbeweger..."
Usb so kommt er auch heute noch' über die Menschen und Völker, wie der Pflug im Frühling, über den Acker geht für die neue Aussaat. Aber mit keine Saat zu wachsen vermöchte, wenn nicht die Pflugschar den Boden aufreißt, so reißt der starke Gottesgeist auch unsere Seelen und Herzen auf bis auf den Grund, so daß wir seine Gegenwart einmal ganz lebendig fühlen, wenn wir dann auch in tiefer Ergriffenheit ,und Ueberwältigung kein Wort und keinen Ausdruck dafür finden und nur still und stumm unsere Hände in Dankbarkeit falten können.
„Ein neuer (Sei ft hat das deutsche Volk erfüllt, hat es. erweckt zu neuem Leben und ihm die Kraft geschenkt zu Werken der Arbeit und zu Leistungen auf allen Gebieten einer neuen Volksgestaltung, die bewunderungswürdige sind", wie es unser Führer Adolf H i t l e r am 1. Mai vor nunmehr sechs Jahren mit Dank gegen Gott sagen konnte. Und das müssen mir alle mit Staunen bezeugen, das ist immer wieder wie ein Wunder vor unseren Augen! Ein ganzes Volk hat
sich aus dem Ungeist her Verwirrung und Verhetzung zurückgefunden zur Ordnung und Kraft. Und wenn solch heiliger Geist diesmal auch nicht gekommen ist im Brausen vom Himmel und stürmischer Begeisterung, sondern larg- sam, aus sttller, mühevoller Arbeit, aber getragen von glühender Hoffnung und felsenstarkem Glauben, so war es dafür auch um so weniger ein bloßer Rausch und Taumel der Leidenschaft, sondern ein Bleibendes und Verpflichtendes, ein heiliges Gut der ganzen Nation, der neu gewonnenen Volkseinheit. Kein anderes Volk der Welt hat so gewaltig den neu schaffenden Pfingstgeist erlebt wie das deutsche Volk, keinem Volk ist in solchem Maße ein neuer Geist und eine neue Freude geschenkt worden! Was ist selbst all das Blühen und Leuchten und Freuen da draußen gegen eine solche herrliche, unbegreiflich große Kraft!
So wollen wir dieses frohen und freudigen Festes tiefen, geistigen Sinn geistig verstehen und begehen. Denn darauf wirt) es nun ankommen, daß auch mir unsere Herzen und Seelen füllen lassen mit den Geisteskräften, die uns kein bloß irdischer Geist geben kann, sondern der von oben her über uns kommt. Und dos allein schon kann uns ein Grund emiger, unvergänglicher Freude sein, daß so etmas überhaupt da ist, ein starker, guter Geist, der auch unseren manchmal so niedergebeugten, schrnachen Geist stark und freudig machen will! Darum ist es auch diesmal unsere Pfingstbitte, daß er uns neu erfüllen und immer bei uns bleibem wolle. Denn ohne ihn können mir nicht leben. Mit ihm aber steht auch unsere Seele da im heiligen Maienschmuck der Pfingsten des Geistes und der Freude. M.
Frühlingsfahrt im Oonaudelta.
Don unserem Or. He.-Korrespondenten.
B u f a r e ft, Mai 1939.
Zu den Feierlichkeiten anläßlich des Ueber- ganges der Hoheitsrechte auf der unteren Donau von der Europäischen Donau- Kommission auf ben rumänischen Staat hatte die rumänische Regierung die in Buka- rest ansässigen Vertreter der ausländischen Presse eingeladen. Unser Mitarbeiter, der an der Fahrt teilnahm, schildert im folgenden feine Eindrücke von Land, Wasser und Menschen.
In vier-Stunden bringt uns der „Rapid" im bequemen Pullman-Wagen von Bukarest direkt an den Kai von G a l a tz. Kurz vor Mitternacht treffen mir dort ein und begeben uns sogleich an Bord des „Stefan cel Mare". Beim Hinausfahren aus dem nachtdunklen Hafen, an endlosen Schuppen und Silos vorbei, bekommen mir einen Begriff von feiner Größe und Bedeutung. Als mir am anderen Morgen auswachen, gleitet unser Schiss langsam mit gestoppten Maschinen über einen schmalen Wasserarm dahin, der mit den grünen Ufern, Häusern und Windmühlen etwas an Holland erinnert: Wir find kurz vor S u l i n a , aus dem nach diesem Städtchen benannten Arm der Donau, der zwar von allen drei Armen des Deltas (St. Georgs-, Sulina- unb Chilia-Arm) den geringsten Teil des Donau- wasfers (acht vom Hundert) zum Meere führt, der aber am besten ausgebaut ist und auf den daher alle größeren Schiffe angewiesen sind. Und doch ist gerade der Sulina-Kanal am meisten in Gefahr, von den riesigen Geröllmassen, die der Strom aus den deutschen Mittelgebirgen, aus den Alpen und den Karpathen mitbringt, zugeschüt - t e t zu werden.
Sulina ist ein kleiner Hafenort mit noch nicht tausend Einwohnern, ringsum von jeder Landverbindung abgeschnitten und nur auf dem Wasserwege zu erreichen. Aber einige Konsulate (vor allem nordischer Länder), das Verwaltungsgebäude der Europäischen Donau - Kommission, ein Seemannsheim und der weithin sichtbare Leuchtturm unterstreichen seine Bedeutung als wichtiger Punkt unmittelbar an der Mündung des schiffbaren Donau» arms ins Schwarze Meer und als letzte Station Guropas. Sogar einen Tennisplatz haben sich die ausländischen Beamten der E. D. K. hier angelegt. Dafür gibt es außer einigen einfachen Gastwirtschaften, Tee- und Kaffeestuben aber auch
gar keine Abwechslung, nicht einmal ein Kino. Eine wunderbare orthodoxe Iirche mit bunten, gedrehten Türmen hat der kleine Ort und eine kleine Moschee.
Wir laufen hinaus, vom Kai etwa einen oder zwei Kilometer, bis zum Meer. Feucht und morastig ist das Schwemmland, über das mir gehen, und lautes Froschkonzert tönt allenthalben aus den zahlreichen Tümpeln. Seltsame Menschen begegnen uns, Fischer, barfuß, mit markanten Gesichtern, wallendem Haupthaar und langen, vielfach roten Bärten: Russen, die der Sekte der Lipovenen angehqsen. Nicht weit von hier, jenseits des nördlichen Donau- Armes, beginnt ja Bessarabien, das noch vor zwan.zig Jahren russisch war. Draußen, am Strande des Schwarzen Meeres, das feine Wellen munter ans Ufer wirft, finden wir einige Fischer vor ihrer ärmlichen Hütte damit beschäftigt, ihre riesigen Netze zu flicken, mit denen sie den Stör und den Morun fangen und wie die zahllosen anderen Fische des Deltas und des Schwarzen Meeres alle heißen, die mir meist nicht einmal dem Namen nach kennen. Höflich, aber wortkarg, geben uns die Fischer Antwort auf unsere Fragen. Die ganze Unergründlich- feit des russischen Menschen spricht aus ihnen. Man
hat uns erzählt, daß diese Lipovener oft stunden-, und halbe Tage lang fast regungslos auf einem Fleck stehen und vor sich hinstarren, sozusagen als fromme Hebung des Sichversenkens und des Nichtstuns.
Mächttg ergreift* es uns, als nachher bei der feierlichen Flaggenhiffung an Bord des „Regele Carol II." von den Hymnen der in der neuen E.D.K. vertretenen Staaten als erste das Deutschlandlied erklingt. Natürlich, wir wissen ganz genau, daß nach dem international gebräuchlichen französischen Alphabet Deutschland an erster Stelle, Frankreich an zweiter, Großbritannien an dritter und Italien an vierter Stelle stehen muß. Aber wer will es uns verübeln, daß wir an diese nüchterne Erklärung jetzt nicht denken und daß das erhabene Gefühl, in dieser östlichen weltfernen Umgebung, an diesem letzten Punkt Europas die vertrauten Klänge der heimatlichen Nationalhymne zu hören, uns ergriffen macht. Noch einmal sind wir überrascht und gerührt zugleich, als in dem winzigen Fernsprechamt von Sulina, in dem wir ein Ferngespräch verlangen — es hat anderthalb Stunden gedauert, bis die Verbindung her-
Der Hinweis - ein Vlilk in die Zeitschriften.
Oie beliebtesten deutschen Filme und Filmschauspieler.
Im Rahmen einer Umfrage suchte die Zeitschrift „Der deutsche Film" die fünf beliebtesten jälme, Darsteller und Darstellerinnen zu ermitteln. 6as (Ergebnis teilt Frank Maraun im Machest der Zeitschrift in einem Aufsatz mit. Wir entnehmen daraus: Bei den Filmen steht an der Spitze „ssour le merite", dann folgen „Heimat", „Urlaub auf Ehrenwort" und „Der Herrscher". In weiterem Aostand: „Du und ich", „Jugend", „Manuel", „Traumulus", „Unternehmen Michael" und „Olympia". Mit etwa gleich vielen Stimmen wie der letztgenannte reihen sich an: „Patrioten", „Friesenrot", „Maskerade", „Bengali" und „Verräter". Erst nach einigen weiteren ernsten Filmen taucht als erster heiterer Film „Der Mustergatte" auf, dem dann bald noch „Versprich mir nichts" folgt ... ' Willy Birgel, Heinrich George, Emil Jannings werden bei den Darstellern nahezu gleich o f t zuerst genannt. Es folgen Matthias Wieman und dann Paul Hartmann, Gustaf Gründgens, Heinz Rühmann, Paul Hörbiger, Hans Albers, Karl Ludwig Diehl, Viktor de Kowa und Hannes Stelzer. Es folgen noch über hundert andere Namen — ebenso wie bei den Darstellerinnen, bei denen Brigitte Horney, Zarah Leander und Paula Wessely eindeutig die Spitzengruppe bilden. Erst in größerem Abstand setzt sich die Reihe fort mit Luise Ullrich, Kristina Soederbaum, Lil Dago- oer, Olga Tschechowa, Marianne Hoppe, Sybille Schmitz, dann wieder in einigem Abstand mit Jutte Freybe, Ciliar Harvey, Sabine Peters und Käthe Dorsch, und mit vielen anderen, die wir nicht alle nennen können. Auch hier bei den Darstellern und Darstellerinnen finden wir an der ersten Stelle diejenigen genannt, die menschliche Substanz einzusetzen haben, von denen eine starke Persönlichkeits- Wirkung und künstlerische Kraft ausgeht.
Fernfehprobleme.
Wer sich über den heutigen Stand des Fernsehens, über feine Entwicklung und seine Zukunft unterrichten will, findet im Maihest der „Deutschen Rundschau" einen Aufsatz von Kurt Wagenführ, der ihm auf wenigen Seiten ein klares Bild des Wichtigsten gibt. Ueber die Ferusehprobleme der nächsten Zukunft bemerkt Wagenführ: „Es bleiben zwei Fragen, deren Lösung die Zukunft ergeben muß. Einmal wird man sich überlegen müssen, ob nach dem Leuchtturmprinzip eine Reihe von Sendern größerer Stärke an günstigen, also hochgelegenen Stellen, erbaut werden sollen, die ein weites Gebiet erfassen können, oder ob man viele kleine Stadtsender errichtet, die von Berlin aus über Kabel mit Programmen versehen werben und sie bann ausstrahlen. Zum anderen muß die Frage der Uebertragung von Fernsehdarbietungen auf Großprojektionsfläche in Kinos entschieden werden, wie es beispielsweise England schon getan hat. Die
Bildfläche hätte dabei etwa die Ausmaße einer Kinobildfläche. Dem Prinzip nach wären diese Fern- sehtheater „Wochenschaukinos" — wir kennen sie in Deutschland nicht, wohl aber sind sie in vielen anderen Ländern ein Begriff — in die aktuelle Geschehnisse unmittelbar übertragen würden. Die Bezeichnung würbe sich damit in „Tagesschau" wandeln. Entscheidungen über diese Frage, die eine Vielzahl von technischen, organisatorischen, autorenrechtlichen und anderen Problemen mit sich bringen, werden bald gefällt werden müssen."
©er „Gistlchrank" des Photographen.
Unter dem Titel „Vorsicht — Gift!" weist Hanns Rupprecht in der Zeitschrift „P h o t o f r e u n b" darauf hin, mit wieviel Giften auch der Amateur- photograph, oft leider ohne die nötige Vorsicht, umgeht: „Alle Entwicklersubstanzen, auch Metol und Hydrochinon wirken, in ben menschlichen Organismus eingeführt, durch ihr großes OxydationsVrc- mögen mehr oder minder schädlich. Auch rein äußerlich kann z. B. Metol für viele Menschen gesund-
SPITZENLEISTUNG
OPEL
heitsschäblich wirken, bekannt sind die „Metol- Hände". Unser so oft benötigter Farmerscher Abschwächer enthält das recht giftige Ferricyankaliurn — rotes Blutlaugensalz. Das recht harmlos qus= sehende Bromkali, bas in geringen Mengen in der Medizin als Beruhigungsmittel Anwendung findet, ist als Bromabkömmling burchaus nicht unschädlich. Unser wichtiges Verstärkungsmittel, das Quecksilberchlorid-Sublimat, ist bekanntlich sehr giftig und nur mit größter Vorsicht zu behandeln. Ebenso das weniger zuverlässig arbeitende salpetersaure Uran- Urannitrat. Alle Abkömmlinge der Chromsäure, chromsaures Kali, chromsaures Natrium, chrom- saures Ammonium, alle diese farbschönen kristallinischen Stoffe, die für den Pigment-, Gummi- und Oeldruck ober auch für den Verstärker notwendig sind, sind äußerst giftig. Aetzkali und Aetznatron, die, den entsprechenden Entwicklern zugesetzt, das Letzte aus unterbelichteten Aufnahmen herausholen, sind stärkste Gifte. Das Eisessig — wasserfreie Essigsäure, Salz- und Schwefelsäure ebenso wie das zur Härtung von Gelatineschichten notwendige For- malin-Formaldehyb nur mit größter Vorsicht anzu- wendeyde Giftstoffe sind, dürfte allgemein bekannt fein. Dies nur eine kleine Auswahl aus unserer „Giftküche", die nicht ausschließt, daß wir alles Uebrige nicht ebenfalls sorgfältig zu verwahren hätten. Gewiß, es ist ein gewaltiger Unterschied, ob jemand versehentlich einen- Viertelliter Cyankalium- lösung oder „nur" neutrales Nxierbad trinkt: aber gesundheitsschädlich ist letzteres bestimmt auch."
gestellt war, die dann allen unseren Befürchtungen zum Trotz sehr gut funktionierte —, der Beamte uns in deutscher Sprache antwortet. Er stammt drüben aus Bessarabien, und dort gibt es ganze Dörfer mit deutschen Bauern, deutscher Sprache und beutfdjen Namen (z. B. Leipzig).
Am Nachmittag fährt unser Schiff den Sulina- Arm wieder hinauf gen G a l a tz. Wir sitzen auf Deck und lassen uns von der im Wasser blitzenden warmen Sonne braun brennen. Langsam und ganz nahe ziehen die weidenbestandenen Ufer ®an uns vorüber, aber hinter ihnen beginnt auf beiden Seiten bald wieder Wasser und Sumpf: die U n • endlichkeit des Deltas, das mit feinen dreitausend Quadratkilometern einen Raum fast von der Größe des Landes Braunschweig bedeckt. Auf und im Wasser aber tummelt sich ungezähltes Getier. Vögel und Insekten aller Arten und Größen in einer noch nie gesehenen Vielfältigkeit beleben die Luft und das Gebüsch am Ufer, und immer ist auch irgendwo efn Tümpel in der Nähe, aus Dem lautes Froschguaken bringt. Dann und wann unterbrechen einige armselige Fischer- und Bauemhütten
das Bild der Urlandschaft, und arm gekleidete Menschen schauen uns erstaunt und wortlos nach. Als wir schließlich in der Abenddämmerung im Hafen des stufenförmig aufgebauten Städtchens Tu Ice a mit feinem blesstiftspitzen Minarett an- legen, gehen wir für kurze Zeit von Bord, nicht, wie man uns geraten hatte, der dort wohnenden schönen Türkinnen wegen, sondern um uns diese merkwürdige orientalische Hafenstadt mit unverkennbar türkischem Charakter und ihrem bunten Volker- und Sprachengemisch anzuschauen.
Ader bald ruft uns die Schiffssirene zurück an Bord. Weiter geht die Fahrt auf dem im Dunkel der Nacht liegenden, von Urwald umgebenen Strom, links von uns bas kahle Bergland der D o b r u • d f ch a. Als wir bann nach wenigen Stunben Schlaf am frühen Morgen geweckt werben, liegen wir bereits in Ga 1 atz am Kai. Schon wartet der „Rapid" auf uns, und während im morgendlichen Hafen bereits bas Lieb b^r Arbeit zu tönen beginnt, bringt er uns zurück in ben heißen Alltag des plötzlich sommerlich gewordenen Bukarest.
Pfingsten in der Kunst.
Don Ernst v. Niebelschüh.
Pfingsten mit der Ausgießung des heiligen Geistes ist von der kirchlichen Kunst ungleich fcllener dargestellt worden als etwa die österliche Passionsgeschichte ober das eWihnachtsmysterium. Das ist verständlich, wenn man den Text im 2. Kapitel der Apostelgeschichte nachliest und sich in die Lage des Künstlers versetzt, dem die Ausgabe zuteil wird, ihn zu gestalten. „Und als der Tag der Pfingsten erfüllet mar, waren sie alle einmütig beieinander. Und es erschienen ihnen Zungen zerteilet wie von Feuer: und er setzte sich auf einen jeglichen von ihnen; und sie wurden alle voll des heiligen Geistes und fingen an zu predigen mit anderen Zungen, nachdem der Geist ihnen gab auszusprechen." Also eine Reihe von Aposteln mit feurigen Zungen auf den Häuptern und der heilige Geist, der öle Erleuchtung und das Predigen bewirkt. Das Motiv ist in der Tat nur wenig ergiebig, weil es die Phantasie, die im Sinnlichen wurzelt, nicht genügend ins Spiel setzt.
■ Ganz zu umgehen war das Pfingstfest natürlich nicht; es gehörte als unentbehrliches Glied in ben Zusammenhang der christlichen Heilslehre und bildet ben Abschluß der wunderbaren Ereignisse, auf denen die Kirche ihr Dogmengebäude errichtet hat. Besonders währvid des Mittelalters, wo nicht der Künstler, sondern die Kirche die. Themen wähl bestimmte, begegnen wir dem Bilde de'r Geistesausgießung auf ben Altären und in den heiligen Büchern boch ziemlich regelmäßig.
Als Giotto, der ein Zeitgenosse Dantes mar, die Arenakirche in Padua mit Fresken aus dem Leben Jesu malte, war es selbstverständlich, daß Pfingsten als das Endglied des aefamtert Zyklus nicht fehlen durfte. Seit der Renaissance jedoch, die den Künstler auf eigene Füße stellt, ihm auch in der Themenwahl mehr Freiheiten läßt, verschwindet eg aus dem Aufgabenkreis mehr und mehr. Grünewald, Cranach, Holbein, Altdorfer haben kein Pfingstbild gemalt. Dürer hat es nur einmal, in der „Kleinen Passion" in Holz geschnitten. Erst mit dem Anwachsen der magischen Bedürfnisse im Zeitalter der Gegenreformation wird Pfingsten wieder häufiger bargestellt, bezeichnenderweise aber nur in ben katholisch gebliebenen Ländern, dort sogar in großen Attargemälden und mit starker Betonung Des Wunders, so von Rubens (München, Alte Pinakothek), van Dyck (Berlin, Kaiser-Fried- rich-Muscum), Tizian (Venedig, Salute) und be
sonders von Greco, beffen Pfingstbild im Prado zu Madrid zu den bekanntesten Schöpfungen des Meisters gehört. Man wird auch zugeben müssen: das Thema kam der barocken Tendenz, in ungewöhnlichen. Situationen zu schwelgen, sehr weit entgegen. Eine Versammlung von Menschen, die der unsichtbar bleibende Spiritus sanctus in rauschende Ekstase versetzt — was könnte „barocker" sein? Wohl aus dem nämlichen Grunde findet bas Pfingstwunder bei den protestantischen Nationen, so viel wir sehen, keinen Zugang. Unter den zahlreichen religiösen Gewölben und Radierungen Rembrandts begegnen wir ihm nicht ein einziges Mal!
Wie für jeden biblischen Vorgang hatte die Kirche auch für den Bericht von der Ausgießung des heili- gen Geistes eine Normalfassung, die nur geringfügige Abweichungen zuließ. Die Sendboten Christi sind versammelt, zwölf an der Zahl. Nur in der heiligen Zwölf schließt sich der Apostelkreis; darum mußte, bevor Pfingsten geschehen konnte, die durch bas Ausscheiden des $ubas Jscharioth entstandene Lücke durch die Berufung des Matthias wieder gefüllt werden. Ohne sie märe die Runde unvollständig gewesen. Wie es zwölf Monate, zwölf Tierkreis- Feichen am Himmel gibt, so zwölf Apostel. In dieser Zahl ist das ordnende Weltprinzip beschlossen. „Gott geometrifiert fortwährend", sagt schon Plato, und „Mathematik ist die Sprache der Gotter" heißt es bei Novalis. Zwölf ist die christliche Zahl der Vollendung. Darum zwölf Apostel, nicht mehr und nicht weniger.
Mehr noch fesselt auf allen Pfingstbarstellungen eine weibliche Figur unsere Aufmerksamkeit. Wie kommt eine Frau in diese Männerversammlung? Und wer ist diese Frau, um die sich die Apostel wie um einen geistigen Mittelpunkt scharen? Maria ist es, die Mutter des Herrn. Allein mir werden kaum fehlgehen, wenn mir in ihr etwas anderes als die irdische Mutter erblicken, von deren Anwesenheit zu Pfingsten ja auch die Apostelgeschichte kein Wort verlauten läßt. Es ist die dem noch hochgeistigen Urchristentum ganz geläufige Gestalt der „reinen und keuschen Jungfrau Sophia", der göttlichen Weisheit also, die man in der Person der Mutter Jesu verehrte. Welchen Rang man ihr zuerkannte, erhellt am besten daraus, daß der byzantinische Kaiser Justinian im 5. Jahrhundert in feiner Hauptstadt Konstantinopel der „Hagia Sophia“, eben der göttlichen Weisheit, eine Kirche weihen konnte, die natürlich nichts anderes als eine Marienkirche ist. Sophia ist also die aeiftiae Seite der Maria. Als später mit der zunehmenden dogmatischen Erstarrung das Christentum unter Führung der immer irdifcher werdenden Wettkirche seinen ursprünglichen
Weisheitscharakter mehr und mehr verlor, mußte man natürlich' auch mit der Sophia keine lebendige Vorstellung mehr zu verbinden, der Name wurde gleichsam aus dem Wörterbuch der Kirche gestrichen. In ben Pfingstbilbern klingt er noch leise nach, wie eine alte Melobie, deren Sinn man nur noch halb versteht.
25 Jahre Deutsches Dolksliedarchiv.
Den ganzen Reichtum unseres nationalen Lied- Ir estanbes und des Anteils der deutschen Stämme und Landschaften daran, der gerade bei ben grenz- und auslanbsbeutschen Gebieten erstaunlich wichtig ist, bringt uns bie Arbeit am „Deutschen Volkslieber- archiv" zum Bewußtsein, bas im Frühjahr 1914 in Freiburg gegrünbet wurde. Das Archiv, bas von dem Volkskundler Professor John Meier gegrünbet ist unb noch heute geleitet wirb, sollte bie Zen- tralsammelstelle vor allem für bas noch lebeiibige Liebgut des gesamten deutschsprachlichen Bereichs werden: die Sammlung sollte sich bis auf das Jahr 1700 erstrecken. Der Träger der Einzelsammlung, bie nur von ben Landschaften her erfolgen konnte, war, wie Dr. Werner Kohlschmidt in ben „Forschungen und Fortschritten" ausführt, der „Verband deutscher Vereine für Volkskunde". Die Arbeit wurde durch ben Krieg zunächst gehemmt, der anderseits aber durch Umsendung von Fragebogen an das Heer einen reichen Ertrag an Sol- datenliedaufzeichnungen erbrachte. Die äußeren Mittel zu seiner Arbeit, bie nach dem Kriege mit verstärktem Einsatz fortgeführt werden konnte, verdankte das Archiv zunächst Ländern unb Provinzen, bann in immer stärkerem Maße ber Notgemeinschaft ber beutschen Wissenschaft, ber heutigen Deutschen Forschungsgemeinschaft, so baß es jetzt mit einem Stabe von neun wissenschaftlichen Kräften arbeiten kann. Die Schwierigkeiten der Katalogisierungsaufgabe bes Materials zeigt die Tatsache, baß heute die Abteilung A, die das nach dem Münblichen auf- gezeichnete unb hanbfchriftliche Material enthält, gegen 150 000 Nummern umfaßt, während die Abteilung B, das aufgeorbnete Druckmaterial, gegen 40 000 zählt unb weitere Abteilungen, wie die ber Photokopien ber älteren Flugblatt- unb Hand- schriftenbeftände ber wichtigeren Bibliotheken, ^bie Gesamtzahl auf 246 000 Nummern erhöhen. Seit 1928 ist eine wissenschaftliche Ausgabe ber „Deutschen Volkslieder mit ihren Melodien" vorbereitet, von ber bisher drei Halbbänbe mit Balladen vorliegen, denen in den nächsten Monaten zwei weitere folgen werden.
Olona-palast: „ trau am (Steuer".
Die Frau am Steuer sitzt nicht, wie manche viel« leicht vermuten werden, im Auto, sondern im Büro, als Sekretärin einer Bank in Budapest. Zu Anfang ist es überhaupt nur ein Fräulein, aber als bas Fräulein geheiratet hat — ihren rechtmäßigen Verlobten und nicht ihren vorgesetzten Direktor, der auch nicht abgeneigt wäre —, da wird ber junge Ehemann abgebaut unb muß froh fein, daß wenigstens feine Frau eine Stellung hat, was ihm zuerst gar nicht recht war. Während also die Frau im Büro sitzt (unb sich ängstlich weiterhin als Fräulein ausgibt), besorgt der Mann daheim die Wirtschaft unb kocht: eine ganz verkehrte Welt. Infolge etlicher Mißverständnisse und Schwindeleien unb mit Hilfe des Direktors, der feine hartnäckigen Bemühungen um die Sekretärin fortsetzt, kommt aber nicht nur dieser Schwindel zum Vorschein, sondern auch der Mann zu einer neuen Stellung: in derselben Bank, im selben Büro, bie Frau wird feine Vorgesetzte und behandelt ihn scheußlich, weil er ihr die Sache mit dem Direktor sehr übelgenommen hat. Da aber der Mann nicht nur kochen kann, sondern sich auch im Büro als äußerst brauchbare Kraft erweist, sind in Kürze die Rollen vertauscht: ber Mann hat das Kommanbo im Büro und behandelt seine Frau genau so scheußlich, setzt am Ende sogar ihre Entlassung bunt), und nun ist endlich die richtige Ordnung in dieser Ehe hergestellt, und bie Frau wird hinfort nichts zu steuern haben als ihren Haushalt und den Kinderwagen. Die Spielleitung von Paul Martin nahm'bie Dinge nicht ernster, als sie gemeint sind; es bleibt alles in der Ässtfpiel- Sphäre, und besonders dieses Bankhaus ist eine ausgesprochen ulkige Angelegenheit. Lilian Harvey und Willy Fritsch, seit langen Jahren nebeneinander auf der Leinwand, machen da» derliche Liebes- unb Ehepaar, reagieren vorzüglich aufeinander unb lassen ben leicht amüsierten und etwas erstaunten Beschauer alle Stationen ihres Abenteuers innig miterleben. Grethe Weiser ist eine muntere Kollegin im Büro, Leo S 1 ezak ein menschlich fühlender Generaldirektor, Georg Alexander der amüsierfreudige Juniorchef; ber Komiker Rubolf Platte gibt nebenbei etliche erprobte Späße zum Besten. — (Ufa.)
Zuvor sieht man die neue Wochenschau mit ausführlichem Bildbericht vom Besuch des italiemschen Außenministers in Berlin, ben Film bes beutschen Motorsports 1938 unb, auf ber Bühne, ein Kmsst- radfahrerpaar, das sogar von oben herab Fanfare bläst. Hans Thyriot


