Ausgabe 
25.4.1939
 
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Dienstag, 25. April

Nr. 96 Erstes Matt

189. Jahrgang

Jugoslawien als Wirtschastsmacht

Lim die Einführung -er Wehrpflicht in England

Zrankreich setzt London unter Druck

England in gleicher Weife wie Frankreich waigen militärischen Unternehmungen sich gen müsse, immer nachdrücklicher erhoben.

an eh beteilt« Petit

L. E. Paris, 25. April.

Der Beginn dieser Woche, die am kommenden Freitag mit der Führer-Rede ihren Höhepunkt er­reichen wird, wurde in Paris durch starke diplo­matische Geschäftigkeit cingeleitet. Außenminister Bonnet, der den Sonntag über in seiner Privat­wohnung gearbeitet hatte, besprach am Montagoor- mittag mit dem ppolnifchen Botschafter Luka- siewicz den Gang der Garantieverhandlungen zwischen England, Frankreich und Sowjetrußland. Frankreich läßt nichts unversucht, um Polen in das geplante franzöfisch-englifch-fowjetrussische Bündnis einzubeziehen. Deshalb mißt man auch den Be- spechungen des französischen Ministers für öffent­liche Arbeiten, de M o n z i e, große Bedeutung bei. Er soll ein Freund des polnischen Außenministers, Oberst Beck, sein.

Ministerpräsident D o l a d i e r hat am Montag den französischen Botschafter in London, E o r b i n, empfangen. Die Besprechung galt besonders der Einführung der Dienstpflicht in England und der englisch-französischen Zusammenarbeit auf militä­rischem Gebiet. Außenminister Bonnet hatte in den späten Abendstunden noch eine Unterredung mit dem englischen Botschafter Sir Eric P h i p p s. In Paris wird behauptet, der englische Botschafter habe im Quai d'Orsay die formelle Zusiche- r u n g seiner Regierung abgegeben, daß die Mili­tärdienstpflicht in England bereits in allernächster Zeit eingeführt werden würde. In der franzö­sischen Oeftentlichkeit wird die Forderung, daß

Lord L o t h i a n ist als Nachfolger von Sir Ro­nald Lind soy zum britischen Botschaf­ter in Washington ernannt worden. Lord Lothian ist 57 Jahre alt. Er gehört als Politiker der liberalen Schule an. Als Großgrundbesitzer nennt er in verschiedenen Teilen Englands 45 000 Morgen Land sein eigen. Von 1916 bis 1921 war er Pri­vatsekretär Lloyd Georges und 1931 bis 1936 Unter» ftaatsfekretär im Indien-Amt.

Geld hervorragend beteiligt, das dadurch wieder die jugoslawischen Großbrauereien, Dampfmühlen und Zuckerfabriken kontrolliert. Die Verteilung des frem­den Kapitals ist bezeichnend genug. Im Bergbau sind 47 o. 5)., im Versicherungswesen 38, am Handel 34,5, an den Transportunternehmen 26,6 und an den Banken- und Kreditinstituten 14 v. H. Aus­landskapital beteiligt

Demgegenüber hat die jugoslawische Regierung mit Erfolg versucht, den Einfluß vornehmlich des wesllichen Kapitals z u r ü ck z u d r ä n g e n. Im Vorjahre wurden eine Jugoslawische Stahl AG. und eine Silo AG. gegründet. Die staatliche Hypotheken­bank wird immer mehr zu einem Hauptinstrument in der Führung der staatlichen Wirtschaftsunterneh­mungen. Eine staatliche Seidenfabrik besteht in Novisad, ein Staatsgut bei Bolje, eine staatliche Zuckerfabrik bei Cukarina, und der Ausbau der Wasserkräfte erfolgt durchweg ohne englisches oder sonstiges Fremdkapital.

Das Einströmen ftemder Gelder war durch die Entwicklung des Staates bestimmt, der sich erst in den letzten Jahren darauf besonnen hat, die I n - dustrialisierung des Landes schon im Inter­esse der vorwiegend kleinbäuerlichen Bevölkery.ng nicht zu stark vorwärts zu treiben. Der Haupt­wirtschaftsfaktor wird immer in erster Linie die

nicht einmal jetzt Vorbereitungen treffe, um mehr als 26 Divisionen auszurüsten. Wenn aber Großbritannien zum Kriege schreite, müßte es d t c zehnfache Zahl an Mannschaften aus« rüsten. Jugendliche beiderlei Geschlechts zwischen 15 und 18 Jahren müßten in einer Prt Bürgerdienst, alljährlich vier Monate in militärischen Lagern ausgebildet werden.

Beachtlich ist, daß die Oppositionsblätter gegen den Gedanken der Wehrpflicht keinen Protest erheben, und auch in der Labourparei und in den Gewerk« schäften, die sich stets energisch gegen die Einführung der Wehrpflicht inFriedenszeiten" ausgesprochen haben. DieTimes" schreibt, daß das britische Ka­binett sich am Montag mit der Frage der Wehrpflicht befaßt habe. Die Anhänger der Regierung schienen jetzt sehr für die Einführung der Wehrpflicht zu fein. Die Führer der Labourpartei feien dem Gedanken noch immer abgeneigt, es fei aber nicht irn geringsten sicher, daß alle ihre Anhänger die gleiche Ansicht ver­treten, insbesondere könneunter dem Zwang der Ereignisse sich die Meinung oft sehr schnell ändern".

Journal", das Blatt des Obersten de la Rocque, erklärt, daß ein Verhältnis von gleich zu gleich die Voraussetzung der Zusammenarbeit zwischen England und Frankreich sei. Es gehe nicht an, daß die französischen Arbeiter und Bauern sagen könnten:Wir sollen uns zwar die Schädel einschlagen lassen, die Engländer brauchen aber nur Material und Geld zu liefern!"

Mit besonderem Interesse wird von den Pariser Blättern am Dienstag die Rückreise Hender­sons auf seinen Posten nach Berlin registriert. Man behauptet, daß Henderson in Berlin mitteilen werde, die englische Regierung gewähre dem Roose- veltschen Aufruf vollste Unterstützung. Ferner werde er damitdrohen", daß die britische Regierung in irgendeiner Form die Herstellung der allgemeinen Dienstpflicht ins Auge gefaßt habe.

Genugtuung in Llnoarn.

Budapest, 24.April. (Europapreß.)Ungarn ist über die Ergebnisse der Beratungen von Venedig von der größten Genugtuung erfüllt unb trägt der Tatsache Rechnung, daß die heutige Lage in jeder Hinsicht zur Begründung und zum Ausbau des vollen Vertrauens zu Jugoslawien die Möglichkeit bietet", schreibt das Sprachrohr des un- narischen Außenministeriums, derPester ^wyd . Ungarn rechne damit, daß die die beiden Staaten miteinander verbindenden Faktoren bei zunehmen­dem gegenseitigen Vertrauen weiter er st a r k en mürben. Ungarn werde bestrebt sein, seinerseits die Möglichkeiten auszunutzen, die durch die sich erfreu« lich entwickelnden Verbindungen Belgrads mit der

gegeben, d i e nötigen Streitkräfte, um diese Garantien einzulösen, aber noch immer nicht auf die Beine gestellt habe. Diese Tatsache müßte auf die gegenwärtigen und zukünftigen Ver- öündeten Englands einenschlechten Ein­druck" machen. Churchill schloß mit dem Ausdruck der Hoffnung, daß die Dienstpflicht in England in her nächsten Zeit eingeführt werden würde. Auch der frühere konservative Minister A m e r y erklärte, daß das Vertrauen Frankreichs schwer auf die Probe gestellt sei. Die Ausbildung der jungen Leute, die sich für die Territorialarmee gemeldet hätten, reiche für einen modernen Krieg nicht aus. Wenn Großbritannien morgen zum Kriege schreite, so könne es nicht einmal davon träumen, die Ter­ritorialarmee ins Feuer zu schicken, bevor diese nicht weitere 3 bis 4 Monate ausgebildet sei. Alles an­dere würde glatten Mord bedeuten. Die Schaffung des Munitionsministeriums bedeute, daß- die Re­gierung bis zur letzten Woche die Ausrüstung der 250 000 Mann nicht einmal ins Auge gefaßt habe. Es bedeute aber auch, daß die Regierung noch

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den könne. Hierzu würden die Unterhaltungen mit der gegenwärtig in England weilenden finnischen und der demnächst erwarteten schwedischen Wirtschaftsabordnung beitragen. In den Wirtschafts­beziehungen zu Polen seien die Schwierigkeiten beseitigt und weitere Verhandlungen daher nicht notwendig.

Hebungen der englischen Flotte im östlichen Mittelmeer.

London, 25. April. (Europapreß.) Die englische Nordseeflotte wird am 28. und 29.April im Kriegshafen Portland zusammengezogen. Mit Ausnahme der Schiffe, die das Königspaar nach Amerika begleiten, wird die Flotte anschließend ihre Üblichen Schießübungen abhalten. Die Mit- telmeerflotte wird, wie bereits gemeldet, am Mittwoch eine Besuchsfahrt in s östliche M i t t e l m e e r antreten und dabei Häfen in Griechenland, Palästina, Aegypten und auf Cypern anlaufen. Nach Abschluß dieser Be- suchsfahrt wird die Mittelmeerflotte wahrscheinlich im östlichen Mittelmeer Hebungen abhalten.

fordert.

Andererseits gibt man sich in Belgrad keinen falschen Großmachtträumen wie früher in Prag und > jetzt in Warschau hin, sondern möchte sich von allen , Streitigkeiten der Großmächte fern halten. Während ( aber London und Paris von Jugoslawien ver­langen, daß es sich aktiv an ihrer achfenfeindlichen Ein kreisungspolikik beteilige, haben Berlin und Rom nur den einen Wunsch, daß sich Belgrad nicht an einer gegen sie gerichteten Aktion beteilige. Im übrigen suchen sie aber ihren Handel und die Freundschaft ihrer Völker zu fördern, wodurch zu- gleich den jugoslawischen Interessen am besten ge­dient ist.

Dazu kommt noch, daß die beidendemokra­tischen" Mächte in der jugoslawischen Innenpolitik mitzureden versuchen, um auf diese Weise einen Druck auf die Regierung auszuüben. Sie gehen "dabei mit den gleichen Methoden wie einst Herr Benesch vor und scheuen sich sogar nicht, wie es dreimal wöchentlich der Lyoner Sender tut, in s -serbo-kroatischer Sprache Hetz- und Greuelmeldun- gen des Moskauer Rundfunks über Vorgänge in Jugoslawien und seinen Nachbarländern zu ver­breiten. Demgegenüber besteht auf deutscher Seite Der ehrliche Wunsch, daß Jugoslawien seine innen­politischen Angelegenheiten in einer dem Staats­ganzen und dem Wohl seiner Völker dienenden Weife selbst nach feinen Bedürfnissen regle.

Schließlich ist es auch eine besondere Unterstrei­chung der Freundschaft und des Vertrauens, daß der jugoslawische Außenminister nach den jüngsten Vorgängen im mitteleuropäischen Raum und auf Der 'Balkanhalbinsel gerade jene Minister trifft, die von den demokratischen Kriegshetzern wegen ihrer entschlossenen Abwehr aller gegen ihre Lander ge­züchteten Bemühungen besonders gehaßt werden. Der in dem Communiquä von Venedig enthaltene Satz, daß man übereingekommen sei, Die zwischen Jugoslawien und Italien und zwischen Jugoslawien und Deutschland bestehende vertrauens- - wolle Zusammenarbeit auf politischem wie auf wirt­schaftlichem Gebiet zu vertiefen, um die Aufrecht­erhaltung des Friedens zu fördern und die Be­dingungen der Stabilität im Donauraum zu Der« Lesfern, dieser Satz zeigt ja deutlich genug den Wea, den die Belgrader Regierung künftig zu gehen gewillt ist. Dieser Weg wird über eine Verstän - fcigung zwischen Jugoslawien und lUngam, die gleichfalls in Venedig beschlossen .wurde, wahrscheinlich auch so wird in Rom emterstrichen zum Eintritt Jugoslawiens in die Front der Antikomintern-Mächte führen. Damit wnäre in der Tat ein Friedensblock in Südosteuropa geschaffen, dessen politische Wir­kung kaum zu unterschätzen ist und dessen Einfluß Diesem Raum endlich eine günstige Entwicklung aller feiner wirtschaftlichen und kulturellen Aufbaukräfte garantieren könnte.

Kurze Zeit nach dem Besuch Dr. Cincar-Morko- »vitfchs in der Reichshauptstadt werden in Köln reue W i r t s ch a f t s b e s p r e ch u n g e n zwi­

schen Jugoslawien und Deutschland beginnen. Au ihnen wird der Einbau des böbmisch-mährischen Raumes in den Rahmen der deutsch-jugoslawischen Wirtschaftsbeziehunaen voraenommen werden, die freute bereits fast die Hälfte des gesamten juao- flawischen Außenhandels erfassen. Das deutsche Volk aber begrüßt in Dr. Alexander Cincar-Marko- «vitsch einen alten und treuen Freund, der in Ber- ' Hin unermüdlich arbeitete, daß die Bande zwischen feinem Vaterlande und dem Dritten Reich immer oenger werden und sich zum Seaen beider Länder rnd Völker auswirken. Sein erster amtlicher Ber­liner Besuch als jugoslawischer Außenminister wird demselben Ziel bienen. Dr. Gr.

Achse eröffnet wurden. Es scheine auch, daß das jugoslawische Volk immer mehr den Wunsch begreife, den jugoslawischen Staat im Rahmen seiner heutigen diplomatischen Beziehungen nach innen und außen erstarken zu sehen. Wahrend dieses Erstarkungs­prozesses sei Ungarn bereit, den führenden Persön­lichkeiten Jugoslawiens gegenüber jenen Takt an den Tag zu legen, den heute bereits Ungarns Lage erlaube und der Jugoslawien den Anlaß bieten könne, daß nach der geistigen Annäherung auf allen Gebieten ein aufrichtiges Verständnis zwischen beiden Staaten zustande komme.

Englands Wirtschaftsbeziehungen zum Nordosten.

London, 24. April. (Europapreß.) Die eng- lisch-sowjetrufsischen Wirtschaftsbesprechun­gen werden voraussichtlich in Kürze in London wieder aufgenommen werden. Unterstaatssekretär für Außenhandel, Hudson, erklärte im Unter­haus, er fei überzeugt, daß als Erfolg feiner kürz­lichen Reife ih verschiedene ost- und nordeuropäische Länder die englische Ausfuhr dorthin gesteigert wer-

Gasencus Vesuch in London.

abs. London, 25. April.

Die Besprechungen, die der rumänische Außen­minister Gafencu mit Lord Halifax und Mini­ster Präsident Chamberlain hatte, sollen sehr frei­mütig und befriedigend verlaufen fein. Times piel- bet,die Besprechungen'hätten am Montag gute Fortschritte gemacht", die gesamte osteuropäische Lage sei erörtert worden, vor allem Rumäniens Bezie­hungen zu seinen Nachbarn, der Sowjetunion und Deutschland. Gafencus Ansichten über die Lage seien von besonderem Werte nach seiner Unerrebung mit dem Führer.Es scheine, daß Hitler in allen seinen Bezugnahmen auf Rumänien zuvorkommend gewe­sen fei." Finanzielle und wirtschaftliche Angelegen­heiten, so meint das Blatt, seien bisher überhaupt noch nicht erörtert worden. Es wird weiter betont, daß das Schwergewicht der wirtschaftlichen Verhandlungen zwischen England und Ru­mänien bei der zur Zeit in Bukarest weilenden englischen Delegation unter Führung von Sir Fre­derick Leith-Roß liege. Hinsichtlich der Ver­handlungen mit ber Sowjetunion ist man an zuständiger englischer Stelle immer noch sehr zurückhaltend. Der Stand der Verhand­lungen mit der Türkei und der Sowjetunion war wieder Gegenstand verschiedener Anfragen im Unterhaus. Ministerpräsident Chamberlain be­tonte wieder, er sei noch nicht in der La g e, eine Erklärung hierzu abzugeben. Der Ministerpräsi­dent ging auch nicht auf die Frage ein, ob mit einer Erklärung vor der Führerrede im Reichstag zu rech­nen sei. Er sagte lediglich, er hielte es nicht für wünschenswert, voreilige Erklärungen über noch in der Schwebe befindliche Verhandlungen abzugeben. Der umfangreiche Sicherheitsplan, den d i e Sowjetregierung in London und Paris un­terbreitet hat, wird nicht nur von Polen und Ru­mänien, sondern auch von englischen politischen Krei­sen mit starkem Mißtrauen betrachtet. Man will in London daher offenbar die Mitarbeit der Sowjetunion zum mindesten für die nächste Zukunft in einem weniger umfangreichen und komplizier­ten Rahmen sicherstellen. Zwei Punkte sind vor allem für die englische Politik hierbei maßgebend. Der eine ist der Zeitiaktor; man ist in London her Auffassung, daß der sowjetrussische Plan, abgesehen von allen anderen Schwierigkeiten, zu seiner Ver­wirklichung zu lange Zeit in Anspruch nehmen würde. Daneben will man auf die Abneigung P o - lens und Rumäniens gegen eine allzu enge Bindung an die Sowjetunion Rücksicht nehmen.

In Verfolg des Werbefeldzuges für die Terri­torialarmee sprach auf einem Platz in der Nähe des Londoner Rathauses Winston Churchill. Er machte dabei die bemerkenswerte Feststellung, daß England zwar an verschiedene Staaten Garantien

Agrarwirtschaft und dann der Bergbau fein. Im Jahre 1937 hat die Erzförderung des Lan­des 264 590 Waggons betragen und die Metall­erzeugung 8890 Waggons. Im Vergleich zu diesen Zahlen wurde im Vorjahre eine erhebliche Steige­rung erzielt. Die Blei-Zink-Erze ergaben 870 000 gegen 812 000 Tonnen 1937, die Kupfererze 740 000 gegen 650 000, die Eisenerze 610 000 gegen 618 000, die Antimonerze 15 000 gegen 8600, die Förderung von Bauxit, dieses wertvollsten Rohstoffes für Alu- minimum, betrug 410 000 Tonnen gegen 358 000 int Jahre 1937. Die jugoslawische Goldproduktion be­lief sich im Jahre 1938 auf rund 3000 Kilogramm, die in den Bergwerken von Bor, Blagojew, Kamen, aus dem Sande der Drau und der Rasina sowie an­derer Flüßchen gewonnen wurden.

Diese Industrialisierung hat den letzten Rest Bal­kan aus dem Lande vertrieben. In Mittelbosnien, im Jndustrieraum von Senitza, ist eine Schwer­industrie im Entstehen, die den Eisen- und Stahl­bedarf des Landes schon in kurzer Zeit zu decken vermag, in den Kupferbergwerken von Bor wurde eine elektrolytische Wäsche eingerichtet, in Troptschy sind Zink- und Bleischmelzen, in Dalmatien ist ein Aluminiumwerk entstanden, dessen Produktionsan- gaben für 1938 zwar noch fehlen, das aber nicht nur Jugoslawien mit diesem wertvollen Leichtmetall versorgen wird. Dazu kommt eine planmäßige Er­schließung des Landes durch Autobuslinien und durch Eisenbahnen, von denen rund 400 Kilometer sich im Bau befinden, während bereits 1000 fertig- gestellt wurden.

Die Agrarpolitik erfreut sich der besonderen Förderung der Regierung. Im Bereich der Land­wirtschaft ist das Genossenschaftswesen im­mer stärker zur Blüte gelangt. Im Zusammenschluß mit der Prizad, der staatlich prineligierten Getreide­export-Gesellschaft, sammeln sich die Genossenschaften, um durch Qualitätspflege und die Verteilung von Anbauflächen sowie durch Einfluß auf die Preis­gestaltung die Lage des jugoslawischen Bauern zu heben. Die klimatischen Bedingungen für Jndustrie- pstanzen wie Baumwolle, Hanf, Oelfaaten, Soja­bohnen find ebenso günstig wie die Bodenverhält­nisse. Die Erzeugung weist denn auch darin eine sehr erhebliche Steigerung auf, ebenso die von Flachs, Zuckerrüben und Hopfen. Die Waldwirt­schaft wird jetzt gepflegt. Jugoslawien ist zu 31 v. H. bewaldet, als Holzausfuhrland liefert es haupt­sächlich nach Italien und Deutschland. Die Vieh­zucht und Diehausfuhr ist bedeutend. Ein Agrar- land wie Jugoslawien hat in Großdeutschland ge­radezu einenZentralmarkt" gefunden, der im Vor­jahre nicht weniger als 42 v. H. der jugoslawischen Ausfuhr aufnahm. E. S.

Im August 1938 veröffentlichte die Belgrader Regierung eine Schätzung der in Jugoslawien ar­beitenden fremden Kapitalien. Die Kapi­talien sind in Jugoslawien hauptsächlich in Berg­werken und in der Industrie angelegt, wobei sich zeigt, daß England ebenso wie Frankreich sein Kapital hauptsächlich in Form von langfristigen Krediten oder fluktuierenden Beteiligungen investiert, während Deutschland einen sehr intensiven Handel mit jenem Lande durch die Förderung der jugoslawischen Wirtschaft ausbaut und nicht ausbeuterisch ist wie das englische und französische Geld. Insgesamt wird die Summe des Auslandskapitals auf 6,5 Mil­liarden Dinare angegeben. Davon entfallen auf Deutschland 10 v. H., auf die ehemalige Tschecho- Slowakei 12, also zusammen 22 v. H., auf England 18, auf Frankreich 15, auf die Schweiz 11, auf Italien 8 und auf die USA. 7 v. H.

Bezeichnend ist, daß die H a u p t m i n e n , so die Blei-, Zink-, Chrom-, Pyrit- und Goldgruben, durch­weg englisch verwaltet werden und daß die Engländer im Vorjahre begannen, sich für die Eisenerz gruben bei Dares zu interessieren. Ebenso spielt England in der H o l z g e w i n n u n g und in der Bankwelt eine bedeutende Rolle. An der jugoslawischen Vereinsbank ist englisches

Jugoslawien unb die Achse.

Am 26.4.1939 kommt der jugoslawische Außen­minister Dr. Alexander C i n c a r - M a r k o w i t s ch auf Einladung des Reichsaußenministers von Rib­bentrop zu einem Besuch nach Berlin. Er ist in der Reichshauptstadt kein Unbekannter mehr, hat er doch mehrere Jahre den Posten des jugoslawischen Gesandten beim Deutschen Reich innegehabt, bis ihn am 5. Februar 1,939 das besondere Vertrauen des Prinzregenten Paul auf seine jetzige verant­wortliche Stelle berief. In mehreren Erklärungen hat Dr. Cincar-Markowitsch offen und deutlich aus­gesprochen, daß er die erfolgreiche Linie der seit­herigen jugoslawischen Außenpolitik fort setzen wolle. Mit großem Geschick ist es ihm gelungen, in den letzten Wochen alle heimlichen und offenen Drohungen, Lockungen und Verdrehungen der briti« schen Diplomatie abzuwehren, die Jugoslawien in ihr Einkreisungsnetz verstricken wollte. Gegenüber dendemokratischen" Wortführern im eigenen Lande, deren Beziehungen zu Frankreich und England manchmal das Tageslicht zu scheuen haben, vertrat er unbeirrt die Politik des gefunden Menschenverstan­des, die von den natürlichen Gegebenheiten ausgeht und die Freundschaft Jugoflawiens zu allen Nach­barn, vor allem aber zu Deutschland und Italien

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