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Junge deutsche Nation.

[eben, sondern einen ganz pfundigen Jahrgang 1929,

die

und

Lieber S)err Amundsen!

und

Keiner herum einem ihn in erhebt

flennen wir wollen s mal versuchen es nötig!" entscheidet der Jungstamm-

Harder!" ruft der Jungstammführer auf. meldet sich, nur die Köpfe der andern fliegen und sehen auf einen schmalen Jungen mit braunen Wuschelkopf. Sein Nachbar stößt die Seite:Los geh' doch vor!" Harder

tauglich!"Was?! Das glauben Sie wohl selbst nicht!" staunt der Junge und macht große Augen! Dann winkelt er den Oberarm an und sagt:Hier is nicht von Pappe!" Nun kann der HJ.-Arzt nicht mehr und prustet vor Lachen los:No wir wollen dich noch mal mitnehmen. Aber du mußt bedeutend ruhiger werden!" Worauf der Knirps eine Kehrtwendung macht und mit trotzigem Gesicht auf seinen Platz zurückgeht. Er ist sichtlich entrüstet.

Merkmale des Wohlbefindens

Blühendes Aussehen, Spannkraft, Appetit! Die win­terliche Lebens- und Ernährungsweise ist vielen Kin­dern und Erwachsenen nicht bekömmlich. Blutarmut, Schwäche und Erschöpfung lassen keine rechte Lebens­freude aufkommen. Nehmen Sie deshalb rechtzeitig Vioferrin, das blutbildende Kräftigungsmittel, wel­ches sämtliche Nährstoffe des Blutes enthält.

Z*B*X

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du hast führer.

Ich bin Mops" zu

sicher zu dick!" sagt der kugelrunde oer im nächsten Monat in das Deutsche Jungvolk dem HJ.-Arzt, und seine dicken Arme | kommen wird.

Anschließend kommt dieberüchtigte" Nummer und sagt mit dünner Stimme:Meine Mutti will nicht, daß ich ins Jungvolk gehe!" Allgemeines Staunen am Tisch und in der Klasse. Sie stoßen sich gegenseitig an:Das hab' ich mir gleich ge­dacht!"So und warum will Mutti es nicht?" fragt der Jungstammführer.Weil sie da so roh sind und sich andauernd schlagen!" lispelt der Mut­tersohn. Und nun toben sie los, die dreißig Jungen.

Dieberüchtigte Nummer" ist gesund! Der Jung­stammführer erklärt ihm:Du hast dir einen Bären aufbinden lassen. Aber schlappe Kerls brauchen wir nicht! Wir verzichten auf dich!" Da fängtMutti­sohn" wirklich zu heulen an und schluchzt:Ach und wenn die andern alle bei den Pimpfen sind, soll ich nicht mit rein?!" Nein, das will er auch wieder nicht und heult wie ein Schloßhund.Nu hör auf zu "

Wir sind zwei Deutsche, 16 Jahre alt, möchten mit Ihnen den Nordpol entdecken. Bitte nehmen Sie uns mit. Wir sind sehr stark und hallen alles aus. Wir werden auch Sechundsteisch

Meister in Köche, Mstnbe und Garten

Besuch in einer BOM.-HaushattungSschule.

baumeln wie zwei pralle Würste herunter.Wie- viel wiegst du denn?"Fast einen Zentner!" ruft einer aus der Ecke hinten.Na du wirst dein Fett schon loswerden! Mußt bloß immer zum Dienst kommen aber tauglich bist du!" sagt der Arzt. Erleichtert stößt der Mops heraus:Gott fei

Ein senkrechter Kerl.

Stöps nannten sie ihn, weil er kaum über den Tisch sehen konnte. Er gehörte aber mit zu den Frechsten der ganzen Bismarckstraße und hatte schon allerlei Taten vollbracht, die zeigten, daß Stöps keineswegs ein Musterknabe werden wollte. Stöps wollte zu gern Pimpf werden und hatte schon ver- chiedene Male beim Fähnleinführer versucht, auf­genommen zu werden. Es ging aber nicht, weil Stöps erst neun Jahre alt war. Also mußte Stöps noch warten. Das paßte ihm nicht. Was machte er also? Er schmuggelie sich einfach mit unter Fähnlein, wenn es antrat. Beim vierten Jungzug teilte er fick klamm heimlich ins letzte Glied und iel nicht weiter auf: 1. weil er so winzig war, und 2. weil er die Kommandos genau so gut ausführen konnte wie alle anderen.

Eines Tages tarn der Schwindel aber doch her­aus. Das Fähnlein war zum Geländespiel ausge- ,zogen, und mitten im heißen Ringen brauchte der Fähnleinführer einen Melder, und da entdeckte er Stöps, der sich gerade eine vorzügliche Tarnung aus Farnkraut und'anderem Strauchwerk gebaut hatte. Dem Fähnleinführer fiel es weiter gar nicht auf, daß es Stöps war, weil er gar keine Zeit hatte, im Augenblick des bevorstehenden Kampfes an so etwas zu denken.

Stöps wurde also zusammen mit einem größeren Pimpfen losgeschickt. Sie mußten zum ersten Jung- zug, der von der Landstraße her angreifen sollte. Wehe, wenn ihr euch erwischen laßt!" rief der Fähnleinführer den beiden Meldern noch nach.

Richtig und ehrlich die Melder trafen auf einen feindlichen Radtrupp und wurden festgehalten. Da war es Stöps, der die Lage rettete. Die Feinde hat­ten ihn nicht für voll angesehen, weil er ja so klein war. Stöps hatte sich still und leise ein Fahr­rad genommen und war die schnurgerade Schneise entlanggefegt Die Karre war viel zu hoch für ihn. Er mußte em Bein durch den Rahmen stellen und so strampeln. Als er verfolgt wurde, ließ Stövs das Fahrrad im Stich und huschte in den Wald. Ein Glück, daß er sich dank seiner Winzigkeit so leicht verkrümeln konnte! Sie suchten eine aanze Zeit nach ihm herum. Da roat ihnen Stöps jeooch schon ent­wischt und in einem Graben abgehauen.

Es war eine nette Leistung von Stöps, der noch nicht viel Ahnung von Geländekunde hatte, den Jungzug 1 bei der Waldmeisterei zu finden.

Das Fähnlein siegte überlegen. Daß Stöps we­sentlich dazu beigetragen hatte, kam erst später her­aus, als der Fähnleinführer auch erfuhr, Stöps habe sich wieder mal unter die Pimpfe geschmug­gelt.

Stöps bekam die erste Zigarre, die er im Jung­volkrauchen" durfte. Er tat es mit Würde. Jetzt ist Stöps zehn Jahre alt geworden, und nun kann er endlich ins Jungvolk eintreten. Er wird mit unter den ersten jein, die ihre Pimpfenprobe ablegen!

Kho.

mit er eine Freude hat.

Nur keine Zeit verlieren mit dem Reden, warnte ich, wir werden dem Amundsen sofort einen Brief jchreiben. Da rannte Sepp um Feder und Papier, und hinterher suchten wir lange nach einer Anrede. Sepp wollte immer mitGroßer König des Eis­meeres" oderEdler Bezwinger des Sudpols" an» fangen, was natürlich keine Art war. So sagte ich, er soll um Himmels willen schon einmal stille fein, damit ich nachdenken kann. Endlich schrieb ichLie­ber Herr Amundsen". Fein, rief Sepp, da wird er eine Freude haben, wenn wir so freundlich sind. Dann haben wir beraten und gestritten, bis Sonne unterging. Endlich war der Bries fertig, ich las ihn Sepp nochmals vor:

Em pfundiger Jahrgang 1929.

üt>n Karlheinz Holzhauien.

2n den nächsten Wochen werden die ärzt­lichen Untersuchungen der Zehnjährigen zur Aufnahme in das Deutsche Jungvolk und in den BDM. abgeschlossen sein. Seit Oktober vorigen Jahres laufen in allen Gebieten Großdeutschlands einschließlich der Ostmark und des Sudetenlandes diese Vorunter­suchungen, auf Grund deren allen zehnjähri­gen Jungen und Mädel der G e s u n d h e i t s- p a ß ausgestellt wird.

Seit Wochen wußten die Zehnjährigen schon, wann die Untersuchung in ihrer Schule sein würde, und wenn der Tag endlich herangekommen ist, sitzen sie in den Bänken der Klasse und staunen mit kugel­runden Augen den Jungstammführer und den HJ.- Arzt vorn am Tisch an.Ihr macht euch den Ober­körper frei und überlegt euch, was ihr schon mal für Krankheiten hattet" befiehlt der Jungstamm­führer. Keiner der Jungen sagt etwas, es beginnt ein eifriges Ausziehen.

Was sich Vimpfe erzählen...

Beinahe wäre Klex noch zu spät zum Dienst ge­kommen, und das nur wegen des Onkels von der Waterkant! Und von dem wußte Klex allerhand zu berichten:

Stellt euch vor oller Seebär mit mächtigem Bart. Ich habe ihn vom Lehrter Bahnhof abgeholt und bin ein Stück mit ihm am Landwehrkanal bis zur Friedrichstraße entlanggegangen. Er sah ver­ächtlich auf die breiten Zillen und Schleppdampfer und sagte mit mitleidigem Lächeln:Nüdlichen Kram!" Ich fragte ihn:Ach, richtig, da war doch in den letzten Tagen so schrecklicher Sturm bei euch! Warst du gerade draußen auf See?" Das wäre doch selbstverständlich, gab mein Onkel Seebär zurück und spuckte über das Geländer ins Wasser, mit so einem richtigen hohen Bogen, damit jeder sah, daß er ein alter Seemann war. Ich wurde mächtig stolz und von dem, was mir der Onkel alles erzählte, wurde mir allein ordentlich seekrank um die Magen- gegend.

Dann stiegen mir in den Autobus. Ich lotste den Onkel Seebär nach oben zur ersten Reihe gerade

sich zögernd und schiebt sich aus der Bank heraus. Schüchtern steht er dann mit gesenktem Kopf vor dem HJ.-Arzt.Na, du hast wohl Angst?" Och", jagt der Knirps bloß und schielt zu dem Arzt auf. Dabei lacht er schon.Warst du schon mal krank?" bloß mal die Masern und dann mit meiner Schwester zusammen Scharlach", ant­wortet Harder und wird beklopft, behorcht und muß sich drehen. Er macht die Kehrtwendung nach der verkehrten Seite und die Hände schlackern ihm um den Körper.

Das macht ja nichts, aber daß er so bucklig da­steht, ist nicht in Ordnung. Der Arzt gibt ihm einen Knuff in das Kreuz:Mensch mal ein bißchen Haltung wie so ein Affe stehst du hier!" sagt er, und die andern in der Klasse lachen. Aber es klingt nicht frei. Sie haben wohl Lampenfieber! Dor was eigentlich?

Der Arzt hier hat seltsamerweise nicht mal die berühmte Brille auf und sieht auch so freundlick aus. Der Jungstammführer scheint auch keinen auffressen zu wollen.Tauglich!" sagt der Arzt und schlägt Harder auf die Schulter. Der Junge strahlt und dreht sich zu seinen Klassenkameraden, geht in seine Bank zurück und zieht sich wieder an.

Becker!" ruft der Jungstammführer. Eine piep- sige Stimme antwortet:Hier!" Becker versucht sogar die Hacken zusammenzuklappen. Der Arzt lacht:Kannst du gut turnen?" Becker drückt sich um die Antwort. Dafür rufen seine Kameraden aus der Klasse:Er ist der beste Turner aus der Klasse!" Los stemm dich mal!" packt ihn der HJ.- Arzt an den Armen. Und roupp fliegt der Becker hoch! Nun freut sich die ganze Meute!Taug­lich!" Beckertanzt" freudestrahlend ab.

Alle freuen sich, wenn der Arzttauglich" sagt. Der Durchschnitt ist gut. Es gibt auch etlicheElends- würmchen" unter den Jungen, mit hohlem Kreuz und flacher Brust. Dafür find andere wieder kerngesund und prächtige Kerls für ihre zehn Jahre. Einer von der Sorte grinst den Arzt und den Jungstamm­führer freundlich an und gibt ihnen gleich die Hand, als wären sie schon lange gute Bekannte.Du warst du nicht voriges Jahr schon mal bei uns. fragt der Jungstammführer den lustigen Kerl. Der strahlt:Natürlich! Ich war schon mal mit aus Fahrt!"Ach richtig jetzt weiß ich! Wo deine Mutter mit der Straßenbahn nachgefahren kam und dich wieder zurückholte. Und wir konnten dich nicht aufnehmen, weil du ja erst neun Jahre alt warst und dabei noch so ein Knirps!" erinnert sich der Jungstammführer.Aber jetzt nicht mehr! sagt der Kerl und baut sich vor dem Arzt auf, als wollte er ihm zeigen, was für ein Brocken er war.

Der Arzt behorcht ihn genau und sagt dann augenzwinkernd zum Jungvolkfuhrer rube^Mcht^

Dank!" und kullert wieder in seine Bank zurück. Seine Augen verschwinden hinter den dicken Backen, wenn er lacht. Die Dicken sind immer die Fidelsten.

Als die Untersuchung endlich fertig ist, sagt der Jungstammführer zum HJ.-Arzt:Das gibt einen pfundigen Jungzug!"

Und nicht nur einen pfundigen Jungzug wird das

essen. Wir ziehen Ihnen einen Schlitten, so er­sparen Sie die Hunde. An Kälte sind wir ge­wöhnt, denn unser Jsergedirge ist rauh. Im Win­ter gehen wir auf den Spitzberg, in Eis und Schnee und ohne Mantel. Da kann der Wind sausen. Wir halten es aus, trotz aller Grimmig­keit. Wenn wir Durst haben, essen wir Schnee oder kochen aus Eis Tee mit Spiritus. Wir haben vor nichts Angst. Schießen können wir auch. Wir haben es in der Schießbude gelernt, auf wacklige Eier. Also werden mir auch Bären treffen. Bitte nehmen Sie uns bestimmt mit. Zwei solche kriegen Sie nicht wieder. Bezahlen brauchen Sie uns auch nichts.

Ich war so ergriffen von diesem Briefe, daß ich zum Schluß kaum noch lesen konnte. Sepp mußte sich auch schneuzen.Großartig", sagte er,groß­artig! Wenn der Amundsen das gelesen hat, wird er denken, die zwei müssen her, und wenn es Graz kostet." Dann haben wir mit besonderer Hochachtung unterschrieben und den Brief zum Acht-Uhr-Zuge getragen, damit er sofort weggeht. Nachher schliefen wir schlecht vor lauter Aufrechung. Sepp hatte einen Traum. Er wollte immer auf den Nordpol hinauf, aber der Finkewachtmeister stand oben und schrie, es ist strengstens verboten. Das war fein gutes Zei­chen.Wenn der Amundsen uns nicht mitnimmt, gehe ich ins Wasser", meinte Sepp. Ich sagte, daß ich auch ginge, denn so etwas kann fein Mensch überleben.

Bevor wir Antwort erhielten, verging eine lange Zeit. Aber wir bekamen sie, und das war die Haupt- lache, wo der Amundsen doch ein großer Mann war, und wir nur zwei dumme Jungen. Leider konnte er uns aber nicht mitnehmen, denn er hatte schon alle Plätze besetzt. Dafür schrieb er jedoch, mir hät­ten ihm eine Freude gemacht, und er glaubt, daß wir zwei tüchtige Burschen sind. Bloß mit dem Nordpol, das wäre nicht so einfach, wir sollten lieber einen anderen Beruf wählen.

Wir lasen seinen Brief unzählige Male, und jedes­mal, wenn wir an die Stelle tarnen, wo es hieß mit Gruß Amundsen", wurden wir sehr traurig uni) sprachen lange fein Wort. Schließlich half es aber nichts. Wir suchten wieder Südamerika auf der Landkarte, denn Sepp meinte, ins Wasser könnten wir jetzt nicht gehen, weil Amundsen unsere Adresse weiß, und wenn er davon hört, wird er denken, wir sind Feiglinge. . , . . e..f.

Seinen Brief legten mir in ein besonderes Käst­chen und achteten darauf wie auf ein Heiligtum.

Der Mnleinsührer.

Mit 165 Pimpfen kann man allerhand aufstellen. Ein zackiges, senkrechtes Fähnlein kann man dar­aus machen Kerls, die Schneid tm Leib haben und durch dick und dünn gehen. Es mu^ nur der rechte Führer vor ihnen marschieren und ihnen den Weg zeigen. Es kann nämlich auch so ?^en.daß die 165 Pimpfe ein Saftladen erfter @ute werten und waschlappig bis dahinaus fmb. Es kann auch werden, daß diese 165 Pimpfe s°uer opstg durchs Leben wandeln und daß ihnen alles gleich ist.

Man kann ein Fähnlein $impfe <er 3 efcen ob er verziehen Das liegt aber immer nur bei dem, der vornweg marschiert. Wenn ber unpünktlich um Dienst kommt, benft sich der /ßirJLpJ' . $ . < au5; anHi wftehc Wenn ber vorn beim Geländespiel aus

Än b165 Pimps- hinter ihm h°rstur- inen 165 Pimpfe sehen den vom und beobachten ihn Sie merken vieles un Renten $

ihren Teil d°bel. Und der vorn?D-rF°hnl°m führet Er weiß es genau und halt sich oana^. Wenn er jung ist. macht er hin und w.eüer einen Schnitzer. Aus Schaden wird man (lug. Er achtet nach mehr auf sich, und eines Tages ist er joweii, daß die Pimpfe es sich -bgewohnen ihn auf M « hin zu belauern. Und mit dem Tag. w° derifayn leinführer feine 165 .ißunpfe Joroeit t)at, hafi |ie immer und überall für ihn einftehen mit oem Xan ist er tatsächlich ber Fähnlemfuhrer. Aber da- MU ist es nicht getan. Er muß stetig weiterarbeiten

sjj SI. i~ y

S'SX'ÄiSVS'i«»» 5 w sen. Das macht Spaß, aber bleibt doch b otz SPle rci. Planmäßige Körperschule und Leibeserz yu g muß auch auf dem Papier oorbereikt werden. Da foftet wieder eine freie Stunde. Wenn f ch

und leeren unsere Säcke. Selbstverständlich gebe ich auch Geld für Arme her. Herr Bürgermeister, würde ich sagen, da, lassen Sie ein schönes Altenheim bauen und ein Jugendheim auch noch, aber daß ich keine Klage höre: Ich fahre bloß noch einen Sprung nach Südamerika und werde mir dann alles ansehen. Nach dieser Rede stellte ich nachlässig einen Sack Gold hin, mitten in die Rathausstube, und vor dem Polizeikommissariat würde ich einmal kräftig hin- spucken, damit der Wachtmeister einen Zorn hat und endlich einmal die Jungen in der Stadt in Ruhe läßt.

So hatten wir unsere Südamerikapläne schon ganz hübsch in Ordnung, als auf einmal etwas da- zwischenkam. Als ich Sepp nämlich wieder einmal besuchte, saß er versunken über einem Stück Zei- tungspapier. Ich fragte ihn, was ist denn los? Sepp antwortete, nichts ist los, bloß der Amundsen fährt auf den Nordpol. Ich sagte, was ihn das angeht, er soll ihn fahren lassen. Sepp aber schüttelte den Kopf und schrie, ob ich wirklich so dumm bin und nicht sehe, daß wir da unbedingt mitfahren müßten. Jetzt verstand ich alles. Sezp hatte sofort erkannt, daß hier eine Gelegenheit war, schnell in die Welt hinaus zu kommen. Wir dachten eine Weile nach, dann sagte ich, wird gemacht, wir werden Hunde­schlitten ziehen. Jawohl, keuchte Sepp, und wir müs­sen als erste oben sein. Dann müssen sie in die Zei­tung setzen, wir haben den Nordpol entdeckt. Amund­sen kommt fünf Minuten später. Wir lassen chn aber die norwegische Flagge auch mit Hochziehen, da-

Die Sträucher zu beiden Seiten des Weges tra­gen die ersten Kätzchen, und hier und da zwischen den Beeten steckt ein Schneeglöckchen fein weißes Mützchen aus dem harten Erdreich. Man sieht es dem Garten der BDM. - Haushaltungs­schule an, daß er selbst im Winter nicht ohne Pflege ist. ,Ln 14 Tagen fangen wir mit dem Umgraben an. Wenn dann kein Bodenfrost mehr kommt, werden sehr bald die Radieschen, die Roten Beeren und die Mohrrüben gesät."

Trude ist Gartenmeisterin, stolz führt sie mich durch ihr Reich, obwohl es zur Zeit noch im Winter­schlaf liegt.Unsere Mädel freuen sich mächtig auf die Arbeit hier draußen. Für das Praktische haben sie am meisten übrig. Dort, das graue Gebäude, ist unser Schweinestall. Da staunst du, jawohl, wir haben auch eine kleine Schweinezucht für unseren eigenen Bedarf. Dreimal schlachten wir im Winter. Bei dieser Gelegenheit lernen die Mädel das Wurst­schlachten, Räuchern und Einmachen."

Die Räume der BDM.-Haushaltungsschule sind geschmacksjicher und praktisch eingerichtet. Alles blitzt vor Sauberkeit. Man ist ordentlich ein bißchen ge­blendet von der Helligkeit, die hier jede Stube er­füllt, aber daran mögen vielleicht auch die frohen Gesichter der Mädel schuld sein. Sie sehen in ihren Lehrerinnen nicht die Vorgesetzten, sondern die Kameradinnen, die ihnen als BDM.-Führerinnen jederzeit persönliches Vorbild sind.

Beim Mittagessen bin ich heute ihr Gast. Wir lassen uns denKrauttopf" vorzüglich schmecken. Beim Nachtisch es gibt Schokoladenpudding entsteht eine angeregte Fachsimpelei, ob an Vanille- tunke noch eine Prise Salz oder ob etwa Zucker fehlt. Tapfer verteidigen die Mädel vom Küchen- dienjt ihr Kocherzeugnis.

Am Nachbartisch werden Pläne für das Schilager im Sudetenland geschmiedet. Im März soll es statt­finden. Dann ist die Sonne schon schön warm und Schnee liegt ganz bestimmt noch. Ob es wohl so schön wird, wie die Sommerfahrt in die Bayrische Ostmark? Sicher noch schöner, wenn das überhaupt möglich ist! Nach dem Essen arbeiten die Mädel in kleinen Gruppen. In der Backküche gibt es noch eine Kostprobe für Feinschmecker: Fastnachtspfann­kuchen. Im Nebenraum werden die neuen Vorhänge

richtig dahinterklemmt, kann er seine ganze freie Zeit für sein Fähnlein opfern. Was hat er aber davon? '

165 Pimpfe sind ihm Kameraden und folgen ihm. 165 Jungen vertrauen ihm und sehen in ihm ein Vorbild. 165 Kinder werden durch ihn Kerls! Ist das nicht viel mehr als wenn einer tausendmal Danke schön!" sagt. Ein Fähnleinführer fragt aber nicht nach einer Anerkennung, er hascht nicht nach Lob er tut seine Pflicht von Dienst zu Dienst mit ihm seine 165 Pimpfe Kameraden! Ho.

Als wir mit Amundsen auf den Aordpol wollten.

Eine wahre Zungengeschichie von Erich Weber

Nach der Schule trafen wir uns bei schlechtem Wetter meist bei Sepp in der Kammer, und einmal schlug er dabei mit der Hand auf den Tisch, seufzte laut und sagte, daß in dem ganzen bißchen Europa nichts mehr los sei, weshalb er ouswandern wolle, bevor er vor Langeweile sterbe. Sepp hatte immer den großen Atlas in der Kammer. Wir schlugen also Südamerika auf und suchten die weißen Flecke auf der Karte, wohin noch kein Mensch gekommen ist. Sepp will sie aber unbedingt erforschen, und zwar mit mir. Er meint nur, daß ich es ae hei In­halten soll, sonst fahren andere hin, so daß schon ihre Flagge aufgepflanzt ist, wenn wir ankommen. Im übrigen ist alles ganz einfach, sagt der Sepp. Den Amazonas hinauf. Erst mit dem Dampfer, sodann ein paar Indianer her und mit Kanus wei­ter. Ist das zu Ende, wird ans Ufer gefahren und hinein in den Urwald. Wer uns entgegentritt wird erschlagen. Die Tiger, Krokodile und «chlangen werden auch erschlagen. Freundliche ^Indianer kön­nen mitqehen und dürfen unsere machen tragen. Dafür kriegen sie später einen Klumpen Gold zur Belohnung, wenn wir unseren neuen etaat grün» ben. Vorher fahren wir aber in die Heimat zurück und werden gerade an einem Sonntag ankommen, menn die meisten Leute auf dem Marktplatz sind. Wir rauchen schwarze Zigarren sprechen mdianisch, und Sepp führt einen kleinen Baren an der ßeme. Ich spucke die größten Bogen, und *wir lachen, wenn die anderen vor Neid zerplatzen. Am Montag □eben wir zur Fabrik hinunter und warten bis es schellt Wenn dann die Arbeiter heraus ommen, jagen wir halt:Nehmt eure Portion Gold mit!

für das Lesezimmer kunstgerecht gebügelt und Bett­wäsche ausgebessert.

Im Erdgeschoß ist der N S D.-K i n d e r g a r t e n. Die kleinen Mädel und Jungen aus dem Dorf spie­len, gewiß schon zum hundertsten Male, aber stets mit der gleichen Hingabe und Begeisterung das Märchen von der Prinzessin und dem Schweine­hirten.

Die Schulleiterin bespricht mit einer Gruppe den Blumenschmuck für einen festlich gedeckten Tisch. Das ist keine Nebensächlichkeit, es muß sehr gründ- lich angepackt werden. Zu einer tüchtigen Hausfrau, und das wollen wir alle werden, gehört ein ganz icheres Farbgefühl. Mit bunten Stoffresten oer« uchen wir die prächtigsten Farbzusammenstellungen ür verschiedene Gelegenheiten. Jedes Familienfest ordert seinen besonderen Blumenschmuck, lieber die Wahl der Dasenform werden wir uns am besten klar, wenn wir selbst einige Skizzen zeichnen."

Der Lehrplan der Haushaltsschule ist denkbar vielseitig. Auf dem Stundenplan stehen an einem Tage außer Gesund heits- und Säuglings­pflege noch Ernährungs- und K o ch l e h r e. In der weltanschaulichen Schulung wird die Rassen­kunde genau so gründlich behandelt wie die deutsche Geschichte, die Geschichte der Bewegung, das Grenz- und Auslandsdeutschtum und die Wirtschaftskunde. Für die kulturelle Schulung sie erstreckt sich über die Pflege der Musik, des Volkstanzes, der geselligen Spiele und der Wertarbeit bietet der gemeinsame Feierabend sowie die Feste mit der Dorfgemeinschaft immer neue Möglichkeit zur praktischen Betätigung. Daß die Mädel täglich Sport treiben, bedarf wohl nicht erst einer Erwähnung.

In die Haushaltungsschulen des BDM. werden alle BDM.-Mädel vom vollendeten 15. Lebensjahr an aufgenommen, die eine abgeschlossene Schulbil­dung haben. Für Schulgeld und Verpflegung ist monatlich 52,50 Mark zu bezahlen. Der Besuch der Schulen gibt die Grundlage zur Weiterausbildung als geprüfte Hausgehilfin, Haushaltspflegerin, Ge­werbelehrerin, Dolkspflegerin, Krankenschwester und Arbeitsdienstjührerin. Er wird als halbes weibliches Pflichtjahr angerechnet. Für Unfall und Kranken­oersicherungsschutz der Mädel ist ausreichend gesorgt.

Melita M.