schiedener Obftbountf&äiblin^e vertraut. Weiterhin gab er bekannt, daß die Winterspritzung allgemein durchgeführt wird, und zwar für die Vereinsmit. glieder durch den Verein, für alle anderen Obst- oaumbesitzer durch die Stadtverwaltung, wenn sie nicht m der Zwischenzeit dem Verein beigetreten sind.
Anschließend gab der Dereinssührer bekannt, daß die Finanzierung der Einfriediguna der Gärten im Leimenkauterweg durch Gemeinschaftsleistung des Vereins vorgenommen roirb und gesichert ist.
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** Verkehrssünder. Die Polizei schritt in der Zeit vom 13. bis 19. Januar ein: gegen Kraft- fahrzeugführer mit 9 Anzeigen, 104 gebührenpflichtigen Verwarnungen, 21 gebührenfreien Verwarnungen und Belehrungen; gegen sonstige Fahrzeugfüh- rer mit 1 Anzeige, 5 gebührenpflichtigen Verwarnungen: gegen Radfahrer mit 79 gebührenpflichtigen Verwarnungen, 8 gebührenfreien Verwarnungen und Belehrungen.
** Die Erlaubnis zur Brieftauben- Haltung betrifft eine Bekanntmachung der Po- lizeidirektion Gießen, die heute zur öffentlichen Kenntnis gebracht wird. Die Brieftaubeninteressenten mögen dieser wichtigen Veröffentlichung ihre Aufmerksamkeit schenken.
** Zusammen st oh zwischen Straßenbahn und Personenauto. Gestern gegen 19.15 Uhr ereignete sich an der Ecke Gartenstraße- Hindenburgwall ein Verkehrsunfall. Ein Personenauto stieß mit einem Straßenbahnwagen zusammen. Die beiden Insassen des Kraftwagens erlitten dabei durch Glasscherben einige Verletzungen, die glücklicherweise nicht lebensgefährlicher Natur waren. Die Verunglückten erhielten sofort erste ärztliche Hilfe. Eine Aufnahme in die Chirurgische Klinik war nicht notwendig.
** DerReichskolonialbund,Ortsver- band Gießen, rüstet für den nächsten Samstag eine gesellige Veranstaltung, deren Zweck darin besteht, auf dem Wege über die frohgestimmte Geselligkeit Geldmittel mobil zu machen, die in den Dienst der großen Aufgabe des Reichskolonialbundes gestellt werden sollen.
Große Gtraftammer Gießen.
Ein allerer Mann hatte sich gestern wegen Vergehens gegen § 175 StGB, zu verantwonen. Das Gericht verurteilte den 72jährigen Angeklagten, dessen Vergehen als eine Erscheinung des Greisen- allers anzusprechen ist, zu sechs Wochen Gefängnis. , ....
Wegen Diebstahls im Rückfall hatte sich der Heinrich Beintmann aus Lafttoz zu verant- i warten. Der Angeklagte, ein gefährlicher Gewöhn- heitsverbrecher, hat einen unwiderstehlichen Hang .zur Begehung strafbarer Handlungen Bereits im -Aller von 14 Jahren machte er sich zum ersten Male strafbar. In den folgenden Jahren beging er 'Straftaten am laufenden Band. Bei einer „Fahr- rroddiebstahls-G. m. b.H." in Königsberg war er führend beteiligt. Dann trieb er fein Unwesen im ! Ruhrgebiet und stahl auch dort Fahrräder in großen Mengen. So kam es, daß der Anaeklagte einen .großen Teil seines Lebens hinter Kerkermauern i verbrachte. Seine letzte ©träfe verbüßte er von ;1928 bis zum Mai 1938. Nach feiner Strafentlaf- jfung kam er zu einem Bauern in Nieder-Weifel, iwo er sich zunächst gut anlieb. Im September v. I. iverließ der Angeklagte plötzlich feinen Arbeitsplatz, »angeblich weil er zu feiner Braut in Westfalen iwollte. Er wandte sich aber zunächst nach Griedel. Dort lernte er drei Mädchen aus einer Kor b flick er-- ßamilie kennen, mit denen er den größten Teil feines Geldes durchbrachte. In Griedel stahl er dann cvuch ein Fahrrad, mit dem er nun nicht zu feiner Braut, sondern nach Frankfurt fuhr. In der gestri- ggen Sitzung hatte der nun 33jährige Angeklagte, sein haltloser Psychopath, sich wegen dieses Fcchr- iraddiebstahls im Rückfall zu verantworten. Die Kammer verurteilte ihn zu einer Zuchthaus- Ütraje von einem Jahre. Drei Monate und 24 Tage Untersuchungshaft wurden dem Angeklagten auf feine Strafe angerechnet. Weiterhin wrdnete das Gericht gegen den Angeklagten als Zefährlichen Gewohnheitsverbrecher (§§ 20a, 42 StGB.) die Sicherungsverwahrung an.
Der H. K. aus Frankfurt hatte wegen versuchter schwerer Urkundenfälschung und Unterschlagung in
Schuß im Funkhaus.
(Ein Roman von Maria Oberlin.
Copyright by Prometheus-Verlag, Dr. Eichacker, Gröbenzell bei München.
5. Fortsetzung. (Nachdruck verboten!)
Als Evelyn langsam durch den Flur des zweiten Stockes ging, hatte sie deutlich das blaffe Gesicht Bortefelds vor sich, wie es durch die Vorhänge des Sendesaales gespannt zu ihr herübersah. Einen Augenblick lang lehnte sie schwindelnd an der Wand, i Die Ereignisse dieses Nachmittags verschwommen zu I li inem einzigen Satz: „Kay war Thomas Vater--
Aber nicht der deine---Du wirst mich Der-
l lohen.«
Was konnte das anders bedeuten, als daß der . iirfte Gatte der Mutter ihr Vater war. Man hatte I $r das verschwiegen, weiß Gott, weshalb ? Da- I ärl Man kann sich doch darunter niemanden ande- I !»es vorstellen, als den leidenden, etwas melancho- chchen Großkaufmann Kay, der einem freundlich ! ibers Haar strich: „Na, Mädchen, wie wars denn k m der Schule? Mama? Nein, Kind — ---sie
tommt nicht--sie ist wieder lange Zeit unter-
wcgs--Frag nicht soviel, du verstehst das noch
licht---Sie ist eben eine große berühmte
grau — — —"
Das war der Vater, ein gütiger, einsamer Mensch! Iber doch nicht dieser Mann, Bortefeld! Und doch nuß sie zu ihm gehen, fragen, warum er die Mut- isr in den Tod getrieben hat. Ihr Brief ist so un- Car
Fräulein Hutstein, eine von den Mitarbeiterinnen iss Sendeleiters stand im Vorzimmer und puderte sch gerade mit Hingabe die Nase. „Dr. Bortefeld? Lber der ist doch schon weg, Fräulein Kay!"
Evelyn greift nach einem Halt, es wird ihr plötz- lch übel. Die wasserstoffblonde Stenotypistin zieht iiie Pelzjacke fest über die Hüften,_ sagt noch: „Kom- nen Sie doch morgen zwischen zwölf und eins —
„Herr Doktor Bortefeld hatte mich bestellt...
„Ja, mag fein, aber er ist nicht mehr da...'
Die Wasserstoffblonde greift nach der Handtasche mb Handschuhen, sieht Evelyn mit leiser Ungeduld in. „Ich schließe hier ab, Sie kommen wohl mit?
Evelyn nickt. Ja, sie kommt mit---
Auf der Treppe begegnet Fraulein Hutstein Fräu- [(in Mertens. Sie ist die zweite Sekretärin des Liendeleiters.
Tateinheit mit Betrug eine Gesamtgefäng- nisftrafe von sieben Monaten bekommen. Gegen dieses Urteil ließ er durch seinen Offizialverteidiger Berufung einlegen. Die Kammer kam zu der gleichen rechtlichen Würdigung der Straftaten wie die erste Instanz. Lediglich in einem Falle lehnte sie neben dem Betrug die Unterschlagung ab, da diese als straflose Nachtat anzusprechen war. Die Große Strafkammer hob bas Urteil des
Bezirksschöffengerichtes auf und verurteilte den Angeklagten zu gleichfalls sieben Monaten Gefängnis. Die Untersuchungshaft wurde K. im vollen Umfange angerechnet. Da die Voraussetzungen des § 42, 1 StGB, gegeben waren, oer» hängte das Gericht gegen den Angeklagten außerdem noch ein Berufsverbot als .Rersever- treter für die Dauer von drei Jahren.
an dem drei Klein-Lindener teilnahmen. Die Einquartierungen im Napoleonischen Zeitaller stiegen in unserer Gemeinde ins Ungeheure, die Schuldenlast der Gemeinde stieg von Jahr zu Jahr. Die Ausführungen des Redners über das Schicksal des Dorfes während der Feldzüge 1866 und 1870/71 stammen alle aus mündlicken Ueberlieferungen, da Aufzeichnungen über diese Zeit in unseren Ge- meindeurkunven vorerst noch nicht aufzufinden sind. Am deutschen Bruderkrieg 1866 nahmen 14 Gemeindeglieder teil. Im Feldzug 1870/71 zogen 26 Krieger aus unserm Dorf ins Feld, währem) fünf zur Bewachung von Gefangenen in den Heimatgar- nisonen verblieben. An dem Feldzug in China (Boreraufstand) nahm ein Klein-Linoener als Freiwilliger teil. Mit der Ermahnung, zum Wohl von Volk und Vaterland allezeit in Einigkeit zusammen» zustehen, schloß der Redner.
Kameradschaftsführer Schimmel dankte dem Vortragenden für feine Mitteilungen und schloß nach dem Gesang von Vaterlandsliedern mit dem Gelöbnis der Treue zu Volk und Führer den Jahresappell.
Kulturbauamt-Oienststelle in Schotten.
LPD. Schotten, 24. Jan. Nach der Einrichtung eines Straßenbauamtes und eines Feldbereinigungsamtes hat unsere Stadt nunmehr auch eine D i e n ft ft e II e des Kulturbauamtes Oberhessen erhallen, die mit mehreren Beamten besetzt ist, jedoch im Laufe der Zeit noch vergrößert werden wird. Das Amt wird' zahlreiche Bachregulierungen, Entwässerungsarbeiten usw. im Vogelsberg auszuführen haben.
100 Jahre ,,Liederkranz-Harrnonie" in Alsfeld.
§ Alsfeld, 24. Jan. Am Sonntagnachmittag beging der Männergesanaverein „Liederkranz - Harmonie" die Feier seines 100jährigen Bestehens im großen Saale des „Deutschen Hauses" mit einem-Festkonzert. Der am 24. Januar 1839 gegründete Verein „Liederkranz", der seit dem Jahre 1934 mit dem Männergesangverein .Harmonie" vereinigt ist, hat im öffentlichen Leben der Stadt Alsfeld stets eine bedeutsame Rolle gespielt. Die Achtung, die er sich in allen Kreisen der Bevölkerung erworben hat, kam in dem starken Besuch des Jubiläumskonzertes zum Ausdruck. Der Vereinsführer, Obersteuerinspektor Bender, gab in einer Ansprache eine „Darstellung aus dem Wirken des Vereins während feines lOOjährigen Bestehens. Der unter Leitung von Hans He l b i g (Alsfeld) stehende Chor des Jubiläumsvereins gab in einer gut gewählten, abwechslungsreichen Vortragsfolge von Männerchören eindrucksvolle Proben seiner auf hoher Stufe stehenden Gesangskunst. Neben den gesanglichen Darbietungen bereicherten Jnstrumentalvorträge eines von Alsfelder Musikfreunden gebildeten Kammerquartetts das für den Verein erfolgreiche und mit großem Beifall aufgenommene Festkonzert. Am Abend fand Tanzvergnügen statt, das durch musikalische und turnerische Darbietungen eine besondere Note erhielt. Der Reinertrag der Veranstaltung wird dem Winterhilfswerk zugeführt. Im Juni d. I. wird das lOOjährige Bestehen des Vereins im Rahmen eines zweitägigen Sängerbundsfestes noch besonders festlich begangen werden.
Jahreshauptversammlung der Grünberger Stenographen.
+ Grünberg, 24. Jan. Arn Samstagabend fand im Gasthaus „Zum Bahnhof" die Jahreshauptversammlung der Deutschen Stenographenschaft, Drtsoerein Grün- berg, statt.
Nach kurzen Begrüßungsworten durch den Ortsvereinsführer Otto Krumm erstattete dieser den Jahresbericht, aus dem folgendes zu entnehmen ist: Das Jahr 1938 zeigte den Ortsverein Gründern in reger Tätigkeit. Im Vordergrund stand, die Leistungen der Mitglieder weiter zu steigern und möglichst vielen jungen Volksgenossen den Nutzen der Kurzschrift zugänglich zu machen. Die Mitglieder wurden in Uebungsgemeinjchaften zusammengefaßt, sowie je ein Anfänger- und Fortbildungslehrgang
bist so nervös, so abwesend.--Du solltest dich
freuen!"
„Ach, ich hab da so allerlei mit mir herumzutragen!" sagt Evelyn nach kurzem Blick in das ehrliche Gesicht der Freundin.
„Du kommst doch so oft hier ins Haus, Ellen, kennst alle Welt, sprichst häufig hier — sag, was weißt du eigentlich von Bortefeld?"
Die Journalistin sieht nachdenklich vor sich hin, sie hat eine Zigarette angezündet und blickt in die zartblauen flatternden Rauchwindungen.
„Wie kommst du darauf?" meint sie schließlich vorsichtig. w
„Ich habe schon meine Gründe, wenn ich frage! sagt Evelyn sehr still.
Ellen drückt die Zigarette aus. „Nun, nach allem, was ist so gehört habe, ist es für eine Frau das beste, wenn sie diesem Mann ausweicht!" meint sie ruhig. „Er scheint so eine eigenartige Mischung zu sein: Sehr sicher, kühl, distanziert, einsam, überlegen --das wäre die eine Seite. Und auf der
anderen ist er so ein leidenschaftlicher, zart fühlender Bach-Interpret und gefühlvoller Musiker, schließlich kommt noch dazu viel Geist, viel Verstand. — — Eine ganz gefährliche Mischung! Wahrscheinlich ein bißchen wenig Herz--Der Mann ist gefährlich
für Frauen. Gar nicht so im billigen Don-Juan- Sinne. Ich glaube sogar, daß ihm die Frauen gleichgültig sind.---"
„Ich war heute Nachmittag bei Henny Coordt!" sagt Evelyn mit starrem Blick. „Bortefeld ist ein paarmal im Hause ihres Onkels zusammen mit ihr gewesen, hat ihre Plasttken und Verse bewundert und ihr allerlei Hübsches gesagt. Nun ist die kleine Henny wie besessen von ihm, krank, erledigt, weil er ihre Einladungen ausschlägt, auch die mufibtü- schen Tees ihres Onkels auf einmal meidet."
„Armes Ding!"
„Glaubst du denn nicht, daß sie die Frau ist, ihn irgendwie zu halten?" fragt Evelyn gespannt.
Ellen schüttelt entschieden den Kopf.
„Nein!" sagt sie sicher. „Der Mann brauckt nicht so ein Mondscheingeschöpf, wie die Henny, sondern einen ernsten, tapferen, verantwortungsbewußten Menschen, wenn er überhaupt ..."
Sie bricht ab und sieht in Evelyns erregtes Ge- sicht. u c L
„Ich hatte mämlich große Angst um Henny! sagt Evelyn leise. „Sie hatte da ein hübsches Spielzeug einen kleinen Revolver, aber scharf geloben, benf bir! Ich habe ihn ihr einfach fortgenommen, sie war mir zu verzweifelt!"
(Fortsetzung folgt!)
Aus der engeren Heimat.
1939 baut Hessen-Nassau
80 HI.-Heime.
LPD. Frankfurt a. M., 24. Jan. Auf Grund der durch den Beauftragten für die HJ.-Heirnbe- schafsung im Gebiet Hessen-Nassau, Oberstammführer Lünenschloß, mit den Bürgermeistern geführten Verhandlungen wurde in 80 Städten und Gemeinden des Gaues Hessen-Nassau der Bau je eines HI.-Heimes in diesem Jahr festgelegt. Weitere 85 Gemeinden haben bis zum darauf folgenden Jahr die Mittel zum Bau eines Heims für ihre Jugend bereitgestellt.
Wandlungen der Gemeinde Lollar.
Aus der Chronik des Attbürgermeisters Schmidt.
cf S o 11 a r, 24. Jan. Altbürgermeister Schmidt benützt seinen wohlverdienten Ruhestand, die Geschichte der Gemeinde Lollar, deren Geschicke er über fünfundzwanzig Jahre leitete, schriftlich niederzulegen. Diese Chronik, ein Zeugnis bester Sachkenntnis und der Verbundenheit des Verfassers mit der Gemeinde, bietet dem Leser eine anschauliche Unterrichtung über den früheren Zustand unseres Gemeinwesens und seine Entwicklung bis zur heutigen Zeit. Ganz besonders interessant ist der Werdegang Lollars von einer ausgesprochen landwirtschaftlich eingestellten Bevölkerung zur fast vollständigen Jndustriegemeinde. Die Erbauung der Main—Weser-Bahn 1846 ist dabei als Wendepunkt zu nennen. Dieser folgte im Jahre 1859 die Errichtung der Kilianshütte (heute: Buderussche Eisenwerke), und hiermit war die Grundlage zur Umwandlung gegeben. Bei der Volkszählung von 1840 zähltS man in Lollar an Einwohnern 812 Personen mit 133 Wohnhäusern und 106 Scheunen. In einem Zeitraum von 70 Jahren veränderte sich bas Bild ganz wesentlich, denn die Volkszählung im Jahre 1910 zeigte diese Zahlen: 2122 Einwohner mit 280 Wohnhäusern und 127 Scheunen. Don diesen 127 Scheunen stehen heute 44 Leer oder werden zu anderen Zwecken benutzt, 19 wurden inzwischen abgebrochen, 6 zu Wohn- oder sonstigen Zwecken umgebaut, und nur 58 bienen noch landwirtschaftlichen Zwecken. Aber von biefen 58 Scheunen werden nur noch 22 von Landwirten im Hauptberuf benutzt, die anderen 36 dienen ihren Besitzern nur im lanb- wirtschastlichen Nebenberuf.
Bei der Durchsicht alter Grundbuchblätter finden sich recht viele interessante Eintragungen. Darunter eine sehr bemerkenswerte, die den größten Grundbesitzer der Gemeinde und wohl auch der Geschichte Lollar nennt Es ist ein H e r r v o n S ch w a l ba ch, dessen Grundvermögen aus insgesamt 97Grundstücken besteht. Diele der dort eingetragenen Flurnamen bestehen auch heute noch. So erinnert heute d!e Einshäuser Straße und die Flur Hintereinshausen an eine vor sehr langer Zett bestandene Siedlung Einshausen in allernächster Nähe der heutigen „Holzmühle" des Mühlenbesitzers Heinrich Christ.
Die rein ackerbäuerlich eingestellte Bevölkerung änderte in den nun folgenden Jahren nach Erbauung der Main—Weser-Bahn und Errichtung der Kikianshütte ganz auffallend^ihre Struktur. Bei der Katasteroermessung im Jahre 1910 betrug die Größe der Gemarkung Lollar 533 Hektar, 3157 Quadratmeter. Diese setzen sich zusammen aus 217 Hektar 5711 Quadratmeter Ackerland, 104 Hektar 3548 Quadratmeter Wiesen, 23 Hektar 9167 Quadratmeter Hofreiten, 16 Hektar 1156 Quadratmeter Gärten, 16 Hektar 1548 Quadratmeter Eisenbahn, 102 Hektar 8094 Quadratmeter Wald, 51 Hektar 6631 Quadratmeter Straßen, Wege und Plätze und 7302 Quadratmeter sonstiges Kulturland. Im Gemeindebesitz befanden sich 30 Hektar Acker, 13
Hektar Wiesen und 102 Hektar Wald. Eine Volkszählung im Jahre 1925 zeiate wiederum ein verhältnismäßig starkes Anwachsen der Bevölkerungsziffer, und zwar 2305 Einwohner mit 290 Wohnhäusern, um schießlich bei der Volkszählung 1933 auf 2508 Einwohnern und 332 Wohnhäusern zu steinen. Die Einwohnerzahl hat sich seit dieser Feststellung nicht geändert, hingegen haben sich die Wohnhäuser in den letzten sechs Jahren um ein beträchtliches vermehrt Ein Neubau von Scheunen ist feit 1910 nicht festzustellen. Diese sprechenden Zahlen geben ein eindrucksvolle Bild davon, wie sich ein Gemeinwesen innerhalb hundert Jahren ganz grundlegend ändern kann. Die Ortschronik unseres Altbürgermeisters Schmidt, welcher alle vorstehenden Zahlen entnommen wurden, stellt eine Fundgrube des Wissens dar.
Iahresappell der Kriegerkameradschast Klein-Linven.
A Klein-Linden, 23. Jän. In der Wirtschaft „Zur Burg" hielt die Kriegerkameradschaft Klein-Linden ihren diesjährigen Jahresappell ab. Nach einigen flotten Märschen der Musikkapelle begrüßte Kameradschaftsführer Friedrich Schimmel den Ortsgruppenleiter, die Kameraden und den Kreisschießwart Kamerad Hanf (Gießen). Er gedachte sodann der im letzten Jahre verstorbenen vier Kameraden, deren Andenken in üblicher Weise geehrt wurde.
Kassenwart Philipp Weigel XXVL erstattete den Rechnungsbericht, der ein günstiges Bild auf- wies. Die Rechnung war von den Kameraden Heinrich M a g o l d und Friedrich Lenz II., für richtig befunden worden und fand die Genehmigung der Versammlung. Dem Kassenwart wurde für seine mustergültige Arbeit der Dank der Versammlung ausgesprochen.
Dem Jahresbericht des Kameradschaftsfuhrers Schimmel ist entnommen, daß die Kameradschaft Klein-Linden gegenwärtig 91 Mitglieder zählt. Für langjährige Verdienste um die Bestrebungen des Kyffhäuserbundes wurden die Kameraden Johannes Germer L, Heinrich Bernhardt und Philipp Jung XVII. zu Ehrenmitgliedern ernannt; ferner konnte dem Kameraden Kaspar Panzer die goldene Ehrennadel für 50jährige Mitgliedschaft verliehen werden. Kamerad Ludwig B e p p (e r erhielt aus Anlaß seiner 40iährigen Mitgliedschaft ein Bild des verstorbenen Generalfeldmarschalls von Hindenburg mit einer Widmung.
Kreisschießwart Kamerad Hanf (Gießen) überbrachte die Grüße des Kreisführerstabes und nahm die Ehrung der besten Schützen des verflossenen Jahres vor. Er überreichte dem Kameraden Walter Müller die goldene Ehrennadel, den Kameraden Gottfried Benderoth, Heinrich Weber, Heinrich K e u d e l und Reinhard W a g n e r bie silberne uito den Kameraden Wilhelm Stein, Ludwig Euler und Otto Müller die bronzene Ehrennadel.
Im Mtttelpunkt der Versammlung stand ein Vortrag von Lehrer Rau, dem Ortsringleiter des Landschaftsbundes „Volkstum und Heimat", über das Thema „Kriegszeiten unseres Dorfes im 19. Jahrhundert". Der Redner hat an Hand von Einträgen und Urkunden aus dem Gemeindearchiv die Schicksale unseres Dorfes im Zeitalter Napoleons I. zusammengestellt und so weit noch Erinnerungen und Erzählungen bei unseren Dorfältesten vorhanden sind, diese in seinem Vortrag verwertet. Er erwähnte u. a. die Teilnahme von Einwohnern aus Klein-Lirckien und einigen Nachbarorten an dem Napoleonischen Krieg in Spanien, ferner erinnerte er an den Feldzug Napoleons nach Rußland 1812,
„Schrecklich, dieser Tag", schimpft die Wasserstoffblondine. „Den ganzen Tag ein einziges Gerenne und Geklingel--und ewig Privatbesuche, die
den Chef so aufgehalten haben."
„Wer war denn da?" fragte die Mertens lässig. Sie knöpft an ihren grauen Handschuhen.
„Ach, erst die Daalen, dieses aufgeregte Frauenzimmer, sie verfolgt den Mann ja geradezu. Dann irgendein auf den Fuß getretener Geiger, der ihm Krach gemacht hat, dann der junge Kay mit seiner mißlungenen Suite--und zuletzt noch Fräulein
Kay!"
„3ft sie jetzt bei ihm?" fragt die Mertens mit gespanntem Seitenblick.
„Ach wo, er ist ja gar nicht mehr da!" sagt die Wasserstoffblondine und öffnet die schwere Eingangstür des Funkhauses.
„Nicht da? Das stimmt aber nicht, Hutstein!" sagt xbie Mertens sachlich. „Ich bin vorhin noch in seinem Zimmer gewesen, da hing ja auch noch sein Mantel..."
Die Kollegin blickt überrascht auf. ,
„So, na, bann hab ich dem Fräulein Kay ja ne falsche Auskunft gegeben! Macht ^nichts! Dann wird sie eben morgen wiederkommen!"
*
Evelyn geht langsam die Treppe herunter, erfüllt von schweren Gedanken. Bortefeld ist also fortgegangen? Weicht er ihr aus? Aber warum hat er sie bann so sehr gebeten, zu kommen?
Einen Augenblick benft sie baran, heimzugehen. Dann fällt ihr Thomas ein. Er sitzt unten im Funkrestaurant und wartet auf sie. Sie kann ihn nicht so einfach versetzen, das verträgt er nicht...
Wie eine weiche betäubende Flut bringt ihr Wärme, leiser Speisedunst und Zigarettenrauch aus der kleinen Schenke bes Funkhauses entgegen. Sie sicht Thomas bräunlichen Haarschopf nahe am Fenster, er sitzt neben einer Dame im schwarzen Georgettekleid mit blitzend weißer Pikeeweste--
Acho so ... Ellen ...
Langsam geht sie auf den Tisch zu. Ein paar Blicke folgen ihr. „Hübschen Gang hat das Mädchen!" sagt der Dramaturg der Sendeabteilung, ein alter Schauspieler mit eisgrauem Kopf und scharf gekerbtem Gesicht, er beugt sich erst langsam wieder auf sein Billardqueue. „Sehr hübsch!" Noch einmal sicht er ihr nach.
„Wer ist denn bas Mädchen mit dem hübschen Gang?" fragt sein Gegenspieler und beobachtet prüfend den langsam ansetzenden Stoß seines Gegenübers. Es ist der Schlagersänger, ein junger Mensch mit weichem Kindergesicht,
„Eine Neuentdeckung vom Stein--grat) fertig --Schülerin von Professor Klippstein--
Alt--"
Evelyn läßt das leichte Geplauder über sie hinter sich. Als sie an Thomas' Tisch tritt, begrüßt Ellen, die große schlanke Fräu, sie mit einem Lob.
„Hast's wunderbar gemacht, Evelyn! Ich hab eben zugehört--Ganz prächtig ... nicht wahr, Tho-
!mas ...?!"
„3a, ausgezeichnet!" sagt der Bruder. „Das war ein glücklicher Start---glücklicher als mei
ner!^ sagt er bitter.
„Du bist ein Kindskopf, Thomas!" sagt Ellen Reinermann sachlich. Sie ist fünf Jahre älter als er, seit Jahren mit den Kays befreundet und darf sich solch eine Sprache erlauben. „Nun stutze bir nur den Jüngling mal wieder zurecht, Evelyn!" sagt sie lachend. „Er ist außer sich über den vielgeliebten und vielgelästerten Bortefeld?"
„Nennt bloß den Namen nicht!" sagt der junge Mensch heftig. Er hebt fein Glas mit einem rotbraun funkelnden Cinzano und trinkt hastig aus. „Gehst du heim, Evelyn? Dann bringe ich dich eben bis zur Bahn. Ich habe mich noch mit ein paar Leuten aus dem Konservatorium verabredet..."
Evelyn zögert einen Moment. Dann sagt sie müde: „Geh nur, Thomas, Ellen und ich bleiben noch etwas hier und gehen dann zusammen heim--—"
Ellen Reimann nickt. „Einverstanden, mein Mädchen ... Ich werbe mir jetzt noch ein ganz plebejisches Bier bestellen, hab einen Mordsdurst..
Evelyn sieht die Freundin an. Alles an ihr ist sehr bestimmt, heiter, kraftvoll, bewußt.
„Hast du hier gesprochen, Ellen?"
„Jawohl!" sagt die Journalistin und reicht Evelyn aus ihrer Handtasche ein Manuskript: „Die Entwicklung der Holzschnittkunst". Sie lacht etwas. „Trocken, was? Aber in der Stunde „Wissen und Unterhaltung für alle" — ganz brauchbar. Ich hab den Vortrag selbst gehalten. Zwanzig Minuten nur. Aber ich bin stockheiser jetzt. Es ist so scheußliches Wetter draußen..."
Man schweigt eine Weile, man trinkt. Evelyn sagt, daß sie gern den Vortrag gehört hätte, aber sie habe nicht gewußt--Die Journalistin winkt
und lächelt--„Ist ja nichts Besonderes Evelyn,
Hauptsache, daß ich deinen Start gehört habe. Das lohnte sich schon ..."
, Magst du nichts effen, Evelyn?"
Evelyn schrickt zusammen. „Nein, um Gottes willen nicht" ...
Die Freundin legt energisch die Hände zusammen, fragt ruhig: „Was ist eigentlich los, Evelyn? Du


