Vornotizen.
Tageskalender für Mittwoch.
SA.-Standorte 116: Neue Aula, Herbert Böhme lieft aus eigenen Werken. — Gloria-Palast, Seltersweg: „Der Hampelmann". — Lichtspielhaus, Bahn- hofstraße: „War es der im dritten Stock?" — Oberhessischer Kunstverein: 17 bis 18 Uhr Ausstellung im Turmhaus am Brand.
BDM.-ilntergau 116 Gießen.
BDM.-werkgruppe 4/116, Werkschar 1 und 2.
Alle Mädel treten am Freitag um 20.15 Uhr an der neuen Dienststelle, Seltersweg 52, an.
Bezirksve» waltungsgericht Gießen.
Am nächsten Samstagvormittag findet im Sit- zunassaal des Regierungsgebäudes zu Gießen, Land- araf-Philipp-Platz 3, eine öffentliche Sitzung des Bezirksverwaltungsgerichts Gießen statt mit folgender Tagesordnung:
Klage des Johann Friedrich Höffner in Klein- Karben gegen den Bescheid des Kreisamtes Fried- berg vom 10.12.1938 wegen Versagung des Wandergewerbescheins für 1939.
Klage des Bezirksfürsorgeverbanbes Kreis Offenbach a. M. gegen den Bezirksfürsorgeverband Kreis Alsfeld wegen Erstattung von Fürsorgekosten für Günther Schorsch.
Klage des Karl Junker in Stammheim, Kreis Friedberg, gegen den Beschluß des Kreisamts Friedberg vom 29.8.1938 wegen Versaguna der Er- laubnis zur Erweiterung der Gastwirtschaft im Anwesen Untergasse Nr. 58.
Sie Plaketten für den Sammeltag der Polizei.
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Die nebenstehenden Abzeichen bedeuten: 1. Parkplatz, 2. Fahrverbot für Kraftwagen, 3. Vorsicht, 4. Parkverbot, 5. Hauptverkehrsstraße, 6. Gesperrt, 7. Für sämtliche Fahrzeuge gesperrt, 8. Achtung! Vorfahrt beachten, 9. Halten verboten!, 10. Nur in Pfeilrichtung befahren. — (Scherl- Bilderdienst-M.)
Kinder-Bewirtung am »Tag der Polizei-'.
Anläßlich des „Tages der deutschen Polizei" findet am 29. Januar im „Burghof" (Cafe Ebel) eine Bewirtung und Veranstaltung von Kinderspielen für 50 bedürftige Kinder statt. Die Kinder werden um 12.30 llfor am Oswaldsgarten a»treten und von dort unter Führung eines Polizeireiters, sowie in Begleitung von Fanfarenbläsern der HI. durch die Neustadt, Bahnhofstraße, Horst-Wes- sel-Wall, Hindenburgwall, Reuen Bäue zum Burghof marschieren.
Gießener Gänger helfen dem WHW
Der Zweigverein Gießen des Westerwald-Vereins
Ehr. Kipper, K. Hofmann, Otto Stöhr, Karl Lesch- horn und Hans Seitz. Für 75 Wanderungen wurden Anna Heidelbach und Heinrich Henkelmann mit dem Ehrenzeichen bedacht Für 100 Wanderungen wurden Otto Kipper, Karl Hölzel und Heinrich Ger- lach geehrt und für 125 Wanderungen erhielten
Vereinsführer Mader erstattete den Jahresbericht. Es wurden 33 Wanderungen unternommen und dabei 776 Kilometer zu Fuß zurückgelegt. Es beteiligten sich insgesamt 664 weibliche und 619
männliche Mitglieder. Der Verein nahm an der Hauptversammlung in Selters teil. Zwei Autobusfahrten konnten durchgeführt werden. Auf vielen Kreuz- und Querwanderungen lernte man die engere und weitere Heimat immer inniger kennen. In der Volkstanzgruppe, in der Zupfmusikabteilung und im neugebildeten Chor wurde ersprießliche Volkstumsarbeit geleistet. Für eine ftattlidje Anzahl von Wanderungen konnten viele Mitglieder mit den Ehrennadeln ausgezeichnet werden. Die Ehrennadel für 25 Wanderungen erhielten Adolphine Kipper, Hedwig Meilinger, Herta Bachmann, Lino Hölzel, Karl Junker, Heinrich Mais, Emma Ger- lach, Louise Benner, Fr Kohl, Riga Trechsler, so-
Am Sonntag, 29. Januar, stellen sich die Gie- ßener Vereine des Deutschen Sängerbundes in den Dienst des Winterhilfswerkes. Am Sonntagabend werden sie im Saale des CafL Leib bzw im Katholischen Vereinshaus durch Konzertdarbietungen nicht nur die Besucher erfreuen, sondern durch den Gelderlös auch eine neue wertvolle Beihilfe für die Arbeit des Winterhilfswerks zusammenbringen.
Wie der Kreisbeauftragte Gießen-Wetterau des WHW. uns mitteilt, sind für die Veranstaltungen nachstehende Vortragsfolgen vorgesehen.
Sonntag, 29 Januar, 20 ühr, im ßafö Leib:
Gesellschaftsverein Liederkranz.
Chöre: a) Es ist hin Brünnlein gefloßen, M. Pluddemann; b) Der Wald. K. Häser.
Reigen, getanzt von acht Damen des Bauerfchen Gesangvereins: a) Alt und jung; b) Radetzky-Marsch.
Frohsinn-Quartett-Verein.
Chöre: a) Schützenlied, O. Siegl; b) Lustig ist's Matrosenleben, H. Lang.
Bauerscher Gesangverein.
Chöre: a) Don Haus muß ich fort, I. Scheffler; b) Fröhlich Pfalz, F. Fischer.
Operette in einem Akt, gespielt von Mitgliedern des Bauerschen Gesangverein.: „In einem kühlen Grunde".
Massenchor, gesungen von drei Vereinen.
Die Darbietungen werden von musikalischen Vorführungen umrahmt.
(Sonntag, 29. Januar, 20 Uhr, im Katholischen Vereinshaus:
Gesangverein Heiterkeit.
Chöre: a) Ein deutsches Kredo, K. Lißmann; b) Halt, C. Zöllner. — Musikalischer Wettstreit „Guter Mond, du gehst so stille".
Großscher Männerchor.
Chöre: a) Das fülle Tal, F. Silcher; b) Zu Straßburg auf der Schanz, Böhm. — a) Violin- Solo: Polonaise, I. Lauterbach; b) Baß - Solo: Auch ich war ein Jüngling, A Lortzing (aus- gefichrt von Mitgliedern der Heiterkeit).
Großscher Männerchor.
Hanna Mannel, Willi Gerlach und R. Gelzenleuchter die entsprechende Auszeichnung. Für 275 Wanderungen wurde der Dereinsführer geehrt.
Kameradschaftsabende, Dietvorträge, Sonnwendfeier, Kinderbescherung und Wintertreffen dienten der geselligen Unterhaltung. Die Zahl der Mitglieder hat zugenommen. Die Kassenverhältnisse sind gut und geordnet. Die Ergänzung des Führerrats und des Beirates wurde entsprechend den Satzungen des NSRL. vorgenommen. Die für 1939 vorgesehenen Wanderungen wurden gutgeheißen. Eine zweitägige Autobusfahrt soll nach Heidelberg und in den Odenwald führen. Zum Schluß der Versammlung dankte der Vereinsführer allen Mitarbeitern und forderte dazu auf, die schöne deutsche Wandersache auch weiterhin zu fördern.
Versammlung der Gießener Bienen:üchter.
Am vergangenen Sonntag fanden sich die Bienenzüchter von Gießen und der näheren Umgebung im Hotel Hopseld ein, um für die Arbeit
Chöre: a) Jetzt gang i ans Brünnele, F. Silcher; b) Zum Wandertor hinaus, Bein. — Komisches Duett: Auf dem Steueramt (Mitglieder der Heiterkeit).
Gesangverein Heiterkeit.
Chöre: a) Morgen marschieren wir, Ph. Sttlz; b) Schwarzbraun ist die Haselnuß, B. Stürmer.
Die Darbietungen werden von musikalischen Vorführungen umrahmt.
Froher Abend bei KdF.
Lache mit uns! Diese Parole hatte die NSG. ,^rast durch Freude" für das Groß-Dariets am gestrigen Dienstagabend im Gloria-Palast ausgegeben. Diele zeigten sich bereit, dieser Parole mit ganzer Hingabe zu folgen; es waren sogar so viele gekommen, daß der große Saal bis zum letzten Plätzchen, und sogar noch etwas darüber hinaus mit zusätzlichen Stühlen, vollkommen besetzt war. Alle konnten von ganzem Herzen mitlachen, allen wurde dieser Abend zu einem schönen Erlebnis, das man hochbefriedigt mit sich trägt in den Alltag. Und damit ist der angestrebte Erfolg der Veranstalter und der Mitwirkenoen in vollem Ausmaß erreicht.
Es war ein reichlich buntes und stets ansprechendes Unterhaltungsprogramm, das man bei diesem Abend genießen konnte. Der Ansager war hervorragend, zeitgemäß ausgedrückt „ganz groß"; seine feine und humorvolle Art der Ansage und der Unterhaltung fand mit recht immer wieder stärksten Anklang. Köstlich waren die grotesken Darbietungen eines „Gladiatoren"-Aktes, sehr nett auch die „Zauberei", bei der mit guter Technik und Geschwindigkeit alles zu erreichen ist, um die Zuschauer ins Staunen zu versetzen. Ausgezeichnete Clown-Szenen aus dem Zirkusleben gaben den Darbietungen, die an sich schon reichlich Anlaß zur Heiterkeit waren, einen weiteren Auftrieb der luftigen Stimmung, die von dem Künstler-Trio durch gediegene Leistungen in bester Weise ausgelöst wurde. Eine Darbietung von besonderer Klasse stellte das Turnen dreier Männer am Doppelreck dar, bei dem man auf der ganzen Linie geradezu virtuose Technik des Turnens und staunenswerte Zeugnisse der körperlichen Kraft bemerken konnte. Graziöse Tanzdarbietungen, bei denen auch die Akrobatik des Tanzes in reizvoller Kombination mit dem Grundthema in Erscheinung trat, sowie anschließende Springakrobatik mit glänzenden Leistungen brachten auch von diesem Gebiet der guten Dariete-Kunst einen schönen Ausschnitt. Lustige Clown-Szenen, bei denen musikalische Momentbilder mit eingespannt wurden, bildeten den schönen Abschluß des Abends.
Sämtliche Darbietungen wurden verdientermaßen mit starkem Beifall belohnt. Damit wurde den vortrefflichen Künstlern und der Deranstalterin (KdF.) gebührender Dank abgestattet.
Zahreshauptve» sammlung des Westerwald-Vereins.
Der Zweigverein Gießen des Westerwald-Vereins wie Ilse und Alfred Haibach. Für 50 Wanderungen hielt dieser Tage unter starker Beteiligung seiner wurden ausgezeichnet: Lisbeth Brunnengräber, Jo- Mitglieder die Hauptversammlung ab, um damit, Hanna Kohlermann, Marie Römer, Willi Deibel, Rechenschaft für die im vergangenen Jahre geleistete' Arbeit abzulegen.
der nächsten Zeit einige Anregungen zu erhalten. Die Versammlung war außerordentlich stark besucht und bewies das rege Interesse, das die Imker an ihrer Sache erfüllt.
Der Ortsfachgruppenleiter Bodenbender hieß die Imker willkommen und sprach zunächst in längeren Ausführungen über die starken Eindrücke, die er bei der Reichs-Kleintierfcbau In Leipzig gewinnen konnte. Er berichtete besonders über die Wachsschau im Rahmen der Reichs-Kleintierschau und erläuterte verschiedene neue Geräte, die in dieser großen Schau gezeigt worden waren. Insbesondere widmete er seine Ausführungen einer neuartigen Wachsschmelze, die er empfehlen konnte. Er gab ferner davon Kenntnis, daß die Arbeit der deutschen Imker bei dieser Ausstellung in Leipzig insofern Anerkenung vor größerem Kreise fand, indem bewährte Imker mit Ehrungen bedacht wurden
Seine weiteren Darlegungen waren der Frühjahrsbehandlung der Völker, insbesondere der Behandlung im Monat Februar gewidmet. Die Behandlung bestehe darin, die Tiere vorläufig noch in Ruhe zu lassen und sie bei Reinigungsausflügen, die bei schönem Wetter unternommen werden, lediglich zu beobachten. Anhand von Beispielen in der Gegenüberstellung von „gut" und „schlecht" gab der Ortssachgruppenleiter manche weitere praktische Anregung für die Bienenhaltung. Der Redner erinnerte vor allem an die neuen Möglichkeiten der Tresterverwendung (der Rückstände bei der Wachsschmelze) und wies darauf hin, daß für Gießen bereits eine Sammelstelle errichtet sei. Es wurde nachdrücklich empfohlen, daß die gegebenen Anregungen nicht nur gehört, sondern in der Praxis auch verwirklicht werden sollten. und nicht nur zum eigenen Vort-il des Imkers, sondern um der notwendigen Mitarbeit im Rahmen des Dierjahresplanes und großen Aufbauwerks im Dritten Reich willen, zu dem auch der Imker einen wichtigen Beitrag geben könne.
Im Anschluß an das Referat wurde noch manche unmittelbar aus der Praris heraus sich ergebende Frage gestellt und erschöpfend beantwortet. Zum Schluß der Versammlung fand noch eine Freiverlosung statt. Die Ortsfachgruppe batte zum Zweck der Belebung der imkeriichen Arbeit eine Reihe von wertvollen praktischen Hilfsmitteln (Doppel-Honigsiebe, Imker-Handschuhe, Jmker- schleier usw.) angeschafft, die nun auf dem Wege einer Verlosung unter die Mitglieder gebracht wurden. Km.
Jahresversammlung
des Obst- und Gartenbauvereins.
Der Obst- und Gartenbauverein hiell am vorigen Sonntagnachmittag im „Burghof" feine Jahreshauptversammlung ab. Nach den Begrußungsworten des Dereinsführers Ehr. Junker erstattete der Rechner Dem den Kassenbericht, der über geordnete Verhältnisse Aufschluß gab. Wie der Dereinsführer feststellte, ist sorgsam' gewirtschaftet worden, so daß dem Rechner besonderer Dank für feine Mühewaltung ausgesprochen wurde.
Aus dem vom Vereinsführer oorgetraaenen Geschäftsbericht war u. a. zu entnehmen, daß der Verein durch die Beschaffung einer fahrbaren Baum- spritze einen großen Schritt in seiner Arbeit ooran- gekommen rft Der Mitgliederbestand ist durch stär- feren Zugang um etwa 40 Mitglieder auf etwa 250 angeftiegen. Durch Vorträge und Besichtigungen konnten wertvolle Anregungen vermittelt werden. Die monatlichen Rundgänge sollen nach Möglichkeit beibehalten werden, weil jeden Monat im Garten veränderte Verhältnisse sind. Durch Sammelbestellungen konnten den Mitgliedern wertvolle Zuchtpflanzen beschafft werden. Dem verstorbenen langjährigen Mitglied Gastwirt Rahnefeld wurde ein ehrendes Gedenken gewidmet. Im neuen Jahre soll versucht werden, die Frauen der Kleingärtner besonders für die Mitarbeit zu interessieren. Im August werden die Obstbäume, die die beste Pflege aufweisen, prämiiert. Bei den Obstbaumspritzungen im Frühjahr wurden 3000 Obstbäume erfaßt.
Dr,. Hanf vom Pflanzenschutzamt Gießen hiell einen interessanten Vortrag über die Schädlingsbekämpfung, in dem er wertvolle Winke für eine richtige und erfolgreiche Arbeit gab. Seine Ausführungen gingen von der sog. mechanischen Schädlingsbekämpfung, der Säuberung der Obstbäume und Sttäucher, und der zweckmäßigen Anlage der Pflanzung aus und bezeichneten diese als die Grundlage erfolgreicher Obstbaumpflege. Schließlich ging er auf die Spritzung und die Anlage der Klebgürtel ein und machte mit den Merkmalen Der-
Täglich zweiundzwanzig Himmelsahrten
Wetterflieger über der
In den Briefkästen von elf deutschen Flughäfen rumoren mit einer gewissen Regelmäßigkeit empörte Schreiben folgenden Inhalts: „Sehr geehrte Herren, jeden Morgen um fünf startet bei Ihnen ein Flug- Zeug mit dreimal soviel Lärm als die anderen. Nerven ... Schlaf ... Zumutung ..." Wahrscheinlich muß, so steht zu lesen, der Propeller einmal geölt werden: Oder: Setzen Sie gefälligst ein neues Auspuffrohr hintendran. Die Briefe stammen von Leuten, die dicht an den Flughäfen wohnen. Der bedeutungsvollste davon ist Berlin-Tempelhof, weil hier neben den üblichen Aufgaben des Tages auch die einschlägigen Testslüge mit neuen Maschinen durchgeführt werden.
Um fünf ist es noch Nacht. Der Wind treibt in kalten, schleierdünnen Schwaden den Regen über das Rollfeld. Seeger, der Chefpilot, klettert in die Maschine. Der Doktor, ein Meteorologe mit Funker- patent, ist schon in seinem Sitz. Er hat die Hörer um den Kopf. Der Monteur dreht die Schraube an. und Seeger gibt gleich Vollgas. Der Motor knattert wie eine Serie von Salven. Es dauert zehn Minuten, bis er warmläuft.
Eine Viertelstunde später ist die Maschine in der Luft. Einsam schraubt sie sich in leeren, nächtlichen Nebelschächten nach oben. Seeger tastet mit den Fingern ab, ob die Fallschirmgurte richtig oerschnallt sind. Es ist eine etwas verrückte Tatsache, früh um fünf zu starten. Der Höhenmesser zeigt 800 — 1000 — 1500 — 2300 — 4000 — 4300. Der Doktor wird gleich anfangen, die „Temps" zu funken. W i e wird das Wetter? Windstärke? Feuchtigkeit? Vereisungsgefahr?
Dafür fliegen wir über d i e 5000-Meter- Grenze: Flugsicherheit für Tausende von Maschinen.
Heizdrähte aeaen 40 Kältegrade.
Die Leute, die in der Nähe dieser elf Flughäfen in Deutschland schlafen, müssen es leider zur Kenntnis
5000-Meter-Grenze.
nehmen, daß der 5-Uhr-Lärm nicht abzustellen ist. Es geht hier um die tägliche Sicherheit der deutschen und eines Teils der internationalen Fliegerei. Der Lärm rührt daher, daß eine steil in Die Höhe ziehende Maschine chre Kapazität hundertprozentig ausnutzt und daß ihre Schraube die höchstmöglichen Drehzahlen läuft. Der Aufstieg des Wetterflugzeuges bis zur erforderlichen Höhe d o n rund fünfeinhalb Kilometer dauert an sich lange genug: eine halbe Stunde bei einigermaßen gutem Flugwetter.
Die beiden Männer im Wetterflugzeug haben in dieser halben Stunde einen Temperatur st urz von dreißig bis vierzig Grad auszuhal- ten. Da nutzen auch die zarten Heizdrähte im Overall mit ihrer 24-Dolt-Batterie nicht viel und auch nicht das Wolltuch, das man sich um den Leib zu wickeln pflegt. Andererseits, erzählt Seeger, ist es schon viel besser als vor drei oder vier Jahren, als man noch mü ben offenen Flugzeugen aufsteigen mußte. Die dickiten Salbenschichten und die raffinierteste Anordnung der Schals verhinderten es damals nicht, daß man mit schmerzenden Frostbeulen wieder herunterkam. Ueber der 5000-Meter-Grenze muß man selbst im Sommer immer mit —15 bis —20 Grad rech- nen; im Winter kann man sich gelegentlich auf — 50 Grad gefaßt machen
Immerhin haben die Himmelfahrten vom Früh- iahr an bis in den Herbst den Vorzug, daß sie we- mgstens eine a n st ä n b i g e Aussicht bieten, fünfeinhalb Kilometer über Berlin kann man den gars, bas Riesengebirge unb an klaren Tagen bie Hohe Tatra sehen. Fünfeinhalb Kilometer über Köln bat man einen Blick auf bie Alpen. Jetzt wirb auch halb — im Frühjahr — roieber bie Zeit kommen wo man da oben in strahlenben Sonnenschein hin- emfliegt, wahrenb unten auf der Erde noch alles bunkel ift
Risiko für die anderen'
Unter dem Rumpf des Flugzeugs hängt der Meteorograph. Irgendwo sind weitere komplizierte Apparate eingebaut. Als Laie versteht man zu wenig davon, und es wäre auch umständlich zu erklären. Die Apparate registrieren selbsttätig Luftdruck, Temperatur unb Feuchtigkeit. Der Meteoro- löge lieft die Werte ab und fünft sie an die Bodenfunkstelle. So laufen, noch während die Flugzeuge in der Luft sind, von den elf deutschen W e 11 e r f lugst e 11 e n beim Reichswetterbienst bie Temps zusammen, aus benen sich bie Zustanbskurve bes Flugwetters an bem jeweiligen Morgen ergibt. Wenn auf den Flughäfen unb in ben Fliegerhorsten des Reiches bie ersten Maschinen starten, wissen bie Flugzeugführer, wie sie zu fliegen haben und welche Witterungsverhältnisse zu erwarten sind. Der zweite Wetterflug des Tages oeginnt 13.15 Uhr.
Während der Meteorologe im Sommer hauptfäch- lich auf Gewitterbilbungen zu achten hat, interessiert er sich in der gegenwärtigen Jahreszeit in erster Linie für Nebel- unb Dereisungs- gefahr. Die Führer der Verkehrsflugzeuge wissen durch die genaue Wetterberichterstattung und durch ihren eigenen Instinkt bie günstigsten Fluglagen und halten so bie sicherste Höhe. Um so größer ist für bie Wettermaschinen (von benen die Berichte ja er kommen) die Gefahr, schwerer unb schwerer zu werben — und auf einmal spürt man dann, baß die Schraube nicht mehr zieht, weil sie bick vereist ist. Wetterflieger starten Tag für Tag zu genau bestimmten Zeiten in übernormale Flughöhen (ber Rekorb war bisher, von einer Spezialmaschine er» reicht, 8500 Meter). Sie Haden das Risiko für die anderen. Sie müssen durch. Je schlechter bas Wetter ist, um so wichtiger werben ihre Flüge.
Für die Vereisungsgefahr, deren Stand sich aus gut zwanzig Faktoren ergibt, bestehen keine festen wissenschaftlichen Regeln. Der Meteorologe bestimmt sie nach Wahrscheinlichkeitsgraben, bie er feiner langen Wettererfahrung entnehmen muß.
fliegerische Schwerarbeiter.
Es ist fliegerische Schwerarbeit.
Bei 4000 Meter muß man sich die Sauer«
ft o f f m a s t e vors Gesicht klemmen, und ber Sauerstoffatem ist ungefähr zwanzig Grab kalt. Das erforbert stabile Lunge». Einen Schnupfen dürfen Wetterflieger überhaupt nicht haben. Denn bei starken Erkältungen bringt bie heftige Veränderung des Luftdrucks Schmerzen, die nicht auszuhalten find. Leichte Erkältungen wird man beim Höhenflug dafür um fo leichter los.
Das Flugzeug, bas bie fünf Kilometer nach oben in etwa einer halben Stunde schafft, legt abwärts die gleiche Strecke in etwa acht bis zehn Minuten zurück. Es ist vorgekommen, daß gelegentliche Passagiere nach diesem Flug drei Tage lang taub waren. Entsprechend dieser großen körperlichen Wi- berftanbsleiftung erhöht sich ber fiebensftanbarb eines Höhenfliegers. Man braucht im Monat für achtzig Mark mehr Essen als anbere Sterbliche unb schläft boppe 11 soviel als sie. Man kann es sich nicht leisten, abends zum Tanz ober in die Kneipe zu gehen. Wenn man Frühflug hat, steigt man artig um acht ins Bett.
Dafür hat man auf der anderen Seite feine besonderen Vergnügen der übrigen Menschheit voraus. Einmal die erwähnte Aussicht, gewissermaßen jeden Tag eine kleine Ferienreise für die Augen. Oder man freut sich über die erstaunten Gesichter ahnungsloser Mitmenschen, die sich nicht genug darüber wundern können, daß man bei strömendem Regen mit der Sonnenbrille auf der Nase in die Kiste klettert. Denn über ben Wolken scheint bie Sonne; so unvorstellbar bas von unten her auch fein mag. Oder man muß einen Nachtflug burch Wolken machen, unb auf einmal zerfließt irgenbwo vorn ein milcksige und etwas romantische Helliakeit im Nebelgebräu: Abglanz bes Lichtmeeres von Berlin, Cs ist ein sehr tröstliches Licht, wenn man stundenlang nichts als Nebel und Regen und Nacht um sich gesehen hat.
Das ist alles eine ganz andere Wett, eine Welt im Irgenbwo. Wer sie erlebt hat, kommt nicht mehr von ihr los, benn jeden Tag entbedt er neue Züge in ihrem fremben Gesicht. Es ist eine (viel mehr freunbliche als tückische ober gefährliche) Wunder- wett. Gerhart Weise.


