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derungen wurde vor kurzem m Zusammenarbeit zwischen der Reichsstudentenführung und dem Reichserziehungsministerium beim Reichsstudenten' werk eine großzügige B e r ufs b e r a tu n g s a o- t e i l u n g errichtet, welche in Zukunft die akade- mifche Berufslenkung entscheidend beeinflussen wird. Es ist selbstverständlich arbeitsmäßig bedingt, daß eine enge Zusammenarbeit mit der Reichsanstalt als dem gesetzlichen Träger erfolgt.

In gleichem Maße wird es immer mehr not­wendig, die allgemeinen Bedingungen und sozialen Voraussetzungen des Hoch- und Fachschulstudiums bis ins letzte nach nationalsozialistischen Grundsätzen auszurichten. Durch das jüngste von der Reichs- regierung erlassene Gesetz über das Studentenwerk sind die Vorbedingungen dazu weitgehend geschaf­fen.

Gerade eine verantwortungsbewußt durchgeführte Berufsberatung wird die unbedingt notwendige Er­weiterung der Auslesebasis des akademischen Nach­wuchses mit sich bringen. Es wurde vor kurzem noch die Zahl derjenigen Abiturienten, welche aus rein finanziellen Gründen vom Studium absehen, auf 40 bis 50 Prozent geschätzt. Wer will bezweifeln, daß durch diesen Zustand dem deut- schen Volke Jahr für Jahr eine große Zahl seiner besten Begabungen verlorengehen, d. h. daß diese betroffenen jungen Menschen einst, nach ihren Fä­higkeiten gemessen, den von ihnen auszufüllenden Arbeitsplatz nicht erreichen können.

Die planmäßige Zusammenfassung aller Stipendienmittel öffentlicher und privater Art wird ebenfalls eine der nächsten zu lösenden Aufgaben sein. Wenn mit dem Gesetz über das Reichsstudentenwerk das gesamte Fürderungswesen immer mehr in die Hände der Partei und des Staates gelegt wird, so wird damit auch weitgehend mit der Auffassung gebrochen, daß es nicht bedeut­sam ist, wer die Ausbildung bezahlt, sondern wem sie bezahlt wird. Es wird dann auch jenes un­

würdige Bettelstipendiantentum ein Ende haben, das schon so manchem jungen Menschen die innere Frei­heit und Unabhängigkeit genommen hat. Nach der erfolgten Vereinheitlichung der sozialen Forderung sind auch jene Förderungsbestrebungen von privaten Industrie- und Wirtschaftsgruppen überflüssig, welche ja doch nur der einheitlichen Berufslenkung und nicht zuletzt der Freiheit des akademischen Studiums hindernd im Wege stehen.

Ein ganz entscheidender Grund des allgemeinen Studentenrückganges ist die Dauer der Aus­bildung und die dadurch notwendigen hohen Ge- famtstudienkoften. Hier sind es gerade wieder die minderbemittelten Abiturienten, welche gezwungen sind, so rasch wie möglich zu eigenem Verdienst zu kommen. Entweder wird in diesen Fällen ein sog. Ausreichstudium mit möglichst kurzer Dauer oder aber ein Beruf ohne akademische Ausbildung (Os- fizierslaufbahn, mittlere Beamtenlaufbahn usw.) er­griffen. Bei dem diesjährigen deutschen Studenten­tag wurde erneut das gebührenfreie Stu­dium als die nächstliegendste und in ihren Folge­rungen umfassendste Voraussetzung zur Erreichung eines von finanziellen Erwägungen unabhängigen Hoch- und Fachschulstudiums gefordert. Es wurde dabei' auf die große Zahl der Nationen verwiesen, welche für das Studium gar keine oder nur unbe­deutend geringe Gebühren verlangen.

Wohl an keiner Stelle ist die Frage der Aus­lese, der Förderung und Berufslenkung von solch ausschlaggebender Bedeutung wie gerade bei den deutschen Hoch- und Fachschulen: Der Weg zum Hörsaal und zum Laboratorium ist entscheidend für den einzelnen und für die Gesamtheit des Volkes. Es gilt hier lediglichen Irrweg zu vermeiden und deshalb wird es notwendig fein, die nun begonne­nen zahlreichen Maßnahmen zur Behebung der akademischen Berufsnot einheitlich, rasch und um­fassend durchzuführen.

Der Gerichlsreserendar.

Der Ausbildungsgang des Richters, Staatsan­walts, Rechtsanwalts und Notars beginnt nach der bisherigen Ausbildungsordnung im Altreich mit einem Univerfitätsstudium von mindestens sechs Semestern, an das sich die erste juristische Staats­prüfung anschließt. Der Gerichtsreferendar tritt dann in den praktischen Vorbereitungsdienst em, der mindestens drei Jahre dauert. Während dieser Zeit wird der Referendar bei den Gerichten, der Staatsanwaltschaft und einem Rechtsanwalt aus­gebildet. Die Einzelausbildung wird hierbei durch eine gemeinschaftliche Schulung ergänzt, die in der Hand besonders dazu geeigneter Richter und Staatsanwälte liegt und die in der Form von Ar­beitsgemeinschaften durchgeführt wird. Neben der Vertiefung der fachwissenschaftlichen Kenntnisse und der Erweiterung des Gesichtskreises besteht der Zweck dieser Schulung darin, den Referendar im Geiste nationalsozialistischer Staatsauffassung zu erziehen. Auf Grund der Juftizausbildungsordnung vom 22. Juli 1934 bient ein besonderer Ausbil­dungsabschnitt der Unterweisung des Referendars in der staatlichen ober kommunalen Verwaltung. Mit befonberer Genehmigung kann ber Referenbar diese Verwaltungsstation bei ber Reichsleitung, den Gau- und Kreisleitungen der NSDAP., bei son­stigen Körperschaften oder Anstalten des öffent­lichen Rechts ober in großen Wirtschaftsbetrieben ober Wirtschaftsverbänden ableisten. An den Vor- bereitungsdienst schließt sich bie große Staatsprü­fung an, die ber Feststellung bient, ob dem Refe­rendar sowohl nach seinen fachlichen und all­gemeinen Kenntnissen, seinem praktischen Geschick in ber Erledigung ber Geschäfte wie nach feinen charakterlichen Eigenschaften die Fähigkeit zum Richteramt unb bannt auch bie Fähigkeit zu dem Amt eines Staatsanwalts, Rechtsanwalts unb No­tars zuzusprechen ist.

In ber Ostmark und in den sudetendeutschen Ge­bieten muß ber angehende Rechtswahrer nach den bis jetzt geltenden Bestimmungen drei theoretische Staatsprüfungen, unb zwar eine rechtshistorische, eine jubizielle unb eine staatswissenschaftliche Prü­fung, ablegen, ehe er in ben Vorbereitungsdienst aufgenommen werben kann, woburch bas Stubium in der Ostmark minbestens neun Semester unb in

ben fubetendeutfchen Gebieten minbestens acht Se­mester bauert. Die praktische Ausbilbung richtet sich danach, ob ber angehende Rechtswahrer Richter, Rechtsanwalt ober Notar werben will. Der zukünf­tige Rechtsanwalt ist währenb feiner Ausbildungs­zeit nur ein Jahr bei den Gerichten und im übri­gen nur bei Rechtsanwälten tätig. Der Notars­anwärter wird allein bei Notaren und Rechts­anwälten ausgebildet.

Die neue, am 1. April 1939 in Kraft tretende Jufttzausbildungsordnung enthält die Verein­heitlichung des Ausbildungsgangs. Sie besei­tigt die Mängel, die sich infolge einer zu kurzen Ausbildung ber Referenbare bei ben Gerichten ge­zeigt haben in der Weise, daß sie auf die Aus­bildung in der Verwaltung im allgemeinen ver- zichtet unb die einzelnen Ausbilbungsabschnitte bei den Gerichten entsprechend verlängert. Der Refe­rendar wirb in Zukunft ausgebildet: Sechs Mo­nate bei einem kleinen Amtsgericht, sechs Monate bei einem Landgericht in Zivilsachen, vier Monate bei einer Staatsanwaltschaft, zwei Monate bei einem Schöffengericht oder einer Strafkammer, fünf Monate bei einem Rechtsanwalt, fünf Monate bei einem größeren Amtsgericht, zwei Monate im Ge- meinschaftslager Hanns - Kerrl, sechs Monate bei einem Oberlandesgericht. *

Der Staatssekretär im Reichsjustizministerium Dr. Freister behandelt in der Deutschen Justiz bie neue Justizausbildungsordnung. Der Staatssekretär weist barauf hin, baß bie Justiz­ausbilbungsorbnung nichts grundsätzlich Neues bringt, da sich bie bisherige Regelung im ganzen bewährt habe. Die neue Prüfungsordnung habe bas Recht zum Schutz von Raffe unb Volksgefunbheit unter bie Prüfungsfächer aufnehmen können, ba es sich inzwischen zu einem ber wichtigsten in sich geschlossenen Rechtsgebiete entwickelt habe.

Der Staatssekretär befaßt sich dann mit den Wünschen aus Referendarkreisen, Wege zu finden, die dem Referendar wirtschaftlich bie Familien- grünbung erlauben. Gegenüber ben Zu- ftänben bis 1933 seien schon wesentliche Fortschritte erreicht. Die zur Verfügung stehenden Unter-

Vor zwanzig Jahren.

Fremdherrschaft über Deutschland zu n.

(Schluß.)

In Paris knattern in diesem Januar 1919 Dutzende von Schreibmaschinen bei der Verviel­fältigung des Entwurfes für jenes Schanddoku- ment, das selbst im offiziellen TextTratte de Paix" Friedensvertrag genannt wird. Es ent­hält die ungeheure Liste alles dessen, was man Deutschland sofort oder etappenweise rauben wird: es enthält ferner alle jene Bestimmungen, mit deren willkürlicher, ja sehr oft sogar vertrags­brechender Auslegung man die radikale Ausplün­derung Deutschlands auf mindestens ein Menschen­alter festzulegen und es für immer zum Sklaven­staat der Entente zu machen gedenkt.

In dieser Zeit, in der man in Paris, in Lon­don, in Washington von Schlemmerfest zu Schlem- merfeft eilt, um ben Sieg unb bie bevorstehende Beuteverteilung zu feiern, wirb in Deutschland bie wöchentliche Kartoffelration auf 5 in Buch­staben: fünf! Pfunb herabgesetzt, stürzt die Kohlenförderung auf die Hälfte der Förderung von 1913, gehen verhärmte, abgerissene Mütter in ber ländlichen Umgebung ihres Wohnortes vergeb­lich um etwas Nahrung für die verelendeten Kin­der betteln, fallen Verhungerte vor Schwäche auf der Straße um. In Paris schreibt widerwärtiger Haß, schreibt der Siegerwahnsipn die 228 Druck­seiten des Diktates zusammen. Wilson, der schon seit dem 13. Dezember in Paris ist, hat keine Zeit, sich mit so nebensächlichen Dingen wie mit den verhungernden Frauen, Kindern und alten Leuten in Deutschland zu befassen. Er konferiert mit Clsmenceau, mit Lloyd George, er wirst gelegent­lich einen Blick in alle möglichen Entschließungen und Entwürfe unb entdeckt unter diskreter sach­kundiger Führung als Privatmann das Pariser Nachtleben. Der englische Diplomat Nicolson, der als Mitglied der 200 Köpfe starken englischen De­legatton die Pariser Verhandlungen mitmacht, no­tiert über diese Zeit in sein TagebuchSterbens­elend vor Ekel".

In Paris tüfteln sie die verlogenen Einleitungs- phrasen zu dem Diktat zusammen, wobei sie schrift­lich niederlegen, daß bie Mächte wünschen, den Krieg ,Hurch einen festen, gerechten und dauer­haften Frieden beendet zu sehen". Aber was steht tatsächlich wörtlich über ben Geheimberichten dieser sauberen Friedenskonferenz?Bericht über die Zusammenkünfte des Obersten Kriegsrates". In Deutschland beschimpft ber sozialdemokratische Reichskanzler Scheidemann in öffentlicher Sitzung ber Weimarer Nationalversammlung Ludendorff,

Beginn derpariser Friedenskonferenz^.

den Feldherrn, als denHasardeur des Weltkrie­ges" unb schwatzt von einerWeltverfassung, die allen Völkern gleiche Rechte verleiht". In Paris läßt man sich zu einer Verlängerung des Waffen­stillstandes erst dann herbei, als bie gegenwärtige Vertretung Deutschlands verspricht und anordnet, daß die Bewegungen des deutschen Selbstschutzes an ber polnischen Grenze eingestellt werden, ob­wohl die polnischen Aufständischen weiter vorge­hen. Es gibt eigentlich nichts, was man von diesen neuen Novernberdeutschen da in Berlin nicht ver­langen kann. Also sieht man auch gar keine Ver­anlassung, die Berliner Bitte um Freigabe der deutschen Kriegsgefangenen zu bewilligen; sie schmachten noch monatelang in den vielfach er­bärmlichen Verhältnissen der Gefangenenlager, und als bie deutsche Friedensdelegation in zwei Sonderzügen am 29. April durch Frankreich nach Paris fährt, sehen sie längs ber Bahnstrecke ge­legentlich das sehnsuchtsvolle und verzweifelte Winken der gefangenen Feldgrauen, die man zu allen möglichen Arbeiten zwingt.

In Paris arbeitet ein riesiger politischer, mili­tärischer und technischer Apparat an der Fertig­stellung des Dokumentes über die völlige Unter­werfung, Entwaffnung und Entrechtung Deutsch­lands. Der Apparat ist derarttg angeschwollen, daß beispielsweise die amerikanische Delegation einschließlich aller zugehörigen Offiziere, Sachver- ständigen und Hilfskräfte auf 1300 Menschen an- gestiegen ist, daß ber Stab des Obersten House allein 150 Menschen zählt, daß Hunderte von Offizieren verschiedenster Länder ein ganzes Ge­wimmel von Kurierdienst betätigen, daß dieFrie­denskonferenz" sich schließlich nicht nur ein eigenes Telefonnetz, sondern auch einen eigenen Postdienst und eine eigene Druckerei zulegt usw.

In Berlin aber setzt der Herr Reichsminister Mathias Erzberger von einem Tag zum andern bie Abberufung des Großindustriellen Hugo Stin- nes als Sachverständigen aus Spa durch. Des ein­zigen Mannes, ber dort den Feinbbundmächten den äußersten Widerstanb gegen bie Ausplünde­rung Deutschlands auf wirtschaftlichem Gebiet entgegenzusetzen entschlossen war. Herr Erzberger, in ein paar Wochen vom Abgeordneten zum Staatssekretär und schließlich zum Reichsminister emporgeschnellt, ist in seiner stark ausgebildeten persönlichen Eitelkeit gekränkt, weil man ihn nicht direkt mit der Entsendung Stinnes' nach Spa be­faßt hat. Der Totentanz der deutschen Frecheit beginnt nun, bis zu seinem Höhepunkt am 28. Juni 1919.

haltszuschußmittel sanken von 1,65 Mil­lionen im Jahre 1929 bis auf 480 000 Mark im Jahre 1933 in Preußen. Heute betrügen für bas Reich diese Zuschußmittel bereits über 3,7 Millio­nen im Jahr. Während 1933 nur 47,69 Mark auf den einzelnen Referendar entfielen, feien es jetzt 386,16 Mark. Zwar fei weiter das unbesol­dete Assessoriat bei ber preußischen Justiz überwunden, es bestehe Aussicht, die Verleihung der ersten Planstelle vorzuverlegen, und es werde zu prüfen fein, wie eine entsprechende Kürzung der Zeitdauer bis zur Zulassung als Rechtsanwalt er­reicht werden könne. Zwar erhalte der ver­heiratete Referendar jetzt monatlich 200 Mark. Damit fei die Frage aber noch nicht gelöst. Jeder Referendar müsse in bie Lage versetzt werben, am geistigen Leben des Volkes teilzu­nehmen, und ber Zeitpunkt ber wirtschaftlichen Hei­ratsfähigkeit bes jungen Rechtswahrers müsse um brei Jahre herabgesetzt werben. Daran werbe weiter gearbeitet.

Büchertisch.

Das Kredit- und Versieh erungs- wesen der preußischen Provinzen. Don Wilhelm Traupel, Landeshauptmann der Pro­vinz Hessen-Nassau. Erste Sonderschriftenreihe des Kommunalwissenschaftlichen Jnstttuts an der Uni­

versität Berlin, Herausgeber Dr. Kurt JeserichAus der Arbeit der preußischen Provinzen" Heft 3, Ver­lag W. Kohlhammer, Stuttgart unb Berlin NW. 7, Preis: RM. 3,60, Vorzugspreis für Provinzen 2, RM. (268.) In bem vorliegenden Werk wird in geschlossenem Zusammenhang die umfang­reiche Mitarbeit der preußischen provinziellen Selbst­verwaltung im Geld- unb Kapitaloerkehr, sowie im Versicherungswesen behandelt. Die Arbeit der preu­ßischen Provinzen wirb dabei im Rahmen ber größeren gesamtvölkischen Zusammenhänge gesehen unb dargesteltt. Die Schrift gibt tiefe Einblicke in bas Gefüge ber preußischen provinziellen Selbst­verwaltung, die wegen des seitherigen Fehlens einer eingehenden Beschäftigung mit diesem Gegenstand eine langempfunbene Lücke ausfüllen werben. Die Darstellung der preußischen provinziellen Bank- und Kreditinstitute, sowie der Versicherungseinrichtungen stellt den gelungenen Versuch dar, diese Organisa- tionsform und ihr Wachstum in einem organischen Zusammenhang mit ber Bildung einer landschafts­gebundenen Selbstverwaltung zu sehen unb die Wechselbeziehungen zur Umwelt aufzuzeigen.

Artur Langend erg: Das letzte Jahr. Ein Fronterlebnis. 240 Seiten. RM. 2,85. Henry Burmester Verlag, Bremen. (508) Der Kriegsroman eines Artilleristen an der West­front, ein Erlebnisbuch, das der männlichen Ka-

Imeradschaft ein Denkmal setzt.

Deutsche Farbenphotographie.

Von Dr. Erich Keilpflug.

Nach einer Entwicklung von zwei, man kann sagen fast drei Jahrzehnten, ist die Photo­graphie in natürlichen Farben heute an einem Punkte angelangt, an dem man die weitere Entwicklung übersehen und den vollen Er- folg als in nicht zu ferner Zukunft erreichbar vor­aussagen kann. Ein voller Erfolg: würde das nur bedeuten, daß man in wirklich naturgetreuen Far­ben photographieren kann, ohne störendes Vor­herrschen irgendwelcher Farbtöne, roter oder grüner, die unser Auge nicht alsnatürlich" anerkennt, so standen wir heute schon am Ziel. Ein voller Erfolg begreift aber auch die wirtschaftliche Seite in sich, und zwar sowohl für den Fachmann wie für den Amateur auf der einen Seite für das unbewegte wie für das bewegte Bild, Photo und Film, auf ber anderen Seite. Er bedeutet, daß man farbige Bilder aufnehmen kann, ohne dazu teure Ergän­zungen des Aufnahmegerätes ober gar ein neues Gerät anschaffen zu müssen. Ferner ist erforderlich, wenn anders die Farbenphotographie sich gegen die Schwarz-Weiß-Photographie halten soll, daß der Film billig und einfach zu entwickeln und be­liebig oft kopierbar ist, unb baß sich, beim Photo, nicht nur Durchsichtsbilder, sondern auch farbige Abzüge auf Papier leicht Herstellen lassen.

Wenn auch ungeachtet dieser vielen Bedingungen heute schon und zwar ohne billigen Optimis­mus behauptet werden fann, daß nur noch ein paar Schritte bis zum Ziel zu tun feien, erscheint die Lage auf dem Gebiet der Farbenphotographie verwickelter als je. Von den Verfahren des Aus­landes abgesehen, die hier überhaupt außer acht bleiben sollen, scheinen allein in Deutschland nicht weniger als drei Verfahren im Rennen zu liegen, von denen bas jüngst angekündigte bereits beliebig oft kopierfähige Filme liefert. Die Dinge liegen so, daß dieses sehr geistvoll ausgedachte Pantackrom"- Verfahren nur ein augenblick- sicher Behelf sein soll, der auf den Markt gebracht wird, bis das Hauptverfahren, bei dem allein die Zukunft liegt, das A g f a c o l o r Verfahren, völlig durchentwickelt ist unb man auch mit ihm beliebig viele Kopien und Papierabzüge in der ge­wünschten Qualität erhalten kann, so ist wenig­stens die Absicht, die Dinge zu lenken. Zur Dis­kussion stehen also augenblicklich nur diese beiden Verfahren, da das dritte, seinem Ursprung nach nicht rein deutsche, aber von Deutschen in ehren- vD.Ußx Mi vLLluMiüüeLdLL MM völlig ßntisit*.

kette fo genannte Siemens » Berthon Ver­fahren die zu stellenden Bedingungen leider nicht erfüllt und starke zusätzliche Anschaffungen sowohl für die Aufnahme wie für die Reproduktion ver­langt.

Die großen Schwierigkeiten, die die Farbenphoto­graphie mit sich bringt und die diese lange Ent- roitftungsarbeit verursachten, liegen sowohl auf technischem wie auf chemischem Gebiete. Man kennt heute keinen Stoff, und es gibt ihn auch wahr­scheinlich nicht, ber chamäleonarttg die Farben jebes Bildes, das auf ihn fällt, nicht nur annimmt, son­dern auch dauernd festhält, nicht einmal unsere Netzhaut im Auge leistet das. Aber es märe das direkteste unb einfachste Verfahren, in natürlichen Farben zu photographieren. Infolgedessen lag es nahe, sich zu fragen, wie denn eigentlich bie Druckerkunst ihre farbigen Bilder herstellt, unb man ist sich heute weitgehend barüber einig, daß farbige Photos am besten unb einfachsten erzielt werden, wenn man sich an das feit langem bekannte Dreifarben - Druckverfahren hält. Bei diesem Druckverfahren wird ber abzubildende Gegenstand zunächst dreimal auf gewöhnlichen Schwarz-Weiß-Platten photographiert, unb zwar jeweils hinter einem Blau-, einem Grün- und einem Rotfilter. Diese photographischenFarbaus- züge" wandelt man in drei positive Druckformen um, die man nun einfach übereinanderdruckt, aber nicht mit den genannten Farben, sondern mit deren Komplementär-Farben, nämlich Gelb, Purpur und Blau grün.

Bei der Farbenphotographie sollen aber nun bie brei Farben mit einer einzigen Belichtung auf ben Film gebannt werden, andernfalls die Auf­nahmeoperation viel zu umständlich und teuer mürbe. Also muß ein Film oermenbet merben, der brei, statt roie bisher eine, lichtempfindliche Schich- ten hat, von denen jede die Rolle eines der er­mähnten Farbauszüge übernimmt: also eine aus­schließlich blau - empfindliche für Gelb, eine aus- schließlich grün-empfindsiche für Purpur und eine rot-empfindliche für Blau grün. Und es war sicher feine Kleinigkeit, Maschinen zu konstruieren, die derartig dünne Schichten von 0,005 Millimeter Dicke auf das Filmband gießen können und die zugleich dafür sorgen, daß die Schichten streng voneinander getrennt bleiben und nicht ineinanderlaufen.

Der nach ber Belichtung notwendige Schritt vom Negativ zum bunten Positiv aber bringt weitere Schwierigkeiten. Zunächst einmal muß der Film der in feinen brei Schichten jetzt die drei Farb- auszüge enthält, entwickelt werden, und das gibt ein Schwarzweiß-Aegattü ußb nicht

mehr. Wie erhält man aus diesem nun die Farben des aufgenommenen Bildes wieder bzw. wie ent­wickelt man sie in ben drei Schichten, in denen die Farbauszüge stecken?

Es ist der Vorteil des deutschen Verfahrens,' daß man bei diesem nicht gezwungen ist, bie brei photo­graphischen Schichten bes Films nun einzeln zu behandeln und einzeln einzufärben, und zwar fo, daß die andern Schichten nicht in Mitleidenschaft gezogen werden, ein Prozeß, der, wie man sieht, äußerst umständlich wäre. Beim Agfacolor-Verfah- ren geschieht dieses Herausholen oer Farben in einem einzigen Arbeitsgang. Das Schwarzweiß- Negattv wird nämlich jetzt einem Umkehrprozeß, der ähnlich schon lange in ber Photographie bekannt ist, unterworfen, unb bei dieser Behandlung ent­stehen die komplementären brei Farben Gelb, Pur­pur unb Blaugrün in ber zugehörigen Schicht und am erforderlichen Orte des Bildes. Da z. B. wo der photographierte Gegenstand schwarz war, entstehen alle drei Farben übereinander, so daß die Stelle kein Licht mehr durchläßt unb beim Durchsehen schwarz erscheint; da wo die Vorlage weiß war, entsteht gar keine Farbe, so daß die Stelle bei der Durchsicht weiß bleibt; rote Farbflecke setzen sich zu­sammen aus gelben und purpurnen Stellen in ber ersten unb zweiten Schicht, grüne aus Gelb unb Blaugrün in der ersten unb dritten Schicht, blaue aus Purpur unb Blaugrün in ber zweiten unb britten Schicht usw.

Und das kommt auf folgende Weife. Man muß wiffen, daß es Farben gibt, die dadurch entstehen, baß zwei chemische, an sich farblose Verbindungen, zwei sogenannte Komponenten, zusammenkommen. Die Entwicklerflüssigkeit nun, die zu diesem zweiten (Umkehr-) Prozeß genommen wird, enthält brei solche farblose Komponenten währenb die brei an­deren, ebenfalls farblosen Komponenten schon seit ber Fabrikatton neben dem Bromsilber und was sonst zu einer lichtempfindlichen Schicht gehört, in derEmulsion" der drei Schichten des Films ent­halten waren, ohne bisher die geringste Rolle zu spielen. Jetzt aber, beim Zusammentreffen mit den Komponenten ber Entwicklerflüssigkeit, ergeben sie Gelb, Purpur und Blaugrün, wie beim Dreifarben­druck. Es braucht nun nur noch das Silber aus den Schichten ganz entfernt zu werden, und bas farbige Bild ist da.

Diese drei aus zwei Komponenten entstehenden Farbstoffe sind der große Triumph der Chemie bei der Sache. Die Schwierigkeiten, sie zu finden, sind kaum vorstellbar. Sie müssen bie richtigen Tönungen Haden, damit die Naturtreue des Bildes nicht die ftomfioneaten dürfen sich gegenseitig

nicht chemisch beeinflussen, dürfen bie Empfindlich­keit der lichtempfindlichen Substanzen in der Schicht nicht mindern, dürfen nicht die Schicht verlassen, zu der sie gehören, und nicht in andern herum- zigeunern, die Farben müssen hervorragend licht­echt sein, wasserunlöslich unb unangreifbar für sämtliche beim Entwicklungsprozeß verwendbaren Chemikalien.

Aber diese Farben wurden gefunden, und man ist heute schon so weit, daß der Farbsilm, trotz der komplizierten Zusammensetzung seiner Schichten, eine Empfindlichkeit entsprechend 15/io Din bei schwarz-weißem Negattvmaterial besitzt. Zugleich aber ergibt sich deutlich aus dem Gesagten, daß man zunächst nur farbige Durchsichtsbilder erhält. Die Schwierigkeiten, diese nun beliebig oft kopieren bzw. auf Papier abziehen zu können, sind im Prinzip überwunden, es kommt nur noch darauf an, mit welcher Qualität ber Kopie man sich zu­frieden bzw. nicht zuftieden gibt. Das künstliche Licht beim Kopieren, das die Farben verändert, unb auch die beim Positiv anders mi nehmende Lichtempfindlichkeit find hier die Hinoernisse. Im­merhin kann man mit diesem Verfahren heute schon Aufnahmen mit jeder gewöhnlichen Kamera machen, und zwar ohne Filter. Da sämtliches Silber aus dem Film gelöst ist, hat der Film auch fein Korn, so daß die Vergrößerung bedeutend höher getrieben werden kann.

An ber Stelle, an der das Agfacolor-Verfahren heute hält, nämfid) beim Kopieren, setzt nun das kürzlich herausgebrachte Pantachromverfahren ein, das mit farbigem Filter arbeitet unb als Negativ zwei mit den Schichten aufeinander liegende Alme verwendet, deren vorderer einen sogenannten Linsenraster" besitzt. Kopiert wird, indem man zwischen die beiden Negattv-Filme einen Positiv- Film legt, der auf der "Vorderseite zwei, auf der Rückseite eine Schicht trägt. Das Zustandekommen der Farbbilder nach diesem Verfahren zu beschrei­ben, würde hier aber zu weit führen.

pdri Heil!

Der Ire liebt feine Heimat von ganzem Herzen, unb erduldet keine Vergleiche mit ihr. Ein Pankee erzählte einem Iren:Bei uns in Ontario gibt es einen Fluß, der fo fischreich ist, daß man mit einem Eimer ins Wasser waten kann und sich f° viele Fische hott, wie man benötigt,"

Nicht der Rede wert!" sagte der Ire. ,,J« Irland hat ein Fluß so viele Fische, daß man sie erst zur Seite schieben muß, wenn man Wasser flößten"