Oer Feldherr Franco.
Von Erhard Wegeli, Oberstleutnant a. D.
(Schluß.)
Franco war sich bei diesem weitausschauenden Plan von vornherein darüber klar, daß ein Angriff aus der schmalen Teruel-Front allein nicht zum Ziele führen, sondern, in der^Nord- und Südflanke bedroht, voraussichtlich vor Erreichen der Küste zum Stehen kommen würde. Er erkannte auch richtig, daß nur eine vorherige Offensive an einer für die Roten lebenswichtigen Front dorthin ge* nügend feindliche Kräfte ablenken würde und daß gleichzeitig die Ängriffsfront verbreitert werden und wenigstens eine Flanke des zum Meere strebenden Angriffskeiles gesichert werden müßke. Er konnte keine günstigere Angriffsfront dafür wählen als die in Aragonien nördlich des Ebro,'wobei ihm wohl schon damals als Endziel die Eroberung Kataloniens mit Barcelona vorschwebte. Mitte März brach ein wohlvorbereiteter Angriff nördlich des Ebro ostwärts Saragossa bis zu den Pyrenäen los. Er führte in etwa zwei Wochen an den Segre-Fluß beiderseits Lerida und bei Balaguer und gewann auch weiter nördlich bis zu den Südausläufern der Pyrenäen westlich Andorra Raum. Er erreichte den Zweck, sehr starke Kräfte der Roten zu binden, die dann an anderer Stelle fehlten. Demgegenüber begnügte er sich mit dem Erreichen starker leicht zu verteidigender Abschnitte und erlag nicht der Versuchung, die Offensive gegen die starken roten Kräfte schon jetzt mit dem Ziel Barcelona fortzusetzen. Dagegen sah er jetzt mit unfehlbar sicherem Blick den Augenblick gekommen, den Durchbruch zum Meere südlich des Ebro durchzufuhren. Dazu zog er alle nördlich des Ebro und an anderen Fronten verfügbar zu machenden Kräfte zwischen Teruel und dem E5ro zusammen und griff in den ersten Tagen des April an. Schon am 16. April erreichten die vordersten Stoßgruppen die Küste bei Dinaros südlich der Ebro-Mündung und in den folgenden Tagen wurde der Angriffskeil nach Süden zunächst bis Torreblanca erweitert. Das große Ziel, die Tren- nungder Roten in eine Gruppe in Katalonien und eine zweite Gruppe in Andalusien, einen Teil von Granada, Valencia, Murcia und Neu-Kastilien war erreicht. Damit war der Endsieg in bester Weise vorbereitet.
Jetzt fragte es sich für Franco, wie die Operationen fortzusetzen seien. Gewiß lockte die Eroberung Kataloniens, die mit einem Schlage den Endsieg bringen konnte. Aber Franco sagte sich mit Recht, daß er hier auf eine gefestigte Front mit sehr starken Kräften stoßen würde, die von den Franzosen und Russen in den letzten Wochen mit reichlichem Material ausgestattet waren. So war hier ein ergebnisloses Abringen der Kräfte zu befürchten. Anderseits war der zur Ostküste vorgetriebene Keil nach recht schmal und konnte von Norden und Süden aus eingedrückt werden. Folgerichtig entschloß sich Franco dazu, aus der Linie Teruel— Torreblanca die Offensive in Richtung Valencia fortzusetzen und so zum mindesten die Küstenfront zu verbreitern. Fiel dabei die für die Versorgung der Hauptstadt Madrid von See aus wichtige Hafenstadt Valencia in seine Hand, so war damit ein großer politischer, moralischer und bis zu gewissem Grade auch militärischer Erfolg erreicht. Die Kämpfe in dem schwierigen, mit betonierten Befestigungen gespickten Gebirgsgelände waren schwer und brachten bis Ende Juni nur geringen Raumgewinn. Immerhin wurde die Küstenfront bis Nules, etwa 90 Kilometer von der Ebrofront entfernt, ver
breitert.
In dieser Lage unternahmen die Roten Ende Juni einen überraschenden Angriff mit mindestens sechs Divisionen über den Ebro zwischen der Segre- Mündung und Tortosa. Die schwache nationale Flußsicherung wurde zurückgedrängt und so konnte für die rückwärtigen Verbindungen der gegen Valencia operierenden Truppen eine sehr ernste Lage entstehen. Hier bewährte sich wieder die Entschlußfähigkeit und ruhige, klare Ueberlegung Francos. Blitzschnell warf er unter Einstellung der Offensive gegen Valencia starke Kräfte dem Angreifer entgegen. Er begnügte sich aber nicht mit der halben Maßnahme, den Gegner zum Stehen zu bringen, sondern faßte den Entschluß, ihn anzugreifen und zu vernichten. Die rote Seite, in der ungünstigen Lage mit dem Ebro im Rücken, war genötigt, immer neue Verstärkungen heranzuziehen, wollte sie nicht angesichts des tätigen Gegners, der durch andauerndes Fernfeuer und Bombenflieger immer wieder die Ebro-Uebergänae zerstörte, den schwierigen Rückzug über den Fluß antreten, £er zur Katastrophe ausarten konnte. So wurde in diesen Kämpfen, die sich zu einer fast drei Monate dauernden Materialschlacht auswuchsen, in der alle taktischen Vorteile auf Seite der Nationalen lagen, eine rote Division nach der anderen zerschlagen. Gerade diese Kämpfe führten zur Aufreibung der
katalanischen Armee. ., _ ,
Franco hat diese Lage ebenso richtig beurteilt, wie sein Urteil in allen vorhergehenden Abschnitten des Krieges von einer bewundernswerten Klarheit war, und darauf den Endsieg aufgebaut. Nach Vertreibung der letzten roten Kräfte vom westlichen Ebro- Ufer gruppierte er so schnell wie möglich alle irgend verfügbaren Kräfte zum entscheidenden Angriff a u f K a t a l o n i e n um. Trotz rauher Bitterung brach er in den Weihnachtstagen mit drei starken Armeen zum Angriff über den Segre-Fluß und nördlich davon bis zu den Pyrenäen vor. Mustergültig waren seine Anordnungen zum Zusammenwirken der verschiedenen Angriffsgruppen im bewährten Zangenangriff unter Aussparung der schwierigsten Stellen, die dann durch Umfassung f e len. Die Offensive traf, wie Franco richtig voraus« gesehen hatte, einen durch die vorhergehenden Kämpfe am Ebro zermürbten @egner und führte seine siegreichen Truppen in überraschend kurzer Zeit nach Barcelona. Damit war jeder Widerstand m Katalonien gebrochen. Völlig erschüttert sich di? Reste der Roten über die französische Grenz-, dicht gefolgt oon den Nationalen, bi em wenigen Wochen ganz Katalonien in ihre Hand br^annco war Überzeugt, daß die in Madrid und den Prooinzen Neu-Kastilien, Va encia Murcia Andalusien und Granada noch stehenden roten Truppen durch seinen Sieg in Katalonien moralisch so erschüttert sein würden, daß es nur eines kurz aber trä tiqen Zupackens bedürfen wurde, um auch die Hauptstadt und die restlichen
Hand zu bekommen. Aber er^wollte auch für d-ft letzten Operationen so star k wi e mo$ $ 1 und jeden Mißerfolg vermeiden melleicht di gesunkene Moral der Roten hatte beleben können. Daher zog er gewaltige Kräfte nordostwärts und südwestlich Toledo zusammen, umdurch Zan genangriff unter Schonung der Hauptstadt d f- 3 Fall zu bringen. Alle Versuche der roten Rumpf-
Englands neuer palästina-plan.
Li. London, 18. Mai.
Die englische Regierung veröffentlichte am Mittwochabend in Form eines Weißbuches eine Erklärung über ihre künftige Palästinapolitik. Als Ziel dieser Politik wird in dem Weißbuch die Errichtung eines unabhängigen palästinen- ischen Staates im Laufe von zehn Jahren angegeben. Die jüdische Einwanderung soll auf eine Gesamtziffer von 75 000 während der nächten fünf Jahre begrenzt werden. In der Frage der Landkäufe soll der Oberkommissar dH Vollmacht erhalten, nach eigenem Ermessen und nach Gesichtspunkten der Zweckmäßigkeit eine Regelung zu treffen.
In dem Kapitel über die künftige Verfassung Palästinas wird festgestellt, es könne nicht der Sinn der Balfour-Erklärung gewesen sein, Palästina g e - gen den Willen feiner arabischen B e - völkerung in einen jüdischen Staat zu verwandeln. Die englische Regierung würde eine olche Umwandlung als Bruch ihrer Verpflichtungen gegenüber der arabischen Bevölkerung Palästinas betrachten. Die Regierung habe ihre Verpflichtungen aus der Balfour-Erklärung erfüllt, da seit 1922 mehr als 300 000 Juden nach Palästina eingewon- dert seien, so daß sie zur Zeit nahezu ein Drittel der Gesamtbevölkerung ausmachten. England als Mandatar habe die Verpflichtung, die Entwicklung Palästinas zu einem unabhängigen Staat in möglichst kurzer Frist herbeizuführen. In diesem unabhängigen Staat sollten sich die Araber und Juden in der Weise in die Verantwortung teilen, daß die Interessen beider Volksgruppen gewahrt würden. Für eine solche Entwicklung sei eine Uebergangszeit erforderlich. Es fei daher das Ziel der englischen Regierung, innerhalb von zehn Jahren Palästina zu einem unabhängigen Staat zu entwickeln, zu dem England in solchen vertraglichen Beziehungen stehe, die die wirtschaftlichen und strategischen Erfordernisse beider Länder befriedigend berücksichtige. Das Ziel fei die Leitung sämtlicher Berwaltungs- zweige durch Einwohner von Palästina unter Mitwirkung englischer Ratgeber. Die Beteiligung von Arabern und Juden an der Verwaltung solle entsprechend ihrem Anteil an der Ge- famtbeöölkerung erfolgen.
Zur Frage der Einwanderung stellt das Weißbuch fest, der entscheidende Maßstab hierfür müsse die wirtschaftliche Aufnahmefähigkeit Palästinas fein. Gleichzeitig bestehe kein Zweifel daran, daß die arabische Bevölkerung eine unbeschränkte jüdische Einwanderung fürchte, und daß
hierauf die Unruhen in Palästina weitgehend zurück- zuführen feien. Unter diesen Umständen würde eine Fortsetzung der Einwanderung bis zur Grenze der wirtschaftlichen Aufnahmefähigkeit die Lage in Palästina andauernd verschlechtern und den Gegenstand ständigen Streites im Nahen und Mittleren Osten bilden. Die englische Regierung habe daher beschlossen, die Einwanderung für die nächsten fünf Jahre, beginnend mit dem April d. I., auf insgesamt 75 000 festzusetzen. Auf jedes Jahr sollten 10 000 jüdische Einwanderer entfallen, zu denen als Beitrag zur Lösung des jüdischen Flüchtlingsproblems insgesamt 25 000 hinzukommen sollen. Nach Ablauf von fünf Jahren darf eine weitere jüdische Einwanderung nur mit Zustimmung der arabischen Einwohner erfolgen. Durch diese Regelung betrachte die englische Regierung ihre Verpflichtungen aus der Balfour- Erklärung als erfüllt.
Niemand befriedigt.
„Das Palästina-Weißbuch bringt keine L ö - jung von Dauer. Es wird- sowohl die Araber wie. die Juden verärgern." Dies ist der Nenner, auf den im Grunde alle Leitauffätze der Presse abgestimmt sind. Der „Daily Telegraph" spricht von einer undankbaren Aufgabe und von ärgerlichen Fragen, die die englische Regierung hätte lösen müssen. Schon die Londoner Konferenz hätte keine der beiden Seiten befriedigen können. „Daily Mail" sagt: „Laßt uns zugeben, daß der Plan sowohl die Araber wie die Juden enttäuschen wird. Das größte Geschrei wird von den Juden kommen." Aber auch die Araber hätten viel weniger erhalten als ihre Unabhängigkeit. Das „News Chronicle" äußert, das eigentliche Palästinaproblem liege in der Weigerung von Arabern und Juden, in Gemeinschaft zusammenzuarbeiten. Die englischen Juden, so meint „Daily Expreß", sollten den Plan unterstützen. Der Friede in Palästina sei wichtig für die englische Weltmacht. „Wenn England fällt", schreibt das Blatt, „wird die jüdische Rasse in der ganzen Welt bedrückt, gejagt, verfolgt und vielleicht sogar vernichtet werden." „Daily Herold" spricht von einer Opferung der Juden durch die englische Regierung. Der Zionistenführer Chaim W a i z - mann hielt am Donnerstagabend in London eine Rede, in der er den Palästina-Plan der englischen Regierung als „einen schweren Schlag für Sie jüdischen Hoffnungen" und als den „Bruch eines vor 22 Jahren feierlich gegebenen Versprechens" bezeichnete. Waizmann warnte die englische Regierung davor, daß die neue Politik die
Verwaltung von Palästina mit den Kräften des wirtschaftlichen Fortschrittes in Konflikt bringen müffe, und setzte hinzu, daß die Juden ihre Arbeit in Palästina auch ohne Unterstützung der englischen Regierung fortsetzen würden.
Mas Antwort.
Schwere Ausschreitungen in Tel Aviv und Jerusalem.
Jerusalem, 18. Mai. (DNB.) In Tel Aviv, der Hochburg des Palästina-Judentums, kam es in der Nacht zum Donnerstag zu wüsten Ausschreitungen jüdischer Horden. 5000 Juden stürmten das Bezirksamt und setzten es in Brand. 25 Personen wurden dabei verwundet. Heber ganz Tel Aviv ist Ausgehverbot verhängt. Ueberall hört man Niederrufe auf Waizmann, dem Schlappheit vorgeworfen wird, und Hochrufe auf den radikalen Revisionisten-Anführer Jabo- tinsky. Das Bezirksamt macht einen völlig verwüsteten Eindruck: Tore und Türen sind erbrochen, die Möbel zerschlagen, ein Teil der Einrichtung wurde aus dem Fenster geworfen. Auf dem Dach wurde die britische Flagge heruntergeholt und an ihrer Stelle die Judenflagge gehißt, die inzwischen allerdings wieder entfernt wurde. Auch das Katasteramt und das Einwanderungsamt in Tel Aviv wurden beschädigt. Der Bürgermeister, der den Versuch machte, die Menge zu beruhigen, wurde mit Steinen beworfen und verletzt. — In Jerusalem stürmten die Juden die Einwande- rungsbüros der Regierung und richteten beträchtlichen Schaden an. Die Unruhen in Haifa ähneln in ihren Ausmaßen jenen von Tel Aviv und Jerusalem. Die Polizei interessiert sich besonders für die Bedeutung eines Aufrufs an alle Juden im Alter von 18 bis 35 Jahren, in dem diese von den Leitern der jüdischen Organisation aufgeforbert werden, sich „im Register" einzutragen und sich „jüdischen Behörden" zur Verfügung zu stellen, um die neue Palästina-Politik Englands zum Scheitern zu bringen.
Die Ausschreitungen der Juden in Palästina haben bei der englischen Regierung einen überaus schlechten Eindruck gemacht. Es wird vermerkt, daß die blutigen Zwischenfälle der letzten 24 Stunden ohne arabische Beteiligung sich ereigneten und daß das Strebertum bisher durchweg eine außerordentlich zurückhaltende Stellung eingenommen hat.
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regierung, einen Kompromißfrieden zu schließen, wobei sie durch England und Frankreich warm unterstützt wurden, wies er zurück. Er wollte eine ganze Entscheidung, entweder bedingungslose Unterwerfung ober Vernichtung aller der Kräfte, die noch Widerstand wagten. Da der rote General Miaja und seine politischen Hintermänner nicht die Unterwerfung annahmen, sondern versuchten, durch Verhandlungen Zeit zu gewinnen, griff Franco am 25. März 1939 mit überwältigenden Kräften an. In wenigen Tagen brach er den letzten Widerstand der Roten und gewann damit fast kampflos Madrid und die noch in roter Hand befindlichen Provinzen. So war nach 2 ^jährigen Kämpfen der Endsieg errungen.
Die kurze Darstellung der wesentlichsten Phasen des svanischen Bürgerkrieges sollte die Feldherrn- eigenschaften Francos ins Licht setzen. Wir haben gesehen, wie er in kühnem Entschluß den Kampf gegen die inneren Feinde seines Vaterlandes mit einer Handvoll Männer begann, wie er von Erfolg zu Erfolg geschritten ist, einzelne Rückschläge durch kräftige Gegenmaßnahmen in Siege verwandelte ynd in wohldurchdachten, ausgezeichnet vorbereiteten und geführten Operationen den Endsieg errungen hat. Ihm sind die Eigenschaften gegeben,
die den Feldherrn ausmachen: Kühnheit, Derant- roortungsfreubigfeit, schnelle Entschlußfähigkeit, Festigkeit auch in schwersten Lagen, klare, kühle, unfehlbar sichere Beurteilung der jeweiligen Lage, Folgerichtigkeit in der darauf Gegründeten Durchführung der Operationen, Organisationsgabe, psychologisches Verständnis für die Seele der von ihm geführten Menschen, daher Gewinnung des unbedingten Vertrauens seiner Unterführer und Mannschaften. Daneben richtiges innen- und außenpolitisches Urteil, das ihn in keinem Augenblick des an Hindernissen und Schwierigkeiten überreichen Bürgerkrieges im Stich läßt/ Die Kriegsgeschichte der Zukunft wird ihm, davon dürfen wir überzeugt fein, den Lorbeer eines großen Feldherrn zuerkennen. Sein Vaterland schuldet ihm unendlichen Dank und wird, so hoffen wir, unter seiner Führung einer neuen Blüte entgegen gehen. Die deutschen Freiwilligen, die auf Grund eines hochherzigen Entschlusses und der richtigen Erkenntnis der Lage unser Führer dem General Franco zur Verfügung gestellt hat und die an dem Einzug der siegreichen Truppen in Madrid teilnehmen dürfen, können es sich zur Ehre anrechnen, unter der Führung eines solchen Mannes zum Siege beigetragen zu haben.
Japan und die Demokratien.
Truppenlandung und Flottendemonstration vor Amoy.
London, 18. Mai. (Europapreß.) Englische, amerikanische und französische Kriegsschiffe haben in der Internationalen Niederlassung von Amoy, Ku- langsu, Truppen gelandet. Nach dem Abtransport japanischer Truppen befinden sich nur noch 42 Japaner in Kulangsu. Von englischer Seite wird in Aussicht gestellt, die englischen Truppen würden proportional dem Abtransport der japanischen Besatzung aus der Niederlassung zurückgezogen. Zur Zeit sollen fünfzig Kriegsschiffe in Amoy stationiert sein.
Japan gegen Einmischung dritter Staaten.
T o k i o , 19. Mai. (DNB. Funkspruch.) Der Sprecher des japanischen Auswärtigen Amtes erklärte, alle Gerüchte über Verhaftungen und Untersuchungen Angehöriger dritter Mächte, die Vie Landung eng- lisch-sranzösisch-amerikanischer Marinesoldaten notwendig gemacht habe, seien völlig unzutreffend. Der größte Teil der japanischen Marinetruppen sei bereits zurückgezogen worden. Die Zurücknahme der Truppen sei nach erfüllter Aufgabe, jedoch nicht in Zusammenhang mit den in der britischen Protestnote erhobenen Forderungen des internationalen Stadtrates von Kulangsu erfolgt. Zu der amerikanischen Note hinsichtlich der Frage der internationalen Niederlassung in Schanghai erklärte der Sprecher, daß die japanische Regierung auf ihre dem internationalen Stadtrat übermittelten Vorschläge zur Neuorganisation der Verwaltung keine Antwort von den Regierungen dritter Mächte erwartet habe. Japans Ansicht über 2frt und Ausmaß dieser Neu- Organisation könne nicht durch D r 111 e Staaten beeinflußt werden. Die Besprechungen mürbe» durch die japanischen Lokalbehorden und den internationalen Derwaltungsrat in Schang
hai weitergefuhrt. ., „ „
Die gesamte japanische Presse druckt ihren stärksten Unwillen über die „vereinigte Demonstration Englands, Amerikas und Frankreichs gegen Japan" aus. Die Flottendemonstration bei Amoy richte sich nicht allein gegen die japanische Landung auf Kulangsu, sondern fei auch dazu bestimmt Japans Haltung in Verbindung mit Der internationalen Lage und der Frage der fremden Niederlassungen in Schanghai und Tientsin zu sondieren. Japan müsse entschiedene Schritte als Gegenmaßnahmen gegen diese "Demonstrationen unternehmen, denn sonst wurde Japans Politik gegen
über der Frage der internationalen Niederlassunben einfach mißachtet. „Tokio Asahi Schimbun" bezeichnet Amerikas schroffe Ablehnung der japanischen Vorstellungen auf Neuordnung des internationalen Verwaltungsrates in Schanghai als unverständlich. Hoffentlich werde die japanische Regierung ihre Bemühungen um die Neugestaltung der Lage in Schanghai unverändert fortsetzen. Die überhebliche Haltung Englands uyd der Vereinigten Staaten erfordere eine starke Stellungnahme Japans. „Kokumin Schimbun" fordert ebenfalls eine starke Haltung der Regierung gegenüber den unberechtigten Protesten.
Außenminister A r i t a hatte eine Unterredung mit dem nach Amerika zurückkehrenden Botschafter Grew. Er hat ihm erklärt, daß ein bloßer Notenwechsel zwischen der japanischen und amerikanischen Regierung wenig zur Klärung der zwischen beiden Ländern schwebenden Streitfragen um China beitragen werde. Er sei vielmehr der Ueberzeugung, daß durch direkte Verhandlungen zwischen Japan und Amerika unter Ausschaltung internationaler Konferenzen zahlreiche Probleme freundschaftlich gelöst werden könnten. Voraussetzung sei, daß Amerika Japans Standpunkt im Fernen Osten anerkenne. Japans Plan des Aufbaues und der Neuordnung Dftafiens fei nicht so „engherzig und unvernünftig", um die künftige Entwicklung der amerikanischen Interessen in China zu hindern, wie auch anderseits die mögliche Entfaltung Japans in Den fernöstlichen Gebieten außerhalb Chinas nicht mit Den amerikanischen Interessen zusammenstoßen werde.
Ein japanischer Nilliarden-plan für Mandschnkno.
Peiping , 19. Mai (Europapreß). Ein neuer japanischer Ausbau- und Derteidigungsplan für Mandschukuo in Hohe von einer Milliarde $en wird in Meldungen aus Hsingking bekannt. Danach soll die südmandschurische Eisenbahn die Hälfte dieser Summe aufbringen, die zum Bau strategischer Bahnlinien rings an den Grenzen Ma ndschukuos verwendet werden soll. Die andere Hälfte soll der E r - richtung von Befestigungswerken dienen. In dem Plan sollen ferner 7 000 Kilometer neue Straßen und die Instandsetzung von 6000 Kilometer bestehender Straßen vorgesehen fein.
Hinzukommen soll die Errichtung eines Fern» sprech- und Kabelnetzes von 40000 Kilometer Länge, ferner Die Elektrisi zierung sämtlicher Grenzortschaften, Die Erschließung von 250 000 Hektar AckerlanD für junge Wehrfi e D l e r in Den Grenzgebieten unD der Neubau von 35 Krankenhäusern. Die Ausführung Dieses Planes fei auf Drei Jähre festgesetzt worden.
Kunst und Wissenschaft.
hermann-LönsGesellschaft in Hannover.
Auf GrunD einer Anregung Des Oberbürgermeisters ist in Hannover eine Hermann-Löns- Gesellschaft gegründet worDen. Die Gesellschaft hat Die Aufgabe, dem Werke Hermann Lons' Gel
u. macnT rri cne femtweiche -Häut
tung zu verschaffen, Erinnerungsstücke xm den Dichter zusammenzutragen, seine Werke in volkstümlicher Weise allen Freunden des Dichters nahezubringen und Löns-Stätten in ihre Obhut zu nehmen. Bei Der Wiederkehr des 25. Todestages des Dichters am 26. September 1939 wird eine festliche Gründungsversammlung stattfinden und erstmalig ein Hermann-Löns-Preis vergeben.
96. Versammlung
Der Gesellschaft deutscher Naturforscher und Aerzte.
Die 96. Versammlung der Gesell schaftdeut- scher Naturforscher und Aerzte findet vom 22. bis 25. September 1940 in Frankfurt a. M. statt.
Wetterbericht
Während sich im Osten einströmende wärmere Luft aus Südosten bemerkbar macht, liegt unser Gebiet wieder vollkommen im Bereich der über England auf das Festland einströmenden Meeres- faltluft. Das Gegeneinander der beiden gegensätzlichen temperierten Luftmassen bedingt sehr unbeständiges Wetter und verbreitet Niederschlag. Voraussichtlich wird sich zunächst wieder mehr wechselnd bewölktes Wetter mit Schauerniederschlägen einstellen. Die Temperaturen bleiben für die Jahreszeit zu niedrig.
Vorhersage für Samstag: Wechselhafte Bewölkung mit weiteren meist schauerartigen Nie- derschlägen, bei lebhaften Winden aus West bis Nord für die Jahreszeit zu kalt.
Vorhersage für Sonntag: Zeitweilig aufheiternd, doch immer noch unbeständig und zu Niederschlägen geneigt, tagsüber leichte Wärmezunahme.
Hauptschriftleiter Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Stellvertreter des Hauptschriftleiters: Ernst Blumschein. Verantwortlich für Politik und die Bilder: Dr. Fr.W. Lange; für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot; für Stadt Gießen, Provinz und Wirtschaft: Ernst Blumschein; für Sport: Heinrich Ludwig Neuner. Anzeigenleiter: Hans Beck. Verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. D. A. IV. 39: 9530. Druck und Verlag: Drühlsche Universitäts- Druckerei, R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen. Monatsbezugspreis RM. 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit Der Illustrierten 15 Pf. mehr. Einzelverkaufspreis 10 Pf. unD Samstags 15 Pf., mit Der Illustrierten 5 Pf. mehr. Zur Zeit ist Preis- liste Nr. 4 vom 1. September 1937 gültig.


