Hr.<?0 Zweites Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)
Dienstag, 18. April 19Z9
Der neue Weg der Wirtschafispolttik.
Von Dr. Carl Wellihor.
Die Rede, die Reichswirtschaftsminister und Reichsbankpräsident Funk vor dem Zentralaus- schuß der Reichsbank gehalten hat, beweist, daß die Betrauung Funks mit der Leitung der Reichsbank im Januar grundsätzliche Bedeutung hat. Die Trennung der beiden Aemter — des Reichswirt- schastsministers und des Reichsbankpräsidenten —, hat 14 Monate gedauert. In dieser Zeit ist eine neue Finanzierungsmethode ausprobiert worden: die durch Lieferungsschatzanweisungen, die nach sechsmonatiger Laufzeit in bar eingelöst werden mußte. Reichswirtschaftsminister Funk hat durch- blieken lassen, daß sich diese Finanzierungsmethodc nicht bewährt habe. Dies ist auch dem Außenstehenden einleuchtend: in den Jahren 1933 bis Frühjahr 1938 wurde der öffentliche Aufwand in der Hauptsache durch Vorgriffe finanziert, nämlich durch prolongierbare Wechsel, die erst allmählich durch f e st e A n l e i h e n abgelöst werden konnten. Allerdings gestatteten bereits in dieser ersten Periode der Finanzierung die stetig wachsenden Steuereinkünfte und nicht zuletzt die Ersparnisse, die bei der Arbeitslosenversicherung erzielt werden konnten, steigende Barzahlung. Aber im Jahre 1935 traten zum Aufbau und zur Arbeitsbeschaffung die Aufstellung und Ausrüstung unseres neuen Volksheeres und anderthalb Jahre später der zweite Vierjahresplan hinzu. So kam es, daß die Finanzierung durch Vorgriffe absolut weiterstieg und prozentual nicht abnahm.
Im April 1938 wurde diese Methode durch verstärkte Barzahlung und gleichzeitige Anleiheaufnahme ersetzt. Der Plan wurde gefaßt und verwirklicht, als die großen neuen Aufgaben noch nicht vorlagen, die im Frühjahr 1938 in den Vordergrund traten: der Aufbau Oesterreichs und die Schaffung einer festen Verteidigungslinie im Westen. Der „Reue Finanz plan", der im Reichsgesetz vom 20. März niedergelegt ist, teilt den öffentlichen Aufwand in zwei Teile: 60 v. 5). werden o l s normaler, — sozusagen „ordentlicher" — öffentlicher Aufbau- undRüstungs- a u f w a n d zugleich mit der allgemeinen Verwaltung aus laufenden Einnahmen bar bezahlt, die restlichen 40 v. H. als vorübergehender — sozusagen „außerordentlicher" — Aufwand durch Vorgriffe auf Einkünfte einer zukünftigen Zeit, die nicht oder doch nicht im gegenwärtigen Ausmaße vor solche Aufgaben gestellt sein wird. Wir standen vor der Tatsache, daß sich der Aufwand des Reiches für Anleihezinsen jährlich um mehrere hundert Millionen erhöhte, im Jahre 1938 allein um etwa 350 Millionen. Dadurch wurde ein erheblicher Teil der steigenden Steuereinkünfte aufgezählt. Reichsminister Funk hat von einem „Fehler" gesprochen; es war ein Fehler, der entstand, weil wichtige neue Gesichtspunkte nicht bekannt waren, und daher nicht beachtet werden konnten, nämlich die zunehmende außenpolitische Spannung, die zu einer Steigerung der Rüstung zwang, und der Aufbau in den neu gewonnenen Gebietsteilen.
Es lag nahe, daß Reichsminister Funk vor dem Zentralausschuß der Reichsbank in erster Linie über Reichsbankfragen sprach. Die Reichs bank ist ein seltsames Zwischending von privatem und öffentlichem Unternehmen. Sie hat die Form einer Aktien-
gesellschait. Die Aktien sind im Besitz von Privaten, zum Teil sogar von Ausländern; daß die Aktionäre der Reichsbank „Anteilseigner" heißen, ist natürlich nur ein unwesentlicher Unterschied. Die Reichs- bank genießt ein vom Staat verliehenes Privileg: das der Banknotenemission. Sie hat in der Nachkriegszeit verschiedentlich ihren Charakter, insbesondere ihr Verhältnis zum Staat geändert. Die Reichsbankangestellten sind „Beamte", aber der führende Mann konnte seine eigene Politik machen.
Die Unterzeichner und Nutznießer des Versailler Vertrages haben den Charakter der Reichsbank als „Staat im Staat" verschärft. Davon legt das noch heute mit Abänderungen gültige „Bankgesetz vom 30. August 1924" Zeugnis ab. Dies Gesetz gehörte zu den Durchführungsgesetzen des ersten Reparationsplanes, des „Dawes-Planes"; es bot die Handhabe dazu, daß Reichsbankpräsident Dr. Schacht im Dezember 1928 dem Kabinett Müller-Franken ein finanzielles Reformprogramm aufzwingen konnte, und daß Dr. Schacht zwischen der ersten und der zweiten Haager Konferenz Anfang 1930 die Inkraftsetzung des zweiten Reparationsplanes, des Aounaplanes, durch seinen Widerstand ernstlich in Frage stellen konnte. Rückblickend muß man sagen, daß die Sonderstellung der Reichsbank außerhalb des Staates die einzige Möglichkeit bot, nationale Politik auf weite Sicht zu führen und überhaupt ein Stück öffentlicher Autorität gegen Parteiegoismus und Verantwortungslosigkeit aufrecht zu erhalten. Damals war es tatsächlich so, daß die Reichs bank gegen die kopflose und schleppende Politik der Reichs- regierung die Währung verteidigte und hielt
Reichsminister Funk hat dagegen am 30. Marz 1939 erklärt, daß es nunmehr der Führer und die Reichsregierung, nicht aber die Re chs bank find, denen der Schutz der Wahrung obliegt. Die angekündigte Reform der Reichs bank mit Repatriierung der in ausländischem Besitz findlichen Anteile und mit der Ummanblung der Rechtsform wird viel einschneidender sein als alle bisherigen Reformen des Instituts. Dor allem aber wird das erfüllt werden, was der Führer m seinem Berufungsschreiben an Reichsminister Funk vom IQ Januar 1939 in die Worte kleidete „bedingungslose Unterstellung der Relchsbank unter die Souve- ränität des Staates". Reichsminister Funk hat hln- zugefügt, daß die Rechte der Anteilseigner respektiert werden würden. .
Die weiteren Darlegungen Funks galteri dem Neuen Finanzplan. Der Staat verzichtet fünften Der privaten Wirtschaft, des Wohnungsbaus und der Reichsbahn auf den Kapitalmarkt. Anders märe auch die Erwartung kaum gerecht- fertigt daß die privaten Unternehmer die Steuer gu scheine I lange im Portefeuille behal en werd^n mlnist» "Funk im Jahre' 1939 im^usmoße, von Sapita^cba'r^^eT^rina^n"ä'^|t>oU‘ ständig decken, zumal es auf diesem G Aber nachzuholen, d.h. BankkredUe obzulr.s«. - Aber
weitere von Reichsminister Funk angekundigte Matz nahmen sollen die Unterbringung von Ak >en er leichtern helfen. Dahm gehören der Verzicht a I
Verlängerung des Anleihestockgesetzes und die Aufhebung der Sondersteuer auf Wertpapierverkäufe, der sogenannten „Spekulationssteuer". Erst wenn diese beiden Maßnahmen das etwas erkaltete Interesse des Publikums an Aktien erwärmt haben wird, kann eine verstärkte Aktienemission ins Auge gefaßt werden. —
Es find zahlreiche Neuerungen, aber auch zahlreiche Zukunftserwartungen, die in diesem Neuen Finanzplan stecken. Die führenden Männer der deutschen Wirtschafts- und Kreditpolitik sind sich dessen durchaus bewußt. Wie damals bei der Veröffentlichung des Gesetzes vom 20. März 1939 Staatssekretär Reinhardt vom Reichsfinanzministerium, so hat auch Reichsminister Funk am 30. März das Wort „abtasten" gebraucht. Die Reichsregierung behält sich vor, Aenderungen am neuen Finanzplan und damit am neuen binnenwirtschaftlichen Kurs vorzunehmen, wenn es durch die Umstände geboten sein sollte.
Mehr Erfahrungen liegen auf außenwirtschaftlichem Gebiet vor, über das Reichsminister Funk zu Beginn seiner Rede vom 30. März gesprochen hat. Seit Jahren zieht Deutschland die Folgerung aus der Erkenntnis, daß den im Aufbau begriffenen Ländern „das Spiel mit silbernen Kugeln" und die „politischen Anleihen" nicht frommen. Man sagt uns, wir hätten aus der Not eine Tugend gemacht. Das bedeutet keine Disqualifizierung unserer Politik. Es mag fein, daß wir nicht oder noch nicht auf den Gedanken gekommen wären, uns von den internationalen Finanzintrigen zu befreien, wenn wir im Kreditverkehr der Völker geblieben wären. Gewiß haben wir den Naturalaustausch wieder ausgenommen, weil uns die Devisen zum freihändigen Kauf der erforderlichen Rohstoffe und
Lebensmittel auf dem Weltmarkt fehlten. Aber wie so oft ist der Zwang ein weiser Lehrmeister gewesen! Es ist nicht das Wesentliche, daß zwei Länder ohne Zwischenrechnung in Devisen und Valuten Handel treiben, sondern daß sie sich a l s Glieder einer Großraumwirtschaft fühlen und danach handeln. Das hat Reichsminister Funk in seiner Rede vom 30. März klar erkennen lassen.
Die kapitalstarken Westländer, die an der freien Marktpolitik festhalten und uns unser System zum Vorwurf machen, haben versucht, die Verwirklichung unseres neuen außenwirtschaftlichen Systems dadurch zu stören, daß sie unseren Partnern im südöstlichen Europa einflüsterten, uns seien die Wirtschaftsabmachungen nur das Sprungbrett zum Angriff auf die staatliche Selbständigkeit der mittleren und kleineren Länder Europas. Rumänien hat sich dadurch nicht beirren lassen und jenen Vertrag mit uns abgeschlossen, der eine nahe wirtschaftliche Zusammenarbeit auf viele Jahre verbürgt. Reichsminister Funk hat Zweifel geäußert, ob es den Westländern, insbesondere England, mit der Verdammung unserer Methode ganz ernst ist, ober ob es sich nicht vielleicht um eine Rückzugskanonade handelt. Wir haben in den letzten Wochen recht scharfe Auseinandersetzungen mit England gehabt. Der Führer ist in seiner großen Rede auf dem Rathausplatz zu Wilhelmshaven. den britischen Staatsmännern und der Presse des Jnselreichs nichts schuldig geblieben. Aber die Erfahrung lehrt, daß gerade England sich erfolgreiche Methoden anderer schnell anzueignen versteht. In den nächsten Jahren wird der Beweis erbracht werden, daß der neue Weg Deutschlands in der Außenwirtschaftspolitik tatsächlich der große Fortschritt ist. als den ihn das deutsche Volk erkannt hat.
Das kommt vom Jndianerspielen.
Operationen am Herzen. — Eine Stichwunde am Lebensquell wird genäht. Fortschritte in der Ehirurgie.
Der weitere Ausbau der Ost-West-Achse wird sich unmittelbar anschließen. Nachdem der große Erweiterungsbau der Reichskanzlei vollendet ist und der Neubau des Hauses des Deutschen Fremdenverkehrs bereits im Rohbau emporwächst, die U-Bahn- und S• Bahnbauten Fortschritte machen und weitere Neubauten wie die Industrie- und Handelskammer begonnen sind, wird sich nunmehr im Zuge der Ost-West-Achse die Neugestaltung des Adolf-Hitler-Platzes, des H i n ö e n • burgplatzes und des Brandenburger Tores anschließen. Dem Ost-West-Derkehr, dem in der Straße Unter den Linden und der Charlottenburger Chaussee in jeder Richtung nunmehr rund 14 Meter zur Verfügung stehen, wird durch ein Auseinanderrücken der später a n gebauten Wachhäuser der notwendige Durchlaß geschaffen werden. Mit dieser Maßnahme wird eine würdige Umgestaltung der beiden Eckbauten des Pariser Platzes Hand in Hand gehen.
4m aller Welt.
60 Jahre Soldat.
Am 12. April vor 60 Jahren wurde als Zögling der Hauptkadettenanstalt in die Armee eingestellt u. a. auch Generalleutnant a. D. Ernst v. Reuter in Schadges (Kreis Lauterbach). Er ist bekannt geworden durch die berühmte Zabern-Affäre. Er war damals Kommandeur des Infanterie-Regiments 99 in jenem kleinen elsässischen Städtchen und
Auch am Tage die Haut gut pflegen. Das Gesicht mit Nivea-Creme leicht massieren, das kräftigt die Haut, regt sie an und erfrischt sie.
Der Stich ins Herz galt in den Zeitaltern des Nahkampf-Krieges mit als das sicherste Mittel, sich seines Gegners zu entledigen. Zur Zeit der Krieger und Landsknechte mag das noch richtig gewesen sein, heute kann der geschickte Chirurg auch bei solchen, früher absolut tödlichen Wunden, noch helfen, wie der Fall eines kleinen Jungen zeigte, über den Fischer (Berlin) auf der Tagung der Deutschen Chirurgischen Gesellschaft berichtete. Die Sache liegt schon dreieinhalb Jahre zurück und der inzwischen völlig geheilte kleine Patient konnte sich als gut gewachsener, kräftig entwickelter junger Bursche der Versammlung der Chirurgen vorstellen. Zugetragen hatte sich das Unglück beim Jndianerspielen. Um den Krieg zwischen den Trappern und den Apachen recht realistisch zu gestalten, hatten sich die Jungens mit Messern versehen. Im Kampfget'ünmel hoben die feindlichen Parteien die heftig geschwungenen Waffen gegeneinander und ehe man sich's versah, hatte einer der Trapper mit spitzem Messer den Indianerhäuptling in die Brust getroffen. Der Knabe sank zu Boden, ein Blutstrahl schoß aus der Wunde, Kameraden riefen öen entsetzten Vater zu Hilfe. Dieser handelte rasch, brachte den Jungen in eine Chirurgische Klinik und gab dem Operateur volle Handlungsfreiheit, so daß dieser schon 20 Minuten nach dem Unglück eingreifen konnte.
Zwei Nähte am Herzen.
Auf dem Operationstisch wurde nun das Herz freigelegt, nach Oeffnung des Herzbeutels konnte man sehen, daß der Stich bis ins Herz gegangen war. Nun legte der Operateur rasch zwei Nähte und schloß damit die Herzwunde. Dann räumte er bas starke Blutgerinnsel weg unb hatte die Freube, noch während des Eingriffs zu sehen, wie der Blutkreislauf wieder in Gang kam und das Herz feine rhythmische Tätigkeit immer kräftiger wieder aufnahm. Die Wunde heilte sehr rasch. Schon nach 19 Tagen konnte der Junge entlassen werden, und heute ist er wieder völlig gesund, arbeitet und turnt, als ob es nie beim Jndianerspielen eine so lebens« gefährliche Wunde gegeben hätte. Nur bei einer sorgfältigen Prüfung des Elektrokardiogramms, der Herzstromkurve, die bekanntlich alle Unregelmäßigkeiten des Herzens enthüllt, kann man gewisse kleine Abweichungen feststellen.
Drei Schrotkörner durch das Herz.
Auch von anderen Herzverletzungen und ihrer chirurgischen Beseitigung wurde berichtet. So hat eine Klinik in den letzten Jahren nicht weniger als 23 solcher Herzoperationen ausgeführt, von denen 16 gut geheilt sind. Es waren alte unb junge Menschen, ja, sogar eine 74jährige Frau darunter. Einer der Vortragenden berichtete von einem 17- jährigen jungen Mann, der eine volle Schrotladung in die Brust bekommen hatte. Bei Freilegung des Herzens zeigte sich, daß dieses drei Löcher hatte.
Alle drei sind gut geheilt, das Herz hieU durch, und der. junge Mann ist heute so gesund wie andere auch. Da bei solchen Herzoperationen natürlich alles auf schnelle Arbeit ankommt, wurde die Schaffung einer besonderen Organisation vorgeschlagen, die dafür sorgen solle, daß solche Herzverletzten möglichst rasch geübte Hilfe eines Spezialisten finden. Die Diskussion ließ aber erkennen, daß die Technik der Herzoperationen heute schon so weit entwickelt und bekannt ist, daß jeder gute Chirurg bei schnellem, überlegtem Eingriff helfen kann.
Uebermmpelte Bakterienabwehr.
Bekanntlich hilft sich der Körper gegen ein gedrungene Krankheitserreger durch besondere Abwehrtruppen, biex aus dem Knochenmark stammen. Es gibt nämlich eine besondere Art von Zellen, die keine andere Aufgabe haben, als die in das Blut gelangten Bakterien aufzufresfen. Diese besondere Aufgabe des Knochenmarks, bas im übrigen zu ben blutbilbenben Organen gehört, kann ihm aber zum Verhängnis werben, sobald durch einen äußeren Schaden — oder durch anhaltende lleberanftrengung — dieses wichtige Gewebe geschwächt wird. Dann kann es eintreten, daß die Angreifer die Verteidiger überwältigen, und es entsteht die gefürchtete K n o ch c n m a r k c n t z ü n - düng, eine der schwersten und hartnäckigsten Krankheiten, über deren Urfadje und Behandlungsmöglichkeiten Prof. Löwen (Königsberg) sprach. Lebertran wird in den Knochen gefüllt.
Oft ist das einzige Hilfsmittel gegen das Wüten der Eitererreger im Knochenmark eine Ausräumung der befallenen Knochen auf chirurgischem Wege. Man kann sich dabei — vor allem bei Jugendlichen — meist darauf verlassen, daß der Knochen sich nach der Operation selbst wieder ergänzt. Knochen junger Menschen zeigen eine außerordentliche Wachstumstendenz und füllen die Operationslücken meist rasch wieder aus. Ist nun aber durch Entfernung des kranken Gewebes im Knochen eine Höhlung entstanden, so muß diese schwere Wunde natürlich auch verwahrt werden. Prof. Löhr (Magdeburg) verwendet zu diesem Zweck ein eigenartiges Verfahren. Er füllt nämlich die Höhlung mit Lebertran, der offenbar auf den Knochen eine wohltätige, das Zell wachs tum anregende Wirkung ausübt. Andere Chirurgen benutzen zu ähnlichem Zweck aus Muskelteile, ober Fettgewebe. Die operative Behandlung der Knvchenmarkentzünbung hat teilweise sehr gute Erfolge. Prof. GJairmont (Zürich) konnte in Lichtbildern junge Burschen zeigen, die solche schweren Knochenoperationen hinter sich hatten unb mit den inzwischen gefunbeten Glied- maßen mieber eifrig Fußball spielten. Mehr kann man wirklich nicht verlangen.
Die Neugestaltung Berlins.
Seneralbauinspektor Speer über den Ausbau der Ost-West-Achse.
Berlin, 17. April. (DNB.) Der Generalbauinspektor für die Reichshauptstadt, Professor Albert Speer, veröffentlicht unter bem Titel „Die Ost- West-Achse" im „V. B." einen Aussatz über die Baugeschichte dieses monumentalen Straßenzuges und gibt gleichzeitig einen Einblick in seine Pläne für eine würdige Ausgestaltung einiger bedeutsamer Plätze ber Reichshauptstabt. Er schreibt: Die erste Etappe der Neugestaltung Berlins hat mit dem Ausbau des heute fertiggestellten Teilstückes der Ost-West-Achse unmittelbar an die Berliner Tradition angeknüpft, ist doch der Straßen- zuq der von Westen her über die Charlottenburger Chaussee und die Straße Unter den Linden zum Lustgarten führt, von jeher die festliche Ein- ,u as straße schon der Hauptstadt Preußens gewesen Wenn auch durch die Schaffung des großen geplanten neuen Achsenkreuzes eine Ber- [ a a e r u n g der Bedeutung von der Ost-West- Achse auf die N o r d - S ü d - A ch s e erfolgen wird, so galt es doch zunächst, den in großen Teilen schon vorhandenen ost-westlichen Straßenzug würdig um zu gestalten, da er noch auf Jahre hinaus der Schauplatz festlicher Ereignisse fein wird und auch später im Bilde ber neugeformten Reichshauptstabt mit an der Spitze steht. .
Da die Ost-West-Straße spater sowohl iw Westen als auch im Osten an den R c i ch s a u t o b a h n.
ring angebunden sein wird, wurde ihre Breite unb Profilgestaltung dem hieraus zu erwartenden späteren Verkehr angepaßt. Schon jetzt wurde derjenige Teil der großen Autotunnelanlage an der Kreuzung mit der späteren Nord-Süd- Straße eingebaut, der unter der Charlottenburger Chaussee liegt, so daß ein späteres Aufreißen der Straße nicht mehr nötig fein wird. Durch die einheitliche Profilgestaltung und Begradigung der früheren starken Erhöhung an der Charlottenburger Brücke bildet bas 7,4 Kilometer lange Straßenstück vom Abolf-Hitler-Platz bis zum Hinbenburgplatz eine einheitliche Straße. Dieser Eindruck wirb vor allem noch bestärkt durch die neue großzügige Straßenbeleuchtung, deren 703 Maste eine Lichtfülle entwickeln, die Die bisherige Beleuchtung der Straße Unter den Linden um das Sechsfache übertrifft. Der Große Stern ist zu einem würdigen Gedenkplatz des Zweiten Reiches erweitert und umgestaltet worden. In seinem Mittelpunkt hat die Siegessäule ihren neuen und endgültigen Standort gefunden, da sie auf dem Königsplatz vor dem geplanten Neubau der Volkshalle völlig wirkungslos geworden wäre. Zwischen Bahnhof Tiergarten und Charlottenburger Brücke ist der Neubau des Hauses des Deutschen Gemeindetages im Rohbau nahezu fertiggestellt.
wurde, nachdem ihn das Kriegsgericht freigesprochen hatte, als Kommandeur des Grenadier-Regiments 12 nach Frankfurt a. O. versetzt. An dessen Spitze rückte er 1914 ins Feld. Im weiteren Verlauf des Krieges war er Kommandeur der 34. Infanterie- und Der 88.Reserve-Jnfanterie-Brigade sowie der 17. Reserve- und der 84. und 93. Infanterie-Division.
Bismarcks „Ccibgenbarm“ 95 Jahre all.
Der Gendarmerie - Wachtmeister a. D. August Wilhelm feiert dieser Tage in Kolberg seinen 9 5. Geburtstag. Er ist der „Leibgendarm" des Fürsten Bismarck gewesen. Noch jetzt ist er geistig frisch unb körperlich rüstig. Während seiner Dienstzeit war er in Friebrichsruh stationiert, und er dürfte der letzte Ueberlebende aus der näheren Umgebung des Altreichskanzlers sein. Aus jener Zeit, da er den Eisernen Kanzler täglich sah, weiß er interessant zu plaudern. Noch heute ist er besonders stolz darauf, daß Bismarck die bei besonderen Anlässen nach Friedrichsruh entsandten Berliner Kriminalbeamten stets wieder heimschickte, weil er vollauf seinem „Leibgendarm" vertraute.
Deutsches Apolhekenmuseum in Frankfurt.
Da die notwendige räumliche Erweiterung des Deutschen A p o t h e k e n m u s e u m s in München nicht möglich ist, wird bieses Museum jetzt nach Frankfurt a. M. verlegt. Die Stadt hat das nötige Gebäude zur Verfügung gestellt unb ben Umbau übernommen. Dem Museum wird ein Institut für Arzneimittelgeschichte ungegliedert. Hierfür wird eine Professur nn der Frankfurter Universität geschaffen, deren Besetzung erstmalig vom Reichs- apothekenführer vorgeschlagen wird. Das neue Museum wird im Herbst eröffnet werden. In Zukunft wird bann alle drei Jahre der Deutsche Apothekertag mit einer großen Apothekermesse in Frankfurt am Main abgehalten.
Rundfunkteilnehmer in Großdeutschland.
Am 1. April 1939 waren im Großdeutschen Reichsgebiet insgesamt 12415121 Rundfunkgenehmigungen erteilt, bas sind 158 317 (oder 1,3 v. H.) mehr als im Vormonat. Die Gesamtzahl verteilt sich auf bas Altreich einschließlich Sudeten- gau mit 11 653 644 und das Land Oesterreich mit 761 477 Empfangsanlagen. Don ber Rundfunk- gebühr befreit waren am 1.4.39 im Altreich und Sudetengau 761041, im Lande Oesterreich 29 644 Rundfunkteilnehmer.
Schwere Sturmschäden in USA.
Der Wirbelsturm, der — wie bereits gemeldet — schon in Oklahoma schweren Schaden angerichtet hätte, fegte am Sonntag auch über die Staaten Texas, Louisiana und Arkansas hinweg, zerstörte mehrere Dörfer und richtete überall furchtbare Verwüstungen an. In Haynesville riß der Tornado mitten im Geschäftsviertel eine breite Gasse, alle Häuser bem Erdboden gleichmachend. Bisher würben 4 7 Tote unb 218 Verletzte gezählt. Der Sachschaben geht in bie Millionen. In Collin (Arkansas) brachte die Winbhose eine Kirche zum Einsturz, in ber 200 Menschen zur Andacht versammelt waren. Das Kirchen- bad) wurde weggerissen, Turm unb Mauerwerk stürzten auf die Kirchgänger. Bisher sind die Leichen des Pfarrers und von 30 Gemeindemitgliedern geborgen worden. Der Gesamtschaben, ben bas Unwetter angerichtet hat, ist noch nicht zu übersehen.
Schweres Eisenbahnunglück in Vritisch-Jndien.
In D ft Bengalen, 66 Meilen von Kalkutta, ereignete sich bei der Station Nadia ein Zugzusam- menstoß, bei dem 26 Personen getötet unb 26 verletzt würben.
Fünf Kinder vom Blitz erschlagen.
In ber Nähe des mexikanischen Ortes S a l t i l I o würben fünf Kinder einer Familie durch einen Blitz getötet. Die unglücklichen Eltern, die sich ganz in der Nähe ber Unglücksstelle befanden, mußten zusehen, wie ihre Kinder verbrannten.
5 Personen durch Gase im Brunnenschacht erstickt.
In Gambola in dem Apennin fielen fünf Personen einem eigenartigen Unglück zum Opfer. Ein 38jähriger Mann, ber in einen tiefen Brunnen hinabgestiegen war, um bort Ausbesserungsarbeiten vorzunehmen, würbe durch Gase getötet. Vier weitere Personen, die nacheinander in den Brunnen fliegen, um ihren Vorgängern $ilfc zu bringen, erlitten das gleiche Schick- sal. Unter außerordentlichen Schwierigkeiten gelang es einer Gruppe beherzter Männer, die sich die Gesichter mit Tüchern verhüllt hatten, die fünf Verunglückten zu bergen.


