Ausgabe 
17.5.1939
 
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Der Michskolonialiag in Wien.

Wien, 16. Mai (DNB.) Die Wiener Tagung des Reichskolonialbundes begann mit einem Emp­fang des Bundesführers, des Reichsleiters General Ritter von Epp, im Rathaus. Vizebürger- meister B l a s ch k e gab seiner Freude Ausdruck, dqß der Reichskolonialbund gerade diesen alten Vorposten deutscher Kultur zum Sitz der ersten großdeutschen Rbichskolonialtagung gewählt habe. Der Leiter der italienischen Abordnung, Kolonial- Vizegouverneur Meregazzi erklärte, Mussolini habe in seiner Rede die Notwendigkeit betont, daß das große deutsche Volk den Platz an der afrikanischen Sonne wieder erhält, den es vor dem Kriege innehatte und der ihm zu­kommt. Die Rede des Duce in Turin zeige den Weg, der vom italienischen und vom deutschen Volke gemeinsam zu gehen sei.Es entsteht ein neues Europa, geboren von unseren beiden Revolutio­nen. Die Achse will den Frieden mit Gerechtigkeit und ohne unnötige Beunruhigungen. Auch m un­serem Kolonialsektor besteht eine natürliche und wechselseitige Solidarität zwischen Rom und Berlin. Wir gehen von gemeinsamen Grundsätzen aus und marschieren auf gemeinsame Ziele hin. Geführt von unseren beiden großen Führern, Mussolini und Hitler, blicken wir in die Zukunft mit der Sicher­heit der Starken und der Glaubenden."

Ritter von Epp stellte fest, daß wir im Hinblick auf die Kolonien heute auf ein Deutschland sehen können, das geformt und tragfähig ist, Kolo­nien festzuhalten und zu entwickeln. Unter Hinweis auf das Mailänder Abkommen und die letzten Reden des Führers und des Duce betonte Ritter von Epp, es fei eine Schicksalsgemein­schaft zwischen Deutschland und Italien geschaffen

worden, die ihre großen Auswirkungen haben werde.Deutschland und Italien^ setzen gemeinsam ihren Weg fort in der gemeinsamen Aufgabe, für beide den Lebensraum zu sichern. Wir finden uns hier zusammen zu einer machtvollen Ge­meinschaft des Rechtes, einer Gemeinschaft im Kampf um vorenthaltenes Recht, aber auch zu einer großen Arbeitsgemeinschaft der beiden Völker für ihr Leben und für ihre Zukunst."

In der Nordbahnhalle tagten am Dienstagnach­mittag alle Amtsträger des Reichskolonial­bundes, Reichsleiter General Ritter v. Epp stellte fest, daß ganz Großdeutschland auch in der Kolonialfrage nur einer Meinung sei. Das ganze deutsche Volk stehe geschlossen und einsatz­bereit auch in der Kolonialfrage hinter dem Füh­rer. Eine wichtige Aufgabe des Reichskolonialbun­des sei die Betreuung der deutschen Schulen und Schülerheime in Deutsch- Südwestafrika und Deutsch-Ostafrika.

Ferner unterhalte der Bund ein Jugendheim in Blankenburg am Harz und ein anderes in Wup­pertal, wo deutsche Kinder aus den Kolonien für einen Beruf ausgebildet würden. In einer Schule bei Bitterfeld würden junge Deutsche zu Siedlern für die Tropen geformt. Der Reichskolonialbund beschäftigte sich aber auch mit der Untersuchung der Naturschätze in den deutschen Kolonien und ihrer möglichen Nutzbarmachung. Ebenso schenke er der Rohstoffergänzung der deutschen Wirtschaft aus den Kolonien große Aufmerksamkeit, v. Epp rief die Amtswalter auf, sich mit allen Kräften einzusetzen, bis der Führer unserem Volke die alten Kolonien habe zurückbringen können.

Land und Volk derSkipetaren

Dvn profestor £)r. G Tliemeier, Münster.

Die Bora, der kalte stürmische1 Fallwind der dalmatinischen Küste, hat eigentlich meine Bekannt­schaft mit Albanien und mit Achmed, dem alba­nischen Medizinstudenten, vermittelt. Unser Schiff fuhr von Split an der Küste entlang nach Süden. Auf Deck lag alles bleich und Neptun opfernd und hatte wenig Sinn für den seidig-blauen Himmel und die abendlichen Farbenspiele des Gischtes, den der Sturm wie ein Schleier über das blaue Meer brei­tete. Achmed suchte sich durch einen Sprung vor den Gaben eines Opferers zu retten, rutschte aus und landete in meinen Armen. Die Folge war eine stürmische Einladung nach Dura'zzo. Wenn wir dann auch nur kurze Zeit im Lande der Skipe­taren reisen konnten, so schlepvte Achmed doch alles aus seiner Sippe und Freundschaft heran, was dem wissenshungrigen Deutschen Auskunft geben konnte. So haben wir manche Stunde am Hasen verbracht oder oben auf den Mauern des Türkensorts, von wo der Blick weit über Stadt und Hafen, über die Talniederung dahinter mit ihren Malariasümpfen bis zu den bewaldeten Bergen im Hintergrund wan­dert. Ich lernte eines der merkwürdigsten Länder Europas kennen.

Europas? Nun, was man so europäisch nennt, das drang recht eigentlich erst seit dem Weltkrieg in das Land, zuerst in die kleinen Hafenstädte und in einige größere Orte des Inneren: europäisch waren die Banken und Konfektionsanzüge, einige Autos und Maschinen, Erdölsucher und Händler. Mittel­alterlich-balkanisch aber blieb der Hauptteil des Lan­des, seine sozialen und wirtschaftlichen Zustände und seine Bevölkerung. Sind doch von den rund einer Million Staatsangehörigen sieben Zehntel Moham- m^>aner, zwei Zehntel Griechisch-Orthodoxe und nur ein Zehntel Anhänger der römisch-katholischen Kirche. Wichtiger als das oft recht lax ausgeübte kirchliche Bekenntnis ist aber die Gliederung der Stämme und Sippen, in GH egen und Tosten, in Serben und Zingaren, in Türken und Griechen, wobei die ab­solute Mehrheit bei den beiden ersten, in sich wieder­um sehr zersplitterten Stammcsqrüppen liegt. Be­sonders im Innern führen die Bauern-Hirten auf ihren verstreuten Berghöfen ein weitab geschlossenes Dasein, in dem die Blutrache und der wehrhafte Gehöftturm, die Kula, immer noch eine Rolle spie­len.

Albanien ist trotz seiner Kleinheit es bedeckt eine Fläche von weniger als 28 000 Quadratkilo­meter durch feine Gebirgsnatur vielfach gekam­mert, in viele kleine Lebensräume zer­legt, die durch Gebirgshöhen von oft alpiner For­mung bis fast 2700 Meter Höhe und durch steil- wandige Täler voneinander geschieden werden. Da­durch wurde das landschaftliche und politische Eigen­leben solcher kleinen und kleinsten Lebensraume und die Zersplitterung in Stämme und Sippen wesentlich gefördert. Nur das küstennahe, bis 60 Kilometer -breite Niederalbanien ist sanfter geformtes Hügelland mit Mittelmeerklima, mit einem kältesten Monat von 8 bis 9 Grad Cel­sius im Mittel und mit heißen, trockenen Sommern. Gerade hier könnten dank dem niederschlagsreichen Hinterland aus den heute noch vielfach versumpf­ten, weiten Talbecken üppige Fruchtgärten mit künstlicher Bewässerung geschaffen werden. Gleich­wohl stellt Niederalbanien auch heute die wichtigste Landbauzone des Landes mit seinen Mais- und Weizenfeldern, mit feinen Agrumen- und Oliven­hainen, mit feinen Versuchsfeldern für Reis und Baumwolle dar. Nur bis etwa 600 Meter steigt die immergrüne Region der mediterranen Macchien auf­wärts.Dahinter" und darüber beginnt Hoch- albanien, das rauhe Gebirgsland mit seinen viehverbissenen Buschwäldern aus Eichen und Hainbuchen, mit seinen Rotbuchen- und Tannenwäl­dern: so nah am waldarmen Mittelmeer stellen sie einen noch fast unaehobenen Schatz dar. Das Klima mutet dort oben fast mitteleuropäisch an wie das Vegetationsbild. Dor dem notdürftigsten Anbau von Nahrungsmitteln spielt hier die Schaf- und Ziegen­zucht die erste Rolle; im Sommer wandert man bis auf die alpinen Matten, im Winter tal- und küsten- roärts.

Wolle und Häute stehen in der Ausfuhr an erster Stelle; an die dritte ist wertmäßig in den letzten Jahren das Erdöl gerückt, das bei Mala- kastra und Devol erbohrt worden ist; dann kommen nach dem Ausfuhrwert wieder tierische Produkte: Käse, lebende Tiere, Eier u.a. Alles zusammen machte 1937 aber erst rund 8 Millionen Mark aus, während die Einfuhr, vor allem aus Mais, dem Hauptgetreide, und Textilwaren bestehend, den dop­pelten Wert erreichte, lieber die Hälfte des Außen­handels konnte Italien verbuchen, dem mit Abstand Jugoslawien, die frühere Tschecho-Slowakei und an­dere Staaten folgten. Zieht man noch in Bettacht, daß die Bevölkerungsdichte nur 36 Einwohner auf einem Quadratkilometer zählt, dann merkt man, daß Albanien ein nur wenig erschlossenes Land sein kann, ein Land, das dies Wenige zu­dem nahezu ausschließlich Italien verdankt.

Daß dieses Land so wenig mit Europa Schritt halten konnte und wollte, hängt wohl vor allem mit seiner Stammeszerfplitterung zusam­men. Das Stammes- und Sippenbewußtsein ist hier immer stärker gewesen als das Nationalbewußtsein. AlleFreiheitskriege" haben, sich immer wieder in einem Bandenkrieg totgelaufen, weil man keinem Stammeshäuptling den Oberbefehl über alle gönnte. Erst durch den zweiten Balkankrieg 1912 bekam das Land feine problematische Freiheit von der Turken- herrschaft. Die Gastrolle des F ü r st e n v o n W red im Jahre 1914 ist bekannt. Der Weltkrieg brachte den verstärkten Einfluß Italiens, der nach der Wahl Zogus zum Präsidenten (1924) und zum Kö­nig (1928) Geld, technische und organisatorische Kräfte ins Land brachte. Die erste und einzige Eisenbahn, die von Durazzo nach Tirana, wurde gebaut und Tirana in ein verzweigtes L u f t- verkehrsnetz einbezogen. Aber alles, was nicht unter der unmittelbaren Aufsicht der Italiener stand, gedieh nicht. Die Anleihen blieben zum guten Teil in den Händen der Stammeshäuptlinge und Feu­dalherren kleben, der kleinbäuerliche Pächter merkte nichts davon. Der Bedarf desHofes" war nicht gering, nicht zum wenigsten deshalb, weil das Geld für das innen- und außenpolitische Intrigenspiel benötigt wurde, ein Zustand, über den man auch schon vor 1939 manches herbe Wort Horen konnte. Ein großer Teil der wirklich nationalgesinnten In­telligenz ist sich seit Jahren nach der Enttäuschung üb-r d-s Regime Zogus barüber flat, klar mit bl. terer Selbstironie, daß Albanien aus eigener Kraft trotz der Begabung seiner Bevölkerung nicht zu ge­ordneten Zuständen, geschweige denn zu einer plan­mäßigen Entwicklung seines Lebensraumes kommen ^°Jch fuhr mit Achmed über etliche Kilometer der Autostraße":Nach der Statistik haben wir 2100 Kilometer von diesen Schlaglöchermuseen und Auto­

fallen; wenn der Wagen stabil ist, man Glück und gutes Wetter hat, dann schaffen wir an einem Tag 100 Kilometer! Erreichen wir nicht etwas mit dem geliehenen Geld?" In Niederalbanien hat die Ma­laria die Bevölkerung großenteils degenerieren lassen; planmäßige Trockenlegung, Sanierung und Kultivierung könnte hier viele Quadratkilometer fruchtbaren Bodens für Zuckerrüben und Reis, für Agrumen und Oliven, für Mais und Baumwolle gewinnen. Aber fast nichts ist geschehen. Der Grund­herr nimmt nach uralter Tradition seinen Pächtern ein Viertel bis zur Hälfte des kümmerlichen, mit primitiven Mitteln dem Boden abgerungenen Er- ttages ab.

Wenn Italien feine starke Hand jetzt über die Meerenge von Otranto geftteckt und das Land un­ter feinen Schutz genommen hat, fo spielen gewiß politische Gründe im Sinne des altenMare nostro"-Programms dabei ein gewichtige Rolle. Die lange, ungeschützte Ostflanke der Halbinsel wird durch die 'Besetzung des Gegengestades an der ent­scheidenden Stelle gesichert, seine andern Fron­ten im Mttelmeer dadurch entlastet. Im unruhigen Albanien aber wissen Einsichtige schon lange zu schätzen, was Friede und Gerechtigkeit für Albanien bedeuten. Das Land ist noch in hohem Maße ent­wicklungsfähig; es kann durch eigene Arbeit unter italienischer Anleitung seine Sttaßen aus­bauen, seine primitiven Landbaumethoden verbes­sern, seine Sümpfe trockenlegen, seine Wasserkräfte ausnutzen, mancherlei Bodenschätze wie Erze, Del, Asphalt und Kohle heben. Hier und im Sanitäts­wesen, in der Schulbildung und im Neubau des sozialen Lebens springen die Aufgaben nur so in die Augen. Was Albanien dazu an Kapital braucht, kann es zum Teil schon durch den Holzreichtum seiner Wälder und seine Oel- quellen amortisieren; ist doch der Ertrag an Erd­öl von 3500 Tonnen im Jahr 1935 auf 70 000 Ton­nen 1937 gestiegen! Italiens wahres Interesse aber kann und wird sich nicht mit einem bloßen Raub­bau begnügen, sondern wird den Ausbau des ge­samten Landes auf eine neue Grundlage stellen, der beiden, durch die königliche Personal­union verbundenen Partnern auf lange Sicht zum Segen gereicht.

Rumänien übernimmt die Hoheitsrechte der Europäischen Donaukommission.

Bukarest, 16. Mai. (Europapreß.) In dem an der Donaumündung gelegenen Schwarzen-Meer- Hafen Sulina fand die Uebergabe der Hoheits­rechte und des Eigentums der Europäischen Donau- Kommission an die rumänische Regieruna statt. Außenminister Gafencu gab seiner Freude darüber Ausdruck, daß die Donaumündung nunmehr unter die Oberhoheit des Staates komme, in dessen Ge­biet sie liege. Gleichzeitig betonte er, daß sich damit an der Freiheit der Schiffahrt auf der Donau nichts ändere. Er begrüßte den Eintritt Deutsch­land s in die neue Donau-Kommission.

Ein neuer Motor

für amerikanische Riesenflugboote.

Washington, 16. Mai. (Europapreß.) Das Kriegsministerium der Vereinigten Staaten teilt den Bau eines neuen achtzehnzylindrigen, luftge­kühlten Flugzeugmotors mit, der angeblich der größte und stärkste sein soll, der bisher in der Welt gebaut worden sei. Der neue Motor ist für Flug­boote bestimmt, die den Verkehr über d e n Nordatlantik aufnehmen sollen. Diese Flug­boote sollen 52 Personen befördern können. Auch die großen Bomber der Luftwaffe der Vereinigten Staaten die sog. Fliegenden Festun­gen, sollen mit diesem neuen Motor ausgerüstet werden.

Stabschef und Neichsbauemführer im Heichsführerlager derHitler-Zugend

Braunschweig, 16. Mai. (DNB.) Im Reichs­führerinnen- und Reichsführerlager der Hitler-Ju­gend sprach Stabschef Lutze über die gemeinsamen Aufgaben von SA. und HI., die Menschen welt­anschaulich und körperlich zu erziehen. Reichsbauern­führer Darre legte dar, was besonders auf land­wirtschaftlichem Gebiet und auf dem Gebiet der Er­nährung des deutschen Volkes im letzten halben Jahrzehnt geleistet worden ist. Er betonte mit gro­ßem Nachdruck, daß es keine nationale Sicherheit ohne die Sicherung der Ernährung im eigenen Lande gebe. Sein Appell an die Jugendführer, sich mit aller Kraft für die Wiederverankerung des Volkes mit dem Boden einzusetzen, fand bei den Hörern begeisterte Ausnahme. Dem Stabschef Lutze wurde durch den Reichsjugendführer das Goldene Ehrenzeichen der HI. überreicht.

Gippenkundliche Bestands­aufnahme.

(Ndz.) Die große Aufgabe der sivpenkundlichen Bestandsaufnahme des deutschen Volkes ist bereits vor längerer Zeit durch ein Abkommen eingeleitet worden, das der N S. - L e h re r b u nd, der Reichsnährstand ünd das Rajsenpoli - tische Amt der NSDAP, geschlossen haben. Die Arbeitsgemeinschaft verfolgt das Ziel, durch die Verkartung der Kirchenbücher und die Schaffung von Dorfsippenbüchern und Stammtafeln eine umfassende sippenkundliche Bestandsaufnahme des deutschen Volkes zu ermög­lichen. Jeder Volksgenosse soll damit die Möglich­keit erhalten, in kürzester Zeit und mit den gering­sten Kosten und Mühen die Quellen seines Blutes zu erforschen. Das Stammtafelwerk soll die Grund­lage bilden für eine erbbiologische Bestandsauf­nahme und damit für eine erfolgversprechende Ras­senpolitik, ferner für die menschliche Erbforschung und für die Geschichte des deutschen Blutes. Bis jetzt arbeiten rund 10 000 deutsche Erzieher ehren­amtlich an diesem gewaltigen Werk, während der Reichsnährstand die Arbeit vor allem durch Bereit­stellen der erforderlichen Mittel ermöglicht.

Keine Befriedigung

des Stellenangebots für Angestellte.

Der Vierteljahresbericht über den Arbeits­einsatz der Angestellten in den Monaten Januar dis März stellt fest, daß der geringe Rest arbeitsloser Angestellter mehr und mehr zusammen- schrumpft. Waren Ende Juni 1938 von den 4,2 Mil­lionen arbeitsbuchpflichtigen Angestellten noch über 65 000, also jeder 63. Angestellte arbeitslos, so war Ende März, bezogen auf die gleiche Zahl der Ar­beitsbuchpflichtigen, bei 31000 arbeitslosen Ange­stellten nur noch jeder 136. Angestellte ohne Beschäftigung. Die Gesamtzahl der arbeitsbuchpflichtigen Angestellten ist allerdings durch Zu- und Rückwanderungen aus selbständiger Betätigung gestiegen. Die Befriedigung des stark gewachsenen Stellenangebots wird von Vierteljahr zu Vierteljahr schwieriger. Soweit möglich, helfen die Arbeitsämter durch kurzfristige Umschu­lungslehrgänge. Bei qualifizierten Angestell­ten versagt dieses Mittel. In vielen Angestellten­sparten kann deshalb nur noch der geringere Teil der gemeldeten offenen Stellen besetzt werden. Die Unterbringung älterer Angestellter in ein­fache Arbeiten vollzieht sich jetzt reibungsloser, weil jüngere Kräfte nicht mehr verfügbar sknd.

Keine Abwerbung durch Behörden.

Nachdem der Reichsfinanzminister im Einverneh­men mit dem Reichsinnenminister bereits darauf hingewiesen hatte, daß es unbedingt Pflicht jeder Dienststelle im öffentlichen Dienst sei, mit Gefolg- schastsgliedern anderer öffentlicher Ver­waltungen oder Betriebe wegen etwai­gen Ueberttitts erst dann in Verbindung zu treten, wenn sie sich davon überzeugt habe, daß die der­zeitige Beschäftig u'n gs st eile damit einverstanden ist, nimmt der Reichsarbeits- minifter nochmals zu dieser Frage Stellung. Er er­sucht um genaue Beachtung innerhalb seines Ge­schäftsbereichs, damit Sondermaßizahmen, wie sie z. B. für technische Angestellte bestehen, nicht getrof­fen zu werden brauchen. Die erwähnte Regelung gelte auch dann, wenn ein nichtbeamtetes Gefolg­schaftsmitglied des öffentlichen Dienstes zu einem anderen Dienstherrn oder einer anderen Verwal­tung als Beamter übertreten solle.

Ausnahmen von der dreijährigen Lehrzeit.

Das Reichswirtschaftsministerium hat für folgende 13 handwerkliche Lehrberufe statt der generell vorgesehenen dreijährigen eine 3V- jäh­rige Lehrzeit genehmigt: Flugzeughand­werker, Bootsbauer, Schiffbauer, Elektromechaniker, Optiker, Uhrmacher, Büchsenmacher, Goldschmiede, Silberschmiede, Graveure, Orgelbauer, Klavierbauer und Orthopädiemechaniker. Das Ministerium weist ausdrücklich darauf hin, daß für andere Lehrberufe vorläufig keine Genehmigung auf eine 372= jährige Lehrzeit erteilt wird. Oogleich nicht verkannt wird, daß auch für eine Reihe anderer Lehrberufe schwerwiegende Gründe für eine mehr als drei­jährige Lehrzeit vorgebracht werden können, wird von allen ^Betrieben erwartet, daß sie sich ernsthaft bemühen, auch bei einer dreijährigen Lehrzeit den Ausbildungsstand zu steigern.

Kunst und Wissenschast.

Oie Reichsmusiktage in Düsseldorf.

Auf der TagungSingen und Sprechen" wäh- rend der R e i ch s m u s l k t a g e hielt Professor Geißler (Erlangen) einen 'Vortrag überDas Sprechen im Gesamtbau der Kultur" und entwarf ein Bild von der Entwicklung der Wort- und Sprechkunst im Laufe der deutschen Geschichte. Der VortragMusik und Sprache in Spannung und Ausgleich" von Professor Müller -Blattau stellte Klopstocks Spracherneuerung und ihre musi­kalische Ausdeutung durch Gluck in den Mittel­punkt; seine Darlegungen waren verwoben mit Darbietungen Gluckscher Werke unter Leitung von Generalmusikdirektor Schulz-Dornburg.

Die Studenten der Musikhochschulen des Reiches befinden sich während der Reichsmusiktage in einem

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Musiklager, das mit einer kulturpolitischen Kund­gebung eröffnet wurde. Der Musikreferent der Reichsstudentenführung, S ch r o t h, sprach über das ThemaDer Musikstudent im Ringen um die völ­kische Musikkultur". Der Kampf gehe um die Schaffung einer Einheit von körperlicher Ertüch- tigung, geistiger Erziehung, weltanschaulicher Aus­richtung und musischer Erziehung. Bei der musischen Erziehung gehe es nicht darum, einzelne große Künstler, sondern unsere ganzen Mannschaften mu­sisch zu erziehen. Aus jeder Kameradschaft müsse eine singende Mannschaft werden.

Aus aller Wett.

Neue Handwerksinstitute in Frankfurt a. M.

Das schon vor einiger Zeit schwebende Projekt, einer Landes - Gewerbeförderungs­an st a l t steht nun vor feiner Verwirklichung. Diese für das gesamte Handwerk unseres Bezirks muster­gültige Schule wird bis zum Herbst d. I. in Frank­furt ihrer Bestimmung übergeben werden. Eine zweite musterhafte Ausbildungsstätte für das Hand­werk wird die Reichsfachschule für das Elektrohandwerk fein. Sie wird ebenfalls, mit den modernsten Laboratorien versehen, voraus­sichtlich zum Spätherbst in Frankfurt eröffnet wer­den. Beide Einrichtungen sind dem tatkräftigen Ein­treten des Gauleiters und der Unterstützung durch den Frankfurter Oberbürgermeister zu danken.

Oie Ursache des Brandes auf der »Paris".

Ueber die Ursachen des Brandes auf dem großen stanzösischen PassagierdampferParis", der zur Vernichtung des Schiffes führte, hat der französische Handelsmarineminister de Cappedelaine der, Ma­rinekommission der Kammer erklärt, es sei unmög­lich festzustellen, ob das Brandunglück auf ein Atten­tat zurückzuführen sei. Dagegen seien unbestreitbare O r g a ni s a ti o n s f e h l e r und Nachlässig­keiten festgestellt worden. So sei der mit der Sicherheit des Dampfers betraute Bordoffizier erst um fünf Uhr morgens an Bord erschienen, während der Brand bereits um 10 Uhr abends ausgebrochen sei. Selbst der Kapitän habe sich trotz der durch die Polizei gegebenen Warnungen an Land be­geben und sei erst nach Mitternacht, also zwei Stun­den nach Ausbruch des Brandes, an Bord erschie­nen. Der Verlust derParis" und der des eben­falls im Hafen von Le Havre vor einem Jahr aus­gebrannten DampfersLafayette" betrage für Frankreich rund eine halbe Milliarde fronten, da beide Schiffe nur teilweise versichert gewesen seien.

Streif in einem Pariser Karosseriewerk.

DemMatin" zufolge ist die 450 Mann starke Belegschaft eines Pariser Karosseriewerkes in den Streik getreten, weil die Werksleitung einen auf­sässigen Arbeiter entlassen hatte.

Wetterbericht

Der Wiederaufbau eines kräftigen Hochdruckge­bietes über dem Ostatlantik ist im wesentlichen für die west- und süddeutschen Gebiete bestimmend. Im Zusammenhang mit der Gesamtlustdruckverteilung ist für die Anfuhr verhältnismäßig kühler und feuch­ter Luftmassen gesorgt, die bei uns zu recht unbe­ständigem Wetter Anlaß geben. Bei wechselhafter Bewölkung kommt es dabei zu wiederholten und teilweise gewittrigen Niederschlägen. Auch ist eine wesentliche Aenderung des Witterungscharakters für die nächste Zeit noch nicht zu erwarten.

Vorherfa gefürDonnerstag: Veränder- lich mit zeitweiliger Aufheiterung, aber noch unbe­ständig und zu weiteren, teilweise gewittrigen Nie­derschlagen geneigt Mittagstemperaturen um etwa 15 Grad, Winde meist aus Süd und West.

Vorhersage für Freitag: Wechselhaft und unbeständig.

Lufttemperaturen am 16. Mai: mittags 11,9 Grad Celsius, abends 8 Grad; am 17. Mai: morgens 5,8 Grad. Maximum 13,2 Grad, Minimum heute nacht 3,2 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe anr 16. Mai: abends 12,4 Grad; am 17. Mai: morgens 9,8 Grad. Niederschläge: 2,6 mm. Sonnen­scheindauer 3,2 Stunden.

Hauptschriftleiter Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Stellvertreter des Hauptschriftleiters: Ernst Blum- schein. Verantwortlich für Politik und die Bilder: Dr. Fr.W. Lange; für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot; für Stadt Gießen, Provinz und Wirtschaft: Ernst Blumschein; für Sport: Heinrich Ludwig Neuner. Anzeigenleiter: Hans Beck. Verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. D. A. IV. 39: 9530. Druck und Verlag: Brühlsche Universitäts­druckerei, R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen. Monatsbezugspreis RM. 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf. mehr. Einzelverkaufspreis 10 Pf. und Samstags 15 Pf., mit der Illustrierten 5 Pf. mehr. Zur Zeit ist Preis­liste Nr. 4 vom 1. September 1937 gültig.