Ausgabe 
15.4.1939
 
Einzelbild herunterladen

Nr. 88 Erster vlatt

189. Jahrgang

Samstag, 15./Sonntag, w. April 1939

Erscheint täglich, außer Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild - Die Scholle Monatr-Bezugrpreir:

Mit 4 Beilagen RM.1.95

Ohne Illustrierte , 1.80 Zustellgebühr . . , -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt

Zernfprechanschlüffe

unter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnach­richten: Anzeiger Liehen

Postscheckkonto:

Sranffurt am Main 11686

Eichener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

Druck UN- Verlag: vrühlsche Univerfitäts-ruckerei L. Lange in Sietzen. Schristleitung UN- Seschüstrftelle: Zchulftratze 7

Annahme von Anzeigen für die Mittagsnummer bis 8'/.Uhr des Vormittags

Grundpreise für 1 mm hohe

für Anzeigen von 22 mm Breite 7 Rpf., für Te^l- anzeigen von 70mm Breite 50 RpfPlatzvorschrist nach oorh.Dereinbg.25°/, mehr.

.Lrmähtgte Grundpreise:

Stellen-, Vereins», gemein­nützige Anzeigen sowie ein. spaltige Gelegenheilsanzei­gen 5 Rpf., Familienanzei­gen, Bäder», Unterrichts» u. behördliche Anzeigen 6Rpf. Mengenabschlüsfe Staffel B

Roosevelt als Anstifter der Einkreisungspolitik.

E. S. Berlin, 15. April.

Zwei amerikanische Hetzleitartikler. Pearson und A l l e n s , haben jetzt, informiert vom jüdischen Gehirntrust, in ihren sehr verbreiteten Artikeln dem Präsidenten Roosevelt die Autorschaft der neue­sten Einkreisungshetze zugeschrieben und betont, nur den ultimativen Forderungen des amerikanischen Präsidenten sei es zu­zuschreiben, daß Chamberlain eine Kriegspolitik ge­gen die autoritären Staaten betreibe. Danach ist also Roosevelt der Brennpunkt der Kriegshetze, Chamber­lain sein willenloses Ausführungsorgan und Dala- dier wieder abhängig von Chamberlains Direktiven, und von diesen beiden Staatsmännern sind wieder die polnischen und sonstigen Politiker abhängig, die sich an der Einkreisung mehr oder weniger willenlos beteiligen. Diese Kette von Abhängigkeiten liegt in der Hand eines Mannes, der zum dritten Male den Präsidentenstuhl der USA. besteigen möchte und nichts anderes weiß, als die Sünden seiner Miß­regierung durch einen Weltkrieg zugunsten der ame­rikanischen Plutokratie zu vertuschen.

Immerhin geht es nicht ohne scharfen Widerstand ab. Der Präsident hat vor allem aus Kreisen, die seine plutokratische Mißwirtschaft erkannt haben, eine Opposition gefunden, die jetzt bei den Kämpfen um das Neutralitätsgesetz im Kongreß und Senat kein Blatt vox den Mund nimmt. Die Farmer sitzen auf ihren Baumwolle- und Weizenbergen und ver­elenden, die amerikanische Arbeitslosigkeit ist heute um rund ein Drittel größer als bei Roosevelts Amtsantritt, der Gegensatz zwischen Millionären und Habenichtsen ist drüben so kraß geworden, daß selbst ein Leiter dos städtischen Fürsorgeausschusses, Edward C o r s i, eine Statistik veröffentlichte, wo­

nach 7 0 v. H. aller amerikanischen Fa­milien sich in wirtschaftlicher Notlage befinden. Statt dieses furchtbare Elend zu bekämp­fen, schreit Roosevelt im Auftrage einer kleinen jü­dischen Kapitalistengruppe nach einem neuen Welt­krieg, und der amerikanische Landwirtschoftsminister Wallace, der den Schiffbruch seiner Farmerpolitik zugeben mußte, macht dafür ausgerechnet Deutsch­land und Italien verantwortlich!

Das ist den Farmern zu bunt geworden. Sie haben durch ihre Sprecher im Kongreß und Senat, durch Denden'oerg und George, durch Borah und andere, erklären lassen, sie hätten durchaus keine Lust, um dieses Roosevelt halber ihre Söhne auf fremdem Boden verbluten zu lassen. Andere Pro­minente haben sich dem angeschlossen und Roosevelt geradezu als den Kriegstreiber gebrand- markt, so daß der Senator Bridges sogar eine Entschließung im Senat einbrachte, die verlangt, daß dem Präsidenten ein Maulkorb angelegt wer­den solle. Kein Wunder, daß der bekannte ameri­kanische Jurist Malone fordert, Roosevelt solle u n - ter Anklage mit dem Ziel der Amtsenthebung gestellt werden, wenn er seine Politik der Kriegs­gefahr fortsetze. Roosevelts Kampf für den Welt­krieg ist also ein Kampf um sein Amt ge­worden. Gegenüber seinen und seines Staatssekre­tärs Phrasen über die Notwendigkeit einer Quaran­täne für die autoritären Staaten sowie seiner Nach­plapperer im Chamberlainkreis empfiehlt sich die Lektüre eines Aufsatzes des englischen Reverend Inge imEveninq Standard". Inge betont, daß gerade Hitler den Frieden aufrecht erholten wolle und das Grauen eines Weltkrieges verhindert habe. Die anderen aber ...

englischen und französischen Goldanlagen und an­dere Guthaben in den Bereinigten Staaten weit höher und gibt 11,5 bis 14 Milliarden Dollar an. Nach Abzug der laufenden Verpflichtungen würden die Netto-Finanzquellen beider Länder noch zwi­schen 9,5 und 12,5 Milliarden Dollar betragen. Diese Summen würden genügen, um die englischen und französischen Käufe von Kriegsmaterial für eine mindestens zweijährige Kriegsdauer sicher­zustellen.

Arm in Arm mit der Sowjetunion

London, 15. April. (Europapreß.) Die Londo- nerSamstagmorgenpresse widinet dem Meinungs­austausch zwischen dem englischen Außenminister Halifax und dem sowjetrussischen Botschafter M a i s k i, sowie der bevorstehenden Zusammenkunft des englischen Botschafters in Moskau mit dem sow- jetrussischen Außenkommissor Litwinow-Finkelstein starke Beachtung.Daily Telegraph" will wissen, daß die Fühlungnahme zwischen England und Sow­jetrußland vornehmlich dem Zweck diene, bereits bestehende Militärabkommen zwischen England, Frankreich und der Sowjetunion nach Möglichkeit noch zu vertiefen, besonders in Richtung auf eine Zusammenarbeit" der Luftwaffen dieser drei Staaten.

DieTimes" stellt fest, daß der Wert der Sow­jetunion als Faktor der englischen Politik bisher doch sehr zweifelhaft gewesen wäre und es den Anschein habe, als ob auch heute noch die Po­litik in Moskau sehr abwartend sei. Von In­teresse ist die Feststellung des Blattes, daß die un­erbetenen Garantien an Rumänien, Griechenland und auch Polen bisher vor allem .nur Sow - jetrußland zum Vorteil gereicht seien, da nun die Grenzen der beiden im Westen Sowjetruß­lands gelegenen Staaten Polen und Rumänien durch England und Frankreich endgültig garantiert worden seien.

Englische Methoden.

In nicht mehr als einer Woche hat Italien in Albanien konsolidierte Verhältnisse geschaffen. Die italienischen Truppen, die das Land in feiner gan» zen Ausdehnung besetzt haben, haben nach der schnellen Flucht des durch seine verschwenderische, nur auf die eigene Tasche bedachte Mißwirtschaft bei allen ordnungsliebenden Albanern verhaßten Königs Zogu keinerlei ernsthaften Widerstand gefun­den, ja sie sind von weiten Bevölkerungskreisen als Befreier von unerträglicher Willkürherrschaft be­grübt worden. Die kulturelle Pionierarbeit, die Italien schon mehr als ein Jahrzehnt hindurch im Lande geleistet hat, war der beste Schrittmacher für das Verlangen Italiens, das tatsächliche Schutzver­hältnis, in dem Albanien zu Italien bisher schon stand, nun auch in aller Form begründet zu sehen. Eine in Tirana aus allen Provinzen des Landes zusammengetretene verfassunggebende National­versammlung hat dem italienischen Herrscher die Krone Albaniens angeboten und der Faschistische Großrat hat dieser engsten Verknüpfung jahrhun­dertealter Freundschaftsbande beider Völker freudig zugestimmt. Aeußerungen der italienischen Presse ist zu entnehmen, daß Albanien auch unter der Per­sonalunion mit Italien ein souveräner Staat bleibt mit einer eigenen Regierung, die indessen nach faschistischem Muster autoritär gestaltet werden wird, da ein solches Regime die kulturelle und wirt­schaftliche Entwicklung des Landes unter stabilen politischen Verhältnissen am besten gewährleistet. So wird bei der Knonungsfeier in Rom auf An­ordnung des Duce neben der italienischen Trikolore Albaniens Flagge, der schwarze doppelköpfige Adler auf rotem Grund, wehen als Zeichen des neuen Ver­hältnisses zweier souveräner, aber durch die Person des Herrschers eng verbundener Völker. Die mm also auch verfassungsrechtlich begründete italienisch- albanische Schicksalsgemeinschaft wird dem albani­schen Volk unter dem starken Schutz der Großmacht Italien jenes Eigenleben sichern, auf das es dank feiner alten und stolzen Geschichte ein wohlbegrün­detes Anrecht hat. Der Faschistische Großrat hat in

Auf den Spuren Chamberlains.

lleberflüssige Garantieversprechen.

Anmaßende Einmischung in europäische Angelegenheiten.

Washington, 14. April. (DNB.) Roosevelt hielt anläßlich des Panarnerika-Tages eine Rund­funkansprache, in der er erneut den anmaßenden Anspruch der Vereinigten Staaten auf Mitbe­stimmung in europäischen Angelegen­heit en erhob. In böswilliger Unkenntnis euro­päischer Verhältnisse und ohne das geringste Ver­ständnis für die gewaltigen geschichtlichen Umwäl­zungen, die in mehreren Ländern des alten Konti­nents eine neue Blüte nicht zuletzt auf wirtschaft­licher Grundlage hervorgerufen haben, spricht Roose­velt dann vonMethoden", wie die Hunnen und Vandalen sie vor 1500 Jahren an gewendet hätten. Dabei meinte der Präsident allerdings nicht die Gangster- und Korruptionsmethoden in den Ver­einigten Staaten, die nachgerade zum Himmel stin­ken und der besonderen Aufmerksamkeit des Staats­oberhauptes wohl wert wären. Amerika habe An­teil am Weltgeschehen und verlange daher, daß seine Interessen .(sprich Geschäfte) nicht geschädigt

würden.

Im übrigen Teil seiner Rede wandelte Roosevelt unverkennbar auf den Spuren Chamber­lains, indem er im übrigen amerikanische Garantien" anbot, um die ihn diese Län­der, die bekanntlich fast alle schon die schlechtesten Erfahrungen mit der unerbetenen nordamerika­nischen Einmischung in ihre Verhältnisse gemacht haben, in keiner Weise ersucht haben. Sollte em Angriff in Gestalt wirtschaftlichen Druckes auf irgendeinen amerikanischen Staat erfolgen, so ver- pslichte er sich, erklärte Roosevelt,daß die Ver­einigten Staaten dem bedrohten Staat wirtschaftlich zu Hilfe kommen werden, da kein amerikanischer Staat auch nur einen Bruchteil seiner souveränen Freiheit aus wirtschaftlichen Erwägungen aufzu­geben brauche". Dies sagt das Statsoberhaupt eines Londes, das es im Laufe feiner Geschichte immer wieder verstanden hat, kleinere Staaten mit den brutalsten Druckmitteln wirtschaftlich zu versklaven.

Roosevelt sagt, er habe Kanda Waffen- hilfe gegen einen Angriff verspro­chen. Es ist aber noch keineswegs vergessen, daß es die Vereinigten Staaten waren, die Annektierungsgelüste auf Kanada hotten. Roosevelt verspricht in theatralischer Form allen amerikanischen Staaten den Wirtschaftsschutz der USA Was das bedeutet, dürften die lateinameri­kanischen Völker wohl am besten selber wissen, die sich herzlich dafür bedanken, unter die brutale Ge­waltherrschaft der Finanzjuden von Neuyork zu kommen. , v <

Der Hinweis auf die Methoden der Hunnen und Vandalen zur Erreichung von Schicksalsaufgaben ist- eine besonders unverschämte Rüpelei, die aus ihren Urheber zurückfallen muß. Was würden die Ameri­kaner beispielsweise sagen, wenn auch wir in der Geschichte des amerikanischen Staates nachforfchen und die Behandlung ans Tageslicht bringen wurden, die die Amerikaner seinerzeit den Indianern zuteil werden ließen. Davon wissen die Indianer soweit sie Überhaupt einer Aeußerung ,ah,q sind sehr viel zu erzählen, und auch ine Archive des Staatsdepartements dürsten darüber manches interessante Dokument enthalten.

Roosevelt fach. die Menschen seien nicht Gesan- qene des Schicksals, sondern nur Sefa Hfl en ihres eigenen Willens. Das laßt sich ehr wohl auf Herrn Roosevelt beziehen. Es. besteht keine Notwendi-ikeit dafür, daß das amerlkamfche Volk in einen Krieg gegen uns mit ollerlci teuf- lifchen Agitationskün-ften hineingehetzt wird. Roose-

velt möchte bereits denheiligen Kreuzzug" gegen das deutsche Volk eröffnen, bevor er erklärt ist. Daher müssen seineCookie-Pusher"- Diplomaten auch jetzt schon in voller Kriegsbemalung mit Gas­masken umherlaufen, um dem amerikanischen Volk mit Gewalt das Gruseln beizubringen. Wir be­grüßen durchaus die gesunde Aeußerung des ame­rikanischen Kongreßmannes Osmera, der den An­trag stellte, daß im Kriegsfälle Herr Roosevelt mit seinen Ministern sowie die Generaldirektoren der amerikanischen Rüstungsindustrien in die vor­derste Front gestellt werden. Wenn dieser Antrag angenommen wird, dann ist mit Sicherheit zu rechnen, daß auch Herr Roosevelt wesentlich friedlicher wird. Dies wünschen mir dem ameri­kanischen Volke von Herzen.

Roosevelt hat keine Vollmacht.

Amerikanische Stimmen gegen die Kriegs­agitation des Weitzen Hauses.

Washington, 15. April (DNB. Funkspruch). Unmittelbar nach der Rundfunkansprache Roosevelts melden sich auch schon in den Kreisen der amerika­nischen Oeffentlichkeit Stimmen, die deutlich und unmißverständlich gegen den Präsidenten Stellung nehmen. Senator Reynold wendet sich vor allem gegen die Ausführungen Roosevelts, in denen dieser sich das Recht zur Mitbestimmung in den Ange­legenheiten fremder Staaten anmaßt. Der Abge­ordnete Hamilton Fish erklärt, die europäischen Völker sollten wissen, ehe es zu spät sei, daß Roose­velt nicht nur keine Vollmacht zu einer Kriegserklärung, sondern auch keine Macht dazu habe, dieAngreifer-Nationen" zu bestimmen oder sie durch wirtschaftliche Sanktionen oder Gewalt zu isolieren. Fish meint, daß nicht einmal ein Drittel d e s Bundeskongresses mit der provozierenden und aufreizenden Agitation", die das Weiße Haus täglich betreibe, einverstanden fei.

Amerikas Hochfinanz plant das Knegsgeschäff.

Womit England und Frankreich ihre Rüstungskäufc in USA. bezahlen sollen.

Neuyork, 14. April. (DNB.)New York Ti­mes" verichtet von einem Plan, der von Finanz­minister Morgenthau und anderen leitenden Regie­rungsbeamten gutgeheißen wurde. Dieser Plan soll offenbar den Zweck verfolgen, unter Umgehung des Johnson-Gesetzes, das amerikanische Anleihen an Kriegsschuldner verbietet, die englischen und fran­zösischen Kriegskassen aus Mitteln der Bun­desregierung um mehrere Milliarden Dollar zu verstärken. Der Vater dieses Planes ist der jü­dische Wall-Street-Bankier Wassermann. Unter dem Vorwand, den amerikanischen Effektenmarkt im Kriegsfälle zustabilisieren und vor Erschütterungen und Schwankungen zu bewahren", sollen sämt­liche britischen und französischen An­lagen auf dem amerikanischen Effektenmarkt auf­gekauft werden. Die Höhe dieser Anlagen wird auf zwei bis vier Milliarden Dollar geschätzt. Zur Uebernahme dieser Werte ist die Gründung einer Gesellschaft vorgesehen, an der sich alle Trusts, Ver­sicherungsgesellschaften und Banken sowie die Re­gierung beteiligen sollen. ,/The Annalist" schätzt die

Frankreichs Pläne.

Sie Türkei soll mit dem Sandschak Alexandrette geködert werden.

E. F. Paris, 15. April.

Die Erklärungen Daladiers und Chamberlains haben offenbar nicht vermocht, der öffentlichen Mei­nung in Frankreich die Ruhe und Festigkeit wieder- derzugeben, die man anderen, angeblich von der Achse BerlinRom bedrohten Mächten mit diesen Erklärungen einhauchen wollte. Jedenfalls war die Pariser Börse, die sich wieder einmal als Stimmungsbarometer erwies, am Freitag von wil­den Gerüchten über angeblich schon unmittelbar für das Wochenende bevorstehende neueUnternehmun­gen" erfüllt. Diese Symptome stehen in einem son­derbaren Gegensatz zu der ruhigen Festigkeit, die in Deutschland und Italien zu beobachten ist und von der auch die hierhergelangenden Meldungen über die Vorbereitungen für die Feier des 50. Geburts­tages des Führers Zeugnis ablegen. Man kann nicht verschweigen, daß diese Feierlichkeiten einen glanzvollen Verlauf nehmen werden und durch die Anwesenheit einer ganzen Anzahl führender Per­sönlichkeiten gerade aus den Ländern des euro­päischen Ostens und Südostens ausgezeichnet wer­den, die man jetzt so gern als bedroht hin stellt. Den französischen Journalisten fällt die Verantwor­tung für die zahlreichen logischen Widersprüche zu, in die sie sich bei der Begründung ihrer Stim­mungsmache gegen Deutschland und Italien ver­wickeln.

So hebt der halbamtlicheTemps" z. B. in seinem Leitartikel die Sätze Daladiers hervor, wonach die Politik der französischen Regierung ausschließ­lich im Schutze des französischen Impe­riums bestehe. Man sieht aber nicht recht ein, was das mit den Verdächtigungen der Achse, so z. B. ihrer angeblichen Absichten gegenüber Griechenland und Rumänien zu tun hat. Aehnlich mußten, an der Börse sowohl als auch in den P resse komme n-

taren, die Ankündigung deutscher Flotten­manöver an der spanischen Atlantikküste zu den wildesten Verdächtigungen gegen Deutschland her» halten, obwohl selbst ein englisches Blatt in der weiten Entfernung eines deutschen Flottenge- schwaders von den Heimathäfen eher ein b e ruhigendes Symptom erblickt.

Jetzt will man mit aller Gewalt die Sowjets als Bundesgenossen zum Schutze Rumäniens und der Türkei in den französisch-englischen Plan ein» schalten. Wenigstens soll, so sagt man jetzt beschwich­tigend, Sowjetrußland Kriegsmaterial lie­fern und Flugzeuge zur Verfügung stellen. Diese zweifelhafte Bundesgenossenschast dürfte mit der Zeit den ganzen Plan von selbst auflösen; nur laufen die Franzosen selbst bei diesen uferlosen Plänen Gefahr, schon jetzt Opfer zu brin­gen, für die sie später niemand entschädigen wird. Es ist ein offenes Geheimnis, daß die Türken als Vorleistung für irgendwelche Bündnispläne die re st lose Abtretung des Sandschaks Alexandrette verlangen, der bis jetzt, wenig­stens noch formell, einen Teil des syrischen Man» datsgebiets bildet. Frankreich hatte es bisher ver­standen, die Inkraftsetzung des französisch-syrischen Unabhängigkeitsvertrages vom Herbst 1936 auf die lange Bank zu schieben. Die Inkraftsetzung dieses Vertrages soll jetzt ausgehandelt werden gegen die türkische Bereitschaft, sich den französisch-englischen Einkreisungsbestrebungen anzuschließen. Die Presse lanciert in vorsichtiger Weise diesen Kuhhandel, in­dem sie erklärt, es bestünden Aussichten dafür, ,Haß wenigstens ein Teil der türkischen Forderungen von Frankreich erfüllt" würden, es heißt sogar, daß die Türken die völlige Selbständigkeit Syriens fordern. Möglicherweise wird Frankreich' auch dieses Opfer bringen.

Skeptisches Echo in Rumänien.

bk. Bukarest, 14. April.

Die Kommentare der rumänischen Presse zu den Erklärungen Chamberlains über die unverlangte Garantie gegenüber Rumänien sind ebenso ausführ­lich wie offenherzig. Besonders zwei Blätter sind es, deren Aeußerungen und Beurteilungen es verdienen, einer breiteren Oeffentlichkeit bekannt zu werden. Das große rechtsstehende BlattUniversal", das seinen Leitartikel unter der bezeichnenden Ueber- schriftEinseitige Verpflichtungen" startet, erklärt zwar selbstzufrieden, Rumänien habe keinen Grund, einseitige Garantie-Ver­pflichtungen abzulehnen, aber der Tenor seines ganzen Kommentars läßt doch eindeutig er­kennen, daß es diese englische Erklärung mehr als Bevormundung denn als Liebes­dienst betrachtet. Vor allem aber ist es der C u r e n t u l ", der das volle Maß feiner beißen­den Ironie über feinen so plötzlich auf der Bild­fläche erschienenen englischen Schutzherrn ausgießt. Das Blatt stellt fest, daß in Rumänien die Mit­bürger jüdischer Nationalität von der englischen Garantie zu Tränen gerührt seien. Die Juden stün­den seit über tausend Jahren den militärischen Bündnissen fern, da sie nie Militärdienst geleistet hätten und sich höchstens als Heeresliefe«

ranten betätigten. Die Begeisterung der Juden müsse aber als übertrieben bezeichnet werden, denn obwohl das Geld seit Montecuccoli eine große Rolle spiele, sei es doch nicht ausschließlich aus­schlaggebend. Das wesentliche sei die Begeisterung und die Zahl der Soldaten. Gerade dies aber fehle beides England. Alle jene Staaten, die auf die militärische Hilfe Englands rechneten, konnten sehr traurige Erfahrungen sammeln. Die militärische Bürgschaft Englands werde erst dann wirksam sein, wenn England wieder die Kriegsmacht wie 1918 darstelle und die Wehrpflicht eingeführt habe. Bis dahin bleibt alles eine Hypothek auf die Zukunft, die für die Gegenwart völlig unwirk­sam ist.

Ministerpräsident C a l i n e s c u erklärte der Presse, Rumänien verfolge mit Interesse und Sympathie jede Aktion, die geeignet sei, den Frieden zu stär­ken, von dem sein fruchtbares Gedeihen und die guten Beziehungen zu allen Staaten abhängen. Die Politik Rumäniens fei hinlänglich bekannt. Seine Regierung habe ihren Willen zu guter Ver­ständigung geäußert und bemühe sich, die engen und nützlichen Wi rtschaftsbeziehunaen mit den Ländern, mit denen es ergänzende Inter­essen verbänden, zu entwickeln.