Nr. 88 Erster vlatt
189. Jahrgang
Samstag, 15./Sonntag, w. April 1939
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Roosevelt als Anstifter der Einkreisungspolitik.
E. S. Berlin, 15. April.
Zwei amerikanische Hetzleitartikler. Pearson und A l l e n s , haben jetzt, informiert vom jüdischen Gehirntrust, in ihren sehr verbreiteten Artikeln dem Präsidenten Roosevelt die Autorschaft der neuesten Einkreisungshetze zugeschrieben und betont, nur den ultimativen Forderungen des amerikanischen Präsidenten sei es zuzuschreiben, daß Chamberlain eine Kriegspolitik gegen die autoritären Staaten betreibe. Danach ist also Roosevelt der Brennpunkt der Kriegshetze, Chamberlain sein willenloses Ausführungsorgan und Dala- dier wieder abhängig von Chamberlains Direktiven, und von diesen beiden Staatsmännern sind wieder die polnischen und sonstigen Politiker abhängig, die sich an der Einkreisung mehr oder weniger willenlos beteiligen. Diese Kette von Abhängigkeiten liegt in der Hand eines Mannes, der zum dritten Male den Präsidentenstuhl der USA. besteigen möchte und nichts anderes weiß, als die Sünden seiner Mißregierung durch einen Weltkrieg zugunsten der amerikanischen Plutokratie zu vertuschen.
Immerhin geht es nicht ohne scharfen Widerstand ab. Der Präsident hat vor allem aus Kreisen, die seine plutokratische Mißwirtschaft erkannt haben, eine Opposition gefunden, die jetzt bei den Kämpfen um das Neutralitätsgesetz im Kongreß und Senat kein Blatt vox den Mund nimmt. Die Farmer sitzen auf ihren Baumwolle- und Weizenbergen und verelenden, die amerikanische Arbeitslosigkeit ist heute um rund ein Drittel größer als bei Roosevelts Amtsantritt, der Gegensatz zwischen Millionären und Habenichtsen ist drüben so kraß geworden, daß selbst ein Leiter dos städtischen Fürsorgeausschusses, Edward C o r s i, eine Statistik veröffentlichte, wo
nach 7 0 v. H. aller amerikanischen Familien sich in wirtschaftlicher Notlage befinden. Statt dieses furchtbare Elend zu bekämpfen, schreit Roosevelt im Auftrage einer kleinen jüdischen Kapitalistengruppe nach einem neuen Weltkrieg, und der amerikanische Landwirtschoftsminister Wallace, der den Schiffbruch seiner Farmerpolitik zugeben mußte, macht dafür ausgerechnet Deutschland und Italien verantwortlich!
Das ist den Farmern zu bunt geworden. Sie haben durch ihre Sprecher im Kongreß und Senat, durch Denden'oerg und George, durch Borah und andere, erklären lassen, sie hätten durchaus keine Lust, um dieses Roosevelt halber ihre Söhne auf fremdem Boden verbluten zu lassen. Andere Prominente haben sich dem angeschlossen und Roosevelt geradezu als den Kriegstreiber gebrand- markt, so daß der Senator Bridges sogar eine Entschließung im Senat einbrachte, die verlangt, daß dem Präsidenten ein Maulkorb angelegt werden solle. Kein Wunder, daß der bekannte amerikanische Jurist Malone fordert, Roosevelt solle u n - ter Anklage mit dem Ziel der Amtsenthebung gestellt werden, wenn er seine Politik der Kriegsgefahr fortsetze. Roosevelts Kampf für den Weltkrieg ist also ein Kampf um sein Amt geworden. Gegenüber seinen und seines Staatssekretärs Phrasen über die Notwendigkeit einer Quarantäne für die autoritären Staaten sowie seiner Nachplapperer im Chamberlainkreis empfiehlt sich die Lektüre eines Aufsatzes des englischen Reverend Inge im „Eveninq Standard". Inge betont, daß gerade Hitler den Frieden aufrecht erholten wolle und das Grauen eines Weltkrieges verhindert habe. Die anderen aber ...
englischen und französischen Goldanlagen und andere Guthaben in den Bereinigten Staaten weit höher und gibt 11,5 bis 14 Milliarden Dollar an. Nach Abzug der laufenden Verpflichtungen würden die Netto-Finanzquellen beider Länder noch zwischen 9,5 und 12,5 Milliarden Dollar betragen. Diese Summen würden genügen, um die englischen und französischen Käufe von Kriegsmaterial für eine mindestens zweijährige Kriegsdauer sicherzustellen.
Arm in Arm mit der Sowjetunion
London, 15. April. (Europapreß.) Die Londo- nerSamstagmorgenpresse widinet dem Meinungsaustausch zwischen dem englischen Außenminister Halifax und dem sowjetrussischen Botschafter M a i s k i, sowie der bevorstehenden Zusammenkunft des englischen Botschafters in Moskau mit dem sow- jetrussischen Außenkommissor Litwinow-Finkelstein starke Beachtung. „Daily Telegraph" will wissen, daß die Fühlungnahme zwischen England und Sowjetrußland vornehmlich dem Zweck diene, bereits bestehende Militärabkommen zwischen England, Frankreich und der Sowjetunion nach Möglichkeit noch zu vertiefen, besonders in Richtung auf eine „Zusammenarbeit" der Luftwaffen dieser drei Staaten.
Die „Times" stellt fest, daß der Wert der Sowjetunion als Faktor der englischen Politik bisher doch sehr zweifelhaft gewesen wäre und es den Anschein habe, als ob auch heute noch die Politik in Moskau sehr abwartend sei. Von Interesse ist die Feststellung des Blattes, daß die unerbetenen Garantien an Rumänien, Griechenland und auch Polen bisher vor allem .nur Sow - jetrußland zum Vorteil gereicht seien, da nun die Grenzen der beiden im Westen Sowjetrußlands gelegenen Staaten Polen und Rumänien durch England und Frankreich endgültig garantiert worden seien.
Englische Methoden.
In nicht mehr als einer Woche hat Italien in Albanien konsolidierte Verhältnisse geschaffen. Die italienischen Truppen, die das Land in feiner gan» zen Ausdehnung besetzt haben, haben nach der schnellen Flucht des durch seine verschwenderische, nur auf die eigene Tasche bedachte Mißwirtschaft bei allen ordnungsliebenden Albanern verhaßten Königs Zogu keinerlei ernsthaften Widerstand gefunden, ja sie sind von weiten Bevölkerungskreisen als Befreier von unerträglicher Willkürherrschaft begrübt worden. Die kulturelle Pionierarbeit, die Italien schon mehr als ein Jahrzehnt hindurch im Lande geleistet hat, war der beste Schrittmacher für das Verlangen Italiens, das tatsächliche Schutzverhältnis, in dem Albanien zu Italien bisher schon stand, nun auch in aller Form begründet zu sehen. Eine in Tirana aus allen Provinzen des Landes zusammengetretene verfassunggebende Nationalversammlung hat dem italienischen Herrscher die Krone Albaniens angeboten und der Faschistische Großrat hat dieser engsten Verknüpfung jahrhundertealter Freundschaftsbande beider Völker freudig zugestimmt. Aeußerungen der italienischen Presse ist zu entnehmen, daß Albanien auch unter der Personalunion mit Italien ein souveräner Staat bleibt mit einer eigenen Regierung, die indessen nach faschistischem Muster autoritär gestaltet werden wird, da ein solches Regime die kulturelle und wirtschaftliche Entwicklung des Landes unter stabilen politischen Verhältnissen am besten gewährleistet. So wird bei der Knonungsfeier in Rom auf Anordnung des Duce neben der italienischen Trikolore Albaniens Flagge, der schwarze doppelköpfige Adler auf rotem Grund, wehen als Zeichen des neuen Verhältnisses zweier souveräner, aber durch die Person des Herrschers eng verbundener Völker. Die mm also auch verfassungsrechtlich begründete italienisch- albanische Schicksalsgemeinschaft wird dem albanischen Volk unter dem starken Schutz der Großmacht Italien jenes Eigenleben sichern, auf das es dank feiner alten und stolzen Geschichte ein wohlbegründetes Anrecht hat. Der Faschistische Großrat hat in
Auf den Spuren Chamberlains.
lleberflüssige Garantieversprechen.
Anmaßende Einmischung in europäische Angelegenheiten.
Washington, 14. April. (DNB.) Roosevelt hielt anläßlich des Panarnerika-Tages eine Rundfunkansprache, in der er erneut den anmaßenden Anspruch der Vereinigten Staaten auf Mitbestimmung in europäischen Angelegenheit en erhob. In böswilliger Unkenntnis europäischer Verhältnisse und ohne das geringste Verständnis für die gewaltigen geschichtlichen Umwälzungen, die in mehreren Ländern des alten Kontinents eine neue Blüte nicht zuletzt auf wirtschaftlicher Grundlage hervorgerufen haben, spricht Roosevelt dann von „Methoden", wie die Hunnen und Vandalen sie vor 1500 Jahren an gewendet hätten. Dabei meinte der Präsident allerdings nicht die Gangster- und Korruptionsmethoden in den Vereinigten Staaten, die nachgerade zum Himmel stinken und der besonderen Aufmerksamkeit des Staatsoberhauptes wohl wert wären. Amerika habe Anteil am Weltgeschehen und verlange daher, daß seine Interessen .(sprich Geschäfte) nicht geschädigt
würden.
Im übrigen Teil seiner Rede wandelte Roosevelt unverkennbar auf den Spuren Chamberlains, indem er im übrigen amerikanische „Garantien" anbot, um die ihn diese Länder, die bekanntlich fast alle schon die schlechtesten Erfahrungen mit der unerbetenen nordamerikanischen Einmischung in ihre Verhältnisse gemacht haben, in keiner Weise ersucht haben. Sollte em Angriff in Gestalt wirtschaftlichen Druckes auf irgendeinen amerikanischen Staat erfolgen, so ver- pslichte er sich, erklärte Roosevelt, „daß die Vereinigten Staaten dem bedrohten Staat wirtschaftlich zu Hilfe kommen werden, da kein amerikanischer Staat auch nur einen Bruchteil seiner souveränen Freiheit aus wirtschaftlichen Erwägungen aufzugeben brauche". Dies sagt das Statsoberhaupt eines Londes, das es im Laufe feiner Geschichte immer wieder verstanden hat, kleinere Staaten mit den brutalsten Druckmitteln wirtschaftlich zu versklaven.
Roosevelt sagt, er habe Kanda Waffen- hilfe gegen einen Angriff versprochen. Es ist aber noch keineswegs vergessen, daß es die Vereinigten Staaten waren, die Annektierungsgelüste auf Kanada hotten. Roosevelt verspricht in theatralischer Form allen amerikanischen Staaten den Wirtschaftsschutz der USA Was das bedeutet, dürften die lateinamerikanischen Völker wohl am besten selber wissen, die sich herzlich dafür bedanken, unter die brutale Gewaltherrschaft der Finanzjuden von Neuyork zu kommen. , v <
Der Hinweis auf die Methoden der Hunnen und Vandalen zur Erreichung von Schicksalsaufgaben ist- eine besonders unverschämte Rüpelei, die aus ihren Urheber zurückfallen muß. Was würden die Amerikaner beispielsweise sagen, wenn auch wir in der Geschichte des amerikanischen Staates nachforfchen und die Behandlung ans Tageslicht bringen wurden, die die Amerikaner seinerzeit den Indianern zuteil werden ließen. Davon wissen die Indianer — soweit sie Überhaupt einer Aeußerung ,ah,q sind — sehr viel zu erzählen, und auch ine Archive des Staatsdepartements dürsten darüber manches interessante Dokument enthalten.
Roosevelt fach. die Menschen seien nicht Gesan- qene des Schicksals, sondern nur Sefa Hfl en ihres eigenen Willens. Das laßt sich ehr wohl auf Herrn Roosevelt beziehen. Es. besteht keine Notwendi-ikeit dafür, daß das amerlkamfche Volk in einen Krieg gegen uns mit ollerlci teuf- lifchen Agitationskün-ften hineingehetzt wird. Roose-
velt möchte bereits den „heiligen Kreuzzug" gegen das deutsche Volk eröffnen, bevor er erklärt ist. Daher müssen seine „Cookie-Pusher"- Diplomaten auch jetzt schon in voller Kriegsbemalung mit Gasmasken umherlaufen, um dem amerikanischen Volk mit Gewalt das Gruseln beizubringen. Wir begrüßen durchaus die gesunde Aeußerung des amerikanischen Kongreßmannes Osmera, der den Antrag stellte, daß im Kriegsfälle Herr Roosevelt mit seinen Ministern sowie die Generaldirektoren der amerikanischen Rüstungsindustrien in die vorderste Front gestellt werden. Wenn dieser Antrag angenommen wird, dann ist mit Sicherheit zu rechnen, daß auch Herr Roosevelt wesentlich friedlicher wird. Dies wünschen mir dem amerikanischen Volke von Herzen.
Roosevelt hat keine Vollmacht.
Amerikanische Stimmen gegen die Kriegsagitation des Weitzen Hauses.
Washington, 15. April (DNB. Funkspruch). Unmittelbar nach der Rundfunkansprache Roosevelts melden sich auch schon in den Kreisen der amerikanischen Oeffentlichkeit Stimmen, die deutlich und unmißverständlich gegen den Präsidenten Stellung nehmen. Senator Reynold wendet sich vor allem gegen die Ausführungen Roosevelts, in denen dieser sich das Recht zur Mitbestimmung in den Angelegenheiten fremder Staaten anmaßt. Der Abgeordnete Hamilton Fish erklärt, die europäischen Völker sollten wissen, ehe es zu spät sei, daß Roosevelt nicht nur keine Vollmacht zu einer Kriegserklärung, sondern auch keine Macht dazu habe, die „Angreifer-Nationen" zu bestimmen oder sie durch wirtschaftliche Sanktionen oder Gewalt zu isolieren. Fish meint, daß nicht einmal ein Drittel d e s Bundeskongresses mit der „provozierenden und aufreizenden Agitation", die das Weiße Haus täglich betreibe, einverstanden fei.
Amerikas Hochfinanz plant das Knegsgeschäff.
Womit England und Frankreich ihre Rüstungskäufc in USA. bezahlen sollen.
Neuyork, 14. April. (DNB.) „New York Times" verichtet von einem Plan, der von Finanzminister Morgenthau und anderen leitenden Regierungsbeamten gutgeheißen wurde. Dieser Plan soll offenbar den Zweck verfolgen, unter Umgehung des Johnson-Gesetzes, das amerikanische Anleihen an Kriegsschuldner verbietet, die englischen und französischen Kriegskassen aus Mitteln der Bundesregierung um mehrere Milliarden Dollar zu verstärken. Der Vater dieses Planes ist der jüdische Wall-Street-Bankier Wassermann. Unter dem Vorwand, den amerikanischen Effektenmarkt im Kriegsfälle zu „stabilisieren und vor Erschütterungen und Schwankungen zu bewahren", sollen sämtliche britischen und französischen Anlagen auf dem amerikanischen Effektenmarkt aufgekauft werden. Die Höhe dieser Anlagen wird auf zwei bis vier Milliarden Dollar geschätzt. Zur Uebernahme dieser Werte ist die Gründung einer Gesellschaft vorgesehen, an der sich alle Trusts, Versicherungsgesellschaften und Banken sowie die Regierung beteiligen sollen. ,/The Annalist" schätzt die
Frankreichs Pläne.
Sie Türkei soll mit dem Sandschak Alexandrette geködert werden.
E. F. Paris, 15. April.
Die Erklärungen Daladiers und Chamberlains haben offenbar nicht vermocht, der öffentlichen Meinung in Frankreich die Ruhe und Festigkeit wieder- derzugeben, die man anderen, angeblich von der Achse Berlin—Rom bedrohten Mächten mit diesen Erklärungen einhauchen wollte. Jedenfalls war die Pariser Börse, die sich wieder einmal als Stimmungsbarometer erwies, am Freitag von wilden Gerüchten über angeblich schon unmittelbar für das Wochenende bevorstehende neue „Unternehmungen" erfüllt. Diese Symptome stehen in einem sonderbaren Gegensatz zu der ruhigen Festigkeit, die in Deutschland und Italien zu beobachten ist und von der auch die hierhergelangenden Meldungen über die Vorbereitungen für die Feier des 50. Geburtstages des Führers Zeugnis ablegen. Man kann nicht verschweigen, daß diese Feierlichkeiten einen glanzvollen Verlauf nehmen werden und durch die Anwesenheit einer ganzen Anzahl führender Persönlichkeiten gerade aus den Ländern des europäischen Ostens und Südostens ausgezeichnet werden, die man jetzt so gern als bedroht hin stellt. Den französischen Journalisten fällt die Verantwortung für die zahlreichen logischen Widersprüche zu, in die sie sich bei der Begründung ihrer Stimmungsmache gegen Deutschland und Italien verwickeln.
So hebt der halbamtliche „Temps" z. B. in seinem Leitartikel die Sätze Daladiers hervor, wonach die Politik der französischen Regierung ausschließlich im Schutze des französischen Imperiums bestehe. Man sieht aber nicht recht ein, was das mit den Verdächtigungen der Achse, so z. B. ihrer angeblichen Absichten gegenüber Griechenland und Rumänien zu tun hat. — Aehnlich mußten, an der Börse sowohl als auch in den P resse komme n-
taren, die Ankündigung deutscher Flottenmanöver an der spanischen Atlantikküste zu den wildesten Verdächtigungen gegen Deutschland her» halten, obwohl selbst ein englisches Blatt in der weiten Entfernung eines deutschen Flottenge- schwaders von den Heimathäfen eher ein b e • ruhigendes Symptom erblickt.
Jetzt will man mit aller Gewalt die Sowjets als Bundesgenossen zum Schutze Rumäniens und der Türkei in den französisch-englischen Plan ein» schalten. Wenigstens soll, so sagt man jetzt beschwichtigend, Sowjetrußland Kriegsmaterial liefern und Flugzeuge zur Verfügung stellen. Diese zweifelhafte Bundesgenossenschast dürfte mit der Zeit den ganzen Plan von selbst auflösen; nur laufen die Franzosen selbst bei diesen uferlosen Plänen Gefahr, schon jetzt Opfer zu bringen, für die sie später niemand entschädigen wird. Es ist ein offenes Geheimnis, daß die Türken als Vorleistung für irgendwelche Bündnispläne die re st lose Abtretung des Sandschaks Alexandrette verlangen, der bis jetzt, wenigstens noch formell, einen Teil des syrischen Man» datsgebiets bildet. Frankreich hatte es bisher verstanden, die Inkraftsetzung des französisch-syrischen Unabhängigkeitsvertrages vom Herbst 1936 auf die lange Bank zu schieben. Die Inkraftsetzung dieses Vertrages soll jetzt ausgehandelt werden gegen die türkische Bereitschaft, sich den französisch-englischen Einkreisungsbestrebungen anzuschließen. Die Presse lanciert in vorsichtiger Weise diesen Kuhhandel, indem sie erklärt, es bestünden Aussichten dafür, ,Haß wenigstens ein Teil der türkischen Forderungen von Frankreich erfüllt" würden, es heißt sogar, daß die Türken die völlige Selbständigkeit Syriens fordern. Möglicherweise wird Frankreich' auch dieses Opfer bringen.
Skeptisches Echo in Rumänien.
bk. Bukarest, 14. April.
Die Kommentare der rumänischen Presse zu den Erklärungen Chamberlains über die unverlangte Garantie gegenüber Rumänien sind ebenso ausführlich wie offenherzig. Besonders zwei Blätter sind es, deren Aeußerungen und Beurteilungen es verdienen, einer breiteren Oeffentlichkeit bekannt zu werden. Das große rechtsstehende Blatt „Universal", das seinen Leitartikel unter der bezeichnenden Ueber- schrift „Einseitige Verpflichtungen" startet, erklärt zwar selbstzufrieden, Rumänien habe keinen Grund, einseitige Garantie-Verpflichtungen abzulehnen, aber der Tenor seines ganzen Kommentars läßt doch eindeutig erkennen, daß es diese englische Erklärung mehr als Bevormundung denn als Liebesdienst betrachtet. Vor allem aber ist es der „ C u r e n t u l ", der das volle Maß feiner beißenden Ironie über feinen so plötzlich auf der Bildfläche erschienenen englischen Schutzherrn ausgießt. Das Blatt stellt fest, daß in Rumänien die Mitbürger jüdischer Nationalität von der englischen Garantie zu Tränen gerührt seien. Die Juden stünden seit über tausend Jahren den militärischen Bündnissen fern, da sie nie Militärdienst geleistet hätten und sich höchstens als Heeresliefe«
ranten betätigten. Die Begeisterung der Juden müsse aber als übertrieben bezeichnet werden, denn obwohl das Geld seit Montecuccoli eine große Rolle spiele, sei es doch nicht ausschließlich ausschlaggebend. Das wesentliche sei die Begeisterung und die Zahl der Soldaten. Gerade dies aber fehle beides England. Alle jene Staaten, die auf die militärische Hilfe Englands rechneten, konnten sehr traurige Erfahrungen sammeln. Die militärische Bürgschaft Englands werde erst dann wirksam sein, wenn England wieder die Kriegsmacht wie 1918 darstelle und die Wehrpflicht eingeführt habe. Bis dahin bleibt alles eine Hypothek auf die Zukunft, die für die Gegenwart völlig unwirksam ist.
Ministerpräsident C a l i n e s c u erklärte der Presse, Rumänien verfolge mit Interesse und Sympathie jede Aktion, die geeignet sei, den Frieden zu stärken, von dem sein fruchtbares Gedeihen und die guten Beziehungen zu allen Staaten abhängen. Die Politik Rumäniens fei hinlänglich bekannt. Seine Regierung habe ihren Willen zu guter Verständigung geäußert und bemühe sich, die engen und nützlichen Wi rtschaftsbeziehunaen mit den Ländern, mit denen es ergänzende Interessen verbänden, zu entwickeln.


