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Angriff gegen die Slowakei an der karpatho- ukramisch-tsche cho-slowakischen Oren« kommen sollte. Die ungarische Regierung erwartet auf diese Rote binnen zwölf Stunden von der Ueber- reichung gerechnet eine Antwort, widrigen­falls sie für die Folgen in seder Hinsicht die Prager Regierung verantwortlich machen müßte. Die tsche­chische Regierung muß, nachdem die ungarische Rote am Dienstag um 15 Uhr überreicht wurde, ihre Antwort bis Mittwochfrüh 3 Uhr bekanntgeben.

Oer Vormarsch der ungarischen Truppen in der Karpatho-Ukraine.

Prag, 14. März. (Europapreß.) Der Vormarsch ungarischer Truppen in der Karpatho-Ukraine voll-

zieht sich, wie die aus Chust einlaufenden Meldun- gen besagen, in folgender Weise: Drei Kolonnen haben in der Gegend von Ungoar die kar- vatho-ukrainisch-ungarische Grenze überschritten. Eine davon stößt in nördlicher, die zweite in nord- ö st l j ch e r und die dritte in östlicher Rich­tung vor. Die Spitze dieser Kolonnen befand sich in den Nachmittagsstunden des Dienstags ungefähr hundert Kilometer von Chust entfernt. Der Vor­marsch vollzieht sich sehr vorsichtig. Minister R e vay, der vor kurzem von der Prager Regierung abgesetzt worden ist, hat sich, wie verlautet, mit Sonderflugzeug von Wien nach Chust begeben.

die sich der Unabhängigkeit der Slowakei auf das schärfste widersetzten, hätten selbst das Tempo der Ereignisse beschleunigt. Es zeige sich einmal mehr in der Geschichte, daß eine Nation am raschesten unter stärkster Unterdrückung reife. Prag habe aber auch der Zusammenbruch des Benesch- Staates nicht zur Besinnung gebracht.

Das Echo in Belgrad.

Bewunderung über die rasche Liquidierung des tschechischen Unruheherdes.

Belgrad. 15. März. (DNB. Funkspruch.) Die Art der Liquidierung des tschechischen Un­ruheherdes in Mitteleuropa hat das deutsche Ansehen in ganz Jugoslawien in unvor­stellbarem Maße gesteigert. Ueberoll herrscht jetzt das Gefühl, daß Deutschland die ein­zige bestimmende Ordnungsmacht in diesem Raum sei und Jugoslawien sich glücklich schätzen könne, die deutsche Freundschaft bereits früher erworben zu haben.

Obwohl die heutigen Morgenzeitungen die Ent­wicklung nur andeuten, bringen sie deutlich die Stimmung zum Ausdruck, mit der diese Gescheh­nisse hier ausgenommen werden. So schreibt der Prager Vertreter der Politika, daß die Ereig­nisse sich in einem solch unvorstellbarem Tempo ent­wickeln, daß die allermodernsten Rotationsmaschinen nicht mehr mit ihnen Schritt halten können. In dem Augenblick, in dem die neuesten Blätter auf die Straße kommen, seien die darin veröffentlichten Nachrichten bereits Vergangenheit. Gestern habe noch die zweite tschecho-slowakische Republik bestan­den, mittags seien von ihr nur noch die h i stö­r' i s ch e n Länder geblieben, wie sie nach Mün­chen übrig gelassen worden seien und jetzt teile man in Prag mit, daß die deutschen Truppen sich zur Besetzung des ganzen Landes anschickten.

Besondere Beachtung findet hier das Schicksal der Karpatho-Ukraine. Der Berliner Ver­treter der V r e m e stellt fest, daß sich die Ereignisse in unerwartetemTempo abgewickelt hätten.

Ruhige Zurückhaltung in London.

Regierungserklärung für Mittwoch erwartet. - Dieser Staat war eine Gefahr

für den europäischen Frieden.

Vielgenannte Städte.

London, 15. Mär^. (Europapreß.) Die Vor­gänge im Raum der ehemaligen Tschecho-Slowakei und der Zerfall des tschechischen Staatsgebildes bil­den das Haupttherna der Presse. In zuständigen Kreisen ist man nach wie vor sehr zurückhaltend. Man weicht jeder Aeußerung zur Lage aus mit der Erklärung, die aus Prag, Preßburg und Chust ein» treffenden Meldungen ergäben kein klares Bild über die Vorgänge in der Tscheche!, der Slowa/ei und der Karpatho-Ukraine. Paris und Washington nehmen die gleiche abwartende Haltung wie London ein. Es wird daher die Vermutung ausgesprochen, daß zwischen London und Paris ein ft t II e s Ueberein kommen getroffen worden sei, einstweilen in der Rolle eines .stummen Beobachters zu verweilen. Aus zuverlässiger Quelle verlautet, die englische Regierung werde auf der Wochensitzung des Kabinetts am Mitt- wochoormittag zur Entwicklung der Lage in Ost­europa Stellung nehmen. Man erwartet, daß Premierminister Chamberlain am Mittwoch­nachmittag im Unterhaus eine längere Er- ktärung abgeben und die englische Einstellung urn- reißen wird.

Im größten Teil der Londoner Morgenpresse kommt ebenfalls eine ruhige Beurteilung der Lage in den Kommentaren zum Ausdruck, obwohl die Berichterstattung über die Vorgänge einen großen Raum einnimmt. Bemerkenswert find die Feststel­lungen in dem Leitaufsatz derDaily Mai l". Darin heißt es, die Tschecho-Slowakei sei das künstlichste Gebilde von Versailles ge­wesen, und unter dem Vorwand der Selbstbestim­mung aufgebaut worden. An diesem Grundsatz der Selbstbestimmung sei das Staatsgebilde jetzt g e - scheitert.Die Tschecho-Slowakei war lediglich", so schreibt dieDaily Mail", eine strategische Konzeption, ein zusammengewürfelter Staat." Weiter heißt es in dem Aufsatz mit Bezug auf die im Gange befindliche Auflösung des tschechischen Staatsgebildes wörtlich:Dieses Ereignis enthält weder einen Grund zur Unruhe noch zur Furcht. Viel eher dürfte man dieses Ver­schwinden willkommen heißen. Denn solange dieser Staat im ganzen oder verstümmelt existierte, war er eine Gefahr für den europä­ischen Frieden. Ein weiterer großer Fehler von Versailles ist richtiqaestellt worden."

DerDaily Expreß" stellt fest, die Krise sei von «allen Seiten mit Ruhe ausgenommen loorben. Das Blatt wiederholt seine Äuffassung, der Zerfall der Tschecho-Slowakei sei nicht Englands Angelegenheit. Hinsichtlich der Gründe dieser Ent- Rvicklung vertrittDaily Erpreß" die gleiche Auf- ßassung wie dieDaily Mail" Das Blatt polemisiert dann gegen die Tschechen-Anleihen der englischen Regierung und die von England ausgesprochene Bereitschaft, die Grenzen der Tschecho-Slowakei garantieren zu wollen. DerDaily Telegraph" be­ginnt seinen Leitartikel mit der Feststellung:Die Tschecho-Slowakei ist von der Landkarte und der politischen Nomenklatur Europas verschwunden." Der Artikel enthält im übri­gen, wenn auch in einer etwas umschriebenen Form, Beschuldigungen gegen Deutschland, die jeder stich­haltigen Begründung entbehren. Wie nicht anders SU erwarten, bewegen sich die Leitartikel der Links­presse, desNews Chronicle" und desDaily Herold" in einer deutschfeindlichen Richtung.News Thronicle" greift in scharfer Weise die Politik der Regierung Chamberlain an.

Extraausgaben in London.

Der erste Eindruck der Ereignisse in England

London, 15. März. (DNB. Funkspruch.) Die . Londoner Morgenpresse verzeichnet die historischen ! Entscheidungen, die im Laufe der Nacht zum Mitt­woch gefallen sind, in Extraausgaben, die um 6 Uhr englischer Zeit bereits auf den Straßen waren. In riesigen Schlagzeilen und in einer Auf­machung, wie sie nur bet Ereignissen von größter Bedeutung zu beobachten tst, werden dem englischen Leser die umwälzenden Ereignisse mitgeteilt. Die Uebernahme Böhmens und Mährens unter ben Schutz des Deutschen Reiches, »er Einmarsch deutscher Truppen und der Aufruf Hachas an das tschechische Volk, keinen Widerstand I s.u leisten, beherrschen das Bild der Extrablätter.

,T)aily Telegraph" erscheint unter den riesigen Schlagzeilen:HitlernimmtPrag Beginn i d-er deutschen Besetzung im Moraengrauen bte < Tschechen unter ben Schutz bes Deutschen Reiches- gestellt Präsibent Hacha befiehlt bem Volke, tei­len Widerstanb zu leisten bte tschechischen Trup­pen werben entwaffnet." In ben Berichten, bie im Saufe ber Nacht schon mehrfach geänbert worben waren, schildert das Blatt dann bereits bie tr ft en Truppenbewegungen, bie sich in RichtungPrag vollziehen. .

i ,L) aily 9Jlair oerfünbet ebenfalls in riesigen Lettern ben Einmarsch. In sensationellster Auf­machung unb in fast überschriftengroßem Druck wer- kn bie schnell aufeinanberfolgenben Phasen ber Ent- Wicklung in ber Nacht mit größter Genauigkeit ge- Hilbert. Die Veränberungen auf ber Sorte Europas, bie in ben heutigen frühen Äorgenftunben Wirklichkeit geworben finb, werben lern englischen Leser burch Kartenmaterial auf ben ftauptfeiten ber Blätter anschaulich vor Augen ge- führt.

Keine Leberraschnna.

London, 15. März. (DNB. Funkspruch.) Die Londoner Morgenpresse berichtet am Mittwoch nicht »ehr spalten-, sondern settenweise über die sich über» siürzenden Ereignisse in der Slowakei sowie in Böhmen und Mähren. Aus ben Leitartikels bie

durchweg noch vor ben letzten entfdjeibenben Er­eignissen geschrieben würben, geht hervor, baß bie britische Oeffentlichkeit von biefem Wandel ber Dinge gar nicht überrascht worben ist, baß sie in biefem Fall hierin eine folgerichtige unb unoermeibliche Konsequenz aus ber unhaltbaren Lage erblickt, die sich in Böhmen und Mähren darbot. So schreibt bieTimes" u. a.:Es war völlig ß u erwarten, baß bie Slowaken sich unabhängig von Prag erklären würben. May war sich auch völlig barüber klar, baß bie brei Teile ber tschecko-slowakischen Republik oonein- ander getrennt kaum hoffen konnten, als unab­hängige Staaten wetter zu bestehen.Daily Tele­graph' stellt erneut fest, daß, soweit England in Frage komme, sich die Frage einer mili­tärischen Intervention nicht ergebe unb nicht ergeben könne, ba die D i e r Mächte­garantie für bie tschechischen Grenzen nie­mals wirksam geworben sei.Daily Expreß" stellt fest, baß bas britische Volk währenb ber Krise bie Ruhe bewahrt habe. Das eng­lische Volk sei burch bie eintreffenden Nachrichten nicht shockiert. Das Ende der Tschecho-Slowa- fei könne England nicht so stark interessieren, daß es sich zur Uebernahme von Verpflichtungen auf bem Kontinent veranlaßt fühle. Der kschecho-slowakische Staat habe niemals eine homogene Struktur gehabt und fei niemals eine in sich abgeschlossene unb ihrer Einheit bewußte Nation gewesen. Die verschiedenen Volksgruppen in diesem Lande hätten niemals loyal zusammenarbeiten können.

Die pariser presse noch nicht aktuell.

Paris, 15. März. (DNB. Funkspruch.) Die Er­eignisse sind der französischen Presse zuoorgekommen. Im Augenblick her Drucklegung sämtlicher Pariser Zeitungen war bas Ergebnis ber Unterredung zwi­schen dem Führer und Dem Präsidenten Hacha noch nicht befarmt. Die Zeitungen schildern daher noch die Lage in aller Ausführlichkeit, wie sie in ben späten Abend st unben bes Dienstag ge­herrscht hat. Mehr noch als am Vortage verfolgen bie Blätter mit größter Aufmerksamkeit bie ver­schiedenen tschechischen unb slowakischen Begeben­heiten. In riesigen Ueberschriften verkünden die Blätter die Ausrufung der Unabhängig­keit ber Slowakei, die in voller Entwicklung befindliche Zergliederung derTschecho-Slowakei , den Einmarsch Der deutschen und ungarischen Trup­pen und die Reise Hachas unb Chvalkowskys nach Berlin. Allgemein wird die Ansicht vertreten, baß Frankreich und England am Streit nicht betei­ligt sind. Der Außenpolitiker des Journal erklärt, man müsse ben Deutschen gegenüber anerkennen, daß sie die Durchführung ihres Programms m i t einer bemerkenswerten Folgerichtig­keit vornehmen. Seit Beginn des großen Umstur­zes in Zentraleuropa hätten sie sich zwei Grund­sätze zu eigen gemacht, deren Erfinder die Fran­zosen gewesen seien, das Nationalitäten­prinzip und das freie S e l b stb e st i m - mungsrecht ber Völker.

Oie Meinung in Warschau.

Warschau, 15. März. (DNB. Funkspruch.) Die polnische Presse hat heute nur ein politisches Thema: Den Zerfall ber tschecho-slowakischen Repu­blik. Dabei wirb übereinftimmenb erklärt, baß b i e bisherige Lösung keinen Bestaub haben konnte.Expreß Poranny" schreibt, bie Tschechen,

Deutschenversokgung in Prag.

Prag, 14. März. (DNB.) In den Gassen der Prager Innenstadt nahmen in den Dienstagabend­stunden die Menschenansammlungen zu. Es handelt sich um Leute jeden Alters, die jetzt wieder bem gewohnten Deutschenhaß freien Lauf lassen. Hier und da tauchen auch bie Marxisten in ihren blauen Hemden mit roten Krawatten auf. Ueberall, wo sich Deutsche zeigen und als solche an Sprache ober Kleidung erkenntlich sind, werden sie sofort Überfällen, brutal niederge­schlagen unb mißhandelt. Allein am Pra­ger Wenzelsplatz wurden im Zeitraum von einer Stunde zehn Studenten verletzt, z. T. so­gar schwer. Die Polizei verlor die Herrschaft über die tobenden Menschen. Die tschechischen Wachleute stellten sich offen auf Seiten des randalie­renden Mobs.

Das Kamerabschaftshaus der beutschen Studentenschast in ber Carlsgafse wirb vom k o m - munistischen Pöbel belagert. Die Poli­zei wurde um Hilfe ersucht, hat jedoch nicht die An­greifer zurückgetrieben, sondern ist selbst in bas Kameradschaftshaus eingedrungen und hat dort Ver­höre vorgenommen. Das Haus der Studentenschaft in der Hybernergasse ist ebenfalls von Kommunisten belagert worden, die teilweise uniformiert waren. Obwohl die Lautsprecher in ben Prager Gassen zur Ruhe unb Besonnenheit mahnen, lauert ber tschechi­sche Pöbel weiter deutschen Studenten auf. Der Mob hat sich bei ben Deutschenverfolgungen eine besondere Taktik Furechtgelegt. Er wartet gegenüber bem Deutschen Hause auf jeden Deutschen, der das Deutsche Haus verläßt und sogt ihn dann durch die Straßen. An ber Ecke des Grabens und ber Hyder- vergässe werden immer nach zahlreiche deutsche Stu- in ber brutalsten Weise niedergeschlagen.

Brünn bas tschechische Brno hat in feiner reichen unb stolzen Geschichte einen Schanbfleck er­halten burch bie feigen Angriffe eines übermütigen Pöbelpacks gegen bas eingesessene Volksdeutschtum. Brünn zählt auch heute noch mindestens 70000 Deutsche, die nur dadurch in bie Stellung einer Minberheit gebrängt würben, baß unmittelbar nach bem Krieg anliegende tschechische Jndustriearbeiter- gemeinben in bas Brünner Stadtgebiet eingeschlossen wurden. Brünn ist eine alte Festungsstadt, die aber auch seit ben Zeiten ihrer Grünbung zugleich Sitz einer wohlhabenben unb kulturschaffenben Kauf- mannsgilbe gewesen ist. Schon 1243 x mürbe ben Brünner Bürgern i h r beutsches Recht be­stätigt. Aus biefen jura originalia entwickelte sich bas Brünner Stabtrech t.örünn gehört also zu ben (Stabten, bie ihr eigenes Recht schufen, wäh­renb bie meisten Stäbte im östlichen Raum ihr Stabtrecht von Lübeck, Magbeburg, Nürnberg ober Wien übernahmen. 100 Jahre nach ber Bestätigung bes Brünner Stabtrechts gewann basSchöffen­buch" über bie fortmirfenbe praktische Anwenbung bieses Rechtes erhebliche Geltung. Sowohl gegen die Hussiten wie gegen den nachfolgenden böhmischen König Georg Podiebrad bewahrte Brünn seine volle Unabhängigkeit.

Preßburg führt seine Geschichte bis auf bas Jahr 907 zurück, entwickelte sich aber erst als der wich­tigste Grenzplatz Ungarns nach der Verleihung des beutfdjen Stadtrechtes. Es liegt malerisch in dem Winkel, den die hier an die Donau tretenden .Klei­nen Karpathen" mit dem (Strom bilden. Bis zum Kriege war es eine überwiegend deutsche Stadt, Erst nachher machten sich die Tschechen breit, die mit staatlicher Förderung zuzogen.

Jqlau ist an sich eine Provinzstadt von etwa 30 000 Einwohnern, deren gute Hälfte volksdeutsch ist. Allein ebenso wie Brünn und Preßburg ist auch Jglau mit einem ganzen Kranze deutscher Ortschaften umgeben. Die Stadt liegt an Der Grenze von Böh­men unb Mähren unb verdankt ihre Gründung bem einmal sehr ergiebigen Bergbau der Volksdeutschen, ber später von der Wollmacherei abgelöst wurde. Daher der AusdruckJglauer Sprachinsel".

Pilsen endlich ist weit über bas beutsche Sprach­gebiet hinaus durch sein berühmtes Bier bekannt,

Deutsche Truppen in Theresienstadt.

Die Festung übergeben.

T h e r e s i e n st a b t, 15. März. (DNB. Funkspr.) lieber Nacht ist auch süblich bes Erzgebirges Schnee gefallen und hat das Gelände in eine Winterlandschaft verwandelt. Noch ehe der Tag an» bricht, sind deutsche Truppen zum Ein­marsch angetreten. Punkt 6 Uhr dröhnt der Marschttitt der deutschen Soldaten auf der Ein- marfchstraße, dröhnen die Motoren, das Marsch- lied deutscher Soldaten. Theresienstadt! Wenige Minuten nach 6 Uhr marschiert ein deut­sches Bataillon über die Demarkationsgrenze in diese alte österreichische Festung auf uraltem deut­schen Boden ein. Freilich ist dieser Einmarsch anders als in den historischen Oktobertagen. Wenn aber heute keine Fahnen unsere Soldaten grüßen, keine

Brünn, 14. März. (DNB.) Die Deutschen in Brünn sind seit Sonntag vogelfrei. Kommuni­sten, die Gendarmerieuniformen tragen, terrorisie­ren tue Stadt. Bewaffnete Abteilungen haben die wichtigsten Gebäude und Plätze besetzt und die ganze innere Stabt umstellt. Elf Deutsche sind schwer verletzt in die Krankenhäuser eingeliefert wor­den. Sie weisen hauptsächlich schwere Schädelver­letzungen, vielfach auch schwere Magen- ober son­stige innere Verletzungen auf, die von Fußtritten herrühren. Die Deutschen (Starefenberger und Pot- zickler werden vermißt. Von ihrem Verbleib fehlt jede Spur. Es muß angenommen werden, daß sie ermordet unb ihre Leichen beiseite geschafft wurden.

Auf Grund ber alarmierenden Nachrichten über die Lage der in der Innenstadt eingeschlossenen Deutschen strömten aus zahlreichen Dör­fern um Brünn mehrere taufend deut­scher Männer zusammen, um den bedrohten Volksgenossen in der Stadt zu Hilfe zu eilen. Es bildete sich ein großer Demonstrations- z u g, der sich in südlicher Richtung nach Brünn bewegte. Die tschechische Polizei unternahm ver­schiedene hefttge Versuche, den Demonsttationszug zum Stehen zu bringen. Nachdem ber erste tsche­chische Widerstand nördlich von Morbes gebro­chen war, gelangte der Zug in den Mittagsstunden nach K u m r o w i tz , einer Vorstadt von Brünn, wo er abermals einen Gendarmeriekordon, ber mit gefälltem Bajonett dem Zug entgegenzutteten ver-

das aber als Exportbier nicht ganz den besonderen Geschmack erreicht, ben es als heimisches Gebräu an Ort und Stelle besitzt. Nicht umsonst spielt bte Stadt in SchillersWallenstein" ein große Rolle. Ihre Lage in Westböhmen an dem Uebergang von Bayern zum Prager Becken wies ihr immer eine besondere Rolle zu. Von all den genannten Städten verfiel Pilsen, ursprünglich auch ein rein deutsches Gemeinwesen, am frühesten der Tschechisierung. Un­gefähr vor 60 Jahren! Aber auch hier reichen die bäuerlichen Siedlungen der Volksdeutschen bis an den Rand der Stadt, was bei ber Grenzziehung im Oktober 1938 zum deutlichen Ausdruck kam. Brünn und Pilsen sind heute Stätten einer großen Rü­stungsindustrie.

Budweis wurde von vornherein von dem tschechischen König Ottokar II., dem hervorragend-

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sten Vertreter der Prschemisliden, als deutsche Stadt im Jahre 1265 aegrünbet. Es behielt feinen deutschen Charakter durch Die Jahrhunderte bis vor etwa 40 Jahren. Bei Budweis beginnt die Moldau für kleinere Fahrzeuge schiffbar zu werden. Die Stadt ist ein natürlicher Handelsmittelpunkt Süd- böhmens für Getreide, Holz und insbesondere für das wichtige Salz gewesen, das aus dem österreichi­schen Salzkammergut über Linz hier nach Böhmen eingeführt wurde. Böhmen selbst hat nämlich kein Salz. Infolge der Industrialisierung siedelten sich um die Jahrhundertwende zahlreiche tschechische Ar­beiter unb Kleingewerbetreibende an, denen es all­mählich gelang, auch auf bie Stadtverwaltung Ein­fluß zu gewinnen. Die Volkszählung von 1921 er­gab auf 44 000 Einwohner insgesamt noch 7000 Volksdeutsche.

Blumen auf sie geworfen werden, keine Grüße ,J)eil Hitler!" jubeln, so sieht man doch keine verschlosse­nen Gesichter, hört kein dunkles Wort von den Menschen, die trotz der frühen Morgenstunden aus den Fenstern schauen und die in großer Zahl vor die Kommandantur der Festung ftrömen.

Man spürt aus den Gesichtern vielmehr einen Hoffnungsschimmer, unb wir müssen an das Wort jenes alten Arbeiters benfen, der in den Tagen ber Neuwahl in Leitmeritz an der Elbe gegenüber The­resienstadt die eingetroffenen Deutschen fragte: Wann kommt denn endlich euer Adolf Hitler unb bringt auch uns Arbeit und Brot, Ruhe und Frieden? Allzulange haben auch diese tschechischen Menschen unter dem Regime der Be- nesch-Regierung, unter dem Terror der Kommuni­sten und der Ausbeutung der jüdischen Kapitalisten gelitten. Sie haben längst von ihren Freunden unb Verwandten im neuen Sudetengau erfahren, daß das nationalsozialistische Deutschland auch der tsche­chischen Minderheit Arbeit verschafft, daß keiner

suchte, durchbrach. Die Sperrmaßnahmen der Polizei wurden bei dem späteren Vordringen des Zuges nach Cernowitz bei Brünn und am Rande der Stadt wesentlich verstärkt. Die entschlossenen Deutschen durchbrachen noch drei weitere Polizeisperren, mußten aber vor einer vier­ten, die von Maschinengewehren Ge­brauch machte, Halt machen. Die Tschechen ver­suchten nun den Zug zu umklammern und mit bru­taler Gewalt auseinanderzutreiben. Die Umklam­merung m i ß l a n g, und die Demonstranten un­ternahmen weitere Versuche, in die Innenstadt ein» zubringen, um ihren Brüdern zu Hilfe zu eilen. Es verlautet, daß noch ein ähnlicher Zug mit mehreren hundert mit Sensen und Schaufeln be­waffneter Bauern aus der deutschen Volks« tumsinsel W i r s ch a u nordöstlich von Brünn auf die mährische Hauptstadt im Anmarsch ist.

In ber der deutschen Grenze zunächst gelegenen Ortschaft der Brünner Volkstumsinsel, Mödritz, sind gegen Abend die ersten Flüchtlinge aus den Brünner deutschen Vororten eingetroffen. Zu­meist sind es Frauen u n d K i n d e r , die sich in einem höchst bedauernswerten Zustande befinden. Die Frauenschaft der deutschen Landgemeinde hat sofort eine N o t h i l f e organisiert und die Flücht­linge untergebracht. Auf deutschem Gebiet wurde in ber Nähe von Mödritz bereits eine NSV.- Stelle zur Aufnahme der Flüchtlinge vorbereitet.

Vor dem Einmarsch der deutschen Truppen.

Deutsche Volkstumsnot in Brünn.

Frauen und Kinder flüchten vor dem Tschechenterror über die Grenze.

Die letzten Meldungen vom Einmarsch.