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OieZIlustrierte des Gießener Anzeigers

kann erst im Laufe der nächsten Woche zugestellt werden. Die Bezieher werden gebeten, diese erneute Verzögerung auf Grund besonderer Verhältnisse zu entschuldigen.

Verlag des Gießener Anzeigers.

pflichten beim Auifinden feindlicher Flugzeuge.

Die Sicherstellung von Flugzeugen kann die Mit- arbeit der Bevölkerung dort erforderlich machen, wo Wehrmacht oder Polizei nicht sofort zur Ver­fügung stehen. Als oberstes Gesetz für jeden Volks­genossen gilt:

Hände weg von jedem Gegen st and oder Geräteteil eines Flugzeuges, denn:

1. besteht die Möglichkeit des Vorhandenseins von Zeitzündern an Feindflugzeugen zur Zer­störung durch die Besatzung. Deshalb größte Vorsicht!

2. ist jeder kleinste Teil wichtig und für die zu­ständigen Stellen von größter Bedeutung.

Jede Vernichtung von Flugzeugen und Ge­räten, sowie Notizbüchern, Karten, Fotoappa­raten, Soldbüchern, Briefen usw. muß unbe­dingt verhindert werden. Das Zurück­behalten etwa als Andenken schädigt die Lcrndesverteidiaung und wird nach den Gesetzen ad 5 Plünderung schwer b e - st r nf t.

Die Besatzung fft vom Flugzeug obzudrängen und gefangenzunehmen. Verletzten ist dann zu hel­fen. Der nächste Gendarmerieposten, Gemeindevor­steher oder Polizeistelle ist schnellstens zu unterrichten.

Die Bergung und Sicherstellung der Flugzeuge und Geräte, Abtransport der Gefangenen, ist Sache der militärischen Dienststellen.

Bis zum Eintreffen eines Kommandos muß sich jedermann darüber klar sein, daß sein verantwor­tungsbewußtes Handeln dazu beiträgt, die Absichten und Pläne des Feindes rechtzeitig zu erkennen und deren wirksame Bekämpfung veranlassen.

Meldung aller Arbeitskräfte des Treimachungsgebiets West.

Alle Arbeitskräfte aus den geräumten Bezirken des Freimachungsgebietes West hoben sich, soweit dies noch nicht geschehen sein sollte, unverzüglich bei dem nächstgelegenen Arbeitsamt zu melden, da­mit sie für einen zweckmäßigen Arbeitseinsatz er­faßt werden können. Die beschleunigte Meldung liegt auch im dringenden Interesse der Betreften- den selbst, da die Gewährung von Leistungen der NSV., sowie von Unterstützungsleistungen der Ge­meinden nur erfolgt, wenn ein Nachweis über die Meldung beim Arbeitsamt erbracht wird.

Bier Regeln für die Bebandlung der DolkSgaSmaSke.

1. Jeder Besitzer einer Dolksgasmaske muß sich aus eigenem Antrieb mit seiner Volksgasmaske vertraut machen.

2. Er muß sich durch häufiges Aufsetzen an die Vvlksgvsmaske gewöhnen. Diese Vorsorge wird einmal von großem Nutzen sein können.

3. Jeder Vater und jede Mutter, die für ihre Kinder Volksgasmasken gekauft haben, sorge dafür, daß Buben und Mädel sie rechtzeitig kennenlernen und zu handhaben verstehen.

4. Wer schon eine Volksgasmaske besitzt, sorge dafür, daß sie stets an einem kühlen Ort aufbewahrt wird.

Verdunkelung immer wieder nachprüfen

NSG. Jeder Haushaltungsoorstand muß sich von Zeit zu Zeit vergewissern, ob die Verdunkelung sei­ner Wohnung noch in Ordnung ist. Was vor einer Woche in Ordnung war, braucht jetzt nicht mehr zu sein. Insbesondere muß bei Verwendung von Ver­dunkelungspapier aufgepaht werden, besonders bei Fensterläden, die am Tage nach außen aufgeklappt werden und daher dem Regen und dem Wind aus­gesetzt sind.

WrsuMöerstmöe

Roman non fflalther filoepfer

eapurlght ög Hart Duntfcr Verlag * Berlin w 62

15. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)

Wie schlecht du mich kennst, Tino! Nicht soviel kennst du mich. Diesmal sitzt es ganz tief, guck hier, und macht mich krank nach ihm. Ich habe dagegen angekämpft, aber es ist stärker als ich."

Dann ist es ja gut. Haben wir uns sonst noch etwas zu sagen?"

Den Wagen nehme ich natürlich nicht. Leb wohl und laß es dir gut gehen, Tino. Dielen Dank für alles. Ich werde gern an dich zurückdenken." Sie legt einen Herzschlag lang ihre Hand in eine leblose, kalte, dann geht sie rasch davon.

Valentin Leinfelder, ein Mann mit Geld und Be­ziehungen, schreitet zum Ausgang. Er versucht uw bekümmert auszusehen, aber es mißlingt. Er ist ab- aedankt worden, und das ist keine Kleinigkeit bei seinen Jahren. Die Frauen machen es sich leicht, grübelt er gedemütigt. Einfach entzweischneiden, was unbequem ist. Er ist an der Gartenpforte angelangt und will zu seinem Wagen. Ein Unbekannter tritt ihm in den Weg.

Herr Leinfelder, nicht wahr?"

Ja. Sie wünschen von mir?"

Mein Name ist Parsunke. Ich möchte Ihnen einen Tip geben, Herr Leinfelder, wenn Sie gestat­ten."

Wie sogen Sie? Einen Tip? Was für einen Tip?" fragt der Architekt verständnislos. Er be­trachtet den ihm völlig fremden Herrn Parsunke mit oufkeimendem Mißtrauen. Das PrädikatHerr" ist hier nicht ganz am Platze. Denn Parsunke, von den Nonnen zum Abschied mit irgendwelchen Kleidungs­stücken ausgestattet, sieht zwar manierlich, aber keinesfalls wie ein Gentlemen aus.

Parsunke sieht sich verstohlen um, ob kein Lau­scher in der Nähe ist.Ich habe ein gutes Geschäft für Sie, eine vortreffliche Sache. Es handelt sich um ein altes Oelaemälde. Sie sammeln doch alte Sachen, so viel ich weiß?"

Allerdings. Aber momentan bin ich nicht in der Stimmung für Derartiges."

Wenn Sie das Bild sehen, ist Ihnen die Stim­mung schnuppe, lieber Herr. Dann sagen Sie: nur her damit, sonst kommt mir ein anderer zuvor. Ich hab' doch Ihr Wort, daß Sie nichts weiterschwatzen, wenn aus unserem Handel nichts werden sollte?"

Gießener Wissenschaft und Forschung im Weltkrieg.

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schen Stelle, ebenso wie die Frage der Trinkwasser- sterilisation mittels Chlorkalk auf Veranlassung bts ^7

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tätswesen bezog, und so begannen bereits im August 1914 Kurse für Aerzte und Angehörige der freiwilligen Krankenpflege, denen in der Hauptsache folgende Ausbildungsfächer zugrunde lagen: Leut­nant V 0 f f i u s behandelte die Beschaffenheit und den Wirkungsbereich der modernen Geschosse, Ober­stabsarzt Dr. Siegert die Organisation des Militär- Sanitätswesens, Professor Dr. P 0 p p e r t die Wir­kungsweise der modernen Geschosse, Professor Dr. Schmidt lehrte über Seuchenbekämpfung, speziell im Kriege, Professor Dr. Sommer sprach über die Psychiatrie im Kriege und Landgerichtsrat Wiener über die Ausgabe und Organisation des Roten Kreuzes. Später kamen noch Kurse über die Folgen des Krieges und ihre Heilung (Professor Sommer) und über die soziale Fürsorge im Kriege (Stadtverordneter Dr. Ebe I) hinzu. Der Er­lös aus diesen Schulungsoängen ergab einen an­sehnlichen Betrag für Wohltätigkeitszwecke.

Im zweiten Kriegsjahr wurde durch die sich in­zwischen ergebenden Notwendigkeiten eine Reihe von kriegswissenschaftlichen Kursen abgehalten, in denen die durch den Kriegsverlauf in den Vordergrund gerückten Probleme erörtert wurden. Neben rein wissenschaftlichen Vorträgen, wie z. B.Die Ent­stehung des gegenwärtigen Krieges" (Professor R 0 l 0 f f),Der Krieg und die deutsche * Kultur" (Professor Kinkel) u. a. mehr, kamen schon Vor­träge über die Entwicklung der chemischen Kriegs­industrie (Professor Elbs), über die Verwendung von Naturkräften im Kriege (Professor Koni g), über die Sicherung der deutschen Dolksernährung im Kriege (Professor Kle berg er), über die Be­deutung der Ungezieferbekämpfung im Kriege (Pro­fessor Dersluys), über Photographie und Kriegs­wissenschaft (Professor Schaum), über Behand­lung und Versorgung der Kriegskrüppel (Profes­sor Brüning), über Röntgenstrahlen im Dienste der Kriegs-Chirurgie (Professor Gundermann) usw. Außer diesen auf die Universität Gießen selbst zurückgehenden Kursen veranlaßte der Oberbürger­meister noch eine Reihe von Nationalökonomischen Vorträgen, die sämtlich von Professor Skaiweit abgehalten wurden, und die wesentlich dazu bei­trugen, daß gerade in Gießen die 2. und 3. Kriegs­anleihe ein außerordentlich günstiges Ergebnis hatte.

Im Verlaufe der Kriegsdauer nahm allmählich auch die bakteriologische Forschung einen immer größeren und wichtigeren Platz ein, denn die Seu­chenbekämpfung war eines ber Hauptprobleme der damaligen Zeit. Die Verhütung und Bekämpfung von Seuchen bei Zivil und Militär war Aufgabe des Hygienischen Institutes (Professor Schmidt), das für diesen Zweck einen jeweils 8 Wochen dauernden Kürsus vonHygiene-Helfern" einberief.

Die Weiterbildung junger Aerzte ging im Re­serve-Lazarett I vor sich, wobei u. a. besonders auf Fleckfieber und Cholera ein gegangen wurde. Auch die hessischen Kreisärzte nahmen auf Anordnung des Ministeriums an diesen Kursen teil. Das gleiche In­stitut hatte die bakteriolvgische Betreuung der bei-

Obwohl der Weltkrieg noch keinen Vierjahresplan zur Anspannung aller Kräfte kannte, wurden Wissenschaft und Forschung doch sofort in stärkstem Maße mobilisiert. Auch das Leben an der Landes- Universität Gießen nahm mit dem Ausbruch des Weltkrieges augenblicklich andere Formen an. Nicht nur, daß Die Gießener Studentenschaft schon in den ersten Tagen des Kriegsbeginnes nahezu ge­schlossen zu den Waffen eilte, an ihrer Spitze ein großer Teil der bereits als Reserveoffiziere aus­gebildeten Dozenten und Assistenten, auch die Be­amtenschaft und Angestellten der Institute, Kliniken, der Verwaltung und der Bibliothek wurden zu den Fahnen gerufen.

Diese Ausfälle innerhalb des Universitätsbetrie­bes machten eine organisatorische Umformung des Gesamtapparates notwendig, denn mehr als je nrußte der uneingeschränkte, im Gegenteil aestei- aerte Weitergang der Dienstverrichtungen gesichert sein. So wurde mit konzentrierter Einstellung auf die besonderen Kriegsbelange im Gesamtsenat eine aus Rektor, Exrektor und drei Senatsmitgliedern ge­bildete Kriegskommission ins Leben gerufen, deren Tätigkeit es schon am Anfänge ihres Wirkens gelang, etwa 3000 Mark zur Ausstattung der in den Kliniken untergebrachten Dereinslazarette des Roten Kreuzes zur Verfügung stellen zu kön­nen. Auch mußte neben der vollkommenen Um­stellung der Gesamtorganisation ein Ausweg ge­funden werden, wie der durch Wegfall der einbe­rufenen Angestellten eingetretene Personalmangel wenigstens an den wichtigsten Instituten ausge­glichen werden könnte.

Zu Kriegsbeginn 1914 standen zunächst drei Kli­niken in Vertragsbeziehungen zum Roten Kreuz: die Chirurgische, die Innere und die Augenklinik. Sie waren nebenher also Dereinslazarett. Die Ver­luste an Verwundeten in Belgien zwangen schon sehr bald zu einer zuvor nicht vorgesehenen E r - Weiterung ber Lazaretteinrichtun.- gen. Auch sämtliche anderen Kliniken, mit Aus­nahme der Kinderklinik, nämlich die Frauenklinik, die Hautklinik, die Ohrenklinik und die Psychia­trische Klinik wurden daher Vereinslazarett. Da­neben bestand noch das eigentliche Lazarett in der Braugasse, das sich aber schon zu Friedenszeiten als zu klein erwiesen hatte.

Es ist ein Verdienst des verstorbenen Geheim­rats Professor Dr. Sommer, die mannigfache Tätigkeit, die sich in den Jahren des Weltkrieges in fast allen Universitäts-Instituten entspann und be­sonders die Forschung in den kriegswirtschaftlich wichtigsten Gebieten weitertreiben half, zusammen- gefaßt und noch während des Weltkrieges imGie­ßener Anzeiger" darüber berichtet zu haben. Mit dieser Zusammenstellung hat Professor Sammer die Anregung zu dem später stark beachteten Buch von Bastian Schmidt überNaturwissenschaft und Tech­nik ,im Weltkrieg" gegeben.

Es ist klar, daß die erste Tätigkeit, die entfaltet werden mußte, sich auf das Kriegs-Sani-

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den Gefangenenlager in Gießen und Wetzlar übernehmen, wobei besonders die 2Ibmäflerfra$. eine Rolle spielte. Interessant ist dabei, daß ootn Direktor des Institutes statt des früher übliche Grubensystems die direkte Einleitung der Abmasse: des Lagers und des Gefangenenlazaretts in di- städtischen Kanäle gefordert wurde. Auch die Des infektionseinrichtungen der städtischen Jsolierbarackr unterstanden dem genannten Institut. Die Bedeu­tung der Läuse für die Übertragung von an- steckenden Krankheiten und die Verbreitung von Seuchen beschäftigte den Professor Dersluys, Seine Ergebnisse haben besonders auf gewisse Zu­sammenhänge von Läusen und Fleckfieberüber. tragung hin gewiesen, und nach einer Besichtigung des Kottbuser Gefangenenlagers, zu dem auch ein Fleckfieberlazarett gehörte, wurde der Bau einer großen, mooernen, auch einem Massenbedarf g* wachse ne n Entlausungsanlage im Gefangenenlager aus-gearbeitet. Nach Rücksprache mit dem Rese, renten im Kriegsministerium in Berlin, Profess»: Hetsch, würde dem Reich das in ausführlichen Plänen geklärte System der Heißluftentlausun^ ooraeschlagen. Auch die Frage des Abwässerein- flusses von Kriegsgarnison und Gefangenenlage: auf die Beschaffenheit des Lahnwassers unterstand der fortgesetzten Untersuchung dieser bakteriologi-

beratenden Hydrologen des 19. Armeekorvs, Dr.- Jng Th^iem, einer experimentellen Prüfung un- terzogen wurde. Zur Diagnose von Typhus unft Paratyphus wurde eine besondere Organisation der Blutuntersuchung geschaffen und auf Deranlas- Eßischen Kriegsministeriums im 3it« Cholera-Impfstoff hergestellt.

Die sich steigend bemerkbar machenden Mängel in der Volksernährung führten zur Erweiterung des Agrikultur-chemischen Laboratoriums durch bee hessischen Staat, ferner wurden nahezu 20 000 Quadratmeter Universitätsgelände, das als zukünf« tige Bauplätze ausersehen war, bet landwirtschafb lichen Nutzung zugeführt.

Es wäre noch eine große Reihe von Maßnah j men zu nennen, in denen Wissenschaft und For- I schung der alma mater Ludoviciana den neuer I Problemen, die der große Krieg 1914 so über- MM rasch end stellte, Rechnung zu tragen versuchtem w Wenn wir heute im Zeitalter der großen Or«rw «M" ® sationen, wie sie uns im Dierjahresplan, im Luft- Me' schütz, in der NS.-Dolkswohlfahrt, in der NS.« Wnt6 Kriegsopferversorgung und allerwärts begegnen schon gewissermaßen Selbstverständlichkeiten zr sehen gewohnt sind, so kann man doch nicht Der« hehlen, daß Ursymptome solcher Bestrebungen be- ! Ln'e|0| reits im Kriege 1914/18 als notwendig für da« ' Volksganze und das Durchhalten erkannt wurden und daß die deutsche Wissenschaft an der Anregunx und Fortentwicklung dieser Ziele einen entfd)erben.« den Anteil hatte und noch besitzt. Dr.F.

Jeder Haushaltungsvorstand muß beachten, daß jetzt wesentlich früher verdunkelt werden muß als Anfang oder Mitte September.Lieber zu ftüh als zu spat!" muß die Parole sein.

Die Ladenbesitzer müssen soweit es noch nicht geschehen ist jetzt für die Schaffung von Licht­schleusen sorgen. Wer noch immer nicht weiß, wie er es machen soll, lasse sich vom Reichsluftschutzbund beraten. Es wird Zeit! Versäumnisse werden nicht geduldet!

Aulrechterhaltung von Versicherungen.

FWD. Im Zusammenhang mit den Kriegsereig­nissen haben in den Grenzgebieten wohnende Volks­genossen ihren Wohnsitz gewechselt. Die Aufrech- erhaltung insbosendere der für sie lausenden Lebens­und Krankenversicherungen ist von größter Bedeu­tung. Es kann diesen Volksgenossen nur dringend empfohlen werden, ihre neue Anschrift ihrer Versiche­rungsgesellschaft mitzuteilen, damit ihre Versiche­rungen vor dem Verfall bewahrt bleiben. Ange­hörige von im Felde Stehenden sowie Volksgenossen, die durch die Kriegsereignisse betroffen sind, tun gut,

sich mit ihren Versicherungsgesellschaften in Verbin­dung zu setzen, damit alles geschehen kann, um die Versicherten vor Verlust zu bewahren.

Gießener Konzertverein.

Vom Gießener Konzertverein wird uns ge­schrieben:

Auch in diesem Winter wird der Gießener Kon- zertverein seine Konzerte durchführen, in ber lieber- zeugung, durch die Veranstaltung musikalischer Feierstunden zur Stärkung der inneren Front bei­zutragen. Die Spielzeit wird am 26. Oktober mit dem ersten Orchesterkonzert unseres Städtischen Orchesters unter Leitung von Professor Temes- vary eröffnet werden. Solist dieses Konzertes ist Helmut Rolofs, der hochbegabte, aus Gießen gebürtige junge Pianist, der bereits einige bedeu­tende Erfolge in Berlin zu verizeichnen hat. Drei weitere Orchesterkonzerte werden folgen, in deren Leitung sich die Herren Temesväry und Paul Walter teilen werden. Für die Solistenkonzerte sind ganz hervorragende Kräfte verpstichtet worden: Poldi Mildner wird einen Klavierabend geben.

Meinetwegen."

Im Grunde genommen ist es ja eine tolle Sache mit hem Bild, was ich Ihnen offeriere. Es hängt in dem Spital da, verwahrlost, unbeachtet, und kein Mensch hat eine Ahnung. Es soll früher mal in der Klosterkirche gewesen sein. Weiß der Teufel, wie so was überhaupt nach Eschelbrunn kommt. Und jetzt spitzen Sie die Ohren, werter Herr, es ist ein Lukas Cranach! Ein echter. Dafür leg' ich meine Hand ins Feuer. Klingt verrückt, was?" murmelt Parsunke gedämpft.

Wieso wollen Sie das wissen? Sind Sie Maker, Herr, oder Kunsthändler oder was sonst? Was Sie mir da erzählen, ist ein wenig unwahrscheinlich; das müssen Sie doch selbst zugeben."

Ich bin Kunsthistoriker und ein bißchen Alter­tumskenner. Habe studiert. Nach meinem Aeußeren dürfen Sie mich ja nun gerade nicht beurteilen. Hab' Pech gehabt, kann vorkommen, nicht? Wenn ich Geld hätte, würde ich das Geschäft selbst machen, da können Sie Gift drauf nehmen."

Und wieso verfallen Sie ausgerechnet auf mich?" fragte Leinfelder noch immer argwöhnisch.

Kunststück. Sie verkehren doch so quasi hier im im Haufe, und Ihr Name ist mir nicht ganz un­bekannt."

Sie raten mir also, wenn ich Sie recht verstehe, dieses BW zu kaufen?" Leinfelder ist jetzt voll­kommen Geschäftmann.

Klar."

Und wem gehört das Bild?"

Dem Krankenhaus oder, was dasselbe bedeutet, Doktor Severin."

Und was verlangt er für das Bild?"

Da bin ich überfragt. Da er keine Ahnung von dem wahren Wert hat, kriegen Sie es jedenfalls um ein Butterbrot."

Kann man es einmal betrachten?"

Gewiß. Kommen Sie nur. Ich kenne mich hier aus, bin selbst Patient gewesen."

Parsunke, mit den Räumlichkeiten bestens ver­traut, führt Leinfelder in den kleinen Saal, der den Nonnen früher als Refektorium diente. Eine Schwester begegnet ihnen, und Parsunke macht ihr vor, er wolle dem Herrn nur mal die Aussicht geigen. Dann zieht er die Tür hinter sich zu und Deutet voll Entdeckerstolz auf seinen Fund.

Was sagen Sie nun? Die Beleuchtung ist ja schlecht, aber man erkennt auch so, was das für eine wunderbare Arbeit ist. Ich bin direkt ver­schossen in das Bild. Diese Augen! Haben Sie so- was von Ausdruck und Leben jemals gesehen? Ver­stehen Sie überhaupt etwas von dem älteren Cra­nach?"

Nicht viel, zugestanden."

Dieser Hintergrund ist typisch für Cranach. Fer­ner die Art, das Haar zu malen, die Hauttönung, die Farbentechnik; jede Einzelheit spricht für die Pinselführung des Meisters. Signum ist leider feines da; aber das ist nebensächlich. Ein späterer Patzer hat es vermutlich übermalt. Seien Sie froh, sonst würden Sie jetzt das Bild kaum erstehen kön­nen. Verlassen Sie sich Darauf, es ist ein Cra­nach. Tot umfallen will ich, wenn ich mich irre."

Und es ist verkäuflich?"

Warum nicht. Sie müssen es nur vernünftig anpacken. Ich will Besenstiele frühstücken, wenn dieser Doktor Severin kein Geld braucht. Fährt ein Arzt, 3>em es gut geht, in einem solchen Rumpel­kasten von Auto? Auf Parsunkes Scharfsinn können Sie sich verlassen, Herr Leinfelder."

Wieviel soll ich bieten?"

Etliche Hunderter werden genügen. Das ist das beste Geschäft, das Ihnen je untergekommen ist, Herr Leinfelder. Erinnern Sie sich an Parsunke."

Und was ist mit Ihrer Provision?"

Das hat Zeit, das überlasse ich Ihrer Generosi­tät. Das erledigen sie erst, wenn Sie den großen Schnitt gemacht haben. Kann man kulanter sein?"

Ich kaufe, schön, ich kaufe, überlegt der Architekt schnell. Wenn der Kerl sich täuscht, sind ein paar Hunderter hin, das ist nicht das Schlimmste. Und wenn er recht hat, ist es ein Bombengeschäft.

Wie man sich ba nur besinnen kann", nörgelt Parsunke geringschätzig.Ich gebe Ihnen eine tod­sichere Chance und sie besinnen sich! Meinetwegen, es sind schon mehr Chancen verpaßt worden." Er wird ärgerlich über soviel Vorsicht und Wenn und Aber.

Beruhigen Sie sich nur. Ich kaufe ja. lieber- legen wird man doch dürfen, nicht? Warum wen­den Sie sich eigentlich nicht an den Doktor selbst?"

An den? Wo er mich gestern rausgefeuert hat! Den will ich doch gerade reinleaen und ihm die Dame ausführen", grinste Parsunke höhnisch. Da sehe ich ihn übrigens in seinem Kompressor ankutschieren! Warten Sie, ich schleise 'Ihnen den Mann heran." Parsunke geht und überfällt den aussteigenden Dr. Severin mit seinem Gruß.

Sie sind noch hier, Parsunke?"

Will eben weg Soll nur ausrichten, daß drin­nen ein Herr Leinfelder Sie sprechen möchte. Viel, leicht haben je 'nen Momang Zeit?"

Severin nickt und folgt Dem voranschreitenden Parsunke ins Refektorium. Er begrüßte den Archi­tekten:

Behalten Sie doch Platz, Herr Leinfelder. Was wünschen Sie zu wissen?" Dieses Thema macht ihm

Gertrud Pitzinger, die beste deutsche Lieder«

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bei Grippe, Katarrh, Nervenschmerzen

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Abgabe von Zubehörteilen für Kraftfahrzeuge.

Wie das Wehrkreiskommando IX in einer amt­lichen Bekanntmachung in unsere heutigen Ausgabs

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Spaß. Der andere scheint nach Nicht zu wissen, daß es bei ihnen zur Entscheidung gekommen ist. Seve­rin hat svgar ein gewisses Wohlwollen für den Architekten, der sich Marias so uneigennützig angr» nommen hat, und verzeiht ihm die verschiedenen Vorstöße gegen sein ärztliches Ehrgefühl.

Nein, es ist nicht wegen Fräulein Fabri. De» geht es ja überraschend gut", erwidert der Architekt! mit leiser Ironie, die für Severin Nicht durchschau­bar ist. Dabei betrachtet er sich genau den Maniu der ihm Ri-a weggenommen hat. Ein harmloski Bursche eigentlich bis auf seinen Unsehlbarkeitr" simmel. Was Ria an dem findet? Die Frauen wer­den immer merkwürdiger. Haß auf den? Aber kein« Spur, gar nicht! Den hat Ma verdreht gemacht nicht er sie. Der Herr ist unbedeutend und ihin gleichgültig. Nun das Geschäft.Sie haben da ein Bild, das mich interessiert, würde fein in mein Herrenzimmer passen. Wollen Sie es mir verkau­fen? Ich finde, das hängt hier nur so herum mD kommt nicht zur Geltung. Ich habe zu Hause an der einen Wand noch einen leeren Fleck, den damit ausfüllen möchte. Den Rahmen müßte man allerdings erneuern; der ist ein bißchen schäbig! Wie stellen Sie sich zu meinem Vorschlag?"

Was wollen Sie denn geben?"

Hm. Das Ding ist ja ganz hübsch. Ein wenig verräuchert. Sagen wir fünfhundert Mark", er­widert Leinfelder leichthin. s

Fünfhundert Mark", meint Dr. Severin zögen«'. Diel Geld, denkt er, für so altes Zeug. Und be­trachtet fein Eigentum, diese Frau mit den schrä­gen Augen, zum ersten Male genauer. Er hat fi<Ö all die Jahre nicht um das Gemälde gekümmert; warum denn auch? Man hätte es stehlen fonneti, und es wäre ihm nicht aufgefaöen. Und jetzt will ber fünfhundert Mark geben?

Leinfelder deutet das Zaudern falsch und fafl® rasch, eine Spur zu rasch:Es ist mir auch hundert wert, wenn Sie es anders nicht geben.

Parsunke im Hintergrund ringt die Hände übell diesen takttschen Fehler. Es war ein Fehler. Den" Severin, der an dem ersten Angebot noch schlug sieht sich neuerdings von einem zweiten, noch höhe­ren bedrängt, wird stutzig und rechnet ganz richd^ wenn der Mann so im Handumdrehen um Hunder» hi nauf geht, muß das Bild für ihn von beachtlich^ Interesse jein. Vielleicht zahlt er auch noch rnehl- Fräulein Ferbers Geldpredigten sind nicht umsonst gewesen. Severin will gerade Tausend fugen, was ihm bereits wucherisch und ungehönA erscheint, da fällt ihm Friedrich ein, und er krähtt

Fünfzehnhundert!" Heller Wahnsinn.

(Fortsetzung folgt.)

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Jüngerin, ist für einen Liederabend gewonnen wor­den, das Quartette bi Roma'wird sich wie- der hören lassen, und mit dem Auftreten von Ilsi Bernatz wird dem vielfachen Wunsch, auch ein­mal das Cello zu Wort kommen zu lassen, Rech­nung getragen. Die Künstlerin wird sich in diesem Abend mit dem in Gießen bestens bekanntem Pianisten Dr. Georg Kuhlmann teilen. Das Chorkonzert unter Leitung von Professor Temes- v a r y bringt basDeutsche Requiem" von Brahms.