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'r. 62 Erstes Blatt

Dienstag, 14. Mrz 1939

189. Jahrgang

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Metzener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

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! Mutiger Tschechenterror bringt Deutschtum in höchste Gefahr.

b Tschechische Bombenanschläge auf deutsche Gebäude in Preßburg. Brutale Schreckensherrschaft in deutscher Vottstums- insel.Höchste Spannung in der slowakischen Landeshauptstadt. - Die Prager Kommunisten rüsten zum Sturz der Regierung

Nichts dazu gelernt.

Wenn der Erfahrungssatz, daß nach einer schwere» Krankheit ein Rückfall schlimmer ist als die Krank­heit selbst, auch für die politischen Erkrankungen eines Staatswesens gilt, dann scheint die Tschechei einer besonders ernsten Rückfallkrise entgegen­zugehen. Nicht oiel mehr als fünf Monate nach dem Münchener Abkommen bietet die Slowakei unter tschechischem Terror das Bild eines im Kriege be­setzten feindlichen Landes, anstatt eines autonomen Staates. Der Vollständigkeit halber muß man noch hinzufügen, daß auch die Autonomie des dritten Teilstaates, der Karpatho-Ukraine, bis jetzt zum größeren Teil noch auf dem Papier steht.

Das Münchener Abkommen mußte für die Tsche­chei eine doppelte Bedeutung haben. Erstens wurde dort die tschechische Katastrophenpolitik des Systems Benesch, die zu der Krise Europas oom Mai bis Oktober 1938 geführt hatte, auch durch diejenigen beiden Mächte faktisch aufs schärfste oerurteilt, die bis dahin der Venefch-Tfchechei zum mindesten sehr wohlwollend- gegenübergestanden hatten, nämlich durch England und Frankreich. Diese beiden Staaten bekundeten durch die Unterzeichnung des Münchener Abkommens, daß ohne die Abtrennung des sudeten­deutschen Landes die Tschechei ein Gefahrenherd schlimmster Art für Europa geblieben wäre. Dieses Urtell stellte logischerweise zugleich eine Warnung dar. Zweitens aber barg das Münchener Abkommen außer einer Verurteilung, einer Warnung und einer Lehre auch die Möglichkeit für die Tschechei, nun­mehr an den Aufbau eines geordneten Staatswesens heranzugehen.

Es soll nicht verkannt werden, daß es zuerst so schien, als wenn die neuen verantwortlichen Män­ner in Prag sich dieser gewiß lohnenden Aufgabe mit dem ausreichenden Verantwortungsbewußtsein widmen wollten, und es soll auch nicht verkannt werden, daß sicher auch jetzt mancher weiterblickende Politiker m Prag der leichtfertigen Heraufbeschwö­rung einer neuen schweren Krise ablehnend gegen­übersteht. Aber die Umwelt hat sich nun einmal an die Tatsachen zu halten, die von den Prager- Machthabern jetzt unter blutigen Zwischenfällen und Verfassungsverletzungen in der Slowakei geschaffen, zum mindesten aber wohlwollend geduldet wurden. Und diese Tatsachen tragen alle Merkmale des alten Benesch-Kurses in einer Aus­prägung, als habe es Urteil, Warnung und Lehre von München nie gegeben.

Angesichts der Tatsache, daß Benesch und sein

Grenzübertritt auf ausdrücklichen Befehl des Preß­burger Polizeipräsidenten verweigert mit dem Bedeuten, daß Cernak Preßburg überhaupt nicht mehr verlassen dürfe.

Or. Tiso wieder in preßburg.

Preßburg, 14. März. (DRV. Funkspruch.) Dr. T1 fo ist Dienstagmorgen in preßburg eingeiroffen und hat sich in das Regierungsgebäude begeben, wo Besprechungen stattfinden. Der £ an b - t a g tritt nach den bisherigen Dispositionen u m 10 Ahr vormittags zusammen. Zuerst spricht Sidor, der eine ganz kurze Erklärung geben wird, und dann wird noch Dr. Tiso sprechen.

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der dort lebenden Deutschen geht in schärfstem Maße weiter. Die Nervosität wächst von

TVr hpr Tlckecken gegen die autonomen Rechte der Slowakei und die Volkstumsrechte .

StÜnd-^ Stund- Unser- Aufnahmen aus Preßburg zeigen (links, die Hochspannung der Beaolkerung m Preßburg d.e sich ,hr Recht auf Autonomie nutzt nehmen lassen will. Recht,, ö 3 ' ' Berittene tschechische Polizei, die dir demonstrierende Bevölkerung rücksichtslos ausemandertrelbt. (S.cherl-Blldcrdlenst-M.)

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die Rufe ausbrachNieder mit Sidor",Weg

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Tschechische Provokateure.

streßburg, 14. März. (DNB.) Die slowakische Landeshauptstadt stand am Montagnachmittag wei- iej im Zeichen stärkster Spannung. Die Nervosität irj der Bevölkerung steigerte sich, als in Gruppen vchi Zivilisten tschechische Staatspolizei us d Gendarmen erkannt wurden, die bestrebt tülren, die Bevölkerung zu provozieren. Sie gehö­re zu jenen 1300 tschechischen Gendarmen und Po- lijften, die von Prag nach Preßburg gesandt, vor Mi Togen eingekleidet und zum Straßendienst ge­gen die Bevölkerung eingesetzt worden waren und siä nun wieder in Zivil in der Stadt herum- trlben. Schon am Nachmittag war es zu Ausein­andrsetzungen gekommen, als diese tschechische Pro- oirateurc an den ausgehängten Hakenkreuzfahnen

Deutschen Partei Anstoß nahmen. Auch bas in Aeßburg garnisonierte tschechische Militär, djr in den letzten Tagen Ausgehverbot hatte, zeigte sst wieder auf der Straße. Während bisher die tstechische Staatsfahne völlig aus dem Straßen- bb verschwunden war, wurden nun wieder von dL tschechischen Polizei demonstrativ die Prager Serben gehißt, was bei der slowakischen Bevölke- rung lebhaften Unwillen auslöste.

31Ht Bajonetten und Tränenaas Segen die Freiheitskundgebung, tine große Freiheitskundgebung der Slowaken aiti Montagabend auf dem Theaterplatz wurde von iw Polizei mit brutaler Gewalt behin - djrt. Polizei mit Stahlhelmen ging mit gefäll­ten Bajonetten und T r ä n e n g a s b o m ° bjem gegen die Massen vor und suchte die ungeheuer eurgte Menge auseinanderzutreiben. Schließlich sprach Mach vom Balkon des HotelsCarlton". aV. er die Menge zur Ruhe aufforderte, ritt Poli- eine brutale Attacke gegen die Menge. Schüsse ! ri d)t e n , ein ungeheures Durcheinander herrschte. Bk Polizei ging mit aufgepflanztem Seitengewehr gefen die Menge vor. Als die Menge sich dadurch löd) nicht vom Platz verdrängen ließ und ständig

Dor Prag",Hoch Tuka",Hoch Mach" warfen die sitizisten Tränengasbomben in die Menge. Tptzdem flutete die Menge aber doch wieder auf i)er Theaterplatz zurück. Machtlos gegenüber dem Wurm der zu allem entschlossenen Menschenmenge, mußte sich die Polizei schließlich in ihre Unterkünfte MÜckziehen. Dann erst konnte Mach seine ange- kmdigte Rede halten, in der er sagte, baß b i e Fie ih e i t des slowakischen Volkes Ito n in dieser Stunde gesichert sei.Wir los.'n uns von den Tschechen nichts mehr gefallen. Bi haben hier nichts mehr zu suchen. Wir wün­schen ihnen viel Glück auf dem weiteren Weg.

Tschechen

sprengen deutsche Häuser.

Brand in der antibolschewistischen Schau

kurz nach Beendigung der großen Freiheits- ftmigebung wurde preßburg durch drei ge­waltige Detonationen erschüttert, die in

weitestem Umkreis zu hören waren und größte Be­unruhigung unter der ohnehin schon stark empörten Bevölkerung hervorriefen. Wie sich herausstellte, waren die Tschechen darangegangen, mehrere große Gebäude in die Luft zu spren­gen, darunter auch zwei deutsche Fabriken in der Nähe des Rathauses und in der Nähe des Brückenkopfes, preßburg scheint sich im Höch st en Alarmzustand zu befinden. Um 23 Uhr Härte mau von Engerau aus noch immer Waschinengewehrfeuer und weitere kleine Detonationen. Die tschechische Polizei sperrte die Stätte der Sprengstoffanschläge ab, um so die Spuren dieser irrsinnigen tschechischen Verbrechen zu verwischen.

Wie noch in später Nachtstunde sestgestellt werden konnte, wurden insgesamt drei Bomben geworfen, die größten Sachschaden anrichteten, die erste vor dem Rathaus, die anderen vor der reichs­deutschen Schuhcremsabrik Erdal und der Eisen-

warensirma k o b u r g. Bei dem Bombenanschlag aus das Rathaus gab es zwei Todesopfer. Die erste Explosion ereignete sich in einem Hause gegenüber dem Brückenkopf von Engerau. Sie konnte vom rechten Donauufer aus gut beobachtet werden. Aus einem Haufe schoß eine ungeheure Stickslamme empor, die von einem donnerähnlichen knall begleitet war. Bei dem Bom­benanschlag auf das Erdalunternehmen stürzte der Fabrikschornstein ein. Es konnte festgestellt werden, daß der Anschlag höchstwahr­scheinlich von vier Personen ausgeführt worden ist, die kurz vorher am Tatort gesehen worden waren. Es handelt sich dabei um tsche­chische Gendarmen, lieber die anderen Bom­benanschläge liegen Einzelheiten noch nicht vor. Es ist nur bekannt geworden, daß in der an ti­bolschewistischen Schau ein Brand gelegt wurde.

Auch Volksdeutsche unter den Opfern?

Oie a'ten Scrbünöcfen der Benesch-Zeit haben sich gefunden.

Berlin, 14. Wärz. (DNB. Funkspruch.) Zu den tschechischen Bombenanschlägen in preßburg schreibt derVölkische Beobachter" u. a.: Die Tatsache, daß die Wut der tschechischen Terro­risten sich besonders gegen deutsches (Eigen­tum und gegen d ie Antikomintern- Ausstellung richtete, die dem Weltbolschewis­mus vor den Augen der Slowaken die Waske vom Gesicht reihen sollte, zeigt deutlich, was gespielt wird: die alten Verbündeten haben sich wieder gefunden, und der Benesch-Geist ist mit seinen bewährten Fachleuten aus Moskau an der Arbeit.

Daß aber diese Anschläge nicht ohne Kennt­nis der tschechischen Behörden, etwa gar von selbständig arbeitenden kommunistischen Dynamiteros, durchgeführt wurden, beweist die selbst für die tschechische Polizei zu schnelle Absper­rung aller Straßen, die zu den Explosions­herden und Brandstätten führen. Die Absperrungs­mannschaften waren bereits zur Stelle, als die Explosionen kaum verrauscht waren. Auch die Angehörigen der an den gefährdeten Orten ar­beitenden Deutschen wurden zurückgehalten, wo­bei sich furchtbare Szenen abspielten, denn die Tschechen transportierten bald darauf sechs Tote aus den zerstörten Fabri­ken, wobei sie sich weigerten, sie identifizieren zu lassen ober ihre Hamen bekannt zu geben. Da sich zweifellos noch weitere Opfer unter den Trümmern befinden, wird die Zahl der neuen Opfer der tschechischen Kolonialmethoden bei weitem größer fein.

Man muh leider fürchten, daß nunmehr auch die ersten Volksdentschen in der Slowa­kei ihr Leben für die Freiheit ihrer Heimat dahin-

geben mußten, nicht als Kämpfer, die einem ehrlichen Feinde gegenüberstehen, sondern a l s Schlachtopfer eines hinterhältigen Gegners, der sich gewissenlos auch des Meuchel­mordes bedient, um feine provokatorischen Absichten zu erfüllen.

Mnisterpräsidenl Dr. Tiso vom Führer empfangen.

Berlin, 13. März. (DNB.) Montag, 16.40 Uhr, traf der slowakische Ministerpräsident Dr. Tiso im Flugzeug in der Reichs Hauptstadt ein. Er befand sich in Begleitung des slowakischen Ministers Dur­ra n s k y. Der Chef des Protokolls, von Doern- berg, hatte sich zur Begrüßung auf dem Flughafen Tempelhof eingefunden. Ministerpräsident Dr. Tiso begab sich sofort vom Flughafen in das Aus­wärtige Amt, wo er mit dem Reichsminister des Auswärtigen, von Ribbentrop, eine Be­sprechung hatte. Der Führer empfing dann in Gegenwart des Reichsministers des Auswärtigen den Ministerpräsidenten Dr. Tiso und Minister Dr. Durransky in der neuen Reichskanzlei zu einer Aussprache über die schwebenden Fragen.

Minister Cernak an der Steife nach Berlin behindert.

Preßburg, 13. März. (DNB.) Auf Grund eines einstimmigen Beschlusses des Präsidiums der Hlinka-Partei sollte der ehemalige Schulminister Cernak der an ihn ergangenen Einladung in die Reichshaupt st adt zum Führer Folge I e i st e n. Als sich Cernak über die Donau- brücke nach Engerau begeben wollte, um von dort die Reise nach Berlin anzutteten, wurde ihm der