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Nr. 38 Zweites Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)
Dienstag, l^.ZebruarMY
SPITZENLEISTUNG
OPEL
Aus der Stadt Gießen
Krau Cilli und die Kaschingskrapfen.
uns gern von dem romantischen Zauber gefangen nehmen lassen, der von einer Spieluhr ausgeht, die etwa noch auf Großmutters Kommode die Zeit anzeigt. Allerdings muffen wir schon über Zeit verfügen, um ein versonnenes Stündchen bei der Spieluhr zu verbringen. Offen gestanden: es kommt selten vor. Aber gerade, weil wir eigentlich nie recht Zeit haben, spielen wir unser Spiel mit der Uhr. Es ist ein höchst merkwürdiges Spiel.
Abends beim Zubettgehen beginnt es. „Wie geht der Wecker?" ist die immer wiederkehrende Frage. Der Wecker ist ein verläßlicher Zeitmesser. Er geht gewöhnlich richtig. Also wird er vorgestellt. Mal zehn Minuten, mal zwanzig Minuten, je nachdem. Die Absicht ist sonnenklar: der Wecker soll so tun, als sei die Zeit schon weiter vorgeschritten. Ein kleiner Betrug sozusagen, ein Spielchen mit verstohlenem Augenzwinkern. Mit dem Bewußtsein, der eilenden Zeit ein Schnippchen zu schlagen, legt man sich frohgemut ins Bett...
Man muß sich, wie in den Referaten beim Presse- Empfang in der Kongreßhalle bemerkt wurde, in der Tat wundern, daß gerade in /unserem „Zeit- olter des Verkehrs" das eben in großen Zügen umschriebene und aufgegliederte Sachgebiet noch nie zuvor zum Thema einer internationalen Ausstellung gewählt worden ist. Hier will die ILA. in einem umfassenden Ueberblick und im internationalen Austausch Stand und Aufgaben des Lerkehrswesens der Gegenwart darstellen und darüber hinaus die Probleme zukünftiger Berkehrsgeftaltung aufzeigen. Dies soll geschehen in einer Fachausstellung, welche Öen Gefahren einer in Thema und Ziel verschwommenen Weltausstellung bewußt aus dem Wege geht Lor allem aber soll hier am Rhein kein Museum errichtet, sondern es soll aus der Praxis und den Notwendigkeiten der Zeit, aus dem Leben für das Leben ausgestellt und gearbeitet werden. — Ein vorzügliches und beherzigenswertes Programm.
Einen Begriff von den äußeren Mitteln und Ausmaßen, mit denen man in Köln das Projekt in Angriff genommen hat, mögen einige nüchterne Zahlen und Daten geben. Das Gelände, das für die Ausstellung zur Verfügung steht, hat einen Gesamtumfang von über einer Million Quadratmeter, entspricht also etwa den räumlichen Ausmaßen der Pariser Weltausstellung 1937. Der Bau einer Drahtseilbahn -über den Rhein ist geplant. Durch die unmittelbaren Anschlüsse der Reichsbahngeleise, der Zubringerstraßen der Reichsautobahn, durch Straßenbahnen und Omnibusse wird das Ausstellungsgelände in den lebendig pulsierenden allgemeinen Verkehr einbezogen. Eine Ausstellungsbahn erstreckt sich über 8 Kilometer Schienenweg, ein neuartiges Laufband wird über die Ausstellungsbrücke führen. Die große Fahrzeughalle in moderner Holzkonstruktion wird 22 000 'Quadratmeter bedecken und flächenmäßig um 4000 Quadratmeter größer fein als die Bahnhofshalle des Kölner Hauptbahnhofs. Für die Fahrzeuge werden elf Hallengeleise mit 2200 Meter Gleislänge zur Ver- ügung stehen. Insgesamt wird die Ausstellung
4,5 Kilometer Rheinfront in Anspruch nehmen. 40 bis 50 Ausstellungshallen werden verfügbar fein. Umfang der Erdbewegungen: 100 000 Kubikmeter.— Dies find etliche Zahlen, mit denen hier gearbeitet werden soll.
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Gegen Abend fand dann in den überaus schönen Räumen des Kölner Rathauses (es ist wahrhaftig die „gute Stube" der Hansestadt) ein Presse-Emp-1
ner Pfannkuchen in bezug auf Wohlgeschmack gleichwertig da.
Neben den Krapfen spielen als Fastnachtsgebäck die Brezel eine große Rolle im Dolksbrauch, namentlich in Süddeutschland. In den kleinen Orten
uhren find längst aus der Mode gekommen; sie klimpern ihre feinen Weisen höchstens noch dort, wo sie als väterlicher Hausrat übernommen wurden. Und doch läßt sich nicht bestreiten, daß wir
geschmack vom Kölner Karneval, der sich stürmisch seinem Höhepunkt nähert. Am Abend des Haupt- tages verstärkten sich die Eindrücke noch in einer äußerst angeregten Herrensißung „Presse und Verkehr", wo die „I V^-Melodie 1940" mit Gesang und Tanz intoniert wurde und später auch der Prinz Karneval mit dem Kölner Bauern, der Jungfrau, dem Gefolge und der Prinzengarde, mit witzigen Büttenrednern und Sängern das Feld behauptete. —
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Es darf zum Schluß festgestellt werden, daß dis organisatorische Durchführung des umfangreichen Programms wie am Schnürchen lief und einen ausgezeichneten Eindruck hinterließ
Dr. Hans Thyriot.
Das Haus der Deutschen Reichsbahn auf der Internationalen Verkehrs-Ausstellung Köln 1940 (Architekt: Jüsgen. — Photo: Reichsbahndirektion Köln.)
Königlicher Wappenspruch.
Von Loses Martin Bauer.
NSG. Der Reichsnährstand hat an verschiedene Dichter eine Umfrage gerichtet, die sich mit der geistigen Ueberwindung der Landflucht befaßt. Wir bringen aus der Reihe der Beiträge deutscher Bauerndichter zur Landflucht heute eine Aeußerung von Josef Martin Bauer. Bauer gehört zu den Dichtern der jungen Generation, die im Bauerntum leben und aus der Verbundenheit mit dem bäuerlichen Menschen die Kraft zu ihren Werken schöpfen.
Als wir noch junge Leute waren und die Dorfschule besuchten, die uns nicht in allen Dingen ein vollkommenes Wissen mitgab ins Leben, stellte der Lehrer alle Jahre einmal — es mag so um diese Zeit des Jahres gewesen sein — die Frage an uns, Was wir werden wollten. Und wenn er so einen mach dem anderen vom letzten Jahrgang aufrief, Dann kam auf die Frage so ziemlich bei jedem die gleiche Antwort: „Ich dien'".
Vielleicht verstünde heute mancher nicht mehr, was Dieses „Ich dien'" bedeutet. Damals aber war es selbstverständlich, daß jeder junge Mensch aus dem Dorfe dem Dorf treu blieb und fein Leben nach der Schule mit diesem „Ich dien'" begann. Es war ein einziger Weg überhaupt von der Schule ins Leben ßu gehen. Ein kleines Beginnen war es freilich, aber es war das Beginnen jeden Lebens, und weil uns dies so selbstverständlich erschien, verstanden wir Nen Lehrer nicht, der dieses vielleicht zwanzigmal gesprochene Wort „Ich dien'" aufgriff und uns eine Stunde lang vom wahren Königtum erzählte.
Daß ein Königsgeschlecht sich diesen Spruch ins Wappen geschrieben haben sollte, erschien uns als 'Zrahlerei eines Herrschenden, der gur nicht wußte, «äs das Dienen war. Und es hat lange, sehr lange gedauert, bis wir jungen Menschen, die nach der Schule fast ausnahmslos zum bäuerlichen Dienen iestimmt waren, den königlichen Wappenspruch canz verstanden, bis wir begriffen, daß der Weg jum Herrschen nur über das Dienen führen konnte, ter Weg zum eigenen Bauerntum nur über das Dienen des Knechts und der Aufstieg zum eigenen königlichen Besitz nur über jene stolze Dienstbarkeit.
Genau so wie jeder junge Mensch in den zwanziger Jahren seinen Soldatendienst abzudienen hatte, jenau so hatte jeder zwischen Schule und Militär.
zeit seinen bäuerlichen Dienst zu tun. Es konnte keiner ein Bauer werden, ohne gedient zu haben, es gab keinen Maurer, keinen Zimmerer, keinen bäuerlichen Handwerker, der nicht vor der Lehrzeit das Dienen gelernt hätte. Es ist keinem jungen Menschen verwunderlich erschienen, daß man es f° hielt, denn so ging eben der Weg ins Leben, und einmal kam doch für jeden die Zeit, daß er den Sinn jenes königlichen Wappenspruches verstand.
Wenn heute unser alter Dorfschullehrer wieder vor die Klasse träte, um zu fragen, was ein jeder werden will, dann würden sich nur wenige Finger strecken: „Ich dien'". Die Welt hat Kartenhäuser um öie Jugend aufgebaut, in denen man nicht mehr dient, wie auf dem Bauernhof. Man verdient sogleich, wenn man die Schule hinter sich hat, und wer nicht mehr zu dienen braucht, der glaubt schon Herr zu sein. „Verdienen" aber ist ein übles Wort, Uhd wenn man es zerlegt in feine Teile, kommt ein wunderliches Stück grausamer Wahrheit heraus. Das Dienen wurde zum Ver-Dienen, und das kleine Stückchen Wort davor schafft eine völlig andere Begriffswelt, in der man das Dienen entwertet, ohne aber nach wirklichem Herrschen zu streben, weil nur das Dienen einmal zum Herrschen führen kann und das Verdienen die Verewigung des Knechtseins mit sich bringt, das beim Bauernmenschen doch nur ein ehrenhafter Uebergang ist vom Jungsein zum Herr- sein.
Wer einmal dort untergekommen ist, wo man verdient, der wird nie mehr das rechte Verstehen finden für das Dienen und wird nur selten den Weg noch finden, daß er einmal auch Herr sein kann. Der Hof, das Dorf, das Bauerntum darf alle diese Menschen, die statt des Dienens das Verdienen gewählt haben, aus seinem Lebensbestand abschreiben. Sie brauchen nicht verloren zu sein, aber sie sind weg- gegeben an eine andere Welt.
Der Hof, das Dorf und das Bauerntum muß feine Rechnung, die immer vom Dienen des Knechts zum Herrsein des Bauern geht, mit der Jugend neu beginnen. An die Jugend wird die Frage heute wie damals gestellt, und den Stolz der Jugend beschwören wir mit dieser Frage. Unsere Jugend von heute wird stolz genug fein, zwischen Dienen und Verdienen, zwischen Herrsein ober Abhängigsein das Rechte z-u wählen. Es hat das Dienen in der soldatischen Haltung aus jedem jungen Menschen einen Mann gemacht, der Herr geworden ist über seinen Körper. Und es hat das Dienen im ehrenhaften bäuerlichen Knechtfein aus jedem, der die Voraussetzungen in sich mitbrachte, einen Herrschenden gemacht, der auf der Höhe feines Lebens stolz den königlichen Wap- penfpruch über feine Tür schreiben darf: „Ich i d i e n'". . i
Hochschulnachrichten.
Es sind berufen worden: der ordentliche Professor Dr. Rudolf Schoen in Leipzig in gleicher Diensteigenschaft an die Universität Göttingen unter Uebertragung des Lehrstuhls für Innere Me° dlZin, der ordentliche Professor für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften an der Universität Jena Dr. Walter Weddigen in gleicher Diensteingenschaft an die Technische Hochschule in Dresden.
im Allgäu wechseln die Bäcker mit der sog. „Brez- get" ab, d. h. in einem Jahr steht diesem, im andern jenem das alleinige Recht zum Brezelbacken zu. In einer alten Chronik von 1750 heißt es:
„Man hört in Reimen hübsch und fein. Den Sommer und den Winter streiten. Welcher besser sei zu diesen Zeiten.
Auch nimmt jetzt mancher für den G'schlier* Ein' Faschingsbrezen zu dem Bier."
Brezel sind heute noch das übliche Faschingsge- schenk zwischen Burschen und Mädchen im Schwabenland. Jedes Mädchen schenkt am Funkensonntag seinem Bursch den sog. „Funkenring", eine Brezel, deren Größe und Schmackhaftigkeit symbolisch die Gefühle der Geberin ausdrückt. E. S.-H.
* Geschmack.
Verständnis und gleichsam als eine kleine Huldigung an den heiteren Genius loci empfunden.
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3m Anschluß an die Grundsteinlegung fand wenig spater im Kongreß-Hause des Ausstellüngsgeländes ein erster Empfang der Presse statt. Es sprachen hier Beigeordneter Bönner, Köln, Direktor Dr. Compes als Geschäftsführender Leiter der IVA., Reichsbahndirektionspräsident Dr.-Jng. Remy und Reichskommissar Dr. Maiwald. Aus den hier vorgetragenen Referaten formte sich ein plastisches Bild von den Aufgaben und von der inneren wie äußeren Organisation der Ausstellung; wir bemühen uns, in gebotener Kürze einige der wesentlichsten Züge dieses Bildes, soweit sie schlechthin für jedermann wissenswert scheinen, zu umreißen.
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Die Internationale Verkehrsausstellung Köln 1940 hat, so heißt es in der Planung wörtlich, „zum Ziel, die Entwicklung und den Fortschritt der engen Beziehungen zwischen dem Landverkehr, der Binnenschiffahrt und dem Luftverkehr sowie alle für diese Aufgaben verfügbaren Verkehrsmittel zu zeigen und die bisher erreichten Erfolge im Hinblick auf Sicherheit, Schnelligkeit und Bequemlichkeit darzustellen". Man sieht,'das Programm ist so umfassend angelegt, wie man es sich für eine ausstellungstechnische Bewältigung des Themas überhaupt denken kann. Wie dies im einzelnen gedacht ist, mag in groben Umrissen ein Ueberblick über Inhalt und Sachgebiete der zehn großen Abteilungen zeigen, in welche die Ausstellung sich gliedern wird.
Es sollen in diesen Hauptgruppen, die jeweils vielfältig und bis in alle Einzelheiten hinein unter- geteilt sind, dargestellt werden: die allgemeine Bedeutung des Verkehrs; Straße und Straßenverkehr; Nahverkehr; Eifenbahnfernoerkehr; Bin- nenschiffahrts- und Hafenverkehr; Beziehungen zwischen dem Landverkehr und dem Wasser- und Luftverkehr; die Nachrichtenvermittlung; Sozialeinrichtungen, Berufsausbildung, Versicherungswesen; Verkehrswissenschaft, Verkehrsrecht, Verkehr und Presse; Fremdenverkehr, Kongresse, Tagungen, Kunst und Sport. —
Aus dem Wege zur Zniemaiionalen Verkehrs- Ausstellung Köln 1940.
Grundsteinlegung zum Hause derReichsbahn.-Empfang der gwßdeutschen presse.
Eigener Bericht des Gießener Anzeigers.
Zu ordentlichen Professoren wurden ernannte der ao. Professor für Wirtschaftswissenschaften an der Universität Rostock, Dr. Erich Pr elfer, der ao. Professor für Botanik an der Technischen Hochschule Stuttgart, Dr. Heinrich Walter.
Uebertragen wurde dem nb. ao. Professor Dr. Erich Gutenberg unter Ernennung zum außerordentlichen Professor an der Bergakademie Clausthal der Lehrstuhl für Wirtschaftswissenschaften und Volkswirtschaftslehre, dem Dozenten Dr. med. habil. Gottfried Jungmichel unter Ernennung zum außerordentlichen Professor att der Universität Göttingen der Lehrstuhl für Gerichtliche Medizin.
Professor Dr. Hans Mayer, Ordinarius für Volkswirtschaftslehre in Wien, vollendete fein 60. Lebensjahr. Geboren in Wien, begann er feine akademische Laufbahn an der Universität Freiburg (Schweiz), wohin er 1912 berufen war. Zwei Jahre spater ging er als o. Professor an die Deutsche Tech- nische Hochschule Prag, wurde 1921 an die Universität Graz berufen und kehrte 1923 an die Universit« feiner Vaterstadt zurück. Mayer ist korrespondiere», des Mitglied der Akademie der Wissenschaften L, Wien und Mitglied verschiedener in- und ausländl- scher wissenschaftlicher Gesellschaften.
Köln, im Februar 1939.
Im Auftrage des Präsidenten der Internationalen Verkehrs-Ausstellung Köln 1940, Reichsverkehrs- minifters Dr. Dorpmüller, und des Oberbürgermeisters der Hansestadt Köln, Dr. Schmidt, MdR., hatte die Ausstellungsleitung die gesamte großdeutsche Tages- und Fachpresse zu einem Empfang aus Anlaß der feierlichen Grundsteinlegung zum Hause der Reichsbahn ein- geladen. Mit dieser Grundsteinlegung wurde der erste repräsentative Akt innerhalb des riesigen Arbeitsprogramms zur Vorbereitung der Ausstellung in breitester Oeffentlichkeit vollzogen.
Auf dem idealen Ausstellungsgelände des Deutzer Rheinufers, das vor Jahren für die Pressa in großzügiger Form ausgestaltet wurde, fand an einem unfeierlich grauen, wolkenverhangenen und regnerischen Vormittage der kurze Festakt statt. Das Haus der Deutschen Reichsbahn wird im Ausstellungsjahre 1940 einen der Mittelpunkte und Hauptanziehungspunkte der Ausstellung bilden. Die Fahnen des Reiches wehten schwer und feucht im Winde, als sich Presseleute und Festgäste im weiten Hcllb- rv<b um den Grundstein versammelten. Musik aus den „Meistersingern" erklang, ehe der Reichskom- missar Dr. Maiwald zu seiner Ansprache vortrat und die Grüße und Wünsche des Reichsministers für Volksaufklärung und Propaganda überbrachte. Dann sprach Reichsbahndirektionspräsident Dr.-Jng. Remy im Auftrage von Reichsverkehrsminister Dr. D o r p m ü l l e r. Dann ertönten nach alter Weise die Richtsprüche, von den üblichen drei Hammerschlägen auf den Grundstein begleitet. Der Polier in Samtjacke und Zylinderhut eröffnete den Reigen; Zuletzt sprach als der leitende Architekt Oberreichsbahnrat Jüsgen, er schloß seinen Richtspruch mit den launigen Versen:
„Wir Bauleut grüßen diesen Tag, Vollziehen froh den Hammerschlag. Nicht woll'n wir Müh und Kosten schonen, Nun ,seid verschlungen, Millionen!^
Die witzige Wendung nahm der Handlung, die alsbald mit dem Gesang der Nationalhymnen aus- klang, nichts von ihrer Feierlichkeit, sondern wurde von den Festgästen und den Presseleuten mit viel
Die Wiener Küche erhebt den Anspruch, daß eine ihrer Vertreterinnen der Welt das um die Faschingszeit besonders beliebte Krapfengebäck geschenkt habe. Ja, die Chronik ist sogar'imstande, den Namen der erfindungsreichen Frau zu nennen, die erstmals vor 350 Jahren Krapfen herstellte. Es war dies Frau Cäcilie Ärapf, die in einem kleinen Bäckerladen nahe der Michaeler- kirche, zu Fastnacht ein ungefülltes, mit Zimt bestreutes Schmalzgebäck verkaufte, das sie auf ihren eigenen Namen hin „Cilli-Kugeln" nannte. Nun aber kommt die Kulturgeschichte und weist nach, daß die Krapfen viel älteren Ursprungs sind. Schon bei den alten Romern wurde anläßlich der Bacchanalien im Frühling zu Ehren des Gottes Apoll ein Fettgebäck hergestellt, das man als Krapfen in unserem heutigen Sinn ansprechen muß. Nordwärts gewanderte Kolonisten brachten dann später das Gebäckrezept in die Ostmark, wo es bei den verschiedensten Winter- und Vorfrühlingsfesten immer mehr Verbreitung fand. Geschichtliche Berichte aus dem 12. Jahrhundert tun der „Chrapfen", wie die schmackhaften braunen Mehlkugeln genannt wurden, bereits Erwähnung und stellen fest, daß sie damals auch an keiner großen Hochzeitstafel fehlten. In einem alten deutschen Kochbuch aus dem 14. Jahrhundert „Von der guten speys", ist auch das Rezept „zum dachen von Chrapben" enthalten. Die Wienerinnen, für die gute Küche besonders begabt, verstanden es, die Krapfen immer schmackhafter und appetitlicher herzustellen und so dürfte Cäcilie Krapf für iyre „Cilli-Kugeln" wohl alte bewährte Rezepte benutzt haben. Die Tradition der Wiener Krapfen wurde immer glanzvoller, galten sie doch fogar am Wiener Hof als Gewinnstprämien bei' allerlei Fa- schingsscherzen. Die Faschingskrapfen, wie wir sie heute kennen, nämlich mit Marmeladefüllung, find allerdings eine verhältnismäßig junge Erfindung der Wiener Bäckerinnen; erst feit etwa 150 Jahren werden sie in dieser Form hergestellt. Der Ruhm ihrer Erfindung gebührt der Bäckersfrau Kunigunde Reinhartin, die dem Faschingskrapfen erst ' die Vollendung gab. Wie dann das Gebäck nach - Norddeutschland gelangte und hier als „Berliner < Pfannkuchen" Bürgerrecht und Weltberühmtheit < erlangte, ist nicht deutlich nachweisbar. Jedenfalls s stehen heute Wiener Faschingskrapfen' und Berli- ,
fang durch den Oberbürgermeister Dr. Schmidt, MdR., statt, der seinerseits in längeren Darlegungen das Projekt vom Gesichtspunkt des Kölner Stadt« Oberhauptes aus beleuchtete, die Frage nach der grundsätzlichen Berechtigung eines derartigen Aus« stellungsplanes aufwarf und eine positive Beantwortung aus einem weit ausholenden Aufriß bet! geschichtlichen, wirtschaftlichen, kulturellen und kommunalpolitischen Entwicklung seiner Stadt als des wahrhaft ideal gelegenen internationalen Verkehrsknotenpunktes im Westen des Reiches ableitete. Es würde hier zu weit führen, auf die vielfach grundsätzlich interessanten Darlegungen des Stadtober« Hauptes im einzelnen einzugehen; immerhin sei erwähnt, daß die gegenwärtig in einer tiefgreifenden Umschichtung begriffene städtebauliche Neuordnung Kölns, die ja in erster Linie modernen Verkehrsproblemen entsprang, gewissermaßen beispielhaft und praktisch in den Ausstellungsplan einbezogen werden soll. —
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D^em sachlichen Programm des Tages war eine im Sinne des Fremdenverkehrs wie der rheinischen Fröhlichkeit gleicherweise beziehungsvolle, zwanglose Umrahmung gegeben worden. Am Vorabend erhielten die Gäste beim Besuch der Revue „Dat singende, klingende Kölle" einen verlockenden Vor»
Ööief mit der tfbr I, am nächsten Morgen den pflichtschuldigst rafc
V 7 ‘ stlnden Wecker zu verfluchen. Denn er stört den
Mit einer Spieluhr hat das nichts zu tun. Spiel- himmlischen Schlaf. Aber Gott sei Dank, man kann «..v - — • - - sich ja noch mal auf die andere Seite legen. Mal
Zehn Minuten, mal zwanzig Minuten, je nachdem. Doch dann wird endgültig aufgestanden — oder weitergeschlafen. Das Weiterschlafen ist nämlich die Gefahr, gewissermaßen das peinliche Risiko in dem Spiel mit der Uhr, wozu noch das Risiko der Gewöhnung kommt. Denn es ist eine höchst fatale Feststellung, daß man abends vergessen hat, den Wecker vorzustellen. Natürlich deshalb fatal, weil trotzdem das Spiel mit den vermeintlich gewonnenen Minuten gespielt wurde.
Das Spiel mit der Uhr beherrscht auch den Tag. Zunächst ist es die Taschenuhr, deren Zeiger um einiges weitergerückt werden. Hausfrauen stellen die Küchenuhr, Kontoristinnen die Bürouhr vor. Nur die öffentlichen Uhren dürfen nicht mitmachen, sie sind die Außenseiter im Spiel. Namentlich die Bahnhofsuhren und die Uhren der Reichspost.
Das Spiel mit der Uhr ist vergnüglich und manch« mal auch besinnlich. Vor allem dann, wenn man Gelegenheit hat, die zeitlichen Differenzen zu vergleichen. Aber dazu fehlt es gewöhnlich an der Gelegenheit und auch an der Zeit. Denn wenn wir Zeit hätten, wozu brauchten wir dann wohl das Spiel mit der Uhr zu treiben? H. W. Sch.


