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Marktumschau für die Hausfrau.

Nun verändert sich das Marktbild in Obst und Gemüse von Tag zu Tag, meist zur Freude der Hausfrau, die bei jedem Marktgang eine reiche Aus­wahl vorfindet. Schon zeigen sich Erdbeeren und Kirschen, neben den einheimischen auch italienische. Dieses Frühobst wird nun bald in allen Sorten, sauer unb süß, hell und dunkel, auf allen Märk­ten nach dem Käufer rufen. So kommt über Nacht die Zeit der Obstspeisen und -kuchen noch dem etwas kargen Winter. Zucker oibt es in Hülle und Fülle, da kann jede Hausfrau bei dem reichen Obft- fegen wieder an die Auffüllung des eigenen Vor­rates an eingemachten Früchten denken. Die Kon­servenindustrie will zwar auch beliefert sein, dafür sorgen aber bereits die Sammelstellen im Erzeuger­gebiet. Vorerst ist hier der S p a r g e l an der Reihe, dessen Ernte zu beiden Seiten des Rheins recht gut ausfällt, aber auch von allen Seiten begehrt wird, so daß Ueberbelieferungen selbst der nächsten Ge­biete nicht vorkommen. Kopfsalat und Ret­tiche bleiben von jung und alt bevorzugt. Statt Spinat, der bei der sommerlichen Hitze in die

Blüte geht, greift man jetzt zum Frühwirsing und ersten W e i ß k o h l, die auch die Pfälzer und rheinischen Gärtner zu uns bringen. Möhren, Kohlrabi, Gewürze aller Art, auch ^Treib- gurken, bleiben die Spezialitäten der Stadtgärt­ner. Blumenkohl bleibt vorerst noch eine Deli­katesse, zwar mit günstigeren Lieferaussichten als bei Eiern, wo die Hauptlegezeit bereits überschritten und der Markt daher auf die kleinen Inlands- und Auslandslieferungen angewiesen ist.

Don den geringeren Rinderanlieferungen merkt man nicht allzu viel, weil man in der Hitze ohne­dies gerne einmal vom Fleisch läßt, aber bei an­derer Witterung sollte man stattdessen den billigen guten Seefisch nicht ganz vergessen. Beim täglichen Brot sollte aber auch die Hausfrau wissen, daß im Frühjahr recht viel Weizen infolge Auswinterung umgepflügt werden mußte. Nur Roggen hat aus­nahmslos dem harten Frost standgehalten. Also bleibt auch Roggenbrot das tägliche Brot in unserem Vaterlande.

Großkundgebung der NSDAP.

Am Dienstag, 13. Juni, 20.30 Uhr, findet im Lase Leib eine Versammlung der vier Gießener Ortsgruppen der VSDAP. statt. Es spricht der Obertzebietsführer der HI. pg. Friedhelm Kemper, MdR. Jedermann ist herzlich eingeladen!

Die vier Gießener Ortsgruppen der RSDAP.

Ge;. Thomas, Ortsgruppenlelter.

Hitler-Jugend Bann 116.

Fliegergefolgschaft 1/116 Gießen.

Am Sonntag tritt folgende Mannschaft der Ge­folgschaft zum Mannschastsdreikampf beim Bann­sportfest um 7.40 Uhr in Sommeruniform mit vor­schriftsmäßigem Sportzeug auf dem Universitäts­sportplatz an: Scharf. Wendel: Kamf. Stratmann; Rottf. Boll; Jg. Ewald; Jg. Theiß: Jg. Reinhardt: Jg. Schuchhardt; Jg. Mueller-Leutert; Jg. Keil; Jg. Hildebrandt: Jg. Dinges.

Die gemeldeten Einzelwettkämpfer treten um 8.00 Uhr an.

Am Nachmittag tritt die gesamte Gefolgschaft um 16.10 Uhr am Nahrungsberg (Ecke Bergstraße) in Sommeruniform zur Siegerehrung an. Einzelbe­nachrichtigung durch die Kamf. findet nicht statt.

Ohne BOM.-Ausweis keine Paßaus­stellung für Mädel unter 21 Jahren.

NSG. Es besteht Veranlassung, darauf hinzu- weisen, daß Pässe für Auslandsfachrten und -reisen junger Mädel unter 21 Jahren von den Behörden nur bei Vorlage des blauweißen Auslands fahrt­ausweises des BDM. ausgestellt werden bzw. wenn eine schriftliche Bestätigung über die Nichtmitglied­schaft beigebracht wird. Um rechtzeitig in den Be­sitz dieser notwendigen Unterlagen zu gelangen, ist es ratsam, mindestens drei Wochen vor Fahribeyinn die vorgeschriebenen Formulare bei der zuständigen Dienststelle der BDM-Mädel- und Jungmädel Untergau-Dienststellen anzufordern. Die Grenz- und Ausländsabteilung des Obergaues veranlaßt bei der Reichsjugendführung die Ausstellung der Ausweise und stellt sie den Antragstellerinnen auf dem schnellsten Wege .zu. Diesen Bestimmungen sind auch die Nichtmitglieder des BDM. unter­worfen.

WenigerDienst am Kunden".

Ein Appell der DAF. an die Hausfrauen.

FWD. Das Frauenamt der Deutschen Arbeits­front wendet sich mit einem Appell an alle Haus­frauen, die verlangen, daß man ihnen ihre Einkäufe ins Haus bringt. So selbstverständlich die Lieferung schwer zu transportierender Gegenstände ins Haus ist, so heißt es in dem Appell, so unverständlich ist die Forderung, daß kleine Einkäufe, die bequem im Netz mit nach Hause genommen werden können, durch einen Lehrling oder eine Verkaufskraft ge­bracht werden sollen.

Die Arbeitszeit aller Beschäftigten, vom Lehrling bis zum Geschäftsinhaber, ist heute sehr kostbar. Es stehen nicht mehr die Arbeitslosen herum, die durch ein paar Botengänge sich einige Pfennige verdie­nen wollen. Auch die Lehrlinge sollen in der Lehr­zeit sich Betriebskenntnisse aneignen und nicht als Laufjungen angesehen werden: das gleiche gilt vom Verkaufspersonal, das angespannt zu arbeiten hat.

WenigerDienst am Kunden" zu verlangen, wo dieser nicht angebracht ist, ist daher die Forderung, die das Frauenamt der Deutschen Arbeitsfront an die Hausfrauen richtet.

Gießener Blumenschmuck-Wettbewerb 1939.

Auch in diesem Jahre veranstaltet der Fremden- nerkehrsverein Gießen e.D. wieder einen Blumen­schmuckwettbewerb. Aus diesem Grunde ersucht der Verein alle Einwohner der Stadt um Ausschmückung ihrer Fenster, Balkons und Vorgärten mit Blumen.

Das Ersuchen des Vereins richtet sich insbesondere auch an die Einwohner der Innenstadt. Blumen­geschmückte Straßen sind für die Fremdenverkehrs­werbung unerläßlich.

Der Verein stellt für den Wettbewerb zahlreiche erste, zweite und dritte Preise zur Verfügung. Dar­über hinaus gewährt der Verein je einen Ehren­preis für die beste Leistung in jeder Wertungs­gruppe. Die Zuteilung der Preise erfolgt durch die Bewertungskommission. Deren Urteil ist unanfecht­bar: die Inanspruchnahme des Rechtsweges ist aus­geschlossen. Bei gleichen Leistungen entscheidet das Los.

Segelflugzeuglandung im Hohleichgelände.

Am gestrigen Freitag, gegen 13.45 Uhr, konnte man in geringer Höhe über der Lahn ein Segelflug­zeug beobachten, das in ruhigem Fluge in der Rich­tung nach Klein-Linden flog. Nach kurzer Zeit kehrte es jedoch zurück, da der Segelflieger vergeblich ver­sucht hatte, Aufwind zu gewinnen. Er entschloß sich deshalb zur Landung, die, unterhalb des Güterbahn­hofs, glatt gelang. Das Flugzeug vom Typ der Minimoa" war unter der Führung des Fluglehrers A l t m e y e r, Segelflugschule Schüren (Sauerland), um 9.20 Uhr in Oerlinghausen bei Bielefeld mit Hilfe des Motorschlepps gestartet und hatte nach vier Stun­den etwa 160 Kilometer zurückgelegt. Gegen Abend wurde die Maschine wieder abtransportiert.

Hamstern ausnahmsweise erlaubt.

In einer Zeit, in der die Sommersonne am wärmsten strahlt, soll ich Kohlen einkaufen? Diese Frage wird sich manche Hausfrau verständnislos vorlegen. Den Nachdenklichen aber wird bei dieser Mahnung die Situation im letzten Winter ein­fallen. Die unverhoffte Kälte überraschte sie. Die Heizmittel waren nicht in genügendem Maße im Hause und konnten auch nicht immer schnell genug beschafft werden. Der Handel hat auch nur begrenzte Lagermöglichkeit und kann nicht für sämtliche Kun­den genügend Brennstoffe vorrätig halten. Wenn die Hausfrau schon jetzt, also im Juni, aber auch noch im Juli, ihre Kohlen einkauft, trägt sie nicht nur dazu bei, dem Bergbau zu einer gleichmäßigen Beschäftigung zu verhelfen, sondern sie entlastet auch die Reichsbahn und schließlich ihren Kohlenhändler.

Wie schwerwiegend die Produktion durch den Früheinkauf beeinflußt werden kann, wird klar, wenn man bedenkt, daß von der Braunkohle bei­spielsweise zwei Drittel der Gesamtproduktion für den Hausbrand verwendet werden. Wenn nun die Hausfrau bei ihrem Einkauf von Brennstoffen diese volkswirtschaftlichen Notwendigkeiten berück­sichtigt, fällt auch für ihre eigene Wirtschaft, nämlich für ihre Haushaltskasse, eine beachtenswerte Ent­lastung ab.

Die im Sommer gekaufte Kohle ist billiger, und wenn gleich für den ganzen Winter vorgesorgt wird, erhält man außerdem bei größerem Einkauf einen Mengenrabatt. Zwei Vorteile winken hier der Haus­frau, und siq wäre keine gute Rechenkünstlerin, wenn sie diese nicht ausnützen würde. Hinzu kommt noch, daß sich die Lebenshaltung im Sommer sowieso billiger gestaltet, so daß die Belastung durch den Früyeinkauf der Kohle nicht so stark empfunden wird wie in den Wintermonaten, in denen sich oft größere Anschaffungen, besonders bei der Kleidung, nicht vermeiden lassen.

Die aufmerksame Hausftau wird noch aus einem anderen Grunde den Früheinkauf bejahen. Sie hat längst eine Parallele entdeckt, die sie schon als Selbstverständlichkeit durchführt: Das Einkäufen von Obst für den Winter, das Cinmachen von Obst, Gemüse und Marmelade. Auch hier nutzt sie die billigen Sommerpreise aus und schafft Vorräte für den Winter. Viele Hausfrauen meinen, sie könnten bei ihrem beschränkten Wirtschaftsgeld nicht sparen. Wenn sie aber aufmerksam ihre Ausgaben über­wachen und immer dann einkaufen, wenn die Waren am billigsten sind, können sie manch heimlichen Spargroschen auf die Seite legen. Um all dieser Vorteile willen sollte die Hausftau geschwind ein Plätzchen für den Wintervorrat der Kohlen frei machen, die billigen Sommerpreise ausnützen und so wieder einmal helfen, volkswirtschaftliche Not­wendigkeiten durchzusetzen.

Giehener wochenmarktprelse.

* G i e ß e n , 10. Juni. Auf dem heutige,i Wochen­markt kosteten: Markenbutter, % kg 1,60 Mark, Matte 25 bis 50 Pf., Käse, das Stück 4 bis 10, Eier, deutsche, Klasse S 11, Klasse A 10%, Klasse B 10, Klasse C 9%, Klasse D 8%, ausländische 10 bis 10%, junge Hähne, % kg 90 bis 100, Suppenhühner 90, Wirsing, grün 18 bis 20, Weißkraut 15, Gelberüben, neue, Bündel 15 bis 20, Spinat, % kg 18 bis 20, Römischkohl 15 bis 20, Spargel, 1. Sorte 54, 2. Sorte 48, 3. Sorte 40 bis 42, 4. Sorte 20 bis 22, Erbsen 15 bis 20, Tomaten 40 bis 60, Zwiebeln 15' bis 18, Rhabarber 10 bis 16, Kartoffeln, alte 5, 5 kg 45 Pf., 50 kg 3,40 bis 4, Mark, neue, % kg 15 bis 18 Pf., Kirschen 60 bis 80, Stachelbeeren 18 bis 40 Pf., Erd­beeren 1,50 Mark, Blumenkohl, Stück 25 bis 60 Pf., Salat 8 bis 20, Salatgurken 50, Oberkohlrabi 10 bis 20, Lauch 5 bis 10, Rettich, Bündel 10 bis 20, Stück 10 bis 20, Radieschen, Bund 10 Pf.

** Ernennung und Versetzung. Der Militäranwärter Adam Winkler in Gießen wurde zum Amtsgehilfen beim Landrat des Land­kreises Gießen ernannt. Der Verwaltungs- Anwärter Albert B r ü ck e l bei der gleichen Be­hörde wurde zur Abteilung III (Innere Verwaltung) der hessischen Landesregierung versetzt.

** Ein Fünfundsechzigjähriger. Am morgigen Sonntag, 11. Juni, kann der Arbeiter

Wilhelm Brück, Seltersweg 55, seinen 65. Geburts­tag feiern. (Herzlichen Glückwunsch!)

** Umzug des Versicherungsamtes. Die Diensträume des Versicherungsamtes befinden sich ab 13. Juni im HauseAm Nahrungsberg" 37. Wegen des Umzugs ist das Amt am Dienstag, 13. Juni, geschloffen.

Amtsgericht Giehen.

Ph. L. A. in B. erhielt durch Strafbefehl eine Geldstrafe von 120 RM. wegen fahrlässiger Körper­verletzung. Gegen den Strafbefehl legte er Ein­spruch ein.

Der Angeklagte hat am 17. Dezember 1938 am Bahnhof in Großen-Linden Holz verladen und da­bei eine ihm gehörende Zugmaschine zum An- und Abfuhren benutzt. Beim Rückwärtsstoßen fuhr er

FOTO-Arbeiten preiswert 727D FotO-Ruhl, Seltersweg 67 einen seiner Arbeiter an. Dieser fiel zu Boden, wurde von dem einen Hinterrad überfahren und hierbei schwer verletzt. Der Angeklagte wandte ein, er habe sich genügend umgesehen und den Arbeiter nicht wahrgenommen, es sei möglich, daß dieser ganz unverhofft hinter seinen Wagen getreten sei.

Die Beweisaufnahme ergab jedoch die Schuld des Angeklagten, insbesondere wurde festgestellt, daß er sein Augenmerk mehr nach rechts hatte, wo Kinder spielten, und so den Unfall verursachte.

Es blieb bei der im Strafbefehl ausgesprochenen Geldstrafe von 120 RM.

Briefkasten der Redaktion.

(Rechtsgutachten sind ohne Verbindlichkeit der Schriftleitung.)

Ober-Tviddersheim. Für ihre Hofteite rft Grund­steuer, gegebenenfalls Sondergebäudesteuer zu ent­richten. Sind keine weiteren sonstigen Einkünfte vorhanden, so sind Sie zu keiner anderen Steuer heranzuziehen. Eine Bürgerfteuerfteiheit ist wegen des hohen Alters allein nicht gegeben. Im übrigen kann eine erschöpfende Antwort wegen der Unvoll­kommenheit der Angaben nicht erteilt werden., Fragen Sie bei dem zuständigen Finanzamt, also' in Nidda, an.

Rundfunkprogramm

Sonntag, 11. Juni.

6 Uhr: Hafenkonzert. 8.10: Aus Wiesbaden: Wir fingen den Sonntag ein! 8.40: Dichter im Dritten Reich: Bruno Brehm (Nationalpreisträger 1939). 9: Deutsche Meister. 9.30: Im deutschen Märchen­wald. Eigenaufnahmen des Deutschen Rundfunks. 10: Einkehr am Feiertag!Vom Wesen und Sinn der Arbeit." 10.45: Wie schön ist so ein Feiertag! Frohsinn auf Schallplatten. (Jndustrie-Schallplatten und Eigenaufnahmen.) 11.30: Das Tier und wir! Unterhaltsames und Belehrendes aus dem Frank­furter Tiergarten. 12: Mittagskonzert. Es spielt das Musikkorps des Jnf.-Rgts. 119. 13: Das Mikrofon unterwegs. 13.15: Mittagskonzert. Es spielt das kleine Orchester des Reichssenders Wien. Dazwi­schen: Berichte vom Wiener Höhenstraßenrennen. Erster Lauf für die Rennwagen-Bergmeisterschaft. 15:Kaiserin Katharina". Melodien aus der gleich­namigen Operette. 15.15: Volkstum und Heimat: Das kalte Herz. Hörfolge nach einer Schwarzwald­sage. 16: Nachmittagskonzert. Musik zur Unterhal­tung. Einlage 17 bis 17.10: Sportereignisse des Sonntags. 18: Juni-Käfer. Sommerliche Begeben­heiten. 19.30: Sportspiegel des Sonntags: u. a.: Großdeutschlandfahrt Pferderennen zu Frank­furt a. M. 20: Nachrichten. 20.15: Richard-Strauß- Konzert. 22: Nachrichten. 22.15: Sportbericht. 22.30 bis 24: Unterhaltung und Tanz. Ausführung: Das kleine Orchester des Reichssenders Frankfurt.

Hlonfag, 12. Juni:

5 Uhr: Frühmusik. Es spielt das kleine Orchester des Reichssenders Breslau. 5.50: Bauer, merk auf! 6: Morgenspruch Nachrichten. Gymnastik. 6.30: Frühkonzert. Ausführung: Regimentsmusik des

Der Mensch

als Gedankenantenne.

Don Wilhelm von Scholz.

Wohl jedem von uns wird schon einmal der Gedanke aufgestiegen sein, daß wir eigentlich un­unterbrochen von elektrischen Wellen durchzittert sind, die von den Sendetürmen der Erde das Luft­meer um uns erfüllen, durch Mauern und Wände gehen. Mr können sie, wo wir auch immer seien, auffangen, wenn wir nur einen Draht spannen und ein Rundfunkgerät daran anschließen. Aber vor­handen sind diese Ströme voll beschwingter pulsender Kraft doch auch, wenn wir nicht hören: in den Stunden der Ruhe wie der Arbeit des nachdenk­lichen Spaziergangs wie des versenkten Lesens oder Schreibens. Und es sind nicht nur Ströme, die elektrische Kraft, wenngleich in feinster Dosierung, auf uns einfließen läßt, sondern es sind psychisch geladene Ströme mit seelischen Inhalten, die Worte oder Musik in sich tragen.

Was die ungeheure Erzeugung von Elekttizität auf der Erde, schon ehe es einen Rundfunk gab, in den verschiedensten Formen und Stärken als Licht, als Bahn- und sonstiger Arbeitsantrieb, als Telephon und nun auch als Rundfunkstrahlung dazu mit ihren eigenen und ihren Induktiv nssttömen auf den menschlichen Organismus ausübt, das vermag wohl noch niemand abzuschätzen.

Wie aber ist es mit der psychischen Einwirkung all der seelischen Inhalte, der Gedanken, Vorstellun­gen, Wellenregungen, die ständig von den Sendern aus uns einbringen, auch wenn wir sie nicht hören? Ich will zunächst an eine Erscheinung erinnern, die mir viellach ausgefallen ist. Von den umstrittenen übersinnlichen Dingen wird die Fernwirkung, die sogenannteTelepathie", und auch das Hellsehen in die Ferne heute von den Leuten viel rascher an­genommen, geglaubt und unbekämpft gelassen, weil man, wie es fast stets hecht, sie sich jetzt nach der Erfindung und Einführung des Rundfunkseher denken kann"

Man hat am eigenen Apparat ja täglich vor Ohren, was alles auf weiteste Entfernungen und ohne iebe Verbindung durch Drähte mitgeteilt wird: Politische Nachrichten, Reden von (Staatsmännern, Sportereignisse, Börsenberichte Vorträge, Dichter­lesungen, Unterrichtsstunden in Sprachen, Gymnulik und anderen Fächern dazwischen Musik jeder Art vom einfachsten Lied bis zur Symphonie, vom Tango bis zur Sonate. Warum soll nicht ebenso ein Gehirn seinen verborgenen Nervenkräften und -organen einem ihm ähnlichen oder einem ihm durch Sympathie verbundenen anderen Gehirn einen Ge­

danken, einen Einfall senden können? Nicht aus­geschlossen, sagen selbst die Skeptiker.

Aber nun: Was ist mit der Ideen-, Vorstellungs-, Willensmasse, die uns in den Rundfunkwellen un­unterbrochen umgibt? Die uns physisch nicht merk­baren aber uns doch fortwährend durchflutenden Wellen sind erfüllt von all den seelischen Inhalten, die der Rundfunk verbreitet, und jedenfalls nicht versteckter und verbogener, sondern eher offener als im Ferngefühl, in der Telepathie, ein Mensch über tausend Meilen hinweg den anderen Menschen er­reicht.

Muß man nicht fast annehmen, daß. jedem rasch und fein empfindenden Organismus das ihm Ver­wandte aus den taufend unhörbaren (Stimmen des Aethers doch in die Seele bringt unb barin Ge- banken, Vorstellungen, vielleicht selbst Entschlüsse an- regt und zeugt? Wird uns »sicht die Fülle guter unb geringer, boch immer rhythmisch bVroegter Musik, bie uns in ben Aetherwellen ftumfpi um­klingt, unmerklich aber gleichwohl wirksam einen beschwingteninneren Schritt" geben? \

Das rft eine Frage, auf bie noch niemanb\ auf ber Erde eine sichere Antwort weiß, die aber gestellt werden muß, damit sie die Aufmerksamkeit her Forschenden auf sich lenke.

Und eine damit in Zusammenhang stehende Frage wird sich dabei rasch als näherer Untersuchung wert erweisen, die nämlich: ob der Rundfunk, abgesehen- von seiner unmittelbaren Einwirkung in den Emp-' fangsapparaten, auf bie Menschen in der zweiten mittelbaren verborgenen Beeinflussung schon jetzt in der Richtung sich bemerkbar mache, das gegenseitige Sichverstehen ber Menschen unb Völker auf ber Erbe zu förbern: gewiß nicht entfernt etwa: ihre Gegensätze auszulöschen aber einem gefühls­mäßigen Begreifen unb Würbigen dieser Gegensätze den Weg zu bereiten, inbem bie Geister irgendwie voneinander erfüllt werden?

Unter den bedeutenden gelehrten Männern ber vorelektrischen" Zeit hat ber einst berühmte, bewun­derte und umstrittene Arzt Meßmer Heber» Zeugungen ausgesprochen, bie vielleicht einmal bei den hier aufgeworfenen Fragen mitsprechen werben. Ihn beschästtgte nämlich immer der feineFlutstoff", der Aether, ber bie ganze Welt durchdringt und dem er manche Wirkung zuschreibt, bie wir heute bei ben elektrischen Senbewellen vor uns haben. Eine biefer Wirkungen, bie Meßmer im Aether sucht, ist die rasche Verbreitung von Anschauungs-Umschwüngen, geistigen Menden,Moden" im Leben der Mensch- beit, bie schneller, so behauptet er, über unb um die Erbe laufen, als sie (bamafs!) von Munb zu Munb Gegangen sein könnten Es märe wert, sich mit bidsen Fragen einmal im Hinblick auf bie geistig befrachteten Wellen bes Runbfunks zu befassen.

Der Teufel von Brake.

(Sine Anekdote von Anion Barghorn.

Zu den Zeiten der Segelschiffe war in der kleinen Hafenstadt an der Weser Peter Piet als Grobian und wenig umgänglicher Kapitän bei den Seeleuten der ganzen Umgegend bekannt. Niemand musterte gern bei ihm an, und seiner BarkAmanda" fehlte es regelmäßig an Besatzung, unb nur mit Mühe waren bie Leute vom Heuerbas zu Überreben, für bieses Schiff zu mustern. Am wenigsten wollten hie Steuerleute mit ihm bie Schiffsplanken teilen, unb keiner von ihnen hatte es länger bei ihm aus- gehalten als eine Reise. Er war überall alsDübel von Brake" bekannt.

Als roieber einmal bieAmanba" in Cardiff im Hafen lag, ohne Steuermann und mit nur einem kleinen Rest ber Besatzung an Borb, unb die neue Reise von dort aus angetreten werden sollte, suchte der Heuerbas im ganzen Städtchen nach neuen Leuten, die nach England geschickt werden sollten, um auf derAmanda" ihren Dienst für die neue Reife anzutreten. Als er nach vieler Mühe die Mattosen zusammen hatte, fehlte ihm immer noch der Steuermann. Wohl hatten erst vor wenigen Tagen einige junge, Leute auf ber Navigationsschule in Bremen ihr Schifferexamen abgelegt Und so I wünschenswert es für diese war, bald eine Chance ;3U bekommen, sträubten sie sich boch. auf ben Vor­schlag bes Heuerbases einzugehen. Nur einer von sihnen mar bereit, ben Dienst zu übernehmen Es tsvar Jan Wehrmann aus bem nahegelegenen Vege­sack, ein lustiger unb ebenso tüchtiger wie hanbfester Seemann.

&me Reise kann man mit bem Teufel machen, bas ß^t bei ber Seefahrt bisher immer noch ge­golten. bljrb fefbft, wenn es derTeufel von Bräke" ist", antwortete er lachend seinen Freunden, die ihm von feinen* Vorhaben abzuraten versuchten. Also zog Jan Wöhrmann mit dem Trupp neuer Leute los unb begabt sich auf die Reife nach England

Auf bem B^chnhof in Cardiff angekommen, traf er einen alten yrreunb, ben er lange Zeit nicht ge­sehen hatte. Getrost schickte er seine Leute allein an Borb. Sie foßterK bem Kapitän nur bestellen, der Steuermann kämeX bald nach. Darauf setzte Jan Wehrmann sich mit\ feinem Freund zu einem Gläs­chen Bier in die nächste Gaststube.

Nachdem nun Kapitän Piet bie neuen Leute in Empfang genommen) unb biefe ihm bie Botschaft bes Steuermanns auksrichteten, geriet Peter Piet in grimmigen Zorn. So Vviel Unverschämtheit war ihm noch nicht oorgetommÄn. Unb dazu noch von einem neuen Steuermann. $)er würbe ihn noch kennen

lernen.Dem werbe ich den richtigen Empfang be­reiten, damit er gleich weiß, was hier an Bord gespielt wird", dachte er bei sich und mußte nun wohl ober übel selbst bie Aufsicht an Deck führen.

Mit großen Schritten maß er bas Achterbeck und wartete auf seinen Steuermann. Aber erst nach Stunden kam Jan Wehrmann in fröhlicher Stim­mung an Bord. Er erstieg das Achterbeck, lüftete andeutungsweise seinen Hut und meldete sich mit einemGuten Tag" feinem Kapitän. Der hatte ihn wohl kommen sehen, würdigte ihn aber keines Blik« kes. Erst als ber Steuermann sich vernehmlich räusperte unb seinen Namen genannt hatte, brehte Piet sich nach ihm um.

Sie sind wohl ber neue Steuermann, Herr!", redete er ihn, ganz gegen seine sonstige Gewohn­heit, hochdeutsch unb in befonbers freundlichem Tone an. Jan Wehrmann sah wohl bas verräterische Wetterleuchten im Gesicht seines Gegenübers, ließ sich dadurch aber nicht im geringsten aus der Ruhe bringen.

Wissen Sie nicht, wer ich bin?", grollte die Stimme Peter Piets zu ihm herüber. ,Zck denk doch, Se sind de Kaptein von de .Amanda'", er­widerte Jan.Sagen Sie, haben Sie schon mal etwas von bem .Teufel von Brake' gehört?" Der Kapitän sagte es lauernd unb beobachtete Jan.Nee, Kapitän", erroiberte ber,bavon heb ick noch nie wat hört!" Unb er machte ein ganz ehrliches Gesicht. Darob großes Erstaunen beim Kapitän.Na, benn will ick Ihnen bat feggen de Dübel von Brake bat bin ick!"

Die erwartete Wirkung blieb aus. Jan Wehr­mann ftanb ba unb grinste. Peter Piet fühlte eine leise Unsicherbeit in sich hochsteigen. So etwas war ihm noch nicht vorgekommen.

Der Steuermann nutzte die entstandene Verwir- rung.So", meinte er.Se sind be Dübel von Brake, bat ;* ja fein. Weten Se benn ock, wer i ck bin?" Piet war noch immer sprachlos unb verneinte. ,Jck bin nämlich Dübel von Vegesack! 11 n nu freu ick mi, bat be beiben Dübels tohop up een Schipp finb."

Als Kapitän Piet sich von seinem Erstaunen er­holt hatte, brach er in schallenbes Gelächter aus. Er schlug seinem Steuermann die Hand auf bie Schul­ler unb schüttelte bie bargebotene Rechte Und halb banarf) saßen sie in ber Kajüte hinter einer guten Flasche.

$an Wehrmann rft ber erste Steuermann gewesen, ber auch noch eine zweite Reise mit Peter Piet in bestem Einvernehmen machte. Er ist sogar so lange auf berAmanba" an Borb geblieben, bis er selbst ein Schiff als Kapitän bekam.

Der Teufel von Brake" hatte seinen Mann ge»

1 funben.