Nr. 135 Drittes Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)
10./ll.3unil959
Umfangreiche Wohnungsbauien in Gießen
wird auch in alten und hart»
Wachs
nk.
Ischias
näckigen Fällen hervorragend beeinflußt durch Togal.
Dornotizen.
Tageskalender für Samstag.
Die Nachfrage nach diesen Wohnungen ist sehr groß. Bei der Vergebung dieser Wohnungen wird vor allem daraus geächtet, daß die von auswärts kommenden Interessenten, die ihren Arbeitsplatz in Gießen und ihre Familien jetzt noch in einem anderen Orte haben, mit ihrem Wunsche nach Vermietung einer Wohnung gebührend berücksichtigt werden, damit diesen Männern die Möglichkeit geboten ist, mit ihren Familien gemeinsam hier zu wohnen. Aus dieser Regelung ergibt sich von selbst, daß natürlich auch unser heimisches Wirtschasts- leben eine erhebliche Förderung erfährt, die der Geschäftswelt sicherlich nur willkommen ist.
Mit der Fertigstellung dieser umfangreichen Wohnhausbauten ist bis Ende dieses Jahres bzw. zu einem Teil bi«. zum kommenden Frühjahr zu rechnen.
Sinne dieser Richtlinien nicht als Fisch-Gaststätten gelten, es sei denn, daß eine besondere Abtellung vorhanden ist, die einen gaststättenähnlichen Charakter hat und als Fisch-Gaststätte völlig den obigen
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Anforderungen gerecht wird.
Es ist sicher, daß durch den Besuch derartig eingerichteter und geführter Fisch^Gaststätten namentlich die Hausfrauen angeregt werden, dem Fischverzehr erhöhtes Interesse entgegenzubringen und chren Familien künfttg mindestens einmal in der CTT'--t- ein willkommenes Fischgericht vorzusetzen.
Gloria-Palast (Seltersweg): „Umwege Lichtspielhause (Bahnhofstraße):
Fachmännische Fisch-Gaststätten
werden den deutschen Speisezettel bereichern.
zur Verbandstagung.
Tageskalender für Sonntag.
Gloria - Palast (Seltersweg): „Umwege zum Glück". — Lichtspielhaus (Bahnhofstraße): „Marguerite : 3". — Landschaftsbund Volkstum und Hei- mot: 9 Uhr Führung durch die Milchzentrale Grieb. — Deutsche Stenografenschaft: Fahrt nach Schotten zur Verbondstagung.
Jahreshauptversammlung des Gleibergvereins.
Der Gleibergverein vereinigt am Samstag, 17. Juni (16 Uhr), auf der Burg Gleiberg seine Mitglieder zur Jahreshauptversammlung.
Führung durch die Nlilchzentrale Gießen.
Der Landschaftsbund Volkstum und Heimat gibt seinen Mitgliedern Gelegenheit, an) morgigen Sonn- tagvormittäg, 9 Uhr, unter fachmännischer Führung einen modernen Molkereibetrieb kennenzulernen.
Aus der Stadt Gießen.
Glück im kleinen Garten.
Di.e meisten Stadtbewohner stoßen beim Aufstellen ihrer Ahnenliste auf Vorfahren, die einst auf dem Lande lebten, dort als Bauer oder Handwerker ihr Wesen trieben. Das alte bäuerliche Erbe, das .in früheren Jahren verkannt und verspottet wurde, kommt nun plötzlich zu Ehren. Diele sind stolz darauf, daß in ihnen noch altes, unverbrauchtes bäuerliches Blut kreist, und wenn sie hinauswandern in die deutschen Felder und sehen, wie dort geschafft und gearbeitet wird, dann steigt manchmal eine leise Sehnsucht im Herzen der Städter auf, auch wieder einmal einen Spaten oder einen Rechen in die Hand zu nehmen. So ein Stückchen Land zu besitzen und darauf zu graben, zu säen und zu ernten! Uraltes Heimweh nach der Erde!
Es ist rührend zu sehen, mit welcher Liebe und Sorgfalt die kleinen Gärtchen draußen vor der Stadt von Arbeitern, Beamten und Angestellten gepflegt und behütet werden. Wie lange mußte mancher warten, bis er endlich an die Reihe kam
zum Glück". — Lichtspielhause (Bahnhofstraße): „Marguerite : 3". — Verein ehem. 116er Gießen: Im „Auerhahn" Kameradschaftsappell. — Handharmo- n'itaMub Gießen: Ab 21 Uhr „Zum kühlen Grund" in Gießen - Wieseck Handharmonika-Konzert. — Deutsche Stenografenschaft: Fahrt nach Schotten
haben. 1
Zunächst handelt es sich um die Lösung einer i Wohnungsfrage, die gewissermaßen ein doppeltes 1 Gesicht hat: Auf der einen Seite nämlich die Frei- s machung großer Wohnungen, die von den jetzigen ■ Inhabern finanziell und hauswirtschaftlich als eine । nicht mehr tragbare Belastung empfunden werden, : auf der anderen Seite gute Unterbringung dieser ' Wohnungsinhaber — meist alter Ehepaare — in Wohnungen, die in ihrer räumlichen Gliederung und auch in der Mietpreishöhe den Wünschen bzw. Leistungsmöglichkeiten der alten Ehepaare entsprechen. Zur Lösung dieser Aufgabe läßt die Wohnungsbau G. m. b. H. an der Ecke Eichgärtenweg- Wolfstraße auf städtischem Grundbesitz ein großes Doppelhaus mit acht Wohnungen errichten. Jede dieser Wohnungen besteht aus zwei Zimmern und Küche, ferner ausgebauten Dachzimmern. Im Hinblick darauf, daß diese Ehepaare aus ihren bisherigen größeren Wohnungen meist auch entsprechendes Mobiliar besitzen und natürlich an diesem Eigentum hängen, werden zur Unterbringung dieser Möbel die Wohnzimmer ein etwas größeres Ausmaß als sonst üblich erhalten, damit die Unterbringung des Mobiliars in bestmöglichster Weise erfolgen kann. Entsprechend den finanziellen Möglichkeiten dieser Mieter wird sich der monatliche Mietpreis auf die neue Wohnung auf 36 Mark belaufen. Dieser Betrag bedeutet gegenüber der bisherigen Mietpreishöhe, die bei diesen Mietern zwischen 60 bis 80 Mark schwankte, eine erhebliche Entlastung. Zugleich enthält diese Regelung aber auch den weiteren Vorteil, daß die ältere Hausfrau von der Verpflichtung zur Pflege ihrer jetzigen großen Wohnung befreit wird und der kleinere Wohnraum die Kräfte der Frau mehr schont, als die bisherige Wohnung. Nach der anderen Seite hin wird den Interessenten für größere Wohnungen die Möglichkeit geboten, zu annehmbarem Preis eine solche Wohnung zu mieten, was bisher oft nicht oder nur unter mancherlei Schwierigkeiten und mit großen finanziellen Opfern möglich war. Soweit die frei- werdenden größeren Wohnungen aber keinen neuen Interessenten finden, wird geplant, diese Wohnungen im Einverständnis mit dem Hauseigentümer zu teilen und dadurch weiterhin der Nachfrage nach mittlerem Wohnraum entsprechen zu können.
Die jetzigen alten Ehepaare in den größeren Wohnungen sind mit dieser Lösung durch die Wohnungsbau-GmbH. sehr zufrieden, da für diese Ehepaare manche frühere Nebeneinnahme zur Erleichterung der Mietpreiszahlung (durch Zimmervermieten) fortgefallen ist, ferner die Einkommens- verhältnisse sich verringert haben und damit das Gespenst der Sorge in diesen Haushaltungen immer stärker wurde. Nunmehr können diese Ehepaare in ihren neuen Wohnungen, die sie voraussichtlich schon gegen Ende dieses Jahres werden beziehen können, sich wirtschaftlich freier und auch wohnlich zufriedener fühlen können als bisher. Es wird aber auch nunmehr für manche kinderreiche Familie die Möglichkeit gegeben sein, zu annehmbaren Mietpreisverhältnissen räumlich größere Wohnungen beziehen zu können und dadurch zu günstigeren Wohnverhältnissen als bisher zu gelangen.
Der neue Wohnhausbau wird nach einem Entwurf des Architekten Fischer unter dessen Leitung ausgeführt. Das Reich hat durch Bewilligung von Reichsbürgschaft und durch Gewährung von Reichsdarlehen das gemeinnützige Unternehmen stark gefördert, so daß mit dem Bau alsbald be-
Ueberall, wo eine regelmäßige Verpflegung zahlreicher Personen erforderlich ist, hat die Einlegung von schmackhaft zubereiteten Fischgerichten nicht nur den allgemeinen Fischverbrauch wesentlich gefördert, sondern auch viele neue Freunde guter Fischspeisen gewonnen. In ähnlicher Weise haben die im ganzen Reich eingerichteten Fischlehrküchen dazu beigetragen, daß der Fisch den Speisezettel ungezählter deutscher Familien bereichert hat. Noch zu wünschen blieb aber bisher durchweg, daß den ständig ober vorübergehend auf Gaststätten angewiesenen Verbrauchern mit Sicherheit einwandfrei zubereitete Fischgerichte in behaglichen Räumen zur Verfügung standen. Zwar ist anzuerkennen, daß unsere Restaurants und auch wohl andere Speisehäuser im Laufe der letzten Jahre redlich bemüht waren, sich auf die Erfordernisse der Zeit umzustellen. Die gegebene umfassende Regelung ist jedoch erst jetzt zu erwarten, nachdem von der Führung des Gaststätten-- und Beherbergungsgewerbes in Verbindung mit der Hauptoereinigung der deutschen Fischwirtschaft R i ch 11 i n i e n ' f ü r b i e Neuerrichtung, Uebernahme und den Betrieb von F i s ch - G ast st ä 11 e n herausgegeben worden sind.
Bei Neu-Einrichtungen ist danach in jedem Falle zunächst die Bedürfnisftage zu prüfen. Ohne weiter- gehenden Bestimmungen der Ortspolizeibehörden irgendwie vorzugreifen, muß im übrigen der Antragsteller eine ausreichende Tätigkeit in einer ordnungsmäßig geführten Fisch-Gaststätte oder eine vergleichbare Ausbildung nachweisen können. Ferner müssen bei Neuerrichtung und Uebernahme ab sofort, für die weitere Betreibung bereits vorhandener Fisch-Gaststätten aber bis 1. Oktober 1939, eine Reihe von anderen Voraussetzungen erfüttt fein:
Der Bratraum muß nach allen Seiten vom Gast- raum abgetrennt sein. Es bleibt dem Betriebsinhaber überlassen, hierfür einen Glasverschlag zu wählen, etwa in Verbindung mit einem Schaufenster u. dgl., je nach den räumlichen Verhältnissen. Im Bratraum, im Fischzubereitungsraum und in der Küche find die Wände in mindestens 2 Meter Höhe abwaschbar zu halten. Dazu dient ein abwaschbarer Oelanstrich ober eine Plattierung. Mit dem Fischbratofensystem muß eine ordnungsmäßige Dunstabzugsanlage verbunden sein, so daß die Fisch- bratbünfte' nach außen geführt werden und eine Geruchsbelästigung nicht eintreten kann. Zum Braten der Fische ist im abgeteilten Bratraum ein ordnungsgemäßes Fischbratofensystem zu verwenden. Für die Vorräte an Frischfisch und Fischfilet muß eine Kühlvorrichtung vorhanden sein. Lebende Süßwasserfische bedürfen einer Hälterungsanlage. Für die Fischabfälle sind besondere geschlossene Behältnisse außerhalb der Küche und des Gastraums aufzustellen. Küche, Gastraum und Nebenräume find der besonderen Empfindlich-
bauproarammin derSchwarzlach in die Tat umgesetzt, das die Errichtung von 256 Wohnungen vorsieht. Es handelt sich hierbei um die Schaffung von 2-Zimmerwohnungen mit eingerichtetem Bad und ausgebautem Dachzimmer bzw. 3-Zimmerwohnungen mit eingerichtetem Bad, Küche und Gartenanteil. Das Prinzip der 4-Raum-Woh-
nungen wird hier überall durchgeführt. Diese Wohnungen werden in ihrem räumlichen Umfang größer als die vorher in der Schwarzlach geschaffenen Wohnungen, außerdem erhält jede Wohnung ein eingerichtetes BcU>. Diese Vergrößerung des Wohn- raums und die Einrichtung des Bades ist die Gegenleistung für den gegenüber den anderen Wohnungen hier etwas höheren Mietpreis, der sich aber immer noch innerhalb einer Grenze bewegt, die auch für den wirtschaftlich nicht allzu starken Mieter durchaus annehmbar ist.
keit des verabfolgten Nahrungsmittels entsprechend im einwandfrei sauberen Zustand zu halten. Für Personal und Bedienung der Küche und Gäste ist saubere Berufskleidung notwendig. Schaugerichte find vor Verstaubung zu schützen. Schließlich hat die äußere Aufmachung (Fenster, Schilder, Transparente usw.) einer tatsächlichen Werbung für den Fischverbrauch zu entsprechen.
Zu beachten ist, daß Fischfachgeschäfte ober sonstige Labengeschäfte mit einer Fischbrateinrichtung im
Die Gemeinnützige Wohnungsbau G. m. b. H. Gießen als Trägerin und Vollstreckerin ber Wohnungsbaupläne ber Stadtverwaltung wirb in diesen Ta- aern zwei Wohnungsbauprojekte in die Tat um- fetzen lassen, die für die Beschaffung von zweckentsprechendem Wohnraum besondere Bedeutung
und ihm ein Stückchen Pachtland zugewiesen wurde. Es war wohl noch rohes, unbebautes Land, aber ber Spaten und mühevolle Kleinarbeit sorgten dafür, daß auch hier bald Gemüse und Blumen ganz prächtig gediehen. Welche Gefühle beseelten die Besitzer, Pächter und Kleingärtner, als sie zum ersten Mal die ungewohnte Arbeit des Grabens vornahmen!
Müde kehrten sie heim in ihre Wohnung, aber beglückt von dem Gedanken, nun wieder verbunden zu fein mit ber Mutter Erbe. Die Säearbeit liegt nun hinter ihnen. Das Grün zeigt sich. Und bann kommt der Tag, an bem die ersten Radieschen geerntet werden! Auch die Erbsen reifen schnell. Wir können uns gar kein glücklicheres Gericht vorstellen als bas des Kleingärtners, wenn er bann heimkehrt und schon von weitem mit dem Bündel roter Radieschen winkt. Auf bem Markt kann man sie ja kaufen. Aber wieviel Freude macht dieses selbst- gezogene Gemüse! Das ist der Segen ber Arbeit, der Segen der Erde. Er allein bringt Glück und Zufriedenheit.
Die wahre Erholung nach der Berufsarbeit im Büro ober in der Fabrik bleibt immer noch die Natur da draußen. Das zeigen uns diese kleinen Schrebergärtchen, die fast ausnahmslos auch eine Laube Haden. Meistens werden sie von den Besitzern selbst mit den einfachsten Mitteln hergestellt. Ost sehen wir aber auch ganz wunderbare Stübchen mit Tisch und Ruhebank. Und ringsum Blumen über Blumen!
Besonders in den Städten können sich die Kleingärtner nicht genug tun in ihrem Gärtchen. Jede freie Stunde verbringen sie dort. In der Laube steht vielleicht ein Spirituskocher, Wasser ist da, und ein einfaches Abendbrot ist schnell hergestellt. Für die Kinder ist dieser Garten bas reinste Paradies. Wenn im Hochsommer die Beeren reifen, wenn auch die Kinder, die meistens noch ein besonderes Beet haben, beim Pstiücken helfen können, bann herrscht Jubel im ganzen Hause.
Wie oft sitzen die kleinen Gärtner bann abends vor der kleinen Laube, überschauen ihr Tagewerk und freuen sich an bem Wachsen unb Gedeihen der Pflanzen, lleberalt schallt bas Lachen der Kinder. Da und dort sehen wir einen Kinderwagen. Aber auch für die Erwachsenen bedeutet der Garten einen Kraftguell. Immer unb immer wieder lockt er, hinauszukommen in die frische Luft. Arbeit gibt es immer. So wirb uralte Sehnsucht nach der Erde, nach ber alten bäuerlichen Arbeit zur Wirklichkeit. Immer wieder fühlen wir bei dem Werken im Garten den Segen ber Erde. H.
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Rund um Schollen.
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gönnen werden kann.
Im Anschluß an die von der WohnungsbauGmbH. im Verlaufe der letzten Jahre errichteten 360 Wohnungen in’ der Schwarzlach wird in den nächsten Tagen bas neue groß e W o h n u n g s-
Richard Strauß.
Zum 75. Geburtstage am 11. Ium.
„Am 11. Juni 1864 wurde hier Richarb Strauß geboren." So lautet die Inschrift über den Fenstern des ersten Stockwerkes des Hauses Nr. 2 am Altheimereck in München. Der Vater, Franz Sttauß, war königlich bayerischer Kammermusiker ber Hofoper unb Professor ber Münchner Musikschule. Die Mutter aber stammte aus eben diesem Altmünchner Durchhause zwischen der Neu- hauserstraße unb bem Altheimereck, in bem seit Generationen bas altbekannte Pschorr-Bier gebraut wirb. Auch bei ben Pschorrs stand die Musik hoch In Ehren, unb so warb — wie bei Mozart, bei Liszt unb anberen unserer großen deutschen Musiker — auch bei Strauß die Musik schon Lebensinhalt, bevor er noch lesen unb schreiben lernte. Zwar hat Strauß nie ein Konservatorium ober eine Musikakademie besucht, aber vom vierten Jahre an musizierte er, und seine früheste erhaltengebliebene Komposition — ein Weihnachtslieb — entstand im Jahre 1871, während der Achtjährige bereits eine Orchester- komposition, die Ouvertüre zu einem Singspiel „Hochlands Treue", schrieb.
Auf ber künstlerischen Lebensfahrt von Richard Strauß waren es bann zwei alte andere deutsche Kulturzentren, die für sein Werden unb für seine äußeren Erfolge von großer Bedeutung wurden. WÄrend nämlich Richard Strauß zunächst auch bei seinen Münchnern die wohl überall gültige Regel erfahren mußte: „Weil er vom Ort gebürtig wär, meint Ihr, wärs net weit mit ihm her", wurde — eit Ernst von Schuchs Tagen — die Dresdner Oper die traditionelle Uraufführungsbuhne der Straußschen Opernwerke. Daß Wien, die alte Musik- ftabt, den Schöpfer des „R o s e n f a d a I i e r" bald auch äußerlich an sich zu fesseln suchte, geht nicht nur aus seiner Wiener Direktorialzelt an der Hos- oper hervor, sondern kommt auch in der Schenkung eines Stadtpalais an ihn zum Ausdruck. Und noch eine dritte traditionelle Region deutscher Kunst muß im besonderen Hinblick auf Schicksal und Werk von Richard Strauß genannt werden: Thüringern Schon nach ber Enttäuschung seiner erstmaligen Tätigkeit als (dritter) Kapellmeister an ber Münchner Oper hatte Strauß im Lande Thüringen Ermunterung unb freiere Betätigungsmöglichkeit, durch bie Berufung durch Hans von Bülow nach Meiningen, gefunden. Dort auch hatte er zuerst eine innere Beziehung zu der von seinem Vater — dem „Antt-
magnerianer" — schroff abgelehnten Lißt-Wagner- Schule gefunden. Bald war dann mit dem „Macbeth" bie „Hinwendung zur einsätzigen Programmsymphonie manifestiert worben, womit bie stil- bilbenbe Mission des in Liszts Fußtapfen tretenden Pragmatikers ihren Anfang nahm" (Fritz Gysi).
Hatte durch Meiningen Richard Strauß zuerst mit ber „neubeutschen" Musik innere Fühlung gewonnen, von ber her bie weitere Entwicklung seines ganzen Schaffens bestimmt wurde, so ergab sich in Weimar, ber Stabt Liszts (wo man Strauß 1889 die musikalische Leitung des Theaters übertragen hatte) neben einem wesentlichen persönlichen Erlebnis, der Bekanntschaft mit seiner späteren Gattin, ber damals in Weimar engagierten Sängerin Pauline d e A h n a — 1894 bie Möglichkeit der Aufführung seiner ersten Oper, des später feierlich „begrabenen", aber doch als Anfang der Schaffensreihe des Opernkomponisten Sttauß wichttgen „Guntram".
1898 im Herbst schloß Strauß einen Vertrag mit ber Berliner Hofoper ab, unb um diese Zeit begann fein künstlerischer Durchbruch in der Öffentlichkeit. Strauß wurde als Gastdirigent nach Paris, Neu- york, Südamerika unb Italien eingeladen, unb auch ber Kampf um München endete jetzt für ihn mit einem vollen Sieg. Eine enorme Tätigkeit für das deutsche Musikleben füllte bie folgenben Jahrzehnte neben ber Arbeit an seinen Orchesterwerken unb ber ebenso reichen Opernprobuktion von ber „Salome" bis zum „R o s e n k a v a l i e r" aus. Zahlreiche Aemter wurden ihm unterstellt. Erft seit bem sechzigsten Lebensjahr zog er sich allmählich von allen diesen Pflichten zurück, um in ben Bergen seiner Heimat, in Garmisch, sich ganz bem künstlerischen Schaffen zu wibmen. Doch folgt er — burch seine körperliche Rüstigkeit begünstigt — bis in unsere Tage häufig einem Ruf als Gastbirigent bei Neuaufführungen seiner Werke unb erweist sich noch immer als einer ber feinsinnigsten Interpreten der Opern unb ber Symphonien Mozarts. Vorübergehend stand Richard Strauß auch an ber Spitze ber Reichsmusikkammer.
Das so weittäumige Lebensschicksal bes erfolgreichsten unter ben Komponisten hat eine merkwürdige llebereinftimmung mit bem Schicksal seiner künstlerischen Sendung. Auch hier zeigt sich — fo= wohl in ber äußeren Motivwahl seiner symphonischen unb seiner Bühnenwerke wie in der Gleichzeitigkeit unb Vielseitigkeit im Thematischen ein oft erstaunlicher Wechsel. Dem in noch völlig abhängiger Wag- nernachfolge entftanbenen minnesängerlichen „G u n- tram" folgt der Sprung zu den ekstatischen (aus
orientalischem unb äntikischem Milieu geholten) Opern „Salome" (Uraufführung Dresden 1905) unb „Elektr a" (Dresben 1909). Don ba geht es zu ber altwienerischen Rokoko-Komödie für Musik, bem „R o s e n k a v a li e r" (Dresben 1911). Dann wieder ein antikes Thema, wenn auch jetzt in einer zur düster-tragischen „Elektra" geradezu gegensätzlichen Auffassung von der Antike: „Ariadne auf N a x o s". Abermals ein orientalisches Motiv, das Traum- und Märchenspiel der „Frau ohne Schatten". Danach die bajuvarisch-bürgelichbreite „Komödie mit symphonischen Zwischensätzen" „Intermezzo" (Dresden 1924). Nach einem mythologischen Thema „Die ägyptische Helena" kehrt er wieder wie im „Rosenkavalier" stofflich an das Altwiener Milieu zurück, wenn auch bis tief in die Musikalität hinein mit manchem slawischen Vorzeichen: „Arabella". Von den beiden neuesten Werken greift der „Friedenstag" zum ersten Mal ein Thema aus der deutschen Geschichte auf (westfälischer Friedensschluß), um mit der vorläufig letzten Oper „D a p h n e" wiederum in den antiken Mythos einzumünden. Ohne formalisttsches Epigonentum, sondern aus der Freiheit und Ursprünglichkeit seiner eigenen Musikalität setzt Strauß in unserer Epoche die Traditton der deutschen Musik fort.
Rudolf Adrian Dietrich.
Menschen auf dem Meeresgründe.
„Taucher sein ist der schwerste Beruf in der Welt", sagt der ftanzösische Taucher Charles Courouble, der in seinem Leben angeblich sünfzehntausendrnal getaucht hat. «Fein Beruf ist lebensgefährlicher, keiner so von plötzlichen Zufällen abhängig. Es kommt nicht.nur auf Geistesgegenwart und Entschlossenheit an, sondern auch auf eine allen Strapazen gewachsene Gesundheit." 1912 tauchte Cou- rouble zu dem gesunkenen Schiff „Elisabechville" an der westaftikanischen Küste. Als er in der Kapitänskajüte war, kam plötzlich die Seedrift auf, unb bas Wrack schwankte hin unb her. Courouble hatte bie mit Eisen beschlagene Tür zwar sorgfältig festgemacht, boch sie schlug bei einer besonders heftigen Bewegung des Schiffes mit großer Gewalt zu unb — schnitt ihm den Luftschlauch durch. Courouble konnte später kaum noch berichten, welche Gedanken er bei dieser Katastrophe gehabt hat. Fest steht wenigstens, daß sein Kopfhaar beim Abnehmen bes Taucherhelms weiß war. — Die Juni-Folge von „W e st e r m a n n s-M o n a t s h e f t e" bringt einen interessanten Aufsatz „Taucher in Not", in dem von
Schätzen auf dem Meeresgrund, der Ursache der Unterseekrankheit, den Versuchen mit Helium, Opfern eines U-Boot-Unglückes usw. berichtet wird.
Hochschulnachrichten.
Geh. Rat Professor Dr. Rudolf Fick, der ehemalige Ordinarius für Anatomie an der Universität Berlin, ist im 74. Lebensjahre g e st o r b e n. Er gehörte u. a. der Preuß. Akademie der Wissenschaften, der Akademie ber Wissenschaften in Bologna, der Bayr. Akademie ber Wissenschaften unb ber Kgl. Gesellschaft ber Wissenschaften in Upsala an. Sem Hauptarbeitsgebiet war Gelenk- unb Muskelmechanik, worüber er ein breibänbiges Handbuch veröffentlicht hat. Auch mit den Grundlagen der Vererbungslehre hat sich der Gelehrte befchäfttgt, wie aus feinen Werken „Eireifung unb Befruchtung" unb „Dererbungsfragen" hervorgeht.
In ber Festsitzung ber Mathematisch-Naturwissen- schriftlichen Gesellschaft zu Jena aus Anlaß der 150. Wiederkehr von Schillers Antrittsvorlesung wurde dem Professor an der Technischen Hochschule zu D a r m st a d t Dr. Carl Wagner die 1939 ge- stiftete Denkmünze in Anerkennung seiner Leistungen auf dem Gebiet der physikalischen Chemie ver- liehen.
Dem Dozenten Dr. Kurt Stegmann an der Universität Marburg wurde der Auftrag zur vertretungsweisen Wahrnehmung des freien Lehrstuhls für vergleichende Sprachwissenschaft an der Universität Rostock bis 30. September 1939 verlängert. Dr. Stegmann habilitierte sich 1933 in Kiel. Drei Jahre später erhielt er einen Lehrauftrag für Indogermanistik an der Universität Marburg. Im April v. I. wurde ihm die verttetungsweise Wahrnehmung der Professur für Indogermanistik an der Universität Rostock übertragen.
Der Dozent Dr.-Jng. Wilhelm Bader in 8er« l i n wurde unter Ernennung zum ordentlichen Professor auf den Lehrstuhl für Theoretische Elektrotechnik an ber Technischen Hochschule Stuttgart berufen.
Professor Dr. Alfons Schmitt, Ordinäres für Wirtschasts- und Sozialwissenschaften an ber Universität Jena,' wurde zum 1. Oktober d. I. in gleicher Diensteigenschaft an die Universität MÜ n- ft e r berufen.
Dem Chefarzt nb. ao. Professor Dr. Otto Ulbrid) in Essen wurde unter Ernennung zum Ordinarius der Lehrstuhl für Kinderheilkunde an der Universität Rostock übertragen.


