X
5reitag.lv. März 1959
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhesstn)
Nr. 59 Zweites Blatt
Eine der imposanten Kampfmaschinen, wie sie am „Tag der Wehrmacht im FU Gießen zu sehen sein werden. — (Aufnahme: Archiv Fliegerhorst Gießen.)
den 5 Bildaufnahmcn Platz, so daß also der Streifen in seiner Gesamtheit 300 Bildaufnahmen enthalt. Neben dem völlig selbständig laufenden autoinati- schen Bildgerät kommt noch die halbautomatische Haudtamera an Bord, damit auch der Beobachter interessante Wahrnehmungen von seinem Sitz aus im Bild festhalten kann. Für die einwandfreie Ausrüstung des Flugzeugs mit allem zur Bildausnahme erforderlichen Material ist die Bildstelle verantwort- lich. 3m- tadellosen Erfüllung dieser Aufgabe gehört nicht nur gutes Fachwissen, sondern auch ein reiches Maß von'Erfahrungen, da z. B. bei der Auswahl des Filmmaterials sorgsam auf den befohlenen ($k- genstand der Bildaufnahme, auf Lichtverhältnissö, vermutliche Wolkenbildung, Dunst- lind Nebelmög- licht eiten nsw. Bedacht zu nehmen ist, wenn nicht riskiert werden soll, daß der Bildflieger ergebnislos von seinem Flug heimkehrt.
Nach der Rückkehr des Bildflngzeugs werden die Aufnahmeapparate sofort zur Bildstelle gebracht und hier die Filme in der gleichen Weise behandelt, wie es in jedem Photogeschäft geschieht. Der Unterschied ist nur der, daß im Hinblick auf die besondere Zweck- bestinnnung der Aufnahmen auch die entsprechende Auswertung des Filmstreifens erfolgt. Nun werden viele Apparate eingesetzt, um in der Auswcrtungs- gruppe aus den Aufnahmen nach jeder Richtung hin das bestmögliche Ergebnis aus dem Film herauszuholen. Dabei besitzt die Truppe auch allerlei
an den richtigen Ort setzen." Und da meinen wir dann, nun sind wir an der Reihe und dürfen schulmeisterlich mit Federhalter und roter Tinte Fehler anstreichen und Zensuren erteilen. Verstehen wir denn etwas.vom Handwerk, geschweige denn vom Künstler? So steht uns denn recht eigentlich die Rolle der Zaungäste zu: Wir haben es gut, wir müssen die Sache nicht selber machen, wi^ dürfen uns freuen, die Mühe würden wir uns sicherlich verdrießen lassen, wir Marburger nehmen uns um der Malerei willen ja kaum die Mühe, zu einer Ausstellung überhaupt einmal hinzugehen, und daß man auf einer Ausstellung auch die Mühe — d. h. die der Maler — bezahlt machen und mal je nach dem Geldbeutel ein großes Bild oder eine kleine Radierung kaufen kann, das wissen wir schon gar nicht mehr.
Welche Ehrfurcht gebietende Mühe hat ein Röhriger, Geheimrat Bantzer, für sein Werk bereit, um so ein großes schönes Bild wie das des Bauern in der Scheuer zu malen. In verhaltener Würde seines Standes blickt der aus seinem Arbeitsraum heraus, repräsentativ für eine in ihrer Ordnung geschlossene Welt, die aber doch an das bewegte Draußen sich anschließt, das durch eine schmale Lücke an der Rückwand leuchtet. So hat's der alte Meister in Willingshausen studiert, immer wieder zu feinen Beobachtungen die Staffelei dorthin getragen, wo er das Bild so sah. Dem Bilde sieht man's gewiß nicht an, daß sich der alte Herr nur ein ganz klein bißchen Mühe sparen wollte und den großen Korb von rechts in Ockershausen malte, dahin war der Weg mit der Staffelei nicht so weit.
macht", vielen Einwohnern von Gießen und Umgegend gehen, denen sich dann einmal die Pforten des Fliegerhorstes zur Besichtigung öffnen werden. Und so erging es auch den Vertretern der Gießener Presse, die am vorgestrigen Mittwochnachmittag auf Einladung der Kommandantur des Fliegerhorstes einen aufschlußreichen Ruud gang durch unsere Gießener „Stadt der Flieger unternehmen konnten. .
Am Tor bei der Wache werden die Manner der Gießener Presse von einem Offizier des Fliegerhorstes empfangen. Alsbald begeben wir uns auf einer der breiten Straßen hinüber zu d e m Bezirk des Horstes, in dem sich der interessanteste Teil des militärischen Geschehens abwickelt. Hier wird uns Gelegen heit zu einem Einblick in den Fliegerdienst geboten, der uns mit der frohen Gewißheit erfüllt, daß unsere Wehr zur Luft alle Wertschätzung, Bewunderung und rückhaltloses Vertrauen verdient, die ihr allenthalben cntgegengebracht werden.
* x
Von den Fliegern wird als selbstverständlich erwartet, daß sie nicht nur mit der in enschliche n Sicht, sondern auch mit geeigneten I n st r u m.e n- t e n in des Wortes weitester Bedeutung das „A u g e der Führung" sind. Daß dem so ist, können mir auf der ersten Station unseres Rundganges, in der Bildstelle, feststellen. Es würde über den Rahmen dieses Berichts weit hinausgehen, wenn wir
fijor*
Ein Nachmittag bei unseren Stiegern
Oie Gießener presse hält Umschau im Fliegerhorst Gießen.
Täglich sehen und hören wir unsere Gießener Flieger über der Stadt und der Umgegend. Der dröhnende Gesang der Flugzeugmotoren ist uns allen zu einer bekannten Melodie geworden. Trotz dieser Gewohnheit richten wir immer wieder die Blicke hinauf zu den. großen Metallvögeln, die hoch über uns ihre Kurven und Kreise ziehen. Es ist schon o, daß wir alle unseren Fliegern besonderes Interesse entgegenbringen. Denn ihre Waffe und die Eigenart ihres Dienstes haben für uns immer noch den großen Reiz der Neuheit. Ohne unsere 116er oder unsere Artilleristen zurücksetzen zu wollen, bleibt es wohl bis auf weiteres dabei, daß jeder Mann mit besonderer Spannung einem B esuch im Fliegerhorst Gießen entgegensieht. So wird es auch am 12. März, dem „Tag der Wehr-
lch nr
Unter, -ule v e9 nt
na: und i? tiirmt, ■n G Heine 9e dm uistadr
De ronim mir dn
5 Ei k n sahn r Stell, vorstell enteilte cobs.
hier von den vielen technischen Einzelheiten der Bildaufnahme, der Entzerrung von Einzelbildern, der Zusammenfassung zu Raumbildern, der technischen Bereitstellung der verschiedenen Hilfsmittel usw. erzählen wollten. Jedenfalls sieht man hier, daß der Einblick in die Landschaft vom Flugzeug aus in vollkommenster Weise ausgewertet wird.
Unsere Leser mögen uns vorerst zu den Vorberei- tun gen begleiten, die zur Bildstartbereitschaft eines Flugzeugs erforderlich sind. Hierzu muß eine Anzahl von Männern der Bildstelle verantwortungs-- vollsten Dienst leisten, um das Flugzeug cinwand- frei bildklar zu machen. Dazu ist zunächst das auto- matisch arbeitende Bildgerät mit dem Fliegerfilm bis Vi 60 Meter Länge auszurüsten und in das Flugzeug einzufügen. Auf je 1 Meter dieses Films fm-
Aus der Stadt Gießen.
Fröhlicher Frühling.
Nack langen, schweren Wochen sind nun die Fesseln aeivrengt, die Wald und Feld, Stadt und Land umklammerten. Die Kälte weicht, und ein Gruß des iunaen Frühlings fällt in unsere Herzen.
1 Am frühen Morgen schon wird das Vogelgezwitscher lebhafter. Unruhig fliegen die kleinen Tierchen hin und her. Sie haben ja viel früher als die Menschen den Umschwung gemerkt. .
Der Frühling kommt wie der Kömgssohn im „Dornröschen" uni) erweckt alles auS langem, tiefem Schlafe. „ .
Die erste Lerche trillert in der blauen Luft, und von der hohen Tanne am Waldrand flötet die Amsel. Wir sehen den Sänger hoch oben sitzerr. Wie er sich aufplustert, wie er lockt! .
Wir freuen uns über jede Frühlingsstimme. Die kleinen, zarten Meisen Hüpfen auf den Büschen, von Ast zu Ast, von Zweig zu Zweig.Jhr munteres Treiben und ihre Hellen Stimmchen entzücken uns immer wieder. _
Und wie freut sich erst der Buchfink! Sem kurzes Liedchen klingt wie das eines Siegers, laut und herausfordernd, iind zum Schlüsse scheint er zu fragen: Hab ich nicht recht?
Die Schneeglöckchen läuten, an geschützten Abhängen erscheinen die ersten Gänseblümchen, und unter len Hecken, noch ganz im alten Laube versteckt, lugen die Veilchen hervor. Den Wald durchzieht cm Dust vom frischen Saft der Bäume, vom Schwellen und Wachsen in der Erde. Wie stärkt und ermüdet ^Der^Dust' der ersten Blüten kommt zu uns. Ein blumengeschmückter Stab, noch ohne ^ätter: der Seidelbast. Ist das ein köstlicher Geruch! Es lockt manchen, die Blüten abzuschneidcn und mitzunehmen. Aber wir sollen uns an das Pflanzenschutzgebot halten: Seidelbast darf nicht abgeschmtten werden! Er soll stehen bleiben im Wald, er steht unter dem Naturschutzgesetz, er soll aiich weiterhin den Frühlingswanderern Duft spenden und ihnen zuruscn: Der Frühling ist da!
Auch im Bienenhaus regt c8 sich. Summend versuchen die kleinen Tierchen den ersten Flug. Die Sonne meint es auch gar zu gut.
Hochschulnachrichten.
Professor Dr. August Bostroein, Ordinarius für Psychiatrie und Neurologie an der Universität Königsberg, ist in gleicher Diensteigensckast an die Universität Leipzig berufen morden. Bo« stroern ist 1886 in (hießen geboren: er promovierte hier 1910 in seiner Vaterstadt mit einer Arbeit über die Benennung optischer Eindrücke. Nach längerer Assistententätigkeit in Hamburg, Gießen, Rostock, Breslau und Leipzig habilitiekte er sich 1922 in Leipzig. 1932 wurde er als Ordinarius nach Königsberg berufen, wo er bis jetzt tätig war. Seine Hauptarbeitsgebiete find klinische Psychiatrie und Neurologie und gerichtliche Psychiatrie, worüber er eine Reihe von Arbeiten veröffentlicht l)at
Es wurde übertragen: dem nb. ao. Professor Dr. med. habil. Earl Velhagen unter Erneu« nung zum ordentlichen Professor an der Universität Greifswald der Lehrstuhl für Augenheil« künde: dem nb. ao. Professor Dr. Paul Günther unter Ernennung zum ordentlichen Professor an der Universität Berlin der Lehrstuhl für Phy« sikalische Chemie.
Dem Professor Dr. med. Kurt Herzberg wurde unter Ernennung zum Ordinarius mit Wirkung vom 1. November 1938 ab an der Universität Greif s« wald die freie Planstelle eines o. Professors mit der Verpflichtung verliehen, die Hygiene in Vor« lesungen und Ueoungen zu vertreten. Herzberg war früher am Reichs-Gesundheitsamt in Berlin-Dahlem und am Hygienischen Institut der Medizinische^ Akademie in Düsseldorf tätig. Er hat 3aI)Ireld)e Ar« beiten veröffentlicht, die das Gebiet der Seuchen« bekämpfung betreffen.
Wer ahnt etwas davon, mit welch liebevoller Mühe Felix Klip stein die Kupferplatte radiert und ätzt? Jemand machte sich einmal den Spaß und photographierte das Blatt mit dem Hirschkäfer in seinen fortlaufenden Zustandsveränderungen, und siehe da, cs gab 17 verschiedene Fassungen mit kleinen Unterschieden der Zeichnung, die Verschiedenheiten des Drucks noch gar nicht einmal mitgewertet. Man sieht es diesem prächtigen Kerl mit seinen barocken Konturen nicht an, welch bewegte Vergangenheit er hat. Mit dem ruhigen Stolz eines Wap-, pentiers breitet er sich vor der Vogelsberger Landschaft aus. .
Geruhsam und friedlich mag es zugegangen sein, als Herr Giebel im Sommer in der Totenkirche von Treysa malte, die Luft zittert über den Steinen, Stille und Sattheit des Sommertags strömen ms Grün des Gartens, der dem alten Gemäuer so geschwisterlich nah ist. Die Totenkirche von Treysa wird oft beguckt, sicherlich noch öfter photographiert, aber so malerisch muß sie erst vor der zart«
Gigli wird entdeckt.
Es waren die Studenten von Macerata, die den berühmten Tenor Beniamino G i g l i entdeckt haben, d. h. damals, als sie eine kleine Operette aufsührten, suchten und fanden sie in dem jungen Veniamiiw noch eine Mädchenstimme. In dieser Operette kam eine Angelika vor, die kein anständiges Bürger- Mädchen von Macerata singen und spielen wollte, denn sie wurde ent- und verführt. Zum Glück erinnerte sich einer der Studenten, im Kirchenchor zu Recanati eine Stimme gehört zu haben, die wie keine andere geeignet schien, die Angelika zu fingen, und diese Stimme gehörte Gigli. „Es gelang den Studenten", so erzählt Gigli selbst im Marzhest von Velhagen & Klasings Monatsheften, „meine Mutter zu überreden, mich nach Macerata gehen zu lassen. Ich probte von früh bis abends unter den Studenten die Angelika. Ich mußte Mädchenkleider tragen, eine Perücke auf dem Kopfe haben und mir die Lippen rot'malen lassen. Zwischen Re- ennati und Macerata liegen 29 Kilometer — und zwischen der unrühmlichen Tischler«, Schneider« und
Apothekerzeit und meiner Entdeckung als Sänger liegt ein Jahr. Ick) war inzwischen fünfzehn Jahre alt geworden und drauf und dran, Sänger zu werden. Zunächst wäre das musikalische Lustspiel der Stu« deuten beinahe ein Trauerspiel geworden, denn das Publikum verhielt fid) bei der Aufführung hörbar ablehnend. Erst der Gesang der Angelika vermochte die Zuhörer versöhnlicher zu stimmen, obwohl tmrd) ihr Auftreten das Stück nicht gerade sittlicher wurde. Mein Erfolg in Macerata bedeutete eine Wendung in meiner Laufbahn. Nie in alter Gesangslehrer ließ es sich nicht nehmen, meine Eltern aufzusuchen und ihnen klarzumachen, wie notwendig es für meine Zukunft wäre, eine längere Studienzeit in Rom durch- zumachen. .Beniamino hat dock) bewiesen, daß er die Fähigkeiten Hai, ein Sänger zu werden/ 6o dtva sagte er, und meine Eltern sahen das auch ein."
Heffeukuust.
Von Malern und ihren Bildern.
Wieder sind die hessischen Maler ip Marburg zu einem kleinen Fest versammelt, um eines Jahres Arbeit zu feiern, und wie es bei solchen Feiern zu sein pflegt, gedenkt man auch der schon lange Verstorbenen, die mit ihrem Werk noch im Kreise der Lebenden bewahrt sind. Freilich sind die geladenen Gaste die Hauptsache, aber auf den Wirt kommt «s zuerst einmal an. Ein Fest gelingt nur, wenn er die rechten Vorbereitungen traf und alle Verbindlichkeiten unter Gästen beherrscht. Man weiß, es ist keine leichte Aufgabe, ein guter Wirt zu (ein. Ein solcher ist Herr Dr. Kippenberger als Leiter der Ausstellung hessischer Maler, und sogar wir, als die Zaungäste bei dieser Feier, sind ihm dankbar dafür. Wir stehen da in wohleingenchteten Räumen und vor den von Künstlern hier sich selbst überlassenen Bildern, aber was wissen wir denn davon, wieviel dazu gehört, uns Eindruck zu
Die meisten Maler sind der Ansicht, daß sie sur die Malerei und nicht für die Schreiberei da sind. Die Schreiberei hat's außerdem mehr als alles andere auch mit Schererei zu tun, aber ohne das eine sowohl wie das andere im Büro auf sich zu nehmen, sammeln sich die Bilder doch nicht an einem Ort. Wieviel Erfahrung, Geschicklichkeit und Feingefühl gehören dazu, dem eingesandten Material Genugtuung angedeihen zu lassen, Bilder wollen in's rechte Licht gerückt sein — buchstäblich. Ob sie etwas höher oder tiefer hängen, ob sie der Wand steil anliegen oder oben kaum merkbar überneigen, ob sie mit der Wand und ihrer dunklen ober Hellen Tönung Zusammengehen und ob sie zur Nachbarschaft Beziehung haben, ober ob sie besser überhaupt nicht hängen und auf der Tischplatte unter Glas liegen, ob sie Licht von der Seite ober Licht von oben brauchen, ob man zwischen Bilb und Rahmen noch eine kleine Golbleiste schlägt, welche die Far- den besser schließen kann, und ob man em Bild nocheinmal mit Lack und Firnis Überzieht, dies alles zu beraten und auszuprobieren, kostet viel Muhe. Wir stehen da, und es scheint ganz einfach zu sein: Man muß nur jebes Bild richtig am richtigen Ort unterbringen, bann kann die Ausstellung eröffnet werden. m.f.
Und was wissen mir davon, wie ein Vild entsteht? Da sagte mal ein Maler zum andern: „Male- rei ist die einfachste Sache von der Welt man muß sich nur die Mühe nicht verdrießen lassen , und der andere antwortete: „Ja, und das richtige Färblem
lichen Beschaulichkeit des Malers werden. Den Frieden und die Beschaulichkeit einer solchen Stätte mußte in Wahrheit der Maler erst schaffen. Mit der gröbsten Arbeit fing seine Mühe an. Er bat darum, daß die Hitler-Jugend ihre Spiele an einen andern Ort verlegt, und eine Unzahl häßlicher, leerer Konservenbüchsen räumte er fort, bevor er den ersten Stritt) auf die Leinwand setzte. Auch das sieht man dem Bild nicht an.
In Ruhe verweilend mag das junge Paar vorder Staffelei des Malers Lenz gesessen und mit ihm von der Anhöhe über Dorf und Hügelreihen heimatliebenden Blicks geschaut haben. So meinen wir. Aber da stand die Staffelei auf einem Stein- beuch, in dem Sprengungen vorgenommen wurden. Der Sprengmeister hatte sehr genau nach der Vorschrift den Weg rechts unb links vom Steinbruch fteigehaltcn, aber nach einem Maler oben auf bem Steinbruch zu suchen war nicht seine Ausgabe. So wackelten denn plötzlich bic Stasfelei mitsamt bem dazugehörigen Maler unter Donnergepolter hin unb her, als ob schon im. Sommer im Hinterland bes Kreises Biedenkopf einem Maler bic Schrecken bes Erdbebens von Chile bereitet sein sollten. Nicht wahr, dann gleich weiter zu malen, hätten wir uns die Mühe verdrießen lassen!
Aber es sollte uns wirklich ber Mühe wert sein, bic Ausstellung unserer hessischen Maler zu besuchen!
Irmgard Foerster.
Möglichkeiten, um durch eine sorgsam aufgebaute Systematik manche offene Frage der Bildausnahme — es kann z. B. vorkommen, bah der Bildslieger tue Höhe, aus der die Aufnahme gemacht wurde, nicht genau angeben kann — mit Sicherheit zu klaren, und in dem eben erwähnten Beispielsfalle auch bic Flughöhe zu bestimmen, die wiederum mancherler Rückschlüsse hinsichtlich der Bildaufnahme ermöglicht. Oberstes Ziel der gesamten Bildarbeit ist, nach bester Möglichkeit der Führung einwandfreies Material zur Verwertung für bog, Dienst der Truppe, vor allem aber für die Entscheidungen der oberen Führung an die Hand zu gehen. Das gewonnene Bildmaterial wird sorgfältig registriert und unter Einschaltung aller Sicherheitsfaktoren so aufbcwahrt, daß cs jederzeit als gutes Rüstzeug greifbar ist. Die gleiche Verwahrung wird bem Filmmaterial zuteil, da man in ihm stets die Quelle des Bildarchivs besitzt.
Eine große Zahl von Soldaten hat in der Bildstelle täglich eine Fülle von Aiifgaben zu erledigen, die in hohem Maße verantwortungsvoll, zugleich aber auch außerordentlich interessant sind und junge Männer mit.Sinn für Technik und Landschaft sehr zu befriedigen vermögen.
Unser Besichtigungsrundgang führt uns weiter zum Fallschirmdepot. Unseren Frauen unb Mädchen würden vor Staunen unb Freude die Augen übergehen — unb manche Attentatspläne auf den Gelbbeutel bes Mannes ober Vaters würden entstehen —, wenn sie Gelegenheit hätten, diese Menge von feinstem Seibeustoff in Augenschein zu nehmen. Es ist nämlich so: für bic Fallschirme kommt nur bie allerbeste Seide als geeignetes Ma« terial in Betracht. Als Rohstoffquelle ist auf die Kokons ber Seibenraupen hinzuweijen, womit auch bic außerordentliche Wichtigkeit ber immer stärkeren Ausbeynung unserer deutschen Seidenraupenzucht betont sei. Von den Kokons werden nur die besten Teile für bic Fallschirmherstellung verwendet, da für diesen Zweck das Allerbeste gerade gut genug ist. Und wenn man den Stoff in die Hand nimmt, so muß man in der Tat gestehen, daß man hier erst« klassige Seide vor sich hat.
In unserem Gießener Fliegerhorst kann man eine Menge dieser Fallschirme wohlverpackt, aber ständig im Gebrauch sehen. Es ist nämlich Vorschrist, daß jeder Airgehörige der sliegenden Besatzung seinen Fallschirm hat. Das Wort „seinen" ist dahin zu verstehen, daß der Fallschirm vollkommen auf das Gewicht des einzelnen Mannes abgcftcllt ist, da natürlich bei einem großen unb schweren Manne von dem Fallschirm eint ganz andere Last getragen werden muß, als bei einem kleinen unb körperlich leichteren Flieger. Strengste Vorschrift ist, baß fein Mann einen Flug antreten darf, ohne zuvor ordnungsmäßig den Fallschirm Pack umgehangl zu haben. Nach bem Flug ist ber Fallschirm, wenn er nicht benutzt werden muhte, 'N der vorgeschrie- benen Packung sofort wieder inr Fallschirmdepot abzugeben, wo er für den Flieger bis zum nächsten Flug sorgsam aufbewahrt wird. Nach dem Gebrauch bzw. alle vier Wochen kommt jeder Fallschirm in einen säst turmartig gestalteten Trockenraum, wo die langen Bahnen der Seide unb ber Fangleinen getrocknet werden unb zugleich ihre Festigkeit ge« , prüft wirb. 24 Stunben müssen bic Fallschirme hier hängen. Dann werben sie wieder in ber vorgeschrie- , denen Weise sorgfältig in den rucksackartigen Stoff« bchälter gepackt, um der neuen Verwendung juge- . führt zu werden.
Bemerkenswert ist ferner, baß der Fallschirm . 24 Fangleinen hat, bereit jebe einzelne eine Reiß- I festigkeit von 150 Kilogramm besitzt. Bei biefer gro- . ßen Stärke ist es denn auch erklärlich, daß von dem i fachmännisch geschulten Verwalter des Fallschirm«
AmscNicd, Bicncnfummcn und Mückenfchwärmc, sic sind bic Herolde des Frühlings. Das fühlen auch wir Menschen. Wir können uns dem Zauber dieser Frühlingsbotschaft nicht entziehen. Wir sehen alles aus einmal mit anderen Augen. Unser Herz wrrd froh und heiter. Dio Hoffnung auf neue, bessere Tage erfüllt uns.
Mit heiterem Sinn und hellen Augen schaticn wir den singenden Kindern zu, die eben — eine lange Kette bildend — auf der Straße vorüberziehen und dabei das alte vertraute Lied fingen: Jetzt fängt das schöne Frühjahr an... H-
Vornotizen. -
Tageskalender für Freitag.
Stadtthcatcr: 19.30 bis nach 23 Uhr, „Der Rofen- kavalier". — Gloria-Palast (Seltcrswcg): „Der Schritt vom Wege". — Lichtspielhaus (Bahnhofstraße): „Aufruhr in Damaskus". — Oberhessischer Kunstverein: 17 bis 18 Uhr, Ausstellung im Turmhaus am Brand. — BHE.: Monatsversammlung.
Stadttheater Gießen.
Heute abend Wiederholung „Der Rosenkavalier", Komödie für Musik in drei Akten von Richard Strauß. Musikalische Leitung: Paul Walter. Spielleitung: Hans Geißler. Bühnenbilder: Karl Löffler. Die Intendanz madjt darauf aufmerksam, daß diese Vorstellung um 19.30 Uhr beginnt, Ende nach 23 Uhr. Freitag-Miete, 23. Vorstellung.
M S.-ftriegeopferoerforgung, Kameradschaft Gießen.
Am morgigen Samstag, 11. März, findet im Cafe Leib ein Kameradschaftsabend der Kameradschaft Gießen der NSKOV. statt.


