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Mahlzeit erforderlich sind, damit kein Rest bleibt, der zum nochmaligen Genuß von Lorcheln am glei­chen oder folgenden Tage verleitet. Einen etwa ge­sammelten Ueberschuß trockene man scharf, um ihn gelegentlich zum Würz« der Speisen zu verwenden. Getrocknete Lorcheln, wie sie auch im Handel er­hältlich sind, haben ihre Giftigkeit verloren und be­dürfen keiner besonderen Vorbehandlung.

Besichtigung Der Mädelgruppe 1/116

Sießen-Süd.

Die Mädelgruppe 1/116 Gießen-Süd ist aus dem Leistungswettkämpf der Gruppen als untergaubeste hervorgegangen und wurde am Dienstag noch einmal von der Obergauführerin Else Riese besichtigt.

Im Heim war eine Werk-Ausstellung der m den Heimabenden gearbeiteten Sachen aufgebaut. Fer­ner lagen hier die Akten und das Gruppenbuch zur Einsicht offen. Die Gruppenführerin Marianne Eger hatte einen Appell angesetzt. Im Verlauf dieses Appells zeigte die Gruppe Ausschnitte ver­schiedener Arbeitsgebiete. Zuerst kam der Sport in einigen Hebungen am Pferd an die Reihe. Dann wurde Lieder gesungen und das MärchenRumpel­stilzchen" erzählt. Inzwischen waren die Märchen- gesralten fertig gekleidet, und die Aufführung konnte beginnen. Im Anschluß daran folgten mehrere Volkstänze.

Dann richtete die Obergauführerin einige Worte <m die Mädel und gab ihrer Freude darüber Aus­druck, daß die Gruppe, wie im vergangenen Jahr, wieder zur besten des Hntergaues durchgekommen sei. Sport, Lied, Märchenspiel, Volkstanz, Wert­arbeit usw., alles, was sie gesehen, hätten ihr einen aufschlußreichen Ueberblick über den Leistungsstand gegeben. Aus diesem Grunde habe sie die Mädel­gruppe auch in die engere Wahl der obergaubesten miteinbezogen. Die 8 besten Mädelgruppen des Obergaues werden im Juni zu einem zweitägigen Lager zufammengefaßt. Aus diesem Zusammentref­fen soll dann die obergaubeste Mädelgruppe ermit­telt werden. Es heißt also, sich noch einmal beson­ders einzusetzen.

Den Schluß des Appells bildete ein Lied. Die Führerinnen hatten noch eine kurze Besprechung mit der Obergauführerin.

Gießener Lägerabeno.

Der monatliche Jägerabend, der am vergangenen Mittwoch wie üblich im ,Hess. Hof" stattfand, hatte zum Mittelpunkt einen Vortrag des Obersten a. D. Kock überDer brauchbare Jagdhund vor und nach dem Schuß", wobei vor allem der Arbeit nach dem Schuß, bedingt durch die weidmännische Pflicht, Qualen des krankgeschossenen Wildes abzukürzen und wertvolle Teile des Volksoermvgens vor dem Verludern zu schützen, ein besonders großer Raum eingeräumt wurde.

Im Anschluß daran wies Kreisjägermeister R i - colaus auf die unbedingte Notwendigkeit der termingerechten Einreichung der Abschußpläne und Wildstandsnachweisungen hin.

Stabsjägermeister Holzel sprach über die Be­deutung der Polizeiverordnung des Landrates des Landkreises Gießen über den Schutz von Bäumen und Hecken, vom Standpunkte des Jägers aus ge­sehen, und wies die Jägerschaft auf ihre unbedingte Mithilfe bei der Heberwachung der Durchführung hin. Er berichtete ferner über eigene Erfahrungen mit Wildfutterpflanzen und Wildäckern m diesem Winter und betonte den ausgezeichneten Erfolg mit verschiedenen Kohlarten.

Einen größeren Raum nahm auch ein Meinungs­austausch über die Wildverluste ein, die durch die Autobahn verursacht werden. Da sie n- bt nur z. T. ganz erhebliche Eingriffe in die Bei erstellen, vieles Wild nutzlos und qualvoll l i lassen und schließlich auch mit einer Gefahr Fahrzeug und Mensch verbunden sind, scheint es notwendig zu fein, an besonders gefährdeten Stellen nach an­deren Abhilfemaßnahmen zu suchen, als sie bis jetzt vorhanden sind. _________________

Die Berufsschulpflicht

45 bis

Gietzen-Wieieck

Gräf

Wenn Augen versagen Magnus-Brillen tragen!

Salat- 25 Pf.

Vom Stadtschulamt Gießen wird uns folgendes geschrieben:

Der Besuch der Berufsschule ist für das Deutsche Reich einheitlich geregelt durch das Reichsschulpflicht­gesetz vom 6. Juli 1938. Danach dauert die Berufs­schulpflicht drei Jahre, für landwirtschaftliche Berufe zwei Jahre. Lehrlinge sind darüber hin­aus bis zum Ende der Lehrzeit be-

Schüler und Schülerinnen, die mindestens fünf Klassen einer Höheren Schule oder mindestens zwei Klassen einer Berufsfachschule mit Vollunterricht besucht haben, sind nach zehnjährigem Schulbesuch auch an anderen Orten mit verlängerter Schulpflicht vom weiteren Besuch einer Berufsschule befreit, es sei denn, daß sie sich in einem gewerblichen Lehr­oder Anlernverhältnis befinden.

Die Lehrherren, Dienstherren, Führer von Be­trieben oder deren Bevollmächtigte haben den Schul­pflichtigen die zur Erfüllung der Schulpflicht erfor­derliche Zeit zu gewähren und sie zum Besuch der Berufsschule anzuhalten. Wer den Bestimmungen über die Schulpflicht vorsätzlich oder fahrlässig zu­widerhandelt wird mit Geldstrafe bis zu 150 Mark oder mit Haft bestraft, sofern nicht nach anderen Gesetzen eine höhere Strafe bewirkt ist.

Zu Beginn des Schuljahres werden die mit der Heberwachung des Berufsschulbesuchs Beauftragten darauf aufmerksam gemacht, daß Beurlaubungen mit Rücksicht auf einen regelrechten Untern chts- betrieb nur in Ausnahmefällen erfolgen können. Der Urlaub ist dann vorher schriftlich oder fern-

a) eine als ausreichenden Ersatz für den Berufs­schulunterricht anerkannte Fachschule besuchen;

b) mindestens 24 Stunden wöchentlich am Unter­richt einer anderen öffentlichen oder privaten Schule teilnehmen;

c) eine Hochschule besuchen;

d) im Arbeits- ober Wehrdienst stehen.

barber 50 Pf., Höhne 1, Mk., Suppenhühner _ 90 bis 1,, Enten 1,20 Mark, Tauben, das Stuck 50' bis 60 Pf., Kartoffeln, % kg 5 bis 7, 5 kg 45 Pf 50 kg 3,30 bis 3,90 Mark, Saatkartoffeln, frühe, % 'kg 8 bis 10 Pf., späte 6 bis 8, Sellerie 40 bis 50, Blumenkohl, das Stück 40 bis 50, Salat 50, Lauch 5 bis 15, Rettich 10 bis 15 Pf., gurken 1, Mk., Radieschen, Bund 20 bis

rufsschulpflichtig.

Die Berufsschulpflicht ist durch den Besuch der­jenigen Berufsschule zu erfüllen, die von der Schul­aufsichtsbehörde für den Berufsschulpflichtigen vor­geschrieben ist. Maßgebend ist im allgemeinen der Beschäftigungsart, nicht der Heimat­ort. Die Berufsschulen der Stadt Gießen sind von allen in Gießen, Klein-Linden, Wieseck und Heuchel­heim beschäftigten Berufsschulpflichtigen zu besuchen, darüber hinaus von den Jugendlichen anderer Ge­meinden des Kreises Gießen, sofern für deren Bezirk eine fachlich gegliederte Berufsschule nicht eingerichtet ist. Für die'Berufsschüler des Kreises Wetzlar sind besondere Vereinbarungen bezüglich der Einschulung dieser Schüler getroffen worden. Nähere Anweisun­gen ergehen durch den Herrn Landrat des Kreises Wetzlar.

Anmeldepflichtig sind in erster Linie die Ostern 1939 nach achtjährigem Schulbesuch aus der Volks­schule Entlassenen ohne Rücksicht darauf, ob sie eine Lehrstelle haben oder nicht. Der Schulpflicht 'm der oorgeschriebenen Dauer unterliegen auch die Schüler (Zinnen) die eine Höhere Schule oder eine Berufs-, fachschul'e besucht haben. Die Verpflichtung zum Be- mündlich bei dem zuständigen Rektor ober Klassen- such der Berufsschule besteht für alle Jugendlichen, lehrer einzuholen.

so lange sie nicht *

Marktumschau für die Hausfrau

Gestiegene Ansprüche gestiegener Verbrauch.

tung wird weniger Fett verwandt. Es werden fer­ner häufiger Gemüsegerichte oder Süßspeisen ge­gessen. Statt vielen Arten Weizengebäck wird vor allem Roggenbrot gekauft.

Aber die Statistik zeigt doch, daß noch längst nicht jede Hausfrau in dieser Weise wirtschaftet. Etwas gestiegen ist der Verbrauch der heimischen Haferflocken und des Hafermehls, bei Graupen, Grütze und Gerstenmehl ist der Verzehr 1937 zwar etwas höher als 1933, aber niedriger als in den Jahren 1934/36. Der Gemüse- und Obitoerbrauch schwankt immer etwas, je nach dem Ausfall der Ernten. Insgesamt wurden in den letzten Jahren je Vollverbraucher 52 bis 60 Kilogramm Gemüse und 34 bis 42,5 Kilogramm Korn- und Steinobst jährlich verzehrt, die uns überwiegend der heimische Gartenbau liefert.

Die Statistik beweist jedenfalls, daß wir in den letzten Jahren insgesamt nicht weniger Nahrungs­und auch Genußmittel, sondern mehr verbraucht haben. Daß wir es durften, haben wir in erster Linie der heimischen Landwirtschaft zu verdanken. Gleichzeitig zeigen uns diese Zahlen, was uns auch die Erfahrung lehrt, daß teilweise der Verbrauch der Erzeugungssteigerung vorausgeeilt und darum noch eine Aenderung unserer Derbrauchsgewohn­heiten notwendig ist.

Gießener Wochenmorttpreise.

* G i e ß e n, 8. April. Auf dem heutigen Wochen­markt kosteten: Markenbutter, V» kg 1,60 Mark, Matte 25 bis 50 Pf., Käse, das Stück 4 bis 10, deutsche Eier, Klasse S 11, Klasse A M/s Klasse B 10, Klasse C 91 /«, Klasse D 8%, Enteneier 9% bis 10>4, Wirsing, grün, Vi kg 20, Weißkraut 13, Rot­kraut 18, Karotten 10 bis 15, Roterüben 10 bis 15, Spinat 35, Hnterkohlrabi 8 bis 10, Feldsalat 15 bis 18, Tomaten 40 dis 50, Zwiebeln 15 bis 16, Meer­rettich 30 bis 70, Schwarzwurzeln 40 bis 50, Rha-

den größte Hochachtung genießt.

Der Bahnarbeiter Adolf Lotz und Ehefrau Annemarie, geb. Nachtigall, Gießener Straße 154, können am 13. April das Fest der S i l b e r h o ch - zeit feiern. Dem Jubelpaar unseren herzlichen Glückwunsch.

Der Turnverein Wieseck konnte am Donnerstag innerhalb einer Woche die zweite Ehrung für jahre­langen Einsatz eines verdienten Turners vorneh­men. Dem Ehrenmitglied Ludwig Deibel, der über 50 Jahre dem Verein angehört, brachte die

Es kommt dem einzelnen nicht immer zum Be­wußtsein, wenn sich die Ernährungsansprüche ge­steigert haben. Man kauft etwas besonderen Brot­belag, zu einem Gemüse-Kartoffelgericht wird ein Stück Fleisch spendiert, auch Kuchen und verschie­dene nicht unbedingt notwendige Nahrungsmittel werden häufiger als ftüher besorgt, ohne daß man das als Steigerung der Lebenshaltung empfindet. Die Statistik aber, die viele Zahlen sammelt, hat auch diese in zahlreichen Haushaltungen vorhan­dene Entwicklung festgehalten.

Die V e r b r a u ch s st e i g e r u n g seit 1933 ist naturgemäß daher besonders auffällig, weil viele Arbeitslose, die vorher knapp das Notwendigste zum Leben hatten, nun wieder genügend Lebensmittel kaufen können. Also auch wenn eine große Zahl von uns von einigen Lebensrnitteln nicht mehr als vor ein paar Jahren ißt, so liegt doch kein Rechen­fehler vor, wenn die Statistik einen erhöhten Ver­brauch je Kopf feststellt. Es.handelt sich ja nur um eine Durchschnittsrechnung, und verzehren wir selbst nicht mehr von einem Nahrungsmittel, so essen da­für andere vielleicht das Doppelte als früher davon.

Nicht nur der Fleischverbrauch ist in den Jahren 1932 bis 1937 gestiegen, sondern auch der Verbrauch an Butter. Je Vollperson wurden 1932 8,8 Kilo­gramm jährlich, 1937 aber 10,3 Kilogramm ver- braucht; auch Speisetala wurde mehr verbraucht. Besonders stark ist der Verbrauch von Weizenmehl und seinen Erzeugnissen in dieser Zeit gestiegen, und zwar von 51,8 auf 64,6 Kilogramm. Diese Nahrungsmittel können, wie uns heute nicht mehr unbekannt fein dürfte, nicht immer im gewünschten Maße im Inland erzeugt werden, trotzdem ist ihr Bedarf nicht etwa gesunken, sondern sogar noch ge­stiegen., Gewiß, eine große Anzahl Hausfrauen wird schon eine gewisse Umstellung des Küchenzettels vor­genommen haben. Es wird nicht nur Fleisch, son­dern auch Fisch bevorzugt. Bei der Speisenzuberei-

Gesangsabteilung anläßlich seiner goldenen Hoch­zeit ein Ständchen. Dereinsführer D a u p e r t über» brachte dem Jubelpaar die Glückwünsche des Ver­eins und würdigte besonders das Verdienst der alten Turner um die Entwicklung des Vereins.

LPD. Iustizpersonalien aus dem Oberlandesgerichtsbezirk Darmstadt Ernannt wurden: Staatsanwalt Ludwig Rex» roth aus Darmstadt zum Oberlandesgerichtsrak beim Oberlandesgericht Darmstadt, Gerichtsassessor Karl Zahn in Mainz zum Amtsgerichtsrat beim Amtsgericht Friedberg, Gerichtsassessor Walter Ziegler in Groß-Gerau zum Amtsgerichtsrat beim Amtsgericht Lauterbach. Versetzt wurde mit Wirkung ab 1. April 1939 Staatsanwalt Freiherr Burkhardt Schenck zu Schweinsberg in Landau an die Staatsanwaltschaft beim Landgericht Darmstadt.

* * 70 Jahre alt. Der frühere Inhaber der WeinstubeNaafs Häuschen" in der Walltorstraße, Heinrich N a a f, kann am kommenden Montag, 10. April, in bester Rüstigkeit seinen 70. Geburtstag begehen. Der Jubilar, der sich schon lange vor der Machtübernahme der Bewegung des Führers an­schloß, erfreut sich in weiten Bevölkerungskreisen großer Beliebtheit. Auch unfern herzlichen Glück­wunsch zum 70. Geburtstag.

* * Arbeitsjubiläum. In der von Mün- chowschen Unioersitätsdruckerei Otto Kindt G.m. b. H. in Gießen feierte der Schriftsetzer Karl Körber (Gießen-Wieseck) sein 40jähriges Berufsjubiläum. Eine würdige Feier am geschmückten Arbeitsplatz vereinte ihn mit feinen Arbeitskameraden. Betriebs­führer Schmitz, der Beauftragte der DAF., Pg. Stein, und der Betriebsobmann Baues über­mittelten dem Jubilar in kurzen Ansprachen ihre Glückwünsche. Nach dem Gruß an den Führer folgte die Heberreichung verschiedener Geschenke. Die Är- beitskameraden schlossen sich den Glückwünschen an und gaben der Hoffnung auf eine weitere gedeihlich Zusammenarbeit Ausdruck.

* * Sterbefälle in Gießen. In der Zeit vom 15. bis 30. März verstorben: 15. März Heinrich Volz, Schuhmachergeselle, 74 Jahre, Krofdorser Sttaße 21; Eva Joedt, ohne Beruf, 82 Jahre, Diezstraße 7; 16. März Annemarie von Grolman, geb. Schmidthals, ohne Beruf, 75 Jahre, Horst- Wessel-Wall 10; Katharine Eleonore Strauß, geb.

Am 5. April konnte der Maurer Christian von hier auf eine 40jährige Tätigkeit bei dem Bau- aefchäft Georg Becker in Gießen zurückblicken. Während dieser langen Zeit lernte man in Herrn Gräf einen tüchtigen Fachmann kennen, der bei dem Betriebsführer und bei seinen Arbeitskamera-

Nos Möchm fflatit.

Roman von Walther kloepffer.

Copyright bg Carl Duncker Verlag,ÄerlinV^Z5

39. Fortsetzung (Nachdruck verboten.)

Hnd ich war schon am Straucheln, da habe ich die Paula Giesecke näher kennengelernt, und das war mein Glück. Die hat mir den Kopf zurecht­gesetzt und zu mir gesagt, ich soll doch so etwas nicht machen und lieber den Namen opfern als mich zu einer Gesetzwidrigkeit verleiten lassen. Unb da habe ich dem Gaidl erklärt, ich mache nicht mit, und habe ihm gedroht, ich würde Ihnen den ganzen Plan verraten. Unb bann hat mich der andere niebergeschlagen. So war das."

Tinser war jetzt fertig mit seinem Bekenntnis. Heber seine Wangen liefen kleine salzige Bächlein Schweiß. Er lag erschöpft in feinem sauberen wei­ßen Bett unb harrte auf Hegemanns Antwort. Er hatte, obwohl er die Augen geschlossen hielt, bas ganze Zimmer noch sehr beutlich auf seiner Netzhaut, bas Helle Fenster, bas Bild über dem Waschtisch und die massige Gestalt seines Chefs, aus dessen Mund nun bas Urteil kommen würde. Tinser hatte sich nicht leicht zu dieser Selbstent­blößung entschlossen, sondern sie war bas Ergeb­nis vieler oergrübelter Stunben. Denn in einem Menschen, ber haarscharf am Tobe vorüberschreitet, geschehen manche unb seltsame Dinge. Er wird selbstbesinnlich und mürbe, ja er wird sogar be­herzt, wenn ihm eine Frau wie Paula zur Seite steht und seinem schwankenden Willen eine Stütze ist. Er findet dann auch die schweren Worte, sich selbst anzuklagen.

Nun wartete er, denn der Chef ist ein bedäch­tiger Mann in solchen Sachen, aber dieses Warten dünkte ihn beinahe das Aergfte.

Das sind ja nette Geschichten", knurrte Hege- mann endlich und sah durch Tinser hindurch, der erschrocken die Lider aufschlug. Dann nahm er un­willig seinen gestutzten Schnurrbart zwischen die Zähne.

Ich verstehe, daß Sie mir böse sind, Herr Hege­mann; sehr gut verstehe ich das. Aber die Paula meint, mit meinem verdroschenen Schädel da und mit ber vielen Angst vorher hätte ich vieles ge­büßt", murmelte der Kranke schüchtern.

Warum erzählen Sie mir bas alles? Wenn ich recht unterrichtet bin, war Gaibl der einzige Mit­wisser um Ihre Verfehlungen, und der ist ja nun tot! Heh?"

,Zch will ein neues Leben anfangen, Herr Hege- mann, und da muß vorher reiner Tisch gemacht werden. Wir haben das lange besprochen, die Paula und ich. Ich kann doch bei Ihnen nicht weiterarbei­ten, als ob nichts gewesen wäre. Paula hat ihre

zwei Boote losgeschlagen unb ich habe ben Wagen verkauft; für einen bescheibenen Anfang wird es schon reichen. Wir werben schon etwas finden. Wenn Sie mir verzeihen könnten, Herr. Hegemann, wäre halt alles viel leichter."

Wieder eine Pause. Ein bißchen Sonne über­spielte Tinsers faltiges Gesicht, bieses fleischarme beinerhe Gebirge voll Spalten und Einsenkungen. Hegemann erwog Für und Wider mit gekaufter Stirn und sagte schließlich unliebensroürbig:

Sind diese Geschichten jetzt endgültig begraben oder geistern sie noch?"

Begraben, Herr Hegemann, Gaidls Kumpan, ber entflohene Hatschek, weiß nichts von meinen Entgleisungen", entgegnete Tinser bemütig.

Hier bleiben können Sie auf keinen Fall, bas ehen Sie ja selbst ein. Sie würden bie Erinnerun­gen und einen gewissen Druck nie los. Aber wie wäre es mit Helsingfors? Wir wollen bort eine Niederlage errichten. Sprachentalent haben Sie ja. Schwebisch ober Finnisch müßten Sie eben lernen. Wäre eine ganz passenbe Beschäftigung während Ihrer Genesung."

Tinser brachte nichts heraus als:Herr Hege­mann!"

Keine Aufregung, Herr von Tinser. Ich sorge schon bafür, baß Sie bort oben nicht ber Hafer sticht. Sie werben sich bort gefälligst auf ben Hosen- boben setzen und arbeiten. Verstanden? Unb wenn Sie mir Ihre Paula nicht gut behanbeln, fahre ich persönlich hinauf und nehme Sie bei ben Ohren! Unb noch eins! Lassen Sie's mit dieser einen Beichte genug fein; es ist nicht nötig, baß Sie Ihrem Vater denselben Sums erzählen wie mir. Es langt, wenn einer aus ben Wolken fällt. Na schön und gute Besserung!" Hegemann erhob sich, nickte Tinser ernst zu unb ging hinaus.

Drüben in der Villa begegnete er seiner Tochter.

Nun, Papa, wie ist ber erste Ausflug bekom­men?"

Gut, wie du siehst. Aber du gefällst mir nicht, Maxie!"

Ich? Wieso, Paps?"

Das wirst du vermutlich selbst am besten wissen. Schon zwei Wochen merke ich, daß etwas bei dir nicht stimmt. Du läufft herum, wie wenn dir die Hühner das Brot weggenommen hätten. Wo brennt's denn? Kein Vertrauen zu deinem Vater?"

Doch, Papa." Sie zupfte verlegen ein Fäserchen von seinem Aermel.Nur... Es ist so schwer zu sagen."

Ich bin der reinste Beichtvater, dachte Hegemann. Er hatte keine Ahnung, was seiner Tochter fehlte und was nun kommen würde.

Wir wollen ins Rauchzimmer, Kleine!" Er legte feinen Arm um Maries Schulter, verstaute sie in einem bequemen Sessel, hotte seinen besten Damen- likor unb brannte sich eine Gemütlichkeit schasfenbe Zigarre an.So. Ich bin soweit; jetzt kannst bu beginnen. Also was ist los, Pintscherl?"

Nicht so, Paps", flehte Maxie.Es ist eine sehr ernste Sache. Ich liebe Doktor Holl!"

Was nicht gar? Holl?! Hm. Schon länger?"

Seit jener Reise im Frühjahr. Er war damals unser Reiseleiter", gestand sie.

Dann habt ihr mir also in Seesham wüstes Theater vorgespielt?" forschte er mit hochgezogenen Brauen.

Mußten wir doch, Paps. Wir haben uns beide nicht recht getraut", entschuldigte sich Maxie.

Bin ich denn so zum Fürchten? Du, das ist nicht schmeichelhaft."

Nein, Paps. Aber Holl ist doch arm, besaß keine glänzende Stellung und hatte noch nichts geleistet."

Es kann nicht jeder als Geheimrat anfangen. Soviel Einsicht darfst du deinem alten Vater ruhig zutrauen. Uebrigens hat dein Holl ziemlich viel los. Heller Kopf. Leider ist er uns untreu geworden."

Daran bin ich schuld. Wir haben uns gezankt. Er war im Recht, aber damals hatte ich das noch nicht eingesehen. Dann hat er nichts mehr von sich hören lassen"

Gefällt mir von dem Mann, daß er dir nicht nachläuft. Andere wären an feiner Stelle zu Kreuz gekrochen. Weißt schon, warum. Weil die Maxie Hegemann eine sogenannte gute Partie ist."

Ich bin ja noch nicht zu Ende, Papa. Unb schließ­lich hat uns so ein albernes Mißverstänbnis noch vollenbs auseinanbergebracht. Auch meine Schulb. Unb jetzt ist er über alle Berge, schon volle acht Tage roieber so eine Denebigtour und ich habe bas Gefühl, daß er mich überhaupt nicht mehr mag. Denn ich habe ihm ein Telegramm geschickt unb auf bas hat er bis heute mit keiner Zeile geantwortet", erklärte Maxie weinerlich.

Hm. Das scheint ja ein ziemlich verfahrener Karren zu sein", sagte Hegemann teilnahmsvoll.

Unb von Mama weiß ich auch nicht, wie sie sich dazu stellt!"

Wenn es nach ber geht... Aber zu zweit wer­den mir sie schon herumkriegen. Dein Holl mit sei­ner Entdeckung ist schließlich auch nicht ber nächste beste", tröstete er. Kleine Kinber kleine Sorgen, große Kinder große Sorgen, überlegte er.

Was bist bu doch für ein lieber guter Papa", flüsterte Maxie und legte ihm die Arme um ben Hals.

Schon gut, schon gut; beruhige dich nur. Keine Tränen, bitte ich mir aus. Wann kommt benn die­ser schreckliche Doktor Holl zurück?"

Heute abend. Ich habe mich bei seiner Gesell­schaft erkundigt."

Sieh mal an, bas heiße ich Regie. Wenn ich nicht irre, wird eine gewisse Maxie Hegemann heute abend um soundsoviel Uhr ein bißchen Posten stehen in ber Neuhauser Straße?" lächelte er.

Ach, Paps. Es wird zwecklos sein. Er wird nichts mehr von mir wissen wollen. Jetzt schon gar nicht, wo er an jedem Finger eine haben kann. Ich

will ihm auch gar nichts von Liebe Vorreden. Ich will ihm nur sagen, daß ich mich scheußlich benom­men habe unb daß ich das einsehe."

Ich finde deinen Standpunkt ziemlich bescheiden. Auf alle Fälle werde ich dir ben Daumen halten. Unb nun mache kein so unglückliches Gesicht mehr. Auch ein wenig Puber könnte nicht schaden. Du hast eine verwünscht empfindliche Nasenspitze, das reinste Tränenbarometer." Er streichelte ihr übers Haar unb dachte: da muß sich das Mädel schon selbst durchfressen.Du bist in letzter Zeit so viel unterwegs. Wo steckst bu benn immer, Kleine?"

Patenfamilien. Ein Dr. Klotz hat mir bie Adres­sen gegeben. Ich sehe da ein wenig nach dem Rech­ten, so lange bie Frauen krank sind."

Bravo! Darf man sich finanziell ein bißchen daran beteiligen?" fragte er unb zog feine Brief­tasche.

Du bist so nobel, Paps. Komm, gibt mir einen Kuh!"

*

Hotel Bellevue, Meran.

Dor dem mit Oleandern geschmückten Eingang ein Ungetüm von Reifeomnibus, weiß und blau gestrichen, Kennzeichen IIA, eine Unmenge Koffer auf dem Verdeck. In der Halle, vor dem Empfangs­büro, ein Schwarm gutgelaunter Herren und Da­men, 24 an der Zahl, die andächtig den Reiseleiter Holl umstehen, um ihre Zimmernummer zu erfahren. Der verhandelt soeben mit dem Empfangschef, unb ihre Köpfe sind über eine Liste gebeugt. Holl hält in der Linken lässig ein offenes Telegramm, bas er vorhin bei der Ankunft nur flüchtig überflogen hat; über feinem rechten Arm baumeln sein sturm­erprobter alter Regenmantel, ein neckisches Cape, eine Strickjacke unb zwei Schals, lauter Dinge, die er aus angeborener Höflichkeit zwei älteren Damen abgenommen hat. Sein bunfler Brigantenschopf überragt bie Herbe seiner Schutzbefohlenen ganz beträchtlich.

Frau Major Zumkoft bekommt biesmal ein Zim­mer vorn heraus", erklärte er.Unb Herrn Oekono- mierat Mayerseber bitte ich, mit einem rückwärtigen vorlieb zu nehmen, bas auch erstklassig ist." Er winkte dem Genannten heran unb raunte ihm ins Ohr:Sie wollen doch heute noch bummeln? Da paßt dieses Zimmer ausgezeichnet. Es liegt dicht neben der Treppe." Herr Mayerfeder unterdrückte seinen Protest unb war zufrieden. Ein Reiseleiter von Rang muß neben Autorität auch über Diplo­matie verfügen.

Als alle ihren Schlüssel in Händen hatten und über die Treppe abschoben, seufzte Holl erleichtert auf. Die Verteilung der Hotelzimmer war immer eine schwierige Sache; einer wollte hoch wohnen, einer nieder, einer ungestört; kurz, es war eine Kunst, es jedem recht zu machen. Man mußte befchwichttgen, verttöstcn und mit Redensarten ver­zuckern.

(Schluß folgt]