Nr. 83 Drittes Blatt
Aus der Stadt Gießen.
Oflergedanken.
Von Reinhold Braun.
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen) 8./0. April 1939
Kulturbauämter im Dienste der Landwirtschaft.
Berater und Helfer bei vielen wirtschaftlichen Aufbaumaßnahmen.
In brei Worten lassen sich Tiefe, Kraft und Herrlichkeit des Ostergedankens ausdrücken: „Ich muß hindurch!" Nur dem tiefen Ich wirb Ostern zum Erlebnis werden. Nur wer um die Sendung als deutscher Mensch weiß, der kann sich sein Sieben ohne das innere Oster-Ereignis nicht benken. Für ihn bekommt auch bas Wort „muß" seinen besonderen Sinn als ein höherer Befehl. So ist es nicht Zwang im alltäglichen Sinne, sondern inneres Ge- jriebenfein, der gnadenhafte Impuls seiner menschlichen Freiheit. Und das dritte, bas hindurch!" Was sind Widerstände, Finsternisse und Schwere der Nöte! Wo Tausende ein Unmöglich sehen, hat der Oster-Mensch das Mögliche geschaut, und blitzte es nur in einem Strahle auf. Üiegt auch vielleicht vieles ihm selber noch im Dunkeln, bas Wunder seines Glaubens ist da und mit ihm eine Kraft, die selbst an Wunder grenzt. „Ich muß hindurch!"
Doch zum rechten Ostersinn gehört auch die rechte Erkenntnis, daß dem Vorwärts und Aufwärts das Einwärts vorangehen muß. Der Oster-Mensch weiß, auch das Leid seine Sendung hat. Jeder schöpferischen Helle muß irgendwie und irgendwann ein schmerzhaftes Dunkel voraufgegangen sein. Man braucht nur bet großen Menschen in die Schule zu Zehen. Man lerne nur aus der Geschichte unseres Volkes!
Liegt nicht ein tiefer Sinn beispielsweise darin, > daß bei dem alten Volksbrauch bes Osterwasser- • Schöpfens auf dem Wege zum Quell die Krugträge- rinnen schweigen müssen? Das ist mehr als ein Aufruf zur Andacht. Beschäftigt sich bei schweigende Mensch nicht unwillkürlich auf solchem Gange durch die Dämmerfrühe mit seinem Leben, seiner Sehn- ucht, seinem Herzen, mit dem Neuen, das kommen oll?
Weiter ist die Erkenntnis nötig, daß, wer Ostern redjt erleben will, etwas in sich haben muß: einen wirklichen Lebenskern, mag er auch unter vielem Abgestorbenem begraben liegen. Aus leeren Hüllen ann kein Kern erstehen, aus leerer Schale kein Ostern werden. Ohne Willen zum Menschenwert 'ann keine wahre Auferstehung geschehen. Der in» «erste. Ostervorgang ist keine Explosion, sondern ein ähes, zielbewußtes Hindurch, vielleicht sehr langem, aber sehr kraftvoll.
Denken wir noch einmal an das Schöpfen des Oster- «assers: es soll ein Stück aus dem Urbild der Reinheit Win, der Ursprünglichkeit, von der aufsteigenden Sonne leebreid) überalutet, Reinheit aber verpflichtet, stimmt hrfürchtig. Ohne die (Sonnengebanfen der höheren, der ewigen Welt sind keine Ostern möglich. Das lerabe erhebt bie Menschen-Ostern über die der Matur. Diese bedeuten eine wunderbare, ewig beglückende Wiederholung. Menschen-Ostern dagegen ' cUen mehr sein. Jede will unb soll in unserem Beben eine stets höhere Stufe inneren Daseins bar- itellen. So auch im Leben eines Volkes? So wirb anfer Menschen« und Volks-Ostern wirklich schönstes Morgenglück. Jede Ostern bedeutet, recht erlebt, den llnfcmg eines neuen Weges sieghaften Lebens. Von |) em Oster-Impuls des eigenen und des nationalen Daseins hängen Schwung unb Kraft, Freude, Liebe icrtb Opfermut ab, mit denen mir unfern Weg oeiferroanbern wollen.
Vornotizen.
Tageskalender für Samstag.
Gloria-Palast (Seltersweg): „Drunter unb brü- ■ er". — Lichtspielhaus (Bahnhofstraße): „Wasser ür Canitoga".
Tageskalender für Sonntag (1. Off «feier tag).
Stabttheater: 19 bis 22.30 Uhr „Der Rosenkcwa- ]; I er". — Gloria-Palast (Seltersweg): „Drunter unb trüber". — Lichtspielhaus (Bahnhofstraße): „Wasser ür- Canitoga".
Tageskalender für Montag (2. Offerfeicrtag).
Stabttheater: 19 bis gegen 22 Uhr: „Der Vetter rus Dingsba". — Gloria-Palast (Seltersweg): Drunter und brüber". — Lichtspielhaus (Bahnhof- raße): „Wasser für Canitoga".
Stadlfheafer Gießen.
Der Osterspielplan bes Stabttheaters bringt am L Dfterfeierfag (Sonntag, 9. April) bie letzte Wie--
Eine Unterredung des Gießener Anzeigers mit dem Vorstand des Kulturbauamts Gießen.
Wir hatten mit dem Leiter bes Kulturbauamts Oberhessen in Gießen eine Unterredung über die Ausgaben und bie gegenwärtigen Arbeiten des Kulturbauamts unb feiner Dienststellen. Das Ergebnis dieser Unterredung ist in den nachstehenden Zeilen zusammengefaßt.
In Hessen bestehen drei Kulturbauämter, und zwar in jeder ehemaligen Provinz eines. Das Kulturbauamt Ober Hessen in Gießen hat neben seinem hiesigen Hcmptsitz noch drei Dienststellen, die sich in A l s f e l d, L a u t e r b a ch und seit kurzem auch in Schotten befinden. Das Kulturbauamt ist für die Erledigung feiner zahlreichen und vielseitigen Aufgaben mit einer Anzahl etatsmäßiger Beamten und einer großen Zahl von Hilfskräften, die auf Privatdienstvertrag angestellt sind, besetzt.
Oie Aufgaben der Kutturbauämter.
Innerhalb des ihnen zugewiesenen Wirkungskreises haben die Kulturbauämter das landwirtschaftliche Meliorationsj^esen nach Kräften zu fördern. Daneben haben st- noch eine Anzahl von Hoheitsau^gaben wohrzunehmen, d. h. das Amt muß auf Grund gesetzlicher Bestimmungen bei einer Reihe von Fragen und Aufgaben Mitwirken, z. B. bei allen Fragen, die mit dem B ach gesetz zusammenhängen, bei den Feldbereinigungen, bei den Wassergenossenschaften, die nach dem neuen Gesetz nunmehr Wasser- unb Boden- verbände heißen. Außer diesen Hoheitsaufgaben ist das Kulturbauamt auch verpflichtet, mit feinem technischen Rat den Gemeinden zur Seite zu stehen, z. B. bei ben Fragen der ländlichen Trinkwasserversorgung, der Kanalisation, der Herstellung und Befestigung von Feldwegen, der Schaffung von Sportplätzen, Schwimmbad a n I a g'e n usw. Alle diese Beratungen finb Hoheitsaufgaben, die von Amts wegen zu erfüllen sind. Daneben ist das Kulturbauamt auf Antrag der Gemeinden auch bereit, auftragsgemäß für die geplanten Arbeiten Projekte auszuarbeiten und deren Durchführung zu übernehmen. Dafür werden vom Kulturbauamt sog. kulturtechnische Kosten erhoben, die allerdings nur einen Teil der in Rechnung zu stellenden Aufwendungen decken. Es spricht also bei der Ausführung dieser Arbeiten durch das Kulturbauamt nicht etwa ein Gewinnprinzip nach den selbstverständlichen Grundsätzen eines wirtschaftlichen Betriebes mit, da die Kulturbauämter nicht die Ausgabe haben, privaten Unternehmungen als Konkurrenz gegenüberzustehen.
Das Melioratisrisarbeits-
unb Siedwnasprogramm.
Gegenwärtig liegt das Schwergewicht der Arbeiten des Kulturbauamts Oberhessen unb seiner Dienststellen auf der Durchführung des von der Landesregierung aufgestellten Meliorationsarbeits- unb
Sieblungsprogramms. Daran sind m Oberhessen die Dienststellen in Alsfeld unb Laute r- bach besonders stark beteiligt. Bei diesen Arbeiten in der früheren Provinz Oberhessen handelt es sich um die Durchführung der Feldbereinigungen in den Kreisen Gießen, Friedberg, Alsfeld unb Lauterbach, soweit — vor allem im Vogelsberg — die Feldbereinigungen noch nicht oorgenom- men wurden. Im Kreise Friedberg, teilweise auch im Kreise Gießen, mußten Teil-Fe lbbereini- gungen durch geführt werden, da die bereits früher bereinigten Gemarkungen bei dem Bau der R e i ch s a u t o b a h n in ben Gemarkungsgewannen zum Teil so erheblich in Anspruch genommen wurden, daß dort ein zweckmäßiges Wege- und Grabennetz und zweckmäßige Grundstücksformen nur durch eine neue Teil-Feldbereinigung erreicht werden konnten. Es handelte sich hierbei um die Landumlegungen, die schon beim ^Beginn der Arbeiten an der Reichsautobahn angekündigt worden waren. Bei allen Feldbereinigungen wird ein Teil des Geländes als sog. Massegelände aus- geschieden und verwertet, um dadurch die Deckung der Kosten bes Verfahrens zu ermöglichen.
Neben den Felbbereinigungen im Rahmen des Meliorationsarbeits- und Siedlunasprogramms hat bie Dienststelle Lauterbach feit Jahren als Sonderausgabe selbständig die Hutweidenmelioration im hohen Vogelsberg durchzuführen. Bei diesen Arbeiten werden geeignete Weideflächen von Steinen befreit, eingeebnet und, soweit es notwendig ist, gedüngt und eingesät, ferner eingezäunt und ebtL cn Koppeln aufgeteilt, sowie mit Tränkanlag m und Unterstellschuppen für das Vieh versehen. Die Hutweiden-Melioration dient dem Zweck, der Viehwirtschaft im Vogelsberg bessere Lebens- und Wirtschaftsbedingungen zu verschaffen unb dazu bei zutragen, baß das Vieh während einer möglichst langen Weidezeit ständig im Freien bleiben, durch möglichst geringen Kraftverbrauch den Fleischansatz und die Milcherzeugung steigern kann, zugleich aber auch wetterfest wird und gesund bleibt. Im Gegensatz zu der sonst ublicheu Einzelhut von Tieren soll durch bk Huttveiden die Gemein- fchastshut für 6Te Taire einer Mehrzahl von Besitzern unter Verwendung erntr möglichst geringen Zahl von Tierhütern gefördert werden, um dergestalt wirtschaftlichen Leerlauf zu vermeiden. Hinsichtlich einer rationellen Weidewirtschaft sind bei allen diesen Bestrebungen die bisher in vorbildlicher Weise gegebenen Beispiele des Versuchgutes Seligenhof bei Ulrichstein der Landesbauernschaft Hessen-Nassau gute Wegbereiter gewesen.
Dränagen.
Zur Verbesserung der Bobenwirtschast in vielen Gemeinden, aber auch von größeren Einzelwirt- schaftan sind an vielen Stellen Dränage n in der Durchführung begriffen bzw. geplant, da bie Ge- tneinben und alle Bauern- und Landwirte erkannt
haben, daß die Dränage eines der besten Mittel zur Steigerung der Bodenerträgnisse und damit zur Verbesserung der Wirtschaftlichkeit des Betriebes ist. In zahlreichen Fällen hat es sich bereits erwiesen, daß die Kosten der Dränagen schon in roenigen Jahren durch bie erheblich gesteigerte Wirtschaftlichkeit bes Bodens voll gedeckt wurden und der gesteigerte Bobenerttag bann als bauernder Gewinn anzusehen war. In Ausübung seiner Hoheitsaufgaben steht das Kulturbauamt auch für biefe Ar« beiten den Gemeinden und den EinzelwirtschastSW als Berater zur Seite, auf Antrag übernimmt es auftragsgemäß die Durchführung dieser Arbeiten.
Schwimmbäder und Sportstätten.
Erfreulicherweise lassen sich immer mehr Gemeinden die Anlage von Schwimmbädern und Sportstätten angelegen sein. Auch hierbei hat
das Kulturbauamt als Berater mitzuarbeiten und auf Antrag der Gemeinden auftragsgemäß Projekte auszuarbeiten und burchzuführen. U. a. finb zur Zeit Schwimmbabanlagen in Steinbach, Dorf-Gill, Inheiden, Muschenheim, Oberlais, Dornaffenheim und andere projektiert.
Mitarbeit bei den
Wafferwirtschastsstellen.
Eine Fülle von intereffanten Arbeiten, Feststellungen unb Untersuchungen erwächst ben Kulturb aü- ämtern aus den Aufgaben ber seit kurzem eingerichteten Wafferwirtschaftsstellen, benen die Untersuchung aller Wasserverhältnisse in dem Einzugsgebiet der großen (Ströme abliegt. Dabei haben bie Kulturbauämter durch Messungen ber Wasserstänbe, Berichte über Strömungsverhältnisse, Auswirkung ber Niederschläge auf die Wasserstänbe usw. regelmäßige Mitarbeit zu leisten. In unserer engeren Heimat gehören die Kreise Lauterbach unb Alsfeld im wesentlichen zum Einzugsgebiet ber Weser. Der Kreis Gießen gehört zum Teil zum Ein- zugsgebiet ber Lahn, bie Kreise Friebberg unb Bübingen zählen zum Einzugsgebiet des Main; diese brei letztgenannten Kreise zusammengefaßt zum Einzugsgebiet bes Rhein. Die Früchte dieser fortlaufenden Arbeiten kommen in vielfältiger Weise ber Gemeinschaft zugute. B.
derholung ber Oper „Der Rosenkavalier" von Richard Strauß. Musikalische Leitung: Paul Walter, Spielleitung: Hans Geißer, Bühnenbild: Karl Löffler. Für bie Rolle des Ochs von Lerchenau wurde Josef Niklaus vom Preußischen Staatstheater Kassel als Gast verpflichtet. Die Vorstellung findet außer Miete statt. Anfang 19 Uhr, Ende nach 22.30 Uhr.
Am zweiten Osterfeiertag (Montag, 10. April) findet bie erste Wiederholung der Operette „Der Vetter aus Dingsda" von Eduard Künneke statt. Musikalische Leitung: Joachim Popelka, Spielleitung: Gert Buchheim, Tänze: Thea Maß, Bühnenbild: Karl Löffler. Die Vorstellung findet außer Miete statt. Anfang 19 Uhr, Ende nach 21.30 Uhr.
Gießener Konzert-Verein.
Als neunte und letzte Veranstaltung dieses Konzertjahres findet am Donnerstag 13. April, ein Symphoniekonzert statt, bas von oem Städtischen
Orchester unter Leitung von Kapellmeister Pauk Walter ausgeführt wird. Zur Aufführung gelangen Mozarts Haffner-Symphonie und Bruckners fünfte Symphonie.
Gsirckwunsch-Bildtelegramme an den Führer.
DNB. Vom 11. April an können bei allen Annahmestellen der Deutschen Reichspost Glückwunsch- und Bildtelegramme an ben Führer auf gegeben werden, die am 20. April, dem Geburtstag, dem Führer zugestellt werben. Für das Telegramm ist ein besonderes Schmuckblatt h«gestellt worden, bas ausschließlich zu bildtelegraphischev Glückwünschen aus dem Reich an den Führer zu seinem 50. Geburtstag verwendet wird. Die Gebühr für das Glückwunschtelegramm beträgt 1,50 Mark. Zur Sicherstellung der rechtzeitigen Zustellung empfiehlt sich möglichst frühzeitige Aufgabe ber Telegramme.
Vorsicht beim Genuß der Lorchel.
Der Genuß der Lorchel, Frühlingslorchel (Hel- vella ober Gyromitra esculenta), die fälschlich meist Ois Mörschel bezeichnet wird, verursacht fast alljährlich im Frühjahr zahlreiche, in einzelnen Fällen <fogar tödlich verlaufende Erkrankungen. Um die schädliche Wirkung dieses Pilzes zu vermeiden, ist es erforderlich, die zerkleinerten frischen Pilze mit einer reichlichen Menge Wasser zum Kochen zu bringen, mindestens fünf Minuten im Kochen zu er- halten, das Kochwasser wegzuschütten und die Pilze auf einem Sieb abtropfen zu lassen. Einfaches Abwäschen ist nutzlos, auch Abbrühen schützt nicht vor Erkrankungen. Größere Mengen als ein Pfund zuberetteter frischer Lorcheln sollten von einer Person* bei einer Mahlzeit nicht genossen werden. Auch ist zu vermeiden, eine zweite LorchÄmahlzeit kurz nach der ersten einzunehmen. Daher kaufe und bereite man nur soviel Lorcheln zu, wie zu einer
Die billigste und die teuerste Frau der Well.
Eine Bilanz aus fünf Erdteilen.
Deutschland, Italien und Japan haben die wenigsten Ehescheidungen.
Interpress Copyright>23erid)t von Isabel.
Frankreich, das klassische Land ber Statistiken, hat kürzlich eine Reihe von Zahlen veröffentlicht, die tem Bubget ber Durchschnitts fr au aus fii n f Erbteilen entnommen würben. Nüchterne ^hlenkolonnen — und doch amüsant zu lesen, benn- nun kann man feststellen, wo in Wirklichkeit bie „ deale Gattin" lebt, das heißt, bie Frau, bie am wenigsten Geld für sich verbraucht, und auf der anderen Seite die Frage, von ber der Mann mit %cd>tfagen kann: „Du bist eine ,teuere’ Gattin ... liie Statistik ist gerecht vargegangen, sie hat sich r cht das Ausgabenbuch einer Millionärsgattin zigen lassen, und hat sich auch nicht interessiert für ,d>e mühevolle Haushaltsplanlegung einer Arbeiter- fiau mit geringem Einkommen, sie hat die Durchschnittsfrau gewählt. So kann sich keiner getroffen fühlen, und sollte ein Ehemann zu seiner Geattin sagen: „Die Statistik hat bewiesen, daß du n_ir einen neuen Hut im Jahr brauchst ...", so wirb b*? Gattin bestimmt darauf antworten: „... ent- Ijqgulbige, hältst du mich vielleicht für eine ,Durchschnitts f rau'?" Aber die Statistik lügt nicht: bie billigste und bie teuerste Frau ist entdeckt!
Japans Ehemänner sind zu beneiden!
Die Japanerin ist bie billigste Ehefrau ber IM! Wirklich, ber japanische Ehemann ist zu beneiden, denn bie Ansprüche ber Durchschnitts,apa- n-.rux finb, besonders was die Kleidung und den laergnügungsetat betrifft, äußerst bescheiden! Die jährlichen Ansprüche einer Durchschnittsfrau m To- fb lauten: 1 neues Kleib, 1 Paar neue Schuhe, ttt i n e n Hut und nur 5 Mark für Puder, Sippen- i'iift und Schminke! Sie geht einmal im Monat ins licater und einmal im Monat ins Kino. Das ein tqe, wofür die Japanerin etwas mehr Geld aus
gibt, als z. D. eine Durchschnittsfrau in Deutschland, ist der Friseur. Dafür fallt aber die Hutrechnung fort, und die unendliche Flut von Witzen und Diskussionen über den neuen Frühlingshut, die die Spalten der illustrierten Blätter in aller Welt füllt, ist in Japan unbekannt. Nur jede tausendste Japanerin besitzt ein eigenes Auto — eine Ziffer, die für eine Amerikanerin einfach unvorstellb ar ist. Japans Ehemänner können auch über die Telephonrechnung nicht klagen, denn nur jede hundertste Frau in Japan hat Telephon. Kleine, bescheidene Japanerin — du bist wirklich die „ideale" Gattin und du bist sogar mit deinem Los so zufrieden, daß auf 1300 Eheschließungen nur eine Ehescheidung kommt! Halt — wie steht es denn mit dem Wirtschaftsgeld? Wenn ber japanische Gatte schon keinen Frühlingshut kauft — so ist er vielleicht um so großzügiger mit bem Budget für den Haushalt! Aber auch hier hat der Japaner wieder das große Los gezogen, denn die Japanerin ist auch in der Verpflegung äußerst bescheiden. Sie verbraucht für sich im Jahr: 25 kg Fleisch, 4,20 kg Tee, 400 Gramm Kaffee, 20 kg Zucker, 2 Liter Bier, kein Brot und teineti Wein! Da ist es wirklich kein Wunder, daß 1938 über 550 000 japanische Junggesellen in den Stand der Ehe getreten sind.
Die höchsten Rechnungen zahlt Amerika.
Man kann sich vorstellen, welch ein spöttisches Lächeln über bie Züge der Durchschnitts - Amerikanerin gleitet, wenn sie diese Ziffern lieft, und der amerikanische Ehemann beneidet seinen japanischen „Kollegen" glühend. Jedoch, in einem macht er sich die Sachg seichter: jede a ch4e Ehe in ben USA.
wird wieder geschieden. Vielleicht liegt das in erster Linie daran, daß jede 7. Amerikanerin Telephon hat um sich über bie Freuden und Leiden der Ehe aus- zujvrechen und sogar jede 80. Frau ein eigenes Auto besitzt. Die amerikanische Frau ist teuer — bie teuerste Frau ber Welt: Sie beansprucht tm Jahre vier neue Kleiber, 2 Mäntel, 4 Hüte, 4 Paar Schuhe und 100 Mark für Schönheitspflege! Das ist genau achtmal so viel Geld für Parfüm, Puder und Schminke, wie die Französin verbraucht, und Frankreich gilt doch als das klassische Land der Kosmetik. Aber dieser Ruf ist antiquiert: bie Amerikanerin hat achtmal soviel Schönheitspflege-Ansprüche wie die Pariserin. Der Vergnügungsetat der Amerikanerin ist ebenfalls erstaunlich hoch, sie geht zweimal in der Woche ins Kino und zweimal im Monat ins Theater. „Dafür wirb die Amerikanerin aber sicher in der Verpflegung billig sein ..." denkt die eurasische Hausfrau, denn sie hat soviel von Hollywood- Kur und Abmagerungsmitteln gelesen. Auch hier muß die Statistik enttäuschen: die amerikanische Durchschnittsfrau hat das zweithöchste Ausgabenbuch für Lebensrnittel, hier wird sie nur geschlagen von der E n g I ä n b e r i n. Englanbs Frauen verzehren bie meisten Lebensmittel — unb dabei ist doch die englische Küche berühmt — schlecht! Aber bie englische Frau verzehrt im Jahr 55 kg Fleisch, bas ist im Vergleich zu allen anberen ßänbern — Australien ausgenommen — sehr viel, 5 kg Tee werden getrunken, eine fast unbegreifliche Menge, wenn man bedenkt, daß bie deutsche Frau nur 100 Gramm Tee im Jahr verbraucht. 25 Liter Bier läßt sich Mrs. John Bull schmecken, fünfmal so viel wie die Französin, die allerdings mit einem Weinkonsum von 100 Liter im Jahr auf diesem Gebiet ben Re korb hält.
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Die Französin ist eine gute Hausfrau — aber sie ist anspruchsvoll. Sie hat einen ausgesucht guten Geschmack, sowohl was bie Küche wie auch bie „haute couture“ betrifft. Sie schafft sich im Jahr drei neue Kleider, 4 Hüte, 3 Paar Schuhe unb einen Mantel an, auch muß sie 50 Mark für Schönheits- pflege beponieren. Dafür stellt sie an ben Auto- Sport nicht so hohe Ansprüche, nur jede 250. Französin besitzt einen eigenen Wagon. Der Dergnü- gungsetat ist gering, durchschnittlich geht Madame
nur alle zwei Monate einmal ins Theater, unb nur einmal im Monat sieht sie sich bie flimmernbe Leinwand an. Die Engländerin, bie bas meiste Gelb für die Verpflegung ausgibt, ist bescheidener in bet Kleidung, aber stellt höhere Ansprüche an die geistigen Genüsse. Der Durchschnitts-Engländer muß zweimal im Monat seiner Frau ein Theaterbillett kaufen, unb bretinal im Monat geht sie ins Kino. Dafür wird aber in Englanb von 80 Ehen nur eine wieder geschieben, eine ganz erfreuliche Ziffer, in Deutschland allerdings sind bie Ehen noch solider aufgebaut, hier kommt erst auf 200 Eheschließungen eine Scheidung.
Die besten und die schlechtesten Heiratschancen.
Frcmkreich hat affo in bu Ausgabenbücher ber Durchschnittsfrauen aller Wett hineingesehen — unb es läßt großmütig alle Junggesellen bie Zahlen lesen, bamit sie sich bie Jbeal-Gattin wählen können. Die Männer können ja im allgemeinen wählerisch sein, denn in fast allen Ländern herrscht Fra^en-Ueberschuß. Bulgarien ist bas einzige Land ber Welt, wo auf 100 Männer 100 Frauen kommen, und in Lettland finb bie Chancen für die heiratslustigen Mädchen am allerschlechtesten, denn 114 Frauen müssen sich in 100 Männer teilen. Wie gut hat es da die Argentinierin, wo 87 Frauen unter 100 Männern wählen können. Gut finb bie Heiratsaussichten in ben USA., Australien, Japan unb Luxemburg, auch in Hollanb, Spanien unb Italien hat beinah jebe Frau Aussicht, einen Mann zu bekommen. In Schweden, ber Türkei, Frankreich, aber ganz besonbers in Sowjetrußland ist die Konkurrenz groß, denn hier kommen 110 Frauen auf 100 Männer.
Natürlich wird sich jede Frau als „ideale Gattin betrachten, unb sie wirb über nüchterne „Durchschnittszahlen" die Achseln zucken. So bleibt fcer Trost, daß es überall noch „teuere" unb „billigr Frauen gibt — und daß man schließlich nur sewyj Derantutortiicb ist für bas, was man in fein Aas- gabebud) -einschreibt. Aber vielleicht ist tfranfrekp' halb so indiskret unb veröffentlicht einmal bie Au*- gabcn'büÄer der Männer in aller Welt — eine größte Greuds tonnte es ben Frauen nicht machen.


