Fest -es Lebens.
Wieder rüstet sich zu Ostern Natur und mit ihr die Menschheit zur großen Lebensfeier. Ein ganzes Meer Sbn Licht und Leben, Lieben und Hoffen, Freude und Glück gießt Gott wieder aus über feine Erde und ihre Geschöpfe. In ein Meer von Glanz • und Wonne taucht die Ostersonne auch das Der» borgenste Tal, und weichen muß alles Dunkle und Düstere, wenn die Lenzsonne ihre goldenen Lichtbrücken über die Berge und Täler spannt, „löset, was in Dämmerung lag. Tag der Lieb' und Lebensfeier, großer Auferstehungstag!"
Das Leben feiert fein großes Fest! Leben predigt der warme Sonnenstrahl und der leuchtend ausgespannte Himmel, Leben leuchtet aus dem jungen Grün der ersten Blätter und den frischen Farben Der Frühlingsblumen, Leben atmet die ganze Welt, „mit Jauchzen und mit Jubilieren, mit hellem Finken- fchlag, mit Blumen und mit Singen marschiert der Frühlingstag!" Das Fest des Lebens ist da. .
Und dies Leben hat etwas Sieghaftes an sich, etwas Ueberwindendes, Erlösendes und Befreiendes. Und dieser Siegesgedanke des lebendigen Lebens über allen Tod ist das Wesentliche am Osterfest. Der endliche Sieg alles LebensDollen und Lebensstarken, alles Lebenskräftigen und Lebenstüchtigen über das Todgeweihte und Tobverfallene, der Sieg des Besseren und Stärkeren über das Müdere und Geringere, der Sieg des Guten und Wahren über das Gemeine und die Lüge, der Sieg der Erlösung und Befreiung über Kreuz und Schmach, Fesseln und Grab — das ist die Festfeier des Lebens. Des Lebens, das den Namen verdient, das ist Ostern.
Naturfrohe Symbolik und heiligste Wirklichkeit Hingen aufs innigste zusammen. Jedes die dunkle Erdscholle durchbrechende Samenkorn, jede die ein» engende Hülle sprengende Knospe, jedes Ei, aus dessen berstender Schale ein neues Leben zum Licht drängt, das Herausfahren des munteren Junghäschens aus der braunen Ackerfurche, das Begrüßen der Ostersonne am frühen Osterrnorgen, die nach uraltem Volksglauben selbst Freudensprünge tut, die flammenden Feuer, die in der Osternacht von deutschen Bergen lohen, — alles das ist ein Gleichnis des drängenden Lebens, das zu neuer Macht erwacht ist.
Aber dieses neue, drängende Leben erfüllt nicht bloß die Natur, es fordert auch stürmisch Einlaß in unser eigenes Wesen und Leben. Denn wo ist das Menschenherz, das unberührt bliebe, wenn draußen die lenzlichen Wunder sich weben! Das Herz, aus dessen Tiefe sich nicht auch heimliches Hoffen und stilles Wünschen hervorwagte, wenn die Welt da draußen im Lichte liegt! Nun, armes Herze, sei nicht bang, nun muß sich alles, alles wenden ..." So rührt das lebendige Leben auch an unser Herz, „laß schmelzen, Herz, was schmelzen soll, des Zweifels letzten Erdenrest, und trag dein Hoffen jubelvoll empor zum ero’pen Lebensfest!"
Und diese Kraft des ewig neuen Lebens trug auch unser Volk empor aus Nacht xum Licht. Ein solcher Ostertag voller Leben und Lebenssieg ist auch unserem Volke gekommen. Erfüllt ist heute, was einst rn prophetischem Geiste der deutsche Historiker Otto v. Leirner geschrieben hatte. „Aufgerissen durch die Pflugschar Gottes, die Geschichte, sind die Furchen deutschen Geistes. Sie harren des Sämanns. Und schreiten wird er, der neue, alte Christ, über das Feld und wird auswerfen das Korn. Und reifen wird die Saat, wird Wetter bestehen, und in nicht allzu ferner Zukunft kommt die Ernte, die stillen wird den Hunger der Menschheit. Wieder leuchten wird den Menschen das Antlitz des Vaters, sie werden wieder Freuden des Gemütes kennenlernen, dos Leiden des Lebens zu tragen, tief im Herzen gewiß, daß nicht Geburt und Tod das Sein der Geister umschließen, sondern daß jedes Kind einmal finden werde im Vater die Auferstehung."
Nun — wir haben die Auferstehung gefunden, so dürfen wir deutschen Menschen frohen und freudigen Herzens faaen. Zu neuem Leben auferstanden aus leier Grabesnacht der Schmach und Schande, aus Banden und Fesseln, aus Gottverlorenheit und Wahnglauben zu der Kraft eines sieghaften Lebensglaubens. Seit Gott den Führer erstehen ließ, in dem sich der Wille zu neuem Leben zu gewaltiger Kraft zusammenballte, da war auch für unser Volk die Stunde gekommen, die ihm die Erlösung bringen sollte.
„Nun, deutsche Seele, verzage nicht, in all dem verfinsternden Grämen, nun will dich wieder osterndes Licht auf seine Flügel nehmen!"
Freilich, wie der Frühling noch eine Weile im Kampfe liegt mit dem Winter, der noch nicht zugeben will, daß seine Herrschaft schon gebrochen ist, der die lenzlichen Fluren noch mit „Schauern körnigen Eises" überschüttet, so sind immer noch winterlich dunkle Mächte am Werk, die das neue Leben vernichten und wieder ins dunkle Grab bannen möchten. Die die Auferstehung des deutschen Volkes nicht begreifen noch verstehen können, uns aus- schließen möchten vom Fest des Lebens. Die nicht das Gotteswunder des Glaubens und des Lebens dahinter sehen, sondern nur die Bedrohung ihres eigenen Lebens. Die nicht die Gottesstimme verstehen können oder wollen, die uns ins neue Leben gerufen hat: ,Lhr, voll Mühsal und beloben, bang geharret
auf das Heil — aufersteht zu neuen Gnaden, nehmt am Lebensfeste teil!"
Wir aber wollen dem neuen Leben vertrauen, das Gott uns geschenkt hat, das aus der Tränenfaat uns erwachsen ist. Guten Samen haben wir nach schwerem Leid in die Furchen unteres Landes gestreut. Er wird wachsen unter der Ostersonne zu neuem Leben und zu reicher, edler Frucht, wird reifen zum vollen Lebenssieg. Das ist unser fester Glaube an das Leben, das ist unsere Osterhoffnung für alle Zukunft. Und nichts soll uns wieder davon abbringen, teilzunehmen am Feste des Lebens, bas Gott auch für uns ausgerichtet hat. Wir wollen leben, unb wir werben leben. „Allen Gewalten zum Trotz sich erhalten, rufet bie Arme ber Götter herbei!" M.
(Soll mein Sohn studieren?
Don Dr. Erich Schmidt.
Es ist boch merhüürbig: Noch nicht ein Jahrzehnt ist es her, als bas Stubium bes Sohnes vielen einfach als felbstverstänblich galt. Selbst wenn ber Junge in ber Schule nicht richtig mitkam, würbe er mit Nachhilfeftunben unb mit Sitzenbleiben bis zum Abitur gepreßt, nur bamit er bann bie Hochschule besuchen konnte. Auch in Fällen, ba bie notwendige Begabung fehlte, sparten sich bie Eltern oft ben letzten Groschen vom Munde ab, damit ber Sohn studieren konnte. Heute? Jetzt hört man die Frage: „Soll meinSohn studieren, ist es nicht besser, einen anderen Berufsweg zu wählen?" Was vor einem Jahrzehnt damals nur zu vielen als das höchste Ziel erschien, wird heute sehr oft mit ganz anderen Augen angesehen. Woher diese Wandlung? Ist sie richtig? Das sind die Fragen, die wir beantworten wollen.
In ber Vorkriegszeit gab es in zahlreichen beut- schen Familien auch etwas wie eine Berufstrabt t i o n. Wir haben Familien, bereu Vorfahren Generationen hinburch Offiziere waren; aber auch Familien, bei benen bie Zahl eines bestimmten afa- bemifchen Berufes burch bie Geschlechterfolge lief, Familien, bei benen seit Generationen minbeftens ein Sohn Jurist, Arzt ober Apotheker würbe. Diese Berufstrabition — wenn man sie so nennen soll — gilt heute als überlebt. Keinem Jungen würbe es einfallen, nur beshalb einen Beruf zu ergreifen, weil ber Vater ihn ausübt. Ja, man kann manchmal förmlich bas Gegenteil beobachten. Der Beruf bes Vaters wirb abgelehnt, fei es aus einerti gewissen jugenblichen Oppositionsgeist heraus ober aus bem Grunbe, weil man in Den Kinbesjahren Gelegenheit hatte, auch bie Schattenseiten bes väterlichen Berufes zu sehen. Dabei vergißt man bann besonbers in ber Jugenb, baß jeber Beruf feine Licht- unb feine Schattenseiten hat, baß man aber die Schattenseiten in ber Regel bann nicht sieht, wenn man Berufe nur von ber Ferne beobachtet. Da sieht man bann nur bie Hellen Seiten.
Zu biefer Aufgabe ber von früheren Generationen vielfach eingehaltenen Berufstrabition kommt bann eine weitere Erscheinung, bie sehr stark zu beobachten ist. Wir meinen hier die Tatsache der «,,M o d e b e r u f e". Sie ist in bem Sinne zu verstehen, baß gewisse Berufe plötzlich „Mobe", b. h. allgemein begehrt werden. Solche Erscheinungen sind bei allen Berufsschichten zu beobachten. So wurde von den Arbeitsämtern beispielsweise vor Jahren berichtet, daß der Andrang der Volksschüler zu dem Beruf des Autoschlossers die Zahl der vorhandenen Lehrstellen um ein Vielfaches überstieg. Auch unter den akademischen Berufen gab es solche Modeströ- munqen. Lange Zeit hindurch wurde das Studium der Rechtswissenschaft von vielen nur deshalb ergriffen, weil es gerade Mode war, Jura zu studieren. Unmittelbar nach dem Kriege war das volkswirtschaftliche Studium der große Modeberuf geworden.
Und heute? Nun müssen wir die sehr ernst zu nehmende Tatsache beobachten, daß die akademischen Berufe ganz allgemein „aus derMode zu kommen" drohen. Wir können es in der Tat nicht anders bezeichnen. Denn Gründe ber Vernunft, weber vom Stanbpunkt bes gesamten Volkswohles
noch vom Einzelinteresse aus gesehen, sprechen nicht dafür. Es ist einfach eine Modefache geworden, das akademische Studium als nicht mehr so begehrenswert anzusehen. Wie weit das geht, das zeigt allein die Tatsache, daß ein Mangel an Nachwuchs selbst an Hochschullehrern vielfach bereits zu merken ist. Früher galt es wahrscheinlich als bas höchste Ziel akademischen Strebens, Hochschullehrer zu werden. Nur zu vielen, bie biefen Beruf gern ergriffen hätten, war bie Laufbahn verschlossen, weil sie zu langwierig mar. Heute bagegen wird die Berufswahl des Hochschullehrers von viel zu wenigen überhaupt nur in Erwägung gezogen.
Woher kommt diese Wanblung? Zahlreiche Grünbe können für sie genannt werben. Zwei aoer scheinen uns entscheibenb zu sein. Zunächst einmal hat uie Jugend heute von den akademischen Berufen weitgehend eine falsche Vorstellung. Unter einem Hochschulprofessor stellt sie sich meist einen Mann vor, ber mit kurzsichtigen Augen unb großer Brille gebückt über Büchern sitzt, ber kein Derstänbnis hat für bas wirkliche Leben, ber für Sport unb körperliche Ertüchtigung überhaupt nicht zu gewinnen ist. Don dieser Einstellung ausgehenb wirb bann ber Akabemiker ganz allgemein als roeltfremb angesehen, als ein Mensch, ber eben fein Kerl ist. Und ein richtiger Kerl zu werden, der in die Welt paßt, das ist schließlich das Ziel eines jeden gesunden deutschen Jungen.
Diese falsche Vorstellung muß ausgeräumt und bie Erkenntnis hinzugefügt werben, daß viele Menschen, die von ber Natur mit körperlichen Gaben vernachlässigt waren, über die Schulung ihres Geistes für bie Nation Unsterbliches geleistet haben. Das Ideal ist ber gesunbe Geist in einem gesunben Körper, wie es schon von ben Alten betont mürbe. Das Jbeal ist also nicht bie körperliche Einseitigkeit. Ja geistige Einseitigkeit kann sehr oft bann noch einen größeren Nutzen bringen als eine völlig einseitige körperliche Entwicklung.
Unsere Jugenb muß also roieber zur Ehrfurcht vor ben großen Lei st ungen bes ® e i ft e s erzogen werden. Die Leistungen der preußisch-deutschen Armee sind als unsterbliche Ruhmestaten in unsere Geschichte eingegangen. Die gro- ßen gewaltigen Leistungen des deutschen Geistes dagegen sind unbekannter geblieben und stehen bescheiden im Hintergrund. Wer aber begreift, daß sie weitgehend Voraussetzungen waren und sind für bie sichtbaren Leistungen ber Nation, ber wirb ben richtigen Maßstab und die richtige Einstellung finden. Ohne die Leistungen der deutschen Medizin, die um fere Volksgesundheit verbürgen, ohne die Forschertätigkeit deutscher Chemiker und Ingenieure, wodurch'die Voraussetzungen geschaffen werden auch für die moderne Ausrüstung der Armee, ohne die gewissenhafte Arbeit unserer landwirtschaftlichen Hochschulen zur Sicherstellung der Dolksernährung, kurz ohne die schöpferisch-geistige Leistung kann eine moderne Nation überhaupt nicht b e st e h e n. Man kann gewiß eine Zeitlang von dem geistigen Kapital zehren, bas bie Väter unb Großväter erarbeitet haben: aber einmal müßte es aufgebraucht fein, wenn keine neue Leistung hin
zukäme. Dann aber würde eine moderne Nativ« weit hinter bie anderen Völker zurückfallen.
Der zweite Grund für die gewisse Unpopularität der akademischen Berufe in der augenblicklichen Zeit hat Ursachen, die heute überwunden sind, die als Tatsachen nicht mehr bestehen, aber doch noch im Volksbewußtsein nachwirken. Der übergroße Andrang zum Hochschulstudium, wie er noch vor einem Jahrzehnt zu beobachten mar, hatte zu einer Ueberfüllung der akademischen Berufe geführt. Dies traf zusammen mit der gewaltigen Not der furchtbaren Wirtschaftskrise, wodurch für einen großen Teil der Akademiker bie Berufsaussichten damals einfach trostlos mürben. Das zwang viele junge Akademiker, wenn sie von ber Hochschule kamen, Stellungen anzunehmen, für bie ein akademisches Studium wahrlich nicht notwendig war. Sie standen dann trotz ihres Studiums an Berufsstellen, die andere ohne Studium und mit wesentlich geringerem Aufwand ebenfalls erreicht hatten, oder sie mußten Jahre hindurch warten, bis sie endlich eine ihrem Studium entsprechende Stellung fin- den konnten. Das hat bann weitgehend zu ber Ueberzeugung einer wirtschaftlichen Aussichtslosigkeit des Hochschulstudiums geführt.
Wir sagten es schon: Diese Sachlage ist heute keineswegs mehr gegeben. Würbe noch vor Jahren von akabemischen Berufsämtern vor bem Ergreifen bieses ober jenes Stubiums gewarnt, fo hören mir heute von ben Sorgen, bie bei diesen Berufen infolge bes Nachwuchsmangels bestehen. Diese für bie einzelnen akademischen Berufe aufzuzäblen, ist nicht notwendig. Unsere Hochschulen haben Akademische Auskunftsämter eingerichtet, die jedem Vater und jedem Abiturienten bereitwillig Unterlagen geben für die wirtschaftlichen Aussichtsmög- lichkeiten in den einzelnen akademischen Berufen.
Zweierlei ist also falsch: Es ist ein sträflicher Irr- tum, die Bedeutung der akademischen Berufe für das Volksganze zu verkennen, und es entspricht nicht
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den Tatsachen, wie sie heute bestehen, das akademische Studium als eine „brotlose Angelegenheit" anzusehen. Mit diesen falschen Meinungen wollen mir auf räumen; unb wir müssen es tun, um bes Volksganzen willen. Kein anberer Berufsstanb soll in seiner Bedeutung irgenbroie verkannt werden. Alle Berufe finb notwendig, wie bei einer großen Maschine kein Räbchen fehlen barf. Aber bie geistig- schöpferischen Berufe finb zu allen Zeiten b i e Wegbereiter für ben A u f st i e g ber Kation, geistig sowohl rote materiell gewesen. Diese geistig-schöpferischen Fähigkeiten finb ein hohes Gut des Volkes, das nicht mühelos ber Allgemeinheit in den Schoß fällt, sondern das stets aufs Neus erarbeitet werden muß. Gehen die geistig-schöpferischen Kräfte verloren, roeiUfie nicht mehr erworben werden, so sind sie unendlich viel schwerer zu ersetzen als bas Erlernen einfacher Handfertigkeiten.
Man muß es deshalb ruhig einmal aussprechen, daß kein Volk ohne die geistig-schöpferischen Fähig- feiten bestehen kann. Es ist beifpielsroeifc gewiß ein idealer Zug unserer von ben höheren Schulen kommenden männlichen Jugend, daß der Drang nach dem Offiziersberuf heute so groß ist. Es ist aber falsch, wenn junge Menschen diesen oder einen anderen Beruf ergreifen, ohne zu ihm wirklich b e • rufen zu sein, nicht jeder Abiturient kann Offizier werben. Die Nation braucht auch einen akademischen Nachwuchs.
Wie steht es also mit der Frage, bie jetzt roieber Tausende von deutschen Vätern sich selbst norlegcn, mit jener Frage, ob der Sohn studieren solle. Man kann sie nur dahin beantworten, daß ein akademischer Nachwuchs eine unbebinggte Notwendigkeit ist, baß weiterhin die beruflichen Bedingungen für einen wirtschaftlichen Aufstieg bei fast allen akademischen Berufen wieder gegeben sind. Von dieser Erkenntnis ausgehend, muß der einzelne unsere Frage für sich selbst bann danach beurteilen, ob er die rein persönlichen Voraussetzungen für ein erfolgreiches Studium hat.
Kommt schon ganz allgemein — mir deuteten es bereits an — bas Wort Beruf von berufensein, so trifft das für die akademischen Berufe in ganz
W Warta
in die gleiche Kalenderwoche füllt; hieran noch weitere rechnerische Versuche anzuschließen, wäre zwar verlockend, würde jedoch zu weit führen.
Merkwürdig an dem diesjährigen Osterfest ist noch, daß es auf den 9. April fällt; bas ist ber Tag, ber von alten unb neueren Astronomen als ber wirkliche Dftertermin festgestellt worben ist. Außer biefen Berechnungen haben mir auch noch eine einzige unabhängige Datierung bes Tobestages Christi, und zwar im alten ägyptischen Kalender, wo sie schon in bas 16. Jahr vor Tiberius auf ben 25. Pharmuthi (ber unserm April entsprechende Monat) gelegt wird; sie führt ebenfalls auf den 7. April (Karfreitag), unb bemnadj ist Ostern zwei Tage später, am 9. April.
Die alten Sternkundigen bedienten sich zur Berechnung astronomischer Zahlen ber Epakten, ber Goldenen Zahl und anderer uralter Kalenderroeis- heit, was eine mühselige Arbeit gewesen ist; im neunzehnten Jahrhundert errechnete der große Göt- tinger Mathematiker Gauß eine Formeltabelle, die bis 1900 reicht, dann von bem Mathematiker Johann Hartmann bis zum Jahr 2199 erweitert würbe. Wem bas nicht genügt, der sei auf bie Tabellen bes Astronomen Wilhelm Lehmann (1800 bis 1863) verwiesen, ber bie Osterbaten Ms zum Jahre 22 000 ausgerechnet hat. Unb wem bas noch nicht genügen sollte, ber setze sich an ben beiden Osterseiertagen hin unb erweitere bie Leh- mannschen Tabellen — falls er gerabe nichts Besseres zu tun haben sollte!
Ostern, das „Gchuckelsefi"
Zwischen dem 22. März und dem 25. April.
Von Hans Sturm.
Der Ostervocel
Der eigentliche Ostervögel, bie Henne, bie bie Ostereier legt, ist burch ben Osterhasen oerbrängt worden, im gleichen Maße wie auch die buntgefärbten Hühnereier hinter den süßen Schokoladeneiern zurücktreten. Ader Ostern wäre ja kein rechtes Früh- lingsfest, wenn nicht die um diese Zeit heimkehrende Vogelroelt, bie sich so munter in unseren Gärten, in Wald unb Flur bemerkbar macht, auch ihre Rolle im Osterbrauch spielen wollte. Ein Frühlingsvogel, ben bie alten Deutschen besonbers verehrten unb Der bem Thor geweiht war. ist ber Kuckuck. In den ältesten Volksliedern, die den Frühling preisen, wird sein viel ausgedeuteter Ruf oft hervorgehoben. Er prophezeite das Wetter und ebenso das Alter der Menschen. Er galt ferner als Verkünder der Auf
Luther war es, ber bem Osterfest den treffenden Namen „Schuck elfe st" gegeben hat, unb zwar, weil fein Termin von Jahr zu Jahr inner- halb der beträchtlichen Zeitspanne von fünfunb- dreißig Tagen schwankt. Wir nehmen dies als etwas Herkömmliches hin, für manche hat es sogar einen gewissen Reiz, diesen Schwankungen Durch bie Reche ber Jahre nachzugehen. Wenn um bie Jahreswende die neuen Kalender kommen, wird gewiß mancher zuerst nachschlagen, aus welchen Tag das Osterfest fällt. Denn nach diesem „beweglichen Fest" richten sich viele andere Festtage des Jahres; z. B. ist sieben Wochen vor Ostern Fastnacht, sieben Wochen nach Ostern Pfingsten zu feiern, zehn Tage vor Pfingsten ist der Himmelfahrtstag.
Die österliche Terminbestimmung hat eine altgeheiligte Ueberlieferung. Ostern ist eines der ältesten christlichen Feste und wird seit der Mitte des zweiten Jahrhunderts begangen als Tag ber Auferstehung; unsere germanischen Vorfahren nannten es nach ber von ihnen verehrten Göttin bes gelbes unb ber Fruchtbarkeit, 0 ft a r a. Da nun im Lause ber Zeit Streitigkeiten entstauben über ben wirklichen Zeitpunkt, bestimmte bas öfu» menische Konzil (bie erste allgemeine Kirchenversammlung im Jahre 325 unserer Zeitrechnung zu Nicäa), Ostern sei am ersten Sonntag nach bem ersten in ben Frühling fattenben Vollmond zu feiern; als Tag des Frühlingsanfangs wurde der 21. März angenommen.
Die Berechnung richtet sich also nach dem Frich- lingsvollmond. Fallt dieser nun auf den frühesten Termin, den 21. März, und ist dieser Tag zufällig ein Samstag, so ist tags darauf Ostersonntag; somit ist ber 22. März ber früheste überhaupt mögliche Termin. Fällt ber Vollmonb aber auf ben 20. März, mithin einen Tag vor bem Frühlingsanfang, so ist ber erste in ben Frühling fallenbe Vollmonb erst neununbzwanzig Tage später zu erwarten, solange bauert ein Monbumlauf, nämlich am 18. April; ist nun biefer ein Sonntag,
fällt Ostern auf ben kommenden Sonntag, den 25. April; das ist der f p ä t e ft e Dftertermin, der überhaupt möglich ist.
Diese beiden äußersten Termine sind nun sehr selten, und nach Berechnungen sollen sie je nur einmal in hundert Jahren vorkommen. Das letzte früheste Ostern fiel auf den 22. März 1818, dürfte also von keinem der heute Lebenden mitgefeiert worden sein. Das vorletzte früheste war 1761, und bas nächste wirb erst im Jahre 1970 fällig sein. Aus ben spatesten Termin, ben 25. April, fiel Ostern zuletzt 1886, bas nächste späte Ostern ist nierb roürbigerroeife schon halb, nämlich 1943. Das letzte Spätostern vor 1886 fiel in das Jahr 1834. Seit bem Konzil von Nicäa, also seit 1614 Jahren, ist der 22. März vierzehnmal, der 25. April nur brei- zehnmal als Ostersonntag begangen worben.
Fleißige Rechner Haden noch manches Interessante herausgesunden, z. B. folgenbes: „Mehr als breimnl so häufig wie in ben März fällt Ostern in den April; von 1922 bis 1928 war Ostern stets im April. — Uebrigens kann das Fest nie zweimal hintereinander in den März fallen, was leicht einleuchtet, wenn man bedenkt, daß sich der Frühlings- (unb natürlich auch jeber andere) Vollmond alljährlich um elf Tage gegenüber bem Datum bes Vorjahres verfrüht." Andere haben errechnet, daß Ostern alle neunzehn Jahre immer wieder annähernd auf das gleiche Datum fällt, und das hat folgenden Grund: 19 Kalenderjahre ent- sprechen — bis auf zwei Stunden und sechs Mi- nuten — genau 235 Mondumläufen um unsere Erde, den sogenannten synodischen Monaten; diesen Zyklus stellte im Jahre 432 vor der Zeitwende der berühmte griechische Mathematiker M e t o n aus Athen auf. Meton fand schon, daß die einzelnen Mondphasen immer fast auf die gleichen Kalendertage fallen, so daß natürlich auch das von der Vollmondphase abhängige Osterfest stets auf annähernd dieselben Tage fällt. Der metonsche Zyklus ist nod) untergeteilt in eine elf- unb eine acht- jährige Periobe, in benen Ostern auch fast immer
erstehung ber Natur, unb bies erkannte auch die Kirche an, indem in ber altdeutschen Ostersonntags- musik eine Orgelpfeife seinen Ruf nachahmen mußte. Im Niederdeutschen wird ber erste Sonntag nach Ostern wohl auch „Kuckucks-Sonntag" genannt, während man in Westfalen bisweilen noch ber alten Sitte begegnet, baß ber, ber zu Ostern ben ersten Kuckucksruf hört, ein besonderes Osterei, das „Kuckucksei", zum Geschenk erhält. Ein in ber Schweiz beliebtes Ostergebäck hat bie Gestalt eines Kuckucks unb führt ben Namen „Guggusbrot".
Als bann später ber Kuckuck als Frühlingsbote burch bie Schwalbe nerbrängt würbe, ba fand auch dieser freundliche Sänger Aufnahme im Osterglau- ben. Vielfach ist bie Meinung verbreitet, baß der Anblick eines Kuckucks am Osterrnorgen Augenkrankheiten zu heilen imftanbe sei, und bie Schwalben werben bisweilen gradezu als „Ostervögel" bezeichnet. In ben Formen bes Ostergebäcks, bie ja so überaus reichhaltig finb, hat sich auch noch bie Erinnerung an anbc're Ostervögelbräuche erhalten. So gibt man in Straßburg ber österlichen Backware bie Gestalt eines Storches, während in vielen anderen Gegenden der bie Sonne verkündende Hahn als der rechte Prophet des wiederkehrenden Lichtes im Kuchenteig nachgebilbet wirb. Auch die Henne tritt in biefen ©ebilbbroten auf.
Ein Nachklang altchristlicher Vorstellungen ist bie Verwendung bes Pelikans bei ber Gestaltung mancher österlicher Genüsse. Er findet sich auf Lebkuchen, in Marzipan unb auf Ostereiern abgebilbet. Der Pelikan, ber pad) ber Sage sich mit bem Schnabel bie Brust aufhackt, um feine Jungen mit feinem eigenen Blut zu tränken, galt als Sinnbild ber Aufopferung und daher bes sich zu Ostern selbst bar- bringenden Erlösers. In Griechenlanb erscheint bie Taube als Ostervögel, wührenb sie sonst allgemein zu Pfingsten als Symbol bes Heiligen Geistes gefeiert wirb. Ein uralter Frühlingsvogel, ber früher mich hier unb ba im Osterbrauch unb besonbers in ben Dfterprebigten hervortrat, ist der geheimnisvolle Phönix, den schon die alten Aegyper kannten. Dieser Vogel galt für unsterblich; man erzählte, baß sich sein Körper, wenn er sterbe, in ein großes Ei verwandle, aus dem alsbald ein neuer Vogel Phönix ausschlüpfe. So verkörperte er also recht eigentlich bie im Winter erstorbene Natur, die im Frühling zu neuem Leben erwacht. C. K.


