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Nr. 85 Zweites Blatt

8./Y. April ltzZY

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen)

Fröhliche Ostern in deutschen Landen

Parks

(Elif. Hase, Frankfurt a. M.)

Ostermorgen.

die Singdrossel die Bruchstücke ihres immer

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Und am schönsten erscheint mir dies Helldunkel der Osterzeit in und bei München, im deutschen Alpenlande. Die Veilchen haben draußen schon ge­blüht in Farben vom zarten Luftdlau bis zum Dunkelblauen Purpur. Nun fällt Regen, ja es fällt Schnee, der Winter nimmt sich sein letztes Recht, »der man muß ihn loben, daß er es gerade noch Dor dem Aufbrechen der Obstblüte tut, und Feuchtig-

Osterschinken auftragen und daneben den Wein in kristallenen Römern blinken. Und am liebsten ver­setze ich mich in ein vertrautes dörfliches Gasthaus. An den Tagen zuvor haben die bunten Glaskugeln am heiligen Grabe geglommen, die Karfreitags- Ratsche hat durch die Gasse geknarrt, das uralte Feuertaufen hat die geweihte Glut von Haus zu Haus getragen. Nun scheint die Ostersonnc auf den blankgescheuerten Wirtstisch, sie trifft zwischen ge­blümtem Kaffeegeschirr das schneeweiße zucker­gegossene Osterlämmchen mit der Scharlachfahne und trifft im Herrgottswinkel die eingesegneten Palmkätzchen, die nur die Namen der südlichen Palme tragen, in Wahrheit aber altnordische Reiser sind, die das Haus vor Blitz und Feuer schützen sollen. Draußen vor dem Dorfe schlingen die Schnee­glöckchen ganze Teppichläufer am Bach entlang durch die Viehweide; die Hirsche die das Geweih nun abgeworfen haben, treten noch einmal bis in die Nähe der Häuser; aus den Dickichten, in denen

die geistige Sonne durch eine abstrakte Theologie wohl zeitweilig überschattet, aber nie ganz aus den Herzen verdrängt werden. Dieses kosmisch erlebte, Über Leiden und Tod triumphierende Christentum, das neben den Dulder den Sieger, über das Düstere und Niederdrückende das Helle und Strahlende stellt, hat darum in unserer deutschen Kunst nicht auf­gehört, der andere Mittelpunkt der gewaltigen Ellipse zu sein, in der sich Ostern vollendet. Wohl steht in Grünewalds Fsenheimer Altar der furchtbar zerfleischte Leib des Gekreuzigten im Zentrum der Darstellung, aber was wäre uns dieser Anblick des Erbarmens ohne sein ganz in Sonne und Freude aufgelöstes Gegenbild des mit aus­gebreiteten Armen dem. Grabe entsteigenden Finster­nisbesiegers? Ein Körper fast ohne Schatten, ganz lichtdurchlässig, umgeben von einer Gloriole, die vom erdnahen Grün zum himmlisch verklärten, jubelnden Rot hinüberspielt und uns Goethes Wort von der geistigen Bedeutung der Farben erst recht verstehen lehrt. Es wäre gut, wenn wir im Anblick dieses Grünewaldschen Auferstehungs­bildes das Fest des Lebens feierten, weil es uns sagen kann, daß Ostern nicht nur einen Karfreitag, daß es auch einen Sonnentag hat.

feit kann der Boden gut brauchen. Es ist eine Zeit und ein Kampf zwischen Sterben und Auf­erstehen, und auch der Winter dient dem Frühling, der Tod dem Leben. Der Schnee bleibt nicht liegen, mit seinen tötenden Flocken spielt die lebenschaffende Aprillaune, und durch Sturm und weißen Wirbel dringen die hoffnungsseligen, lebensgläubigen Flöten

Rasenboden aufgerauht, und nun glätten ihn Wal­zen, von Pferden gezogen. Wurmsuchende Stare im schillernden Stahlkleid folgen ihnen, mit gerecktem Halse merkwürdig krabbelnd, und ein Duft von Erde und Kräutern steigt auf. Der Schlehdorn blüht, weiterhin blühen gelbe Sträucher, die Kornelkirsche oder schon die Forsythie, am Bach entlang reihen sich die Kätzchen, und über dem Spiegel des Teiches schleiem goldgrün die Trauerweiden. UeberaU vor den Gaststätten stehen schon Tische und Stühle im Freien, aber sie sind schräg gekippt und lassen die Nässe von ihrer blanken frischen Farbe abrinnen, erwartungsvolle Tafeln, die nach dem ersten trock­nenden Sonnenblitz von österlichem Festgewimmel beschrieben werden wollen.

Draußen, näher ober ferner vor der Stadt, wer­den dann die beiden Feiertuge zu einem wahren Naturfest. Ich sehe in einem Landhaus am Walde auf einem weißgedeckten Frühstückstisch brennende Kerzen, kleine Nachfahren alter germanischer Oster­feuer, in silbernen Leuchtern stehen und Moos- nefter voll bunter Eier liegen, besteckt mit Seidel­bast, Anemonen, Primeln und Leberblümchen. Ich sehe in einem anderen Freundeshause den warmen

3eiffcbriften.

Die Osternummer derI l l u st r i r t e n Zei­tung Leipzig" bringt u. a. entzückende Trach­tenbilder, Landschaftsaufnahmen und Beiträge aus dem Frühlingsleben der Natur, vor allem den bild­lich sehr interessant aufgemachten BeitragHoch­zeiter im Tümpel". Ein umfangreicher Modebei­trag behandelt das ThemaFrühling im neuen Kleid" woran sich eine Modeplauderei über wich­tige Kleinigkeiten, Handschuhe, Taschen usw. an- schließt.

ansetzenden Flötenliedes spinnt, brechen die Rehe, und in den Erlenbeftänden der Sumpfstellen und in den Kiefern der Torfbrüche balzen die Birkhähne.

Wenn Ostern spät fällt, kann man schon höher in die Berge wandern. Und auch dort fehlt es an Blumen keineswegs im Revier. Aus unfruchtbarem Kalkgeröll weiß der gelbe Huflattich längst schon seine Nahrung zu ziehen, durch die Schneeklexe um die Heustadel eratmen die Flämmchen des wilden Krokus, des Safrans, sich ihren Lebensraum, und ebenfalls schon aus dem Schnee heraus schmelzen die gefransten Röckchen und Glöckchen der Solda­nelle.

Ostern in deutscher Bergnatur! Die Frühlings­heide blüht in rosafarbenen Polstern an den Ab­gründen über silberner Gipfelschau, die Latschen duften wie Weihrauch, der Buchfink trillert sein Gebet, das spitze Glöckchen der Kohlmeise läutet zweistimmig, der Boden rauscht und gluckst von hundert Tönen der Schmelzwässer, und in der blauen Luft begegnen sich der dunkle Trauermantel und der goldene Blitz des Zitronenfalters als Pas­sion und Auferstehung.

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Handlung en Ausführlich

Ostererwachen.

Von Mana Kahle.

lieber den Vorfrühling herrscht der sanfte schim­mernde Mond.--Die Tage sind noch grau und

triefen von Nebeln, aber an den dämmerlichen Abenden beginnen Träume über dem Land zu weben. Der Mond verzaubert die Fluren und Felder und weckt das Ahnen, das nur in der Nacht sich erhebt. Die Tage sind noch grau,, und wir tragen weiter die Not des Winters. Noch ist nicht die Zeit, wo das matte Sonnenlicht, das zuweilen die Wol­ken umsäumt, als loderndes Feuer hervorbricht. Doch in der Nacht beginnt das Kommende schon unruhevoll sich zu regen.

Die Erde träumt wieder ihren uralten Schöpfungs­traum. Alles was wird, ist zuvor einmal gedacht und geahnt, und in den Dorfrühlingsnächten, wenn ein feuchter Wind durch starre Wäller saust, zieht durch den Schlaf der Menschen verschleiert das Träu­men der sich erneuernden Erde; die Wunder, die sich x vorbereiten, werden Glanz und Rausch in Bildern und Chören und Gesängen: die grünenden Birken und hellseidenen Buchenwälder, der rosenweiße Blü­tenschaum an den Apfelbäumen, das Blau der Veil­chen und das samtene Gras der Wiesen, die weißen Lämmer, die in der Schafherde springen!

Wir wollen den Winter verbrennen, der dürr und fahl geworden ist wie der Strohmann, den wir mit den trockenen Reisern zum Osterfeuer bringen. Dort auf dem Hügel liegt schon ein großer Stapel geschich­tet; macht ihn nicht zu hoch, damit wir noch dar­über wegspringen können! Ja, in der Nacht, wenn der Mond alles unwirklich macht, dann glauben wir, über das Welke und Dürre aus unserem Leben hin­wegspringen zu können. Wir glauben es in diesen Vorfrühlingsnächten, daß wir neu werden können, daß wir rein und gläubig von neuem beginnen werden.

Viele Tode sterben wir, bis wir alt werden. Das sagt sich so leicht dahin; doch jedesmal ist es ein Sterben in Qualen, ein Vernichtetwerden. Viele Tode sind wir schon gestorben, und lange Zeit ver­ging, bis sich die Kräfte des inneren Lebens wieder neu aufbauten. Aber ist es nicht ein Wunder, daß wir diese Auferstehung erlebten? Daß wir sie erleb­ten nach solch einem Leid? Daß wir, die verzweifelt am Grabe standen, wir, denen Verrat den Glauben an die Menschen zerschlug, daß wir trotzdem wieder aufs neue lernten, die Erde und die Menschen zu lieben? Ja, daß wir wieder jubeln können über die erste Lerche, die sich aus grünem Roggenacker mit glückseligen Liedern in das Himmelsblau aufschwingt? Daß unser Herz singt mit der Lerche, daß es leuchtet aus den goldenen Osterblumen, den sonnenfarbenen Narzissen, wenn sie aus der braunen Erde unserer Bauerngärten aufblühen!

Am Weg, der zu den Bergen führt, steht ein ganz alter stacheliger Schwarzdornbusch. So dürr und bart war er, als ob kein Tropfen Saft mehr in ihm lebte. Aber es kam ein Morgen, da war er von weißen Blüten überschüttet. Nein, es ist nichts von außen her über ihn ausgeschüttet worden, es ist von innen hervorgetrieben. Ach, mächtig ist das Blut der Erde im Frühling! In den starren schwarzen Stachelstrauch braust es hinein und schießt durch seine welken Zellen und feuchtet sie mit süßem Sait und läßt sie schwellen, bis der Dornenstrauch wie trunken steht und sich ganz dem Wunderbaren hin­gibt, das in ihm treibt und nun aus ihm heraus­bricht in zahllosen weißen Blütensternen! Und wer ibn sieht, fühlt in seinem innersten Sein das gleiche Wunderbare; wie die Schönheit des Blühens unser Herz ergreift!

Die Erde wird neu; in den Nächten des Mondes bringt die geheimnisvolle Erregung alles Geschaffe­nen in unser.Blut und in unsere Seele. Es soll noch einmal Anbeginn fein, Auferstehung! Das Vollkom­mene, das Göttliche, das Schöne durchbricht die Winterstarre. Heber die Dornen der Abwehr sprie­ßen verschwenderisch die Blüten. Daß die Liebe ewig ist, stärker als der Tod, hatten wir es im Leid des Winters vergessen? Daß auch wir blühen kön­nen, vergaßen wir es in der Bitterkeit, in der Karg­heit und Armseligkeit grauer Tage? Jetzt wissen wir es wieder: Uns zu verschwenden, danach treibt die Sehnsucht unseres Herzens--

Christi vergeblich suchen; erst verhältnismäßig spät wird sie in den Osterzyklus ausgenommen, um dann freilich nicht mehr daraus zu verschwinden. Zahllose Kruzifixe, nicht bloß die kleinen auf den Altären, auch die in Holz geschnitzten riesigen Triumph­kreuze über dem Eingang der Chöre, zeugen davon, nicht minder die im hohen Mittelalter sehr beliebten plastischen Teilausschnitte aus der Leidensgeschichte: der Schmerzensmann, die Pieta (Vesperbild), die Christus-Iohannes-Gruppe. In den Altargemälden und den Portalreliefs der Kirchenfassaden werden alle Vorgänge der Passion vom Einzug in Jeru­salem bis zur Auferstehung durchlaufen, sei es in gerahmten Einzelbildern, sei es, wie in der Relief­plastik, in dichtgedrängter Folge, die das zeitliche Nacheinander in ein räumliches Nebeneinander ver­wandelt, die verschiedenen Stationen also bandartig aufreiht, ohne sie durch Zwischenräume zu trennen. Die Art, wie es geschieht, nicht selten durch Ein­schiebung burlesker Züge ober inbem bie Szene sich auf einer Art Schaugerüst abspielt (Mittelportal in Straßburg), macht es wahrscheinlich, baß sich bie Maler unb Bilbhauer bie im Freien ausgeführten Passionsspiele ber mittelalterlichen Mysterienbühne zum Vorbild genommen haben. Die bedenkenlose, gewiß oft wörtliche Uebernahmc bestimmter Auf­tritte des religiösen Dramas in die bildende Kunst bürgte für jenes Höchstmaß von unmittelbarer An­schaulichkeit, die das geschichtliche Geschehen in ein immer neu erlebbares Gegenwartsereignis ver­wandelte.

Untrennbar von ber Passion aber ist bie Auf­erstehung als bie Krönung unb zugleich Aufhebung des Leibens. Wer unter dem Kreuze stehen bleibt, hat, wie das ganze Christentum, so auch Ostern nur halb begriffen. Gerade bei den germanischen Völkern hat sich die großartige Vorstellung eines mit dem Auferstandenen innigjt verbundenen Sonnengeheim­nisses immer lebendig erhalten, konnte Christus als

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der Amseln.

Wir rüsten bei jedem Wetter zur Osterfahrt. Aus Lichtschauern und Nässeschauern, aus Kälte und' Wärme mischt sich die Erwartung, gebiert sich der Frühling. Und wenn eine Stunde nur den Himmel und die Erde schmilzt es ist der all­mächtige Blick der Verheißung. Er trifft uns auf jedem Gang ins Freie, auch in und bei der Stadt. Das staunende Auge heilt sich vom Winter an der plötzlichen grünen Wohltat der Wiesen. Sie sind durchstickt von Schlüsselblumen und fragen einen schwebenden Sternenhimmel aus Anemonen. In den haben Eggen, von Ochsen gezogen, den

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Bayerische Ostern.

Von Hans Brandenburg.

Wir müssen uns erinnern, wie unsere Vorfahren, die keine gepflegten Straßen, keine Zentralheizung unb kein elektrisches Licht, keine Schnee- unb Schlitt­schuhe kannten, unten dem Winter litten, so hart, daß sie seine Schönheit nicht sahen. Diese mittel­alterlichen Deutschen sind es, die Goethes Oster­spaziergang vor uns hinstellt. Sie erwachen zu Ostern wirklich wie aus einem Todesschlaf, sie lösen sichaus ber Straßen quetschenber Enge" wie aus einer schweren unb dangen Haft zum erstenmal wieder ins Freie.Sie feiern die Auferstehung des Herrn, denn sie sind selber auferstanden". Etwas davon ist uns für immer geblieben, wir können einen Auferstandenen nicht über uns sehen, wir können die Auferstehung des Herrn nur feiern, wenn wir selbst mit ihm und aller Natur und Kreatur auf­erstehen. Und das ist für uns Deutsche zugleich auch immer eine Auferstehung des Volkes, eine Auf­erstehung zur Volksgemeinschaft. Da sind die Men­schen in Frühlingskleidern, die Blumen im noch kahlen Revier, da heißt es überall, wo sich unseres­gleichen scharenweise wieder im ersten Strahl der Sonne lagert ober fummelt:Hier ist des Volkes wahrer Himmel, zufrieden jauchzet groß und klein: Hier bin ich Mensch, hier darf ich's fein."

Viele Osferfpiese und Osferbräuche gab es früher, das meiste davon ist verschwunden, aber manches hat sich erhalten, und, alles überdauernd, fand Ver­breitung in der ganzen Christenheit das Osterei. Das Ei ist das uralte Sinnbild des Ursprungs und des Werdens, es ist also das rechte Festsymbol für Frühling und Auferstehung, und auf alten Bildern steigt Christus mit der Siegesfahne aus einem eiförmigen Grab. Die Kinder glauben an den Oster­hasen, der die bunten Eier legt. Das belächle man nicht als ein Ammenmärchen. Schon das Wort Ammenmärchen sollte vielmehr für rechte Ohren ehr­würdig klingen. Im Kinde lebt immer noch einmal wieder die Welt der Mythen auf, und Mythos lebt fort in der Form des Märchens, fei es zuletzt auch nur noch in den Märchenvorstellungen des Storches, des Christkindes, des Osterhasen. An den ausschla­genden Hecken, in Wintersaaten und im noch kahlen Walde ist der Rammler überall fleißig am Werke, und wenn bie Volksphantasie ihm bie Eier unter­schiebt, bie bas Febervieh in ber Legefreude des wachsenben Jahres legt unb oft genug in Walb unb Felb verlegt, unb biese Eier obendrein mit allen Farben des Frühlings schmückt, so verstößt 2)05 nur gegen die Naturgeschichte, verknüpft aber in weif tieferer als zoologischer Bedeutung früh- lingsanmutig die Nafursymbole der Zeugungskraft -unb ber Fruchtbarkeit, bes Keimens unb Aus-

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Herrenmahl auf bem Lettner mit nur fünf Jüngern anzuorbnen, anstatt sich an bie obligatorische Zwölf­zahl zu halfen. Im ganzen jeboch gilt für bas ge­samte Mittelalter ber Satz, baß bie Bibel ein un= veränberliches, unantastbares Gut ist, bas bie Kirche verwaltet unb ber Kunst mit ber Verpflich­tung übergibt, es den Gläubigen ohne Abstriche unb Zutaten anschaulich zu machen.

Erst mit der Geburt bes mobernen Menschen im 16. Jahrhundert lockert sich das Verhältnis zwischen künstlerischer Individualität unb theologischer Über­lieferung; bas Szenarium wird erweitert, kleine genrehaste Züge beginnen, bie alte strenge Ord­nung aufzulösen ein Umbruch, der etwa in Dürers Kupferstich- und Holzschnittfolgen deut­lich zu verfolgen ist, ohne daß durch die größere Freiheit in ber Bildgestaltung bas fromme Gefühl Schaben leibet. Noch in ber Renaissance hat Ostern von seiner Anziehungskraft auf bie religiöse Phan­tasie nichts eingebüßt. Allein bie Zeit ber Kothe- bralen unb ber großen Altäre neigt sich ihrem Ende zu; weniger häufig als früher finben mir nun bie einzelnen Stationen bes Ostergeschehens, in Stein gemeißelt, an ben Bogenfenstern ber Kirchenportale dargestellt, und wenn auch das gemalte Altarbild weiter in Hebung bleibt: die größte Volkstümlichkeit gewinnt jetzt das kleine Format der massenhaft verbreiteten graphischen Kunst, in welcher sich Profanes mit Religiösem oft seltsam vermischt.

Noch immer aber bekennt Dürer, die erste und vornehmste Aufgabe der bildenden Kunst sei die Schilderung der Passion bes Herrn. Wohlgemerkt: ber Passion mit ihrem Zentralmysterium ber Kreu­zigung! Das frühe Christentum kannte sie nicht, eine ehrfürchtige Scheu hinberte es, ben Stifter ber christlichen Religion im Erleiben bes grausamsten Martyriums im Bilbe barzustellen. In ben Kata- fombcnmalereien etwa wirb man eine Kreuzigung

schlüpfens.

Nicht nur bas Osterfest, fonbern auch ber Fruh- fling fällt bei uns bald früher, bald später, schon iiarum wäre meist nicht viel bamit gewonnen, wenn man ben Tag festlegt. Doch ganz allgemein können tnir hier in Oberbayern sagen, baß_ Ostern, so sehr es wechselt, zwischen den Schneeglöckchen und den Himmelsschlüsseln liegt. Schnee kann noch einmal sollen, verschneite Ostern kommen vor,aber bie Sonne bulbet kein Weißes", heißt es im Oster­spaziergang, und immer schon webt ber kleine unb doch allgewaltige Zauber:Im Tale grünet Hofs- mmgsglück". Unb zwischen Hoffnung unb Trauer leitet bie Passion zum Auserstehungstage.Wir setzen uns mit Tränen nieber", singt mit ben Klän­gen Johann Sebastian Bachs ein ganzes Volk und Die Arie einer Einzelstimme folgt uns mit süßer Klage in das Erwachen der Natur:Blute nur, Du liebes Herz!" Eduard Mörike hat die Karwoche srnst gefeiert als die Zeugin heiliger Beschwerde, die im verjüngten Strahl der Sonne des Kreu<zes Schatten auf die lichte Erde breitet, unb Hugo Wolfs Vertonung schlingt burch die Trauerflore, durch die bumpfen Glockenklänge, burch bie leisen Srabgefänge unb burch bie Weihrauchwolken dieses Gedichtes bie unschulbige Jubelbegleitung eines

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Odern in der demschenKnnsi.

Von Ernst von Aiebelschüh.

Keines der großen Feste im christlichen Jahres- liouf ist von der altdeutschen Kunst so häufig bärge- ; ließt worden, keines hat bie Phantasie ber Maler mb Bildhauer so anhaltend beschäftigt wie Ostern. Me bei aller religiösen Kunst der Vergangenheit : beleibt allerdings dabei zu berücksichtigen, daß bie Kirche mit Hinweis auf bie Berichte ber Soange* ; inen nicht nur bie Themen vorschrieb, sondern auch

*ie Form ber Darstellung bis ins einzelne hinein io genau bestimmte, daß, während bes ganzen ' Mittelalters wenigstens, Abweichungen von bem geologisch geheiligten Kanon nur selten vorkom­men, von einer persönlichen Auffassung bes Künst­lers also kaum je bie Rede sein kann. Das Bild 1 iralt als bas Werk ber Kirche oder boch bes kirch­lichen Auftraggebers, nicht bes Künstlers, dessen Linbildungs- und Erfiiibungskraft sich nur in ben lngsten Grenzen bewegen bürste, besten Namen Dir barum auch in ber Mehrzahl ber Falle nicht kennen E« wäre, um nur ein Beispiel zu nennen, canz unbenfbar, baß bei der Kreuzigung Mana nib Johannes bie ihnen angewiesenen Platze unter iVem Kreuzbalken vertauschen ober ber Blick bes Erbenden Heilands sich bem ßiebhngsjunger am rott ber Mutter zuwenbet. Aehnlich verhält es sich ritt ben übrigen Passionsszenen; immer stehen die 1 anbelnben Personen da, wo eine jahrhundertelange leberlieferung sie hingestellt hat, so daß man es l ereits als eine Tat von folgenreicher Bedeutung cnsehen muß, als man dazu überging, die biblifche Vorschrift, die ben Johannes beim Abendmahlan 1 er Brust bes Herrn liegen" läßt, zu durchbrechen, tibor wenn der Naumburger M e i st e r es nagen konnte, aus künstlerischen Gründen bas