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Bec Butiker am Sahnhof

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re-! Tripolis nach Ost-Libyen veranstaltet wird, vor em mächtigen Wasserreservoir der eben gegrün­

deten, nach dem alten italienischen Staatsmann

besonderem Maße zu. Wer sich für einen akademi- chen Berus nicht berufen fühlt, wer keine Lust und eine Liebe empfindet für die Wahl eines Studiums, 3er lasse lieber die Hände davon. Wer aber diese persönlichen Voraussetzungen besitzt, der sei drin­gend davor gewarnt, das Hochschulstudium vielleicht nur deshalb zu unterlassen, weil viele der Schul­kameraden es in falscher jugendlicher Einstellung

!lrrgt wirtschaftlich hausbacken, wenn auch unan« Achtbar. Der Duce aber hat das so ausgedrückt: ilsenn wir hier in Nordafrika Siedlungen ins Leben irren wollen, so müssen wir Sonne und Waf­er miteinanderHochzeit halten lassen! !In das Wort mußte ich denken, als ich mit den Qilnehrnern der internationalen Studienfahrt, die fit Anschluß an den tropenwirtschaftlichen Kongreß

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V.

Hochzeit von Sonne und Wasser.

Kolonie Crispi in Tripolitanien, Ende März 1939.

Mussolini hat mit andern großen Politikern auch 6cs gemeinsam, packende und schlagende F o r m u - !i»er ungen für seine Ideen zu finden. Daß in ihrem heißen und trockenen Klima Kulturen nur nut Hilfe künstlicher Bewässerung gedeihen können,

Durch Italien nach Tripolis

Eindrücke einer Ifieife von Dr. Paul Rohrbach.

Die Westfront nach 20 Jahren

Von unserem H. E.-Sonderberlchtersiatier.

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ausgezeichneten, nährstoffreichen Bodens überhaupt keine Kultur möglich.

Das Sammelbecken faßt 3000 Kubikmeter, das sind drei Millionen Liter Wasser, und wird aus einem nahe dabei liegenden artesischen Brunnen gespeist. Aus vier mehr als armdicken Röhren spru­delt das Tiefenwasser hervor und wird durch einen Kanal in das Bassin geleitet. Wir waren erstaunt, als wir die Hand hineinsteckten, es fast so warm wie Badewasser zu finden, 32 Grad. Das erklärt sich nicht nUr daraus, daß die Bohrung bis auf 400 Meter Tiefe hinabgsht, denn ein nicht weit entferntes ähnliches Bohrloch liefert bedeutend küh-» leres Wasser. Man weiß noch wenig oder nichts darüber, woher die Wasservorräte in der Tiefe des Saharabodens stammen. Jedenfalls müssen sie sehr groß sein, denn nicht sehr weit von Crispi und Gioda liefert eine Riesenquelle in der Palmenoase von Taorga, dicht am Meere, 6000 Liter Wasser in der Sekunde. Davon leben 90 000 Dattelpalmen und die Weizenfelder der Oasenbewohner. In den Oasen aber gehört das Land den Eingeborenen und kann nicht für Europäersiedlungen verwendet werden. Die Quelle von Taorga ist auch die einzige in ihrer Art an der ganzen nordafrikanischen Küste von Tunis bis Aegypten.

Einen artesischen Brunnen von 400 Meter Tiefe zu bohren dauert etwa zwei Monate. Die beiden Kolonien Crispi und Gioda sollen zusammen zwan­zig Bohrungen erhalten, deren dauernde Wasser­lieferung für 400 Bauerngüter von je 10 Hektar Bewässerungsland ausreichen wird. Mit Zuhilfe­nahme des wenn auch geringen Regens und genüg­samer Baumkulturen, wie Oliven, kann die gesamte Nutzfläche der Siedlungen auf 10 000 Hektar aus­gedehnt werden. Am meisten Ansprüche an Berie­selungswasser machen Luzerne und sogenannte Industriepflanzen, wie Baumwolle und Erd­nüsse. In Crispi wurde uns Baumwolle der im Vorjahr eingebrachten ersten Ernte gezeigt, mit einer wundervollen seidenweichen Faser von zwei-

als eineüberlebte Angelegenheit" ansehen. Entschei­dend bleibt, gerade do fr hoher ideeller Worte aus aesehen, immer, daß die h ö ch st m ö g l i ch st e L e i - st u n g für die Gesamtnation von jedem einzelnen beigesteuert wird. Das aber wird in bezug auf die geistig-schöpferische Leistung gesichert sein, wenn die jungen deutschen Männer den akademischen Berufs- weg einschlagen, die dafür berufen sind.

Lrrispi genannten Siedlung stand.

Dom Siedlungsleiter wurden wir dahin belehrt, ^3 es hier, über 200 Kilometer östlich von Tripolis, jur noch höchstens 150 Millimeter im Jahr regnet. 3:5 ist etwa ein Viertel der normalen jähr- icxen Niederschlagshöhe von Mitteleuropa, und bei itmenig Regen gedeiht nicht einmal mehr der an- inuchsloseste aller Fruchtbäume des Mittelmeer- exietes, der Oelbaum. Libyen wird, je weiter nach Ifien, desto trockner, d. h. die Sahara rückt immer oyer ans Meer. Erst wenn man von Tripolis 0*0 Kilometer ostwärts gefahren ist, trifft man auf em Plateau von Barka, der alten Kyrenaika, wie- e- günstigere Regenoerhältn-isse, weil sich die 'Uüeresfeuchtigkeit an den Rändern des Hochlandes eidichtet. Hier, bei Crispi und der Nachbarkolonie lZ: o d a, wäre aber ohne das Heraufholen unter» rläfcher Wasservorräte aus großer Tiefe und ihre 2»ermählung" mit der afrikanischen Sonne trotz des

VI.

französisches Leben in der Welttriegszone.

Als wir bei Romagne-sur-Monfaucon )ie deutsche Kriegsgräberstätte aufsuchten, verweil­en wir im Innern des dortigen Ehrenmals mit ? efonderer Andacht vor dem in Gold und Schwarz Lusgefiihrten Mosaikbildnis einer deutschen Mutter, ! ie trauernd ihren gefallenen Sohn ins Grab senkt. Line unaussprechliche Werhestimmung ging von üeser Darstellung aus und erfüllte den ganzen 3aum eine Wirkung, die wohl deshalb so ein- dringlich war, weil die Szene dieser Grablegung us der Diese der deutschen Seele geschaffen wurde. 3or dem Bildwerk sahen wir einige Erinnerungs- :aben ausgebreitet, die wohl von Angehörigen der ter bestatteten Soldaten niedergelegt waren. Aber ehe da, es befanden [ich auch Gegenstände in i t ranzösischer Inschrift und franzö- lüschen Farben darunter. Man sagte uns zur Erklärung, daß die französischen Bäuerinnen des 3orf.es gerade diesen Platz an den hohen Feier- □gen besonders gern besuchen, um hier ihr Gebet u verrichten, des eigenen toten Sohnes zu ^denken und ein Zeichen der Ehrung niederzu- !»gen. Der natürliche Sinn dieser Frauen aus der Naasgegend fühlt sich offenbar angesprochen von

Empfindung, welche die deutsche Ehrenstätte mtsbehen ließ.

Diese Beobachtung zeigte die eine Seite des ranzöfischen Wesens, zeigte noch die bäuerliche Nrundhaltung des französischen Volkes, seine fronv ite und einfache Denkungsart, seine Naturverbun- !enl)eit und seinen inneren Reichtum. Hinter der Höflichkeit, die jeden Franzosen im persönlichen Verkehr mit den Fremden auszeichnet, spürten wir Hin und wieder auch die Sprache des Herzens, fleißig und gottesfürchtig ist die Landbevölkerung j ner Gegenden, die wir durchfuhren, aber auch s»arsam und sehr, sehr konservativ trotz aller modernen Errungenschaften der Technik. Das Fest- talten an den Sitten und Gebräuchen der Väter tegegnete uns in den dreirädrigen Karren, die zu jidweder Verwendung im Personen- ober Wagen- isrkehr benutzt werden, und die man je nach der t schwere der Last mit ein, zwei, drei ober auch vier rvterein and gehenden Pferden bespannt. Wohlge- luhrt und von guter Zucht schienen all-gemein die schweren Rösser zu sein, die man statt der neu­zeitlichen Motorfahrzeuge überall noch zur Feld- <"beit, vor allem zur Eindringung der Rübenernte nb ihrer Auslieferung an die Zuckerfabriken gc« t-aucht. Fast glich die Landwirtschaft in den gan- z n Ostgebieten Frankreichs einer Monokultur, b-nn neben wenigen Getreideflächen sah man fast r.ir die endlosen Rüb en ä ck e r, die in erster SLnie wohl die englische Zuckerversorgung sicher- $nftetten haben.

Aber der konservative Sinn, fast möchte man sxgen Eigensinn des Franzosen offenbart sich nicht lur im ländlichen Bereich, wo er immer ange- i-acht ist, sondern auch in den größeren Sied- lo n g e n , in Flecken und Städten. Geradezu gra­tis E mutet doch die Tatsache an, daß man die £rte und alle ihre einzelnen Häuser, bie im Welt­krieg zerstört und dem Erdboden gleichgemacht rurben, genau so winklig, genau so häßlich, ffnau so unmodern und verkehrshindernd wieder Aein für Stein a u f g e b a u t hat, wie sie schon 1514 dastanden. Nuk in wenigen Fällen ist es ge­

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lungen, eine großzügige städtebauliche Neuplanung durchzufiihren, wofür die nordfranzösische Indu­striestadt Lens ein gutes Beispiel bildet. Doch beschränkte sich auch hier die Initiative nur auf bie Straßenglieberung, während die architektonische Gestaltung der einzelnen privaten oder öffentlichen Gebäuden wie überall sonst eine kaum glaubliche Rückständigkeit erkennen läßt. Zement und Ziegel, teils mit schreiend bunten Farben ohne Ausspa­rung ber Fugen von oben bis unten übermalt, teils bie verwaschenen Reste einer roten Tünsche zeigenb, teils ihre traurige Nacktheit dem Auge des verwunderten Fremden darbietend, scheinen die einzigen Baustoffe zu sein, die der Architekt in den nordöstlichen Departements verwenden darf. Bon einer Einordnung der menschlichen Siedlung in die umgebende Landschaft kann bei den meisten Orten dieser Gegend überhaupt nicht die Rede sein. Jeder hat ohne Rücksicht auf die Allgemeinheit und die natürliche Lage dort gebaut, wo es ihm gerade paßte.

In den südlich anschließenden Departements zwischen Reims und Metz, wo in einer zum Teil abwechslungsreicheren waldigen Land­schaft vielfach auch Naturstein beim Hausbau zur Verwendung kommt, ist das Aussehen ber Behau­sungen wesentlich freundlicher, wenngleich auch hier die Bilder einer schrecklichen Verwahrlosung, Verschandelung und Verschmutzung nicht selten sind. Hätte es z. B. nicht nahe gelegen, an histo­rischer Stätte ober auf demChemin des Dames', dort, wo an der großen Straßenkreuzung die Fremdenautos zusammenkommen und parken, eine würdige repräsentative Gaststätte zu errichten? Statt dessen findet man eine kümmerliche Schänke und ein schäbiges graues Haus, dessen selbstge­fällige BezeichnungHotel" bei uns auch nicht der allereinfachste Dorfkrug in Anspruch nehmen würde.

Das also ist die Kehrseite der konservativen Lebensart in Frankreich, die zjpar an einer höchst­entwickelten Kochkunst und Eßkultur beharrlich festhält, im übrigen aber zu eigenständigen Im­pulsen auf anderen kulturellen Gebieten nicht mehr fähig zu sein scheint. Das, was Frankreich an neuem Wollen und Können heroorbringt, dürfte sich auf Paris beschränken, aber nicht ausreichen, um auch noch das übrige Land zu befruchten. Der Provinz bleibt nur der Abklatsch einer Zivilisation, die das Gesicht dieses reichen Landes in der fürch­terlichsten Weise verunstaltet und die zweifellos noch vorhandenen, vorhin erwähnten seelischen Ur­kräfte der Bevölkerung saft ganz überdeckt. Es be- steht keinerlei harmonische Verbindung, keinerlei Ausgleich zwischen dem bäuerlichen Tun und Denken, auf dem die ursprüngliche Kraft der fran­zösischen Nation beruht, und der zivilisatorischen Ueberfremdung, die in Form von unzähligen Ne- klamesünden, von Telefonleitungen und primitiven Tankstellen ihren Einzug in die ländlichen Ort­schaften gehalten hat. Von ber abstoßenden Häß­lichkeit einer normalen Dorfitraße in Ostfrankreich kann man sich kaum eine Vorstellung machen. Es fehlt hier augenscheinlich jeder Wille und jedes Vermögen, um von einem gemeinsamen nationa­len Standpunkt aus diese Mängel zu beseitigen. Träge und gleichgültig fließt der Strom des fran­zösischen Lebens dahin, teilt sich millionenfach und versickert im Sande. Wird diese zu so großen Ta­ten befähigte, aber vom liberalistischen Gift zer­fressene Nation noch einmal die Kraft aufbringen, um die verschütteten Quellen zu öffnen und mit einer neuen Orbnungsibee die Zukunft ihres Lan­des zu sichern?

einhalb Zentimeter Länge, schon fertig in Ballen gepreßt und für die Ausfuhr bereit. Das alles find Anfänge, ebenso wie die vielen Tausende von jungen Oliven und Mandelbäumchen. Der erste Umbruch des Bodens wird für die Neusiedler von den großen, elektrisch betriebenen Traktoren besorgt, bie ihnen bie Leitung bes ganzen Sied- lungswerks stellt. Die Verteilung des Wassers auf die Felder und Pflanzungen geschieht durch ein System von Kanälen erfter, zweiter und dritter Ordnung. Der junge Weizen, der dicht vor der Aehrenbildung steht, zeigt eine für europäische Ver­hältnisse unvorstellbare Dichte und Ueppigkeit des Wuchses. Es ist alles noch im Werden, und die Kolonisten, die meist aus Norditalien stammen, müs­sen die intensive Bewässerungspolitik erst lernen. Zu Hause waren sie alle nicht Bauern, sondern besitzlose Landarbeiter. Der richtige italie­nische Bauer, so wurde uns gesagt, würde nie sein Stückchen Land aufgeben, um Kolonist in Afrika zu werden. Soviel man sehen konnte, waren bie Leute zufrieden und vergnügt und darauf wird bei ber Auswahl besonbers gesehen kinderreich. Am meisten Kinder haben durchschnittlich bie Sizilianer, von benen sich auch hier einige Familien finden. Bei einer sizilianischen Familie schien die Fruchtbar­

keit ein besonderes Maß erreicht zu haben, bentf wir zählten nicht weniger als elf Kinder.

Die Kolonisationsarbeit in Libyen ist halbstaat­lich. In ber ersten Zeit bekommen bie Siedler alles, was sie zum Leben brauchen, geliefert: darauf wer­den sie sogenannte Mezzadristen, d. h. sie müssen die Hälfte ihrer Ernte an die Leitung des Siedlungs­werks abliefern, und erst wenn sie fest eingewurzelt sind, werden sie Besitzer. Im Durchschnitt stellen sich bei der Kolonisation in Libyen bie Kosten für eine betriebsfertig eingerichtete Bauernstelle Ackerland mit Bewässerung, Haus, Geräte, Möbel, etwas Vieh und Verpflegung bis zur ersten Ernte auf 150 000 Lire 200 000 Mark. Davon schießt ber Staat ein Drittel L fonds perdu zu. Der Rest wird dem Bauern als Hypothek eingetragen und mit 2 v. H. Verzinsung, zuzüglich 2,50 v. H. Amor« tifation, normalerweise noch bei seinen Lebzeiten, getilgt. Die Kinder könnten demnach auf u n belastetem Eigentum sitzen. Die Frage, wo später Raum für den Nachwuchs sein soll, wird hier dahin beantwortet, daß der Fortschritt der Bohrun­gen auch in der regenarmen Region noch Land genug schaffen wird, auf dem Sonne und Wasser werdenHochzeit machen" können!

Der Hinweis - ein Viilk in die Zeiischristen.

Dichtung als Arzt und Helfer.

Leben und Literatur" betitelt sich eine Abhand­lung des französischen Schriftstellers Charles D u Bos, bie wir im eben erschienenen 6. Heft ber ZeitschriftCorona" veröffentlicht finden. Du Bos wendet sich gegen das tragische Mißverständnis, daß zwischenLiteratur und Leben ein Widerspruch, ein unversöhnlicher Gegensatz" bestehe, wobei er unter Literatur das versteht, was wir im Deutschen wohl besser als wahrhaft schöpferische Dichtung be­zeichnen würden. Rid)tig verstanden ist die große Dichtung nicht der Feind, sondern ber große Arzt, Helfer und Tröster:Seber von uns hat Stunden gekannt kennt sie vielleicht noch immer, noch heute7, in denen unsere seelische Energie erschlafft, fast erlischt, in denen das Leben uns nichts mehr gibt, weil wir ihm nichts mehr zu geben haben (vom Leben gilt, was Coleridge, ber es nur zu [ehr wußte, rounberbar gesagt hat:We receive but wnat we give",Wir empfangen nur was wir geben") in solchen Stunden, in solchen Zeiten finden mir unsere Zuflucht bei der wahren Litera­tur, bei ihr, die ein erlesenes Gefäß tiefsten, für immer unoersehrbaren Lebens ist, und wärmen uns an ihrer nie erlöschenden Flamme. Und sogar, wenn unser innerer Pulsschlag so schwach geworden ist, daß die Wärme dieses Feuers uns nicht so bald beleben kann, selbst wenn wir jenem Zustand ver­fallen, den ich bei Betrachtung von Baudelaire und von Benjamin Constant den innern Tod genannt habe, selbst bann ist uns bie Literatur ein mächtiger Helfer: sie wird zur Diagnose, sie nennt unser Hebel mit Namen und bahnt seine Heilung an... Für das Seelische gilt ganz das gleiche wie für das Körperliche. Die erste Bedingung, um ein Uebel gleichviel welcher Art, zu heilen, heißt: die Diagnose richtig stellen. Und indem sie solcherart unsre Heilung anbahnt, führt uns die Literatur gerade dadurch, daß sie uns einsehen läßt, daß wir nicht bloß etwas Ungeheuerliches, nicht ein Einzelfall sind, von neuem in ben Kreis menschlicher Gemeinsd)aft zurück, aus dem wir uns verstoßen und ausgeschlossen wähnten: unb indem sie uns durch unwiderlegliche Zeugnisse lehrt, daß Größere als wir ganz das gleiche durch- gemacht, daß ihre Leiden sich von den unseren in nichts unterschieden haben, daß sie sich davon be­freiten, indem sie erst ihrem Schmerz Ausdruck verliehen, dann aber diesen Ausdruck, den sie ihm gegeben, auf ihr Wesen und ihre Seele rückwirken ließen, um sie dadurch zu läutern und umzubilden dämpft die Literatur zugleich in jedem von uns die geringste Regung des Hochmuts und weist uns in die Schranken, doch sie dämpft unseren Hochmut, ohne unsere Natur zu demütigen, ganz im Gegen­teil, sie steigert unsere Möglichkeiten und zieht uns mit sich empor: wir leben wieder auf, und zugleich werden wir von neuem fähig, uns an der Glut ihres Feuers, das nie erlischt, zu wärmen."

Au lockerung" des Ze'tungsinhalts

Das Märzheft derLiteratur" beschäftigt sich in einer Glosse unter dem TitelDas Antlitz der Tages­zeitungen" mit den Bestrebungen des Schriftleiters, den Inhalt seines Blattes inaufgelockerter" Form darzubieten. Die Zeitschrift meint, dasi heute in dieser Richtung entschieden des Guten zu viel geschähe:Betrachten wir zunächst das, was als erstes ins Auge springt: die Ueberschriften. lieber- schriften haben bekanntlich ben Zweck, dem Leser mit einem Stichwort zu verraten, wovon der Aufsatz, ber nun folgt, handelt. Wie häufig wird dieser schlichte unb eindeutige Zweck außeracht gelassen. Statt dessen steht etwas Knalliges da, etwas, das die Neugier, die Leselust des Publikums mit allen Mitteln an­regen will. Seltsamerweise finden sich diese schreien­den Ueberschriften nicht nur auf der Titelseite, son­dern auch imInnern des Blattes", so, als müßte man den, der die Zeitung doch sowieso schon gekauft hat, noch einmal werben. Für diese Ueberschriften- krankheit sei ein einziges Beispiel gegeben. Eine Zei­tung brachte einen Bericht über den Bau einer Sporthalle. Der Bau wurde eilig (eiligst") aus­geführt, die Handwerker mußten in doppelten Schich­ten arbeiten; einige hatten, so versicherten sie dem Berichterstatter, nicht einmal zum Rasieren mehr Zeit. Nun bekam der Aufsatz anstatt der zu erwarten­den Ueberschrift (ttwa:Vom Neubau der Sport­halle" ober:Rascher Aufbau ber Sporthalle") biefe: Keine Zeit zum Rasieren" fett, über brei Spalten. Wie stark hat sich biefe Ueberschriften- krankheit eingebürgert! Sie geht bis hinein in ben Unterhaltungsteil. Wenn ber Schriftsteller einen Reisebericht schickt, der ben schlichten TitelFahrt nach Helgoland" führt, so findet er seine Arbeit später unter dem LockrufDom Mönch zur Langen Anna" wieder. Von den Titeländerungen können alle Schreiber ein vielstrophiges Lied fingen. Es ist, als ob mancher Schriftleiter völlig das Gefühl dafür verloren hätte, daß auch der Titel ein Bestandteil der Arbeit des Schriftstellers ist. Kurzgeschichten werden von manchen Zeitungen nach Ansagerart eingeführt. Etwa so:Heute erzählt Waldemar Meier." Viele Blätter halten es für gut, jede kurze Skizze als Novelle" zu bezeichnen, und möglichst als ihre

eigene, sie schreiben darüber:Unsere heutige Ge­neralanzeiger-Novelle." Erscheint die gleiche Skizze später in irgendeinem Tageblatt, so wird sie dann zu unserer Tageblatt-Novelle". Die Rätselecke heißt: Pst! Nicht stören!",Wer hat Grips?" oderHier werden Kopfe zerbrochen", die Witzseiten nennen sich Mit und ohne Bart". Mißverstandene Volkstümlich­keit breitet sich aus. Ganz auffällig ist die Furcht vieler Zeitungen vor langen Aufsätzen. Es ist, als ob man dem Leser nichts mehr zutraute. Darum werden häufig größere Artikel in kleine und kleinste Abschnitte aufgeteilt, unb jeber Abschnitt erhält eine muntere Zwischenüberschrift. Auf diese Weise ver­sucht man anscheinend, dem Leser die Sache mund­gerecht zu machen, man hofft vermutlich, das Publi­kum möge gar nicht merken, daß man ihm eine lange Arbeit vorzusetzen gewagt habe."

Das Geheimnis der ersten Lichtbilder.

Es ist eine merkwürdige Tatsache, daß bereits in ber Anfangszeit der Photographie Lichtbilder von einem Reiz und einer Schönheit entstanden, die einer späteren Zeit verloren gingen. DemGe- heimnis der ersten Lichtbilder" spürt Richard Hamann in einem Beitrag im Märzheftber neuen linie" nach, wo wir auch prachtvolle Wiebergaben bieser ersten photographischen Bilb- werke finden. Wir möchten besonders auf die fol­gende Ueberlegung des Verfassers Hinweisen:Der

Höhepunkt in dem Anfangsjahrzehnt, in den 40er Jahren des 19. Jahrhunderts, fällt in die Zeit der höchsten Intimität bürgerlicher Kullur, von Men­schen, die weltentrückt, der Oefientlichkeit fern, still ihr eigenes Dasein leben, verbunden mit ihren näch- sten 'Mitmensd)en, mit ihrer Umgebung, mit der Natur. Diese Verbundenheit ist es, die die Bindung von Mensch und Bildfläd)e auch in ber Photographie widerspiegelt. Diese Verbundenheit muß aud) zwischen Photographen und wiedergegebener Person bestanden haben. Sie hat bewirkt, daß in Haltung und Angesicht vom Wesen des dargestellten Menschen etwas zum Ausdruck kommt nicht nur eine Pose für den Moment, daß die Menschen in sich gehen unb sich dem Bilde einfügen, unb nicht auf den Beschauer wirken wollen. Man hat die Empfin­dung, daß dieser Photograph mit ber Hingabe an seine technische Leistung, mit der Beschränkung auf wenige Ausnahmen auch seine Person kennt wie ein Kunstkenner die Werke, die er reproduzieren möchte. Der Abstieg der Photographie in ben fol­genden Jahren beruht nicht auf Verfall ber Kunst in ber Photographie, sondern auf dem Schwinden bes Menschlichen, ber Verallgemeinerung unb Mas- fenprobuttion, ber Sucht, sich zu zeigen, sich zurecht- zustaffieren, der Rücksicht auf die Oefientlichkeit. Weil die Menschheit veräußerlicht, veräußerlicht auch die Photographie."

Aus aller Welt.

SOjähriges IHiÜfärjubtläum des ältesten deutschen Offiziers.

Der Führer übermittelte dem General der Ar­tillerie a. D. Theodor von Bomhard zum 80- jährigen Gedenktag seines Dien st­ein tritt es telegraphisch seine besten Glück­wünsche. Auf seinem stillen Landsitz am Chiemsee fanden sich zahlreiche Gratulanten ein. Die Glück­wünsche der Wehrmacht wurden dem Jubilar von General der Infanterie Ritter v. Schobert überbracht. Die Musikkapelle des Rosenheimer Pio­nierbataillons brachte im Garten des Landhauses ein Ständchen dar. Nach dem Ständchen fand ein Festmahl im kleinen Kreise statt. Glückwünsche waren auch eingetroffen von Generalfeldmarsd-all v Mackensen, Reichsführer jf Himmler, Ministerpräsident Siebert unb anderen.

Vater und Sind mit dem Fahrrad verunglückt.

Der Kellner Otto W a e g e I e i n aus Bad Kreuz­nach fuhr mit seinem Rad nach Rüdesheim und hatte sein öjähriges Töchterchen auf dem Gepäcksitz mitgenommen. Beim Abbiegen in einen Seitenweg wurde der Radfahrer von einem Auto erfaßt unb zur Seite geschleudert. Das Kind wurde einige Meter mitgerissen, fiel bann auf die Straße unb geriet unter die Räder. Es erlag nach einiacn Minuten seinen schweren Verletzungen. Auch des Radfahrer kam s ch w e r v e r l e tz t ins Kranken­haus.

Sbad Tflüdungm fütTlute