Ausgabe 
7.6.1939
 
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Aus aller Welt

Der Schauplatz

en.

schenmenge umlagert,

Der mit

des

bei

alarmierte

Deutscher

2000 Punkten, wodurch der V. B. den Pokal Popolo d'Jtalia" gewann.

Trauriges Lude eines Familienausfluges.

Auf der Landstraße SteinheimDietesheim

dürfte in die Millionen geh, wird von einer erregten Menj

die den Gerüchten von einem Sabotageakt Glauben schenkte. Wie aber der Chef der Polizei Pressever­tretern gegenüber erklärte, ist anzunehmen, daß der Brand durch unvorsichtigen Umgang mit einem autogenen Metallschneidbrenner entstanden ist. Un­verständlich bleibt, warum die Bahnhofswache, die den Brand zuerst bemerkte, eine volle Stunde lang allein versuchte, des Feuers Herr zu werden. Erst als sich ihre Bemühungen als aussichtslos erwiesen,

sie die Warschauer Hauptfeuerwehr.

Sieg im Sternflug der Luflfahrkpresfe nach Rom.

dem ersten Weltkongreß der Luftfahrt-

Eis zu entdecken, wo sie sich ein notdürftiges Zelt­lager geschaffen hatte.

Der Luftschifführer ist nach seiner Rettung mit Vorwürfen überhäuft worden, es fand auch ein Verfahren statt, das für ihn einen ungünstigen Aus­gang nahm. Ohne untersuchen zu wollen, wie weit er die Schuld an dem Unglück trägt, wird man allein die Tatsache hervorzuheben haben, daß die italienische Luftschiffexpedition ein tapferes Unter­nehmen war, das von allen Beteiligten harte Ner­ven und restlose Einsatzbereitschaft erforderte. Weder hat es bei den Italienern und ihren Begleitern an dem einen noch an dem anderen gefehlt. Daß sie die Fähigkeit besitzen, Forschungsarbeit in den un­wirtlichen Regionen des nördlichen Eises zu leisten, haben sie bewiesen. Und sie bewiesen noch ein an­deres: Mut und Tapferkeit im Kampf mit den Ele­menten, die gerade im Polareis nicht die Freunde des Menschen sind. Für die Menschheit geschah aber der Flug zum Pol, wurde der wissenschaftliche Er- kundungsflug derItalia" durchgeführt, deren Reste wie die Gebeine der tödlich Verunglückten unter einem unbekannten Breitengrad in Schnee und Eis gebettet sind. D. S.

Oie Katastrophe derItalia"

Gin mutiges italienisches polarunternehmen.

rkns tätig zu sei

Kriegsende hat ein Zeppelinluftschiff . . unternommen, ist auch auf dem ewigen Eis nieder­gegangen und dann wohlbehalten zurückgekehrt. Ein anderes Luftschiff dagegen, dieItalia", konstruiert von dem Luftschifführer Nobile, kehrte nicht wehr heim.'Es zerschellte am 25. Mai 1928, nachdem es den Nordpol erreicht hatte. Zwei Dinge waren es, die das kühne Unternehmen schrecklich

presse verbundene Sternflug nach Rom endete mit einem großen Erfolg der deutschen Teil­nehmer. Die von Wellershausen gesteuerte Siedel (Dr. Keller, Zeitungsdienst, Graf Reischach) trug mit über 8400 Kilometer und 42 000 Punkten einen überlegenen Sieg davon und sicherte sich da­mit den Pokal des Duce. Den dritten Platz belegte G la r don gleichfalls auf Siebel (Dr. Kredel, Völkischer Beobachter) mit über 4500 Kilometer und

Die Polargebiete gehören noch immer zu jenen Teilen der Erdoberfläche, von denen wir am wenig­sten wissen. Seit jedoch das Flugzeug in den Dienst oer Polarforschung gestellt worden ist, kom­men wir langsam voran, doch noch immer nicht so schnell, wie man annehmen möchte. Denn auch das Flugzeug braucht eine Ausgangsstellung an dem Boden. Es müssen also Lager aufgeschlagen wer­den, Schiffe müssen in die gefährlichen Regionen des ewigen Eises hinein, Exveoitionen müssen in die Randgebiete der Arktis ober Antarktis entsandt werden. Erst von diesen Ausgangsstellungen kann das Flugzeug Vorstößen, muß aber stets zurückkeh- ren, wenn nicht neue Stationen im ewigen Eis ge­schaffen werden, was mindestens die gleichen Anfor­derungen an die körperliche Leistungskraft der For­scher stellt wie ein Vorstoß mit Hundeschlitten oder ein wochenlanger Aufenthalt in den Eisgebieten zur Erfüllung bestimmter Forschungsaufgaben.

Hanau ereignete sich ein Verkehrsunglück. Die aus Vater, Mutter und zwei Töchtern be­stehende Familie Herbert C a ft n e r aus Mühl­heim fuhr mit ihren Rädern auf dem nqben der Landstraße herführenden Radfahrweg. In einer Kurve kam ihnen ein Motorradfahrer mit Beisitzer entgegen. Vermutlich infolge zu hoher Geschwindig­keit wurde der Motorradfahrer aus der Kurve ge­tragen und riß sämtliche vier Familienangehörige zu Boden. Während die Eltern mit verhältnismäßig- leichten Verletzungen daoonkamen, wurden die bei­den Mädchen die Böschung hinuntergeschleudert. Die zehnjährige Margarete Castner zog sich dabei eine klaffende Wunde am Unterleib und eine Gehirn­erschütterung zu. Das Kind st a r b an den schweren Verletzungen bereits auf dem Transport ins Krankenhaus. Die 14jährige Schwester erlitt eine große Fleischwunde unterhalb des Knies. Die beiden Motorradfahrer, die sofort in Haft genommen wurden, kamen bei dem Sturz mit Hautabschür­fungen davon.

Graf Zeppelin war es, der in der Vorkriegs­zeit eiiimal zum Ausdruck brachte, daß sein Luft- sclsiff ausgezeichnet sei, für die Wissenschaft in der weißen W^lt der Arktis tätig zu sein. Lange nach Kriegsende hat ein Zeppelinluftschiff einen Polflug

Oer Brand

des Warschauer Zentralbahnhofs.

Der Brand des Warschauer Zentralbahnhofs tonnte am Dienstag eingedämmt werden. Aus den Trümmern wurde bisher ein Toter,, ein Feuer­wehrmann, geborgen, der von der einstürzenden Decke erschlagen worden war. Sechs Personen wur­den zum Teil schwer verletzt. Es werden noch zwei Arbeiter vermißt. Es besteht die Befürchtung, daß sie noch unter den Trümmern liegen. Die vierzig Meter hohe Haupthalle mit den Kasse- und Warteräumen sowie den Restaurationen ist in der Breite von 20 Metern eingestürzt. Der Schaden

Feuerwerkskörper bringt ein Motorboot zum Sinken.

Während der Heidelberger Schloßbeleuchtung fiel ein abgeschossener Feuerwerkskörper in die Kabine des Bootes der Wasserschutzpolizei von Ludwigs­hafen, welches sich unterhalb der Karl-Theodor- Brücke befand. Bei de,r Explosion wurden die Scheiben der Kabine zertrümmert und der Boden des Bootes durchschlagen, so daß das Boot sofort sank. Die Besatzung des Bootes, vier Mann, wurde nicht verletzt. Zwei Mann gelang es, schwimmend das Ufer zu erreichen, während die beiden andern herbeigeeilte Boote befliegen.

Drei Todesopfer eines Verkehrsunfalls.

Die Reichsbahndirektion Saarbrücken teilt mit: Am 5. Juni wurde auf dem Ueberrocg zwischen den Bahnhöfen Philippsheim und Speicher an der Strecke Trier Köln, dessen Schranken nicht ge­schlossen waren, ein Lastkraftwagen des Reichs­arbeitsdienstes von einer leerfahrenden Lokomotive überfahren und zertrümmert. Der Fahrer des Lastkraftwagens, ein Obertruppführer des RAD. aus dem Lager Niederstegen, sowie zwei Arbeits­maiden aus dem Lager Beilingen wurden auf der Stelle getötet. Von den weiteren Mitfahrern wurden einer schwer und vier leicht verletzt. Aerztliche Hilfe war schnell zur Stelle. Die Ver­letzten fanden Aufnahme im Krankenhaus Bitbi>rg. Nach den staatsanwaltschafttichen Ermittlungen war vergessen worden, die Schranken herunter zu lassen. Die Lokomotive fuhr außerplanmäßig, aber im ge­mäßigten Tempo. Sowohl der Lokomotivführer als auch der Kraftwagenlenker haben die Gefahr erst im letzten Augenblick wahrgenommen. Zwei Bahn­beamte, die für das Schließen der Schranken ver­antwortlich sind, wurden verhaftet, bis die Schuldfrage in allen Einzelheiten aufgeklärt ist.

Grohfeuer in Bukarest.

In Bukarest brach in den Lagerräumen einer Speditionsfirma ein Großfeuer aus, durch das 150 Waggon Baumwolle und andere Waren ver­nichtet wurden. Die gesamte Feuerwehr der rumä­nischen Hauptstadt wurde aufgeboten, um eine Aus­breitung des Feuers zu verhindern. Es galt vor allem, die in den Kellerräumen lagernden großen Rohöl-Vorräte zu schützen.

Jüdische Devisenschieber in Italien verhaftet.

Der Mailänder Polizei gelang es, eine Bande von 20 jüdischen Devisenschiebern italie­nischer, französischer, deutscher, griechischer und tür­kischer Staatsangehörigkeit dingfest zu machen, denen es durch einen raffinierten Trick gelungen mar, nicht weniger als 15 Millionen in italienischer, französischer und Schweizer Währung in das Aus­land zu schaffen. Im vergangenen 'Monat erhielt der Jude Robert T e g l i o ein anonymes Schrei­ben, in dem er unter Androhung von schweren Vergeltungsmaßnahmen im Nichterfüllungsfall auf­gefordert worden war, 75 000 Lire an einem be­stimmten Ort einer Vertrauensperson zu übergeben. Die Polizei ermittelte als Verfasser dieses und ver­schiedener anderer ähnlicher Schreiben die jüdischen Brüder Bernhard und Julius Hirsch. Der ganze

enden ließen: die. äußerst ungünstigen Witterungs­verhältnisse und die Schwäche des Luftschiffes. Bei­des wirkte zusammen und führten zu einem Aus­klang, der nicht nur in Italien, sondern in der gan­zen Welt Bedauern und Mitgefühl auslöste.

Nobile hatte vor derItalia" einige Kleinluft­schiffe gebaut, die sich gut bewährten. Er meinte nun, daß es auch möglich ist, mit diesen Kleinluft­schiffen in den Dienst der Polarforschung zu treten. Unrecht hatte er nicht, denn der Flug mit seinem LuftschiffN o r g e" zum Pol, ein italienisch-nor­wegisches Gemeinschaftsunternehmen, bestätigte, daß unter gewissen günstigen Bedingungen auch das Kleinluftschiff einsatzfähig ist. Dieser Flug ging im Mai 1926 von Spitzbergen aus, er endete am 15. Mai in Teller auf Alaska. Nobile hatte gezeigt, daß auch Südländer fähig sind, Mut, Kraft und Ausdauer für Unternehmungen im ewigen Eis auf­zubringen und daß er sich auf dem richtigen Weg befand, als er der Forschung das Luftschiff zur Ver­fügung stellte. Wenn es auf dieser Fahrt zu auf­regenden Situationen kam, Die damit endeten, daß ein schwerer Sturm dieNorge" in Teller zerschmet­terte, so war das nur ein Beweis dafür, daß die mit der Luftschiffexpeditton in Angriff genommene Pioniertätigkeit Nobiles wie irgendein anderes Un­ternehmen feine Erfahrungen zu sammeln hatte. Nobile wurde in richtiger Würdigung seiner und der Leistungen seiner Begleiter mit Ehrungen über­häuft.

Ein neues Luftschiff wurde gebaut. Die Erfah­rungen der erften Expedition wurden dabei weit­gehend berücksichtigt. Daß man in den Kreisen der Polarforscher dem Luftschiff volles Vertrauen enh gegenbrachte, vor allem aber auch diese Einrichtung für äußerst wertvoll zur Erforschung der Arktis hielt, geht am besten daraus hervor, daß sich nam- yafte Forscher an Bord derItalia" begaben. Wir erinnern an die Gelehrten Malmgreen und Behounek.

In der Nacht vom 14. zum 15. April 1928 stieg das Luftschiff in Mailand auf, begleitet von den besten Wünschen aller Nationen, nicht zuletzt der deutschen, die von jeher an der Arktisforschung interessiert war und die vor allem auch den Wert eines Luftschiffes für diese Tätigkeit richtig einzu- schähen wußte. Das Luftschiff kam mit großen Ver­spätungen in Kingsbay (Spitzbergen) an, weil es unterwegs verschiedene Beschädigungen erlitt, die beseitigt werden mußten. Trotzdem war es in Kingsbay bereit und ausgerüstet, um sich zum Pol zu begeben. Ein erster Flug mußte wegen starken Schneefalls unterbleiben, doch scheint es, als ob hierbei Beschädigungen der Hülle eintraten, die das spätere Unglück verursachten. Der zweite Flug ge­lang, er fand vom 15. bis 18. Mai statt und brachte

einen ausgezeichneten Ueberblitf über weite Strecken unerforschten Gebietes. Auf dem dritten, dem letz­ten Flug, wurde der Pol nach zwanzig Stunden erreicht.

Alles ging gut, auf dem Rückflug stellten sich jedoch Störungen ein, die zu einem Absacken des Schiffes führte. Es schlug auf, eine Gondel wurde losgerissen. Die Insassen dieser Gondel tagen teil­weise verletzt auf dem Eis, unter ihnen auch N o - b i l e. Das Schiff wurde vom Sturm fortgerissen, es dürfte alsbald zerstört worden sein. Jedenfalls hat man niemals wieder eine Spur von ihm ge­funden. Von allen Seiten wurden, da dieItalia" nicht mehr in Kingsbay erschien, Hilfsexpeditionen in Marsch gesetzt. Auch der Forscher A m u n d s e n beteiligte sich, blieb jedoch mit seinem Flugzeug ver­schollen. -Schließlich gelang es dem italienischen Flieger Maddalena die Nobilegruppe auf dem

Güdserbische Gastfreundschaft

Von Charlotte Kübl von Kalckstein

Wundervoll baut sich die Meine Stadt Ochrid am Ufer des großen Ochridasees auf. Eng und winklig sind die Gassen, und wäre nicht von Zeit zu Zeit der Blick zur Türkenfeste hinauf wieder frei ge­worden, wir hätten meinen können, unser Gast- freund, der Bankdirektor, führe uns in der Runde herum. Die Frauen, die mit ihren Zinnkrügen am Brunnen standen, und Scharen von Kindern sahen uns neugierig nach.

Endlich waren mir am Hause unseres Führers angelangt Unser Gastfreund tat drei kurze Schläge an eine verwitterte Holztüre, die sogleich geöffnet wurde. Drinnen im kleinen Hof, dessen Mauern weißgekalkt waren, verneigte sich ein junger Diener, und die Treppenstufen herunter kam eme alte Dienerin herbeigeeilt. Einige Oleanderbäume standen hier, Stämme und Kübel frisch mit Kalk bestrichen, und um eine kleine Pergola rankte sich das knospen­de Geäst der Weinstöcke. Alles sah freundlich und sauber aus.

Wir muhten sogleich bis ins Dachgeschoß, weiß- gescheuerte Sttegen hinauf, schmal, mit schlichtem, hölzernen Geländer, an einem weißgetünchten Vor­platz vorbei, auf dem mächtige, uralte, eisende- schlagene Truhen standen. Es war ein eigenartiges Gefühl, über diese ächzenden Treppen zu gehen und das Schwanken der Böden zu spüren. Der Bankdirektor hatte seine helle Freude an unseren tastenden Schritten und ängstlichen Mienen.

Das ist nun einmal in Mazedonien so Sitte", sagte er.Alte Häuser werden nicht ständig er­neuert. Wo man geboren ist, da stirbt man. Regen rft ganz selten, Wind ist nur gesund, also mag das Wetter nur ruhig durch alle Ritzen bringen. Wir nennen den Wind »Doktor Ochrid', denn er sorgt dafür, daß wir nicht krank werden!"

Der Blick durch die schiefgezogenen Bodenfenster auf die Schneegipfel der albanesischen Berge ent­hüllte ein Panorama von heroischer Pracht, das ferne Ufer glänzte im Sonnenschein, und hohe dünne Wolken segelten luftig über das zartblaue Himmelszelt.

Im ersten Stock mußten wir bas Zimmer des Hausherrn besichtigen. Mehr als ein Dutzenb ganz gleicher Wiener Rohrstühle standen dicht nebenein­ander aufgereiht an zwei Wänden entlang, so wie

bei uns etwa im Wartezimmer eines vielbeschäfttg-1 ten Arztes. Die dritte Seite nahm ein niedriger Divan ein mit spitzenbekleideter Wand dahinter zum Schonen. Der Hausherr wehrte ab, als wir uns die Bilder an den Wänden näher ansehen wollten. Szenen aus den Türkenkriegen, bei denen viel Blut floß, billige Drucke, und wir Deutschen seien doch bekanntlich sehr verwöhnt. Ader, mein Gott, sie hingen hier wohl schon seit Urgroßvaters Zeiten, und auf den Einfall, das alles umzugestalten und modern" einzurichten, wie das ja wohl bei uns im Westen Sitte sei, darauf versiele hier kein Mensch.

' Die alte Dienerin kam mit dem Sladko, der dem Gast südlich der Donau als Willkommengruß und erste Erfrischung gereicht wird: ein Löffel dick ein­gekochter, zuckersüßer Marmelade, der, kaum in den Mund genommen, sofort mit einem Glas kalten Wassers hinuntergespütt wird. Man hat für diese Art der Bewirtung eigens längliche Tablettchen konstruiert, die ein Gestell für die noch sauberen und eine Ablage für die benutzten Lössel tragen. Meist wird der Sladko von zwei Personen gereicht: die eine trägt das Tablett und Fruchtpaste, die andere folgt mtt dem Wasser. Man setzt sich nicht dazu nieder, denn der Sladko gehört noch mit zu der Begrüßungszeremonie, soll den durch heiße Straßen gewanderten ober gerittenen Besucher nur schnell etwas erfrischen, ehe die Unterhaltung und die weitere Bewirtung beginnt.

Die Sitten der ehemals türkischen Bevölkerung haben sich mit denen der alteingesessenen maze­donischen vermischt. So wird auch Das mazedonisch- christliche Haus wie das mohammedanische keinen Gast entlassen, ohne ihm zum Schluß Den Schwar­zen gereicht zu haben dreimal in winzigen, kupfernen Stielkännchen aufgekocht, ohne Much, zuckersüß und knirschend von Kaffeegrund.

Heute wird er im großen Familienzimmer im Erdgeschoß serviert, wohin man Die Lagerstatt einer gelähmten, alten Frau, einer Verwandten, gebracht hatte, wo auf dem Fußboden buntgestickte Ma­tratzen ausgebreitet waren zum Niedersitzen für uns und sonst für Den allgemeinen Mittagsschläf und wo an der Wand neben Der Türe eine bescheidene Bank ftanD, auf Der währenD unseres Besuches ganz selbstverständlich die alte Dienerin und Der junge Bursche Platz nahmen, ftaunenD und interessiert und jedes Winkes ihres Herren gewärtig,

Schade, unser ©aftfreunD war ein Junggeselle!

Wir hätten gern ein Familienoberhaupt im Kreise seiner Familie beobachtet. Aber auch Dies Bei­sammenwohnen und Beisammensitzen mit Der alten Verwandten, die bas selbstverständliche Recht hatte, hier zu wohnen und hier auch einstmals zu sterben, und mit den treuen Dienern des Hauses machte Sben Eindruck eines enggefügten Familien- >s.

Wein wurde uns vorgesetzt, süßer, rosenroter Ochrider Bergwein, selbstgezogen und selbstgekeltert, und dann Durften wir auf unsere Bitte hin einen Blick in die Küche tun und mußten unwillkürlich an unsere weißgekachelte, nickelverzierte und emaillierte Pracht zu Hause denken angesichts dieses gemauer­ten Herdes mit weit ausladendem Rauch fang und offener Feuerstelle, über der an einer Kette ein ver- blafter Kupferkessel hing, angesichts der Holzbotttche mit Wasser und des Kopfsteinpflasters mit der Rinne in der Mitte, die die Abwässer aufzunehmen hat.

Zum Schluß mußte die alte Maria aus den Kleidertruhen die kostbaren Festgewänder der Fa­milie hervorholen, dunkelgrüne und karminrote Tuchröcke und Jacken, über und über mit Gold ge­stickt, so reich, so kunstvoll, datz es unvorstellbar er­scheint, auszurechnen, wie lange fleißige Hände einst daran gearbeitet haben mußten, um diese Pracht fertig zu. stellen. Auch der Silberschmuck wurde uns gezeigt. Ketten und Armreifen aus feinster Filigranarbeit, Gürtelschnallen so groß wie die Handteller einer Männerfaust.

Und Dann brachten sie uns allesamt durch den kleinen Hof auf die Gasse hinaus, und der Haus­herr versprach, gleich nach dem Nachtmahl ins 5taneeDau5 hinunter zu kommen,Die Andern"- .Uch/r auch da, und unsere Anwesenheit in llchnd sei immer noch lange nicht genug gefeiert

Zeitschriften.

Prügelt bas Feuer! Diese Methode des Feuer­löschens war um 1800 in Deutschland gang und gäbe une die neuesteSirene" zeigt. Man be- diente sich dabei der sogenanntenFeuerpatsche", die letzt im modernen Luftschutz wieder zu ihrem ~ h!- rloisimt. $?rn hohen Ausbildungsstand des Selbstschutzes beweist auch die Große Deutsche Luft- schutz-Ausstellung in Wien, derDie Sirene" meh­rere Seiten widmet.

Trick mit den Briefen war eine Tarnung von Deoisenschiebungen einer Bande, als deren Häupt­ling der Jude teglio entlarvt wurde.

Blitzschlag in eine französische Kirche.

20 Kinder verletzt.

In Pradines (Departement Lot) schlug der Blitz während der Messe in eine Kirche. Der Glocken­turm wurde vollständig vernichtet und zahlreiche religiöse Kunstgegenstände im Kirchenschiff schwer beschädigt. Don etwa 100 anwesenden Kirchgängern, von Denen Der größte Teil Kinder waren, wurden 20 meist schwer verletzt. Viele haben Brand­wunden banongetragen. Ein siebenjähriger Junge hat Das Augenlicht verloren.

Sechs Todesopfer eines Flugzeugunglücks in Finnland.

In der Nähe von Lieksa in Ost sinn land v er - u n g l ü ck t e ein Privatflugzeug. Dabei fanden fünf Passagiere, davon drei Kinder, und der Flugzeug­führer den Tod.

Mißlungener englischer Ozeanflug.

Der Versuch des englischen FlugbootesGuba", von A u st r a l i e n her Den Indischen Ozean nach Afrika zu überqueren und auf diesem Wege eine neue Luftroute von Australien nach England zu eröffnen, ist vorläufig gescheitert. Wie Der Flug­zeugführer, Kapitän Ar ch b old , durch Funkspruch mitteilte, ist er auf Dem Flug nach den Kokosinseln vom Kurs abgekommen, und es ist ihm nicht ge­lungen, seinen Standort neu zu bestimmen. Er hat sich Daher entschlossen, nach Australien umzukehren. Die australische Bundesregierung hat die briti­sche Konsularvertretung in Sumatra drahtlich ge­beten, notfalls die Entsendung eines Schiffes zu veranlassen,1 Das DerGuba", falls sie auf das Wasser niedergehen müsse, Beistand leisten soll. Nach dem letzten drahtlosen Bericht Des Flugkapi- täns hat DieGuba" aber Land gesichtet, so daß zu hoffen ist, daß das Flugzeug und seine Besatzung sich außer Gefahr befinden.

USA.-Scfängniffe überfüllt.

Die U eiberf üILun g b er amerikanischen Gefängnisse, die ständig zu Meutereien führt, geht auch aus einem Bericht der Gefängnis- leitung von Sing-Sing hervor, wonach dort zur Zeit die Rekordzahl von 2839 Sträflingen unterge­bracht ist. Die Gefangenen müssen außerhalb Der Zellen in Den Gängen Der Gefängnisblocks, in Messehallen, in Baderäumen und sogar in Barbier« stählen schlafen.

Kunst und Wissenschaft.

Oer dritte Tag

der Reichstheaterfesiwoche.

Die Reichstheaterfe st woche in Wien brachte am dritten Tage im Burgtheater ,Konig Richard II." in der Äufführung des Staatlichen Schauspiels Berlin. Die Spielleitung Jürgen F e h - I i n g s gestaltete das Drama Shakespeares zu einer nordischen Ballade. Regie und Darstellung bedeuten einen Gipfel neuer deutscher Bühnenkunst. Im Mittelpunkt stand Gustaf G r ü n d g e n s' Kö­nig Richard. Die Aufführung fand eine begeisterte Aufnahme. Reichsminister Dr. Goebbels, der auch dieser Vorstellung beiwohnte, besichtigte am Dienstag eine Reihe Wiener Theater, die zum Teil umgebaut find, zum Teil noch umgebaut werden sollen, sowie die Anlagen und das Gelände Der Wien-Filmgesellschaft m. b. H. auf dem Rosenhügel. Durch Generaldirektor H i rt ließ er sich über die beabsichtigten Erweiterungsbauten unterrichten. Er bestimmte, daß diese dringend notwendigen Arbeiten mit größtmöglicher Beschleunigung durchgeführt werden sollen.

Reichsfestspiele Heidelberg 1939. .

Die diesjährigen Reichsfe st spiele in Heidel­berg dauern vom 12. Juli bis 20. August. Der Spiel­plan sieht vor: ShakespearesSommernachtstraum", EichendorffsFreier", Gerhart HauptmannsSchluck und Jau", SchillersRäuber". Für die Inszenierung desSommernachtstraumes" wurde Hans Schwei­kart (München) gewonnen. Die Regie des roman­tischen LustspielsDie Freier", das seines großen Erfolges wegen aus dem Spielplan des letzten Jah­res wieder übernommen ist, liegt wieder bei Richard Weichert (Berlin).Schluck und Jau" wird van Karl Heinz Stroux (Berlin) in Szene gefetzt. Walter Bruno Jltz (Wien) inszeniert dieRäuber".

Eine Seeräuber-Bibliothek.

DasNational Maritime Museum in Green­wich hat als Geschenk eines unbekannten Stifters die berühmte Sammlung von Büchern über See­räuber und Seeräuberwesen von Dr. Philipp Gosse erhalten und jetzt in einem besonderen Schrank in seiner Bibliothek aufgestellt. Es sind etwa 1000 Bücher, Broschüren, Manuskripte und verschiedene. seltene und merkwürdige Dinge zu diesem Thema in der eigenartigen Bibliothek ver­einigt. Besonders reich ist die Bibliothek an Aus­gaben der Werke von Den beidenKlassikern" unter Den Geschichtsschreibern Des Piratentums, Des Fla­men Esquemeling und des englischen Kapitäns Charles Johnson, von Dem vermutet roirb, daß er selbst einmal ein Seeräuber gewesen ist. Aus der Zeit vor diesen Werken stammen als frühestes Dokument eine Bulle des Papstes Alexander VI., Die 1499 in Rom erlassen wurde unDPiraten, Korsaren und Freibeutern" exkommunizierte. Eine Fülle von Berichten schildert Kämpfe mit See­räubern, besonders an der Küste Nordafrikas im 17. Jahrhundert. Hierher gehört auch einBericht über Die Verfahren bei Dem Zurückkauf Der Ge­fangenen in Algier unD Tunis" von 1647 mit einer langen Liste Der Lofegelder für englische Gefangene, Die zwischen 300 und 600Dobles^ (spanische Gold­münze im Werte von 10 Mark) tagen. In einigen Fällen waren besonders für Frauen die Lösegelder jedoch sehr viel hoher; so mußte für Elizabeth Alwin aus London ein Preis von 1655 Dobles und für Mary Buster aus Bahall von 1392 Dobles gezahlt werden; es fällt auf, daß für Anna und Elizabeth Wright, auch aus Dahall, je nur 1000 Dobles ge­fordert wurden, und man hat Vermutungen dar­über, angestellt, wie weit diese verschiedenen Ein­schätzungen der Reize der Damen nach ihrer Rück­kehr zu Hause unliebsame Erörterungen gehabt haben werden. Eine Reihe Broschüren behandeln das Leben einzelner Piraten wie Henry Avery, des Königs der Piraten, und Bartholomew Roderts, von Dem nachdrücklichst hervorgehoben roirD, daß er ein Abstinenzler war und streng auf Sonntags- Heiligung hielt. Große Seltenheiten sind die Prpk- tamdtionen, in denen für Die Ergreifung Der Pira­ten Preise ausgesetzt werden, und handschriftliche Logbücher von Piratenschiffen, in denen sich manche merkwürdige Eintragungen finden. C. K.