Nr. 82 Zweites Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)
Donnerstag, 6. April 1939
ZugenddiensipfW ist Ehrendienst am deutschen Volke.
Erweiterter Auftrag des Führers.—Gtamm-HI. ist Nachwuchsorganisation der NSDAP.
feiner Jugend eine kühne und gewaltige Befestigung des Großdeutschen Reiches, das er in wenigen Jahren, aber für alle Zeit geschaffen hat.
Das BdM.-Werk
„Glaube und Schönheit".
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neuer Erbhöfe, zur Umgestaltung der Hofwirtschaft und damit zur Auflockerung der Ortslage. Der Erlaß unterscheidet dabei zwischen der Schaffung von Ortsausgängen mit und ohne Gehöftverlegung, der Bereitstellung von Bauland für einzelne Betriebsinhaber und der Aussiedlung. Es kommt dabei darauf an, den Anschluß an das neue Wegenetz herzustellen, die Sicherheit der Ortschaft zu gewährleisten und vor allem betriebswirtschaftlich beste Voraussetzungen zu schaffen. Auch die Sicherheit des öffentlichen Verkehrs durch den Ort kann die Beseitigung von Gebäuden oder Gehöften erforderlich machen. Bei der Auflockerung sollen in erster Linie die Gehöfte kleinerer Stellen verlegt werden, und zwar unter Vergrößerung zu einem Erbhof durch Landzulage. Im allgemeinen soll künftig keine Umlegung in Realteilungsgebieten abgeschlossen werden, in der nicht mehrere Erbhöfe durch Stellenvergrößerung gewonnen worden finb.
Begegnung.
Don Wilhelm Scharrelmann.
Volksgruppe gehören, sind auf Antrag von der Zugehörigkeit zur HZ. zu befreien.
Jugendliche deutscher Staatsangehörigkeit mit dem Wohnsitz im Ausland oder sofern sie sich nur vorübergehend im Deutschen Reich aufhalten, sind zum Dienst in der HI. nicht verpflichtet.
Verpflichtet zur Anmeldung.
Alle Jugendlichen sind bis zum 15. März des Kalenberjahres, in dem sie das zehnte Lebensjahr vollenden, bei dem zuständigen HJ- Führer zur Aufnahme in die HI. anzumelden. Für die Anmeldung ist der gesetzliche Vertreter des Jugendlichen verpflichtet.. Die Aufnahme erfolgt zum 20. April eines jeden Jahres, die Entlassung nach Ablauf der festgesetzten
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Auf Befragen erklärte bann Stabsführer Lauterbacher über die künftigen Aufgaben des B D M.- Werkes „Glaube und Schönheit": „Die Jugenddienstpflicht betrifft nur die Mädel bis zum Alter von 18 Jahren. Das BDM.-Werk bleibt daher wie bisher eine Einrichtung der HI. als Gliederung der NSDAP. Die Teilnahme an den Arbeitsgemeinschaften war für die 18- bis 20jährigen BDM.-Mädel bisher freiwillig, und daran wird f i ch nichts ändern. Aufgabe dieser Einrichtung ist es, Neigungen und Anlagen der Mädel dieses Alters zu fördern, ihre Freude am künftlerisichen Leben, an Musik und Theater, an Werkarbeit und an geistigen Dingen in unserer Gemeinschaft einzusetzen. Vor allem sollen sie Sport und Gymnastik treiben können. Jedes Mädel aber wird im BDM.-Werk in die Arbeitsgemeinschaft eintreten, zu der es sich wirklich hingezogen fühlt.
Auflockerung der Dorflage.
Der Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft hat einen Erlaß herausgegeben/ der die systematische A u f l o ck e r u n g der Ortslagen als eine der wichtigsten Maßnahmen im Rahmen der landwirtschaftlichen Umlegung kennzeichnet. Es kommt nicht mehr nur auf die Flurbereinigung im engeren Sinne an, man verlangt vielmehr eine Neugestaltung des ganzen Umlegungsgebietes nach den Grundsätzen nationalsozialistischer Boden- und Raumordnung und die Durchführung aller Maßnahmen, durch welche die Grundlagen der Wirtschaftsbetriebe verbessert werden, der Arbeitsaufwand vermindert und die Bewirtschaftung erleichtert wird. Diese Ziele führen über die Intensivierung des Grund und Bodens- zwangsläufig zur Veränderung der Betriebsgrößen durch Schaffung
Dieses weltverwandelnde Ereignis hat sich vielleicht ein Jahrhundert früher oder später zugetragen, aber sicher ist, daß gerade diese Herrscherin die Seidenerzeugung erfand. Alte Texte melden dann von Huang ti: „Er befahl seiner Gemahlin, auch das Volk die Zucht der Seidenraupe, die Behandlung der Fäden und Kokons zu lehren, damit es Kleider erhalte und man im Reich nicht mehr an Hautrisfen und Frostbeulen litte." Er selbst wird zu Schan- tung, im Tempel der „drei Majestäten", bereits mit gemobeitem Kostüm dargestellt, im Gegensatz zu den Statuen zweier anderer Urkaiser, von denen der eine noch ein Kleid aus grünen Blättern, der andere eine Halskrause und kurzes Röckchen aus Gras trägt.
Si Ling schi aber wurde später zur Göttin erhoben und sogar unter die Sterne versetzt. Vier große Lichter im Skorpion bilden ihre Quadriga am Himmel. Sie trägt jetzt den Titel Sien ’ts an, Raupenförderin, besonders aber heißt sie auch Ahnfrau des Fadens. Sie hatte im Riesenreich der Mitte viele Altäre, vor denen spätere Geschlechter ihre Dankbarkeit erwiesen. Weit über 4000 Jahre währte ununterbrochen ihre Verehrung, bis zur Entstehung der modernen Republik, war sie doch ein Geschöpf echter Volkslegende. Ihr ist jährlich das große Kokonfest geweiht. Ihr Staatskult steht ebenbürtig neben dem des „göttlichen Ackerbauers". C. K.
darauf besonnen. ....... .
Ein paar Wochen später blieb sie plötzlich des Morgens aus.
Irgendeine Veränderung, dachte ich. Da find tausend Möglichkeiten.
Lange sah ich sie nicht mehr. Ich hatte mich nie damit beschäftigt, in welches Geschäft sie vielleicht ging. Nun mußte ich zuweilen an ihre zarten, kindlichen Hände denken, die vielleicht gewohnt waren, seidene Stoffe zu falten und zurechtzulegen.
Sir kann verreist sein, dachte'ich, oder verzogen und geht nun auf einem anderen Weg ins Geschäft. Vielleicht hatte sie auch geheiratet, was wußte ich! Oder sie war erkrankt. Sie sah eigentlich schon immer ein wenig leidend aus.
Dann vergaß ich sie.
Da begegnete mir eines Morgens in derselben Straße, fast an der gleichen Stelle, an der ich ihr so oft begegnet war, ein Trauerzug.
Ein kleines Gefolge, nur auffällig viele Blumen und Kränze.
AaiionaisoziMsche Lharaktererziehung dient der Festigung des Reiches.
Der Reichsjugendführer zu den neuen Verordnungen.
Dielen, die im Leben an einem oorubertreiben wie stille Nachen auf einem belebten Strom.
Auch sie beachtete mich gamicht. .
Da erfuhr ich eines Tages durch das Spiel des Zufalls ihren Namen. Eines Abends nach Ge- schaftsschluß stieg 'sie zufällig in die Straßenbahn, in der ich saß und meine Zeitung las. Zwei junge Mädchen war bei ihr. Die eine war wohl eine Bekannte von ihr. „Fräulein West , sagte fie. Die andere schien vertrauter mit ihr zu fein. „Klara hörte ich es herüberklingen.
Daß ich auf den Vornamen noch nicht selber gekommen mar! Mir schien plötzlich, als konnte sie gar nicht anders heißen und ich hätte mich nur nie
Er mußte nicht recht, was er sich aus mir machen sollte.
„Eine Verwandte?" fragte er unsicher.
Die Frage berührte mich seltsam und klang in mir nach, ohne daß ich gleich zu antworten vermochte.
„Nicht, nein!" sagte ich dann hastig. „Und doch — vielleicht — eine Verwandte — wer will das entscheiden?"
Wie die Seide in die Welt kam.
Nach neuesten Funden soll die Seidenzucht schon vor dem Jahre 3000 in China bekannt gewesen sein; die chinesische Sage aber verlegt die Erfindung der Seide auf einen „glücklichen Tag" des 27. Jahrhunderts vor unserer Zeitrechnung. In einer kleinen Kulturgeschichte der Seide, die Sir Gal ah ad in der von Martin H ü r l i m a n n herausgegebenen Monatsschrift „Atlantis" veröffentlicht, wird der Vorgang sehr reizvoll geschildert. Si ling schi, „große Frau" des Huang ti, ging an diesem Tage mit ihren Damen spazieren. Sie mar zart und schön gebaut, aber ihre Schönheit blieb noch in Bestien- häute gehüllt, höchstens ab und zu in einen Vogelbalg. Im barbarischen Leben des Frühvolkes herrschten noch sonderbare Zustände, es fehlten nach einer alten Schilderung noch die Häuser, so daß die Könige zur Winterszeit in Höhlen, zur Sommerszeit in Nestern lebten; man kannte noch nicht die ver- mandelnde Kraft des Feuers, sondern aß Baumfrüchte und Pflanzen und rohes Fleisch der Vögel und Tiere, trank auch ihr Blut. Flachs und Seide mären noch unbekannt, und man ging mit Federn und Fellen bekleidet, bis spätere Weise die Menschen die Vorteile des Feuers lehrten, Metall schmolzen und Ton formten, Häuser mit Türen und Fenstern bauten. Aber selbst noch unter Huang ti, einem dieser späteren Weisen, lag die Bekleidung noch recht im argen, bis seine Gemahlin Si ling schi jenen „glücklichen Tag" erlebte. Sie ging spazieren und sah zwischen Maulbeerzweigen hängende, sanft leuchtende Gebilde. Sie waren aber nicht dem Baum entwachsen, sondern eines der Früchtchen dehnte plötzlich seine Eigestalt, und ein milchweißer Schmetterling, bräunlich gestreift, schwirrte hervor. Es war das abgelegte Kleid des Schwärmers, das Si ling schi nun mit dem weiblichen Interesse für Bekleidungsdinge betastete. Es war ein Gewand von zauberhafter Weiche. Mit geschickten Fingern gelang es der Kaiserin bald, den Anfang des Fadens zu erfühlen. Leuchtend, glatt und klar ließ er sich vom Kokon herunterspulen. In ihm hatte sie das herrlichste Naturgespinnst auf Erden entdeckt. Alles weitere war Kinderspiel.
(Sin Halsschmuck aus der Steinzeit.
Bei Eggenburg im Gau Niederdonau werden von dem Krahuletz-Museum mit der Beihilfe der Zentralstelle für Denkmalschutz große Ausgrabungen durchgeführt, bei denen vor kurzem das Grab einer Frau gefunden wurde. Das Skelett war in Hockerstellung zusammengekauert und am Halse und an den Armen fand sich noch der Miiscl)elschmuck, den die Frau der Steinzeit getragen hat. Der Halsschmuck, der in der Leipziger „Jllustrirten Zeitung" im Bilde gezeigt wird, weist zwischen großen und kleinen Perlen fvns- zehnbogige durchlochte Anhänger auf, die von einem Mittelstück unterbrochen sind. Der Schmuck ist aus den porzellanartigen Schalen der Spondylusmuschel 1)ergefteilt, die einst einen starken Glanz aufwies, während sie heute an der Oberfläche leicht verwittert ist. Der Dorzeitmensch schätzte das starke Gehäuse dieser im Mittelmeer lebenden Klappmuschel besonders, was sich darin zeigt, daß aus ihm gebildete Schmucksachen in Troja wie in steinzeitlichen Gräbern in Thüringen und in der Gegend von Worms gesunden worden sind. Der Eggenburger Muschelschmuck ist jedoch schöner und reicher als ^lle bisher bekannt gewordenen aus diesem Stoss. C. K.
Berlin. 6. April. (DNB.) Vor Vertretern der Presse erklärte der Jugendführer des Deutschen Reiches, Reichsleiter Baldur von S ch i r a ch , im Auslandshaus der HI. in Gatow über den neuen gesetzlichen Auftrag an die HI. Unser Führer gehört zu den seltenen geschichtlichen Persönlichkeiten, die unermüdlich für die Heranbildung eines Nachwuchses sorgen, der ihrer Idee und ihrem Werk gerecht zu werden vermag. Adolf Hitler hat vom Beginn seines politischen Wirkens an seine Aufgabe immer erzieherisch gesehen. Die Worte des Führers „Jugend soll von Jugend geführt werden" und „Die Jugend hat ihren Staat für sich" sind zum Programm der neuen deutschen Erziehung geworden. . In den „Adolf-Hitler-Schu- len", die Einheiten der HI. sind, hat es sich erwiesen, daß das Jugenderziehungsprogramm des Nationalsozialismus für alle Faktoren der deutschen Erziehung gültig ist. Der Reichsberufswettkampf, unsere Lager und Fahrten und sportlichen Wettkämpfe, sowie jene kulturelle Arbeit, die in Dichtung, Lied und Architektur unserer Jugend so überzeugend zum Ausdruck kommt, das alles hat seinen Ursprung in der vom Führer eingelöteten nationalsozialistischen Revolution, die eben ini Großen und im Kleinen eine Revolution der E r - Ziehung ist.
Durch die Durchführungsverordnungen des Führers wird nochmals ausdrücklich festgestellt, daß die gesamte körperliche, geistige und sittliche Erziehung der Jugend außerhalb von Elternhaus und Schule bis zum vollendeten' 18. Lebensjahr ausschließlich Angelegenheit derFüh- rer her H I. ist. Es bedeutet diese Entscheidung des Führers zugleich auch die lang ersehnte A b - grenzung des Arbeitsbereiches von HI. und Schule. Letztere ist eben ausschließlich für die im Rahmen des Unterrichtes durchzuführende Erziehung währen dder Schulzeit zuständig. Sie hat in der Schulzeit reichlich Gelegenheit, den Jugendlichen mit dem für seine Entwicklung und spätere berufliche Tätigkeit notwendigen Bildungsstoff zu versehen. Alle übrige 3 ei t wird hinfort d e n Eltern und I u g e n d f ü h - rem zur Verfügung stehen. Die vormilitärische Erziehung der Jugend wird in unmittelbarer Zusammenarbeit zwischen dem Oberkommando der Wehrmacht und der Reichsjugend- führung durchgeführt werden, da die vormilitärische Erziehung unserer männlichen Jugend bis zum voll-
Dienstzeit und bei den Mädchen dann, wenn sie in den Ehestand treten. Führer und Füh rerin - 'n e n bleiben nach Ablauf der festgesetzten Zeit An- aehörige der HI. Ihre Entlassung erfolgt auf besondere Anordnung. Auf ihren Antrag.finb sie zu entlassen. Für die Dauer des aktiven Wehrdienstes ruht die Zugehörigkeit zur HI. Angehörige des Reichsarbeitsdienstes dürfen sich im Dienst der HI. nicht betätigen. Strafen unterliegen solche Personen, die als gesetzliche Vertreter den Anmeldevorschristen nicht Genüge leisten oder Jugendliche böswillig vom Dienst in der HI. abzuhalten versuchen. Für die Jugendlichen der Jahrgänge 1921 bis 19 2 9, die bisher der HI. noch nicht angehörten, bestimmt der Jugendführer den Zeitpunkt der Einberufung zur HI.
endeten.18. Lebensjahr innerhalb der HI. und unter ausschließlicher Verantwortung ihrer Führung zu geschehen hat.
Die HI. wird fortan in die Stamm-HI. und in die allgemeine HI. eingeteilt. Die Stamm-HI. hat den gesamten Nachwuchs für die NSDAP, und ihre Gliederungen zu erziehen. Die allgemeine HI. führt'nunmehr die pflichtgemäße Erfassung aller tauglichen Jugendlichen durch. Hierzu ist ein einheitliches Meldeverfahren vorgesehen, das Erziehungspflichtige anhält, bis zum 15. März diejenigen Jugendlichen, die im Laufe des Kalenderjahres das zehnte Lebensjahr vollenden, zum Dienst in der HI. anzumelden. Der Dienstpflichtige untersteht einer Disziplinarordnung, die der Führer selbst erlassen wird. Die I u g e n d d i e n st p f l i ch t, die nunmehr neben Arbeits- und Wehrdienstpflicht tritt, erstreckt sich auf alle gesunden und würdig befundenen Jugendlichen.
Wir haben in der Geschichte des deutschen Volkes das Auf und Ab des Schicksals kennengelernt, darum rüsten wir uns durch ein gewaltiges Erziehungssystem, das den Deutschen von frühester Jugend bis ins Alter hinein erfaßt, gegen alle Gefahren, die uns in fernster Zukunft einst bedrohen könnten. Wir besitzen heute ein gläubiges, mächtiges und tapferes Volk mit einer einzigartigen Führung, allein unser Reich muß die Jahrhunderte überdauern und dies ohne die geringste Erschütterung seines Führungssystems. Wie anders konnten wir das erreichen als durch die gesetzliche' Festlegung aller erzieherischen Maßnahmen, die wir in der Kampfzeit und später prakttsch erprobten.
Wenn wir schon in den Hoch-Zeiten der nationalen Kraft und Größe die ganze Jugend unseres Volkes im Dienste der Bewegung einsetzen, wieviel mehr müssen wir das erst dann tun, wenn in späterer Zeit andere Generationen kampflos die Früchte unseres Ringens ernten! Dann, wenn alles selbstverständlich erscheint, was durch die Opfer und Kämpfe der inzwischen vergangenen Generationen mühsam erftritten wurde, kann nur ein lück en- los e s System nationalsozialistischer Charaktererziehung unser Volk wachhalten und für den Ueberfall der Neider und Feinde wappnen, an denen es uns im Laufe unserer Geschichte wahrlich niemals gefehlt hat. So ist auch diese neue Tat Adolf Hitlers für die Erziehung
B e r l i n, 5. April. (DNB.) Der Führer hat zwei ' Durchführungsverordnungen zum G e - i fetz über d i e Hitler-Jugend vom 1. Dezember 1936 erlassen. Nach der Schaffung der Ar- i beitsdienstpslicht und der Wehrpflicht wird nun ! and) der Dienst in der HI. zum Ehren- : bien ft am deutschen Volk erklärt. Die erste Verordnung stellt nochmals die ausschließliche Zuständigkeit des Jugendführers des Deutschen R e i ch e s für alle Aufgaben der kör- i perlichen, geistigen und sittlichen Erziehung der ge- . samten Jugend des Reichsgebietes außerhalb ■ von Elternhaus und Schule sest. Auf sei- ; nen Geschäftsbereich des Jugendführers des Deut- ! scheu Reiches, gehen aus dem Geschäftsbereich des Reichserziehungdministeriums alle Angelegenheiten der Jugendpflege,des Jugendherbergs- wertes sowie der Unfall- u nd H a f t p f l i ch t im Interesse der Jugendpflege über. Die Zuständigkeit für das Landjahr bleibt einer besonderen Regelung vorbehalten. Hinsichtlich der Finanzgebarung für die Aufgaben des Jugendführers des Deutschen Reiches wird der NSDAP, besondere Verantwortung übertragen.
Wer gehört zurStamm-Hitler-Zugend?
.Mit der ersten Verordnung wird innerhalb der Hitler-Jugend die Stamm-Hitler-Jugend begründet. Wer seit dem 20. April 1938 der HI. angehört, ist Angehöriger der Stamm-HI. Jugendliche, die sich m i n d e st e n s e i n I a h r i n d e r H I. gut geführt haben und ihrer Abstammung nach die Voraussetzungen für die Aufnahme in die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei erfüllen, können in die Stamm-HI. ausgenommen werden. Die Ausnahme in die Stamm-HI. kann b c i Personen über 18 Jahren, die in der Führung ober ber Verwaltung der HI. eingesetzt werden sollen, sofort erfolgen. Gliederung der NSDAP, ist nur die Stamm-HI. Die Zugehörigkeit zu ihr ist freiwillig.
Die Dienstpflicht.
Die Dauer der Dienstpflicht wird in der zweiten Verordnung geregelt. Sie bestätigt die bisherige Einteilung der HI. in „Deutsches Jungvolk" für die zehn- bis vierzehnjährigen Jungen, „H i t l e r - I u g e n b" für die vierzehn- bis achtzehnjährigen Jungen, den „I u n g m ä b e 1= bund" für die zehn- bis vierzehnjährigen Mädel, den „B u n d d e u t f ch e r Mädel" für die vierzehn- bis achtzehnjährigen Mädel. Schüler und Schülerinnen in der Grundschule, die das zehnte Lebensjahr bereits vollendet haben, werden bis zum Verlassen ber Grundschulklassen vom Dienst in der HI. z u r ü ck g e st e l l t. Schüler und Schülerinnen in der Volksschule, die das 14. Lebensjahr bereits vollendet haben, bleiben bis zur Schulentlassung im Jungvolk ober Jungmädelbunb.
Alle Jungen und Mädel ber HI. unterstehen einer öffentlich-rechtlichenErzi.eh ungs- gemalt nach Maßgabe ber Bestimmungen, die ber Führer erläßt. Der Zugehörigkeit zur HI. unwürdig und damit von ber Gemeinschaft ber HI. ausgeschlossen sind Jugenbliche, bie ehrenrührige Hanb- lungen begehen, wegen ehrenrühriger Hanblungen vor Inkrafttreten der Verordnung aus der HI. ausgeschlossen worden finb, ferner bie durch ihr sittliches Verhalten in ber HI. ober in ber Allgemeinheit Anstoß erregen und baburch bie HI. schädigen.
Die zweite Durchführungsverordnung regelt weiter Untauglichkeit, Zurückstellung, Befreiung vom Dienst und blutsmäßige Anforderungen. Jugendliche deutscher Staatsangehörigkeit, bei denen beide Elternteile oder der Vater nach ihrem Dolkstums- bekenntnis zur d ä n ischen ober polnischen
Plötzlich durchzuckte es mich: Klara West!
Ich fanb es kindisch und es kostete einen kleinen Kampf — aber ich mußte fragen. Der Letzte im Gefolge, ein hutzeliger Alter unter einem vorsintflutlichen Zylinder sah mich verwundert an und antwortete bann leise: „Klara West! Sie ist schon ein paar Monate lang krank gewesen, ja!"
Was ist bann weiter? fragte ich mit unb stritt bamit gegen die dunkle Welle ber Trauer an, die sich in mir erhob. Ein Mensch lebt und leidet, freut sich des Lichtes und stirbt-. Es ist unser aller Schicksal!
Und doch war mir, als hätte ich ber Toten, bie da vorn in dem schmalen, blumenüberschütteten Sarge lag, näher gestanden und zwischen uns wären Fäden gewesen, die nun zerrissen waren ...
In plötzlichem Entschluß reihte ich mich dem Zuge an.
„Sie haben sie gekannt?" fragte ber Alte, ber an meiner Seite ging.
Ohne daß ich weiter fragte, erfuhr ich, daß sie in einem Blumengeschäft ber Innenstadt gearbeitet hatte.
Natürlich, sagte ich mir .Das paßte- zu ihr. Blumen, Sträuße und Kränze und eine Luft, feucht und schwer von Blumendüften.
„Ein Lungenleiden, ja", sagte ber Alte, „Den großen Kranz dort, am Fußenbe des Sarges, den mit den Orchideenblüten, haben ihr bie Kameradinnen vom Geschäft gestiftet."
Der Morgen war neblig. Auf dem Kirchhof sah man kaum bie nächsten Gräber. Taubeperlt und .regungslos still lagen sie unter den Bäumen. Wie welke Blumen, die man besprengte, um sie noch einen Tag zu erhalten.
Der Pastor sprach mit einer schönen weichen Stimme, bie in der kühlen Morgenluft warm unb wohlig wirkte, als legte sich einem eine tröstende Hand aufs unruhige Herz.
Was er sagte, hörte ich kaum.
Statt dessen sah ich einer Amsel zu, bie schwarz und glänzend auf einem der Gräber herumhüpfte und mit dem gelben Schnabel bie trockenen Blätter wenbete.
Als bie kleine Feier zu Enbe war, brückte der Pastor wie üblich ben Leidtragenden die Hand, ber Mutter, einer Schwester ber Verstorbenen, bie ebenso große, etwas verwunberte Augen hatte und nun jäh und heiß zu schluchzen begann.
Dann wandte sich ber Pastor ben übrigen zu. Unter ihnen auch dem Geschäftsinhaber, bei dem Klara gearbeitet hatte und ber nun nervös und unruhig dastand und eilig baoonging.
Unvermutet trat er bann auch zu mir.
Vor Jahren ging ich an jedem Morgen zur selben Stunde den gleichen Weg, sah jeden Morgen im Strom ber Bielen, bie an mir vorüberfluteten, dieselben Gesichter auftauchen, bie mir mit ber Zeit so bekannt wurden wie die Häuserfronten, die an jedem Morgen die gleichen waren. .
Eines kvar mir seit langem darunter ausgefallen unb beinahe vertraut geworden: schöne große Mad- dienaugen blickten schwermütig unb dunkel aus einem schmalen, bleichen Angesicht. Der Munb war ein wenig abwärts gezogen und fest geschlossen, als habe er etwas zurückzuhalten, bas unausgesprochen bleiben sollte.
Ich wußte nicht, wer sie war, hatte auch nie Versuch gemacht, es zu erfahren. Eine ber bie im Leben an einem vorübertreiben wie


