Ausgabe 
6.4.1939
 
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Nr. 82 Zweites Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

Donnerstag, 6. April 1939

ZugenddiensipfW ist Ehrendienst am deutschen Volke.

Erweiterter Auftrag des Führers.Gtamm-HI. ist Nachwuchsorganisation der NSDAP.

feiner Jugend eine kühne und gewaltige Befesti­gung des Großdeutschen Reiches, das er in wenigen Jahren, aber für alle Zeit geschaffen hat.

Das BdM.-Werk

Glaube und Schönheit".

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neuer Erbhöfe, zur Umgestaltung der Hofwirtschaft und damit zur Auflockerung der Ortslage. Der Er­laß unterscheidet dabei zwischen der Schaffung von Ortsausgängen mit und ohne Gehöft­verlegung, der Bereitstellung von Bauland für einzelne Betriebsinhaber und der Aussiedlung. Es kommt dabei darauf an, den Anschluß an das neue Wegenetz herzustellen, die Sicher­heit der Ortschaft zu gewährleisten und vor allem betriebswirtschaftlich beste Voraussetzungen zu schaf­fen. Auch die Sicherheit des öffentlichen Verkehrs durch den Ort kann die Besei­tigung von Gebäuden oder Gehöften erforderlich machen. Bei der Auflockerung sollen in erster Linie die Gehöfte kleinerer Stellen verlegt werden, und zwar unter Vergrößerung zu einem Erbhof durch Landzulage. Im allgemeinen soll künftig keine Um­legung in Realteilungsgebieten abgeschlossen werden, in der nicht mehrere Erbhöfe durch Stellenvergröße­rung gewonnen worden finb.

Begegnung.

Don Wilhelm Scharrelmann.

Volksgruppe gehören, sind auf Antrag von der Zugehörigkeit zur HZ. zu befreien.

Jugendliche deutscher Staatsangehörigkeit mit dem Wohnsitz im Ausland oder sofern sie sich nur vorübergehend im Deutschen Reich aufhal­ten, sind zum Dienst in der HI. nicht verpflichtet.

Verpflichtet zur Anmeldung.

Alle Jugendlichen sind bis zum 15. März des Kalenberjahres, in dem sie das zehnte Lebensjahr vollenden, bei dem zuständigen HJ- Führer zur Aufnahme in die HI. anzu­melden. Für die Anmeldung ist der gesetzliche Vertreter des Jugendlichen verpflichtet.. Die Auf­nahme erfolgt zum 20. April eines jeden Jahres, die Entlassung nach Ablauf der festgesetzten

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Auf Befragen erklärte bann Stabsführer Lau­terbacher über die künftigen Aufgaben des B D M.- WerkesGlaube und Schönheit": Die Jugenddienstpflicht betrifft nur die Mädel bis zum Alter von 18 Jahren. Das BDM.-Werk bleibt daher wie bisher eine Einrichtung der HI. als Glie­derung der NSDAP. Die Teilnahme an den Ar­beitsgemeinschaften war für die 18- bis 20jährigen BDM.-Mädel bisher freiwillig, und daran wird f i ch nichts ändern. Aufgabe dieser Einrichtung ist es, Neigungen und Anlagen der Mädel dieses Alters zu fördern, ihre Freude am künftlerisichen Leben, an Musik und Theater, an Werkarbeit und an gei­stigen Dingen in unserer Gemeinschaft einzusetzen. Vor allem sollen sie Sport und Gymnastik treiben können. Jedes Mädel aber wird im BDM.-Werk in die Arbeitsgemeinschaft eintreten, zu der es sich wirklich hingezogen fühlt.

Auflockerung der Dorflage.

Der Reichsminister für Ernährung und Landwirt­schaft hat einen Erlaß herausgegeben/ der die syste­matische A u f l o ck e r u n g der Ortslagen als eine der wichtigsten Maßnahmen im Rahmen der landwirtschaftlichen Umlegung kennzeichnet. Es kommt nicht mehr nur auf die Flurbereini­gung im engeren Sinne an, man verlangt viel­mehr eine Neugestaltung des ganzen Umlegungs­gebietes nach den Grundsätzen nationalsozialistischer Boden- und Raumordnung und die Durchführung aller Maßnahmen, durch welche die Grundlagen der Wirtschaftsbetriebe verbessert werden, der Arbeits­aufwand vermindert und die Bewirtschaftung er­leichtert wird. Diese Ziele führen über die Inten­sivierung des Grund und Bodens- zwangsläufig zur Veränderung der Betriebsgrößen durch Schaffung

Dieses weltverwandelnde Ereignis hat sich viel­leicht ein Jahrhundert früher oder später zugetragen, aber sicher ist, daß gerade diese Herrscherin die Sei­denerzeugung erfand. Alte Texte melden dann von Huang ti:Er befahl seiner Gemahlin, auch das Volk die Zucht der Seidenraupe, die Behandlung der Fäden und Kokons zu lehren, damit es Kleider erhalte und man im Reich nicht mehr an Hautrisfen und Frostbeulen litte." Er selbst wird zu Schan- tung, im Tempel derdrei Majestäten", bereits mit gemobeitem Kostüm dargestellt, im Gegensatz zu den Statuen zweier anderer Urkaiser, von denen der eine noch ein Kleid aus grünen Blättern, der andere eine Halskrause und kurzes Röckchen aus Gras trägt.

Si Ling schi aber wurde später zur Göttin er­hoben und sogar unter die Sterne versetzt. Vier große Lichter im Skorpion bilden ihre Quadriga am Himmel. Sie trägt jetzt den Titel Sients an, Raupenförderin, besonders aber heißt sie auch Ahn­frau des Fadens. Sie hatte im Riesenreich der Mitte viele Altäre, vor denen spätere Geschlechter ihre Dankbarkeit erwiesen. Weit über 4000 Jahre währte ununterbrochen ihre Verehrung, bis zur Entstehung der modernen Republik, war sie doch ein Geschöpf echter Volkslegende. Ihr ist jährlich das große Ko­konfest geweiht. Ihr Staatskult steht ebenbürtig neben dem desgöttlichen Ackerbauers". C. K.

darauf besonnen. ....... .

Ein paar Wochen später blieb sie plötzlich des Morgens aus.

Irgendeine Veränderung, dachte ich. Da find tau­send Möglichkeiten.

Lange sah ich sie nicht mehr. Ich hatte mich nie damit beschäftigt, in welches Geschäft sie vielleicht ging. Nun mußte ich zuweilen an ihre zarten, kind­lichen Hände denken, die vielleicht gewohnt waren, seidene Stoffe zu falten und zurechtzulegen.

Sir kann verreist sein, dachte'ich, oder verzogen und geht nun auf einem anderen Weg ins Ge­schäft. Vielleicht hatte sie auch geheiratet, was wußte ich! Oder sie war erkrankt. Sie sah eigent­lich schon immer ein wenig leidend aus.

Dann vergaß ich sie.

Da begegnete mir eines Morgens in derselben Straße, fast an der gleichen Stelle, an der ich ihr so oft begegnet war, ein Trauerzug.

Ein kleines Gefolge, nur auffällig viele Blumen und Kränze.

AaiionaisoziMsche Lharaktererziehung dient der Festigung des Reiches.

Der Reichsjugendführer zu den neuen Verordnungen.

Dielen, die im Leben an einem oorubertreiben wie stille Nachen auf einem belebten Strom.

Auch sie beachtete mich gamicht. .

Da erfuhr ich eines Tages durch das Spiel des Zufalls ihren Namen. Eines Abends nach Ge- schaftsschluß stieg 'sie zufällig in die Straßenbahn, in der ich saß und meine Zeitung las. Zwei junge Mädchen war bei ihr. Die eine war wohl eine Be­kannte von ihr.Fräulein West , sagte fie. Die andere schien vertrauter mit ihr zu fein.Klara hörte ich es herüberklingen.

Daß ich auf den Vornamen noch nicht selber ge­kommen mar! Mir schien plötzlich, als konnte sie gar nicht anders heißen und ich hätte mich nur nie

Er mußte nicht recht, was er sich aus mir machen sollte.

Eine Verwandte?" fragte er unsicher.

Die Frage berührte mich seltsam und klang in mir nach, ohne daß ich gleich zu antworten ver­mochte.

Nicht, nein!" sagte ich dann hastig.Und doch vielleicht eine Verwandte wer will das ent­scheiden?"

Wie die Seide in die Welt kam.

Nach neuesten Funden soll die Seidenzucht schon vor dem Jahre 3000 in China bekannt gewesen sein; die chinesische Sage aber verlegt die Erfindung der Seide auf einenglücklichen Tag" des 27. Jahr­hunderts vor unserer Zeitrechnung. In einer kleinen Kulturgeschichte der Seide, die Sir Gal ah ad in der von Martin H ü r l i m a n n herausgegebenen MonatsschriftAtlantis" veröffentlicht, wird der Vorgang sehr reizvoll geschildert. Si ling schi,große Frau" des Huang ti, ging an diesem Tage mit ihren Damen spazieren. Sie mar zart und schön gebaut, aber ihre Schönheit blieb noch in Bestien- häute gehüllt, höchstens ab und zu in einen Vogel­balg. Im barbarischen Leben des Frühvolkes herrsch­ten noch sonderbare Zustände, es fehlten nach einer alten Schilderung noch die Häuser, so daß die Kö­nige zur Winterszeit in Höhlen, zur Sommerszeit in Nestern lebten; man kannte noch nicht die ver- mandelnde Kraft des Feuers, sondern Baum­früchte und Pflanzen und rohes Fleisch der Vögel und Tiere, trank auch ihr Blut. Flachs und Seide mären noch unbekannt, und man ging mit Federn und Fellen bekleidet, bis spätere Weise die Menschen die Vorteile des Feuers lehrten, Metall schmolzen und Ton formten, Häuser mit Türen und Fenstern bauten. Aber selbst noch unter Huang ti, einem die­ser späteren Weisen, lag die Bekleidung noch recht im argen, bis seine Gemahlin Si ling schi jenen glücklichen Tag" erlebte. Sie ging spazieren und sah zwischen Maulbeerzweigen hängende, sanft leuchtende Gebilde. Sie waren aber nicht dem Baum ent­wachsen, sondern eines der Früchtchen dehnte plötz­lich seine Eigestalt, und ein milchweißer Schmetter­ling, bräunlich gestreift, schwirrte hervor. Es war das abgelegte Kleid des Schwärmers, das Si ling schi nun mit dem weiblichen Interesse für Beklei­dungsdinge betastete. Es war ein Gewand von zau­berhafter Weiche. Mit geschickten Fingern gelang es der Kaiserin bald, den Anfang des Fadens zu er­fühlen. Leuchtend, glatt und klar ließ er sich vom Kokon herunterspulen. In ihm hatte sie das herr­lichste Naturgespinnst auf Erden entdeckt. Alles weitere war Kinderspiel.

(Sin Halsschmuck aus der Steinzeit.

Bei Eggenburg im Gau Niederdonau werden von dem Krahuletz-Museum mit der Beihilfe der Zentral­stelle für Denkmalschutz große Ausgrabungen durch­geführt, bei denen vor kurzem das Grab einer Frau gefunden wurde. Das Skelett war in Hockerstellung zusammengekauert und am Halse und an den Ar­men fand sich noch der Miiscl)elschmuck, den die Frau der Steinzeit getragen hat. Der Halsschmuck, der in der LeipzigerJllustrirten Zeitung" im Bilde gezeigt wird, weist zwischen großen und kleinen Perlen fvns- zehnbogige durchlochte Anhänger auf, die von einem Mittelstück unterbrochen sind. Der Schmuck ist aus den porzellanartigen Schalen der Spondylusmuschel 1)ergefteilt, die einst einen starken Glanz aufwies, während sie heute an der Oberfläche leicht verwit­tert ist. Der Dorzeitmensch schätzte das starke Ge­häuse dieser im Mittelmeer lebenden Klappmuschel besonders, was sich darin zeigt, daß aus ihm ge­bildete Schmucksachen in Troja wie in steinzeitlichen Gräbern in Thüringen und in der Gegend von Worms gesunden worden sind. Der Eggenburger Muschelschmuck ist jedoch schöner und reicher als ^lle bisher bekannt gewordenen aus diesem Stoss. C. K.

Berlin. 6. April. (DNB.) Vor Vertretern der Presse erklärte der Jugendführer des Deutschen Reiches, Reichsleiter Baldur von S ch i r a ch , im Auslandshaus der HI. in Gatow über den neuen gesetzlichen Auftrag an die HI. Unser Führer ge­hört zu den seltenen geschichtlichen Persönlichkeiten, die unermüdlich für die Heranbildung eines Nachwuchses sorgen, der ihrer Idee und ihrem Werk gerecht zu werden vermag. Adolf Hitler hat vom Beginn seines politischen Wirkens an seine Aufgabe immer erzieherisch gesehen. Die Worte des FührersJugend soll von Jugend geführt werden" undDie Jugend hat ihren Staat für sich" sind zum Programm der neuen deutschen Erziehung geworden. . In denAdolf-Hitler-Schu- len", die Einheiten der HI. sind, hat es sich erwie­sen, daß das Jugenderziehungsprogramm des Na­tionalsozialismus für alle Faktoren der deutschen Erziehung gültig ist. Der Reichsberufswettkampf, unsere Lager und Fahrten und sportlichen Wett­kämpfe, sowie jene kulturelle Arbeit, die in Dich­tung, Lied und Architektur unserer Jugend so über­zeugend zum Ausdruck kommt, das alles hat seinen Ursprung in der vom Führer eingelöteten national­sozialistischen Revolution, die eben ini Großen und im Kleinen eine Revolution der E r - Ziehung ist.

Durch die Durchführungsverordnungen des Füh­rers wird nochmals ausdrücklich festgestellt, daß die gesamte körperliche, geistige und sittliche Erziehung der Jugend außerhalb von Elternhaus und Schule bis zum vollendeten' 18. Lebensjahr ausschließlich Angelegenheit derFüh- rer her H I. ist. Es bedeutet diese Entscheidung des Führers zugleich auch die lang ersehnte A b - grenzung des Arbeitsbereiches von HI. und Schule. Letztere ist eben ausschließlich für die im Rahmen des Unterrichtes durchzufüh­rende Erziehung währen dder Schulzeit zu­ständig. Sie hat in der Schulzeit reichlich Gelegen­heit, den Jugendlichen mit dem für seine Entwick­lung und spätere berufliche Tätigkeit notwendigen Bildungsstoff zu versehen. Alle übrige 3 ei t wird hinfort d e n Eltern und I u g e n d f ü h - rem zur Verfügung stehen. Die vormilitä­rische Erziehung der Jugend wird in un­mittelbarer Zusammenarbeit zwischen dem Ober­kommando der Wehrmacht und der Reichsjugend- führung durchgeführt werden, da die vormilitärische Erziehung unserer männlichen Jugend bis zum voll-

Dienstzeit und bei den Mädchen dann, wenn sie in den Ehestand treten. Führer und Füh rerin - 'n e n bleiben nach Ablauf der festgesetzten Zeit An- aehörige der HI. Ihre Entlassung erfolgt auf be­sondere Anordnung. Auf ihren Antrag.finb sie zu entlassen. Für die Dauer des aktiven Wehrdienstes ruht die Zugehörigkeit zur HI. Angehörige des Reichsarbeitsdienstes dürfen sich im Dienst der HI. nicht betätigen. Strafen unterliegen solche Personen, die als gesetzliche Vertreter den Anmeldevorschristen nicht Genüge leisten oder Jugendliche böswillig vom Dienst in der HI. abzuhalten versuchen. Für die Jugendlichen der Jahrgänge 1921 bis 19 2 9, die bisher der HI. noch nicht angehör­ten, bestimmt der Jugendführer den Zeitpunkt der Einberufung zur HI.

endeten.18. Lebensjahr innerhalb der HI. und un­ter ausschließlicher Verantwortung ihrer Führung zu geschehen hat.

Die HI. wird fortan in die Stamm-HI. und in die allgemeine HI. eingeteilt. Die Stamm-HI. hat den gesamten Nachwuchs für die NSDAP, und ihre Gliederungen zu er­ziehen. Die allgemeine HI. führt'nunmehr die pflichtgemäße Erfassung aller tauglichen Jugendlichen durch. Hierzu ist ein einheitliches Meldeverfahren vorgesehen, das Erziehungspflich­tige anhält, bis zum 15. März diejenigen Jugend­lichen, die im Laufe des Kalenderjahres das zehnte Lebensjahr vollenden, zum Dienst in der HI. an­zumelden. Der Dienstpflichtige untersteht einer Disziplinarordnung, die der Führer selbst erlassen wird. Die I u g e n d d i e n st p f l i ch t, die nunmehr neben Arbeits- und Wehrdienstpflicht tritt, erstreckt sich auf alle gesunden und würdig be­fundenen Jugendlichen.

Wir haben in der Geschichte des deutschen Volkes das Auf und Ab des Schicksals kennengelernt, da­rum rüsten wir uns durch ein gewaltiges Er­ziehungssystem, das den Deutschen von frühester Jugend bis ins Alter hinein erfaßt, gegen alle Gefahren, die uns in fernster Zukunft einst bedrohen könnten. Wir besitzen heute ein gläu­biges, mächtiges und tapferes Volk mit einer einzigartigen Führung, allein unser Reich muß die Jahrhunderte überdauern und dies ohne die geringste Erschütterung seines Führungssystems. Wie anders konnten wir das erreichen als durch die gesetzliche' Festlegung aller erzieherischen Maß­nahmen, die wir in der Kampfzeit und später prakttsch erprobten.

Wenn wir schon in den Hoch-Zeiten der natio­nalen Kraft und Größe die ganze Jugend unseres Volkes im Dienste der Bewegung einsetzen, wie­viel mehr müssen wir das erst dann tun, wenn in späterer Zeit andere Generationen kampflos die Früchte unseres Ringens ernten! Dann, wenn alles selbstverständlich erscheint, was durch die Opfer und Kämpfe der inzwischen vergangenen Generationen mühsam erftritten wurde, kann nur ein lück en- los e s System nationalsozialistischer Charaktererziehung unser Volk wachhalten und für den Ueberfall der Neider und Feinde wappnen, an denen es uns im Laufe unserer Geschichte wahrlich niemals gefehlt hat. So ist auch diese neue Tat Adolf Hitlers für die Erziehung

B e r l i n, 5. April. (DNB.) Der Führer hat zwei ' Durchführungsverordnungen zum G e - i fetz über d i e Hitler-Jugend vom 1. De­zember 1936 erlassen. Nach der Schaffung der Ar- i beitsdienstpslicht und der Wehrpflicht wird nun ! and) der Dienst in der HI. zum Ehren- : bien ft am deutschen Volk erklärt. Die erste Verordnung stellt nochmals die ausschließliche Zuständigkeit des Jugendführers des Deutschen R e i ch e s für alle Aufgaben der kör- i perlichen, geistigen und sittlichen Erziehung der ge- . samten Jugend des Reichsgebietes außerhalb von Elternhaus und Schule sest. Auf sei- ; nen Geschäftsbereich des Jugendführers des Deut- ! scheu Reiches, gehen aus dem Geschäftsbereich des Reichserziehungdministeriums alle Angelegenheiten der Jugendpflege,des Jugendherbergs- wertes sowie der Unfall- u nd H a f t p f l i ch t im Interesse der Jugendpflege über. Die Zuständig­keit für das Landjahr bleibt einer besonde­ren Regelung vorbehalten. Hinsichtlich der Fi­nanzgebarung für die Aufgaben des Jugend­führers des Deutschen Reiches wird der NSDAP, besondere Verantwortung übertragen.

Wer gehört zurStamm-Hitler-Zugend?

.Mit der ersten Verordnung wird innerhalb der Hitler-Jugend die Stamm-Hitler-Jugend begründet. Wer seit dem 20. April 1938 der HI. an­gehört, ist Angehöriger der Stamm-HI. Jugendliche, die sich m i n d e st e n s e i n I a h r i n d e r H I. gut geführt haben und ihrer Abstammung nach die Voraussetzungen für die Aufnahme in die Na­tionalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei erfüllen, können in die Stamm-HI. ausgenommen werden. Die Ausnahme in die Stamm-HI. kann b c i Personen über 18 Jahren, die in der Füh­rung ober ber Verwaltung der HI. eingesetzt wer­den sollen, sofort erfolgen. Gliederung der NSDAP, ist nur die Stamm-HI. Die Zugehörig­keit zu ihr ist freiwillig.

Die Dienstpflicht.

Die Dauer der Dienstpflicht wird in der zweiten Verordnung geregelt. Sie bestätigt die bisherige Einteilung der HI. inDeutsches Jungvolk" für die zehn- bis vierzehnjährigen Jungen,H i t l e r - I u g e n b" für die vierzehn- bis achtzehnjährigen Jungen, denI u n g m ä b e 1= bund" für die zehn- bis vierzehnjährigen Mädel, denB u n d d e u t f ch e r Mädel" für die vier­zehn- bis achtzehnjährigen Mädel. Schüler und Schülerinnen in der Grundschule, die das zehnte Lebensjahr bereits vollendet haben, werden bis zum Verlassen ber Grundschulklassen vom Dienst in der HI. z u r ü ck g e st e l l t. Schüler und Schü­lerinnen in der Volksschule, die das 14. Le­bensjahr bereits vollendet haben, bleiben bis zur Schulentlassung im Jungvolk ober Jungmädelbunb.

Alle Jungen und Mädel ber HI. unterstehen einer öffentlich-rechtlichenErzi.eh ungs- gemalt nach Maßgabe ber Bestimmungen, die ber Führer erläßt. Der Zugehörigkeit zur HI. unwür­dig und damit von ber Gemeinschaft ber HI. aus­geschlossen sind Jugenbliche, bie ehrenrührige Hanb- lungen begehen, wegen ehrenrühriger Hanblungen vor Inkrafttreten der Verordnung aus der HI. aus­geschlossen worden finb, ferner bie durch ihr sitt­liches Verhalten in ber HI. ober in ber Allgemein­heit Anstoß erregen und baburch bie HI. schädigen.

Die zweite Durchführungsverordnung regelt wei­ter Untauglichkeit, Zurückstellung, Befreiung vom Dienst und blutsmäßige Anforderungen. Jugend­liche deutscher Staatsangehörigkeit, bei denen beide Elternteile oder der Vater nach ihrem Dolkstums- bekenntnis zur d ä n ischen ober polnischen

Plötzlich durchzuckte es mich: Klara West!

Ich fanb es kindisch und es kostete einen kleinen Kampf aber ich mußte fragen. Der Letzte im Gefolge, ein hutzeliger Alter unter einem vorsint­flutlichen Zylinder sah mich verwundert an und antwortete bann leise:Klara West! Sie ist schon ein paar Monate lang krank gewesen, ja!"

Was ist bann weiter? fragte ich mit unb stritt bamit gegen die dunkle Welle ber Trauer an, die sich in mir erhob. Ein Mensch lebt und leidet, freut sich des Lichtes und stirbt-. Es ist unser aller Schicksal!

Und doch war mir, als hätte ich ber Toten, bie da vorn in dem schmalen, blumenüberschütteten Sarge lag, näher gestanden und zwischen uns wä­ren Fäden gewesen, die nun zerrissen waren ...

In plötzlichem Entschluß reihte ich mich dem Zuge an.

Sie haben sie gekannt?" fragte ber Alte, ber an meiner Seite ging.

Ohne daß ich weiter fragte, erfuhr ich, daß sie in einem Blumengeschäft ber Innenstadt gearbeitet hatte.

Natürlich, sagte ich mir .Das paßte- zu ihr. Blu­men, Sträuße und Kränze und eine Luft, feucht und schwer von Blumendüften.

Ein Lungenleiden, ja", sagte ber Alte,Den großen Kranz dort, am Fußenbe des Sarges, den mit den Orchideenblüten, haben ihr bie Kamera­dinnen vom Geschäft gestiftet."

Der Morgen war neblig. Auf dem Kirchhof sah man kaum bie nächsten Gräber. Taubeperlt und .regungslos still lagen sie unter den Bäumen. Wie welke Blumen, die man besprengte, um sie noch einen Tag zu erhalten.

Der Pastor sprach mit einer schönen weichen Stimme, bie in der kühlen Morgenluft warm unb wohlig wirkte, als legte sich einem eine tröstende Hand aufs unruhige Herz.

Was er sagte, hörte ich kaum.

Statt dessen sah ich einer Amsel zu, bie schwarz und glänzend auf einem der Gräber herumhüpfte und mit dem gelben Schnabel bie trockenen Blätter wenbete.

Als bie kleine Feier zu Enbe war, brückte der Pastor wie üblich ben Leidtragenden die Hand, ber Mutter, einer Schwester ber Verstorbenen, bie eben­so große, etwas verwunberte Augen hatte und nun jäh und heiß zu schluchzen begann.

Dann wandte sich ber Pastor ben übrigen zu. Unter ihnen auch dem Geschäftsinhaber, bei dem Klara gearbeitet hatte und ber nun nervös und unruhig dastand und eilig baoonging.

Unvermutet trat er bann auch zu mir.

Vor Jahren ging ich an jedem Morgen zur selben Stunde den gleichen Weg, sah jeden Morgen im Strom ber Bielen, bie an mir vorüberfluteten, die­selben Gesichter auftauchen, bie mir mit ber Zeit so bekannt wurden wie die Häuserfronten, die an jedem Morgen die gleichen waren. .

Eines kvar mir seit langem darunter ausgefallen unb beinahe vertraut geworden: schöne große Mad- dienaugen blickten schwermütig unb dunkel aus einem schmalen, bleichen Angesicht. Der Munb war ein wenig abwärts gezogen und fest geschlossen, als habe er etwas zurückzuhalten, bas unausge­sprochen bleiben sollte.

Ich wußte nicht, wer sie war, hatte auch nie Versuch gemacht, es zu erfahren. Eine ber bie im Leben an einem vorübertreiben wie