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Mittwoch,S.Zuli 1959

189. Jahrgang

Nr. 154 Erstes Blatt

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Gietzener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

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London, 3. Juli 1939.

zu gewinnen. Wenngleich auch die Ergebnisse dieser Konferenz ebenso geheim geblieben find wie die von Singapur, so ist doch anzunehmen, daß ein Rahmen geschaffen wurde, um die englische Flotte in den chinesischen Gewässern, die australischen Kriegsein­heiten und das Geschwader Neuseelands unter ein Kommando zu bringen. Für bte Land- und Luftstreitkräfte wurden Abmachungen getroffen, die denen der Kriegsmarine entsprachen. Man tat das, weil selbst in absehbarer Zeit Englands Flotte nicht stark genug sein wird, um gegebenenfalls aus eigenen Kräften die Positionen im Fernen Osten 0U holten, es sei denn, daß die militärische Lage m Europa eine Verschiebung von Flotteneinhelten aus dem Mittelmeer in den Stillen Ozean gestattet.

Da das voraussichtlich nicht der Fall sein dürfte, hatte London den Wunsch, die Aktionsmöglichkeiten der englischen China-Flotte und die der Kriegssch'.ffe der britischen Dominien möglichst auf einen Nenner

Bulgarien Hot, wie Deutschland, einen großzügig ausgebauten Arbeitsdienst, der zum Segen des Landes schon Gewaltiges ge­leistet bat. Bei seinem Staatsbesuch in Berlin wird Ministerpräsident Ksosseiwanoff in Begleitung von Reichsarbeitsführer H 1 erl auch dos Arbeitslager Schorfheide am Wer­bellinsee besuchen.

Seite stehen werde, um damit seine niederländisch- indischen Besitzungen sichern zu können.

Die Konferenz von Singapur ist somit als Fort­setzung der in Wellington unter Ausschluß der Oeffentlichkeit geführten Militärgespräche aufzu­fassen. Sie ist aber gleichzeitig das Gegenstück zu der diplomatischen Betriebsamkeit, die zur Zeit in London herrscht und die darauf abzielt,eineFront" gegen die autoritären Staaten aufzurichten. Was im Westen die englische Garantiepsychose für Deutschland und Italien bedeutet, ist im Osten das Zusammengehen zwischen England, Frankreich, Australien und Neuseeland für Japan. An beiden Punkten soll der Versuch unternommen werden, auf die autoritären Staaten durch Einkreisung einen Druck auszuüben. Bemerkenswert ist lediglich, daß London es bisher verstanden hat, seine militärischen Vorbereitungen im Fernen Osten mehr geheim zu halten als seine diplomatischen Manöver in Europa. Die Ursache für diese Taktik ist offensichtlich darin zu suchen, daß man es möglichst vermeiden möchte, die Japaner im gleichen Augenblick vor den Kopf zu stoßen wie Deutschland und Italien. Wahrschein­lich würden in einem solchen Falle die in diesen Tagen in Tokio beginnenden englisch-japanischen Gespräche zur Klärung der Frage von Tientsin noch weniger Erfolg haben, als ihnen ohnehin von japanischer Seite zugesprochen wird.

belassen. _

Der Wunsch Englands, die Vereinigten Staaten von Nordamerika in eine fernöstliche strategische Front einzugliedern, ist nicht neu. Zum letztenmal wurde er ausgesprochen, als in Wellington, der Hauptstadt Neuseelands, auf die. Initiative des neuseeländischen Ministerpräsidenten Savage eine Wehrkonferenz abgehalten wurde, an der Vertreter Englands, Australiens, der englischen Südsee-Jnseln und Neuseelands teilnahmen. Zweck auch dieser Konferenz war es, die London im Fernen Osten

a b st e r b e n zu lassen.

Dor dem Weltkriege hatte Danzig als Tor des gesamten Weichselgebietes die natürliche Funktion, den Warenverkehr zwischen dem russisch-polnischen < und ostdeutschen Binnenland einerseits und dem Ausland sowie den übrigen deutschen Seehäfen anderseits zu vermitteln. Im Danziger Hafen, wo noch heute die großen Getreidespeicher gegenüber dem Krantor und die ausgedehnten Lagerschuppen von jener Blütezeit erzählen, wurden die von der See kommenden Güter gelöscht, gelagert und dann auf dem billigen Wasserweg der Weichsel ins Hinter­land transportiert. Es wurden hier ober auch die Produkte des großen agrarischen Hinterlandes Getreide, Holz und sogar die Zuckerrübenernte der Ukraine von deutschen Firmen . durchgeschleust gehandelt, transportiert und in manchen Fällen verarbeitet.

Diese Aufgabe Danzigs als größter Um­schlagsplatz des mittleren Ostens war so offenbar, daß selbst die Versailler Friedensmacher bei der Schaffung des Freistaates den Polen die Verpflichtung auferlegen mußten, den Danziger Hafen für ihren Wirtschaftsverkehr vollkommen aus­zunutzen. Tatsächlich reicht auch der Danziger Hafen, der eine Umschlagskapazität von 15 Millionen Ton­nen jährlich besitzt, vollkommen aus, um den gan­zen seewärtigen Handel Polens mühelos zu bewäl­tigen. Aber die Polen kümmerten sich nicht um die Versailler Vorschriften. Sie bauten 15 Kilometer von Danzig entfernt in Gdingen einen eigenen Hafen, der sich dann durch mannigfache Bevorzu­gung der staatlichen Warschauer Stellen zu einer immer stärkenden Konkurrenz gegenüber Dan­zig auswuchs. Um dieser Entwicklung zu begegnen, hat die Danziger nationalsozialistische Regierung im September 1933 e i n U e b e r e i n k o-m m e n mit Warschau getroffen, wonach beide Häfen zu gleichen Teilen sowohl mengen- als auch wertmäßig an dem seewärtigen Handel Polens be­teiligt sein sollen. Aber auch das war vergebliche Liebesmühe, denn die Polen kümerten sich einfach nicht um das Abkommen, sondern fuhren in der Bevorzugung von Gdingen fort.

Wenn man die Polen aus diesen Vertragsbruch einmal hinweist, dann antworten jie; daß doch h i n- s i ch t l i ch d e r M e n g e der umgeschlagenen Guter

zu bringen. Ein hierzu gegründeterWehr bund ", an dessen Spitze der W e h r r a t " steht, oll die Gewähr dafür leisten. Als erste Amtshand­lung sandte dieser Wehrrat nach London die An­regung, die englischen Fidschi-Inseln zu einem" Flugzeugstützpunkt auszubauen. Die zweite Anregung war die, daß die englische Diplomatie versuchen solle, Frankreich in diesen Wshrbund einzubeziehen. Die französischen Südseebesitzungen mit Neu-Kaledonien an der Spitze bilden nach An­sicht des Wehrrates ein wesentliches Glied in der fernöstlichen Verteidigungskette, zumal sie zwischen Austtalien und den Fidschi-Inseln liegen. Nach dem durchaus befriedigenden Verlauf" der Konferenz von Singapur will man in London wissen, daß die französische Regierung keine Bedenken mehr gegen die Erfüllung der englischen Wünsche hinsichtlich der Südseebesitzungen hat. Weniger durchsichtig ist die Haltung, die die holländische Regie­rung zu den Anregungen Englands eingenommen hat, dem Wehrbund im südlichen Teil des Stillen Ozeans beizutreten. London hofft allerdings, daß Holland im Falle eines fernöstlichen Kriegesim eigenen Interesse" auf der englisch-französischen

Deutschland" entgegen. Soviel wissen auch die Bauernsöhne aus den entlegensten Dörfern des Bal­kan geb irges, daß das große Land weit oben im Norden hinter der Donau ein Freundesland ist.

Unsere Besichtigungsfahrt ist wie ein Korso durch glückliche Auen. Dreißig Kilometer lang und sechs Meter hoch ist der große Donaudeich, den die Arbeitspflichtigen bei Beteiligung von «ahrlick 2500 Mann errichtet und so Bulgarien 17 oOO Hektar fruchtbarsten Ackerbodens ge­wonnen haben. Es ist bewundernswert, welche gewaltigen Anstrengungen der durch dos Diktat von Neuilly so stark eingeschränkte Staat gemacht hat und noch macht, um aus sich selbst heraus die Wunden der drei Kriege zu heilen, sich selbst^von der Hilfe der vielgerühmten internationalen Soli­darität, die den verarmten und ruinierten Völkern zu Hilfe kommen sollte, freizumachen.

Zwei Tage später nahm T i t s ch a zwanzig Kilo­meter von Varna, am Schwarzen Meer, uns gast­lich auf. Hier sind wir mitten in den gewaltigen Urwäldern Nordostbulgariens, mitten in einem der wichtigsten Produktionsgebiete des Arbeitsdienstes. Titscha ist im Gegensatz zu den anderen Arbeitslagern, wo hauptsächlich Wege- und Eisenbahnbau das Arbeitsgebiet darstellt, das ganze Jahr-über in Betrieb. Forstwirt­schaft und Holzindustrie in ganz großem Maßftabe. Schmalspurbahnen führen den Fabriken das schier unerschöpfliche, hochwertige Holzmaterial zu. Eine gründliche Durchforstung war hoch an der 3eit. Immer aber hatten dem verarmten Lande Mittel und Hilfskräfte gefehlt, bis der Arbeitsdienst wie auch auf so vielen anderen Gebieten als Retter

Einrichtung des Arbeitsdienstes fein Land in dop­pelter Beziehung geradezu gerettet z>i haben.

Ende 1920 hatte Bulgarien 14 OCX) Kilometer Straßen. Gebraucht wurden 75 000! Für die Länge der Eisenbahnlinien war eine doppelte Ausdeh­nung erforderlich, um auch nur einigermaßen den wirtschaftlichen Bedürfnissen des Landes zu ent­sprechen. Was innerhalb der'letzten Jahre geschaffen wurde, ist gewaltig. Wohin man reift durch das Land, überall sieht man großzügig und zweckvoll errichtete Neuanlagen. Ausgezeichnete Straßen, Wege, Brücken, Flußdämme, Bewässerungsanlagen und Trockenlegungen von Sümpfen. Und überall prangt, eingemeißelt in Stein, die stolze Aufschrift: 21 r b e i t 'für Bulgarien!"

Der bulgarische Ministerpräsident auf deutschem Boden.

Berlin, 4. Juli. (DNB.) Am Dienstagabend trafen der Königlich Bulgarische Ministerpräsident und Minister des Aeußeren Ksosseiwanoff und Frau nebst Begleitung aus ihrer Fahrt zum Staatsbesuch in der Reichshauptstadt an der deut­schen Grenze in R 0 senbach ein, wo sie v 0 m deutschen Ehrendienst in Gegenwart des Königlich Bulgarischen Gesandten in Berlin begrüßt wurden Nachdem Ministerpräsident Kjosseiwanoff die auf dem Bahnsteig angetretene Ehrenkompanie abgeschritten hatte, setzten die bulgarischen Gaste im deutschen Sonderzug ihre Fahrt fort.

und Helfer einsetzte.

Die Offiziere, an der Spitze der Kommandeur, der Ingenieur, der Arzt eine ganze Kommission stellt sich uns zur Verfügung.^Zuerst die Par­ke t t f a b r i k l Täglich werden hier etwa 300 qm hergestellt. Hauptabnehmer ist der Staat, Private kommen dazu, und die Produktion kann die Be­steller trotz Tag- und Nachtschicht kaum schnell genug befriedigen. Es fehlt an Maschinen, um alle Leute gleichzeitig zu beschäftigen. Man muß sich behelfen. Für die Dompftrockenanlage hat der Ingenieur eine vorsintflutliche Lokomotive ver­wendet.Das Fahrgestell abmontiert, ober das Herz puppert noch", sagt er lachend.Die Deutschen sind die Meister mit Maschinen, wir aber sind die Meister ohne Maschinen." Er hat recht. Zum «chluß besichtigen wir die Tischlerei, die stell- macherei und die große Halle, in der ma'sen- weise Türen und Fensterrahmen für Bulgariens Schulhäufer hergestellt wer­den. Dicht bei dicht hängen hier auch ganze Regi­menter von Schiern. Sechstausend stück sind für dos Militär bestellt, und die Sportgeschäste haben sich als ständige Abnehmer angeschlossen.So haben wir uns vom teuren Import freigemacht und erholten uns wertvolle Devisen."

Man muß sich ein wenig die Vergongeiihelt des bulgarischen Volkes in die Erinnerung zuruckrufen. die 5 00 Jahre türkischer Gewaltherr­schaft, die nichts anderes kannte, als das Land auszusaugen und jede Eigenentwicklung zu unter­drücken. Was in den rund 60 Jahren seit der Be­freiung vom Türkenjoch geschaffen wurde, ist be­wundernswert. Aber neue Kriegsjahre zerstörten von 1912 bis 1918 das mit Fleiß und Tatkraft be­gonnene Aufbauwerk. Das Diktat von Neu­illy, BulgariensVersailles", nahm nicht nur einen beträchtliche Teil feines Londes, es nahm ihm _ genau wie uns Deutschen sein Volksheer, ferne Wehrpflicht. Es konnte ihm aber eines nicht neh­men- das tief in Bulgarien verwurzelte Dienftpflicht- gefühlt. Der Bulgare ist als ein begeisterter Pa­triot. als ein guter Soldat bekannt. Die Dienft- williakeit .gegenüber dem Staat muß erhalten bleiben, und es ist das große Verdienst Alexander : Stamulinskis, des Bauernführers, mtt..der

Arbeit für Bulgarien."

Erlebnisse in bulgarischen Arbeitsdienstlagern. - Blühendes Neuland aus LleberschwemmungSgebiet.

Don Charlotte Kühl von Kalckstein.

Englische Strategie im Stillen Ozean

Don unserem 71. Ts.-Korrespondenien.

Die am 22.Juni in Singapur begonnenen englisch-französischen M i li t ä r b e s p r e- chungen sind am 29. Juni abgeschlossen worden, I ohne daß die Oeffentlichkeit Genaueres über das i Ergebnis erfahren hat. Ministerpräsident Cham- . berloin konnte vierundzwanzig Stunden nach Abschluß der Gespräche im Unterhaus nur erklären, : daß Singapursehr zufriedenstellende Ergebnisse" gezeitigt Hobe. Er weigerte sich mitzutellen, worin die Ergebnisse im einzelnen bestehen. Es bleibt da­her nichts anderes übrig, als sich aus den seit ge­raumer Zeit nur tropfenweise gemachten Andeu- ' jungen halbamtlicher Stellen ein Bild über den irweck der Konferenz von Singapur zu entwerfen.

Zweifellos verfolgte London mit diesem intimen englisch-französischen Gedankenaustausch drei Ab­sichten: Erstens sollen die englischen und französischen Streitkräfte im Fernen Osten im Kriegsfälle unter ein Kommando gestellt werden. Zweitens wollte man Vorkehrungen treffen, um gegebenenfalls der japanischen Flottenüberlegenheit im Stillen Ozean entgegentreten zu können. Drittens dachte man an den Schutz Hongkongs, das durch die fort­schreitende Konsolidierung der japanischen Stellungen in China in wachsendem Maße unter Druck gesetzt wird und im Falle kriegerischer Verwicklungen der erste Ansatzpunkt des japanischen Hebels sein mußte. Wenn diese von amtlicher englischer Seite niemals dementierte oder bestätigte Programm - Ordnung stimmt, ist die Konferenz von Singapur für bte englischen Interessen im Fernen Osten in der Tat ein wichtiges Ereignis gewesen, vorausgesetzt aller­dings daß die Gespräche den Verlauf genommen haben, den Chamberlain in feiner spärlichen Ant­wort andeutete. Es unterliegt keinem Zweifel, daß die englischen und französischen Streitkräfte im Fernen Osten im gegebenen Falle d i e Zusam­menfassung erfahren würden, die man tn den jüngsten Militärgesprächen hat zustande bringen wollen. Diese Gespräche schwebten nicht in einem leeren Raum, sie wurden vielmehr überschattet von den letzten Ereignissen in Tientsin, Swatau und anderen chinesischen Küstepstödten, die seit einigen Tagen japanische Garnisonen in ihren Mauern sehen. Der englische Verhandlungspartner in Sin­gapur konnte aus diesem Grunde den französischen Gegenüber unter einen gewissen Druck setzen und damit die Annahme seiner Wünsche forcieren.

Daß die Abmachungen von Singapur einzig und allein im Hinblick auf den japanischen Einfluß im Stillen Ozean getroffen wurden, geht nicht nur aus der Erörterung des Flottenverhältnisses in diesem strategischen Großraum hervor, sondern auch aus der Wahl Singapurs als Sitz eines etwaigen ge­meinsamen Oberkommandos. Der im Jahre 1937 begonnene Ausbau dieser englischen Fernost- Festung kann heute als nahezu abgeschlossen gelten. Sie ist nach englischer Ansicht weitaus sicherer als Hongkong, dessen Hinterland heute nicht mehr so wenig strategische Ungewiß­heiten in sich birgt, wie das noch vor Ausbruch des japanisch-chinesischen Konfliktes der Fall war.

Bemerkenswert waren die Bemühungen, bte zur Zeit der Verhanblungen von Singapur in Lonbon an gestellt mürben, um Hollanb unb ben Ver­einigten Staaten bie Notwenbigkeit eines Beitritts zu der englisch-französischen Front tm Fernen Osten klarzumachen. Man operierte mit Htm weisen, wonach roeber Niederländisch-Jndien, noch bie amerikanischen Philippinen im Falle kriege­rischer Verwicklungen vor Angriffen ber japanischen Flotte sicher seien unb bemühte sich barüber hinaus, auch Siam von ber Notwendigkeit eines Zu­sammengehens mit England zu überzeugen. Wie weit man in dem letzten Fall bisher Erfolg gehabt hat, zeigt bas einbeutige siamesische Dementi. Was jedoch bie Vereinigten Staaten anbetrifft, fo_ sieht man es in Lonbon als gutes Zeichen an, baß sich Washington erst kürzlich dazu entschlossen hat, seine starken Flotteneinheiten im Stillen Ozean für ein weiteres Jahr in ben Philippinen-Gewässern zu

Daß uns eine Dame besucht hat, noch dazu , eine Reichsbeutsche, nein, bas haben wir allerdings ; noch nicht erlebt." Wir sitzer, zehn Herren, darunter ( die Aerzte von der Kontrollkommission und ich, an ; einem schmalen, wackeligen Tisch im Offizierskasino. : Es ist ein niedriger, weißgetünchter Raum, ehemals bie Schulstube dieses kleinen, fernen, bulgarischen Dorfes am Ufer ber Donau. Der Kommanbeur ist telephonisch in einem entlegenen Ort seines aus- gebehnten Bezirks von bem geplanten Besuch ber deutschen Journalistin benachrichtigt worden unb gleichzeitig mit uns hier eingetroffen. Stundenlang finb wir mit bem Wagen gefahren, zuerst bie Bit hinunter an altbulgarischen Dörfern unb neuen maze­donischen Siedlungen vorbei, bis ein frischer Wind bie Nähe ber Donau anfünbigte. Die Hänge unb Ebenen waren bicht übersät mit Päonien. Bauernjungen bewarfen uns mit biefer leuchtenben Fülle, so daß unser Wagen ausjah, als begäbe er sich zu einem Blumenkorso. Selbstverständlich spra­chen wir von M a ck e n f e n ! Der Kommanbeur war begeisterter Führer eines Kavallerie-Regiments im Europäischen Krieg.O, ein feiner Mann, ein ganz großer!" Unb er erzählt eine Kriegsepisode nach ber anderen. Die Ordonnanz bringt das Essen. Alu­miniumnäpfe unb blecherne Eßlöffel. Die Mahlzeit derTrubowaks", ber Arbeitsbien ft pflich­tig e n. Echt bulgarische Bohnensuppe mit Reis. Ein gutes Stück Fleisch barin. Reichlich mit Paprika versehen. Für ben Dürft ist mit einer Riesen- emaillewaschkanne vollTschervino vino , bem roten reinen Landwein, gut vorgesorgt.

Während wir noch essen, sammeln sich aus bem dörflichen Kirchplatz bie großen Zuge der Trudo- waks zum Nachmittagsdienst. Vor brei Tagen erst finb sie eingezogen zu einer Dienstzeit von acht Monaten. Unb als wir in bie Sonne hinaustreten, schwenken sie in Reih und Glied zu ben neugewon­nenen Donauwiesen hinunter. Hundert und mehr junge Bauern mit ihrer braunen Mütze unb bem kurzen Schafpelz stehen abseits unb schnüren ihre primitiven Holzkoffer zusammen.Die Z u ruck- a e st e l l t e n , die mir heute bei ber dritten unb letzten Musterung ausgesiebt haben. Kränkliche unb Schwache" Der Arzt, ber, wie so viele hier in Bulgarien, in Deutschland studiert hat, gibt uns m , ausgezeichnetem Deutsch aufschlußreiche Erklärun­genFrüher war jeder Entlassene froh. Jetzt aber i ist der Gedanke ber Dienstpflicht so tief in bas , Volksbewußtsein eingebrungen, daß der Abgewie- jene sich geradezu deklassiert vorkommt. Oft wollen - - * * <*«»c xa, Monate noch

unb genug!

Wollen Sie unsere Trubowaks beim Exerzieren besuchen?" Wir folgen dem Oberst, der nach> Ka­valleristenart seine Reitpeitsche spielerisch durch die Lust faulen IM. Schon non fern t>ernef)men wir ununterbrochen Sommanborufe. Die Unkrostiziere drillen Zehn Tage ber militärischen Eingewöh­nung. ehe ber eigentliche Arbeilsbienst beginnt. ..Rechts um! Links nm!" Wie auf preußischen Ka- semenhösen. Nur baß jeder sich seine Besehle selber uralt indem er sie gleichzeitig aussuhrt. Dann schreiten mir (jawohlmir", denn auch ich, eine Frau, bin dabei) die Front ab, und aus m-elen bun= bert Kehlen ruft man uns em 0 ch lebe

Oer Kamps um das Weichseltor.

Die Bank von Danzig hat den Trans­fer für ben Zins- unb Zahlungsdienst der Dan­ziger Ausländsanleihen bis auf weiteres gesperrt, unb außerdem beschlossen, keine freien De­visen für Zahlung des Kapitalverkehrs nach dem Ausland mehr zur Verfügung zu stellen, da infolge ber polnischen Strangulierungspolitik das Devifen- aufkommen der Danziger Wirtschaft sowohl aus dem Hafenumschlag als auch aus dem Export nach Polen immer geringer beworben ist.

Die Forderung der Rückkehr Danzigs ins Reich wirb bekanntlich von den Warschauer Politikern deswegen abgelehnt, weil es angeblich für Polen lebenswichtig fei, daß das Mündungsge­biet der Weichsel unb damit die freie Stadt Danzig unter ausschließlich polnische Kon­trolle gestellt werde. Zur Stützung der polnischen Ansprüche wird weiterhin behauptet, daß Danzig und Gdingen zwei durchaus gleichberech­tigte Häfen für Polen bildeten. Ja, man spricht, in ber polnischen Presse sogar von der treuhände­rischen Aufgabe, bie Polen zum Wohle ber Dan­ziger Bevölkerung erfüllt hätte, unb die demokra­tische Hetzjournaille weiß in ihrem Heb er eifer sogar zu berichten, daß Danzig sich unter polnischer Herrschaft wirtschaftlich besser stehen werde als un­ter der Oberhoheit des Reiches. Wie lügenhaft die­ses ganze Geschwätz ist, beweist nicht nur die jetzige Notmaßnahme der Bank von Danzig, son­dern auch die ganze verhängnisvolle Entwicklung des Danziger Wirtschaftslebens seit bem Weltkriege. Polen hat in diesen zwanzig Jahren nichts unver­sucht gelassen, um bas Danziger Wirtschaftsleben und insbesondere den Danziger Hafen allmählich

zur Verfügung ft-henben Streitkräfte z u I_° m m e n- '^^waks nach Ablauf ber acht zuf affen, um eine möglichst groye schlagkräftig bleiben." Wer hatte bisher täglich zur

.....nitrh die dieser Stimmten Stunde sein kräftiges warmes Mittag­essen^ Es ist im allgemeinen sehr arm, das Bauer v- völk und gekochtes Essen ist bei ihm eine Selten­heit. Ein Kilo Brot, eine Handvoll Zwiebeln