Schaft wird gebeten, für Lebensmittel einen entsprechenden Geldbetrag zur Verfügung zu stellen.
Achtung Kartoffelkäfer'
Mit dem Einsetzen der warmen Witterung sind vielerorts bereits wieder Kartoffelkäfer aufgetreten. Es ist daher Pflicht jedes Landwirts und Kleingärtners, seine Kartoffeln oder Tomaten fortlaufend zu beobachten und jeden verdächtigen Fund sofort der Ortspolizeibehörde zu melden. Nur wenn alle mithelfen, ist es möglich, diesen Großschädling zu vernichten und seine weitere Ausbreitung zu verhindern.
MonatsappeU der Artilleristen-
Kameradschast 1895 Gießen.
Am Samstagabend fand im Kameradschaftsheim „Hessischer Hof" der monatliche Appell der Artille- risten-Kameradschaft 1895 Gießen unter Leitung des Kameradschaftssührers Müller statt. Wie immer, hatten sich auch zu diesem Appell die Kameraden zahlreich eingefunden.
Zunächst lenkte der Kameradschaftsführer die Gedanken der alten Artilleristen auf den Reichs- kriegertag in Kassel hin, bei dem auch der Führer inmitten der alten Krieger weile. Der freudige Gruß der alten Soldaten galt hier vor allem dem Führer. Sodann machte der Kamerad- schaftssi'ihrer die Mitteilung, daß der von der Gießener Artillerie-Abteilung geplante und von der Kameradschaft freudig begrüßte Artilleristentag, der Mitte dieses Monats stattfinden sollte, abgesagt werden mußte, da die Abteilung zu dieser Zeit zu Uebungszwecken auf einen Truppenübungsplatz abrücken muß. Das Artilleristentreffen ist damit aber nicht endgültig aufgegeben, sondern es ist nur auf eine gewisse Zeit verschoben und wird jedenfalls noch in diesem Jahre stattfinden. Der Gedenkstein, der bei diesem Treffen von der Artillerie-Abteilung in der hiesigen Bleidorn-Kaserne zur Erinnerung an das ruhmreiche Feldartillerie-Negiment 80 gesetzt werden sdll, verbleibt zunächst noch an seinem jetzi
gen Aufbewahrungsort in Halberstadt und wird erst zu dem späteren Zeitpunkt nach Gießen gebracht werden.
Im weiteren Verlaufe des Abends wurde noch über einige kleinere interne Angelegenheiten gesprochen, einige Fragen der Sozialfürsorge und des Propagandawesens kurz erörtert und schließlich der gewohnte Sommerausslug der Kameradschaft für Ende August oder Anfang September nach dem Feldberg im Taunus mit einer Fahrt durch den Hochtaunus und das Weiltal vorgesehen.
Nach Erledigung der geschäftlichen Angelegenheiten verblieb man noch in gewohnter kameradschaftlicher Geselligkeit zusammen.
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** Autozusammenstoß am Selters- t o r. Gestern, kurz vor Mittag, ereignete sich am Selterstor ein Zusammenstoß zweier Personenkraftwagen. Einer der Personenkraftwagen, von einer Dame gesteuert (sie fuhr übrigens ohne Führerschein!), kam aus dem Horst-Wessel-Wall, der andere Wagen die Frankfurter Straße herab. Bei dem Zusammenstoß erlitt die Frau eines Konzertmeisters aus Magdeburg eine leichte Gehirnerschütterung. Glücklicherweise wurde niemand ernstlich verletzt. Beide Wagen wurden leicht beschädigt. Der Wagen der Kraftfahrerin, die ohne Führerschein fuhr, wurde sichergestellt.
** Schulverlegung. Die kaufmännische Berufsschule, die ihre Schulräume bisher im Liebig- bau (Liebigstraße) hatte, hat mit dem 1. Juni Schulräume im oberen Stockwerk der alten Pesta- lozzischule, Wernewall 18, bezogen.
** Städtische Bücherei. Im Mai sind 1787 Bände ausgeliehen worden. Davon kamen auf: Literaturgeschichte 1, Zeitschriften 28, Gedichte und Dramen 9, Erzählende Literatur 1068, Jugendschriften 228, Länder- und Völkerkunde 135, Kulturgeschichte 1, Geschichte und Biographien 179, Kunstgeschichte 13, Naturwissenschaft und Technologie 58, Heer- und Seewesen 25, Haus- und Landwirtschaft 5, Gesundheitslehre 1, Religion und Philosophie 1, Staatswissenschaft 33, Sport 2 Bände.
Aus Gießen-Miu-Lmdeu.
Verpflichtung einer Werkfrauengruppe.
In einer Feierabendstunde am letzten Freitag wurde im geschmückten Arbeitssaal der Zigarrenfabrik Gebrüder Berens die feierliche Verpflichtung einer. Werkfrauengruppe vor genommen. Zahlreiche Ehrengäste waren zu der Feier ein- geladen.
Unter den Marschklängen der Kapelle Krengel (Gießen) marschierte die neu gegründete Werkfrauengruppe in schmucker einheitlicher Kleidung in den Saal. Betriebsobmann Berens sprach herzliche Begrüßungsworte und entbot den Gästen, vor allem Kreisleiter Backhaus, den Vertretern der Ortsgruppe und der DAF., besonderen Gruß. Er sprach noch kurz über die Aufgaben der Werkfrauengruppe, deren Arbeit er besonders unterstützen wolle.
Kreisleiter Backhaus gab seiner Freude darüber Ausdruck, einmal zu der Gefolgschaft der Fabrik sprechen zu können. Die Werkfrauengruppe solle gewissermaßen der Mittelpunkt des Betriebes sein und dafür sorgen, daß die Kameradschaft im Betrieb sich immer mehr auswirke, damit die Arbeit zur inneren Befriedigung für die Menschen werde. Glücklicherweise werde heute die Arbeit der Faust und der Stirn ganz anders gewertet, als früher. Es müsse dahin kommen, daß Betriebsführer und Gefolgschaft eine große Gemeinschaft bilden, die auf Gedeih und Verderb zufammenstehe in guten und in schlechten Zeiten. Die großen Aufgaben in
unserem Vaterland könnten nur dann recht erfüllt werden, wenn die deutsche Frau den Schicksalskampf mit durchführen helfe und treu zu Volk und Führer stehe.
Frl. Schaper als Kreisfrauenwalterin der DAF. gab Richtlinien für die Aufgaben der Werkfrauengruppe, die in der Hauptsache darin bestehen, das ganze Wollen in den Dienst der Gemeinschaft zu stellen. Mit den Worten: „Wir wollen fein eine auf Ehre und Treue, Gehorsam und Kameradschaft verschworene Gemeinschaft im Ehrendienst an unferm Volk und im Geist unseres Führers", wurden die Mitglieder der neuen Werkfrauengruppe, der ersten Gruppe dieser Art im Kreis Gießen, feierlich verpflichtet.
Die Feier war von ein» und mehrstimmigen Liedern, von Sinnsprüchen und Zitaten von Führerworten umrahmt, die von den Angehörigen der neuen Werkfrauengruppe unter Leitung von Frl. Beyer, der Referentin der Kreiswaltung Gießen der DAF., dargeboten wurden. Die Kapelle Kren- g e l (Gießen) bot den musikalischen Teil.
Betriebsobmann Berens dankte 3um Schluß allen, die zum guten Gelingen der Feier bei getragen hatten. Mit dem Gruß an den Führer und dem gemeinsamen Gesang der nationalen Lieder fand die Feier ihr Ende.
Die Werkfrauengruppe der Zigarrenfabrik Berens zählt gegenwärtig 12 Mitglieder und steht un
ter der Führung von Gefolgschaftsmitglied Frl. Marie Spengler (Lützellinden).
80 Jahre alt
Der Eisenbahnangestellte i. R. Karl Lang feiert am heutigen Montag seinen 8 0. Geburtstag. Er ist gebürtig aus Rainrad bei Schotten,
diente in den achtziger Jahren im Infanterie-Regiment Nr. 116 und hat bis zum heutigen Tag der NS.-Kriegerkameradschaft Klein-Linden, der er viele Jahre lang als Vereinsdiener in Treue gedient hat, als Mitglied angehört. Auch wir gratulieren dem allseits beliebten alten Herrn herzlich zum Geburtstag.
SchnellomnibusverkehrIrankfurt-Mseld Kassel Eine weitere Omnibuslinie für den Nahverkehr.
Die am 15. Mai mit Beginn des Sommerfahrplans erfolgte Einbeziehung von Alsfeld in den Schnellverkehr der Reichsbahn auf der Reichsautobahn Frankfurt a. M. — Kassel hat bis jetzt eine recht erfreuliche Entwick- lich genommen. Der Ab- und Zugang des Reiseverkehrs am Haltepunkt Bahnhof Alsfeld ist sehr rege.
Zur Regelung verschiedener Betriebsangelegenheiten auf der Strecke weilten dieser Tage Vertreter der Reichsbahndirektionen Frankfurt a. M. und Kassel in Alsfeld, insbesondere hinsichtlich der Fahrplangestaltung, die an die neue Verkehrsregelung mit 70 Kilometer Höchstgeschwindigkeit für Omnibusse angeglichen werden muß. Verschiedene von der Stadtverwaltung geäußerte Wünsche zum
Fahrplan haben Aussicht, im Winterfahrplan Berücksichtigung zu finden.
Dabei wurde von den Vertretern der Reichsbahnverwaltung mitgeteilt, daß die weitere Omni b u s l i n i e auf der Reichsautobahn Frankfurt am Main—Kassel, die für den Nahverkehr bestimmt ist, voraussichtlich noch im Laufe des Monats Juni eröffnet werden wird. Sie wird die Städte Bad Homburg, Bad-Nauheim, Gießen, Alsfeld, Bad Hersfeld anlaufen. Als Abfahrtszeit in F r a n f f u r t in Richtung Bad Hersfeld ist 9.30 Uhr vorgesehen, Ankunft in Alsfeld 12.31 Uhr, Hersfeld an 13.22 Uhr. Die Rückfahrt erfolgt ab Bad Hersfeld 15.45 Uhr, Frankfurt a. M. an 19.39 Uhr.
Es ist zu hoffen, daß auch diese Nahverkehrslinie eine günstige Entwicklung nehmen wird.
Aus der engeren Heimat.
Grasbrand an der Eisenbahn bei Großen-Linden.
Wald war in Gefahr!
Gestern nachmittag um 16 Uhr geriet an der Eisenbahnstrecke zwischen Klein-Linden und Graß- Linden, unweit dem Dahnwärterposten 74, anscheinend durch Funkenflug aus einer Lokomotive, das Gras der Böschung in Brand. Das Feuer breitete sich rasch aus und drohte den unmittelbar anschließenden Wald in Mitleidenschaft zu ziehen. Glücklicherweise bemerkten Spaziergänger das Feuer und gingen ihm sofort energisch zu Leibe. In Anbetracht der Gefahr für den Wald wurde die Gießener Feuerwehr alarmiert, die auch bald an der Brandstelle erschien und mit ihren Hilfsmitteln das Feuer rasch ersticken konnte. Um 17.15 Uhr konnte die Feuerwehr wieder einrücken. Wesentlicher Schaden entstand nicht.
Kliegermeldung
verhindert größeren Waldbrand.
Lpd. Schotten, 4. Juni. Der Nachtverkehrsflieger der Strecke Frankfurt—Berlin bemerkte nachts beim Ueberfliegen des Vogels- b e r g e 5 im Oberwald einen Waldbrand, den er sofort auf funkentelegraphischem Wege nach Frankfurt meldete. Von dort wurde durch Telefonruf Feueralarm nach Herchenhain gegeben, von wo die Feuerwehr zur Bekämpfung des Brandes ausrückte. Sie fand auf einer Abtriebsfläche Reisig in Flammen vor. Der Brand war offenbar durch Unvorsichtigkeit entstanden. Dank der Aufmerksamkeit des Verkehrsfliegers gelang es, den Brand zu löschen und so größeres Unglück zu verhüten.
Lichtreklame in Alsfeld.
A Alsfeld, 3. Juni. Eine sehr wirkungsvolle Lichtreklame veranstaltet die Stadt Alsfeld,
indem sie den wuchtigen, weithin ragenden Turm der Walpurgiskirche Mittwochs, Samstags und Sonntagsabends mit starken Scheinwerfern an ft rollen läßt. Der in Hellern Licht erstrahlende Turm in feinem edlen gotischen Stil bietet dabei von der Reichsautobahn aus, die in 5 Kilometer Länge Alsfeld umfährt, ein prächtiges Bild.
Von der Straßenmeisterei bei Alsfeld.
§ Alsfeld, 4. Juni. Die Arbeiten zur Fertigstellung der Straßenmeisterei der Reichsautobahn bei Alsfeld machen rüstige Fortschritte, so daß bis zum Herbst mit der Inbetriebnahme gerechnet werden kann. Zur Zeit ist man auch mit den Arbeiten für die Wasserversorgung der Anlage beschäftigt, die in einer neu anzulegenden Leitung von etwa 2 Kilometer Länge erfolgen wird. Mit dem Bau der im Zusammenhang mit der Straßenmeisterei stehenden sechs Siedlungshäuser ist ebenfalls begonnen worden. Die Siedlung wird in der Nähe der Straßenmeisterei erstehen.
Landkreis Gießen.
K Steinbach, 3.Juni. Am 5.Juni kann Frau Katharina Gerhard, geb. Horn, Witwe des am 31.1.1928 verstorbenen Heinrich Gerhard III., ihren 8 4. Geburtstag in verhältnismäßig guter Gesundheit feiern. Unsere Glückwünsche. — Der im Bau begriffene Radfahrweg Steinbach — Gießen, der zur Entlastung für den Autoverkehr von und nach der Autobahn dringend nötig ist, ist noch nicht fertig hergestellt. Es fehlen noch größere Teilstrecken im Walde, auch sind die Uebergänge der Gewannwege noch nicht hergestellt. Bei dem starken Verkehr, der besonders gegen Abend mit Auto und ^Radfahrern sehr überlastet ist, wäre baldige Inbetriebnahme sehr wünschenswert.
tinHiaiiiwitlWtnöartttt
Roman von Konrad Trani
Copyright by Carl Ouncker Verlag, Berlin W35
7. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
JjaUe, Gera, Greiz und so weiter", sagte Herr Voigt. „Können wir Sie mitnehmen? Wir würden Sie natürlich besonders gerne bis Neukirchen mitnehmen, bis ins Haus und zu möglichst langem Aufenthalt."
„Sehr lieb, danke vielmals ... Vielleicht später. Ich bin nämlich bei Freunden in der Gegend von Greiz eingelaben. Und es wäre mir sehr lieb, wenn Sie mich bis dorthin mitnehmen möchten. Da spar ich die Fahrtspesen." Gottfried war ein ehrliches Gemüt und hatte nie ein Hehl daraus gemacht, daß er mit den Gütern der Erde nur mangelhaft gesegnet war.
„Aber klar, natürlich fährst du mit!" sagte Hans eifrig. Während sie sich zum schwarzen Kaffee die besten Zigarren ansteckten, die im Adlon aufzu- treiben waren, überlegte Hans Voigt, wie er mit viel Takt und Freundschaft dem alten Kameraden aus einer Klemme helfen konnte. Einfach einen groben Scheck ausschreiben und ihm in die Hand drücken? Ausgeschlossen! Gottfried nimmt ihn nicht an — und nimmt ihn übel. Er wollte einmal mit Vater über den Fall sprechen. Vielleicht hatte'der alte Herr eine gute Idee ...
*
Der lange mächtige Tourenwagen fegte durch die Landschaft. Hans chauffierte — und hielt es eines jungen Mannes für unwürdig, nicht durchschnittlich achtzig Kilometer zu fahren. Die beiden Herren im Fond waren recht schweigsam. Wenn der Wind an dem Wagen vorbeipfeift und einem die Worte vom Mund fortreißt, kommt ein Gespräch nicht recht in Gang.
Väter Voigt überdachte, ob es ratsam und em ehrlicher Balsam für sein Sammlerherz wäre, wenn er sich zum Ankauf der Breughel-Landschaft entschlösse. Auch Gottftied van Dilden hatte etliches zu erwägen.
In einem kleinen Gasthaus in der Nahe von Greiz machten sie halt. Hier pflegten sich erfahrene Automobilisten zu stärken. Im Wirtshaus „Zum weißen Hahn" bekam man die besten Brathühner weit und breit.
Es war nur schade, daß Gottfried zu keinem richttgen Genuß kam. Er mußte sich sehr beeilen, um nicht den Anschluß an den Bummelzug zu versäumen, der ihn ans Ziel bringen sollte. Die Herren Voigt hatten sich etliche Male bereit erklärt, den kleinen Umweg zu machen und ihn am Gutstor der Freunde abzusetzen, aber das wollte Gottfried nicht zugeben. Hans wollte sicher ohne Verzögerung heimkommen. Es stand ihnen ohnedies noch eine lange Fahrt bevor. „ 1L .
Im Laufe des Nachmittags war ein Wetter ausgezogen. Während Vater und Sohn sich noch der gemütlichen Stube und des ersten richtigen Beisammenseins freuten, hatte es zu regnen begonnen.
Es war fast neun Uhr, als sie sich zur Weiterfahrt entschlossen. Das Schutzdach war aufgestellt, die Seitenteile zugeknöpft.
„Möchtest du nicht mich chauffieren lassen, Hans?" erkundigte sich der Vater vorsichtig. „Die Straßen sind glitschig, und die Sicht ist nicht gerade großartig. Für ein Hundert-Kilometer-Tempo ..."
„Aber Vater! Die Straße kenne ich ja wie meine Westentasche. Hier kann ein Blinder fahren, so schnurgerade läuft die Chaussee."
„ Bis zu der großen Kurve hinter Hilbach. Und sicheren Berichten zufolge ist auch schon auf schnurgeraden Straßen ein Unglück passiert."
„Ich werde fahren wie ein junger Gott", versprach Hans. „Und Mutter wartet. Wir haben heute nachmittag ein bißchen getrödelt."
Es ist ein herrliches Gefühl, das Lenkrad eines großen Wagens in der Hand zu haben! Er schnurrt leise und behaglich wie eine Riesenkatze und fliegt dahin über die glatte gerade Straße, folgt dem leisesten Druck der Hand.
'Hans hatte den besten Willen, langsam zu fahren. Vater wurde erfahrungsgemäß unruhig, wenn das Tachometer mehr als fünfzig Kilometer anzeigte. Aber die Straße war so schön, und Mutter wartete, und Hans freute sich so sehr aufs Heimkommen. Unmerklich hatte sich die Geschwindigkeit gesteigert.
„Achtung, Hans!" kam die warnende Stimme des Vaters.
Das Raubtier duckte sich gehorsam und verlangsamte die Fahrt. Sie krochen nun in einem wahren Schneckentempo, fand Hans, der mit wachsender Mißbilligung sah, daß der eine oder andere Wagen ihn überholte. So eine Frechheit! Jetzt wagte es sogar ein Motorrad, ihm den Rang abzulaufen, Das knatternde Biest fegte an ihnen vorbei und wurde rasch von der Dunkelheit verschlungen.
Das war zuviel! Unmerklich steigerte Hans die Geschwindigkeit. Den frechen Motorradfahrer mußte er wieder kriegen. Ja, dort hatte er ihn schon. Es mußte das Decklicht der Maschine sein, das soweit rechts am Straßenrand leuchtete. Er wischte an dem frechen Kerl vorbei.
„Wir haben Zeit", mahnte der Vater.
Jetzt hatte er ihn wohl abgeschüttelt und konnte dem alten Herrn den Gefallen tun. Sie zockelten weiter. Und bevor Hans es sich richtig überlegt hatte, hörte er schon wieder das Hupen und Tuten des Motorrades, das sich wie ein lästiger kleiner Terrier dem Tourenwagen angehängt hatte und nun freie Bahn forderte.
Hans bog widerwillig zur Seite. Der Motorradfahrer fegte vorbei und winkte wohlwollend mit der Hand.
„Frecher Kerl!" knurrte Hans. Den wollte er gleich haben. Kuroenzeichen blinkten auf im Licht der Scheinwerfer. Jetzt kam noch die Straßenkreuzung, die wohl angezeichnet war, aber aus der niemals ein Wagen kam. Es folgte der kleine Bahnübergang, die Brücke mit dem Zeichen: »Stehen bleiben strenge verboten/ Dann kam die Kurve.
Hans legte sich ins Zeug. Nach der Kurve mußte er den Kerl haben!
Sechzig, siebzig, achtzig Kilometer — fünfund- achtzig
Was war das? Mitten auf der Brücke stand der Motorradfahrer im hellen Licht feiner Scheinwerfer und winkte. Winkte dem Wagen zu halten.
Was wollte der Kerl? Anhalten strengstens verboten! warnte wieder eine Tafel.
Mit der Regelmäßigkeit eines Semaphors schwenkte der Mann im Regenmantel die Arme.
Hans verlangsamte die Fahrt. Hielt an.
„Können wir Ihnen irgendwie behilflich fein?" fragte er mit eisiger Höflichkeit.
Der Mann schob die Schutzbrille hoch und grinste.
„Im Vorbeifahren habe ich gemerkt, daß ihr Lenkgestänge schleppt. In der Kurve hätten sie sich garantiert den Hals gebrochen. Ich schicke Ihnen aus dem nächsten Art ein Auto mit einem Mechaniker."
Damit schwang er sich aufs Rad. „Diesmal haben Sie noch Glück gehabt. Immer gut, wenn man ein Motorrad vorläßt —" Winkte wohlwollend und knatterte ab.
*
Die beiden Herren Voigt hatten den Wagen dicht an den Straßenrand gestellt. Nahmen im Fond Platz, rauchten eine Zigarette und warteten. Sie waren beide sehr blaß.
„Verstehst du das, Vater?"
Voigt schüttelte stumm den Kopf.
Draußen fiel ein trüber Regen, begleitete mit melancholischem Geplätscher ihre Gedanken.
„Du, Vater, was treiben eigentlich Hilde und Irmgard?" fragte Hans plötzlich. Diese Frage hätte er brennend gern an den Vater gerichtet, kaum daß er ihn begrüßt hätte —
„Die Turachmädel? Unfug treiben sie!" Vater war noch immer blaß und bestürzt, aber jetzt flog ein Schmunzeln um seinen Mund. Er wurde rasch wieder ernst.
„Wie war es nur möglich, Hans ... Wenn der Motorradfahrer uns nicht gewarnt hätte, wir lägen jetzt schwer verwundet auf dem Feld. Oder bereits in einer Leichenkammer."
„Mein Gott, es gibt die verschiedensten Möglichkeiten, sich beim Autofahren den Hals zu brechen", meinte Hans, der nach Ueberwindung des ersten Schreckens schon wieder obenauf war.
„Es kommt mir aber so merkwürdig vor ... Ich werde den Wagen jedenfalls von einem Sachverständigen überprüfen lassen. Wenn mir nicht vor einem halben Jahr etwas zugestoßen wäre, das einem Mordanschlag verdammt ähnlich sah, so flimmerte ich mich nicht weiter um diesen Zwischenfall. Aber ich gebe zu, daß ich ein ungutes Gefühl habe —"
Hans war herumgefahren.
„Ein Mordanschlag auf dich, Vater? Was ist geschehen?"
„Wir haben dir nichts geschrieben, um dich nicht aufzuregen."
Während Vater die seltsame Geschichte seiner Gefangenschaft und Rettung erzählte, verschwand das Bild der blonden Turachmädchen in einer tiefen Versenkung. Hans horchte beunruhigt.
„Hast du einen Feind, Vater?"
„ Das fragen mich alle... Ich weiß keinen, dem ich so etwas zutrauen könnte", sagte Voigt seufzend.
„Und die Polizei? Was hat sie herausgefunden?"
Der Vater machte eine müde Handbewegung: „Nichts".
6.
„Was soll ich heute abend kochen lassen?" fragte Frau Voigt wichtig den heimkehrenden Sohn. Sie strahlte wie die gute Sommersonne, so sehr freute sie sich, den Jungen wieder neben sich zu haben. Gestern nacht hatte sie es fast mit der Angst zu tun gekriegt, als sie nicht ankamen. (Beide VoiAs hatten es für weise und nützlich gehalten, ihr den kleinen Zwischenfall auf der Landstraße zu verschweigen). '
„Alle meine Lieblingsspeisen", sagte Hans prompt „Spargel, dicke herrliche Beefsteaks mit Spiegeleiern und Pommes frites. Und einen Erdbeerpudding mit einem Berg von Schlagsahne!"
„Gott sei dank, daß du dir ein Menu ausgesucht hast, das man auch anderen Leuten vorsetzen kann", lachte die Mutter. „Heute abend kommen Peter Jlke und Madeleine zum Nachtessen. Die sind schon sehr neugierig auf dich."
„Jlke? Ach ja — das ist der Mann, der Vater damals befreite. Sind es nette Leute? Vater ist vielleicht in diesem Fall nicht objektiv. Schließlich hat er allen Grund, von ihm zu schwärmen."
„Es sind besonders nette Menschen und gute Freunde, obwohl wir sie gar nicht lange kennen. Jlke ist ein tüchtiger Mensch. Wie der die kleine Quetscye hochgebracht hat... Vater ist ihm dabei sehr behilflich gewesen.".
„Und die Frau?"
„Die Frau ist bezaubernd", sagte Frau Voigt mit soviel Bestimmtheit, daß Hans nicht weiter» fragte. Mutter machte ihr nachdenkliches Gesicht, und er hielt es bis zum Abend aus, da er diese Musterexemplare besichtigen konnte. Uebrigens hatte er wirklich allen Grund, Peter Jlke wohlwollend gegenüberzustehen.
Frau Voigt dachte darüber nach, warum wohl Madeleine in den letzten Wochen so fahrig und unruhig war. Sie beklagte sich nicht, aber irgendetwas klappte da nicht. Ob sie Heimweh hatte nach Frankreich? Nein, sie fühlte sich sehr wohl, wirtschaftete den ganzen Tag im Haushalt herum. Sie schien sich so gut in Neukirchen einzuleben... Sie war sehr viel allein. Der Mann arbeitete unaufhörlich, manchmal blieb er die halbe Nacht im Betrieb. Ob sie sich etwa langweilte? Oder fürchtete sie sich, wenn sie mutterseelenallein in dem Häuschen war, das sie gemietet hatten? Madeleine wollte fein Dienstmädchen. Sie machte die meiste Arbeit selber. Nur am Vormittag kam eine 4Hufräumefrau. Aber Madeleine sah wirklich nicht so aus, als ob sie sich fürchtete.
Als Peter Jlke dem jungen Voigt lächelnd die Hand reichte, als Madeleine ihm mlachte, da wußte Hans, daß es wirklich nette und sympathische Leute waren. Da hatte Neukirchen einen guten Fang getan... Und sie waren gar nicht so alt, wie er geglaubt hatte' Madeleine war eine zierliche, sehr hübsche dunkelhaarige Fran. Gute Gestalt. Blen- dend angezogen! Jlke hatte so kluge bräunt Augen, daß er ihm gerne glaubte, als er sagte, er hatte in kurzer Zeit ein Unternehmen hochgebracht.
(Fortsetzung folgt.)


