Randglossen zur kleinen Zeitgeschichte
Don Ernst von Tiiebelschüh.
Wollte man in Belgien eine öffentliche Umfrage nach dem berühmte st en Bildwerk der Welt veranstalten, der Volksentscheid möchte doch wohl zu Gunsten des „Männeken pis" aus- fallen. Mindestens hat die kleine Brunnenfigur aus Bronze, die in Brüssel vor einer gefälligen architektonischen Umrahmung an der Ecke der Rue de Chene und der Rue de l'Etude steht, den Vorzug der unbegrenzten Popularität. Der Name sagt schon, was das Bürschchen tut, dasselbe nämlich, was in alle Ewigkeit Kinder masculini generis ganz unbekümmert am Straßenrands vollbringen werben, wenn der Drang der Natur und die Entfernung der nächsten, dazu bestimmten Oertlichkeit in einem unerträglichen Mißverhältnis 311 einander stehen. In einem Lande wie Belgien und zu einer Zeit, wo Rubens und Jordaens die natürlichen Triebe in unvergänglichen Bildern verherrlichen durften, hat Männeken pis niemals Anstoß erregt, und er erregt ihn heute so wenig wie damals, zumal jedermann weiß, daß es nun mehr als 300 Jahre her sind, daß der Kleine in schöner Unbefangenheit sein Wasser über Gerechte und Ungerechte ergießt. Der ältere Jerome Duquesnoys, der Vater des berühmten Frans Duquesnoys, hat die Figur im Jahre 1619 geschaffen, allein das Original wurde Ende des 18. Jahrhunderts zerstört und mußte seitdem einer Kopie Platz machen. Aber ob Original oder nicht — es gibt keinen Brüsseler, es gibt auch keinen Fremden, der Männeken pis nicht in sein Herz geschlossen hätte.
Man kann es also verstehen, daß ganz Brussel in Aufregung gerät, wenn seinem Liebling Gefahr droht. Und diese Gefahr ist nicht wegzudisputieren, seit der Besitzer der beiden Häuser, die Männeken pis als würdige Hintergrundkulisse dienen, deren Abbruch und Ersatz durch mehrstöckige Wohnbauten beschlossen hat. In barocker Umgebung läßt sich das barocke Tun unseres Freundes allenfalls rechtfertigen, wohingegen die Nähe moderner Wohnpaläste sofort das „Milieu" zu Ungunsten der schon historisch gewordenen Tätigkeit des Bübchens verändern würde. Guter Rat ist also teuer, zumal eine gesetzliche Handhabe zum Schutze von Männeken pis nicht besteht. Man wird sich wohl mit dem Gedanken vertraut machen müssen, daß ihm ein anderer Platz angewiesen wird. Mag es sein! Wenn er nur seinem Namen weiter Ehre machen darf! —
Es wäre wohl ein vergebliches Bemühen, gegen das mechanische Spielzeug und die rea- l i st i s ch e n Puppen, die wie wirkliche Kinder aussehen, Sturm laufen wollte. Ein Zeitalter wie das unsrige, das dem Menschen einen Gefallen zu erweisen glaubt, wenn es ihm möglichst viel Arbeit durch die Maschine abnimmt und seine Selbständigkeit auf eine Kurbeldrehung beschränkt, wird und muß das Bestreben haben, sich immer mehr auf einem Gebiet geltend zu machen, das seinen Sinn und seine Berechtigung mit dem Augenblick variiert, wo der freie Spielbetrieb, die schöpferische Phantasie eingeengt oder gar ausgeschaltet wird. Natürlich wird jedes Kind über einen selbsttätig sich bewegenden Elefanten staunen, und im ersten Augenblick freut es sich wohl gar darüber, nur — spielen kann e s nicht da- m i t. Denn alles Spielen ist eine Betätigung dis künstlerischen Sinnes im Kinde, der aber setzt überall einen Stoff voraus, der an sich so unfertig ist, daß er überhaupt zum Fertigmachen reizen kann, daß er, anders ausgedrückt, die Einbildungskraft ins Spiel setzt. Das aber kann kein mechanisch betriebenes Spielzeug, das kann auch keine realistische Puppe, und mag sie noch so schön sein. Sie können selbst kleine Kunstwerke sein, aber eben deshalb, um ihrer stumpfsinnigen Vollkommenheit willen, können sie dem Künstler im Kinde nichts geben.
Wer viel mit Kindern umgeht, hat ja während der Weihnachtszeit reichlich Gelegenheit gehabt, auf diesem Felde seine Beobachtungen anzustellen. Das Beste und weitaus Vernünftigste, was ein echtes Kind mit dem mechanischen Elefanten macht, ist
nämlich, daß es den unsichtbaren Motor, der seine Neugier r^zt, erst einmal gründlich zerstört, oder sich um die geheimnislose Puppe, wenn erst die anfängliche Bewunderung vorbei ist, nicht mehr kümmert. Wenn die Eltern erst wieder einsehen, daß und warum diese kostspieligen Dinge, die dem Kinde, das aus einem hölzernen Kochlöffel so viel zu machen weiß, nichts bieten, werden sie vielleicht dem Dichter Christ an Morgenstern recht geben, der einmal notiert: „Ich lese von einer Spielzeugausstellung in Berlin. Und zwar einer Ausstellung von Dilettanten verfertigter Dinge als da sind Dörfer aus Streichholzschachteln, rollendes Material aus Garnspulen, ein Haus aus einer Eierkiste und Zigarettenbrettchen. Mir lacht das Herz. Seit manchem Jahre schmähe ich das luxuriöse Spielzeug, diese echte Aus- und Nachgeburt einer materialistischen Periode, — und nun erhebt wieder das Spielzeug unserer Kindheit das bescheidene und phantäsievolle Köpfchen." —
Im Dome zu Magdeburg ist ein E in - bruchsdiebstahl verübt worden, ohne daß es bisher gelungen wäre, dem Täter auf die Spur zu kommen. Entwendet wurde eine weit über Magdeburg hinaus berühmte, künstlerisch hervorragende Steinplastik aus der Mitte des 13. Jahrhunderts: ein etwa lebensgroßer männlicher Kopf, von dem man mit guten Gründen glaubt, daß er ehedem mit einer Hirtenfigur in Verbindung stand, die ihrerseits zu einer hochmonumentalen Weihnachtsanbetung gehört habe. Daß der Dieb aus seiner
Beute materiellen Nutzen ziehen könnte, ist nicht anzunehmen, da kein Händler so dumm sein wird, sich zum Hehler zu machen, und die Museen von dem Raube natürlich auch längst in Kenntnis gesetzt sind,» also als Käufer gleichfalls nicht in Betracht kommen. Moralisch zweifelhafte Erwerbungen werden heute doch nicht mehr so leicht getätigt wie früher, wo man in dieser Hinsicht oft von erstaunlicher Unbedenklichkeit war.
Es wäre nicht uninteressant, die Bestände der großen europäischen Sammlungen einmal unter kriminalistischen Gesichtspunkten zu durchforschen, wobei allerdings die Tatsache in Rechnung gestellt werden müßte, daß fehlende Kenntnis nicht selten einen Ankauf dunkler Herkunft entschuldbar machte und außerdem die Verjährung ihren milden Schleier darüber breitet. Es kann beispielsweise Vorkommen, daß irgendwo in Spanien, sagen wir an einem Grabmal, eine Figur fehlt, die seit Jahren in einem ausländischen Museum ein stillvergnügtes Dasein führt, ohne daß sich der Besitzer im geringsten veranlaßt sieht, aus dem fait accompli eine Gewissensfrage zu machen. Da nun, wie gesagt, Erwerbungen solcher Art heute praktisch kaum mehr möglich sind, könnten in der Tat diejenigen Recht behalten, die vermuten, der Magdeburger Dieb habe den Hirtenkopf aus „reinem" Kunstenthusiasmus, zu seiner eigenen Freude und Erbauung, gestohlen. Stoff für Psychologen! Denn was nutzet mir der schönste Hirtenkopf, wenn andere an meinem Glück nicht teilnehmen oder gar es mir neiden können? Es wäre ganz wider die menschliche Natur.
Die neue Regelung des Pflichtsahres für Mädchen setzt naturgemäß voraus, daß von allen an der Durchführung beteiligten Stellen eine sorgfältige Prüfung und Auswahl geeigneter Familien und Haushaltungen und eine st ä n d i g e Betreuung der eingesetzten Pflichtjahrmädchen erfolgt. Dementsprechend hat der Reichsnährstand bereits am 22.12.38 hierfür an seine Dienststellen bestimmte Anweisungen gegeben. Vor allem sind die Kreisgefolgschaftswarte und Kreisabteilungsleiterinnen, die zu ihrer Unterstützung geeignete „Vertrauensfrauen" (Landfrauen) heranziehen können, verpflichtet worden, mit den zuständigen Vertreterinnen des Deutschen Frauenwerkes (Abteilung Volkswirtschaft — Hauswirtschaft) und vor allem auch mit den Dienststellen der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung engstens zusammenzuarbeiten. Außerdem ist mit der Reichsfrauenführung vereinbart worden, daß auch hinsichtlich der Ableistung des Hauswirj- schaftlichen Jahres im Rahmen des Pflichtsahres für Mädchen eine stetige enge Verbindung zwischen den örtlichen Stellen zu halten isll
Das Hauswirtschaftliche Jahr des Deutschen F r a u e n w e r k e s hat es sich zur besonderen Aufgabe gemacht, Stadtmädel, die für eine Tätigkeit in der Landwirtschaft nicht sofort voll arbeitsfähig sind, aber auf dem Lande ihr Pflichtjahr ableisten wollen, diesen Uebergang zü erleichtern. Deshalb bleibt auch die Werbung, Prüfung und Auswahl geeigneter Hausjahr- Stellen auf dem Lande und die Betreuuna der hier eingesetzten Mädchen in erster Linie dem Deutschen Frauenwerk vorbehalten. Die letzt erfolgte Erweiterung des Pflichtjahres für Mädchen wird sicher von den Bäuerinnen, Hausfrauen und Müttern, die trotz aller Bemühungen keine Hilfe bekommen konnten, sehr begrüßt werden. ZdR.
Die Erweiterung des landwirtschaftlichen
Pflichtjahres für Mädchen
Der Mangel an Arbeitskräften ist heute zwar in der gesamten Wirtschaft spürbar. Besonders stark aber wirkt er sich in der Landwirtschaft aus. Die Folgen der Landflucht, die Abwanderung von 700—800 000 Arbeitskräften gerade zur Zeit der Erzeugungsschlacht und ihrer Verstärkung im Rahmen des Vierjahresplanes, haben zu einer außerordentlich starken UeberbelastungdesLand- volkes und besonders der Landfrau geführt.. Auf dem Reichsbauerntag ist mit aller Deutlichkeit auf die Gefahren hingewiesen worden, die sich hieraus für das ganze deutsche Volk ergeben könnten. Diese Ueberbelastung erschwert ja nicht nur die Durchführung der Erzeugungsschlacht, sondern gefährdet die wesentlichste Aufgabe des Landvolks überhaupt: Blutsquell der Nation zu fein. Die Herabminderung der Ueberbelastung und der Kampf gegen die Landflucht wurde deshalb auf dem Reichs- bauerntag als eine der wesentlichsten Aufgaben der Zukunft herausgestellt. Als Mittel hierzu ist daher die jetzt erlassene Anordnung des Präsidenten der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung, die eine beachtliche Erweiterung des Pflichtjahres für Mädchen darstellt, besonders bedeutsam.
Zunächst ist festzustellen, daß in Zukunft ledige weibliche Arbeitskräfte unter 25 Jahren, die bis zum 1. März 1938 noch nicht als Arbeiterinnen oder Angestellte beschäftigt waren, in allen privaten und öffentlichen Betrieben und Verwaltungen nur dann noch eingestellt werden dürfen, wenn sie mindestens ein Jahr lang mit Zustim- mung des Arbeitsamtes in der Land- oderHauswirtschafttätig waren und wenn diese Tätigkeit vom Arbeitsamt im Arbeitsbuch förmlich bescheinigt worden ist. Bisher wurde eine vorherige einjährige Betätigung in der Land- oder Hauswirtschaft nur von solchen Mädchen verlangt, die in Betriebe des Bekleidungsgewerbes, der Texttl- Jndustrie, der Tabak-Industrie oder in private und öffentliche Betriebe und Verwaltungen mit kaufmännischen oder Büroarbeiten eintreten wollten. Ferner ist es heute nicht mehr möglich, daß sich ein Mädchen eine Pflichtjahrstelle in der Land- oder Hauswirtschaft sucht und antritt, ohne daß hierzu das Arbeitsamt seine ausdrückliche Zustimmung' gegeben hat. Dadurch wird verhütet, daß sich Mädchen, wie im Laufe des Jahres 1938 wiederholt festgestellt werden konnte, Stellen
suchten, in denen sie weniger oder überhaupt nicht landwirtschaftliche oder hauswirtschaftliche Arbeiten verrichteten, diese Tättgkeit aber doch hinterher als Pflichtjahr anerkannt 'haben wollten. Unverändert ist die Bestimmung geblieben, daß bei Abschluß eines Lehrvertrages das Pflichtjahr auch unmittelbar nach der Lehrzeit abgeleistet werden darf.
Auch wie bisher werden der Arbeitsdienst, der Landdienst, die Landhilse, die ländliche Hausarbeits- lehre, das hauswirtschaftliche Jahr sowie die Teilnahme an einem vom Arbeitsamt durchgeführten oder geförderten land- oder hauswirtschaftlichen Lehrgang auf das Pflichtjahr angerechnet. Dem Pflichtjahr steht auch wie bisher eine zweijährige geordnete Tätigkeit im Gesundheitsdienst als Hilfskraft zür Unterstützung der Schwestern und in der Wohlfahrtspflege zur Unterstützung der Volkspflegerinnen und der Kindergärtnerinnen gleich. Schließlich darf nicht unerwähnt bleiben, daß auch eine nicht arbeitsbuchpflichtige Tätigkeit im Elte r n h a u s oder bei Verwandten angerechnet wird, wenn es sich um Familien mit vier ober mehr Kindern unter 14 Jahren handelt. Selbstverständlich ist auch in diesen Fällen eine vorherige Zustimmung des Arbeitsamtes für eine solche Ableistung des Pflichtjahres erforderlich, damit gegebenenfalls festgestellt werden kann, ob auch wirklich das in Frage kommende Mädchen im Eltern- ober Derwandtenhause eine dem Wesen des Pflichtjahres entsprechende Tätigkeit ausüben kann. Die Bestimmung, daß vom Lande stammende Mädchen ihr Pflichtjahr auf bem Lande abzuleisten haben, ist naturgemäß unverändert geblieben, weil sie in der Grundanordnung vom 15. 2. enthalten ist. Mit Hilfe der jetzt erforderlichen Zustimmungserklärung des Arbeitsamtes wird es aber in Zukunft möglich fein, die nicht aus der Landwirtschaft stammenden Mädchen vom Lande solchen ländlichen Haushaltungen oder landwirtschaftlichen Betrieben zuzuleiten, die eine Hilfskraft besonders dringend benötigen, wie z. B. kinderreiche Fam'ilien. Grundsätzlich ist ferner bestimmt worden, daß für eine Tätigkeit in der Land- oder Hauswirtschaft, die vor dem 1. 1. 19 3 9 aufgenommen wurde, die Zustimmung des Arbeitsamtes als erteilt gilt. Daraus geht hervor, daß insbesondere alle Ollern 1939 die Schule verlassenden Mädchen unter die neue Durchführungsanordnung vom 23. 12. 38 fallen.
Kunst und Wissenschaft.
Line neue Rolle für Paula Wessely.
Die Schauspielerin Paula Wessely wird eine Hauptrolle in dem neuen Willy-Forst-Film „R a- d e tz k y m a r s ch" übernehmen.
Eine Hauptmann-Uraufführung.
Gerhart Hauptmann hat ein bereits vor 29 Jahren entstandenes Bühnenwerk unter dem Titel „M agnus Garbe" dem Städtischen Schauspiel von Baden-Baden zur alleinigen Uraufführung überlassen.
Lin italienischer Fernsehsender.
Wie die italienische Rundfunkgesellschaft (E.I.A.R.) bekanntgibt, wird der erste italienische Fernsehsender zu Beginn des ^Jahres 1939 in Tättgkeit treten. Mit dem Bau des Senders, der auf dem Monte Mario nördlich von Rom errichtet wird, ist dieser Tage begonnen worden. Die eigentlichen Sendeanlagen im Gelräude der E.I.A.R. in Rom, die als die modernsten der Welt bezeichnet werden, sind bereits ferttggestellt. Die Gesellschaft beabsichtigt, u. a„ ganze Tonfilme zu senden.
Deutschland auf der Internationalen Wasserfach- Ausstellung in Lüttich.
Die von dem Architekten Professor Fahrenkamp in Düsseldorf entworfenen Pläne für das Deutsche Haus auf der Internationalen Wasserfach-Aus st ellung in Lüttich 1939 sind nunmehr von dem deutschen Reichskommissar । für die Ausstellung, Dr. Maiw ald, dem Belgischen Generalkommissariat bzw. der Ausstellungsleitung in Lüttich vorgelegt worden. Die Entwürfe fanden den vollen Beifall der belgischen Stellen, die ihre Befriedigung über die großzügige deutsche Beteiligung anerkennend zum Ausdruck bracfi'en. . Dank dem belgischerseits bekundeten Entgegenkom- ' men ist bereits mit den Arbeiten begonnen worden, j so daß für Anfang Januar mit der Grundstttn- ! legung gerechnet werden kann. Das Deutsche Haus wird neben dem Pavillon der Belgischen Regierung errichtet. Es ist ein monumefVafer Bau mit einer Straßenfront von rund 140 Meter. Deutschland wird durch diesen Bau würdig auf der internationalen Ausstellung in Lüttich vertreten fein.
Zöger, gedenke deines Wildes!
bitte mal Ihre Hände aufhalten?" — Herr Drom-
met streckte, leicht erstaunt, die geöffneten Hände
junge Mann sah ihn einen Augenblick lang
.Hoffentlich", sagte Herr Drommel und stellte eine
Sochschulnachnchten
* buchen nicht immer nut Sch-Iprünge. °d.r l Fleitz u.ü> lehr viel Ausdauer gelernt, W«üb« f Ä 2>rZeS|S Ä
sind eine beliebige Kamera und zwei Augen, die sehen und entdecken können.
gute Schneeaufnahmen zu erhalten, muß man die Farben der Schneelandschaft richtig in entsprechenden Grautönen wiedergeben. Das ist nur mit Hilfe von hellen, meistens sogar mittleren, Gelbfiltern möglich, denn im Winterbild dominiert die blaue Farbe. Blau sind alle Schatten und die vielen Ton- und Lichtübergänge, blau ist der Himmel. Da selbst unsere modernen Panfilme noch zu stark blau« empfindlich sind, muß diese Empfindlichkeit für Blau durch Gelbfilter gedrückt werden, ury die blauen Schatten im Schnee und das Blau des Himmels möglichst dunkel zu bekommen.
Denn als der junge Mann den Mantel ausgezogen „ , z , ,
hatte, stand er in einem verschossenen Frack da, mit möchte Sie vor Schaden bewahren. Würden Sie steifer Hemdbrust und hohem steifen Kragen. 1 mnT <7'*‘aw-
waren. Dann holte er ihm ein blaues, ein gelbes und ein grünes Seidentuch aus der inneren Rock- j lasche und etwa fünfzehn Meter Band aus der I Hosentasche.
I „Hokuspokus" sagte er dabei. „Alles nur Finger- fcrtigteit, bester Herr. Nichts als Fingerfertigkeit."
das hinaus, was ich gelernt hab, kann ich nicht zaubern."
Er seufzte.
Mit einer hastigen Bewegung f»gte ihm Herr Drommel den Arm um die Schulter und zog ihn
weite Winterlandschaften zu sein. Das Nahrnotio kann genau so schön, sogar noch reizvoller wirken.
Das mag allen denen 3um Trost gereichen, die aus Zeit- und anderen Mängeln sich nicht die Schier unter die Schuhe schnallen* können. Eine
Es läutete an der Wohnungstür. Herr Drommel ging und öffnete. Draußen stand ein bescheidener!
Als der junge Mann dann gfhg, drängte er ihm ein Päckchen Zigaretten auf, in das er diskret ein Markstück gesteckt hatte. Der junge Mann hatte es aber doch gemerkt. Mit Herrn DroMmels Zauberei war es nicht weit her.
Nachdem der junge Mann sich mehrmals herzlich bedankt hatte, blieb er draußen vor der Wohnungs
holz (Hannover) habilitterte sich 1907 in Göttingen, wurde dort 1912 zum a. 0. Professor ernannt, siedelte 1921 nach Bonn über und folgte 1922 einem
roe'fo", fagte der junge Mann, dessen Lächeln noch etwas melancholischer geworden war. „Ein Zauberkünstler, der um ein bißchen Essen bittet, ist ^•r5.uc^ komisch. Sie meinen, ich müßte einfach .Tischlein deck dich'/ sagen ober den Leuten Taler aus der Nase ziehen, nicht? Leider geht es in Wirk- üchkeit nicf;r so. Ich habe die Zauberei mit vi»lem
die — wie sich bei näherem Zusehen zeigte — leider keine richtigen Taler, sondern Blechmünzen
r.e?t£ r°mm^ starrte ihn einige Augenblicke lang! „O ja, das würde mich freuen", sagte Herr verblüfft an. Dann platzte er jäh heraus und fing Drommel.
an zu lachen. I Der junge Man trank den Kaffee aus, stand auf
,Zweien Sie nicht böse , stieß er mühsam hervor, und streifte seine Frackärmel zurück. Er zog Herrn
^>)ch mache mich nicht etwa lustig über Sie. Drommel drei Taler nacheinander aus, der Nase,
Winteraufnahmen, kurz und bündig.
Von Heinz Mänz.
Es ist ein Irrtum, anzunehmen, daß die
HvrUSpvkUS.
(Sine Geschickte von Peter Mattheus.
I klang schon sehr entfernt.
I „Ich möchte Sie vor Schaden bewahren... Ein
I große Schüssel mit Bratkartoffeln und Rührei vor herzensguter Mensch mirflid) aber leicht- err Drommel und ihn hin. „Nun essen Sie aber erst mal. Ich mache sinnig....
- - ----- • •- - - - " 1 Dann verstimmte die Stimme, die Schritte ver
klangen, die Haustür fiel ins Schloß.
Farbe des Schnees reinstes Weiß ist. Kein „Weiß^ hat soviel Farbnuancen wie das „Schneeweiß". Um
Wenn jeder einzelne Schneekristall glitzern und leuchten soll, dann muß man Schnee im Gegenlicht! ober im scharfen Seitenlicht aufnehmen. Nur in dieser Beleuchtung, die die Struktur des Geländes betont und jeden Buckel mit einem leuchtenden Lichtsaum umgibt, in der alle Tonabstufungen unb Heber« gänge sichtbar werden, gelingen Aufnahmen, wie jeder Amateur sie sich wünscht.
Wer aber Gegenlichtaufnahmen ohne Sonnenblende macht, der hat von vornherein nicht nur mit unerwünschtem Lichteinfall, sondern auch mit ' flauen und verschleierten Negativen zu rechnen. Don diesen Negativen eine gute Vergrößerung Herstellen zu wollen, wäre ein vergebliches Bemühen.
Licht und Schatten sind besonders bei Winter- bildern das formende Element. Wer deshalb nicht für bis notroenbigen Kontraste in feinen Schneeaufnahmen sorgt, der darf nicht erstaunt sein, daß er nur langweilige Bilder erhält.
Ein belebter Vordergrund ist vor allem bei Sonnenaufnahmen wichtig. Ein Baum oder Strauch, eine Fuß- ober Schispur, Personen oder sonst etwas müssen die weiße Fläche des Vordergrundes beleben. Sie bilden notwendiges Beiwerk für eine gute Motivgestaltung.
Wer Motive im Schnee ohne Sonne photographiert, 67J—--- •
erlebt später Enttäuschungen. Leere qraue Flächen, nämlich auf der Durchreise und — hm — etwas lange Mann von fein em Leben, die nicht die geringste Vorstellung von der geichou- ■"* " 1 ’’k°r '"nU
ten glitzernden weißen Pracht vermitteln, sind das mißglückte Resultat solchen Bemühens.
für noch einmal stehen unb wandte sich feinem | Gastgeber zu.
„Sie sind ein guter Mensch", sagte er. „Ein herzensguter- Mensch! Aber Sie sind leichtsinnig. Ich
„Meine Berufskleidung", erklärte er etwas ver- . mel streckte, leicht erstaunt, die geöffneten Hände legen. „Ich habe zur Zeit nichts anderes." vor sich hin.
„Nun", meinte Herr Drommel rasch gefaßt, „ein | Der junge ' ' „ „
Frack ist ja ein sehr hübsches Kleidungsstück." fächelnd an. Dann langte er rasch in seine Tasche
Damit öffnete er die Küchentür unb ließ feinen unb legte der Reihe nach verschiedene Gegenstände Gast eintreten. | in die geöffneten Hände: Herrn Drvmmels Uhr,
Herr Drommel war Junggeselle unb gewohnt, Brieftasche, Krawattennadel unb Geldbörse.
junger Mann, der höflich" den Hut zog ’ ' ! kleine Mahlzeiten selbst zu bereiten. Während er | „Was ... Deubel ... ja!" hauchte Herr Drommel
„verzeihen Sie", sagte er, „Sie haben wohl nicht Speck unb Kartoffeln in eine Pfanne schnitt unb und riß sassunaslos die Augen auf.
zufällig ein bißchen Mittagessen übrig? Ich bin Eier aus der Speisekammer holte, erzählte der' ------ ™
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verschneite Bank im Park, ein zugefrorener Bach den Korridor entlang.
ober ein schneegebeugter Strauch, ein bereiftes | „Kommen Sie", sagte er. „Ich wollte Sie nicht Gitter und rauhreif-umsponnene Bäume ober | tränten unb freue mich, baß Sie nicht gekränkt Schnee auf Zäunen unb Eiszapfen an den Dächern । sind. Legen Sie bitte ab."
gibt es überall. Alles was dazu gehört, den Zau- Dann machte er abermals ein verblüfftes Gesicht, ber des Winters in schönen Bildern festzuhalten,1
Ruf als o. Professor nach Marburg, wo er seither gelehrt hat. Professor Uffenorbe ist als besonders geschickter Operateur bekannt. Die Leopoldina-Caro- lina in Halle hat ihn in Anerkennung seiner hervorragenden Arbeiten in den verschiedenen Zweigen seines Fachgebietes zum Mitglied gewählt.
Dozent Dr.-Jng. Oskar Zdralek in Dresden wurde zum o. Professor ernannt; ihm wurde an der Bergakademie Freiberg (Sachsen) der Lehr- 1 sttchl für Elektrotechnik übertragen.
Der junge Mann fegte die Treppe hinab.
ici c unv im ciuius , 1 „Entschuldigen Sie!" tönte seine Stimme von
knapp bei Äaffe" X'UIUJICI|C 1X1,17 v"‘ C‘UJU=’ / „Jjen Sommer über", sagte er, „hatte' ich ganz ' unten. „Es soll eine Lehre für Sie sein. Sie sind
Herr Drommel sah sich den jungen Mann näher gut zu tun. Meistens in Bädern unb so. Dann aber ein bißchen zu vertrauensvoll. Wie leicht können an. Er hatte ein freundliches offenes Gesicht und wurde ich krank, unb das hat mich mächtig in die Sie einmal an den Unrechten kommen. — Die ziemlich langes, gewelltes Haar. Unter dem Mantel Tinte gebracht. Jetzt will ich nach Wien. Bestimmt Schritte polterten weiter hinab, unb die Stimme lugte dort, wo sonst gewöhnlich ein farbiger Schlips werbe ich Engagement bekommen." 1"—
zu sehen ist, eine weiße Schleife hervor. Im Gan-1 " * ~
zen wirkte er äußerst sympathisch.
„Kommen Sie herein", sagte Hc
trat zur Seite. Unb mit einem Blick auf die Schleife Ihnen inzwischen Kaffee —"
fügte er hinzu: „Sie sind wohl Musiker?" , I Als der Kaffee fertig war, war die Schüssel leer „Musiker?" Der junge Mann schüttelte den Kopf.' und blankgeputzt, unb ber junge Mann sah zu- „O nein — Musiker bin ich nicht." | frieben aus.
"Was finb Sie dann?" | „Mir hat's lange nicht mehr so gut geschmeckt",
„oie würden es nicht erraten", sagte der junge sagte der junge Mann mit einem verschämten Lä- Aunn unb lächelte melancholisch. „Ich bin Zauber- . cheln. „Darf ich Ihnen vielleicht zum Dank jetzt kunstler! wirklich etwas vvrzaubern?"
®rommet starrte ihn einige Augenblicke lang | „O ja, bas würde mich
Professor Dr. Walther Uffenorbe, Ordinarius für Ohren-, Nasen- und Kehlkopfheilkunde an der Universität Marburg, vollendete am 1. Januar sein 6 0. Lebensjahr. Er stammt aus Diep-


