Nr. 3 Drittes Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen)
Mittwoch. ^.Zanuar (939
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Aus der Stadt Stehen.
Oer „klassische" Wintermonat.
Wenn wir den Statistikern Vertrauen entgegenbringen wollen, müßte der Januar hinsichtlich des Grades der roten Rasen und der kalten Füße zweifellos den Höhepunkt bringen. Der Januar ist, laut Statistik, derjenige Monat, der nicht nur für alle deutschen Gaue die niedrigste Mitteltemperatur im Jahresablauf bringt, sondern auch die sogenannten Kältepole des Winters, d. h. die Rekordkältewerte auf sich vereinigt. Was die Tagesmitteltemperaturen angeht, so versteht man darunter das zahlenmäßige Ergebnis aus der Berechnung der Morgen-, Mittag- und Abendtemperatur zu jeweils bestimmten Stunden. Diese Tagesmitteltemperatur hält im Januar ihren niedrigsten Stand in Ostpreußen mit 3 bis 4 Grad unter Rull, dagegen bleibt die Temperatur im Nordwesten des Reiches, etwa westlich der Linie Stuttgart—Frankfurt—Kassel—Hamburg, im Durchschnitt noch über Null. Am wärmsten find zweifellos die Nordseeinseln über 3 bis 4 Grad über Null. Auf dem Festland streiten sich Ostfriesland, Oldenburg und der Niederrhein bzw. das Münster- land um den Vorzug, die wärmste Gegend Deutschlands zu sein. Mitunter entstehen auch im Rhein- Maingau und in der Bodenseesenke ungewöhnlich warme Januartemperaturen. Eine der kältesten Gegenden ist im > Januar das gesamte Süddeutsch-
Jm Beiprogramm entführt uns ein Kulturfilm in die landschaftlichen Schönheiten von Tirol, während die Tobis-Wochenschau einen gedrängten Rückblick auf die Ereignisse des Jahres 1938 gibt.
Hans Thyriot.
nuar die Jnternatskurse anlaufen, von zehn Tagen bis acht Wochen erfassen, die sonst keine Gelegenheit
kennen.
Auch auf sozialem Gebiet wurde die erzieherische und betreuende Arbeit ausgebaut. Am
essant ist im Wetterablauf des Januar die gewisse Neigung zu Wärmeextremen, die sich leicht mit Hochwasserkatastrophen infolge plötzlicher Schneeschmelze verbindet.
Der Regel folgend, daß ein Wetterextrem das andere herausfordert — das beste Beispiel gab der vergangene Dezember mit der abnormen Wärme in der ersten Hälfe und der polaren Kälte in der zweiten Hälfte — pflegen auch im Januar häufig auf krasse Kältewetterlagen gewaltige Weststürme hereinzubrechen. Diese Weststürme, die ihre Energie aus südlichen Breiten des Nordatlantik holen, saugen warme Luftmassen aus der Höhe der Azoren bezw. aus dem mittleren Verlauf des Golfftrom- aebietes an. Mit stürmischer Geschwindiakeit und bis in Höhen von 4000 Meter brechen diese Warmluftmassen, begleitet von Dauerregen, auf dem Kon-
Irene ein Jahr später in Neuyork von Harry vom Dampfer abgeholt wurde, trug sie Muttis Nachmittagskleid, Muttis Pelzmantel und die Schuhe, die noch immer ein wenig groß waren ... und einen Ring.
das, so eine Rolle ........ o . z , Parodie ihrer selbst, und die Groteske der Situation feiert ungeahnte Triumphe. R ü h m a n n hat früher schon Aehnliches gespielt; man erinnert sich beispielsweise an den „Mann, von dem man spricht", an die Szene im Löwenkäfig und verwandte Situationen — aber er hatte damals (vom unerreichten „Mustergatten" ganz zu schweigen) mehr zu spielen, mehr eigentliche, persönliche, charakteristische Entfaltungsmöglichkeiten als Komiker, während sich hier die im Drehbuch — von Jacob Geis und Peter Francke nach einem Roman von G. A. v. I h e r i n g — festgelegte Passivität der Rolle hemmend bemerkbar macht. So hat er diesmal seinen Gegnern nur stille Ergebenheit, Ahnungslosigkeit, Unschuld und ein entwaffnendes Lächeln ent- gegenzusetzen — und was für Gegnern: Victor Janson, Franz Schafheitlin und Fntz Rasp bilden ein mit bemerkenswerter Delikatesse zusammengestelltes, in Temperament und Gangster- Kaliber sorgsam abgestuftes Terzett finsterer Schufte. Doch erhält Herr Korff gottlob in feinem ausstchts- los scheinenden Kampf Verstärkung durch gute Menschen: einen sehr wandelbaren und sehr wohlbeleibten Schutzengel namens Will Dohm, eine mit strahlendem Kindergesicht begabte, geheimnisvolle Dame namens Philippine Schimmelpennmck, in der wir mit Freuden Frau Agnes Straub wiedererkennen, und ein liebes und verliebtes kleines Mädchen Dortje, welches eigentlich Senta Foltin heißt. Fritz Holl waltete mit heiterer Geschäftigkeit als Spielleiter. — (Terra.)
NSG. Das vergangene Jahr, dem Baldur von Schirach durch Verkündung des BDM.-Werkes neue Aufgaben stellte, hat auf allen Arbeitsgebieten des BDM. erhöhten Einsatz gefordert. Denn es verlangte nicht nur die Weiterführung und den Ausbau der einmal begonnenen Aufgaben, sondern außerdem den Aufbau einer neuen Organisation, die im BDM.-Werk „Glaube und Schönheit" die Vervollkommnung und letzte Zielsetzung des bisher Erreichten darstellt.
Der Obergau Hessen-Nassau, der den Ausbau des B D M. - W e r k e s am 7. Mai begonnen hat, kann bereits 395 Arbeitsgemeinschaften mit 7900 Mädeln melden. Ende Oktober wurde vor allem die Ar-
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beitsgemeinschaften teilzunehmen.
Im Vordergrund des praktischen , , _ daneben die sportliche Ertüchtigung der Mädel, die in den Reichssportwettkämpfen mit 47 500 Teilnehmerinnen, den Gruppensportfesten mit 23 000 Teilnehmerinnen, den Untergauentscheiden und schließlich dem Gebiets- und Obergausportfest ihren sinnfälligen und wohl auch erfolgreichen Ausdruck fand. In den Reichsjugendmeisterschaften in Frankfurt a. M. konnte der Obergau Hessen-Nassau den ersten Platz in Leichtathletik belegen und an die Spitze der Leistungen im Reich rücken.
Der Erholung unserer Mädel und dem Erlebnis der Heimat dienten die im Sommer durchgeführten Fahrten. 4200 Mädel lernten auf Hessen-Nassau- fahrt die Schönheit ihrer Heimat kennen; 1150 Mädel sind in die Nordmark, die Bayerische Ostmark, nach den West- und Ostgrenzen und in das grüne Herz Deutschlands gefahren. Außerdem konnten Fahrten nach Nord-Schleswig, Bulgarien und ins Burgenland durchgeführt werden, die rund 100 Führerinnen erfaßten. Im Mittelpunkt der Sommer-Arbeit stand das große Führerinnenlager in Oberbayern, das Mitte Juli 1050 Mädel nach Schongau am Lech führte. Gleichzeitig fanden 4500 Jungmädel während der Ferienmonate Erholung und frohe Kameradschaft in 14 Sommerlagern, die teils in den schönsten Jugendherbergen des Gaues, teils in eigenen Schulen und Heimen durchgeführt wurden. Im großen Wegscheidelager wurden auch im Jahre 1938 wieder über 1000 Jungmädel-Führe- rinnen-Anwärterinnen zusammengefaht und verpflichtet. In allen Untergauen trafen sich die Jungmädel während des Sommers, um einmal im großen Kreis ihr Jungmädelsein zu erleben und zu be-
Lichtspielhaus: „Nanu, Sie kennen Korff noch nicht!"
Zeitschriften.
— Im neuen Heft der „Sirene" schildert SA.° Gruppenführer Professor Dr. A. v. Armm, wie wichtig der Luftschutz als Heimattruppe im Rahmen der Landesverteidigung ist. In einem aufschlußreichen Artikel fetzt sich Oberregierungsrat Giesler mit dem Problem „Vom Wesen des Selbstschutzes" kritisch auseinander. „Die Sirene" enthält außerdem viele interessante Bildberichte und die Mittellungen des Reichsluftschutzbundes.
beit auf dem Lande aufgenommen, in deren Mittelpunkt die bäuerliche Berufsertüchtigung der 17- bis 21jähriaen steht. Den bisher errichteten Arbeitsgemeinschaften werden sich bis Ende April noch weitere anschließen; vor allem aber werden im Ja- bie in Lagern
Es dauert noch keine zwei Stunden — dann kennen Sie ihn: Heinz Rühmann in seiner
Rolle als Flötenspieler Niels Korff in Be
chen zu groß sind, aber das wird wohl niemand merken, außerdem Harry hat ja ein Auto.
Langsam, sehr auf Grazie bedacht, steigt sie die Treppe herunter und reicht Harry die Hand, so wie Mutti es immer tut, wenn sie Besuch bekommt.
„Weiht du, ich habe gar nicht geglaubt, daß ich dich Wiedersehen würde, Eva", sagt Harry, wahrend ie mit dem Wagen über den blanken Asphalt fahren. „Nanu, weshalb denn nicht?" — „Na, wo du jetzt so eine berühmte Frau geworden bist ..." Irene lacht sehr königlich und meint: „Ach, ich hatte heute abend gerade Zeit. Ich bin zur Erholung hier ... es ist doch ein bißchen anstrengend, berühmt zu sein." Das weiß sie aus den Briefen Evas, und so gibt sie noch viel Weisheiten zum besten, die ihr in Erinnerung geblieben find.
Es wird ein richtig vergnügter Abend. Irene ist ein wenig verliebt in Harry, und Harry sieht sie manchmal so seltsam an, daß Irene gar nicht weiß, was sie sagen oder tun soll. Als sie sich vor der Tür verabschieden, fragt Harry, ob er sie am nad£ ften Tag wiedersehen könne — und Irene, die sich den ganzen Abend sehr tapfer gehalten hat als große Diva, strahlt ihn vergnügt an und nickt eifrig ... wie ein kleines Schulmädchen ...
Der Sonntag vergeht wie der Samstag — Irene ist ein wenig nachdenklich. Mit großen, erwartungsvollen Kinderaugen sieht sie Harry an und denkt dabei, daß es viel hübscher wäre, wenn er Irene zu ihr sagen würde — genau so zärtlich, wie er den Namen Eva ausspricht, aber das hat sie sich nun selbst eingebrockt. Außerdem ist es nicht schon, immer über Film zu sprechen — sie hat zwar zu Hause schnell noch mal Evas Briefe vorgekramt; aber so viel steht auch nicht drin, daß es für zwei Tage reicht, sie weih schon gar nicht mehr, rooruber sie reden soll, um sich nicht zu verplappern. Aber Harry ist glücklich, er merkt nichts und ist sehr zärtlich mit ihr, er erzählt von seiner Fabrik, von seinem kleinen Haus, von seinen Freunden und Bekannten und — er erzählt ihr, daß er nur herübergekommen fei, um eine Frau mitzunehmen, die mit ihm in diesem hübschen Haus wohnen soll, eine Frau, die er liebt und die er heiraten will.
Als der Wagen endlich vor der Tür hält, ist Irene sehr traurig, sie hat nicht den Mut, zu sagen: „Ich bin Irene, ich habe dich angeschwindelt ... Eva ist in Berlin ... bitte sei mir nicht böse." Stumm reicht sie Harry die Hund und will aussteigen, da streicht ihr Harry über das Haar, hebt ihr Kinn ein menig in die Hohe. |o d-ch st- ihn mischen muß „N--. du Spatz, soll ich dich morgen zur Schule abholen? Oder hast du geglaubt, ich falle auf deinen Schwindel herein? Du Hochstaplerin?" Was bann geschah, haben die beiden niemand weiter erzählt; aber als
Rühmann als Niels Korff.
(Zeichnung: Sten/Terra.)
gleitung feines Hündchens Peterle und als Held einer furchtbar unheimlichen Kriminalgeschichte. Rühmann als Held — nanu? Ach, das ist es eben: er ist ein Held, der gar nichts davon weiß, der nichts dafür kann, und dem das alles bloß passiert, ein unfreiwilliger, ein unschuldiger, ein von höheren Mächten gelenkter Held. Er bläst die Flöte im Gebüsch und in den Dünen am Meer, er schwebt als zwitschernde Nachtigall durch die Lüfte, er wird in Todesangst zum Schlangenbeschwörer, er steht
Der VDM. in Hessen-Nassau im Ähre 1938
Die Mädelarbeit wieder ein gutes Stück vorangetrieben.
land, namentlich die bayerische Hochfläche ist ein bekannter Zentralpunkt mittwinterlicher Kältezonen. Man kann nicht selten beobachten, daß bei Wetterlagen, die in ganz Deutschland Temperaturen über Null bringen, ein weiter Bezirk der bayerischen Hochfläche mäßigen Frost behält.
Berüchtigt sind im Januar die sog. Strahlungsfröste. Da der Januar der Monat ist, der am ehesten eine zusammenhängende Schneedecke über weiten Landgebieten bringt, können auch die von solch einer Schneedecke wesentlich abhängigen Ausstrahlungsvorgänge der Wärme in den Weltenraum im Januar ihre höchste Intensität erreichen. Diese Ausstrahlungswetterlagen kennzeichnen sich äußerlich durch sternenklaren Himmel und Windstille. Während dieser Wettersituatton, die als die ideale winterliche Schönwetterlage gilt, erkalten die Lustmassen in unmittelbarer Nähe des Erdbodens durch Abgabe der Wärme in den freien Weltenraum außerordentlich schnell. Man hat beobachtet, daß die Temperaturen bei derartigen Wetterlagen stündlich zwei Grad sinken, und es ist daher nicht verwunderlich, wenn in Einzelfällen abnorm niedrige Werte gemessen werden. Besonders bevorzugt sind in dieser Beziehung Senkungen in gebirgigen Gegenden, da in diesen Senkungen nicht nur die ortsmäßige Erkaltung der Luft am stärksten ist, sondern auch der „Abfluß" der kalten schweren Luft von den umgebenden Hängen in die Tiefe. Es entstehen regelrechte Kälteseen, deren Temperaturen 25 bis 30 Grad, ja bis zu 35 Grad Kälte betragen können. Aus diesen Vorgängen rekrutieren sich im allgemeinen die tiefsten Temperaturen, die der deutsche Winter kennt. An ihnen haben die Januarwochen den größten Anteil.
Der Ablauf der Wetterereignisse ist im übrigen im Januar stark periodisch aufgeteilt. Der Januar kennt eine Wärmewelle, dje sich meistens — natürlich nur statistisch gesehen — um die Mitte des Monats einstellt, zwei Kältewellen umfaßen den Beginn bzw. den Schlußteil des Monats. Natürlich wäre nichts falscher, als sich auf diese periodischen Wettererscheinungen planmäßig festzulegen. Sie sind zwar im Ablauf der langjährigen Statistiken häufig zu erkennen, aber keineswegs als terminmäßig zuverlässig anzusehen. Insbesondere in Wintern wie der diesjährige, der offenbar kälter als gewöhnlich verläuft, wäre es kaum ratsam', dieser Periodizität de^Wetterentwicklun^^sehr^u^erirauen^nte^
Evas kleine Schwester.
Von Christine Großmann.
Irene, 17 Jahre alt, blond und schlank, steht auf dem Bahnsteig und winkt mit dem Taschentuch hinter dem D-Zug her, der schnaufend und stampfend aus der Halle verschwindet. Samstag, Sonntag, Montag ... drei volle Tage liegen vor ihr, die sie verbringen kann, wie sie will. Keine Mutter ist da, die ihr abends um 10 Uhr sagt: „Irene, es ist Zeit, schlafen zu gehen. Du mußt morgen' wieder früh kn die Schule!" und kein Vater ist da, der mittags beim Nachhausekommen fragt: „Na, bist du mit deinen Aufgaben schon fertig?" Niemand wird ihr verbieten, ins Kino zu gehen, wenn unter der Anzeige steht: „Für Jugendliche unter 18 Jahren verboten!" und niemand wird sie daran hindern, abends nach dem Kino noch mit Hans in ein (Safe zu gehen. Aber das Schönste ist ja, daß sie endlich die Filme mit Eva ansehen kann, der großen berühmten Schwester.
Irene läuft mit langen Sätzen öie Treppe herauf ... für drei volle Tage ist sie Alleinherrscherin in der Wohnung! Gerade als sie das Badewasser einlassen will — „Mittags baden! So ein Unsinn!' hört sie Mutti sagen — klingelt das Telephon — „Hallo, Eva, wie geht es dir?" fragt eine tiefe Stimme. Irene will sagen, daß Eva doch langst nicht mehr zu Hause, sondern eine berühmte Schauspielerin geworden ist und in Berlin wohnt, aber plötzlich schießt ihr ein toller Gedanke durch den Kopf. - „Wer ist denn da?" fragt sie so harmlos roie möglich. „Na, rate mal? Ich bin eben für ein paar Wochen aus Neuyork gekommen ... hab deinen letzten Film gesehen! Ist ja herrlich, daß du gerade zu Hause bist." Irene denkt fieberhaft nach Harry — das kann nur Harry sein, der vor fünf Jahren nach Amerika gegangen ist, ein Jugendfreund Evas. „Na, ganz vergessen?" fragt Die Stimme am Telephon. „Nein, Harry", sagt Irene, aber ihr ist nicht ganz wohl zumute dabei. Wenn das nur gut geht! Harry wird sie im Wagen abholen, in einer Stunde ... schließlich, wer sollte schon den Schwindel merken, es ist ja niemand Da! Und fünf Jahre sind eine lange Zeit!
Als nach einer Stunde draußen eine Hupe ertönt steht Irene vor dem Spiegel in Muttis Zimmer und bewundert sich. Seidenstrumpfe von Mutti! Schuhe mit hohen Absätzen - von Mutti, ein Nachmittagskleid, das ihr wunderbar paßt und steht — auch von Mutti und Muttis Pelzmantel den sie hier gelassen hat ... Irene ist kein Schulmädchen mehr9 sie ist so, wie sie da steht, eine junge sehr hübsche Dame — zu dumm, daß die Schuhe em bih-
tinent ein und sind in der Lage, eine Winter- und Schneewetterlage in 24 Stunden restlos wegzuräumen. Die Folgen dieses plötzlichen Aufschmelzens die kältegebundenen Schneeniederschläge zuzüglich des warmen Regenwassers find begreiflicherweise unvermutete Hochwasserlagen. Sofern also der Januar nicht ausschließlich in Eis und Schnee erstarrt — eine Erscheinung, die nur in ausgesprochen kalten Wintern eintritt — ist er der Monat der absoluten Extreme. Die winterlichen Naturgewalten, Frost und Schnee auf der einen, Regenstürme auf der andern Seite, stehen im Kampf, der im Januar meistens zugunsten des Winters ausläuft. Erft im folgenden Monat, im Februar, kann man von den ersten Vorftühlungsstürmen sprechen, denen der Winter nicht mehr die nötige Widerstandskraft
Reichsberufswettkampf 1938 nahmen 22 500 Mädel teil, von denen 57 zum Reichsentscheid zugelassen wurden. In achtwöchigen hauswirtschaftlichen Sonderkursen konnten rund 60 Landmädel geschult werden. Die Haushaltungsschulen des Obergaues, sowie die Hauswirtschaftsklassen konnten das neue Schuljahr mit vollzähliger Belegschaft beginnen. In den acht Landdienstlagern des Obergaues fetzten sich 92 Mädel für die Landarbeit ein; 72 Mädel konnten in andere Obergaue und 41 direkt aufs Land vermittelt werden. 7190 Mädel wurden städtischen und 6780 Mädel ländlichen Haushaltungen zur Ableistung ihres Pflichtjahres zugeführt. Darüber hinaus leisteten die Schülerinnen der BDM.-Haushaltungsklassen insgesamt 16 500 Tagwerke als sozialen Hilfsdienst in kinderreichen Familien. Vier Schilager führten über 150 Kameradinnen ins Walser- tal und in die Steiermark.
Der kulturelle Einsatz des Obergaues erstreckte sich vor allem auf die Fest- und Feiergestaltung, auf Dorf- und Elternabende und immer engere Verbindung zu Theater und Film. Auch hier nur wenige Zahlen: Es wurden im vergangenen Jahr rund 1260 Elternabende und 1080 frohe und ernste 'Feiern durchgeführt. Mit 152 Krankenhaussingen brachten die Mädel ihre Lieder und viel Freude in ernste Räume und bedrückte Herzen. Ueber 8000 Theaterbesuche können die Mädel über den Theaterring der HI. für sich in Anspruch nehmen und wohl halb so viel Besucher für die Jugendfilmstunden.
Besonders stolz ist der Obergau auf seine neue Werkschule in Urberach, die im Laufe des Herbstes eröffnet werden konnte. Sie ist zum Mittelpunkt praktischer Kulturarbeit auf dem Gebiete häuslichen Werkschaffens geworden und vermittelt über die Leiterinnen der Arbeitsgemeinschaften und die Trägerinnen der gesamten Werkarbeit eine moderne und verantwortungsvolle Werkarbeit auf breitester Basis.
Die angeführten Zahlen berichten nichts von der unermüdlichen Kleinarbeit der Führerinnen, nichts vom täglichen Einsatz der Einheit, des einzelnen Mädel, durch die erst eine große Gesamtleistung vollbracht werden kann. Ihr größter sichtlicher Erfolg aber war das Ergebnis der Arbeiten für das W i nt e r h i l f s w e r k und für Sude- tendeutfchland, das trotz dieser Erweiterung doppelt so groß wie im Vorjahr war. Es würde zu weit, führen, einzelne Zahlen aufzuführen; die Ausstellungen der Gruppen und Untergaue haben der Öffentlichkeit die Bereitschaft auch unserer Kleinsten bewiesen, sich auch durch die Tat für unsere neue und große Volksgemeinschaft einzusetzen.
lieber dem neuen Jahr steht die Forderung noch größeren Anspruches und einer stets wachsenden Gefolgschaft. Obergauführerin Else Riese hat ihm die Mahnung des Reichsführers hh an die Obergauführerinnen des BDM. Dorangeftellt, die über alle äußeren Erfolge den Dienst am inneren Menschen fordert: „Führt und arbeitet mit dem Herzen!"
als schlotterndes Bleichgesicht am Marterpfahl (einer Darietebühne), wird mit scharfen Messern beworfen, mit Platzpatronen beschossen, in einer ' i. geschlagen ... So ein Held ist ... die Kriminalgeschichte ist eine
Dr. Meesmann 70 Jahre alt.
Der Direktor i. R. Dr. h. c. Paul Meesmann kann am morgigen 5. Januar in Frische und Gesundheit seinen 70. Geburtstag begehen. An diefem Tage kann der Jubilar auf ein Leben zurückblicken, das reich an Arbeit und vielfältig an Erfolgen war.
Dr. Meesmann war schon lange vor dem Kriege in Mainz als Syndikus der dorttgen Handelskammer tätig. Gleichzeitig war er Geschäftsführer des Mitteldeutschen Fabrikantenvereins und der Süddeutschen Gruppe des Vereins deutscher Eisen- und Stahlindustrieller, ferner Verwaltungsdirektor der Süddeutschen Eisen- und Stahl-Berufs-- genofsenschaft. Sein Wirken in diesen drei führenden Stellungen der Wirtschaft im Rhein-Main-Gebiet und darüber hinaus machte ihn in weiten Kreisen bekannt. Während der Kriegsjahre wuchsen die Aufgaben Meesmanns im Dienste der Wirtschaft und im Interesse der deutschen Wehrhaftigkeit, denen unter den damaligen schwierigen Verhältnissen gerecht zu werden ein außerordentliches Maß von Arbeit und Hingabe erforderte.
Nach dem unglücklichen Ende des Krieges begann mit der Besetzung der Rheinlande durch die fremden Heere auch für Paul Meesmann eine schwere Leidenszeit. Wegen feiner kerndeutschen, unbeugsam nationalen Gesinnung und Haltung zog er sich schon bald nach dem Einzug der Franzosen in Mainz deren Feindschaft zu. Dadurch ließ er sich jedoch nicht beeinflussen in seiner bedingungslosen Vertretung der Forderungen des nationalbewußten Deutschtums, wie auch alle Bestrebungen, die vom nationalen Gesichtspunkt aus unzulässig waren, in ihm stets einen entschiedenen Gegner hatten. Daß unter diesen Umständen sein Leben in Mainz sehr schwer war, kann nur derjenige in rechter Weise nachempfinden, der in jenen Jahren selbst in dem von französischen Truppen besetzten Gebiet an öffentlicher Stelle gewirkt hat. Die Feindschaft der Franzosen gegen Meesmann steigerte sich im Jahre 1923 während des Ruhrkampfes zum offenen Gewaltakt. Der von höchstem Nationalstolz erfüllte und bei allen seinen Handlungen dadurch entscheidend beeinflußte deutsche Mann wurde von den Franzosen zu mehrmonatiger Gefängnishaft verurteilt und dann, wie so viele andere Verfechter der gerechten deutschen Sache, durch Ausweisungsbefehl der französischen Gew-altherrscher aus dem besetzten Gebiet vertrieben.
In jener schweren deutschen Zeit vor fünfzehn Jahren kam Meesmann nach Gießen, daß ihm zu seiner neuen Wahlheimat wurde. Von hier aus widmete er sich in aufreibender Arbeit seinen Dienstpflichten, deren sorgsame Erfüllung unter den damals obwaltenden Umständen besonders erschwert war. Niemals kannte er eine Müdigkeit oder ein Hindernis, dem er sich bei seinem Dieyst für die deutsche Sache gebeugt hätte. Sein Wirken sand denn auch die wohlverdiente vielfältige Anerkennung; u. a. ernannte ihn anläßlich seiner 25jährigen Zugehörigkeit zur Mainzer Handelskammer die Universität Gießen am 1. April 1923 angesichts seiner fruchtbaren Tätigkeit im Dienste der Wirtschaft und der Erkenntnis ihrer Lebensbedingungen zum Dr. rer. pol. h. c. Im Wintersemester 1923/24 diente Dr. h. c. Meesmann der Hessischen Landes- Universität Gießen mit einer Reihe von Vorlesungen, die später unter dem Titel „Grundfragen der Wirtschaft" im Druck erschienen und eine wertvolle Ergänzung der volkswirtschaftlichen Lehre aus der : Praxis der Wirtschaft darstellten. Nach dem Ende des Ruhrkampfes behielt Dr. Meesmann feinen Wohnsitz in Gießen bei. Einige Jahre später zog er sich in den Ruhestand zurück.
Die Ereignisse des öffentlichen Lebens fanden bei : ihm fortdauernd größtes Interesse. Als Gießener ; Einwohner und Ehrendoktor der Universität nahm i er an deren Weiterentwicklung besonders starken Anteil. So kam es denn, daß er im Rahmen der i Gießener Hochschulgesellschaft, die den großen Kreis i von Freunden und Förderern der Universität Gie- t § en umfaßt, bald an hervorragender Stelle mit- arbeitete. Als im Jahre 1934 der ftühere Provin-


