Ausgabe 
31.12.1938
 
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Nr. 3116 viertes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oderhessen)Samstag, 3l. Dezember (938

Ein Lahr erfolgreichster Arbeit der Stadt Gießen.

Guie Bilanz.

In diesen letzten Stunden des Jahres 1938

Wir Baben den Leiter der Stadt Gkeßen, )berbüraermeister Ritter, gebeten, uns zum Jayreswechsel eine Uebersicht über den heutigen Stand der wichtigsten Angelegen­heiten der Stadt Gießen zur Verfügung zu stellen. Dieser Bitte entspricht der Oberbürger­meister mit dem nachstehenden Aufsatz.

D. Schriftltg.

Das abgelaufene Jahr war für die Stadt Gießen ein Jahr erfolgreichster Arbeit auf nahezu allen Gebieten der Verwaltung. In noch viel stärkerem Maße, wie sich die verderbliche Reichspolitik der Systemzeit auf die Gemeinden auswirkte und sie schrittweise mit, in den Abgrund riß, wirkt sich die zielbewußte und klare Linie der Aufwärtsentwick­lung auch auf die Gemeinden aus. Wenn auch nicht ganz in dem Tempo der privatwirtschaftlichen Ka­pitalbildung, die aus dem Gefamtfteueraufkommen deutlich zum Ausdruck kommt, so wirkt sich doch die Finanzpolitik des Reiches in ganz hervor- ragender Weise auch auf die Finanzen der Ge­meinden aus. Besonders die großen geschichtlichen Ereignisse, die unser Vaterland durch die energische Führung Adolf Hitlers zu Großdeutschland werden ließen, haben sich auf unsere Stadt in der mannigfaltigsten Art und Weise bereits ausge­wirkt, und sie werden in den kommenden Jahren noch besonders , in Erscheinung treten.

Von besonderer Bedeutung für die Entwicklung unserer Stadt ist die Bildung des selbständi­gen Stadtkreises auf Grund des Gesetzes vom 9. August 1938. Der Stadt Gießen sind hier­durch neue Aufgabengebiete zugefallen, die seither der Zuständigkeit des Kreisdirektors bzw. des Polizeidirektors unterlagen. Im Zusammenhang hiermit und insbesondere durch die in Kürze be­vorstehenden Eingemeindungen von Wie­se ck und Klein-Linden hat sich die Not­wendigkeit einer Umorganisation unserer Stadtver­waltung ergeben. An diesen Aufgaben wird zur Zeit gearbeitet, und es ist zu hoffen, daß hiermit gleichzeitig eine weitere Vereinfachung der Verwaltung verbunden werden kann.

Besonders vorteilhaft hat sich die im abgelau­fenen Jahre der Stadtverwaltung angegliederte Preisbildungsstelle für Mieten und Pachten ausgewirkt, *i)ie von der Bevölkerung schon reichlich in Anspruch genommen wird. Ferner ist im Zusammenhang mit der Bildung des Stadt­kreises Gießen ein Verwaltungsgericht er­richtet worden, das in Kürze seine Tätigkeit auf- nehmen wird.

Mit der Verbesserung unserer Verkehrsver- !h ä l t n i s s e ist begonnen. Die neue Straßen­führung am Kirchenplatz jft inzwischen fertiggestellt, und weitere Auflockerungen und bessere Durch­fahrten in der Altstadt werden folgen. Das große Geschäfts- und Wohngebäude gegenüber der Stadt­kirche, bestehend aus 9 Läden und 24 Wohnungen, ist im Rohbau fertig. Es fügt sich in den Rahmen dieses Stadtviertels gut ein. Die architektonische Lösung kann als ausgezeichnet betrachtet werden. Auch die Straßenverbreiterung Gartenstraße, Lud- wigsplatz, Kaiserallee bis zur Moltkeftraße ist durchgeführt, die Verbreiterung der Licher Straße wird auf dem Fuße folgen, womit erreicht ist, daß diese Straßen dem steigenden Verkehr als Zu­bringerstraßen zur Reichsautobahn künftig in jeder Beziehung gewachsen sind. Auch die elektrische Straßenbeleuchtung wurde sowohl in diesen Stra- ßenzüge-n als auch in anderen Straßen erheblich verbessert.

Der S'traßenbahnbetrieb konnte eben­falls weiter ausgebaut, werden, um auch den er­höhten Anforderungen des Verkehrs gerecht zu sein. Zwei weitere Omnibusse wurden bereits in Betrieb gestellt, und es ist vorgesehen, Anfang 1939 nochmals zwei Omnibusse anzuschaffen, damit das Kliniksviertel und der Vorort Klein- Linden in das Verkehrsnetz unserer Stadt einbzogen werden können. Durch eine großzügige Umgestaltung des gesamten Straßen­bahnverkehrswesens, Schaffung neuer Linien, hof­fen wir, noch im Jahre 1939 den berechtigten Wünschen unserer Bevölkerung gerecht werden zu können.

Auch im Jahre 1939 werden wir der W o h - nungssrage unsere besondere Aufmerksamkeit zuwenden. Im abgelaufenen Jahr wurden mehrere hundert Neubauwohnungen im Schwarzlachgebiet und im Eichgärtengebiet und außerdem noch eine Reihe von Einzelhäusern erstellt. Trotzdem macht sich der Mangel an geeigneten Wohnungen noch stark bemerkbar. Die Fertigstellung der Neubauten im Schwarzlach- und im Eichgärtengebiet hat sich durch die politischen Geschehnisse im Sommer und Herbst leider so verzögert, daß der größte Teil dieser Wohnhäuser erst in den kommenden Wachen bezogen werden kann. Dieses großzügige Bau­programm machte den Bau von Straßen in einem hier noch nicht gekannten Umfang erforderlich.

Besonders ist darauf hinzuweisen, daß aus dem gleichen Grund fhit der Errichtung des H I. - Heimes, dessen Erstellung für unsere Stadt ein dringendes Bedürfnis ist, noch nicht begonnen wer­den konnte. Sowie die Altwohnungen auf der Schönen Aussicht" frei gemacht und die Gebäude nicdergeleat sind, wird mit dem Neubau des HJ.- Heimes umgehend begonnen werden können.

In der Elektrizitätsversorgung un­serer Stadt wurden ebenfalls Verbesserungen durch­geführt. So wurden die Ortsnetze Wieseck und Heuchelheim auf eine höhere Spannung umgestellt, um eine größere Sicherheit in der Stromversorgung zu gewährleisten. Die Umstellung des Stromnetzes in unserer Stadt auf W e ch s e l st r o m hat eben­falls weitere Fortschritte gemacht, sodaß in abseh­barer Zeit mit der gesamten Umstellung gerechnet werden kann, was eine gleichmäßigere und vor­teilhaftere Stromlieferung für unsere Bevölkerung zur Folge hat und andererseits die Wirtschaftlich­keit unseres Elektrizitätswerkes planmäßig steigert. Dadurch war es auch möglich, schon jetzt der Frage der Umgestaltung der Stromtarife näher­zutreten. Mit Wirkung vom 1. Januar 1939 tritt nun ein neuer landwirtschaftlicher Stromtarif in Kraft: ferner soll noch im Jahre 1939 der neue Haushalts- und Gewerbetarif eingeführt werden. Den Verbrauchern wird dadurch die Möglichkeit zur Abnahme größerer Strommengen zu günstigen Bedingungen gegeben.

Um eine Verbesserung der Wasserversor­gung unserer Stadt zu ermöglichen, wurden im

Don Oberbürgermeister Dritter, Gießen.

Querfborner Tal vier neue Brunnen gebohrt, die Wasser in genügender Menge liefern.. Damit ist die Wasserversorgung unserer Stadt in den näch­sten Jahren als gesichert zu betrachten.

Auch hinsichtlich des Markt- und Messe­wesens kann ein -beachtenswerter Aufschwung in der Besucherzahl als auch in den Umsätzen festge­stellt werden. Im abgelaufenen Jahr konnte in Verbindung mit dem Viehmarkt einem lang­gehegten Wunsch der Marktbesucher entsprochen und eine Bauernschänke am Viehmarktplatz im Stile der neuen Viehversteigerungshalle erstellt werden. Erfreulicherweise hat sich auch die neu er­richtete Viehoerteilungsstelle gut 'einge­führt. Darüber hinaus ist endlich zu erwarten, daß Gießen in Kürze den vorgesehenen Mittelmarkt er­hält.

Das Stadtheater und Orchester er­freuen sich durch ihre gesteigerten künstlerischen Leistungen auf dem Gebiete des Schauspiels, der Oper, Operette und des Konzerts einer stets wach­senden Besucherzahl. Es ist zu wünschen, daß die günstige Entwicklung auch im kommenden Jahr anhält, damit die Leistungssteigerung durch er­höhten Besuch belohnt wird. Wir können mit Recht stolz sein auf die derzeitige künstlerische Höhe un­seres Stadttheaters und des Orchesters, die aner­kanntermaßen weit über gleiche Unternehmungen mittlerer Städte stehen. Es muß deshalb mit Recht

Zum Jahreswechsel spreche ich allen P, Politischen Leitern, Waltexn.und Warten angeschlossenen Verbänden und sonstigen wünsche aus.

Das Zahr 1938 hat uns Großdeutschi ebenso in unerschütterlicher Treue und Hi führen. Dann wird die Vorsehung unsere nicht ausbleiben.

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erwartet werden, daß seitens unserer Bevölkerung diese Leistungen nicht nur anerkannt, sondern durch stärkere Abonnementbeteiliguna wei­tester Kreise der Aufwärtsentwicklung eine gesicherte Grundlage gegeben wird.

Haushaltsrechtlich hat das Jahr 1938 auf dem Gebiet des Finanz- und Steuerwesens wesentliche Aenderungen gebracht. Wie durch die Deutsche Gemeindeordnung vom 30. Januar 1935 in § 105 angekündigt wurde, sollte eine Reihe von Gebieten durch besondere Verordnungen neu ge­regelt werden. Während für die Bildung von Rück­lagen bereits im Jahre 1936 durch die Rücklagen- oerordnung besondere Bestimmungen ergangen sind, ist im September 1937 auch das Haushaltsrecht, in Anlehnung an die für die Aufstellung und Aus­führung des Reichshaushalts geltenden Bestim­mungen grundsätzlich geregelt worden. Durch die Haushaltsverordnung, die für alle Gemeinden mit über 3000 Einwohnern gilt, wurden einheitliche Be­stimmungen sowohl in formeller als auch in mate­rieller Hinsicht geschaffen. Die einschneidende Be­deutung der Vereinheitlichung des Haushaltsrechts wird' besonders klar, wenn man die Verschieden­artigkeit der seitherigen Haushaltspläne betrachtet. In formeller Hinsicht ist durch die Gemsindehaus- haltsverordnung eine einheitliche Systematik ge­schaffen worden, innerhalb welcher die sämtlichen Einnahmen und Ausgaben einzugliedern sind. Da­durch ist die Möglichkeit geschaffen, Vergleiche unter den einzelnen Gemeinden anzustellen, was nach dem bisherigen Verfahren außerordentlich schwierig, ja geradezu unmöglich war.

Auch in materieller Hinsicht ist eine Vereinheit­lichung insoweit eingetreten, als genau festgelegt wird, welche Einnahmen und Ausgaben dem ordent­lichen und welche dem außerordentlichen Haushalts­plan zuzuweisen sind. Durch die zwingende, Vor­schrift, dem Haushaltsplan eine Reihe von Anlagen beizufügen, ist erreicht, daß der Haushaltsplan eine genaue Uebersicht über die gesamten Verhältnisse einer Gemeinde bildet.

Die gesamte Realsteuergesetzgebung ist mit dem Inkrafttreten des neuen Grundsteuer- gesetzes am 1. April 1938 zur Durchführung ge­kommen. Wenn auch hier und da noch Härten vor­gekommen sind, so kann doch im großen und ganzen gesagt werden, daß das neue Gesetzgebungswerk eine gerechte Lösung für die Beteiligten^darstellt.

Der Finanzausgleich zwischen Reich und Gemeinden führt dem Reich zur Erfül­lung seiner großen Aufgaben neue Einnahmen zu. Durch das Abänderungsgesetz zum Finanzaus­gleichsgesetz vom 31. Juli 1938 werden dem Reich folgende Einnahmequellen, die seither den Gemein­den zustanden, überwiesen: die Biersteuer, die Kör­perschaftssteuer der Versorgungsbetriebe, das Auf­kommen an ,Grunderwerbsteuer, die Gebühren für die Mithilfe der Gemeinden bei der Veranlagung für die Reichseinkommensteuer. Am fühlbarsten dürfte wohl für die meisten Gemeinden der Weg­fall der Körperschaftssteuer der Versorgungsbetriebe sein. Dieser Tatsache hat der ReichsfinanMinister in einem Runderlaß vom 20. August 1938 dadurch Rechnung getragen, daß er den Gemeinden gestat­tet hat, ihren Versorgungsbetrieben eine Konzessionsabgabe aufzuerlegen, ferner eine Neubewertung ihres Vermögens nach bestimmten Grundsätzen vorzunebmen und auch weitere Maß­nahmen zu treffen, die eine steuerliche Entlastung der nunmehr unumschränkt körperschaftssteuerpflich­tigen Betriebe bedeuten.

Die Stadt Gießen hat im Zusammenhang damit zwei Ortssatzungen erlassen, eine für die Ver­sorgungsbetriebe und eine für die Ver­kehrsbetriebe, in denen die Konzessions­abgabe auf 15 v.H. der Roherträge festgesetzt wird.

Von starker finanzieller Bedeutung sind auch die durch den Finanzausgleich zwischen Land Hessen und Gemeinden bedingten Maßnahmen, die im Zusammenhang mit der neuen Realsteuergesetzgebung eine Aenderung der finan­ziellen Verhältnisse zwischen dem Land Hessen und den Gemeinden notwendig machten. Wenn auch nicht unmittelbar damit zusammenhängend, so muß

doch erwähnt werden, daß die Sonderge­bäude st e u e r vom Rechnungsjahr 1938 ab nicht mehr teils von den Gemeinden und teils vom Land Hessen, sondern nur noch vom Land Hessen er­hoben wird.

DieMietunterstützungen aus Mitteln der Son- dergebäudesteuer" sind i'm Zusammenhang mit der Aenderung der Sondergebäudesteuer in der bis­herigen Form in Wegfall gekommen, sie werden alsMietbeihilfen" jedoch vollständig aus Ge­meindemitteln weitergewährt.

Auf dem Gebiet des Schulwesens sind den Gemeinden durch starke Erhöhung der Stellenbei­träge zu den persönlichen Kosten der Volksschule, der Berufsschule und der ungedeckten persönlichen Kosten der höheren Schule neue Lasten erwachsen.

Es ist bedauerlich, daß wir im Verhältnis zu vorstehenden Schullasten nicht die Mittel, die einer Großstadt zur Verfügung stehen, zur Förderung unserer Universität aufzubringen in der Lage sind. Jedöch wird es uns nach wie vor eine vornehme Pflicht fein, unsere Ludwigs-Universi- t ä t, die um die deutsche Wissenschaft außerordent­lich beachtliche Verdienste hat, mit allen zur Ver­fügung stehenden ideellen und wirtschaftlichen Mit­teln zu unterstützen. v$ßie wir auf der Bau- und Siedlungsausstellung unseres Gaues feftfteUen durf­ten, wird durch die Initiative unseres Gaulgjters und Reichsstatthalters der Ausbau des Klinik-

irfei- und Volksgenossen, insbesondere den sowie den Führern in den Gliederungen. Organisationen meine herzlichsten Glück-

and gebracht. Wöge uns das Jahr 1939 ngabe zu gemeinsamer Arbeit zusammen- Arbeit anerkennen, und der Erfolg wird

Backhaus, Kreisleiter.

Viertels erheblich beschleunigt. Schon in den nächsten Jahren werden neue Gebäude, die sich würdig in den Rahmen der Stadt eingliedern, er­richtet werden, die dazu beitragen sollen, dem deut­schen Volk in seinem Existenzkampf tüchtige Wissen­schaftler zu stellen. Wir sehen in der tatkräfti­gen Forderung unseres Gauleiters die Anerkennung für die Leistungen unserer Universität von der ältesten Zeit bis in die Gegenwart und insbesondere für die ziel- bewußte und tatkräftige Mitarbeit und einheitliche Ausrichtung des Lehrkörpers nach der Machtergrei­fung unseres Führers.

Die traditionsgemäße Soldatentreue un­serer Gießener Bevölkerung ist uns allen bekannt. In den schweren Tagen des Sep­tember und Oktober hat sie diese Treue wieder unter Beweis.gestellte Die Beliebtheit unserer Sol­daten bei allen Gießenern fand ihre erneute Be­stätigung in dem jubelnden Empfang unserer Sol­daten bei ihrer Rückkehr aus dem Sudetenlande. Ich habe mit Freuden feststellen können, wie Männer und Frauen, Mädchen und Kinder vom frühen Morgen bis in die Nacht hinein auf die Ankunft unserer Soldaten warteten, um ihnen einen Blumengruß mit herzlicher Begeisterung zu über­reichen. Für diese spontane Gefühlsäußerung und Verbundenheit unserer Bevölkerung mit unseren Soldaten danke ich allen Teilen der Gießener Ein­wohnerschaft. Es zeugt von nationalsozialistischem Geist, daß wir auch in Gießen der wiedererstan- denen Wehrmacht das notwendige Verständnis und Interesse entgegenbringen und ihr für ihre Einsatz­bereitschaft Dank wissen. Es freut mich aber auch, hier auf die Tatsache Hinweisen zu können, daß in Gießen viele Väter von wehrpfl'chtigen Söhnen, und vor allem die alten 116 er, ihren besonderen Stolz darin erblicken, den Sohn im Gießener Re­giment 116 dienen zu sehen und auch dadurch zu bekunden, daß unsere Bevölkerung und die Gie­ßener Soldaten eine engoerbundene Gemeinschaft sind

Durch die Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen der Reichsregierung und das auf allen Gebieten neu erweckte Leben kennt man in Deutschland den soge­nanntenWohlfahrtserwerbslosen" nicht mehr. Dem seitherigen Wohlfahrtsamt sind neue gesetzliche Auf­gaben erwachsen, die im Interesse der Gesund­heitsförderung unseres Volkes durch- geführt werden müssen. Die Tätigkeit des jetzigen Wohlfahrtsamtes hat mit Unterstützungen im frühe­ren Sinne nichts mehr zu tun, und deshalb wurde die Bezeichnung sinngemäß inSozialamt" abgeändert. Das Jugendamt, das dem Sozial­amt angegliedert ist, hat in diesem Jahr auf eine 25jährige erfolgreiche Tätigkeit als Amtsvormund zurückblicken können.

Eine weitere wichtige Maßnahme auf wirtschaft­lichem Gebiet bedeutet für die Gemeinden die am 21. November 1938 erlassene Eigenbetriebs­verordnung, die teils mit dem 1. Januar, teils mit dem 1. April 1939 in Kraft tritt und sowohl in organisatorischer, als auch in finanzieller Hinsicht eine Neuregelung bringt.

Abschließend kann gesagt werden, daß b aS Jahr 1938 ein Jahr der Erfolge auf allen Gebieten des kulturellen, wirtschaft­lichen und politischen Lebens unseres ganzen deut­schen Vaterlandes war, und mit Freuden dürfen wir feststellen, daß damit die Stadt Gießen im Rahmen ihrer Aufgabengebiete und entsprechend ihrer Größe vollauf Schritt halten konnte. Die Stadtverwaltung mit ihrem gesamten Verwaltungs­apparat wird auch künftig ihre vornehmste Aufgabe in der Förderung der berechtigten Interessen unse­rer Volksgenossen erblicken, um dadurch zur Hebung | des Wohlstandes und des Ansehens des gesamten deutschen Volkes beizutragen.

Die Erfolge des verflossenen Jahres werden uns ein Ansporn für das neue Jahr sein zu immer größeren ßei ft ungen. Was aus der überaus reichen Fülle der Planunaen des letzten Jahres noch zu tun und vollende übrig geblieben ist, wird im Jahre 1939 hoffentlich zu Ende ge­führt werden können.

lenken wir noch einmal die Blicke rückwärts. Wir erwägen aber auch vorausschauend die großen Ausgaben der nächsten Zukunft. Auf unsere Bitte hin äußert sich in unserer heutigen Ausgabe der Leiter der Stadt Gießen, Oberbürgermeister Rit- t e r, über d i e Bilanz der Stadt Gießen am Jahresschluß 1 9 38. Was er in seinem Aufsatz unserer Bevölkerung zu sagen hat, ist für jeden Volksgenossen in Gießen von großer Be­deutung, und es wird auch sicherlich bei allen Mit­bürgern die verdiente aufmerksame Beachtung finden. Denn was der Oberbürgermeister hier mit­teilt, ist ein Arbeitserfolg, den jeder Volksgenosse zutreffend als eine gute Bilanz bezeichnen kann.

Lassen wir hier nur einige wichtige Punkte der jüngsten Entwicklung in Gießen noch einmal vor unferm geistigen Auge erstehen und denken wir dabei kurz an jene Jahre zurück, da die meisten dieser Punkte Gegenstand des starken, leider aber vergeblichen Strebens waren. Das Ziel, Gießen als selbständigen Stadtkreis zu sehen, wurde in kommunalpolitisch interessierten Gießener Kreisey schon vor etwa 15 Jahren oft erörtert Erst das Jahr 1938, das sechste Jahr des frucht­baren nationalsozialistischen Aufbauwerkes, hat mit einem Schlage jenes Streben und Hoffen zur voll­endeten und verheißungsvollen Tat werden lassem Ein anderer, außerordentlich bedeutsamer Faktor wird in wenigen Wochen in der gleichen Weise geschichtliche Tat werden: die ebenfalls schon seit etwa zehn Jahren besprochene Eingemein­dung von Wieseck und Klein-Linden. Vor allem im Jahre 1932, bei dem Ringen um die Erweiterung unserer Straßenbahn nach Wieseck, stand die Frage dieser Eingemeindung als krönen­der Schluß der Straßenbahnerweiterung deutlich mit zur Stellungnahme. Unter mancherlei Kämpfen gelang es damals, wenigstens die Straßenbahn­erweiterung zu verwirklichen. Die Eingemeindung war in jener Zeit noch nicht spruchreif, hüben und drüben waren der Gegner noch zu viel. Im Hintergründe stand damals aber auch schon die gleiche Entscheidung hinsichtlich unseres Vorortes Klein-Linden. Hier geht die Entwicklung nun den umgekehrten Weg: utimitfeTbar bevor steht die Ein­gemeindung, nicht lange wird aber auch die Schaf­fung der schon seit Jahren notwendigen Verbin­dungslinie auf sich warten lassen. Oberbürgermeister Ritter macht in seinem heutigen Aufsatz diese Sachlage eindeutig klar, indem er von dem Aus­bau des Verkehrsnetzes nach dem Klinikviertel und nach Klein-Linden spricht und dabei erkennen läßt, wie vordringlich ihm die Verwirklichung dieses jahrelangen Sehnens der Volksgenossen im südlichen Stadtviertel und in Klein-Linden erscheint. Dabei spielt auch der weitere Ausbau des Klinikviertels, auf den der Oberbürgermeister mit Hinweis auf die dankenswerte Unterstützung durch den Gauleiter aufmerksam macht, eine bedeutsame Rolle. Wir stehen also in diesem Teile unserer Stadt unmittel­bar vor einer neuen, weittragenden Entwicklung, von der unser Gießener Gemeinwesen und auch unser künftiger Stadtteil Klein-Linden viel Gutes erwarten können. Daß der Universität in diesem Zusammenhänge mancherlei neue, aufwärts­weisende Ehancen eröffnet werden, ist angesichts der hochschulfreundlichen Gesinnung unseres Ober­bürgermeisters und auch dank des lebhaften Inter­esses des Gauleiters und Reichsstatthalters für unsere Ludoviciana gewiß. So wird denn die Ein­gemeindung von Wieseck und Klein-Linden mit allen ihren Auswirkungen ^in neuer wichtiger Ab­schnitt unserer Gießener Stadtgeschichte werden.

Neben den neuen Aufgaben an der Peripherie unserer Stadt wird vom Oberbürgermeister auch die große dringliche Aufgabe im inne­ren Stadt bereich mit aller Tatkraft gefördert. Diese Arbeit findet ihren stärksten Ausdruck in dem Werk der A l t st a d t s a n i e r u n g. Auch hier muß man sagen: lange Jahre vergeblich ersehnt, nun end­lich wird das Hoffen Wirklichkeit! Wer sich rück­schauend den jammervollen Zustand am Kirchen­platz-Lindenplatz vor gut Jahresfrist vergegenwär­tigt und damit das heutige Gesicht dieses Teiles der inneren Stadt vergleicht, der wird vorbehaltlos zu­geben müssen, daß schon in diesem Abschnitt der Altstadtsanierung segensreiche Arbeit.für die Weiter­entwicklung unserer Stadt geleistet rft. Daß es auf diesem Wege keinen Stillstand geben und die Auf­lockerung der Straßen und Gassen im Stadtkern weiter fortschreiten wird, versteht sich nicht nur von selbst, sondern ist eine dringende Notwendigkeit. Man denke nur an die geradezu lebensgefährlichen Ver­kehrsverhältnisse in dem Engpaß des Selterswegs, aber auch an die unhaltbaren Zustände in dem Ge­lände zwischen dem Seltersweg und der Bahnhof­straße. Hier werden in beiden Abschnitten die wei­teren Arbeiten der Altstadtsanierung ebenfalls die seit Jahren erstrebte gründliche Verbesserung brin­gen. Dabei werden auch manche längst überständige und zum Teil sogar schon baufällige Buden zwischen dem Seltersweg und der Bahnhofstraße mit Recht demZahn der Zeit" zum Opfer fallen.

Und wer etwa noch zweifeln sollte an der Not­wendigkeit dieses Aufräumungswerks, der mag ein­mal den Blick vorwärts auf eine Zeit richten, die vielleicht nur noch ein oder zwei Jahre vom heuti­gen Tage entfernt liegt. Der Volkswagen wird auch im Verkehr in Gießen schon in wenigen Jahren eine Rolle spielen, bei der die heutigen Stra­ßen- und Unterbringungsverhältnisse völlig ungenü­gend sein werden. Die Stadt wird sich dann vor der großen, sicherlich gar nicht leichten Aufgabe sehen, nicht nur in weitem Ausmaß ve.rmehrte Park­plätze zu schaffen, damit auch das Geschäftsviertel in der Innenstadt verdiente Belebung aus dieser Derkebrssteigerung ziehen kann, sondern es wird auch die Verpflichtung auftauchen, Garagen- räume in erheblichem Ausmaß für die wesentlich arößere Zahl von Kraftwagen in Gießen auf dem Wege der gewerbsmäßigen Garagenhal­tung zu beschaffen, weil eben nicht jeder künftige Besitzer eines Volkswagens bei feiner Wohnung den erforderlichen Unterstellraum besitzt. Mit der zweckentsprechenden Verwertung öfterer Gebäude, z. B. Heute noch leerstehender oder nur teilweise be­nutzter gewerblicher Bauten, wird es allein nicht getan fein. Neubauten für den Zweck der Ga­ragenbereitstellung werden sich nicht umgehen las­sen. Und in dieser Hinsicht wird man auch von der weiteren Altstadtsanierung ansehnliche Zukunftsmög­lichkeiten erwarten dürfen.

So können wir, abgesehen von allen übrigen positiven Ergebnissen, schon an diesen wenigen überragenden Punkten unserer Stadtwirtschaft fest.