von allen Beteiligten erwartet werden, daß sie die Zähler bei der Erfüllung der ihnen übertragenen Aufgaben nach Kräften unterstützen.
Derschönerungsaktion im Saststättengewerbe.
LPD. Im Einvernehmen mit der Fachgruppe Schankgewerbe und dem Reichsfremdenverkehrsverband hat der Leiter der Fachgruppe Beherberaungs- gewerbc, Fritz Gabler (Heidelberg), einen Aufruf an alle Gaststätteninhaber erlassen, in dem es u. a. heißt, daß es erste' Pflicht ist, das Innere eines jeden Gastraumes sauberzuhalten. In zweiter Linie wird Wert auf Schönheit und Behaglichkeit gelegt. Selbstverständlich hat dos Bild des Führers einen würdigen Ehrenplatz einzunehmen. Zur Besichtigung der Betriebe werden Kommissionen gebildet werden, deren Aufgabe es sein wird, Vertreter in die einzelnen Gaststätten zu schicken, die die Einrichtung und Ausstattung der Gaststätten besichtigen und so an der Gaststättenkultur mit aufbauen werden.
Fisch im Berufswettkampf.
ZdR. In den jährlich wiederkehrenden Reichsbe- russwettkämpfen müssen die Mädel bei den verschiedenen Wettkampfaufgaben nicht nur ihre beruflichen Kenntnisse erproben, sondern auch am Kochtopf ihre hausfraulichen Eigenschaften erweisen. Gerade dieser Teil des Wettkampfes hat seine besondere Bedeutung. Wenn wir uns auch nicht auf den Wortlaut des Spruches, der besagt, daß die Liebe des Mannes durch den Magen geht, festlegen wollen, wobei aber auch sicher ist, daß die Güte der hausfraulichen Fähigkeiten für den Ablauf besonders der kinderreichen Ehe wichtig ist. so ist doch gerade dieser houswirtschaftliche Teil des Reichsberufswettkampfes für die Erkenntnis einer richtigen Ernährungsweise und der besten Verwendung der vorhandenen Nahrungsmittel von besonderer Bedeutung. Die Mädel hoben auch gezeigt, daß sie im Kochen durchaus auf der Höhe sind. Natürlich ergeben sich, wie überall, auch hier einmal diese oder jene Schwierigkeiten. So wußte eine Reihe von Mädeln nicht, was sie mit Quark oder Fisch anfangen sollte. Es ist natürlich wichtig, daß jedes Mädel gerade die Zubereitung solcher Nahrungsmittel, die uns so reichlich und in so hervorragender Beschaffenheit zur Verfügung stehen, kennt. Es ist daher die Aufgabe des Elternhauses, ihre Töchter in die Geheimnisse der Fischküche einzuweihen. Sicherlich werden aber auch die zuständigen Stellen des BDM. oder des Deutschen Frauenwerkes ihr Augenmerk, auf diese gelegentlichen Schwächen in der Kochkunst mancher Mädel richten.
*= Iustizpersona 1 ien. Beim Amtsgericht Gießen wurden ernannt: der Kanzlist Heinrich G e r- hord zum Justizassistenten, der Kanzlist Karl Serth zum Justizassistenten, der außerplanmäßige Justizassistent Janz zum planmäßigen Justizassi- stenten, der Wachtmeisteranwärter Otto Liebe- g o t t zum Justizwachtmeister.
** Jubiläum bei der Reichsbahn. Im Rahmen einer würdigen '»Feier wurde dieser Tage dem Reichsbahn-Zugführer W. Becker, Frankfurter Straße 43, durch den Leiter des Bahnhofs Gießen, Amtmann Wahl, die silberne Auszeichnung als Anerkennung für 25jahrige treue Dienste bei der Reichsbahn überreicht.
** Mieter-Jubiläum. Am morgigen 1. September sind es 50 Jahre, seitdem Frau Marie H e r- hort, geb. Günther, ihre Wohnung im Hause des Bäckermeisters ßö b er , Lindenaasse 18, innehat.
** Verkehrssünder. Die Polizei schritt m der Zeit vom 19. bis 25. August ein: gegen Kraftfohrzeugführer mit 16 Anzeigen und 3 Verwarnungen und Belehrungen; gegen sonstige Fährzeugführer mit 1 Verwarnung und Belehrung; gegen Radfahrer mit 2 Anzeigen und 2 Verwarnungen und Belehrungen; gegeü Fußgänger mit 2 Verwarnungen und Belehrungen.
Große Giraskaninier Gießen.
Der H. H. aus Essen-Vorbeck war kürzlich vorn Bezirksschöffengericht wegen einfachen Diebstahls und Betrugs in zwei Fällen zu einer Gesamt- gefängnisstrafe von n eun Monaten
verurteilt worden. Er hatte seine Verwandten in Ober-Seemen bestohlen, seine Zimmerwirtin tn Biebrich geprellt und ein Darlehen, das er von einem Bekannten in Hanau erhalten hatte, nicht zurückgezahlt. Der Angeklagte hatte gegen das Ur- teil Berufung eingelegt. Mit seinem eingelegten Rechtsmittel hatte er keinen Erfolg, es blieb bei dem erstinstanzlichen Urteil.
Rundfunkprogramm
Donnerstag, 1. September.
5 Uhr: Frühmusik. 5.45: Ruf ins Land. 6; Gymnastik. 6.30: Frühkonzert. 7: Nachrichten. 8.10: Gymnastik. 8.30: Bäderkonzert. 9.30: Nachrichten. 9.40: Mutter turnt und spielt mit dem Kind: Der Wolf und die sieben Geißlein. 10: Schulfunk: Volkslied- fingen 11.45: Quellen der Gesundheit. 12: Mittagskonzert. 13: Nachrichten. 13.15: Mittagskonzert. 14: Nachrichten. 14.10: Das Stündchen nach Tisch. 15: Für unsere Kinder: Was können wir tm Freien spielen? 16: Nochmittagskonzert. Das Mikrophon unterwegs. 18: Zeitgeschehen. 18.30: Der fröhliche Lautsprecher. 19: Allerlei vom Sport der Woche 19 10: Klang der Landschaft: „Du, mein stilles Tal". Eine Hörfolge. 20: Nachrichten. 20.15: Schone deutsche Volkslieder. 20.40: Symphoniekonzert. In der Pause: Der Goethe-Preisträger Hans Carossa liest aus eigenen Werken. 22.30: Nachrichten. 22.45: Dolks- und Unterhaltungsmusik. 24: Nachtkonzert I. Eine Serenade will ich bringen ... Ein Ständchen des Orchesters des Deutschlandsenders. Kleine Operetten- Reise. 2 bis 3: Nachtkonzert II.
Oie Jagd iw
Gerade so wie der Bauer steht nun auch der Jäger mitten in der Ernte und gewinnt die Früchte der Hege und Pflege, die er feinem Wild angedeihen ließ. Im Rotwild revier standen seither die starken Hirsche mit ihresgleichen gerubelt in der Feiste. Wenn der September beginnt, bann tritt nach alter Jägerregel der Hirsch in bie Brunft. Die Feisthirschrubel lösen sich auf, manche Reviere werben fast hirschleer, benn bas Wilb wechselt feinen gewohnten Brunftplätzen zu, unb ber Hirsch tritt zum Kahlwilb. Bis bann in einer kalten Septembernacht zum erstenmal ber Kampfruf bes Königs ber Wölber durch bie Stille ber Nacht bringt unb hier unb bort ihm ein anberer antwortet. Die Brunft hat begonnen. Um bie Monatsmitte beginnt auch bereits bie Schußzeit für weibliches Rotwilb unb Kälber. Ueberall, wo Rotwilb feine Fährte zieht, wirb in biefer Zeit bas Interesse am R e h w i l b zurückgebrängt. Seine hohe Zeit ging im Laufe bes August zu Enbe, bie Böcke würben außerorbentlich heimlich. Doch nun im September pflegen sie mieber, in ber Mehrzahl aus bem Felbe zurückgewechselt, so regelmäßig Zeit unb Wechsel einzuhalten, baß es nicht schwer wirb, biesen und jenen roten Bock auf die Decke zu legen, der nach bem Abschußplan noch zu strecken ist. Auch bas weibliche Rehwilb hat vom 16. b. M. an Schußzeit. Zwar wirb ber Abschuß noch nicht voll einsetzen, benn es besteht immer bie Gefahr, baß Kitze zu früh ber Mutter beraubt werben, wenn biefe etwa einmal einzeln zog unb als nichtführenb angesprochen würbe. Es wirb sich zunächst barum hanbeln, wirklich einzeln gehenbe Stücke zu bestätigen. Dabei sei vor bem Abschuß gut entwickelter Schmalrehe gewarnt. Denn sie sollen ja im Sinne ber Ausartung bie zukünftigen Mütter von Kitzen mit besserer Blutführung fein. Ihre Väter finb bie starken Böcke, beren Abschuß bewußt so eingeschränkt wirb. Diese Maßnahme verliert aber ihren Sinn, wenn bie Kinber dieser guten Vererber bereits abgeschossen werben, wenn sie selbst noch gar nicht zur Vererbung kamen. Es wirb vor allem bei ber ganzen Auswahl auf bie Körperstärke der Stücke ankommen. Alles, was gesund unb stark ist, bleibt vor bem Abschuß verschont, alles Schwache ist ber Kugel verfallen. Mit biefer Auswahl wirb bem Beftanb am besten gebient fein. Wo sich bie Möglichkeit zu solchem Abschuß bietet, nutze man sie. Denn bie Schwierigkeiten bei vorgeschrittener Jahreszeit finb zu bekannt unb haben manchen Revierinhaber schon stark in Druck gebracht, wenn es hieß: Erfülle beinen Abschuß!
Neben Rot- und Rehwilb finb auch Elch, Damwilb,
Freitag, 2. September:
Tag ber Stadt Wiesbaden:
5 Uhr: Frühmusik. 5.45: Ruf ins Land 6: Gymnastik. 6.30: Frühkonzert. 7: Nachrichten. 8.10: Gymnastik. 8.30: Froher Klang zur Werkpause. Einlagen: Soziale Arbeiterbetreuung — Schönheit ber Arbeit — Arbeitersieblung. 9.30: Gaunachrichten. 9.40: Kleine Ratschläge für Küche unb Haus: Wiesbadener Spezialitäten. 10: Schulfunk. Ein Streifzug durch bie Kurstadt Wiesdaben. 11.40: Bericht über bie Herbstblumenjchau. 11.45: Diel Fremde — überfüllte Häuser. Das Hotel- unb Gaststättengewerbe Wiesbabens in ber bcutfdjen Wirtschaft. 12: Werkskonzert des Städtischen Kurorchesters. 13: Nachrichten. 13.15: Platzkonzert. Einlage: Wiesbaden als Garnisonstadt. 14: Nachrichten. 14.10: Unterhaltungskonzert. Einlage: Wiesbadens Ausflugsstätten. 15: Wiesbadener Künstler konzertieren. 15:30: Wiesbadener Jungen und Mädel fingen und spielen. Lustiges in Lied unb Wort aus ber Geschichte der Kurstabt. 16: Nachmittagskonzert. Einlagen: Das Opelbab — Die Kolonnaben — Blick auf Wiesdaben von ber Bierstädter Warte. 17.30: Konzert des Wiesbadener Konservatoriums. 18: Zeitgeschehen. 19: Kurgarten. Hörbild. 20: Nachrichten. 20.15: Konzert. Einlagen: Wiesbadens Herbstwochen. — Das Rheingauer Weinfest in Wiesbaden. 22: Nachrichten. 22.15: Das Sportleben in Wiesbaden. 22.20: Kammermusik. 23: Unterhaltung und Tanz. Einlagen: Heitere Heimatdichtungen unb Anekdoten, 24: Nachtkonzert I. 2 bis 3: Nachtkonzert II.
। September.
Muffelböcke unb Gams frei, so daß alles Schalen- wilb besagt werben kann. Für uns in Oberheffen kommt allerbings nur bas Schwarzwild noch ernstlich in Frage. Die leerer werdenden Felder erleichtern seine Bejagung.
Neben bas Jagen im grünen Walb auf Hirsch, Sau unb Reh tritt bas Weibwert auf ber Felbflur, wo bie Hühnerjagd ihren Höhepunkt erreicht. Die Ketten sind meist schußreif, bie Felber leer. Nur Kartoffeln, Rüben unb allerlei Futterpflanzen stehen noch braußen unb bieten ben Hühnern Deckung. Dann ist es eine Freube, mit gutem Hund zu jagen. Die Hühnerjagb scheint nicht schlecht zu werben, obwohl Prophezeien ein unbankbares Geschäft ist. Der spätere Heufchnitt, bas Fehlen schwerer Regen um bie Juni/Juliwenbe mögen sich günstig auswirken. Bei ber Hühnerjagb wirb sich nicht selten Gelegenheit bieten, bie Ringeltaube zu besagen, bie man überall braußen antreffen kann. Wo Gräben ober Bäche bie Flur burchziehen ober schilfumsäumte Tümpel locken, liegen vielleicht Enten, bie gelegentlich mitbejagt werben können. Dort treffen mir auch schnelle Bekassinen an, beren Derwanbte, bie Walbschnepfe, bereits auf bem Rückzug von Norben her ist, unb öfters mieber in unseren Wölbern auftreten kann. Auch sie hat ihre beiben Bruten hochgebracht unb kann nun besagt merben. Auf bem Zuge finb auch bereits unsere Raubvogel, bie ja in ber Hauptsache ganzjährig geschützt finb. Zu ben frei gegebenen Habicht unb Sperber, besten Verdienste um bie Spatzenbekämpfung man nicht vergessen sollte, fohunt nun noch berMäusebussarb hinzu. So menig jemanb bem bas Wort reben wirb, ihn zu besagen, wo es nur geht, ebenso nötig ist es, bort burchzugreifen, wo er feinem Namen keine Ehre macht unb Hausgeflügel unb Wilb zehntel, wie bas Einzelftücke zum Teil vorzüglich verstehen.
Aehnlich steht es mit dem Dachs, ber sich einen erheblichen Fettmantel zugelegt hat unb nun schon gut gegraben werden kann, wenn auch feine Schwarte im Oktober/November noch bester fein mag. Aber es muß zum Schutze ber Niederjagd, vor allem wo Fasanen gehegt roetben sollen, etwas gegen den Dachs geschehen, ber sich außerorbentlich vermehrt hat.
In einem gepflegten Revier werben setzt die Schüttungen in Ordnung gebracht. Eben ist es noch leicht, Spreu zu bekommen, bie als Unterlage in Frage kommt. Finbet das Federwild jetzt schon da und dort unter Hecken und Büschen eine Scharrstelle, so erinnert es sich deren, wenn fnäter einmal
die Wintersnot kommen sollte Dor allem für Fasanen sind solche Winke unentbehrlich, wenn sie nicht verstreichen sollen dorthin, wo aufmerksamere Heger jagen. Dreschmaschine und Heuboden liefern minderwertiges Futter genug, das für unser Feder, wild gerade recht ist. Es kommt nur darauf an, es sich sofort zu sichern unb trocken aufzubewahren. Ein Leckerbissen für all unser Wilb geht alljährlich an Straßen, in Wölbern unb Gärten in Mengen ungenutzt verloren. Das finb die roten Früchte Der Vogelbeere, bie es in diesem Jahre wieder reichlich zu geben scheint. Meist werden sie von Staren unb Drosseln zerpickt, heruntergeworfen ober gefressen in einer Zeit, in ber keine Not besteht. Schneidet man ganze Dolden ab und legt diese tn Sand ein, so halten sie sich vollkommen frisch unb bieten im Winter ein billiges unb hochwillkommenes Bogel- und Wildfutter, das fast alle Wildarten schätzen! Drum kann dieser Baum gar nicht aenug in bie Wälder an geeigneten Stellen ein gebracht werden. Die Himbeeren haben viele neue Triebe gebildet. Wo diese herausgehauen werden, weil sie andere Pflanzen zu erwürgen drohen, sollte man sie als Jäger nicht achtlos verkommen lasten. Gebündelt und im Schatten getrocknet geben sie gern genommenes LaUbheu, bem Wild gesundheitlich gesehen höchst zuträglich. Gegen Monatsende beginnen auch die Roßkastanien zu fallen. Wo sie im freien Revier stehen, nimmt auch bas Rehwild sie gern an. Das Rotwild schätzt sie außerordentlich, und der Rotwildjäger sollte jede Menge dieses nährstoffreichen und gesunden Futtermittels erwerben, bie er nur bekommen fann. Die fammeleifrige Jugend verdient sich damit gern etwas. Hubertus.
Vor dem Urteil
im Mainzer Totschlagsprozeß.
Lpd. Mainz, 30. Aug. In dem Totschlagspro. zeß gegen ben Jagdpächter Weinsheimer aus St. Johann ist bie Zeugenvernehmung zu Enbe ge» gangen. Fast sämtliche Zeugen sagen außerorbentlich ungünstig für den Angeklagten aus. Immer wieder führen sie Beweise für bas brutale unb selbstherrliche Auftreten bes Weinsheimer an. Das Hauspersonal würbe beschimpft unb teilweise sogar geschlagen. Harmlose Spaziergänger wies ber Angeklagte grob aus dem Walbe. nachbem er sie burch Schreckschüsse eingeschüchtert hatte, weil sie ihm angeblich die Jagb verdarben. Von Mitpächtern von Jagden wird er sehr verschieden beurteilt. Er fei ein „Schießer" und „Allesfresser" gewesen, sagen bie, die ihn offenbar näher kannten. Es sind aber auch einzelne günstige Urteile da. Wäh- renb bie einen befunben, baß er seine Hunbe vor- bilblich abgerichtet hatte, sagen bie anberen, er habe sie häßlich mißhanbelt, getreten unb ausgepeitscht. Die Mäbchen im Haus weigerten sich, halb- tot geschossene Hühner (ber Angeklagte schoß auch seine Suppenhühnssr auf bem Hof) einzufangen, was von ihnen immer wieder verlangt wurde. Dabei kam es einmal zu einem üblen Zwischenfall, als ber Angeklagte einem wiberspenstigen Hausmäbchen bie gelabene Pistole auf bie Brust fetzte. Als ihm jetzt in ber Derhanblung Vorhaltungen wegen ber brutalen Szene gemacht werden, erklärt er, sich an bie Sache nicht erinnern zu können. Sie fei ihm dazu „n i ch t wichtig genug gerne fe n". Dem Angeklagten werden auch dunkle Geschäfte mit ausländischen jüdischen Wein- Händlern vorgeworfen. Trotz seiner erheblichen Verschuldung hielt er sich seinen Wagen unb seine Jagbpachten. Zum Schluß wirb ein junges Mädchen, das gleichfalls auf bem Hof bes Angeklagten beschäftigt 'war, vernommen. Es befunbet mit Bestimmtheit, daß ber Angeklagte einmal zu seiner Frau gesagt habe, wenn er bem Beißer einmal im Walb begegne, mache er ihn „kaputt". Die Zeugin wirb nach einbringlichen Vorhaltungen unb Hinwei- fen auf bie Gefahren eines Meineibes vereidigt.
Der Nachmittag war für bie Abhaltung eines mehrstündigen Ortstermins vorgesehen.
Lpd. Mainz, 30. Aug. Am Sonntag entgleiste im Bahnhof Wachenheim (Pfalz) auf ber eingleisigen Strecke Monsheim—Neustabt (Weinstr.) ber Personenzug 1919. Personen wurden nicht verletzt. Es ist lediglich Sachschaden entstanden. Der Verkehr wurde durch Umsteigen in Kraftwagen aufrechterhalten.
kannst du zurück, Dore?
Roman von Hedda Lindner.
Copyright by Carl Duncker Verlag, Berlin W 35.
2. Fortsetzung. (Nachdruck verboten!)
Er ließ brüsk ihre Hand fallen. „Hielten Sie die Lage für so scherzhaft, daß Sie daran zweifeln?" kam schroff bie Gegenfrage, bann — höflicher: „Im übrigen ist bie Angelegenheit längst erlebigt. Ich wünsche Ihnen rasche unb völlige Erholung von dem Schreck. Alles Gute!"
„Halt!" sagte Dore, und ihr war dabei zumute wie einem Schwimmer, der zum ersten Male vom Turm ins kalte Wasser springt, „wenn Sie bas — bas mit ben vierzehn Tagen — wirklich so gemeint haben — ich bin bereit!"
Er hatte sich schon halb zum Gehen gewanbt, jetzt ftanb er mit einem halben Schritt bicht vor ihr. „Wenn Sie nun bamit rechnen, baß ich als Kavalier mit gerührtem Dank verzichte, muß ich Sie enttäuschen, mieber erklang bitterer Hohn aus seiner Stimme, „ich bin kein Kavalier mehr, burch- aus nicht, seit ..." Er brach ab unb machte eine fortwischenbe Hanbdcwegung. „Also überlegen Sie sich Ihre Worte lieber noch einmal!"
„Ich habe überlegt", sagte Dore mit blassen Lippen, aber fest, „nur wäre es leichter für mich, wenn ich einigermaßen ahnen könnte, warum Sie diese vierzehn Tage — was Sie eigentlich von mir erwarten. Daß Sie kein Abenteuer suchen, glaube ich Ihnen."
„Warum? — Weil mir vorhin — da oben auf der Bank, als Sie neben mir saßen, der Gedanke kam, baß diese letzten vierzehn Tage in Europa leichter fein mürben, roenn ich sie mit einem Menschen teilte, ber zu mir gehört, unb sei es auch nur für vierzehn Tage. Aber mährenb dieser Zeit darf es für Sie nichts und niemand geben außer mir, sonst brauche ich Sie nicht. Das haben Sie doch richtig verstanden?"
„Das habe ich verstanden", nickte Dore, fast wider Willen mitgerissen von ber leidenschaftlichen Eindringlichkeit seiner letzten Worte.
„Und was ich von Ihnen erwarte", er sah an ihr vorbei, als läse er irgendwo eine unsichtbare Schrift ab, „Sie sollen mir helfen, eine Erinnerung aus- zulöschen, die quälender ist als das höllische Feuer. Sie sollen mir helfen, daß ich vielleicht doch einmal,
wenn auch nach langen Jahren, an bas alte Lanb zurückbenken fann, ohne daß es mich abwürgt."
Ein großes Begreifen kam über Dore unb damit eine große Erleichterung. Dieser Mann war weder überspannt, noch ein Abenteurer, er war einfach ein Mensch, ben ein schweres Erleben aus bem Gleichgewicht gebracht hatte. Wenn sie ihm bä helfen konnte, burch diese vierzehn Tage — wie wenig war bas, verglichen mit dem, was er für sie getan.
Helfen! — Das Lächeln ber Madonna, die in jeder Frau lebt, war auf ihrem Gesicht, als sie leise, gütig, antwortete: „Ich will Ihnen helfen."
Nachher saßen sie in einem Gasthaus unten im Dorf beim Abendessen.
„Ich weiß noch nicht einmal, wie Sie heißen", sagte Dore halb lächelnd, halb verwundert. Nun sie sich einmal entschlossen hat, ist ihr dieser Mann erstaunlich rasch vertraut.
„Ich heiße Gerald Hilger."
„Gerald?" wiederholt sie halb fragend — in englischem Tonfall.
„Ganz richtig. Meine Mutter mar Engländerin, unb ba mußten mir schon einen Rufnamen wählen, der für alle bequem auszusprechen war. Unb wie heißen Sie?"
„Ich heiße Dorothe Irene Orivius, aber man nennt mich Dore."
„Dore", wieberholte er unb stutzte. „Orivius? War das nicht ber bekannte Rennfahrer, ber in Monza töblid) verunglückte?"
„Wir waren kaum sechs- Monate verheiratet, als es geschah." In ihren Augen ftanb mieber ein schwacher Schein bes Entsetzens, bas sie damals empfunden hatte, als die Nachricht sie traf.
Er zog schweigend mit einer zarten Bewegung ihre Hand an die Lippen, unb es lag so viel Anteilnahme in dieser kleinen Geste, daß Dores Vertrauen wuchs. Sie sprach weiter. „Kannten Sie ihn?"
„Flüchtig nur. Als er ben Großen Preis von Monaco gewonnen hatte, waren wir nachher mit einigen gemeinsamen Bekannten zusammen. Er war sehr beliebt unb ein glänzender Fahrer."
Beide schwiegen, in trübes Erinnern versunken. „Wir wollen lieber von der Zukunft reden", sagt er schließlich. „Ich möchte vorschlagen, daß mir diese vierzehn Tage in einem andern Gebiet der Schweiz verbringen. Oder möchten Sie hier bleiben?"
„Nein, nein", mehrte Dore hastig ab. „Ich bin schon zmei Wochen hier, da würde ich dauernd bekannte Gesichter treffen."
„Dann schlage ich vor: Berner Oberland. Kennen Sie es schon?"
Sie schüttelte den Kopf. ,Hch kenne noch nicht viel von ber Schweiz."
„Um so besser. Sie werben viel Neues unb Schönes sehen, bas wirb Ihnen die Lage erleichtern", stellte er fachlich fest. „Außerdem will ich Ihnen noch Zeit zum Ueberlcgen lassen, falls Sie Ihren Entschluß zu sehr unter dem Eindruck be$ Vorfalls da oben gefaßt Haden. Sie sehen, ein Menschenfresser bin ich nicht." Das kam sogar mit bem Anflug eines Lächelns. „Ich werbe übermorgen nachmittag von brei bis sieben im Carlton in Bern auf Sie warten. Sind Sie bis bahin nicht gekommen, fahre ich weiter. Einer Benachrichtigung bebarf es in bem Falle nicht", erklärte er mit einer Gelassenheit, als handelte es sich allenfalls um einen Kinobesuch.
Die dunklen Augen der Frau, die Hellen des Mannes hingen ineinander, prüfend, forschend, als wollte jeder vom andern Antwort haben, ob Zufall ober Schicksal sie zusammengeführt.
Dann erhob sich Dore. ,^ch werbe kommen!"
Dore mar fest entschlossen, bie nächsten vierzehn Tage mit bem Manne ©eralb Hilger zu verbringen. Als sie Dann aber tatsächlich in bem Zuge saß, lag sie fast auf jedem Bahnhof im Kampfe mit sich, ob sie nicht doch noch aussteigen sollte.
Einmal raffte sie ihre Sachen zusammen, fest entschlossen, auf dem nächsten Bahnhof auszusteigen.
Aber bis ber Zug in ben Bahnhof einlief, sah' sie die Dinge schon wieder von ber anbern Seite. Der Mann zwang sie zu nichts — im Gegenteil — er hatte ihr bie Ablehnung außerorbentlich bequem gemacht — sie fuhr nicht hin, unb Die ganze Geschichte war erlebigt. War sie das? Würde nicht immer ein Stachel in ihrem Gewissen bleiben, wenn sie ihn im Stich ließe?
Helfen sollte sie ihm, und er hatte sich keinen Augenblick besonnen, sein Leben einzusetzen, als sie Hilfe brauchte.
Nein, sie konnte diese Rechnung nicht offen lassen. Sie legte ihre Sachen wieder hin und sah gedankenvoll aus'dem Fenster, wenn der Zug langsam an- rollend Den Bahnhof verließ.
lieber all diese widerstreitenden Emvfindungen war sie sich klar. Worüber sie sich nicht klar war — oder was sie sich zumindest nicht zugab — war die kleine geheimnisvolle Lockung, die im Hintergrund aller verstandesgemößen Erwägungen ftanb und ben Ausschlag gab.
Eine Woche später mußte sie lächeln, wenn sie daran dachte, mit welchen aus Angst unb Verlegenheit gemischten Empfindungen sie schließlich bie Hotelhalle betreten hatte, unb nachher war alles so einfach, so selbstverstönblich gewesen. Weil sie bas
Glück gehabt hatte, auf einen Mann zu treffen, bem Haltung und gutes Benehmen angeboren waren; im Anfang war es feine völlige Sicherheit Der äußeren Form, Die es möglich machte, diese seltsame Lage zu meistern, nachher glitten sie beibe mit er« staünlicher Leichtigkeit hinein.
Auch äußerlich entwickelte sich alles fast von selbst. Sie reisten jeher unter bem richtigen Namen, be» wohnten getrennte Zimmer, und wer sie in ber kameradschaftlichen Art ihres Umgangs beobachtet hätte, würde sie wohl meist für Geschwister gehalten haben. In den ersten beiden Tagen sagte Dore noch manchmal „Sie", bann kam Das vertrauliche „Du" ganz von selbst.
lieber persönliche Dinge sprach er nie, sie wußte tatsächlich auch nach einer Woche nicht mehr von ihm am ersten Tage; ebensowenig fragte er nach bem Leben, bas sie sonst führte. Anfänglich befrembete cs sie etwas, bann begriff sie die Folgerichtigkeit, die darin lag: Sie wollten beide diese vierzehn Tage aus ihrem sonstigen Leben heraus* nehmen, da mußten sie alles vermeiden, was diese Abgrenzung verwischen ponnte.
Sie waren dennoch nm Gesprächsstoff nicht verlegen, und Dore hatte mehr als einmal Gelegenheit, über Die Vielseitigkeit seines Wissens zu staunen. Er mußte ziemlich viel herumgekommen sein und schien — mehr noch — sehr viel nachgedacht zu haben. Er ging allerdings in der Unterhaltung nur aus sich heraus, wenn Die völlige Unpersönlichkeit des Themas gewahrt blieb; sowie eine Wendung ihn hinüberleiten konnte, bog er ab.
Der etwas tastende Ton der ersten Tage wich immer mehr einer ungezwungenen Freundlichkeit. Sie verstanden sich gut in ben vielen kleinen Dingen, bie bann doch zusammen ein Großes ausmachen, in ihrer Lust zu wanbern, in ihrer Freube an ber Natur.
In Grinbelwald hatten sie beschlossen, etwas länger zu bleiben. Einmal, weil hier bas Hotel so ganz ihren Wünschen entsprach, auch ber Ort gefiel ihnen besonbers gut, er bot vor allem viele Möglichkeiten zu ausgedehnten und dennoch nicht allzu anstrengenden Wanderungen. Dadurch, daß sie mehrere Tage blieben, entwickelte sich bald so etwas wie ein Programm: Vormittags wurde eine größere Wanderung gemacht, nachmittags blieben sie meist im Dorf, tränten Kaffee in ber kleinen „Rendez- vous-Konbitorei". — „Der Name allein zwingt schon zum Einkehren", hatte er gemeint. Sie blätterten in Zeitschriften ober unterhielten sich damit, den 23er* kehr ber Dorfstraße zu beobachten.
(Fortfetzung folgt!)


