Nr. 125 Zweiter Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)
Dienstag, Zf. Mi 1938
Aus der Stadt Gießen.
Oer „richtige" Gommer beginnt.
Das Sommerhalbjahr umfaßt die Monate April bis September, i>. h. diejenige Zeit des Jahres, während der die Mittagstemperatur im Freien die normale Zimmertemperatur von 18 Grad Wärme erreichen kann. Von diesem Gesichtspunkt aus beurteilt war der bisherige Teil des Sommerhalb- lahrs ein Versager. Der April brachte im Reich höchstens 5 Tage mit einer Mittagswärme von 18 Grad, der Mai hat sich auch zurückhaltend benommen und nicht mehr als 10 sommerlich warme Mittage auf die Beine gebracht. Um so größer ist die Zahl der trüben und kühlen Tage gewesen. Selbst im Mai hat es noch eine Reihe Frostnächte gegeben. Im übrigen waren die kühlen Wetterperioden durchweg dreimal so lang, als die einzelnen heiteren und warmen Abschnitte. Jetzt, am Ende der dreimonatigen Frühlingsperiode März, April, Mai, muß man sagen, daß der Frühling 1938 eine Enttäuschung war, die sowohl der Saisonwirtschaft, als auch dem Saatenstand mancherlei Hemmnisse bereitet hat.. Es ist immerhin bezeichnend, daß bis zum Maiende noch kein Tag gewesen ist, der an den deutschen Seeküsten die Voraussetzungen für den Badebeginn aufwies. Abgesehen davon, daß die Wassertemperaturen von Nord- und Ostsee noch ungewöhnlich niedrig waren, entsprachen auch die Lufttemperaturen bisher keineswegs den saisonmäßigen Erwartungen. Daß man unter diesen Umständen um so größere Hoffnungen an den Juni knüpft, ist begreiflich.
Der Juni als erster Sommermonat ist in meteorologischer Hinsicht von den sog. Nachwehen des Winters frei. Die Kaltluftkappen der Nordpolarzone sind jetzt so weit zurückgedrängt und angewärmt, daß sie unmittelbar keinen Einfluß mehr auf die mitteleuropäische Klimazone gewinnen können. Die typischen Kälteeinbrüche aus der Arktis, wie sie in der ersten Hälfte des Mai auftraten, sind für den Juni nicht zu erwarten, auch eine tagelang dauernde Nordströmung erfährt im Juni unterwegs durch Würmeübernahme eine so starke Durchmischung, daß der ursprüngliche Kältecharakter verschwunden ist. Dafür pflegt im Juni die Erhitzung der weiten Festlanümassen Europas schnelle Fortschritte zu machen, lieber Rußland Sibirien entsteht die für das Landklima charakteristische Heißluftzone, so daß östliche Strömungen uns im Juni sehr warmes Wetter bringen. Ganz Südeuropa erfährt im I uni seine Erwärmung kauf subtropische Grade, so daß auch von dieser Richtung nur Transportwärme, d. h. zusätzliche Erwärmung, zu erwarten ist. Die Luftmassen über dem Ostatlantik, die bei dem ozeanischen Wettercharakter Deutschlands eine besondere Rolle spielen, sind inzwischen auch soweit erwärmt, daß sie in Verbindung mit der Sonnenstrahlung tagsüber nicht unter 15 Grad Wärme absinken. Lediglich nach dem Nordwesten zu, im Raume zwischen Großbritannien— Island — Norwegen, bleibt die relativ kühle Meeresatmosphäre erhalten. Sie pflegt sich meistens um die Mitte Juni für einige Tage in das mitteleuropäische Wettergeschehen einzuschalten und bringt dann die bekannte „Schafskälte" mit relativ kühlen Temperaturen und gesteigerten Regen- fällen. Diese Juniregen sind bei den Bauern sehr beliebt, weil sie dem Wachstum nochmals Antrieb geben und ein gewisses Feuchtigkeitsreservoir für die heißen Wochen des Hochsommers schaffen. Mit dem in den Juni fallenden Höchststand der Sonne (21. Juni), dem astronomischen Sommeranfang, mit dem Johannistag (24. Juni) und dem Siebenschläfer (27. Juni) verbinden sich charakteristische Warmwetterperioden, die, wie wir hoffen, in diesem Jahre des mißlungenen Frühlings in günstiger Form zur Entwicklung kommen. Allgemein ist für den Juni mit einer wesentlichen Steigerung des bisher zu niedrigen Temperaturnioeaus zu rechnen.
So ergeben sich für den Juni, der mit seiner Rosenblüte, seiner in voller Entwicklung stehenden Vegetation der schönste Monat des Jahres ist, diesmal besonders zahlreiche Wünsche, die um so berechtigter erscheinen, als uns die vergangenen
Schlaf und Traum.
Von Or. £. Maitersen.
In Amerika hat man, wie Prof. I. H. Schultz in einem Vortrag vor der Berliner Akademie für ärztliche Fortbildung zeigte. Versuche gemacht, bei denen Jugendliche zwölf Tage ohne Schlaf leben konnten, ohne daß dabei Störunaen oder nachhaltige Schäden auftraten. Freilich versanken sie danach in einen narkoseähnlichen Erschöpsungsschlaf. Diese Versuche geben einen interessanten Beitrag zu der Frage: Wie lange muß der Mensch schlafen? Ebenso wie beim Essen muß man auch beim Schlafen das richtige Maß treffen. Ein Zuviel ist eher schädlich als ein Zuwenig. Man weiß heute, daß der Schlaf zu den Urproblemen aus dem Kreis der biologischen Rhythmen gehört, dem alle Lebewesen unterliegen. Auf je niedrigerer Stufe diese nun stehen, in so höherem Maße sind sie den Rhythmen ausgeliefert; je komplizierter die Individuen sind, je feiner ihr Nervensystem ausgebildet ist, können sie sich von diesen Rhythmen unabhängig machen, können sie z. B. über den Schlaf „verfügen". Allerdings nur insofern, als sie sich wachzuhalten vermögen, während das Erzwingen des Schlafes unmöglich ist.
Auch bei den „Schläfern" selbst lassen sich zwei Typen unterscheiden. Es gibt Menschen, die sich am Abend etwa um 22 Uhr ins Bett legen und nach kurzer Zeit in den Tiefstand des Schlafes verfallen und bann allmählich sich wieder dem Wachsein nähern. Um 7 Uhr stehen sie ^sch und gestark au, lärmen und fingen zum Entsetzen der Nachbarschaft, wenn sie sich waschen und ankleiden. Der andere Typ hingegen geht um 24 Uhr zu Bett, kommt in Tiefschlaf, wird aber gegen Morgen um 3 Uhr wieder mad), liegt ungefähr eine halbe Stunde im Halbschlaf und versinkt dann wieder m tiefes Schlafen, das dann am stärksten ist, wenn die anderen ausstehen. Muß man ihn um diese Zeit wecken, so ist er blaß, übellaunig, hat Ringe unter den Augen und mit Mühe und Not arbeitet er sich ms Wachsein hinüber. Dieser zweiphastge Schlaf ist dem des Säuglings nicht unähnlich, der in mehr GÖer minder regelmäßigen Abständen immer wieder in Schlaf versinkt und nur zur Nahrungsaufnahme matt) wird. Man hat nun beobachtet, daß der „zwel- phasiqe" Schläfer sehr oft in seinem Aeußeren Jo» Genannte „infanttle'7 Züge aufweist. Es handelt sich bei derartigen Menschen keineswegs um Minder»
Vor der zweiten Heffen-Aaffan-Zahrt des VDK
NSG. Es liegen noch keine zwei Wochen zurück, da kehrten 1800 BDM.-Mädel sonnverbrannt und begeistert von ihrer ersten Hessen-Nassau-Fahrt nach Hause. Der Widerhall ihres Fahrterlebnisses ist Überall groß, und laufend gehen bei den Untergauen Nachmeldungen zum zweiten Fahrtabschnitt ein.
Wohin geht die zweite Fahrt? Ein Sonderzug fährt von Frankfurt-Süd nach Lauterbach im Vogelsberg und bringt rd. 900 Mädel aus Frankfurt a. M., Wiesbaden und Mainz in den Nordosten des Gaues. In alten, schmucken Städtchen und hellen Fachwerkdörfern werden sie untergebracht, wo ein fleißiges, gesundes Bauerntum mit reichen Trachten und Sitten wohnt. Rund 700 Mädel culs Gießen, Dill-Eder, dem Vogelsberg und Braunfelser Land fahren mit dem zweiten Sonderzug ab Gießen nach Hetz - bad), um den sagenhaft schönen Odenwald und den Reiz der Bergstraße zu erwandern. Den über 1000 Jungmädel aus dem ganzen Obergau ist der "dritte Sonderzug vorbehalten, der sie ab Frankfurt a. M.- Süd nach Limburg bringt. Von hier aus gehen die Fahrtenwege ins Lahntal, den Taunus und an den Rhein.
Die Fahrzeiten der Sonderzüge.
Sonderzug 10.
Hinfahrt 2. Juni: ab Frankfurt-Süd 10.30 Uhr, Frankfurt-West 10.41, Friedberg 11.37, Hungen 12.26, Mücke 13.46, Burg- u. N.-Gemünden 14.01, Ehringshausen 14.17, Zell-Romrod 14.38, Alsfeld 14.55, Lauterbach an 15.26.
Rückfahrt 9. Juni: ab Lauterbach 14.33 Uhr,
Herbstein 15.04, Grebenhain-Crainfeld 15.25, Gedern 16.10, Hirzenhain 16.23, Ortenberg 16.40, Stockheim 17.02, Hanau (Hbf.) 17.58, Frankfurt-Süd an 18.21.
Sonderzug 11.
Hinfahrt 2. Juni: ab Gießen 13.25 Uhr, Friedberg 14.07, Hanau (Hbf.) 14.55, Wiebelsbach 15.41, Höchst (Odenw.) 15.51, König (Odenw.) 16.01, Michelstadt 16.11, Erbach 16.18, Hetzbach an 16.34.
Rückfahrt 9. Juni: ab Heppenheim 9.00 Uhr, Bensheim 9.08, Auerbach 9.14, Zwingenberg 9.21, Darmstadt 9.43, Neu-Isenburg 10.06, Frankfurt-West 10.28, Friedberg 11.08, Gießen an 11.47.
Sonderzug 12.
Hinfahrt 2. Juni: ab Frankfurt-Süd 10.27 Uhr, Frankfurt-Höchst 10.50, Niedernhausen 11.31, Limburg an 12.17.
R ü ck f a h r t 9. Juni: ab Limburg 11.37 Uhr, Niedernhausen 12.41, Frankfurt-Höchst 13.09, Frankfurt- Süd an 13.28.
BOM.-llntergau 116.
An alle Zlandorlführerinnen der Mädel und Jungmädel im kreis Gießen.
Da es des schlechten Wetters wegen an vielen Standorten nicht zur Austragung der Reichssportwettkämpfe kam, werden sie jetzt standortweise nachgeholt. Der letzte Einsendetermin für die ausgefüllten Wettkampflisten ist der 15. Juni.
Die Wettkampfliften vom 28729. und die neuen können dann zusammen eingeschickt werden.
Frühlingswochen schon manchen warmen Tag und insbesondere die herrlichen lauen Abende vorenthalten haben. Insbesondere wird und muß der Juni die Eröffnung der Bäder- und Reisesaison auf der ganzen Linie bringen, mit der sich nicht nur die persönlichen Wünsche von Millionen Volksgenossen, sondern auch wichtige volkswirtschaftliche Interessen verbinden. M.
Dornotizen. '
Tageskalender für Dienstag.
Gloria-Palast, Seltersweg: „Broadway Melodie 1938". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Ab Mitternacht". — Oberheffifche Gesellschaft für Natur- und Heilkunde, Naturwissenschaftliche Abteilung: 20.15 Uhr im Hörsaal des Botanischen Instituts, Linne- Vortrag 1938 Professor E. Küster „Seltene und merkwürdige Pflanzen des Gießener Botanischen Gartens".
Iubiläumsfonds für dieLupusheilstätte
LPD. Der Reichsstatthalter in Hessen — Landesregierung — hat dem Landesverband zur Bekämpfung der Tuberkulose (Heilstättenverein Darmstadt) die Genehmigung zur Sammlung von Geldspenden zur Bildung eines Jubiläumsfonds für Forschungszwecke aus Anlaß des 25jährigen Bestehens der Lupushellstätte in Gießen für das Gebiet des Landes Hessen in der Zeit vom 25. Mai bis 20. Juni erteilt. Die Sammlung darf durch Postversand von Werbeschreiben an solche Personen, bei denen ein besonderes Interesse für die Arbeit des Heilstättenvereins vorausgesagt werden kann, erfolgen mit der Einschränkung, daß die Werbung bei den Behörden des Reiches, der Länder, der Gemeinden, Gemeindeverbände oder deren Leitern sowie bei den Unternehmungen der deutschen Wirtschaft, die sich auf ihre Beteiligung an der Adolf-Hitler-Spende berufen, nicht gestattet ist.
3u Ehren der Skagerrakkämpfer.
Zur Erinnerung an den Sieg der deutschen Flotte und zum Gedenken an die in der Seeschlacht am Skagerrak Gefallenen hat die Wehrmacht des Standortes heute geflaggt. Um 8 Uhr heute früh schritten der Führer des Marine-Sturmbannes der SA. 11/34, Sturmführer Mettenheimer, der Kameradschaftsführer des NS. - Marinebundes
H. L i ch und der Führer der Gießener Marine- Hitler-Jugend, Gefolgschaftsführer E. R u p p e l 1/116, zum Ehrenmal am Skagerrakplatz an der Schlageteranlage, wo sie im Gedenken an die gefallenen Kameraden Kränze niederlegten.
An Stelle der traditionellen Gießener Skagerrakfeier findet nur eine stille Kameradschaftsfeier statt. Die Marine-SA. und -HI. und der NS.-Marine- bund hatten bereits am Sonntag mit einer stattlichen Vertretung und ihren Fahnen an der Skagerrakfeier in Friedberg teilgenommen. Dort fand in Verbindung mit der Einweihung eines Skagerrak-Ehrenmales der Gautag des NS.-Ma- rinebundes statt, wobei Kreisleiter Backhaus und der Gauführer des NS.-Marinebundes, Fregattenkapitän a. D. Ackermann (Frankfurt a. M.) in ihren Ansprachen die Bedeutung des Tages vom Skagerrak würdigten.
Dortrag über Rudolf Koch.
Die Fachabteilung „Druck und Papier" in der Deutschen Arbeitsfront, Kreiswaltung Wetterau, veranstaltete am gestrigen Montagabend im Saale des Studentenhauses einen Vortrag über „Rudolf Koch und die Schriftkunst unserer Zeit".
Bei dieser Gedenkstunde an den Meister der deutschen Schriftkunst Rudolf Koch sprach Dr. Wilhelm H. Lange aus Offenbach a. M. in einem groß- angelegten Vortrage zu einer zahlreichen Hörergemeinde über das Werden und das Werk Rudolf Kochs, wobei er Wert darauf legte, vor allem das Werk des vor einigen Jahren verstorbenen Meisters der Schrift- und Schreibkunst den Hörern nahezubringen. Daneben schilderte er aber auch den Menschen Koch in feiner und liebenswerter Weise, so daß die Zuhörer ein nach allen Gesichtspunkten hin abgerundetes B.ild von der Persönlichkeit dieses künstlerisch und kunsthandwerklich schaffenden Mannes, wie auch von seiner bedeutsamen Tätigkeit im Dienste der deutschen Schriftgestaltung und damit unseres'Druckwesens erhielten. An Hand vieler Lichtbilder machte der Vortragende den aufmerksam lauschenden Hörern das Werk des Meisters auch bild- mäßig vorstellbar, wodurch das gesprochene Wort eine wertvolle Bereicherung erfuhr.
Den Zuhörern aus dem Fachkreise, aber auch den Besuchern aus den Kreisen der am guten Druck und am Buch interessierten Menschen bereitete der
Redner mit seiner fesselnden Schilderung des Wer« kes dieses Großen der deutschen Schriftkunst ein schönes Erleben. Fachabteilungswalter Christ, der den Abend mit Grußworten an die Kameraden vom Fach und an die Gäste eröffnet hatte, konnte am Schluffe des Vortrages dem Redner mit gutem Grund den Dank der Hörer aussprechen.
Gtrahenbahnumbau.
Im Zuge der Um- und Neugestaltung des Kirchen- und des Lindenplatzes, an der seit einigen Wochen tatkräftig gearbeitet wird, ist nun auch die Straßenbahn in die Umgestaltung einbezogen worden. Vom heutigen Dienstag ab wird der Straßenbahnverkehr wegen der Gleisverlegungsarbeiten nur noch als Pendelverkehr Bahnhof—Marktplatz und Walltorstraße—Wieseck, d. h. also durch Umsteigen am Marktplatz bzw. an der Walltorstraße/Wetzstein- gasse aufrechterhalten. Zur Durchführung des Pendelverkehrs Wieseck — Walltorstraße / Wetzsteingasse werden am Straßenbahn-Haltepunkt in der Wall-
tHerrlich erfrischend
gründlich reinigend und dabet den Zahnschmelz schonend. Große Tube *0 T/., kleine Tube 25 *BI.
torstraße für die Dauer mehrerer Tage vier Wagen stationiert, die dem Verkehr auf jenem Teil der Strecke dienen werden. Es ist damit zu rechnen, daß der durchgehende Straßenbahnoerkehr voraussichtlich von Ende der nächsten Woche ab wieder ausgenommen werden kann.
Die gesamte Umgestaltung des Kirchen- und des Lindenplatzes soll in großen Zügen bis zum 116er- Fest beendet fein, damit der Mc^senverkehr keinerlei. Stockungen ausgesetzt ist.
Gießener Vochenmarktpreise.
* G i e ß e n , 31. Mai. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten^ Deutsche feine Molkereibutter, % kg 1,57 Mark, feine Molkereibutter 1,52, Markenbutter 1,55 bis 1,60 Mark, Matte 20 bis 25 Pf., Käse, das Stück 5 bis 10, Eier, deutsche, Klasse S 13, Klasse A 12%, Klasse B 12, Klasse C 11%, Klasse D 10%, Wirsing, % kg 15 bis 18, gelbe Rüben, neue, das Bündel 18 bis 20, Karotten, % kg 12 bis 15, rote Rüben 10, Spinat 8 bis 15, Römischkohl 8 bis 12, Bohnen, grün, 50, Spargel, 1. Sorte 60, 2. Sorte 55, 3. Sorte 50, 4. Sorte 35, Erbsen 18 bis 20, Tomaten 45 bis 60, Meerrettich 40 bis 50, Rhabarber 16 bis 18, Kartoffeln, alte, % kg 5 Pf., 5 kg 44 Pf., 50 kg 3,80 bis 3,90 Mark, neue, % kg 16 bis 18 Pf., Aepfel 30 bis 40, ausländische Aepfel 60, Kirschen 60 Pf., Suppenhühner 1,05 Mark, Blumenkohl, das Stück 50 bis 65 Pf., Salat 5 bis 10, Salatgurken 45 bis 60, Oberkohlrabi 18 bis 22, Lauch 5 bis 10, Sellerie 10 bis 40, Rettich 10 bis 15, neue, das Bündel 15 bis 20, Radieschen, das Bündel 8 bis 10 Pf.
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** Personalveränderungen in der SA. Der Führer des Sturmbanns 11/116 unb SA.- Sportabzeichensachbearbeiter der Standarte 116, Obersturmbannführer Förster, ist mit Wirkung vom 1. 6. 38 zum Stab der Gruppe Hessen als Erzieher an der Gruppenschule versetzt worden. Zu seinem Nachfolger wurde der Sturmhauptführer Adler, bisher im Stab der Gruppe Nordsee, Bremen, ernannt.
** Maienblasen. Am heutigen Dienstag ab 19 Uhr findet auf dem Turme der Jo Hanne s- kirche zum letzten Male in diesem Jahre das Maienblafen statt. An den Darbietungen hatte die gesamte Einwohnerschaft regen Anteil genommen und dadurch ihre Dankbarkeit allen denjenigen bewiesen, die zur Wiedereinführung und Unterstützung dieser schönen Volkssitte bei getragen Habern Als Abschluß werden oorgefragen: 1. Choral „Wie schön leuchtet der Morgenstern", Frankfurt a. M. 1599, Phil. Nicolai; 2. „Jägers Abschied"; 3. „Ein Sträußchen am Hute"; Deutschland- und Horst-Wessel-Lied.
wertige Typen; sie haben nur eben eine andere Konstitution als der Durchschnitt.
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Schlafen bedeutet sich Zurückziehen aus der Wirklichkeit, weshalb ja der Müde sich einen möglichst licht- und schallarmen Platz aussucht und seinen Körper in eine Lage bringt, die eine völlige Entspannung herbeiführt. Vor dem Einschlafen ziehen die verschiedensten Bilder an uns vorüber, wir denken eben noch an irgendeinen Vorgang aus dem Tagewerk, da befassen wir uns vielleicht auf einmal mit dem Wort Geographie, denken an Deutschland, Berlin, fahren auf und bemerken, daß wir schon eingeschlafen waren. Das Denken im Schlaf folgt anderen, uns fremden Gesetzmäßigkeiten. Wir tauchen ein in eine Welt der Bilder und Klänge, in ein neues Reich, in eine neue Leibhaftigkeit.
Sagt man einem wachen Menschen das Wort Paris oder Neapel, so stellt er sich dabei vielleicht zwei Punkte auf der Landkarte vor, sieht vor seinem geistigen Auge vielleicht noch eine Silhouette des Stadtbildes, das ist seine ganze Reaktion. Sagt man die gleichen Worte aber einem Schlafenden, so lebt er plötzlich in dieser Htadt, nimmt an ihrem Getriebe teil und spricht plötzlich perfekt französisch. Das zeigt schon, daß der Schlaf kein Zustand von Bewußtlosigkeit, sondern nur eine Abkehr von der Wirklichkeit ist. Daß eine Verbindung zwischen Wirklichkeit und Schlafendem bleibt, zeigt auch der Schlaf einer jungen Mutter: Auf der Straße kann noch so viel Lärm sein, ihr Mann neben an kann noch so lebhaft schnarchen, sie schläft ruhig. Sobald aber das Kind im Nebenzimmer auch nur den leisesten Laut von sich gibt, wacht sie auf.
Wer sich am Abend niederlegt und sich vornimmt, ohne Wecker am anderen Morgen pünktlich 6 Uhr aufzustehen, war vielleicht überrascht, daß er tatsächlich auf die Minute aufgewacht ist, ohne daß er unruhig geschlafen hat. Woher weiß nun der Schlafende, daß es genau 6 Uhr ist? Wie erklärt sich diese Erscheinung der sogenannten „Kopsuhr"? Ebenso wie die Tiere verfügt auch der Mensch über einen absoluten Zeitsinn. Freilich geht es ihm damit ebenso wie mit dem Gedächtnis. Die psychologische Forschung vertritt nämlich die Annahme, daß wir nichts vergessen. Wir können nur nicht immer gleich „herankommen". Es kommt uns z. B. ein Geruch in die Nase und plötzlich steht die ganze Nachbarsfamilie, mit der wir vor zwanzig Jahren einmal im selben Hause wohnten und an die wir seitdem nie mehr gedacht haben, oox unserem Auge. Hier arbeitet'also das Unbe
wußte im Menschen, das ihn dann auch zu der bestimmten Stunde „weckt".
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Aus hypnotischen Versuchen an Schläfern weiß man, daß der Mensch die ganze Nacht träumt, auch wenn er glaubt, er habe einen traumlosen Schlaf gehabt. Im Schlaf steigen wir in die Bild er weit des Unbewußten hinab und befinden uns dann sozusagen in einem nach Innen gewendeten Zustand. Der Psychologe unterscheidet mehrere Traum- arten. Im Schlaf ist man besonders empfindlich, ein Druck im Magen z. B. wird gleich sehr heftig gespürt, ebenso wie das Klopfen an der Tür für den Schlafenden einem Kanonendonner gleicht. Neben den Leibreizträumen gibt es dann die sogenannten Wunscherfüllungsträume. Man hat z. B. beobachtet, daß in Rußland Menschen, die am Verhungern waren, fast immer vom Essen träumten. Aber auch die Größenwahnsinnigen haben meist diese Traumart; sie leben dann als große Staatslenker oder als berühmte Zeitgenoßen. Mit den Leibreizträumen verwandt find die Alpdruckträume oder Angstträume. Legt man z. B. einem Menschen, der auf einem Sessel eingeschlafen ist, den Arm über die Lehne, so löst das Abschnüren an der Druckstelle im Traum unter Umständen das Bild des Gehängtwerdens aus, und man kann an dem Schläfer Angstzustände bemerken. Die Träume sind oft sinnvoll und verräterisch. Im Traume zu fliegen ist meist Sache jener, die überheblich sind, vorwärtsstreben, hochfliegende Pläne haben, „nach oben" wollen. Schlaf und Traum, so betonte Prof. Schultz, sind also Beispiele dafür, daß der Mensch als etwas einheitlich Ganzes und Lebendiges auf- gefaßt werden muß, daß die Trennung von Leib und Seele aufgehoben werden muß. Daß der Seelenvogel beim Schlafenden und Sterbenden davonfliege, war einst ein mythischer Glaube, aber ein Aberglaube. Der Mensch im Schlaf kehrt sich zwar von der Wirklichkeit ab, ohne aber die Verbindung zu lösen.
Wunderliche Speisenkarte.
Der französische Naturforscher E. G. Boule n g e r hat einmal eine Liste von seltsamen Speisen aufgestellt, die in den verschiedenen Teilen der Welt genossen werden. Da findet man Grillen, Mäuse, Eidechsen, Würmer, Heuschrecken, wie überhaupt die verschiedenartigsten Insekten, Ringelnattern, Quallen, Froschbeine und andere, alles auf verschiedenste Art zu bereitet. Er selbst hat sogar manche von diesen Delikatessen versucht, so Kän- Zuruhbraten^ den malai scheu Trepang, ein? See
schnecke, die sich in China der größten Beliebtheit erfreut, aber als er zu den Heuschrecken kam, versagte er doch. Der berühmte französische Entomologe Fabre ist jedoch auch vor den Heuschrecken nicht zurückgeschreckt und erklärte sogar, daß sie ausgezeichnet schmeckten. Ein früherer Beamter des Londoner Zoologischen Gartens, Frank Buckland, hatte auch eine Vorliebe für abenteuerliche Speisekarten und aß sich buchstäblich durch den Zoologischen Garten hindurch, kostete von allen Tieren, von den Jaguaren bis zu den Krokodilen. Mit Löwen haben es sogar der König Georg V. und der Herzog von Gloucester versucht, indem sie frisches Löwenfleisch in Afrika genossen, und es hat ihnen gut geschmeckt.
In Paris gab es eine Gesellschaft, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, seltsame Speisen zu erproben. Auf einer solchen Speisekarte für ein ,Festmahl gab es eine Wurst von Walfischen, die im Indischen Ozean gefangen waren, und geröstete Heuschrecken au4 Nordafrika. Seetang klingt uns Nicht sehr appetitlich und wird doch fast überall in der Welt gegessen. Auf den Eisenbahnstationen in Japan rufen die Verkäufer von Erfrischungen „Ben-to, ben-to" aus, Seetang, der unter "Hinzufügung von Reis zu den mannigfaltigsten Leckerbissen verarbeitet ist. Man braucht aber gar nicht in den, Fernen Osten zu gehen, sondern man kann astch in Irland und Schottland und selbst in London Seetanggerichte erhalten.
China ist seit alter Zeit bekannt als das Land seltsamer Genüsse wie neugeborener Mäuse, die in einer Schüssel in Honigsyrup gelegt und ganz heruntergeschluckt werden. In Tokio werden täglich rund tausend Schlangen verschiedener Größe und Gestalt verzehrt. Es ist ein alter Volksglaube, daß pulverisierte gebackene Schlangen ein unfehlbares Heilmittel für viele Krankheiten darstellen, besonders für Schwindsucht, und so kann man es in hundert Läden der japanischen Hauptstadt kaufen. Es gibt ein großes „Schlangenhaus" im Afakusa-Viertel, das jährlich 100 000 Schlangen umsetzt und 10 000 ständig im Vorrat hält, um die Einzelhändler zu versorgen. Die Schlangenjagd wird daher so eifrig ausgeübt, daß ihre Zahl merklich vermindert ist, abgesehen von den beiden südlichen Inseln Kyuschu und Schikoku. Aber auch die Ratten werden in Japan gegessen, und es ist keineswegs eine Speise der Armen. Das vorige Jahr war das Rattenjahr in Japan, und der Baron Kanetome Jjuin* lud 300 Freunde zu einem Festessen ein, bei dem wilde Ratten von der Insel Formosa auf der Speisekarte standen. Diese leben von Zuckerrohrwurzeln und erreichen eine Länge von einem halben Meter.


