Nr. 280 Swettez Blati
Mittwoch, 50. November 1958
Lietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gverheffen)
Wehr und Waffen.
Das Infanterieregiment - einst und jetzt.
Don Major (E) von Zöllner, Inspektion der Infanterie im Oderkommando des Keeres.
Immer schon war es so. daß die Infanterie, als die Hauptwaffe des Heeres, chren Kampf führte gegen einen Feind, der auch Infanterie war. Die Art ihres Kampfes war feit icher dieselbe und wird es immer bleiben. Angreifen und verteidigen, stürmen und Erobertes festhallen, im Nahkampf siegen und sterben. So war es bei den Thermo- pylen, so bei Leuchen, so bei St. Privat, so bei Tannenberg — so wird es wieder sein. G e - ändert hat sich nur, dem Lause der Zeit folgend, die Form, die Gliederung, die Bewaffnung, die Ausrüstung und Bekleidung. Neuerungen und Derbesserungen der Waffen zwangen zu veränderter Taktik, veränderte Taktik wiederum zu Erneuerungen und Verbesserungen der Waffen. Ein steter Wettlauf. So sehen wir seit Jahrhunderten, diesen Gesetzen unterworfen, stets Veränderung des äußeren Gesichts der Infanterie.
■ Glaubte man 1914 noch die deutsche Infanterie aus die höchste Höhe ihrer Verwendbarkeit, zu einer Vollkommenheit, die eine Steigerung nicht mehr zuließ und scheinbar auch nicht mehr nötig war, geführt zu haben, so hat der große Lehrer Krieg wiederum gezeigt, daß die Entwicklung der In- sanierte immer noch nicht abgeschlossen war — und vielleicht nie abgeschlossen sein wird. Als noch in offener Feldschlacht die Grenadierregimenter Fried- richs des Großen in geschlossenen Treffen gegen den Feind „avancierten", waren die Uniformen bunt, wie die des Feindes, das Gewehr und Bajonett die einzige Waffe des Infanteristen, so wie auch die des Feindes. Die preußischen Regimenter im Französi- schem Kriege kämpften wohl in anderer Form, aber mit denselben Waffen, wie auch der Feind. Das Gewehr mit dem Bajonett in der Fqust schlug durch Feuer die Bresche und im Nahkampf den letzten Widerstand.
Gar nicht allzu lange vor dem gigantischen Völ- kerkampf' sehen wir die deutsche Infanterie noch ebenso zum Gefecht antreten. Nur das äußere Bild in Form. Bewegung und Bekleidung war verändert, das Gewehr aber immer noch ihre einzige Waffe. Sie genügte, um durch Feuer die Bresche, und das Bajonett, um mit Hurra den Widerstand vollends zu brechen. — So schien es. — Drei Infanteriebataillone zu je vier Infanteriekompanien treten an. Alle zwölf Kompanien waren gleich ausgerichtet in allem, was sie am Leibe hatten, und vom ersten bis zum letzen Mann trug bei zwölf gleichen Infanteriekompanien jeder sein Gewehr. Der Wettlauf um die Ueberlegenheit führte indes wenige Jahre vor dem Weltkrieg zu einer Durchbrechung des Althergebrachten. Das Infanterieregiment erhielt eine neue Zusatzwaffe. Die Waffentechnik hatte das Maschinengewehr geschaffen. Mit diesem schweren Maschinengewehr ?ewann die Infanterie außerordentlich an Feuerrast und veränderte auch äußerlich ihr Gesicht. Und im August 1914 rückte jedes Infanterieregiment mit 12 Infanteriekompanien und einer Maschinen- gewehrkampanie zu 6 Gewehren ins Feld. Welche oft ausschlaggebende Bedeutung den schweren Maschinengewehren zukam. war vordem noch gar nicht ermessen worden. Erst der Krieg hat es bewiesen.'
Aber noch mehr als das. Der Lehrmeister des Soldaten, Ktüeg genannt, stellte an die Infanterie immer höhere Anforderungen. Zahlenmäßige Ueberlegenheit des Feindes einerseits, sowie der nie gewollte, aber ihr aufgezwungene Stellungskrieg auf der anderen Seite erforderten eine weitere Stärkung der Feuerkraft für die Infanterie. Die Eigenart des Grabenkrieges steß Ingenieure und Rüstungsindustrie nicht mehr ruhen, der Infanterie neue Waffen zu schaffen, weil die bisherige einzige Waffe des Infanteristen, das Gewehr, m diesem Kampf seinen Sinn und Zweck verloren zu haben schien. Nicht nur. daß man nun jedem Bataillon eine Maschinengewehrkompanie gab und die Zahl der Maschinengewehre bei jeder dieser Kompanien um das Doppelte — auf 12 — vermehrte, erhielt auch jedezInfanteriekornpänie noch sechs leichte Maschinengewehre. Aber auch damit war nicht genug geschehen. Der Grabenkrieg erforderte auch Steilfeuerwaffen zur Bekämpfung der tief in die Erde eingegrabenen feindlichen Infanterie. Da gab man dem Infanteristen — die Handgranate. Und weiter half man der Infanterie in ihrem schweren und noch neuen Kampf des Grabenkrieges, indem man ihr Grabenmörser. Granatwerfer. Minenwerfer und Gewehrgranaten gab.
Ebensolche Wandlungen zeigten sich auf dem Gebiet der Nachrichtenmittel der Infanterie. Wenn bei Kriegsausbruch dem Meldegänger. Signalflaggen und eine geringe Anzahl Feldfernsprech- g^rate als Nachrichtenmittel genügen mußten,_ so wurden diese im Verlauf des Krieges noch ergänzt durch Blinkgerät, Meldehunde. Brieftaufen. Fliegersignaltücher. Leuchtpistole und Signalpatrone. Aus den zwölf gleich ausgerüsteten, gleich bewaffneten und gleich ausgebildeten Infanteriekompanien mit Gewehr und Bajonett des Vorkrieges war eine Waffengattung geworden, die aus dem Infanteristen von einst einen vielseitigen Kämpfer machte. Waffenspezialisten und Techniker zur Bedienung der verschiedenen Waffenarten und Geräte wurden aus ihm. Nichts von dem, was die Infanterie des Krieges an Neuem erhielt, war überflüssig gewesen. Alles brauchte sie, um diesem, erstmalig m der Kriegsgeschichte chr aufgezwungenen Kampf gerecht zu werden.
. Der Krieg war zu Ende. Versailles warf alle diese Waffen und Geräte auf den Schrotthaufen. Nur das Gewehr blieb, und wenige Maschinengewehre. — Aber noch etwas blieb, das wertvollste: die Kriegsersahrung. Und damit begann im Zuge des Wiederaufbaues der Infanterie, ihrer vielsetti- gen Verwendung entsprechend, auch ihre Ausstattung mtt einer Unzahl von Waffen aller Art Die stärkste und gewichtigste Waffengattung des Heeres wurde damit auch zur vielseitigen Waffenaattung. Neben den Hand-, Feuer- und leichten Waffen, als da sind: Pistole, Gewehr, Dasonett, Handgranate, Maschinenpistole, leichtes Maschinengewehr und leichter Granatwerfer, verfügt das heutige Infanterieregiment über wettere schwere Waffen, deren
es sich bedienen muß, soll es im neuzeitlichen Kampf die Führung behalten und seine Aufgabe erfüllen. So verstärken die Feuerkraft und unterstützen den Angriff der noch verbliebenen neun Schützenkompanien. neben den drei Maschinengewehrkompanien, schwere Grgnatwer- ferzüge, eine Infanteriegeschützkom- panie mtt leichten und schweren Geschützen und eine Panzerabwehrkompanie. Auch der Abwehr eines früher noch weniger beachteten Feindes, des feindlichen Fliegers, ist Rechnung getragen durch die Einführung von Flugabwehr-Maschinengewehren im Zwillmgssockel auf fah- renbem Fahrzeug. Für die Aufklärung gab man dem Infanterieregiment außerdem noch einen R e i t e r z u g.
Und auf dem Gebiet der Nachrichtenübermittlung verfügt heute die Infanterie über das
vielfettigste und modernste Gerät. Das Funksprechgerät ist wohl das unentbehrlichste von ihnen geworden. Aber das zuverlässigste aller Nachrichtenmittel war, ist und wird immer sein: der Meldegänger. Auch die neuzettliche Infanterie mit ihrer modernsten technischen Ausstattung wird ihn nie entbehren können.
Das ist das Gesicht des heutigen Infanterieregiments. Die Kampfaufgabe ist dieselbe geblieben wie einst. Art und Form, diesen Kampf zu führen, haben sich geändert, die Mittel aber, ihn erfolgreich zu bestehen, mußte zu dieser vielseittgen Bewaffnung führen. Das Infanterieregiment von einst und das von heute — zwei völlig andere Gebilde. Gleicb- aeblieben aber ist der Geist, der unsere unvergleichliche Infanterie beseelt, der sie auszeichnete einst und auszeichnen wird immerdar.
Englands neuester Jlugzeugiräger.
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In Kürze wird der neueste Flugzeugträger der englischen Flotte „Art Royal" in Dienst gestellt. Er wird von allen Schiffen der britischen Flotte mit 1600 Mann die größte Besatzung haben. 60 Maschinen haben auf dem Schiss Platz, den Piloten steht zum Starten und Landen ein Rollfeld von 200 Meter zur Verfügung. Die Wasserverdrängung beträgt 22 000 Tonnen. (Scherl-Bilderdienst-M.)
Unsere Panzerwaffe greift an!
Ein Besuch bei den .schwarzen Männern" in Wünsdorf.
Fast frühlingshaft mutet die Landschaft an. Klar zeichnen sich in der Ferne Wälder und Waldstreifen ab, vor ihnen breitet sich ein kahles, hügeliges Gelände aus: das große Exerzierfeld der in Wünsdorf bei Berlin "stationierten Panzerwaffe. Die Truppe ist weit hinten verborgen durch Baum und Busch, zum Losschlagen angetreten, um die Schützenlinien von Rot zu durchbrechen, die dahinter stehende und kräfttg feuernde Arttllerie zu überrennen unfeine Gasse für die sprungbereit aufgefahrenen motorisierten blauen Einheiten zu bahnen.
Eine Rakete mit dickem grünen Rauch steigt in die Höhe, das kriegerische Schauspiel beginnt. Heftig trommelt die Artillerie von Blau auf die roten Schützenlinien. Erdfontänen, hochgewirbelt von krepierenden Geschossen, steigen auf. Die Infanterie liegt unter schwerstem Feuer, das sich trotz der Unterstützung durch die eigenen Batterien nicht mildert. Jeder weiß: die nächste Viertelstunde wird den Angriff d.er Panzerwaffe bringen. Dann gilt es, an den Panzerabwehrkanonen eiserne Ruhe bewahren, sich durch die Fülle der zu erwartenden Tanks nicht in Verwirrung bringen zu lassen, sondern unerschütterlich die Angreifer niederzukämpfen, die einem vor den Lauf kommen. Also nicht nach rechts, nicht nach links schwenken. Was dort geschieht, das ist Sache der Kameraden an den anderen Geschützen.
Und schon brechen sie drüben los. Nicht so, wie man das in Schilderungen vom Krieg der Zukunft lesen kann, nicht jo, wie es phantasiebegabte, aber wirklichkeitsferne Schriftsteller darstellen. Da wälzen sich die Panzerwagen nicht in dicken Klumpen heran, bilden keine zusammenhängende Dampfwalze, kein kilometerbreites stählernes Ungetüm. Nein, sie kommen in drei Wellen heran, kaum daß man die singenden Motoren hört, auseinandergezogen und über das Feld verstreut. Voran die leichten, schnellen Wagen, dann t die schwereren. Schließlich die ganz schweren.
Die Panzerabwehr beginnt ihr Konzert. Ununterbrochen jagen die Schüsie aus den Rohren. Mer auch drüben wird nicht geschwiegen. Geschickt wird jede Senkung im Gelände, jeder Hügel von Blau ausgenützt. Aus der Fahrt heraus wird geschossen. soweit die leichten Panzerwagen in Frage kommen Die größeren schießen zumeist aus der Ruhestellung, in die sie hineingehen, um die vorfahrenden leichten Gesellen zu decken. Dann nehmen diese wieder irgendwo Deckung, feuern ruhig und sicher auf den Gegner, während nun die anderen Wellen an ihnen vorbeilaufen. So geht es den ganzen Angrift hindurch. Jeder Kampfwagen hat seine Aufgaben, alle haben .sich m der Nieder- ringunq des Geaners zu unterstützen, alle werden funkentelegraphisch vom Kommandeur der angreifenden Formatton gelenkt
Wir sind Zeugen dieses rasch vorwartssttebenden Kampfes. Wir wollen den Angriff ein gutes Stück begleiten. Hinauf also auf die großen gelände- gängigen Zugmaschinen der Wehrmacht. Kaum daß wir sitzen, springen die Motoren an und in hoher Fcchrt gebt es bergan und bergab, um die Wette mit den Kampfwagen, die um uns herumschwirren. Die erste Schützenlinie ist bereits durchbrochen, aber weiter zurück stehen neue Verteidiger mit ihren panzerbrechenden Waften Unau^rfid) blitzt es aus den Rohren. Immer wieder müssen die Tanks
hinter irgendeiner Geländefalle Halt machen. Die Panzertürme ragen über die Hügel hinweg, ein Schnellfeuer ergießt sich aus ihnen aus den roten Gegner. Wetter geht es dann. Wieder abwechselnd die einen vorstoßenü, die andern feuernd, die dritten Deckung bietend.
Die Angreifer sind hinter uns geblieben. Wir stehen am Rande einer besonders ttefen Geländefalte. Fast 45 Grad geht es bergab in eine wald- bestandene Schlucht, ebenso steil ist die andere Seite, auf der sich der Gegner von neuem festgesetzt hat und Widerstand leistet. Jetzt schiebt sich die auseinandergezogene Front der Panzerwagen an uns vorbei. Die Gleisketten wirbeln den Staub hoch, mit unheimlicher Geschwindigkeit wird das Feld überquert. Hinunter gLht es in die Schlucht. Hier ein Panzerwagen, dort eines der dunklen Ungeheuer. Dünner ist die Linie. Denn auch die Abwehr hat nicht bloß Löcher in die Luft geschossen. Der Schiedsrichter besttmmt, welche Kampfwagen auf dem Platz als verletzt oder gänzlich zusammengeschossen liegen zu bleiben haben. Wacker arbeiten sich dafür die anderen vor. Ganz schwere Burschen sind unter chnen mit großkalibrigen Geschützen „an Bord" Sie zeigen uns nun ihre Rückseite. Weiße dicke Streifen ziehen sich über den hinteren oberen Teil hinweg, ein Zeichen für die eigenen Flieger, daß diese Kampfwagen nicht zum Gegner gehören. Feindliche Flieger suchen das Gelände abzuharken, suchen die nachströmenden Formationen zu verwirren und ihnen Verluste beizubringen Doch überall stehen Maschinengewehrschützen mit ihrer schnell- feuemben Waffe und suchen den Gegner in den Lüften zurückzuweisen. Indessen klettern die Tanks am jenseitigen Hang hinauf Eine lila Rauchrakete steigt empor. Die Hebung ist beendet.
Wir besitzen heute wieder eine leistungs- fähige P a n z e r t r u p p e . die sich aber, nachdem fie über Nacht förmlich aus dem Boden gestampft wurde, keineswegs auf ihren Lorbeeren ausruht. In ihr wird intensivste Kleinarbeit geleistet, um aus jedem Angehörigen dieser Waffe einen hoch- roertiaen Verteidiger der Ehre unserer Nation und des Bodens unseres Vaterlandes zu machen. Die Hochschule unterer Panzertruppe ist die Panzertruppenschule in Wünsdorf, deren Kernstück die Panzer-Lehr-Abt e-i:lung bildet. Hier findet eine ununterbrochene Schuluna statt, die *e nach den Zwecken der einzelnen Lehrgänge Wachen. Monate und Jahre dauert. Modernstes Aus- hilbungsgerät ift hier vorhanden. Man hat Werkstätten aefchaffen, um die Schüler mit allen technischen Fähiakeiten auszurüsten, wie sie von einem Mann der Panzerwaaentruppe zu verlangen sind. Sieber Schüler kann nach dem Verlassen eines dieser Lehrgänge behaupten, feine Kenntnisse unendlich bereichert zu haben, was ihm bei seinem späteren Fortkommen luante kommt Denn wenn er nicht ins Wirtschaftsleben zurücktehrt, dann bieten sich ihm die verschiedensten Aufftte"qrnoal'chkeiten innerhalb der Heeresnerwastting. Man staunt über die Werkstätten dieser Schulunasabteiluna. so umfassend sind sie eingerichtet. Der einzelne Mann lernt das, was von einem hochgualisitterten Schlos- fer verlangt wird, er bildet sich wm Elektrotechniker heran, er kann M"tc>re ails"innndern"hni-»n und Mieder zusammensetzen, ihm steht eine Bibliochef
von nicht weniger als 22 000 Bänden zur Verfügung, die das Fachwisien ebenso wie die Kriegs- literatur und den schönen Roman zur Geltung kommen läßt.
Daneben ist aber die Panzertruppenschule beauftragt, alle neuen Schöpfungen der Industrie, soweit sie sich auf die Ausrüstung aller motorisierten Verbände beziehen, zu prüfen, zü begutachten, zu bestimmen. welchem Einzelzweck sie schließlich zuzuführen sind und wie die Ausbildung der Mannschaften an diesen neuen Fahrzeugen vom Kraftrad bis zum schweren Panzerwagen durchzuftihren ist. Erfahrungen werden hier gesammelt, werden ausgetauscht und für die Praxis verwertet, so daß die Schule stets selbstfchöpferisch bleibt. Hier ist auch die Prüfung der Bunareifen zusammengefaßt, die nunmehr für die Verwendung in der Wirtschaft vorbereitet werden. Man untersucht die Motore in Räumen mit normaler Temperatur und in Räumen, die bis zu 35 Kältegraden aufweisen, um neue Erfahrungen mit dem Treibstoff zu sammeln und festzustellen, in wieviel Sekunden bet den verschiedensten ' Witterungsoerhältnissen im Winter ein Motor in Gang kommen muß
Hier werden auch die Wagen für Geländefahrten ausprobiert. Ja, man bemüht sich, wenn auch nur nebenher, Lösungsvorschläge zum Problem der Erkennungsnummern an Fahrzeugen auszuarbeiten, sind doch diese Nummern bereits ins Sechsstellige hineingelangt, so daß sich niemand mehr die Zahl merken kann. Alles in allem wird ir dieser Schule mit ihren verschi^ensten Unterabteilungen eine Arbeit geleistet, von der man sich auch nur bann einen schwachen Begriff machen kann, wenn man Abteilung für Abteilung passiert hat. Hier liegt das Feld ber praktisch angewandten „Panzerwagen- wisienschatt", die aus sich selbst heraus stets neue Erkenntnisse zutage fördert und die bas Fundaryent für die sich stets fteigembe Leistung der schwarzen Männer in den feuerspeienden, die feindlichen Fronten zerschmetternden Kampfwagen auf Gleisketten liefert W. S.
KrieaseiMrunoen der Nachkriegszeit.
'Bon Horst v Metzsch, Generalleutnant d. D.
Die sogenannte Totalität des Krieges, die mtt Recht als eine der wichtigsten Wellkriegserfahrungen gilt, hat nicht das geringste daran geändert, daß Sie Schlagkraft einzig und allein auf dem militärischen Insttumente beruht. Wehrwirtschaft und Wehrkultur haben sich zwar beide bei jedem kriegerischen Zusammenprall als gleich un- entbehrliche «„Waffen" neben der eigentlichen, ber militärischen Waffe, erwiesen, aber Schlagkraft haben sie nicht, am wenigsten zu Beainn eines Krieges. Natürlich mit der Einschränkung, daß der Aufbau der militärischen Wehrmachtr an sich bereits eine wirtschaftliche und kulturelle Leistung darstelll. Aber auch biese Leistung wird in Schlag- kraft umgemünzt erst durch die Wehrmacht selbst Es ist wichttg, diesen Unterschied zwischen den schlagenden uns tragenden Wehrkräften zu machen, wett nur öie ersteren, also die militärischen, bet Kriegsbeginn befähigt sind, den Rahmen einer Kriegslage zu schaffen, in der sich bann alle nichtmilitärischen Wehrkräfte voll auswirken können. .Die überlegene japanische Wehrmacht zum Beispiel hat sich eine solche Lage erkämpft. Das wirtschaftlich stärkere China hat erhebliche Teile seiner wirtschaftlichen Stärke ein» gebüßt.
Innerhalb des rein militärischen Bereichs ragt als neuere Kriegserfahrung hervor, daß feiner der riesigen waffentechnischen Fortschritte der Nachkriegszeit zur Geltung kommen kann, wenn es an gut ausgebildeter Infanterie fehlt. Ihre Bedeutung ist durch die Motorisierung und Mechanisierung der modernen Heere nicht gesunken, sondern gestiegen. Die „Königin der Waffen" ist wsder durch die Luft noch durch die Panzerwaffe von chrem Throne gestoßen worden. Sie hat besonders oft und sehr empfindlich im spanischen Kriege gefehll. Sie war auch in dem dichten Geftecht der unzähligen Wasierläufe Chinas oft ganz auf sich allein angew'esen, und überall, wo gute Infanterie fehlte, verpulste die seelisch zersetzende Wirkung ber Luftangriffe nach mehr ober weniger kurzer Zeit.
Ganz allgemein ist vor einer Ueberschätzung ber bemorafifierenben Wirkung von Bombenangriffen zu warnen. Besonders, wenn sie vereinzelt, „kleckerweise" ober weit abseits vom I eigentlichen Kampfbereich unternommen wurden, haben sie enttäuscht Sie bedürfen also kräftiger Massierung, häufiger zermürbender Wiederholung in kurzen Abständen und vor allem: ber Heber» raschung. Auch bas gehört zu ben Kriegserfahrungen unserer Zeit, daß mit schweren Verlusten der Luftwaffe gerechnet werden muß, wenn keine Ueberrafchung gelingt. Es muß also eine sehr starke Reservean ausgebildetem P e r.s o n a l vorhanden sein, stärker als die Materialreserve. Denn es ist leichter und weniger zett- raubenb, Flugzeug-Serien zu bauen, als erstklassige Besatzungen, insbesondere Kampfflieger und Flug- zeugftibrer auszubilden. Anderseits haben richtig angesetzte und zweckmäßig durchgekübrte Luftangriffe einen geradezu entscheidenden Einfluß auf die Operationen ausgeübt. Die Luftwaffe Francos war es. welche die rotspanischen Kriegsschiffe aus den westlichen Mittelmeerhäfen vertrieb und dadurch überhaupt erst möglich machte, daß marokkanische Truppen nach Spanien geworfen wurden. Dabei hat sich wiederum das Großflugzeug als ausgezeichnetes Transportmittel beträchtlicher Trupvenmengen über große (Entfernungen hinweg bewährt. See und Wüste haben daher im .britischen Empire ben Luftweg zu großer militärischer Bedeutung gebracht.
Dies um so mehr, als bie Abhängigkeit der motorisierten Erdverbönbe vom Straßennetz in demselben Grade beutlicher wird, in dem ihre Zahl zunimmt M«chr benn je gehört baher bas Verkehrsnetz zur Rüftung eines Landes. Die Geländegängigkeit motorisierter Fahrzeuge ober Waffen an sich ist fein hinreichender Ausgleich. Für weitreichende schnelle Bewegungen werden Straßen gebraucht. Fast darf man sagen, baß es manchmal schwieriger sein kann, große motorisierte Verbände.zu bewegen,


