hört, dann ist erst ein kleiner Teil Arbeit, die ganz persönliche für die Familie, für Haus und Hof, getan, dann kommt erst das Schwere: die Staats- gefchäfte. Und diese Arbeit dauert bis tief in die Nacht. Dann fitzt er in dem — vielbespöttelten — Durcheinander seiner Zimmer, in denen es von Akten, Zeitungsausschnitten, Briefen, Marktberichten und Rechnungen wimmelt. Das ist seine eigene Welt — unbürokratisch^ frei von jedem Amtsschimmel. Mit den Jahren wachsen Achtung und Ruhm. Es kommen hohe Besucher aus aller Welt, es erscheinen Abordnungen, reiche und arme, adlige und schlichte Menschen wollen ihn sehen, fühlen den 5tang, ihm Dank zu sagen. Und er kann, er will sie nicht abweisen, er muß ihnen ein freundliches oder mahnendes Wort mit auf den Weg geben.
Des guten Hausvaters Sorge gilt Mensch und Der. Den Frauen der Erntearbeiter und Pächter,
die eine schwere Niederkunst hinter sich haben, sagt er herzliche Worte, schickt chnen stärkende Weine und Speisen, das bös verletzte Kind eines Treibers läßt er sogleich zum besten Arzte fahren, und manche Nacht verbringt er bei einer kalbenden Kuh. Er hat Erlplantagen und Tannenschonunaen angelegt, aus Sümpfen Teiche gemacht, sein Mastvieh ist bekannt und geschätzt, er hat manchen gewerblichen und handwerklichen Betrieb eingerichtet und sieht gern auch selbst einmal mit dem Okuliermesser und der Baumschere im Ostgarten nach dem Rechten. Er ist erfüllt von der Sorge um das Wohlergehen von Menschen und Dingen, die das Schicksal seiner Obhut anvertraut hat, — ein wahrhaft gütiger Vater, der in seiner Betreuung nicht nachläßt, der fördert und erzieht, um überall die besten Kräfte zu wecken und zur Reife zu bringen.
Kreuz und quer durch den Schwarzen Erdteil.
Briefe von einer Afrika-Reise.
Don L)r. Paul Rohrbach.
HL Sin Schatz an armer Küste.
L o b i t o, Juli 1938.
Der Strom kalten Polarwafsers, der an der W e st k ü st e Afrikas entlangzieht, macht das Land, das er bespült, zur Wüste, aber er birgt den Schatz eines unermeßlichen Fischreichtums in sich. Zugleich schafft er an einer sonst trostlosen Küste die Häfen, in denen der Fang geborgen wird und in denen die Schiffe ankern können, die ihn abholen. Die feuchte Luft, die über den Ozean heranweht, trifft auf ein erhitztes, trockenes Land und erwärmt sich so stark, daß sie beim Auftreffen feine Feuchtigkeit abgibt. So bleibt das Gestade regenlos, und erst weit im Innern bringen die Gebirge etwas Niederschlag hervor. Die Wüste, in Südwestafrika die Namib genannt, beginnt bald nördlich vom Kap der Guten Hoffnung und endet erst in der Mitte von Angola, kurz vor Lobito, wo wir heute gerade anfern. Die Flüsse, die aus dem Innern herabkommen, davon die meisten nur periodisch, wenige dauernd fließend, schütten Sand ins Meer; die Strömung faßt diese feinen Sedimente, führt sie nordwärts mit sich, und wenn sie aus einen Vorsprung der Küste treffen, so bildet sich ein langer, schmaler Sandhaken parallel zum Ufer. Auf diese Weise entsteht eine Reihe geschützter Häfen: Walfischbay, Porto Alexandre, Lvbito und andere. Vor ßoanba, der Hauptstadt von Portu- giesich-Angola, ist der Sandhaken zerrissen und in Inseln aufgelöst. Ohne diese eigentümlichen Bildungen wurde die Brandung, die über die ganze Breite des Atlantischen Ozeans als schwere Dünung anrollt, die Küste so gut wie unzulänglich machen. Die Fische Heben nicht das stark erwärmte Ozean- wasser der Tropen, sondern ziehen kühleres vor. Auch bei Neufundland stauen sich riesige Fischmassen, wo das vom Pol herabfließende kalte Wasser auf den warmen Golfstrom trifft. Hier, vor dem westafrikanischen Gestade, wandern sie aus dem offenen Meer in die kühle Angoladrist. Man sagt, zu ihrem Behagen gehöre, daß das Wasser nicht wärmer ist als 18 Grad.
Fanaplätze besonderer Art liegen an der schroffen Felsküste bei Lüderitzbucht, wo das Meer an phantastisch wild zerrissenen Klippen brandet. Wir sind einen Vormittag lang in ihnen umhergeklettert und haben uns vom Langustenfang erzählen lassen. Die Langusten — schmackhafte Hummern ohne Scheren, hausen in den wassergefüllten Felslöchern unweit des Ufers und werden mit Ködern in kleinen Netzen gefangen. Die Mannschaft der Fangboote besteht aus Schwarzen, die Fangmeister sind Portugiesen und Italiener. In Lüderitzbucht gibt es drei Fabriken, die Langustenkonserven Herstellen, darunter zwei deutsche. Wir haben uns durch solch eine Fabrik führen lassen und hörten, daß sie im letzten Jahr 8000 Kisten zu je hundert Halbpfund-Dosen mit Langustenfleisch geliefert hat. Neuerdings ist in dem deutsch - südafrikanischen Handelsvertrag eine Bestimmung ausgenommen, die auch die stärkere Belieferung des deut
schen Marktes erlaubt. Man frage also in den Delikateßgefchästen nach Lüderitzbuchter Langusten!
In Walfischbay sahen wir Dutzende von Walfangbooten liegen, mit der Harpunenkanone auf dem Bug, die auf ihr Mutterschiff warteten. Die Wale sind aber schon seit Jahren nur noch weit südwärts im Polarmeer in jagdbaren Mengen anzutreffen, wo jetzt auch deuffche Fänge im großen organisiert sind. Die Walfischbucht trägt ihren Namen von früheren Zeiten her, als die Riesentiere an diesem Strich noch häufig waren.
Die Fischindustrie im großen beginnt auf portugiesischem Gebiet in Porto Alexandre, dicht an der Grenze gegen Südwestafrika. Mitten in den Wüstensand am Ufer der Bay sind zwei Nutzend Häuser gepflanzt. Das Meer ist belebt von den dreieckigen Segeln der Boote, die den Fang heimbringen. Es wird teils mit der Angel und noch lebendem Fischköder, teils mit feststehenden, verankerten Grundnetzen gefangen. Am begehrtesten ist der Thunfisch, der mehrere Meter lang wird, nur auf lebenden Köder beißt und dem Fischer harte Mühe macht, bis er ihn im Boot hat. Wir haben ihn an Bord unseres italienischen Frachtdampfers „Carnia" reichlich zu essen bekommen.
Porto Alexandre besteht außer^aus Häusern noch aus einer Menge von Brettergestellen zum Trocknen der einmal der Länge nach aufgespaltenen und mit Salz bestreuten Fische. Ein paar Hundert Fische gehen in einen Ballen, und tausend Ballen sind eine gewöhnliche Bestellung für den hiesigen Großhandel mit Trockenfischen. Noch größer als in Porte Alexandre sind die Fänge bei Mossamedes, das etwas weiter nördlich an einer geschützten Einbuchtung der Küste liegt. Einen ganzen Tag lang ratterten dort die Ladekähne der „Carnia , und Fisch, immerfort Fisch verschwand in Ihren Luken. An Bord entwickelte sich ein lebhafter Wetteifer im Angeln. An einem Vormittag fingen ein paar von unseren Leuten mit der Angelschnur 200 Kilogramm Fische! Auch die Atmosphäre ist Fisch, für empfindliche Nasen beschwerlich; aber das gehört zum Seemdnnshandwerk an dieser Küste.
Die Millionen von Trockenfischen aus der Angvla- drift werden alle als Kost für die Schwarze n verbraucht, die in den Städten und auf den Pflanzungen an der Westküste bis hinauf nach Lagos arbeiten. Ein Pflanzungsleiter in Kamerun erzählte mir einmal, daß die Eingeborenen nirgendwohin lieber Arbeit nähmen, als dort, wo sie reichlich gesalzenen Trockenfisch bekämen. Er ist für sie dasselbe, was für uns Hummer und Langusten sind. Reis mit Palmöl und Trockenfisch — darüber geht ihnen keine Kost. Nach Europa kommt von dieser duftenden Ware nichts. Auch der Portugiese in Westafrika verschmäht den Fisch, der hier gefangen wird. Er verlangt Stockfisch, Baccalao, von den Neufundland-Bänken, und er weiß ihn mit vielen Beigaben so delikat zuzubereiten, daß man sagen kann: Stockfisch^ ein kulinarisches Gedicht!
Hier in Lobito haben wir als Deutsche Grund,
Glücksklee.
Don £. von preger.
Durch die blumigen Wiesen schritten sie Hand in Hand, die blonde Ziska mit dem Wuschelkopf und den blauen Christkindlesaugen und der etwas wuchtige Schustersepp in der Krachledernen, das verschossene Hüll mit dem Gamsbart ins Genick geschoben. Sie schlenkerten die Hände, mit denen sie sich gefaßt hielten, ein wenig hin und her, hie und da aber, wenn sie an ein Kleefeld tarnen, blieben sie stehen und fahndeten eifrig nach einem glückbringenden Vierklee. Leider immer vergebens. Und doch hätten sie so notwendig ein bissel Glück- brauchen können, zum Heiraten nämlich, es langte halt nicht! Weiß der Kuckuck, wie's zuging! Der Sepp konnte sich noch nicht selbständig machen, und Ziskas Eltern hatten wohl ein nettes saubres Häusl in Grainau am Fuß der Zugspitze, aber die Fremden, die Sommers Logis nahmen und Geld ins Haus brachten, kamen eben bloß über die Ferienwochen! Und auch da, regnete es, verloren sie allzu schnell die Geduld, zogen schiefe Gesichter, packten übelgelaunt die Koffer, die Bergstöcke, mit denen sie so unternehmend marschiert waren, und die frischgenagelten Bergstiefel und reiften zurück in die Stadt. Wenn die Saison schlecht war, fiel nicht viel ab, beim Vermieten!
Nur wenig Einzelgänger gab es, die tapfer aushielten, auch wenn die Berge sich mit Nebelschleiern bedeckt hatten. Solche Einzelgängerin war auch ich. Getreulich kam ich seit vielen Sommern in das kleine, mir schon seit der Kindheit vertraute Bauern- dörfchen-» das ich lieben gelernt hatte, lange bevor die Zugspitzbahn den großen Fremdenstrom dorthin gxlenkt.
So liegt auch der Tag, von dem ich eben zu erzählen begann, Jahre zurück, jener heller Sommertag, an dem ich hinter der blonden Ziska und ihrem Schatz herpendelte, in diskreter Entfernung, immer wieder stehen bleibend, wenn sie ihrerseits bei den Kleefeldern Halt machten. Ich holte das Pärchen nicht eher ein, bis die ersten Scheunen von Grainau sich zeigten. Von da an schritten wir gemeinsam die Dorfstraße entlang, durch den Ort hindurch, an dem hochgelegenen Kirchlein vorbei, das da oben auf dem Hügel Wache hielt bei den Gräbern der Dorfbewohner und — ach leider! — auch so vieler junger Menschenkinder, die ihre Begeisterung für die Berge mit dem Leben bezahlt hatten. Dann führte der Weg an manch einer hübschen Privatvilla vorbei in wenigen Minuten nach Untergrainau, und man war „dahoam"! Die
Ziska gab dem Sepp vor der Gartentür noch rasch ein Busserl und trat dann zur Mutter in die Küche. „Bist endlich da?" frug die Mutter gutmütig und mich gewahrend, setzte sie eifrig hinzu: „Einen Brief haderns, Frau Lutz! Vom Ausland!! Der Postbote hat g’fagt, es sind französische Marken drauf! Ich hab ihn aufs Nachtkaftel gelegt." „Dank schön!" sagte ich und kletterte nun ziemlich rasch die schmalen Stiegen empor, die zu meinem Zimmer führten.
Ja, der Brief war aus dem Ausland. Aus Paris sogar. Und er enthielt die Bitte einer meinem Herzen nahestehenden Freundin, die sich auf eigene Füße gestellt und dort eine internationale Fremben- pension aufgemacht hatte, ein einst gegebenes Versprechen einzulösen und ihrem Unternehmen meine Sprachkenntnisse und Kräfte zur Verfügung zu stellen.
Also abreisen! Den Dust dieser Wiesen, den Glanz dieser Sonne, den Anblick dieser herrlichen Berge hinter mir lassen. Hinein jetzt in die ratternden Züge, in ein fremdes Land, unter fremde Menschen, in den Trubel einer Weltstadt! Aber es half nichts. Und gerade an einem Tag, der so voll Sonne, so voll Duft und Vogelsang war, daß mir beim Scheiden schier das Herz brechen wollte, schob der Schustersepp meinen Koffer auf feinem Karren zur Station, und die Ziska, mit einigen kleineren Gepäckstücken beloben, trabte trüben Sinns neben uns her.
„Jetzt werden's wohl lange nimmer kommen?" frug sie niedergeschlagen. „Ich fürcht es auch, Ziskerl!" gab ich seufzendzu. „Weißt du, wenn man einmal dort ist--ich kenns ja! Aber schreiben
werd ich euch und ihr mir? Besonders ob ihr vier- blättrige Kleeblätter gefunden haktz! Gelt?"
„Jawohl!" versprach der Sepp. Und die Ziska fügte hinzu: „Ein ganz extra schönes muß es sein, wenn es Glück bringen soll, frisch und saftig!" „Wie ihr zwei!" lachte ich. Dann mußten mir laufen, denn auch der Zug lief ein. Ich gab dem Mädel einen herzhaften Kuß und dem Buam meine Rechte, die er vorsichtig drückte. Die Stadtleute sind doch so zimperlich! Und jetzt hieß es einsteigen. Der Sepp reichte mir den Koffer durchs Wagenfenster und schwenkte sein Hütl. „Vergelts Gott fiir alles!" rief die Ziska, noch neben dem anfahrenden Zug herlaufend. „Und auf Wiedersehen, auf Wiedersehen!"
Ach, damit sollte es leider lange dauern! Jahre! Sie gingen dahin, nein, sie flogen! Es war mir nicht vergönnt, so schnell wie ich gehofft hatte, die weite Reise von der Seine an den grünen Badersee zu machen. Ich trippelte, mit den Wölfen heulend, auf hohen Absätzen über die Boulevards, hatte eine gepuderte Nase und machte höfliche
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der, nun blitzen ringsum die Sensen. Hinter den Maschinen und den Mähern kommen- die Frauen und Mädchen und raffen mit emsigen Händen die Schwaden auf. Sie werden auf die Seile gelegt, der Bauer bindet sie zu Garben und stellt sie auf. Am Abend stehen sie in Reih und Glied. Müde von ihrer Arbeit ziehen die Schnitter Tag für Tag heimwärts in ihr Dorf.
Ja, der Bauer muß in diesen Tagen oft den Rücken beugen, muß schwer und ausdauernd arbeiten. Da gilt es, jede Minute des hellen, sonnigen Tages auszunutzen. Das geht vom frühen Morgen bis spät in die Nacht hinein. Das Essen nehmen die Schnitter mit, ober sie lassen es sich von ben Kinbern ins Felb -bringen. Alle im Haus bis zum ältesten Großvater müssen an bie Arbeit. Auch bie Kinder können hinter Vater und Mutter hergehen und die Aehren lesen. Unentwegt und tapfer
Redensarten. Und wenn ich im (Brünen war, denn Grün gibt es ja gottlob dort auch, und hatte Lust, Milch zu trinken, so mußte ich eben „du lait“ verlangen, statt sagen zu dürfen: „Ziska, habt's mir a Milli?"
Ach, wie oft flogen meine Gedanken, nein, mein ganzes Herz heimwehbeladen nach dem schönen grünen Fleckchen Erde zu Füßen dieser steilen Felswände! •
Von dort waren anfangs häufig Briefe gekommen. Etwas ungelenk geschrieben, aber erfreulichen Inhalts. Eine Tante war gestorben und hatte ihrer Nichte einige Ersparnisse vermacht. Darauf waren die Ziska und der Sepp fchleunigst zum Bürgermeister und zum Pfarrer gegangen, und es hatte eine sehr schöne Hochzeit gegeben. Ich hatte mich mächtig gefreut! Und da ich nicht gut aus Paris ein Hochzeitsgeschenk senden konnte, hatte ich Münchner Freunde beauftragt, dem jungen Paar einige extra schöne Bettbezüge zu übersenden.
Hernach aber trat eine längere Pause ein in unserem Briefwechsel. Mag sein, daß mancher Gruß verloren ging, mag sein, daß das Interesse gegenseitig nachließ im Wechsel der Zeiten, Aber es erreichte mich doch einmal ein Briefchen des Inhalts, daß der Vater gestorben sei, dafür aber Familienzuwachs eingetroffen sei, daß bie Geschäfte gingen, baß man bas Häusl habe aufstocken können, baß bie Zugspitzbahn entftanben war. Später aber kam kein Bericht mehr, unb ich oerftanb vollauf, baß ber Sepp, ber sich längst felbftänbig gemacht hatte, ebensowenig Zeit hatte, um Briese zu schreiben, wie bie junge Hausfrau unb Mutter.
Mit einem Male war bie Zeit ba, in ber es schwer fiel, Geld ins Auslanb hinaus zu bekommen. Zugleich auch war ich ehrlich auslanbsmübe! Es zog mich mit aller Gewalt nach ber Heimat, in der ja nun ein frischer Wind wehte. Da kam ich voller Erwartung zurück. Unb kurzerhanb schrieb ich an bie junge Frau in Untergrainau einen Brief, baß ich schnurgerabe vom Eifelturm zu ihnen hinauskäme unb frug, ob mein Zimmerchen frei fei. Ich schloß mit ben Worten: „Hoffentlich habt ihr bas vierblättrige Kleeblatt inzwischen gefunben!"
Umgehenb kam bie Antwort. Ich sollte nur kommen. Das Bett sei schon bezogen! Unb bas oierblättrige Kleeblatt sei auch ba, frisch unb saftig!
Nun weiß Gott! Damit hatte bie Ziska bie lautere Wahrheit gesprochen. Dor bem Haus ftanb es aufmarschiert bei meiner Ankunft, ber Sepp, bie Resi, ber Thomas und das Micherl! Frisch waren sie und saftig, zum Anbeißen.
Mein besonderer Liebling ist das Micherl geworden. Er will Schullehrer werden unb ist bereits sehr ftreng mit einem.
ein Kinb, welches in ber Schule etwas lernen soll, bars keinen leeren Magen mitbringen, fonbern muß noch ein Stück Brot in seiner Tasche haben. Der Fortschritt bes Lanbwirtes lindert hingegen die Not ! unb bie Sorgen der Menschen und macht sie emp- ' findungsfähig für das Gute und Schöne, was Kuysi I und Wissenschaft erwerben, er gibt unseren anderen | Fortschritten erst den Boden und den rechten' I Segen." •
Bedarf es ba noch eines weiteren Hinweises, wennf . ein Mann wie Liebig, bem bie ganze Welt den ungeheueren Aufschwung der chemischen Entwicklung verdankt, bereits vor mehr als sieben Jahrzehnten solche Worte über die Bebeutung ber Lanbwirtschaft schreibt?
Bekannter ist noch bie Sage von ber Frau Hütt, bie ihrem Diener befahl, ihr schmutziges Kinb mit weichen Brosamen zu reinigen. Kaum hatte biefer angefangen, so zog ein schweres Gewitter baher, bas ben Himmel ganz zubeckte, unb ein entsetzlicher
schafft die Jugenb mit. Für sie gibt es ein Zauberwort: Kirmes! Denn nach getaner Arbeit folgt das dörfliche Fest, wie jedes Jahr. Die Jugend läßt sich bas nicht nehmen. Unb alle Hitze unb oller Staub werben vergessen sein, wenn bie Musikanten zum Tanze aufspielen.
Unb wenn bie Frucht geschnitten ist, wenn ber Winb über bie Stoppeln weht, kommen Kinder unb lesen die Aehren, denn es soll ja nichts umkommen. Jedes Korn ist wertvoll, nichts darf verlorengehen von der Gottesgabe. Wertmäßig schätzen kann man nicht, was auf diese Art gesammelt wirb. Auf dem Lande aber weiß man es, denn mancher kinderreicher Hausvater, der selbst keine Aecker besitzt, kann schon eine schöne Zeit bie Dreschmaschine laufen lassen, um all bie Aehrenbündel seiner fleißigen Kinder auszudreschen.
Im Grunbe genommen steckt auch im Aehrenlesen bie Ehrfurcht vor dem Brot, ber alte Volksglaube, baß mgn bas (Betreibe unb das Brot wie etwas Heiliges verehren soll.
In bem Märchen „Die Kornähre" (Brüber Grimm) wirb erzählt, wie eine Frau ihr Kind, bas in eine Pfütze gefallen war, mit Kornähren reinigte. Darüber war (Bott so erzürnt, daß er sprach: „Dvn nun an soll der Kornhalm keine Aehre mehr tragen. Die Menschen sind bie himmlische (Babe nicht wert." Erst als die Menschen auf bie Knie fielen unb baten, erbarmte sich ber Herr unb gewährte die Bitte, aber ber Halm trägt jetzt nur noch eine Aehre, während er vorher von unten bis oben mit Körnern besetzt war.
Erntezeit.
Wenn mir das Wort Ernte hören, benken wir an bie golbgelben (Betreibefelber, die von ber Sonne überflutet vor uns liegen. Wir ernten auch Obst, Kartoffeln, Weintrauben ufw., aber bie eigentliche Erntezeit ist doch die, in ber unser täglich Brot ein» gefahren wird. Das ist kein Zufall, benn der Getreideschnitt ist die wichtigste Arbeit des Bauern. Es ist wohl die schwerste, aber auch die schönste Zeit für ihn. Ein Erntetag reiht sich an den andern.
Erntezeit, reiche Zeit! Wenn wir durch die hohen Aehrenfelder gehen und die vollen Aehren durch
r Die Kriminalpolizei Ihatje der Wischen To mr. ttags ein Sittlichkeit Ausgetreten. Der Täter 225 bis 30 Jahre alt, H langes, schwarzes, zur, | schmales, längliches 0 I trug einen braunen K i Streifen, graue Slrüir 16r hatte ein Fahrrad, Hem Rahmen, brauner Ifich. Nach der Tat । itynifen. Sachdienlich tSriminalpolijei Gieß,
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unsere Hände gleiten lassen, denken wir an schöne Gedicht von Martin Greif:
Es ist, als spürten alle ber Sichel Schnitt.
Die Blumen und fremden Halme erzittern mit.
Nun fahren bie Maschinen hinaus auf die
uns besonders befriedigt zu fühlen. Die Stadt liegt auf der Sandzunge zwischen dem Ozean und ber Bay, einem ber besten Häfen der Welt. Don Lobito geht eine mit englischem Kapital gebaute Eisenbahnlinie bis in den belgischen Kongo, unb für die von dort erwarteten Erzfrachten ließ die portugiesische Regierung durch eine deuffche Firma, Grün & Bilfinger in Mannheim, einen modernen Pier, mit Beton- und Eisenkonstruktion, bauen. Südlich vom Kongo bietet er die vollkommenste oller vorhandenen Ladegelegenheiten. Auch die Kräne auf dem Pier von Lobito laben Fische, Fische, Fische! Diese Ladung und ihr Duft werden uns begleiten, bis wir die brave „Carnia" unb ihren famosen Kapitän in Duala verlassen werben.
Oie naiionalpoüüsche Bedeutung der Landwirtschaft
Jjon Dr. Rudolf Schreiber, Gießen.
Die nationalsozialistische Staatsführung hat mit größtem Nachbruck bie rasche Gesundung der Landwirtschaft in Deutschland durchgeführt, aus der klaren Erkenntnis, daß nur ein gesunder Bauernstand die Grundlagen eines gesunden Volkes waren und bleiben werden. Durch bie vor 5 Jahren erfolgten Ernennung bes bamaligen Reichsleiters des Amtes ür Agrarpolitik, R. W. Darre zum Reichsminister ür Ernährung und Landwirtschaft trat eine grundsätzliche Aenberung in der deutschen Agrarpolitik ein, dessen oberstes Gesetz, die Rettung des Bauerntums und die Sicherstellung der Ernährung des deutschen Volkes ist. „Blut und Boden" sind das hohe Lied der Befreiung der Landwirtschaft. Alle Bestrebungen in dieser Richtung müssen auch ber städtischen Bevölkerung klarlegen, welche ungeheuere Verantwortung der deutschen Landwirtschaft zukommt.
Kein Geringerer, als der größte deutsche Chemiker, der berühmte Professor der Chemie an ber Universität Gießen, Iustus von Liebig, hat biese Erkenntnis bereits vor 75 Jahren niebergelegt Liebig schreibt in seinem Werke: „Die Chemie in ihrer An
wendung auf Agrikultur und Physiologie": „Beobach, tung unb Nachdenken sind die Grundbedingungen alles Fortschrittes in der Naturerkenntnis und es bietet der Feldbau in dieser Beziehung eine Fülle von Entdeckungen dar. Welch ein Gefühl des Glückes und ber Befriebigung muß in ber Tat bie Seele des Mannes durchdringen, dem es gelungen ist, ohne Vermehrung feiner Arbeit ober feines Kapitals burch bie oerftänbige unb geschickte Benutzung feiner ge- nauen Bekanntschaft mit ben Eigentümlichkeiten feines Feldes, demselben dauernd ein Korn mehr ab« zugewinnen, benn ein solcher Erfolg hat nicht bloß für ihn, fonbern für alle Menschen den höchsten Wert. Wie unbedeutend unb klein erscheint boch alles, was wir schaffen unb entdecken, gegen das gehalten, was der Landwirt erzielen kann. Alle unsere Fortschritte in Kunst und Wissenschaft vermeh. ren nicht die Bedingungen der Existenz der Menschen, und wenn auch ein kleiner Bruchteil ber menschlichen Gesellschaft dadurch an geistigen unb materiellen Lebensgenüssen gewinnt, so bleibt die Summe bes Elenbes in ber großen Masse die nämliche. Ein Hungernder geht nicht in die Kirche, unb
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Donner schlug ein. Als es mieber aufgehellt hatte, I Elchen sttze„ ' ™ ' — V in der ersten frei
„Du laßt mi alleweil in Kuahbreck einitappen!" ^befehl Mit beili, rügt es schon bei unferm ersten gemeinsamen Spaziergang, als ich es an ber Hanb führte unb ein wenig in Gebauten war. O Himmel, wie schämte ich mich! Unb ich hatte noch eben geb acht, wie wunbervoll es hier nach Erbe, nach Tier unb Heu duftete! Ich hatte all dies so lange entbehrt. „Micherl", lachte ich deshalb nach dem ersten Schreck, „weiß't was ich dir wünsche?" „Naa!" machte der kleine Bub. „Ich wünsch dir, daß du dein ganzes Leben lang nie in etwas Aergeres einitappst!"
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I «ruf. Im Nebenberuf ! Aschule in Z. Wie f Mnb kann zwei Hem
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Hochschulnachrichten.
Wie wir von unterrichteter Seite erfahren, ist ber ehemalige Ordinarius der romanischen Philologie w ber Universität (Breifsroalb Dr. Ebmund Sten' g el, von dessen 70jährigem Doktorjubiläum mir bt* richteten, schon im Jahre 1935 in Marburg gestorben. Er war einer ber letzten Schüler bes berühmten Ra« maniften Friebrich Diez in Bonn. Diez war geborener Gießener unb ist hier auch 1821 zum Doktor promoviert worben. Wenig später wurde er bann an ber neugegrünbeten Universität in Bonn Lektor ber romanischen Sprachen. Hunbert Jahre sind es her, baß Friebrich Diez ben zweiten Band seiner bahnbrechenden Grammatik ber romanischen Sprachen veröffentlichte, ein Werk, bas bie Wissen« schäft ber romanischen Philologie begrünbet hat. An seinem väterlichen Haus in der Neuen Bäue erinnert eine Gedenktafel an den berühmten Gelehrten. In den Nachrichten der Gießener Hochschulgesellschasi hat Professor Dr. Glaser auf diese Jahrhunderterin' nerung an Friebrich Diez aufmerksam gemacht.
Professor Dr. Heinrich P u ch n e r , ber ehemalige ordentliche Professor ber Technischen Hochschule München, ist im 74. Lebensjahre gestorben. Er wurde 1890 Assistent an ber Technischen Hochschule in München unb 1894 Dozent für bie landwirtschaftlichen Facher an ber Akabernie in Weihenstephan, wo er 1900 zum Professor ernannt würbe.
Oberregierungs-Mebizinalrat unb Generaloberarzt ä. D. Professor Dr. med. Ernst Graf, ber an der Medizinischen Akabernie in Düsselborf gewirkt hatte, i ist bort im Alter von 69 Jahren gestorben. Nach ärzt* licher Tätigkeit in Berlin, Marburg unb Köln trat er 1898 in ben aktiven Militärbienst ein unb wurde 19m als Stabsarzt mit Vorlesungen an der Medizinischen Akademie in Düsseldorf betraut. Sein HauptarbeuS' gebiet war die Chirurgie.
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