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Jtr.176 Zweites Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesien)

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linferenl!

Vereint

Schläfen mit den Lippen.

die

des

Als kleinen

Oie Heldenprobe.

Von Otto Hofmann-Wellenhof.

Veröffentlichung stets im Auge behalten werden muffe. Ich konnte dem Fürsten eine Notiz in Er­innerung bringen, die er einst am Rande eines Telegramms gemacht hatte, das ein deutscher Ver­treter über den Tod des Präsidenten von Guatemala

es nicht.

Ein Heben ihrer linken Augenbraue ließ Geheim­räte verstummen. Ein Wink ihrer ach so schlanken Hand türmte Mauern auf, die unübersteiglich waren. Runzelte sie in Unmut die Stirn, so war es, als ob sich gewitterschwangere Wolken über dem Bade ballten. §n Hoheit und ein unbeschreibbares, diskretes Parfüm gehüllt schritt sie dahin. Unnah­bar. Sternenfern. Mie Göttin der Hochsaison.

Schritt dähin bis zum 15. ds. An diesem Tage nämlich das Datum ist verläßlich, er hat es selbst mit Rotstift im Taschenkalender angemerkt erschien Johann Maier. Einfach Johann Maier. Rund, rosig, strotzend vor Unternehmungsgeist, Tatenlust und Optimismus. Kam, sah und handelte.

Zunächst stellte er fest, was alle festgestellt hatten: Blond, schlank, elegant usw. Prima-prima konsta­tierte er. Alles ff. Tadellos assortierte Person! Dann begann Johann Maier, Strickwaren im Großen, unverzüglich den Angriff auf ganzer Linie vorzu- tragen. Er dachte gar nicht daran, die kostbare Zeit (volle Pension je Tag 8 Mark einschl. aller Ab­gaben) mit der Abfassung von Sonetten zu ver­geuden.

Die Göttin der Saison hob zunächst die linke Augenbraue, dann die rechte, dann beide zugleich auf der Stirn tobten die Gewitter, und die ach so schlanken Hände türmten Mauern auf, aber nicht für Johann Maier. Fester schien er gepanzert als

Bismarck war nicht wie sein gleich ihm unvergeß­licher Nebenmann, der alte Feldmarschall Moltke, derstill im reinen Aether unpersönlicher Betrach­tung kreisende Aar". Er war eine Löwennatur, er stand auf der Erde im Staube seines Kampfes, er hat bis zuletzt nicht aufgehört, mit Leidenschaft zu kämpfen, für sein Ziel, das erst Preußen, das dann Deutschland hieß. Den Garten der alten Plahmann- schen Erziehungsanstalt in der südlichen Wilhelm- straße in Berlin hat er späterdie Geburtsstätte seiner Luftschlösser" genannt. Er sollte die ganze Welt umgestalten, als er nach einem Menschenalter in die nördliche Wilhelmstraße zurückkehrte und die bis dahin größte Epoche der deutschen Geschichte mit eisernem Griffel zu schreiben begann. Zuerst errich­tete er den Bau eines starken Preußens, dann schuf er auf dem Fundament des preußischen Staates das neue Deutsche Reich, und als es stand, sicherte er ihm und der Welt in einer Mäßigung und Selbstbe­schränkung, die an Größe der Energie der Kampf­zeit gleichkam, den Frieden. Er hat, um mit Fichte zu reden, das deutsche Volkaus dem Gröbsten herausgehauen". Er hat, um mit seinen eigenen Worten zu reden, das deutsche Volkin den Sattel gehoben", was keinem vor ihm geglückt war.

Und er wurde zugleich der Ausgangspunkt und Bahnbrecher einer neuen Zeit für das deutsche Volk. Er hat sein Volk gelehrt, daß nicht persönlicher Augenblickswille, nicht populäre Augenblicksströ­mung, nicht graue Theorie, sondern immer nur das wirkliche und dauernde Interesse der Volksgemein­schaft, diesalus publica das öffentliche Wohl

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Bismarck als Hausvater.

Zum 40. Todestag des Reichskanzlers am 30. Juli

Von Gerhard Schake.

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sie zum erstenmal auf der Promenade Kurortes in den Salzburger Bergen erschien,

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die Richtschnur einer vernünftigen und sittlich be­rechtigten Politik sein darf; daß es in der Politik darauf ankommt, in jedem Augenblick die Grenzen des Erreichbaren deutlich zu erkennen, an die Er­reichung des zu Nutz und Frommen des Vaterlandes Erreichbaren dann aber auch alles zu setzen. Er gab seinem Volke das Beispiel, nie zu verzagen, auch in schwierigsten und verworrensten Zeiten nicht; er lehrte es, sich selbst treu zu bleiben; er gab ihm Selbstbewußtsein, Unternehmungsgeist und nationa­les Leben; in ihm konnte sich, wie in einem Spiegel, die Nation selbst erkennen, er war vor allem ein Deutscher im vollsten Sinne des Wortes, er ist nur auf deutschem Boden denkbar, nur für den Deutschen ganz verständlich. Darum gehört er, als nationales Eigentum der ganzen deutschen Nation.

Aber, so schreibt sein Biograph Erich Marcks: Auch auf das Zeitalter als ganzes, außerhalb der eigenen Nation, hat er unermeßlich eingewirkt; unter allen Deutschen des 19. Jahrhunderts ist Fürst Bis­marck der persönlich gewaltigste, in Tagen und Wir­kungen mächtigste, mit dem entscheidenden Neuen, das dieses von seinem langen Leben durchspannte Jahrhundert erfüllt hat, am sichtbarsten und allseitig­sten verbundene gewesen; soweit das Menschenalter von 1850 und 1860 bis 1890 nach einem zu benen­nen ist, kann es nur seinen Namen tragen." Es gilt noch heute das Wort, mit dem ein geistreicher Mann einst die Summe von Bismarcks Dasein zog:Er wurde geboren in Preußen, er starb in Deutschland, er wurde betrauert in der Welt!"

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; Ier wurde das lebendige Gewissen seines 7 i Volkes, der große Mahner und Warner im hntergrunde des Geschehens, dessen Dasein allein bei Menschen seines Volkes Ruhe gab und Zuver- so lange er lebte.

Sein Stern hatte sich helleuchtend am Firmament erhoben, als Napoleons Gestirn zur Rüste ging. Der Bube, der am 1. April 1815, während der letzten hindert Tage Bonapartes zwischen Elba und St. He­lma, zu Schönhausen in der Altmark geboren wurde, sollte berufen sein, am dritten Napoleon für das, tns der erste an Deutschland gesündigt hatte, Ver­gütung zu üben. Als der Greis achtzig Jahre später, an Abend seines Lebens, die Aeußerung tat, er sei sknem Herrgott dafür dankbar, daß er es ihm ver­gönnt habe, seinen Namen dauernd in die Rinde der Datschen Eiche einzufchneiden, da gab es im ganzen Katschen Volke niemanden, der nicht gefühlt und ge- Mßt hätte, daß die Erdenspur des Eisernen Kanz- leis nicht ausgelöscht, daß die Bewunderung und Dankbarkeit für ihn nicht aufhören werde, solange |i;eh deutsches Herz schlagen, ein deutscher Mund reden »I wirde. Und dieses Bewußtsein ist unferm Volke ge­blieben.

Bismarcks Gestatt.

Von Johannes Moeller.

Ein tiefer Schatten legte sich über den Sommer b?s Jahres 1898, als plötzlich Und viel zu früh, am 3). Juki die Kunde ins Land ging und über die tzrenzen Deutschlands hinaus:Bismarck t ft jo t!" Eine seltsame Starrheit bemächtigte sich der Delt; es gab wohl keinen, der nicht empfand, daß er einen großen Augenblick durchlebte, und selbst in b*n Menschen anderer Nationen entstand das Be- pußtsein, daß ein großer Mann, der über sein eige-

habe."Er hatte den Mund halb geöffnet", schreibt Raschdau,wendete die Tabakspfeife schnell zur Seite, ließ die mächtigen Augen nach mir hinüber- schießen und stieß nur das eine Wort hervor: Handlanger"." Er könne unbesorgt sein, wandte ich ein, von diesen Vorgängen würde sich nichts verbergen lassen... Der Fürst versenkte sich in neue Zeitungen.Der Kaiser will mich zum Geburtstag besuchen (so war in Berliner Blättern zu lesen). Ich könnte ihn ja jetzt nur in meinem Stuhl emp­fangen ..."Herbert Botschafter in Petersburg? Die Blätter rechnen ihm bereits die 150 000 Mark Ge­halt vor. Ich weiß nicht, was Herbert machen würde und glaube nicht, daß er annimmt; jedenfalls würde ich ihm nicht zureden."

Das Gespräch wandte sich nunmehr der Charak­teristik einzelner Politiker und politischen Fragen zu. Der Fürst äußerte sich nicht sehr günstig über Keudell, während er freundliche Worte über Ben­nigsen (den nationalliberalen Parteiführer) fand; er hätte gern mit ihm zusammen gearbeitet, obwohl der alte Kaiser nur schwer zu gewinnen gewesen wäre. Bennigsen hätte indessen seinen Eintritt in die Regierung von der gleichzeitigen Aufnahme mehrerer Parteifreunde abhängig gemacht, und diese erst bei jedem größeren Unternehmen über­reden zu müssen, die Arbeit hätte er sich nicht zugetraut. Bei der Erwähnung des Namens Karl Schurz sprach Bismarck von dem Gegensatz von praktischer und philosophischer Logik, er habe sich nie zu den Meistern unsererWeisheitslehre" hin­gezogen gefühlt; Schopenhauer sei er während seines Frankfurter Aufenthaltes aus dem Wege gegangen. Mit starker Abneigung sprach der Fürst von dem Feldmarschall Manteuffel, dem früheren Statthalter der Reichslande, dessen Bild er plötzlich in einem Zeitungsblatt fand. Als von den deutsch­russischen Beziehungen gesprochen wurde und Rasch­dau bemerkte, wie schwer eine Politik sei, die den Bund mit Oesterreich aufrecht erhalten und gleich­zeitig ein freundschaftliches Verhältnis mit Ruß­land schaffen wolle, entgegnete der Fürst, die Auf­gabe müsse es sein, die Interessensphären der beiden Mächte möglichst abzugrenzen und Rußland an diesen Zustand zu gewöhnen.

,Der Kanzler hatte gehört", erzählt Raschdau noch, ,Haß das Auswärtige Amt jetzt für feine Erlasse an die Vertreter im Ausland den kost­spieligen Telegraphen in ungleich stärkerem Maße benutze, als je zuvor. Ich konnte es ihm bestätigen. Er bemerkte, das habe einmal den Nachteil,, daß chiffrierte Telegrame auf die Länge immer gefähr­det feien, und dann, daß der Verfasfer auf bie

Letzter Besuch bei Bismarck.

Gesandter Ludwig Raschdau, der letzte noch lebende Mitarbeiter des Fürsten Bismarck, möffentlicht zum 40. Todestage des Reichskanzlers im letzten Heft der von August Bach heraus- lejehcnenBerliner Monatshefte" eine Lügebucheintragung vom 9. März 1898, in der er leinen letzten Besuch beim Fürsten schil- tot. Er hatte auf telegraphische Ar-srage von Ham- hirg aus eine Einladung für den 8. März nach Fmedrichsruh zu Tisch erhalten.Ich fand den Ersten", erzählt Raschdau,im Rollstuhl sitzend, iler anscheinend sehr munter, er redete mich m iemer beinahe schmeichelnden Art an, meine Rechte Iriger in feiner warmen Hand haltend und mich nut feiner leisen Stimme begrüßend: ich sähe so ll^hl aus, wo ich mich jetzt niedergelassen? Als io anbeuten wollte, daß ich jetzt außer amtlicher Zitigfeit fei, fiel er ein:Oh ja, ich weiß wohl liier wo denken Sie sich zu konzentrieren?" Er bat Ach, feiner Tochter den Arm zu bieten:die einzige 5 au im Hause". Er sagte es in einem Tone der die Bemerkung ausschloß. Ich nahm bei Tisch an jener Seite Platz.

Als ich mich freute, wie er mit Appetit dem baye- ridjen Bier zusprach, sagte er: -Na, jedem Men- Iten ist ja fein Quantum fürs Leben zugewiesen; KOOO Flaschen Sekt und 100 000 Zigarren, die j- I)t&e ich wohl geleistet; jawohl, echte Hammna- 8garren, mitunter vierzehn des Tages^ In Frank- "t zünhete ich mir wohl früh des Morgens vor ton Spazierritt das Kraut an und rauchte bis il-nds durch." Ich kam auf die Anekdote zu spre- hrn, wonach er bei Königgrätz im schlimmsten L genblick Moltke seine Ziyarrentasche angeboten tooe. Bismarck bestätigte den Fall. Zuerst habe ,9bltte abgelehnt, aber er habe darauf gedrungen: )cs mache auf die Soldaten einen guten Eindruck. , »Noltke wählte darauf von zwei Zigarren die Ikssere, was mir ein gutes Zeichen schien. 2115 tf auf Grund der Friedjungfchen Darstellung an- kitete, daß der Ausgang von Königgrätz doch auch len wesentlich anderer gewesen wäre, wenn der 6:oonprin3 erst später am Nachmittag oder am üchsten Tage eingegriffen hätte, bemerkte der Fürst: Xs mag sein, ich weiß nicht, jedenfalls schossen irs manche störenden Gedanken durchs Hirn, als ft um und Festeties unseren linken Flügel so hart drängten."

Als Raschdau von den Akten des Krieges 1870 iri) der sich.bis auf die Einzelheiten erstreckenden j| Tätigkeit des Fürsten sprach und meinte, die Akten 5$n sich wie der erste Akt eines Dramas, man P-Lte sie einmal mit photographischer Treue ver--

!m 30. Juli jährt sich der Tag, an dem der Reichs- :nzler Fürst Otto von Bismarck in Friedrichsruh die ugen schloß, zum 40. Male. (Scherl-Bilderd.-M.)

is Volk hinaus der Geschichte der Menschheit an­hörte, das Ziel seines irdischen Daseins erreicht fte.

Es ist das Eigentümliche in der Gestalt Bismarcks, dcß er, dessen Werk, dieStaatskunst", sich nicht an dls Gemüt wendet, es erreicht hat, daß seine Per- ftnlichkeit keinem Zeitgenossen gleichgültig war; er hlt entweder Liebe geerntet oder Haß. Das Geheim- riö der Größe, die den Menschen Trauer einflößt, ynn sie von dieser Welt scheidet, hat unter den (Staatsmännern der Zeit Bismarcks keinen umgeben, »cht Metternich, nicht Gortschakoff, nicht Salisbury, ncht Gambetta, nicht Cavour. Gleich manchem (Staatsmann der Geschichte hatte auch er lange vor

Ich kann in Wahrheit sagen, daß ich ein deutscher Bauer bin. Vor fünfzig oder sechzig Jahren erwarb ich in Schönhausen einen Bauernhof und mußte daher auch im juristischen Sinne als Bauer betrachtet werden. Politisch und wirtschaftlich habe ich immer auf dem Standpunkt gestanden, daß der Bauernstand geschützt werden müsse, ich habe stets als Bauer empfunden." Mit diesen Wor­ten beginnt Bismarck als Achtzigjähriger einen Trintspruch. Als Bauer, Gutsherr, Jäger und Haus­vater- was zu sein er nicht für seine schlechtesten Eigenschaften hielt hat er ebenso Ehren und Erfolge eingeheimst wie als Gesandter und Minister.

Allein die drei großen Besitzungen bildeten einen Pflichtenkreis bemerkenswerten Ausmaßes: das Gut Schönhausen, auf dem er gehören und aus­gewachsen wgr, hatte zwei Herrenhäuser. Außer Landwirtschaft und Viehzucht wurde dort eine kleine Pulverfabrik betrieben. Die Gräfin Bismarck schrieb einmal einem Freunde:Schönhausen wird Ihnen gefallen es ist solch eigentümliches Haus, wie ein Märchen aus alten Zeiten, und man merkt ihm die sechshundert Jahre, in denen es ehrwürdig dasteht, schwer an." K n i e p h o s war nicht lange in seinem Besitz, und Varzin in Pommern dem wohl alle Hiebe des reisenden und gereiften Mannes galt kam durch eine Schenkung des Königs in seinen Besitz. Das Herrenhaus war frei­lich ein kastenförmiger, unschöner Zweckbau, der Boden war karg und bedurfte aller liebenden Sorg­falt, aber 36 000 Morgen herrlicher alter Wald machen alles wett. Hier in Varzin zieht Bismarcks Frau ihre Rosen, hier wird ein großer Garten gehegt und betreut. Zu dem Varziner Besitz gehören ein Dampfsägewerk und die Behrendschen Papier- fahrifen. Auf allen Gütern gibt es Ziegeleien, in Varzin sogar zwei, von denen aber nur eine Ziege­lei verkauft, denn meist ist der Gutsherr Selbst­abnehmer.Es kommt gerade die Butter heraus", seufzt er über den Ziegeleiabrechnungen. Stolz ge­steht er:Uebrigens bin ich.auch Kalkbrenner. In Varzin verarbeite ich einen Kalk, den ich aus meinen Wiesen gewinne, ein mit Muscheln und

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öffentlichen, warf der Fürst ein:Das wird man I Form erfahrungsgemäß geringere Sorgfalt lege als wohl jetzt bleiben lasten, oben will man ja ben | bei per schriftlichen Notenform, wo eine wörtliche Eindruck erwecken, daß der Großvater alles gemacht <w""

Mergelknollen durchsetztes Material." Einige Vor­werke und kleinere Nebenbetriebe sind verpachtet.

Friedrichsruh, der Alterssitz im Sachsen­walde, das zweite große Geschenk der Nation, war früher ein Hotel; noch lange findet man an einigert Türen die porzellanenen Zimmernummern.Hier sind 20 000 englische Acre, aber nur ein Fünftel in landwirtschaftlicher Kultur, der Rest ist Waldung, die mich mehr kostet als sie einbringt", schreibt der neue Hausherr bald nach seinem Einzüge. Hier habe ich keine Gärten, nicht einmal am Hause, nichts als Wald und Wasser. Dies ist alles in allem ein einfacher, altmodischer Aufenthalt." Ein umfangreicher Besitz, der nicht viel Gewinn einträgt, der Muhen und Sorgen mit sich bringt. Die schwan­kenden Getreidepreise, die Pachterträge, der Holz­schlag, die Jagdgerechte, die Fischereibetriebe, man­cherlei kleine und kostspielige Versuchsanlagen, das alles verschlingt neben der ^Betreuung von Haus und Gesinde, Vieh und Garten, den Fabriken und Mühlen, Zeit und Geld und Nerven, denn Bismarck macht sich's nicht leicht.Ich hänge sehr an dem Alten und Gewohnten. Wenn ein Haus auf meinen Besitzungen baufällig wird, lasse ich es nicht gleich wegreißen, sondern baue lieber ein neues daneben. Auch mit meinen Angestellten und meiner Diener­schaft geht es mir ähnlich. Ich trenne mich sehr schwer von meinen Leuten und nehme lieber allerlei Unzuträglichkeiten, oft sehr üble, mit in Kauf, als daß ich wechsle und mich an neue Gesichter ge­wöhne."

Längst hat er erkannt, daß ihm die Natur und das Schaffen und Wirken in der Natur notwendig ist, um die amtlichen Bürden und die politischen Gegnerschaften und Anfeindungen erträg­lich zu machen.Varzin ist so reizend, grün, hübsch und still, daß man gesund werden müßte", erzählt Johanna von Bismarck in einem Briefe. Bereits beim Einzug in Varzin sorgt er sich um jede Kleinigkeit, geht tagelang durch Haus und Ställe, durch den weitangelegten Garten, erwägt und plant und schreibt der Frau manchen ausführlichen Brief voller Einzelheiten. Es geht ihm dabei nicht nur um

gesandt hatte:ich bin nicht neugierig und brauche Telegramme nur bann, -wenn sich in bereu Folge etwas tun läßt, was bester früher als später ge­schieht". Der Fürst lobte mein Gedächtnis." Beim Abschied gab der Fürst Raschdau Grüße an den Ostmarkenverein mit und nahm den Kopf des Gastes zwischen seine weichen Hände und berührte

ileinem Tode die Macht verloren, aus der seine etwas Vermög ^-"ße gewachsen war, und dennoch war er gebliL- ildiger Heirat bm, der er gewesen war, ja er wurde noch mehr:

drehten sich selbst die besterzogenen Manner nach ihr um. Blond war sie, schlank und elegant. Und die Augen! Der Teint! Soll man noch von ihrer Figur sprechen? Alle liebten sie; sie aber bemerkte

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das eigene Wohl, er sorgt genau so für seine Leute. Einem Varziner Pächter ermäßigt er die Pacht um die Hälfte, für die Erntearbeiter bestellt er Kaffee und organisiert für die Gutsarbeiter einen ver­billigten Sammelkauf von allerlei Hausrat. Und wenn er auch rechnen muß und für die Frau und deren Freunde der Billigkeit halber größere Men­gen Tee ober anderes schickt, dann geniert er sich keineswegs, ihr dort, wo es angebracht erscheint zu raten:Du mußt aber das Porto zuschlagen, wenn du ihn weitergibt!"

Das Leben im engeren Kreise, mit der Familie und unter Freunden/spielt sich in ländlicher Behag­lichkeit ab. Er selber erscheint formlos bei Tische, meist kommt er vom Spaziergang in seiner ge­wohnten Kleidung, im blanken Regenrock, mit hohen Schmierstiefeln, Jagdmütze und großem Stock, be­grüßt Familie und Gäste, plaudert lebhaft, und von einezn solchen Frühstück berichtet ein Freund:

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Es bestand aus warmer und kalter Küche. Auf der Mitte des Tisches stand eine Schüssel mit einer grauweißlichen mit Grün durchsetztest Masse. Das ist Fluhm! Sie wissen nicht, was Fluhm ist? Dann wissen Sie überhaupt nicht, was gut tft. Es ist Pommersches Gänsefett, zerrieben mit feinen Kräutern durchsetzt, wohlschmeckend und bekömm­lich. Der Fürst ißt von jedem Gang mit dem Appsttt eines gesunden Landbewohners, und es ist ein Vergnügen, zu sehen, wie es ihm schmeckt. Man muß wirklich einen guten Magen haben, um bei Tisch mit dem Fürsten gleichen Schritt halten zu können." Warmem Fleisch zog er damals kaltes Wild vor, es war Hasenbraten. Ungeniert schnitt er von seinem Teil ein gutes Stück heraus und legte es dem Gaste auf den Teller:Sa ein pom- merscher Hase ist dach ein ganz anderes Tier und schmeckt ganz anders wie ein holsteinischer!"

An schönen Sommerabenden sitzt man vor dem Hause oder spaziert im Garten auf und ab, und mitten zwischen ernsthaft abwägenden Worten über politische Fragen erfreut er sich am Abendgesang der Stare.Es sind ihrer erst fünf, und es müssen sieben sein. Der Anführer kommt zuletzt, und er setzt sich regelmäßig auf den höchsten dürren Zweig dann bekomme ich mein Abendständchen."

Die Frühstückstafel ist allezeit reich befetzt, da gibt es Spickaal, Kalbsfüße, Königsberger Klops mit Kartoffeln, kaltes Fleisch, Wurst und Käse, es fehlt nicht an Bier, Portwein, Sekt, altem Nordhäuser Korn. Und stundenlang kann der Herr des Hauses bei Kaffee, Kognak und Zigarren Über Dinge reden, die er in der Oeffentlichkeit wohlweislich verschweigt. Wie zärttich und weise kann er einen Trinkspruch auf Johanna ausbringen:Die Frau ist des Man­nes Mutter, auch des Mannes Schicksal. Lassen Sie mich heute diesem meinem guten Schicksal danken. Was ich bin, hat meine Frau aus mir ge­macht!" Johanna verwöhnt nicht nur den Haus­vater, sie verhätschelt auch des Mannes gute Freunde. So weiß sich mancher Gast zu erinnern, daß er, spät nachts auf sein Zimmer kommend, auf dem Nachttisch eine Flasche alten Portweins vorfcmd, von dem er vor langer Zeit einmal an­dächtig und des Lobes voll getrunken hat. Und wenn es zum Diner Suppe, Elbsalm von zwanzig Pfund, Spargel, Rehrücken, Eierkuchen, Salat, Kompott, Käse-und Obst gibt, so fühlt jeder Gast: hier wird nicht gepraßt und geschlemmt, weil es das bej Landjunkern liebliche ist, sondern: hier ißt und ttinkt ungewöhnlich viel ein Mensch, der auch ungewöhnlich viel leistet.

Wenn das Mahl vorüber ist und der Gutsherr mit Verwaltern, Viehdoktoren, Förstern, Gärtnern, Händlern und Handwerkern stundenlang berät und sich ausspricht, wenn er ihre Sorgen geduldig an­

in allen seinen bisher im Großen erzeugten Strick­waren. Rund, rosig, strotzend von Optimismus, Tatenlust und Unternehmungsgeist nahm er alle diese Abwehrmaßnahmen einfach nicht wahr. Wäh­rend Jünglinge seufzten und silbrige Greise ge­bauten; unb leidschwer sich über die Stirne strichen, lächelte Johann Maier nur.

Acht Tage waren um (64 Mark notierte I. Maier), als sich wie bas berühmte Lauffeuer im Kurort die Kunde verbreitete, S i e mache mit diesem Maier in seinem klapprigen Auto einen Ausflug.

Bei Kilometer 23 sagte I. Maier:Nett, daß Sie mitfahren!"

Bei Kilometer 30:Gut sehen Sie aus."

Und endlich bei Kilometer 38:Ich liebe Sie!"

Beide schwiegen. Felder. Wälder. Rauschenbe Bäche. Immer höher kletterte ber Wagen die Paß­straße empor. Enblich, es war so um Kilometer 42, sprach eine Stimme neben Maier wie zu sich selbst: Ich könnte nur einen Mann lieben, der ein Held ist. Nur einen Helden..."

Auf der Paßhöhe wendeten sie unb fuhren roieber zurück. Immer rascher rollte ber Wagen. Auf der Höhe des 42. Kilometers in beträchtlichem Tempo raste bas Vehikel talab schrie Maier vergnügt: Sie haben Glück, Beste. Bei ben Bremsen stimmt was nicht. Jetzt können Sie an mir nicht nur ben Helben, sonbern auch ben dazugehörigen Helbentod erleben." Unb er pfiff lustig vor sich hist...

Der Wagen raste. Der' Wagen flog. In den Kurven lag er beinahe nur mehr auf zwei Rädern. Längst war das spöttisch-überlegene Lächeln von den Lippen der Götttn gewichen. Jetzt mußten sie stürzen! Jetzt kam das Ende! Da eine Kurve sie schlug die Hände vors Gesicht und barg ihr Haupt an I. Maiers männlich^breiter Watteschulter.

Na also", meinte da Johann Maier befriedigt und setzte behutsam die Bremsen in Tätigkeit. Sie funktionierten tadellos.

Oie Narrenkappe.

Entgegenkommend.

Bei einer Gesellschaft führte Bismarck einst die Gattin des französischen Botschafters zu Tisch. Im Anfang herrschte die übliche Förmlichkeit zwi­schen ihnen. Während, des Essens wurde die Dame aber so entzückt von Bismarck, daß sie immer zu­traulicher gegen ihn wurde. Hatte sie ihn anfangs nochExzellenz" angeredet, so sagte sie späterHerr von Bismarck", und schließlich hieß es nur noch mein lieber Bismarck". Das schien Bismarck viel­leicht doch etwas zu viel, und plötzlich sagte er: Gnädige Frau, falls Sie es nicht wissen sollten, mein Vorname ist Otto." B«