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ltt.75 Erstes Blatt

188, Jahrgang

Mittwoch, 30. März 1938

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Sietzener Anzeiger

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^eichsmmister Dr. Goebbels im befreiten Wien.

Oer Eroberer Berlins spricht in einer gewaltigen Kundgebung.-Sein glühendes Bekenntnis zum Führer und fein Huf zum großen deutschen Volksappett am 10. April finden begeisterten Widerhall bei den Mafien.

Begeisterter Empfang.

Triumphfahrt durch ein Spalier der Schaffenden Oesterreichs.

Wien, 29. Mürz. (DNB.) Dom Glanz der strah­lenden Märzsonne überflutet bietet der Flug­platz Slfperai ein farbenprächtiges Bild. Hier herrscht schon seit Mittag ein lebhaftes Treiben. Als die Maschine auf dem Rollfeld hält, verläßt Reichsminister Dr. G o e b b e l s als erster das Flug­zeug. Stürmischer Jubel ist der erste Gruß der Wiener an den Eroberer Berlins. Während dem Minister stürmische Heilrufe entgegenbrausen, setzt sich die Wagenkolonne zur Fahrt in die Stadt in Bewegung. Nur mühsam konnte sich der Wagen des Ministers auf der 15 Kilometer langen Strecke den Weg bahnen, da die spalierbildenden Massen überall auf die Fahrbahn drängten, um Dr. Goeb­bels, der im Wagen stehend immer wieder für die­sen begeisterten Empfang dankte, die Hand zu drücken besonders eindrucksvoll war das Bild

gerade auch in den fast ausschließlich von Werk­tätigen bewohnten Stadtvierteln. Männer mit von Entbehrung gezeichneten Gesichtern, Frauen, denen man die Tage der Not ansehen konnte, hielten noch immer die Hand erhoben, auch als die Wagen­kolonne schon lange vorüber war. Hier haben Tage genügt, um einen neuen Glauben zu empfinden. Davon zeugen an jedem Haus, ja fast an jedem Fenster Flaggen und Fähnchen in den Farben des großen Deutschen Reiches. Alle die Zehntausende, die sich spontan eingefunden haben, um den Er­oberer Berlins zu empfangen, den Mann, der aus seiner Kampfzeit heraus mit Großstadtnot und -elend vertraut ist, grüßten in ihm einen engsten Mitarbeiter und Sendboten des Führers. Am Schwarzenberg-Platz wird Reichsminister Dr. Goebbels von dem Reichsstatthalter in Oester­reich Dr. Seyß-Jnquart empfangen. Reichs­minister Dr. Goebbels schreitet unter dem Jubel der vieltausendköpfigen Menge die Front der Ehren- stürme ab und begibt sich darauf in das HotelIm­perial".

Dr. Goebbels dankt der Men Garde Wiens.

Gegen 18 Uhr trat Reichsminister Dr. Goebbels die Fahrt zum Rathaus an, wo die Stadt Wien zu Ehren des Gastes im festlichen Rahmen einen Empfang gab. Auf allen Ringstraßen be­gleitete den Minister auch hier wieder der nur schwer zu beschreibende Jubelsturm der Wiener Be­völkerung, die vom ersten bis zum letzten Meter ein undurchdringliches Spalier bildete und in wienerischer Herzlichkeit den alten Mitkämp­fer des Führers ihre Liebe, ihren Dank und ihre Treue zum Ausdruck brachte. Auf dem weiten Vor­platz des stolzen gotischen Rathausbaues empfingen gleichfalls Zehntausende Dr. Göbbels mit lang- anhaltenden Heil-Rufen.

3m Hof und an den Aufgängen hatten die ältesten nationalsozialistischen Kämpfer Wiens Aufstellung genommen, unter ihnen auch etwa 50 Wann der Wiener sogenanntenKanalbrigade", jener hervor­ragenden aktivistischen illegalen Formation, die im Kampf gegen rotes Verbrechertum, vor allem auch bei den Putschereignifsen der Jahre 1937 und 1934 unter schwierigsten Verhältnissen ihren Wann stand und mit gläubigem Wut im besten Sinne des Wortesdie Fahne hoch ge­halten" hat. Immer wieder zog Dr. Goebbels die alten Kämpfer ins Gespräch, druckte ihnen die Hände und forderte sie spontan auf, ihm als seine Kameraden und Gäste in den Saal zu folgen, als Ehrengäste des Empfanges. Fer­ner hat Reichsminisier Dr. Goebbels die alten Kämpfer Wiens für den 8. April zu einem Kameradschaftsabend in Wien einge­laden. lief beeindruckt von den unsagbaren Höfen und Leiden, von denen diese tapferen Kämpfer in kurzen, aber inhaltschweren Ge­sprächen Kunde gaben, stellte Dr. Goebbels für die alten Kämpfer der österreichischen Hauptstadt als ein Zeichen seines von Herzen kommenden Dankes die Summe von 50 000 Wart zur Verfügung.

Im Festsaal selbst hatten sich inzwischen die füh­renden Männer der Stadt Wien, des Staates, der Partei und der Wehrmacht zur Begrüßung ein­gefunden. Durch ihre Reihen gehend, hieß der Mi­nister auch den greifen Sieger von Flitsch-Tolmein,

General Krauß, willkommen. Nachdem noch ge­raume Zeit lang die treuen Kämpfer für die Sache Adolf Hitlers in Oesterreichs Gauen und in Wien Gelegenheit bekommen hatten, Worte der Erinne­rung an gemeinsam durchgestandene schwere Kampf­jahre mit Dr. Goebbels auszutauschen, nahm der Bürgermeister von Wien, Neubacher, während sich die Empfangsteilnehmer von ihren Plätzen erho­ben, das Wort zu einer Begrüßungsansprache, auf die Reichsminister Dr. Goebbels erwiderte: Ich brauche Ihnen allen nicht zu sagen, welch ein be­wegendes Gefühl es für mich ist, am heutigen Abend in Ihrem Kreise zu weilen. Biele bekannte Gesichter sehe ich unter Ihnen auftauchen, viele Männer und Frauen, die ich in den vergangenen Jahren hier und da im Reich getroffen habe. Ost und oft standen sie damals mit weinenden Augen vor mir und fragten mich, wann denn nun auch für sie die Stunde der Erlösung kommen werde. Ich habe ihnen damals keinen Zeitpunkt angeben kön­nen, ich habe immer nur sagen können: Sie Stunde kommt! Daß sie nun da ist, das er­scheint uns allen nun wie ein Märchen. Das hätten wir vor einigen Tagen noch für utopisch und für sehr unwahrscheinlich gehalten. Heute ist es wunder­barste Wirklichkeit! Ich habe heute mit vieler Freude die Hände vieler alter Kameraden gedrückt, und ich habe auf ihren Gesichtern all die Not, die vielen Entbehrungen und die harten Drangsale ihrer lan­gen Kerkerhaft gelesen. Aber ich habe aus ihren Augen auch widerstrahlen sehen das Licht einer neugewonnenen Freiheit, die über diesem Land und über dieser Stadt nun aufgegangen ist. I ch glaube stürmische Zustimmung bekräftigt das es gibt heute in der ganzen Welt keine glück­licheren Menschen als die Oesterreicher!

Daß dieses Glück aber auch zum Glück eines ganzen Volkes werde und daß es sich nicht in Proklamationen und Demonstrationen erschöpfe, sondern umgesetzt werde in reale Taten, das ist unsere Aufgabe in den kommenden Wo­chen und Monaten und wohl auch Jahren. Es be­darf einer harten, nimmermüden und zähen Arbeit. Ich bin der festen Ueverzeugung, daß die vielen Parteigenossen, die die Jähre des Kerkers über­wunden haben, sich nun mit gleicher Begeisterung und innerer Anteilnahme dem Werk des Aufbaues und der Wiedereingliederung Oesterreichs in das Reich widmen werden.

Leidenschastliches Bekenntnis znm Wer.

Tausende im Banne der Rede des Reichspropagandaministers.

Die erste Kundgebung mit Dr. Goebbels auf österreichischem Boden feit sechs Jahren! Die erste Rede des großen Künders der nationalsozialistischen Idee im befreiten Wien! Das ist ein historisches Ereignis. Das ist ein Erlebnis, das in feiner Größe und der Stärke feines Eindruckes an jene Tage erinnert, da der Führer selbst in Wien weilte, da ganz Wien von einem einzigen großen Begeisterungstaumel erfaßt war. Die geroaltige Halle des Nordwe ft bahn Hofs, die so lange sinnlos leergeftanben hat und als Lokomotivfriedhof Zeuge wirtschaftlichen Zerfalls Altösterreichs unter der Systemregierung war, ist dem sinnvollsten Zweck zugeführt, den es heute für diesen Riesenbau geben kann: Kundgebungshalle des Nationalsozialismus zu sein, die Scharen der Menschen aufzunehmen, die denDoktor" spre­chen hören wollen.

In langen Zügen eilen sie aus den Betrieben herbei, die soeben Feierabend gemacht haben, aus allen Stadtteilen ziehen sie heran. Wer nur irgend kann, möchte mit dabei fein, möchte den Mann hören, dessen flammende Reden immer wieder alle Herzen für-die Idee des Führers begeistern, diese Reden, denen sie in der Verbotszeit so oft heim­lich am Rundfunk gelauscht haben, hinter verschlaf-.

fenen Türen und bei verhängten Fenstern. Der Andrang der Massen zu der Kundgebung war so gewaltig, daß die Riefenhalle schon eine volle Stunde vor Beginn der Versammlung gesperrt werden mußte. Und doch strömten immer noch die Menschenmengen auf allen Zugangsstraßen herbei. 20 000 Volksgenossen sind in der überfüllten Halle. 300 000 marschieren an diesem Abend und besetzen die Zufahrtsstraßen. Viele Tausende konnten auch hier keinen Platz finden. Der Rundfunk hatte in­zwischen alle Besitzer von Apparaten aufgefordert, ihre Lautsprecher an die Fenster zu stellen, um so den Massen Gelegenheit zu geben, die Rede mit­hören zu können. Die Rundfunkgeschäfte hatten ebenfalls Großlautsprecher angebracht die meisten Gaststätten übertrugen die Rede. So erlebte ganz Wien und über den Rundfunk ganz Oester­reich die Stunde.

Kurz vor 8 Uhr brausen in der Ferne die Be­geisterungsrufe der Massen auf, die den Doktor auf seiner Fahrt zur Kundgebungshalle begrüßen. Der Jubel greift auf die Menschenmenge in der Kundgebunashalle über. Alle springen von ihren Plätzen auf.Sieg-Heil! Goebbels!" so braust es durch den weiten Raum. Dr. Goebbels dankt noch allen Seiten für die begeisterte Begrüßung.

Zwei BDM.-Mädel überreichen chm einen Blumen­strauß. Der Doktor dankt ihnen, sichtlich freubig bewegt.

^-Gruppenführer Reichsstatthalter Dr. Seyß- I n q u a r t tritt, freudig begrüßt, zum Rednerpult. Brausender Jubel klingt auf, als er an den Kampf erinnert, den Dr. Goebbels in Berlin gewonnen hat. Aber dieser Jubel geht in dem Augenblick in glühende Begeisterungsstürme über, als Dr. Goebbels selbst an das Rednerpult tritt. Minutenlang kann er nicht mit Sprechen beginnen. Minutenlang jubeln die Menschenmassen von neuemSieg-Heil!" undHeil Dr. Goebbels!". Alle sind von den Plätzen auf­gesprungen. Jeder hebt die Hand zum Gruß der Deutschen. Alle grüßen in nicht endender Begeiste­rung den Mann, der stets einer der Besten und Treuesten des Führers gewesen ift Endlich ist es möglich, Ruhe zu schaffen. Sodann nimmt Dr. Goebbels das Wort:

Dr. Goebbels spricht.

Meine deutschen Volksgenossen und Volks- genofsinnen!

Es ist nun fast sechs Jahre her, daß ich das letzte Mal in Wien sprach. Ich kam damals aus diesem Reiche, in dem wir Nationalsozialisten soeben in die Endphase des Kampfes um die Macht eingetreten waren. Wir Nationalsozialisten nährten die Hoff­nung, daß, wenn der große politische Umbruch im alten Reich sich vollziehen sollte, Oesterreich mit in den Strudel der Ereignisse hineingezogen werden könnte. Diese Hoff­nung hat uns damals betrogen. Ich kam in eine Stadt, die, wenigstens in ihrem äußeren Bilde, ihren deutschen Charakter läng st ver­loren hatte und die damals tonangebende Wiener Judenprefse überschüttete mich bei Ankunft und Ab­schied mit wahren Kübeln von Schmutz, Lüge und Verleumdung. (Stürmische Enlrüstungs- und Pfui- Rufe.) Das war im September 1932! Und dann be­gann der große Machtkampf im Reiche selbst. Es kam ein 30. Januar 1933; wie unter einem frischen Frühlingshauch sank nun ein altes und morsches System dahin, und siegreich flieg über den Zinnen des Reiches die Fahne der jungen Bewe­gung Adolf Hitlers auf. (Sieg-Heil-Rufe und Beifall wechseln in der Erinnerung an die großen Tage im Reiche miteinander <6.)

Es wäre dem deutschen Volk im Reich und insbesondere im deutschen Oesterreich mancher Leidensweg erspart geblieben, wenn es uns da­

mals gelungen wäre, Oesterreich mit in den revolutionären Ausbruch des alten Reiches hin­einzuziehen. Das wäre auch gelungen, wenn sich hier in Oesterreich der Volksbewegung des Na­tionalsozialismus nicht jene kleinen Wachtctiquen entgegengestellt hätten, die gar nichts mit dem Volke zu tun hatten, sondern nur den Ehrgeiz besaßen, Tyrannen des Volkes zu sein. (Stürmische Bewegung geht bei diesen Dorten durch die weite halle.)

Es war denn auch allzu verständlich, daß Oester­reich von diesem Augenblick an das Lieblings- k i nd der internationalen Weltdemo- fratie wurde. Es war das jene Weltdemokratie, die jetzt etwa ihr menschliches Herz entdeckte, die­selbe, die uns die Diktate von Versailles und St. Germain und damit den schimpflichsten und schändlichsten Friedensvertrag aufgezwungen hatte, den die Weltgeschichte kennt. (Minutenlange Pfui- Rufe.) Das war dieselbe internationale Weltdemo­kratie, die stets von Freiheit und Selbstbestim- mungsrecht der Völker faselt, in der Praxis aber kein Mittel unversucht läßt, um wehrlose Völker zu unterdrücken, zu unterjochen und unter die Gewalt internationaler Mächte zu zwingen. Wir kennen diese heuchlerischen Menschlichkeitsapostel!

Diese Weltdemokratie, die nun ihr Herz für das souveräne, selbständige Oesterreich entdeckte, die uns als Diktatoren beschimpft und verleumdet, sie begann nun, gewisse Eintagsfliegen des politischen Lebens in Oesterreich zu wahren Weltgrößen emporzuloben. (Verständnisvolle Heiterkeit.) Männer, deren Format bestenfalls zu Handlungsreifenden ausreichte, wur­den zu Errettern erkoren (stürmisches Gelächter), zu Staatsmännern, auf deren tiefe Weisheiten die Welt horchte, wenn sie dem Gehege ihrer Zähne entflohen. Das Volk aber, das sich gegen die Tyrannen auflehnte, wurde zum Friedensbrecher erklärt.

Dabei hat dieses Volk niemals den Frieden ge­brochen, sondern nur feine vollkommene Verständ­nislosigkeit einem System gegenüber bekundet, in dem immer von Frieden geredet wurde und Mil­lionen Menschen den härtesten Strafen und brutal­ster Tyrannei unterworfen waren. Eine kleine Clique von Legittmisten war zur Stimme des Volkes er­hoben, hochgeborene Nichtstuer, von der internatio­nalen Welt legitimiert, im Namen Oesterreichs zu sprechen, ließen sich von bezahlten Bürgermeistern Ehrenbürgerbriefe ausstellen.

Die nationalsozialistische Äee eroberte im Sturm das ganze Volk.

Aber so leicht läßt ein Volk im 20. Jahrhun­dert der technischen Errungenschaften, des Autos, des Flugzeuges und des Rundfunks nicht ein frevelhaftes Spiel mit sich treiben. Man kann zwischen Menschen Barrieren und Schranken errichten Ideen aber sind zollfrei! And die Ideen sprangen über diese von Menschen auf­gerichteten Barrieren hinweg und eroberten in einem Sturmwind das herz des ganzen Volkes. Dieviel Kämpfer find damals in die Gefäng­nisse gewandert, wieviel sind aus Arbeit und Brot verjagt worden? Wieviele wurden pein­lichen Verhören und quälenden Marterungen unterworfen? (Brausende Rufe der Empörung.) wenn unter solchen Drangsalen eine Idee lebendig bleibt und eine Fahne nicht eingezogen wird, dann kann man wohl sagen: Es handelt sich um ein Ideal, das die Kraft besitzt, eine weit zu erschüttern! Es gab daher für uns Nationalsozialisten keinen Zweifel darüber, ob wir, sondern nur, wann wir dieses Land dem Reiche wieder zurückgewinnen könnten! (Die Massen springen auf, und taktmähig donnern minutenlangSieg-Heil!"-Rufe durch die Halle.)

Alle wußten das, nur nicht die, die es anging. (Ju­belndes Gelächter.) Sie verschlossen eigensinnig und boshaft ihre Augen vor der unabwendbaren Dyna­mik und Entwicklung, die ihr Gesetz in sich selbst trug. Wenn eine Revolution einmal die Herzen der Menschen ergreift und entzündet, wenn Millionen sich in Marsch setzen und entschlossen sind, für die Ideale der Revolution alles an Leid und Entbeh­rung zu ertragen, dann wird keine materielle Macht, kein Staatsapparat und keine Polizeibürokratie den Siegeszug dieser Idee aufhalten können. Man kann auch ihre Ideale nicht durch Taschenspielkunststücke hemmen. Das können nur Menschen glauben, die selbst keine Ideale besitzen, die das.Volk nicht kennen!

Denn ein Volk bekehrt sich zwar sehr schwer zu neuen Idealen, aber wenn es einmal davon ersaßt ist, dann bleibt es auch dabei. Noch nie­mals hat das Volk versagt, versagt haben immer nur die Führungen. Hier zeigte es sich, daß das Volk besser war als seine Regierung, besser war an Einsicht, besser an Mut, besser an Entschlossenheit und besser an Charakter. (Stürmischer Beifall.)

I Denn das ist das Kennzeichen aller volksfremden I Diktaturen: sie sind mutig und tapfer, solange sie die Macht besitzen. Nimmt man ihnen die Macht, dann knicken sie zusammen, dann werden sie weich in den Knien und empfehlen sich auf französisch. (Lebhafte Heiterkeit und stürmischer Beifall.)

Herr Schuschnigg hat zwar den Mut, eine Wahl anzusetzen, aber nicht eine Wahl, wie sie erwartet werden konnte, sondern eine, bei der das Ergebnis schon vorweggenommen war. Er kannte fein Volk drei Tage vor der Wahl so genau, daß er wußte, was das Volk bei der Wahl prozentual für ihn an Stimmen abgeben würde. (Stürmische Heiterkeit.) Diese Wahl war nach demo­kratischen Gesichtspunkten eine wahre Farce. Das hinderte selbstverständlich die internationale demokratische Weltpresse nicht, diese Wahl als Be­weis höchster Demokratie anzusprechen. (Erneute Heiterkeit.) Man konnte bei dieser Wahl nicht Nein" sagen, sondern nurJa" sagen.

WerNein" sagen wollte, mußte sich selbst einen Zettel mitbringen. (Brausender Beifall und Ge­lächter.) Er mußte aber genau fo groß fein wie derjenige, auf demJa" stand, und zwar war das millimetermeife angegeben und vorgeschrieben. In den Wahlvorständen faßen nur gefinnungstreue Oberbonzen derVaterländischen Front", und da diese von dem System lebten, zu etwas anderem reichte ihre Intelligenz nicht aus, lag es natürlich in ihrem primitivsten Interesse, mindestens so viele Wahlstimmen zu beschaffen, daß das System er­halten blieb. Die Rechnung schien sehr einfach und die internationale Weltpresse klatschte diesem Be­trug begeistert Applaus. (Stürmische Pfuirufe.)

Dieser polittschen Infamie gegenüber gab es für das Volk gar kein anderes Argument, als nur Gewalt gegen Gewalt. Das aber wunderte Herrn Schuschnigg. Herr Schuschmgg hatte sich wahrscheinlich vorgestellt, daß der Führer nur redete, aber nicht handelte, daß große Redner aber schlechte Feldherrn, meinte er, sein müßten, (hier braust das Lachen der Zuhörer durch den Raum.) Er sagte sich mit Fasner aus demSiegfried":Ich lieg' und besitz, laßt mich schlafen!" Und in diesen Schlaf dröhnte dann plötzlich um mich im Jargon der schon zitterten Weltpresse auszudrücken dröhnte dann derKommiß st ief et des