Ausgabe 
29.12.1938
 
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Nr. 304 Erstes Blatt

188. Zahrgang

Donnerstag, 29. Dezember 1938

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Die Einheit der deutschen Kultur.

Don Johannes Jacobi.

Die weltbeweaenden Ereignisse im März und Ok­tober des abgelaufenen Jahres haben auch den.' Horizont der deutschen Kultur weiter hm- ausgerückt. Durch die Heimkehr der Ostmark und des deutschen Sudetenlandes ins Reich sind ja nicht nur zwei politische Bastionen neu be­setzt worden. Diese alten Reichsgebiete sind von je­her teils Zentrum, teils Ausstrahlungsgebiete deut­scher Kultur gewesen. Es bezeichnet keineswegs nur machtpolitische oder strategische Tatsache, wenn z. B. Napoleon die Herrschaft am Rhein und in Böhmen fest in die Hand zu bekommen strebte, da nach seiner Ansicht der Besitzer dieser Reichsteile Deutschland in der Zange hält. In Böhmen und wie wir aus kulturellen Gründen hinzufügen können an der Donau ist Deutschlands Schicksal einmal geschmiedet worden, hier lagen zugleich Zentren des deut­schen Geistes, der, ähnlich wie vom Rheinland aus, sein Netz allmählich über Norden ynb Osten spannte.

Die Rückkehr dieser'Stätten in den von Bis­marck gefügten und von Adolf Hitler umge­schmolzenen Reichsverband war auch in kulturpoliti­scher Beziehung die entscheidende Tatsache des Jah­res 1938. Mit diesem Sieg der volksdeutschen Idee über staatlich-dynastischen Partikularismus und eine volksfremde machtpolitische europäische Kräftekom­bination hat nicht nur das schicksalhafte Zusammen­gehörigkeitsbewußtsein aller Deutschen in ihrer gan­zen erdräumlichen Verteilungsbreite einen neuen Auftrieb erfahren. Auch die Doppelpoligkeit des deutschen Wesens ist verstärkt in Erscheinung getre­ten. Die spannungsreiche Lage unseres Dolkskörpers im mitteleuropäischen Raum ist durch den Zuwachs an stammeseigenem Volkstum und neuen nachbar­lichen Grenzeinflüssen fühlbar betont roortfen. Das snorrige Menschentum des Sudetenlandes und der feinnervige Volksschlag Oesterreichs bringen eine Ge­schichte und deren kulturellen Niederschlag mit, deren bodenständige Sonderart gleichwohl ein wesentlicher Bestandteil gesamtdeutschen Kulturgeistes ist. Im Altreich ist diese Gemeinsamkeit stets empfunden und die staatliche Grenze abgelehnt worden, die den einheitlichen Volkskörper auseinanderschnitt. Es be­durfte einer künstlichen Konstruktion, die sich aber selbst das Urteil sprach, um durch die Behauptung einesösterreichischen Menschen" auch seine getrennte politische Existenz zu begründen. Doch der gemein­same deutsche Kulturgei st hat diesen fre­velhaften Versuch einer Geschichtsfälschung Lügen gestraft. Denn wie zwischen zwei Polen sind die Kräfte des Nordens und des Südens stets über die im Geistigen nicht vorhandene Grenze hinauf- und hinuntergeströmt und haben das Spannungsfeld einer gesamtdeutschen Kultur geschaffen. Man braucht nur an die Namen der Musiker, an Haydn und Mozart, an Schubert, Hugo Wolf und Bruckner zu erinnern, deren Werke von Anfang an als beste Kunst gesamtdeutschen Geistes empfun­den worden sind und in Nord und Süd gleicher­maßen verbreitet waren und geliebt wurden: man mag an die Anziehungskraft Wiens auf Beethoven, Brahms oder Hebbel denken, um die ideale Verschmelzungsfähigkeit nord- oder westdeutschen und ostmärkischen Geistes an Kunstschöpfungen zu ermessen, die ebenfalls in allen Teilen des Reiches und darüber hinaus in der Welt als deutsch schlecht­hin angesehen werden.

Nachdem diese im Kulturellen langst vorweg ge­nommene Einheit des deutschen Volksraums nun

Wettpolitik auf neuen Wegen.

Oie Ausländskorrespondenten des Gießener Anzeigers berichten über die weltpolitische Lage

zur Jahreswende 1938/39.

Gewogen und zu leicht befunden."

Die Genfer Liga an der Jahreswende.

hs. Genf, im Dezember 1938.

Wenn man die Rolle, die der Genfer Liga wäh­rend des weltpolitisch so besonders bedeutsamen Jah­res 1938 beschieden war, auf einen einfachen Nen­ner bringen will, so darf man sich mit folgender Feststellung begnügen: Sie wurde gewogen und zu leicht befunden! Die Bemühungen der internationalen Volksfrontler", eineantifaschisti­sche" Politik zu betreiben, d. h. praktisch zum Kriege zu Hetzen, waren zwar gerade in diesem Jahr, na­mentlich in der tschecho-stowakischen Frage und vor allem während der Septemberkrise, besonders hart­näckig. Aber die Münchener Einigung wurde zum größten Nackenschlag, der diese Leute, d. h. die Sowjetrussen, die Sowjetspanier, die unentwegten Tschechen, die linksradikalen Elemente der französi­schen und englischen Delegation und einen großen Teil der leitenden Beamten desständigen Sekreta­riats der Liga", jemals getroffen hat. Und gleich­zeitig mit der Ausschaltung der Sowjetunion aus der europäischen (und osta'siatischen) Politik wurde Ende September auch der Zusammenbruch der Genfer Liga sowie ihrer eigenartigen Eigenpolitik völlig unverkennbar:

Auf Grund entsprechender Winke aus London und Paris, aber auch aus dem einfachen Wunsche her­aus, seine Einrichtung und sich selbst zu retten, hat der Generalsekretär A v e n o l zunächst einmal seinem Kabinettschef, dem französischen Juden H o -

den, den Laufpaß gegeben, und wenn der gegen­wärtig tagende, eigens zu diesem Zweck eingesetzte Einsparungsausschuß" seine Arbeiten be­endet haben wird, dürften 50 bis 60 der etwa 170 höheren und hohen Beamten vor die Tür gesetzt sein! Der Einsparungsausschuß der in Frankreich geprägte Ausdruck von demKomitee mit der Hacke" wäre auch hier recht passend! hat inzwi­schen seinen Vorschlag eingereicht. Der Gesamthaus­halt, der auch den für die Internationale Arbeits­organisation und den Ständigen Internationalen Gerichtshof einschließt, soll für 1940 um minde­stens ein Fünftel gegenüber 1939 gekürzt wer­den. Der Haushalt 1939 verschlingt 32 134 012 Fran­ken!

Man wird allerdings gut tun, die weitere Ent­wicklung der Dinge in Genf abzuwarten, da immer­hin die Möglichkeit besteht, daß sich ein etwaiger Rückfall der französischen Innenpolitik nach links auch in Genf auswirken konnte. So oder so aber darf diegroße" politische Rolle der Genfer Liga, die in der letzten Zeit nichts anderes mehr war als eine Propagandamaschine, an der Jahreswende 1938/39 im wesentlichen als ausgefpielt gel­ten. Was übrig bleibt, sind die technischen Or- (janifationen, die sich ja zu ihrem Glück einiger­maßen aus der eigentlichen Politik herausgehalten haben: und wenn man in Genf, wie es vorläufig den Anschein hat, nun etwas vernünftiger zu wer­den beginnt, dann kann es unter Umständen fein, daß die Genfer Liga bestehen bleibt, wenn auch nur als zwangloser Treffpunkt für die Politiker und Diplomaten verschiedener Länder, weil die Viel­seitigkeit der Fühlungnahmen immerhin Rundblicke ermöglicht, wie sie in gleichem Ausmaße anderwärts kaum so leicht möglich sind.

Ungarn ans dem Wege

der nationalen nnd sozialen Erneuerung.

JM. Budapest, im Dezember 1938.

Das Jahr 1938 bedeutet einen wichtigen Mark­stein in der jüngsten Geschichte Ungarns. In diesem Jahr erfolgte nämlich durch die Rückgliederung des Oberlandes nicht nur eine erhebliche gebietsmäßige Vergrößerung, sondern auch in der innerpolitischen Struktur des Landes haben sich tiefgreifende Ver­änderungen angebahnt, die auf eine völlige Neugestaltung des künftigen Schicksals Un­garns hinzudeuten scheinen.

In innerpolitischer Hinsicht traten bereits im März durch den überwältigenden Wahlsieg des rechtsradikalen Kandidaten Hubay über die Kan­didaten der drei größten ungarischen Parteien die Bestrebungen unter den Massen des Volkes hervor, der ungarischen Innenpolitik eine entschieden völ­kisch-nationale und soziale Richtung zu geben. Der damalige Ministerpräsident Dara - nyi erkannte diese Strömungen klar und wurde sich bewußt, daß die Masse des Volkes nunmehr Taten von der Regierung erwarte und die rechts­nationalen Parolen, vor allem in Bezug auf die sozialen Probleme und die Judenfrage, ver­wirklicht sehen wollte. Daranyi stellte einen Fünf­jahresplan für den Wiederaufbau des Landes im Geiste seines großen Vorgängers Go mb äs auf, doch mußten fein Bestrebungen an dem Wider­stand des altkonfervativen Teiles feiner eigenen parlamentarischen Partei scheitern.

Auch der Nachfolger Daranvis, Adalbert von I m r e d y , der nicht nur im Ruf eines genialen Finanzfachmannes, sondern auch eines Politikers der starken Hand steht, stieß bei der'Durchführung feiner Reformbestrebungen auf den Widerstand des altkonfervativen Flügels der Regierungspartei, der schließlich in die Opposition überging. Die Regie­rung Jmredy ging jedoch, getragen von dem Ver­trauen des Reichsverwesers von Horthy, aus

diesem parlamentarischen Klärungsprozeß gestärkt hervor und erfreut sich heute der Sympathie der ganzen völkisch-national gesinnten öffentlichen Mei­nung.

Diese öffentliche Meinung bezweifelt indessen, daß das gegenwärtige Parlament noch den Aus­druck der wahren Volksmeinung bilde. Die Be­wegung der rechtsradikalen, sozial eingestellten Parteien, die immer mehr auf eine gemeinsame Plattform zustrebt, wächst von Tag zu Tag und beeinflußt in steigendem Maße die Regierungspolitik. Die große innerpolitische Frage für Ungarn lautet somit an der Jahreswende: Inwiefern kann Mi­nisterpräsident Jmredy mit dem gegenwärtigen Parlament die zeitgemäßen Reformen verwirk­lichen und eine rasche, aber reibungslose Erneue­rung des Landes in nationalem und sozialem Geist durchführen, oder wird sich Jmredy unter Um­ständen bereitfinden, . durch Neuwahlen die wirkliche Stimmung im Land festzustellen?

Die Außenpolitik Ungarns weist auch weiterhin eine feste Linienführung auf. Ungarn ist der Achse Berlin Rom treu geblieben und fand diese Treue in der Rückgliederung des Oberlandes belohnt. Die weiteren Zielsetzungen der ungarischen Außenpolitik werden sich auch im kommenden Jahr denen der Achse Berlin Rom, hauptsächlich der Politik der im Südostraum unmittelbar interessierten Großmacht Deutschland anpassen. Diese ungarischen Ziel­setzungen liegen nach der Befreiung der einen Million Ungarn des Oberlandes in erster Linie in der Richtung auf eine Erweiterung der schon erzielten Erfolge auf dem Gebiet des Selbst­bestimmungsrechts der ungarischen Volksgruppen in den Nachfolgestaa- t e n. Dabei denkt man vor allem an die fast zwei Millionen Ungarn, die in Rumänien leben.

Das nationale Spanien vor dem Endsieg.

Dr. W. Burgos, im Dezember 1938.

Die Materigischiacht gab den Kämpfen in Spa­nien ihr Gesicht. Unter dem Einsatz beachtlicher Materialmassen und sämtlicher Kerndioisionen schlu­gen die Roten in den letzten Tagen des Jahres 1937 gegen Teruel los. Die kleine nationale Besatzung, die die Bedeutung dieses Ortes als Aus­gangsstellung für den von Franco geplanten Vor­stoß gegen d i e Mittelmeerküste kannte, verteidigte den Ort heldenhaft und blieb zum größ­ten Teil auf dem Platze. Nach wenigen Tagen be­gann die nationale Gegenoffensive und schwoll zu einer erbitterten Materialschlacht an, die den Januar und Februar hindurch das in eine Trümmerstätte verwandelte Teruel umdonnerte. Die Nationalen wollten keinen Fuß breit eroberten Bodens den Roten lassen, diese aber mußten ihrer eigenen Ge­folgsleute und ihres internationalen Ansehens wegen den einmal errungenen Ueberrafchungssieg fest in den Händen zu halten suchen.

Teruel fiel Franco wieder zu, doch ließ er feinen Gegnern keine Zeit zum Atemholen. Wenige Tage später, noch in der ersten Märzhälfte, brach die große nationale Offensive nördlich von Teruel los. Der nejige. MHdegMM,

der Franco-Truppen ließ die militärische Abnutzung des Gegners durch dieMühle von Teruel" er­kennen. Die Grenzen Kataloniens wurden erreicht, und noch vor dem Osterfest vermochten die Navarra-Truppen ihre Fahnen nördlich von Castel- ion-de-la-Plana am Strand des Mittel­meeres aufzupftanzen. Rotspanien war in zwei Hälften zerschnitten. »

Während an der katalanischen Front Ruhe ein» trat, suchten die nationalen Truppen den eroberten Küstenstreifen stetig nach Süden zu erweitern. Castellon-de-la-Plana fiel, Rules wurde genommen, die Einnahme von Sagunto schien nur noch eine Frage von wenigen Tagen zu sein, und Valencia war unmittelbar bedroht. General Miaja, der bisherige Befehlshaber von Madrid, der nach dem Durchbruch der Franco-Truppen zum Mittelmeer zum Befehlshaber der roten Streitkräfte im nicht- katalanischen Teil Spaniens ernannt worden war, schuf, unterstützt von sowjetrussischen Technikern, in fieberhafter Arbeit ein tiefgestaffeltes Befestigungs- system, das sich in weitem Bogen um Valencia -og. Der nationale Angriff gegen diesen wichtigen rotspanischen Mittelmeerhafen Z "01^01 schlag des ftir Mtzdrid bestimmten jowjetrilssifchen Kriegs­

materials kam zeitweilig zum Stocken, aber nicht zum Erliegen.

Da überschritten zwölf katalanische Divisionen im Juli in einer stockdunklen Nacht den Ebro, sprengten die dünnen nationalen Postenketten auf dem linken Ufer auseinander und stießen mit moto­risierten Einheiten tief in das nationale Gebiet vor. Der Angriff vor Valencia kam zum Stehen. Die nationalen Flieger erschienen bereits am Mit­tag des folgenden Tages über dem Ebro und über­schütteten die von den Roten geschlagenen Schiffs­und Pontonbrücken mit einem verheerenden Bom­benhagel. Trotzdem vermochte die rote Heeresleitung am gleichen und an den folgenden Tagech/genügende Menschen- und Materialmengen nachzuziehen, um den nationalen Gegenstoß auffangen zu können. e Die Schlacht im Ebrobogen dauerte über vier Monate. Wie bet Teruel war sie für die Roten nicht eine strategische Notwendigkeit, sondern dies­mal für beide Teile ihres moralischen Ergebnisses wegen erforderlich. Die Roten mußten im Novem­ber über den Ebro zurück. Seitdem herrschte bis in die Weihnachtstage Ruhe an den spanischen Fronten. Beide Lager gruppierten ihre Streitkräfte um. Mit Aengstlichkeit blickte man auf roter Seite der neuen nationalen Offensive entgegen, die vor wenigen Tagen auf die durch den Hunger ge­schwächte moralische und physische Widerstandskraft der rotspanischen Bevölkerung traf.

So sehr aber auch die militärischen Ereignisse in Spanien im Vordergrund stehen, da von ihnen der Sieg abhängt, so bedeuten sie jedoch nur einen Ausschnitt aus dem gewaltigen Kampfe zweier Revolutionen, die heute miteinander ringen: der aufbauenden, neuschöpferischen und konstruktiven Revolution der Nationalen, und der zersetzenden und zerstörenden der Roten. Franco will nicht nur den Marxismus abwehren, er will ihn vernichten und anstelle des alten von Klassengegensätzen zer­rissenen - Spaniens ein neues, geeintes korporatives Spanien setzen. Italien und Deutschland dienen als Vorbild, doch will die Phalange, deren 26 Programmpunkte die Grund­lage des Aufbauwerks der Regierung abgeben, die deutschen und italienischen Einrichtungen nicht kopieren, sondern aus dem ^gleichen Geist geborene spanische an ihre Stelle setzen.

Hätten sowjetrussische Truppen, die durch kom­munistische Freiwillige aller Länder verstärkt wur­den, nicht gleich zu Beginn des Krieges gegen die nationale Freiheitsbewegung eingegriffen, dann wäre der brudermörderische Kampf auf der Pyre­näenhalbinsel schon längst entschieden. Nach den Beschlüssen der Londoner Nichteinmischungskonferenz vom Sommer dieses Jahres haben die ausländischen Kämpfer auf beiden Seiten begonnen, den spanischen Boden zu verlassen. Auf Mussolinis großzügige Geste der Zurückziehung von 10 000 Freiwilligen haben die Westmächte nicht in entsprechender Weise geantwortet. Noch immer weigern sie sich, Franco als kriegführende Macht anzuerkennen, was diesem ermöglichen würde, die rotspanischen Küsten zu blok- kieren. Noch immer möchte man in Paris und London einen Sieg der Nationalen vermieden sehen und arbeitet auf eine Vermittlung zwischen Barce­lona und Burgos hin. Auf nationaler Seite ist man des Endsieges jedoch gewiß.

Frankreich wünsch! keine engtisthe Vermittlung.

London, 29. Dez. (DNB. Funkspruch.) Die Tatsache, daß die französische Regierung tpeitere Sicherungsmaßnahmen für Französisch-Somaliland getroffen hat, während auf italienischer Seite von Truppenzusammenziehungen keine Rede sein kann, wird von der Londoner Morgenpresse verzeichnet. Weiter findet Beachtung, daß Chamberlain wahrscheinlich in Nom nicht offiziell ver­mitteln wird und es sich um eine Angelegenheit handele, in die Deutschland nicht ver­wickelt werden könne. Die deutsche Ansicht, daß ein Krieg zwischen Italien und Frankreich unwahr­scheinlich sei, wird von den englischen Blättern ge­teilt.Daily Expreß" schreibt, es handele sich hier um Fragen, die auf dem Verhandlungs­wege und nicht durch Krieg bereinigt werden soll­ten.Daily Telegraph" meldet, der französische Ge­schäftsträger in London, (Sorbin, habe die britische Regierung über die französische Antwort auf die italienische Note wegen des Tunis-Abkommens un­terrichtet. In Paris sei angedeutet worden, daß die französische Regierung die britischen Minister w e - d e r ermutigen, noch ermächtigen wolle, in Rom im Namen der französischen Regierung zu sprechen. AuchDaily Herald" schreibt, daß die französische Regierung dem Wunsch Ausdruck ge­geben habe, daß sie keinerlei Beistand in den Verhandlungen mit Italien haben wolle. Dem britischen Botschafter in Paris, Phipps, fei mitge­teilt worden, daß jede britische Interven­tion unwillkommen sei. Diese feste franzö­sische Haltung werde Chamberlain veranlassen, die französisch-italienische Frage während seiner Be­sprechungen mit Mussolini nicht zu berühren.

Paris, 28. Dez. (DNB.) Wie Haoas aus Mar­seille meldet, wurde die Ausfahrt der Pafsagier- bamnferSphinr" undCbantilly" um 48 Stunden verzögert, da apf dixsey beiden Schiffe.» e.in Ba­

taillon Senegalschützen eingeschifft wurde, das als Verstärkung der dortigen Truppen nach Französisch-Somaliland abkomman­diert worden ist.

Das Tums-Protettorat.

Rom, 28. Dez. (Europapreß.) Die französischen Bestrebungen, England gegen Italien ins Feld zu führen mit der Behauptung, die italieni­schen Forderungen im Mittelmeer zielten auf die Abänderung des Status quo, wie er im italienisch-englischen Abkommen vom 16. April 1938 festaelegt sei, hin, veranlassen den Herausgeber des halbamtlichenGiornale d'Jtalia", Gayda, zu einer Untersuchung der politischen Lage in Tunis. Gayda erklärt unter Anführung zahlreicher fran­zösischer Quellen, Tunis sei keine Kolonie oder Pro­vinz, sondern nur ein Protektorat Frank­reichs. Auch der internationale Gerichtshof im Haag sei zu der Entscheidung gelangt, daß eine wirkliche Souveränität Frankreichs über Tunis nicht bestehe. Deshalb habe Frankreich auch nicht das Recht, dort innerfranzösifche Gesetze zur An­wendung zu bringen, wie z. B. das Gesetz, das die Entnationalisierung aller in Tunis wohnenden Aus­länder, vor allem der Italiener, vorsehe. Die italie­nische Regierung sei dazu berechtigt, Frankreich zur Beachtung der internationalen Grundsätze anzu­halten, die sich auf das Regime im Protektorat be­zogen, um so mehr, als Italien, wie auch alle an­deren europäischen Länder, dieses nur unter der Voraussetzung anerkannt hätte, daß Frankreich die durch frühere Verträge mit dem Bey von Tunis er« worbenen Rechte Italiens beachte. Nicht Italien, sondern Frankreich strebe also eine Abänderung des Status quo im Mittelmeer an, da es versuche, allmählich die politische Autonomie des Protektorats zu beseitigen und dieses zu einem wirklichen kMMHey äll machen.