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Aus der Stadt Gießen
r. k.
.Der Fall Deruga".
fahrendes
Volt".
(Nachdruck verboten!)
27 Fortsetzung.
1
Kelch.'
Wetter ein netter Spaziergang.
(Fortsetzung folgt!)
Gloria-Palast (Selterswea): „Der \
Lichtspielhaus (Bahnhofstraße):
die Freundlichkeit des Gebers.
Dornotizen.
Tageskalender für Donnerstag.
Das D< otbnung. 1937 und im tliyefr umriffen.i oraanisatic lchrn Weh! E Die Panei un M fenr Wischen G Hingabe st der hilssb über jeder 2n den und meibl len und ii Frauen ji rers, des laten zu 1 Kreuzes st dienst der Üufstchch öfjentl'ch Lande u heitspflsc sorge für
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Kannst du zurück,Dore?
Roman von Hedda Lindner.
Copyright by Carl Duncker Verlag, Berlin W 35.
Volksgesundheit und Düngung.
Don Prof. Dr. Seffous, Direktor des Instituts für Pflanzenbau der Universität Gießen. (Aniwori auf eine Anfrage an die Scholle).
schwarzen Koffer da. der sagte: ..Meine Schokolade? Ob die gut ist? Versuch mal Kleiner!" Der Kleine war ich selber. Ich griff fast ungläubig nach der braunen Rippe, und ich habe ihren Geschmack aus Kakao und Zucker bis heute nicht vergessen und nicht
Ein Stückchen Schokolade.
Zu den zaubrischen Läden meiner Kindheit gehörte jene Farben- und Kolonialwarenhandlung, deren Besitzer längst nicht mehr lebt. Wenn man als Kind schnell noch einmal hingeschickt wurde, um einen Schoppen Petroleum zu holen oder sonst etwas, was die Mutter auf einen Zettel geschrieben hatte (den man nun gewissenhaft festhielt, bis er keineswegs mehr blütenweiß war), wenn man die nahe Straße erreicht hatte, etwa an einem Winterabend mit einem dicken pappigen Schneeteppich, dann stand der kleine Laden mit rötlich-warmem Licht verlockend an seiner Ecke, eine Höhle der Wunder.
Im Scheine der Straßenlaterne sah man jene Farbenskala, die an die Eingangstür derartiger Geschäfte oft gemalt war; dunkles Olivgrün, saftiges Marinblau, butterblumenfettes Gelb, fröhliches Kirschrot, blühendes Orange. Im Erker hockte ein bronzierter Gipszwerg vor einer silbernen Höhle, durch die rosarote Brustbonbon-Pakete kunterbunt durcheinanderpurzelten. Im Laden roch es herrlich nach Tee, nach Schokolade, nach den Gewürzen der fernen Inseln. (Ich dachte an Robinson im Geäst der Sykomore.) Geschliffene Flaschen standen umher, dunkelbraune Flaschen mit roten Zetteln, weiße Flaschen mit schwarzen, eingeätzten Buchstaben, lateinisch und darum geheimnisreich. Die Gehilfen öffneten Schubladen mit Farben, zapften Salatöl ab, reichten Blechschachteln mit Deilchenpastillen über die Theke, und über der Kasse war ein Mes- singschlitz, durch den man sicher Geld einwerfen konnte; aber niemals sah ich, daß so etwas geschah, vielmehr öffnete der Besitzer hie Schublade stets, wie es sich gehörte.
In dem schmalen Gang vor der Theke standen die Frauen und unterhielten sich über die Unarten der Kinder, über einen neuen Hut, oder über die Ferien, manchmal tuschelten sie, daß man nichts verstand. Es war großartig, zu sehen, wie geschickt die Hände der Gehilfen die Tüten falteten, wie sie mit fliegenden Fingern Notizen mochten, spielend leicht Zahlen addierten (neidisch sah man es und dachte an die Schulaufgaben, die auch noch zu machen waren), wie sie gefällig die Tüten und Schachteln und Flaschen in die Taschen der Frauen packten. Einmal aber war ein Reisender mit einem flachen.
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150 v. H. je Hektar gegenüber dem unseren jährlich beträgt, hat auf 10 000 Lebende eine um 0,8 geringere Krebssterblichkeit als wir. Also: durch sachgemäße Anwendung der Handelsdünger sind mir in der Lage, die Erträge unserer Ländereien ohne Benachteiligung der Qualität der geernteten Früchte auf der Höhe 'zu halten, und sogar im ganzen ge- sehen noch zu steigern.
Die zusätzlich gegebene Mmeraldüngung ist also ein wesentlicher Faktor, um das Ziel, die Nah- rungsfreiheit, zu erreichen. Solange nicht der ein- wandfreie Beweis geliefert wird, die Verwendung von Düngesalzen habe tatsächlich für uns nachteilige Wirkung, so lange ist es unsere Pflicht, sie zur Sicherstellung unserer Ernährung in weitgehendem Maße zu verwenden.
Während dieser Aufsatz hier geschrieben wurde, erschien aus der ernährungsphysiologischen Abteilung des Reichsgesundheitsamtes als Beiheft für die Zeit» schrift „Die Ernährung", HestV, eine zusammenfassende Uebersicht mit umfangreicher Literaturangabe unter folgendem Titel: „Ernährung und Düngung, Einfluß der Düngung auf die für die Ernährung wichtigen Eigenschaften der Nahrungsmittel" von Ludwig Barth, Arzt, Ambrosius Barch in Leipzig. Das Heft wurde auf der kürzlich abgehaltenen Tagung der Reichsarbeitsgemeinschaft landwirtschaftliche Chemie, welche dem gesamten Fragenkomplex einen besonderen Tag eingeräumt hatte, den Teilnehmern ausgehändigt. Es kann jedem, der sich für diesen Stoff interessiert, nur dringend zum Studium empfohlen werden.
Und nun zum Schluß noch Antwort auf die ein- gangs erwähnte Frage nach der Schädlichkeit von Tomaten, die mit „Kunstdünger" gebungt war- den sind: Wir sollen sie uns nach Herzenslust schmecken lassen, sie können zu unserem Wohlbefinden nur beitragen, wir brauchen auf ihren Genuß aus Furcht vor der Krebskrankheit nicht zu verzichten.
(Schluß aus Nr. 227.)
Eine ähnliche Rolle wie die erwähnten für die Fauna bedeutsamen Wirkstoffe spielen für das Wachstum der Pflanze gewisse, nur in Spuren im Boden vorkommende Stoffe. Bevor aus den Ersatz dieser lebenswichtigen „Spurenelemente" noch etwas gesagt werden soll, einige Worte über jene oft geäußerte Behauptung, Handelsdünger an sich vergifte zunächst den Acker, damit die Pflanze und durch sie den Menschen. Kann damit überhaupt ein Boden vergiftet werden? Gewiß ist dies möglich. So kann durch übermäßige Gaben eine zu starke Salzkonzentration hervorgerufen werden, die den Pflanzen absolut schadet, und die jedes Wachstum verhindern würde. Auch können durch unsachgemäße Anwendung die Reaktion des Bodens und feine physikalischen Verhältnisse im Laufe der Zeit zum Nachteil der Vegetation verdorben ober ungünstig beeinflußt werden. Ebenso wenig wie man Schokolade als Gift bezeichnen kann, wenn unvernünftige Mütter durch zu viel des Guten ihren Kindern den Magen verderben, ebenso wenig verdient der Mineraldünger, weil durch unsachgemäße Verwendung Schäden entstehen können, diese Bezeichnung. Zum Ausdruck kommen Düngungsfehler in erster Linie durch Nachlassen der Erträge. Irreparabel sind aber solche Bodenkrankheiten nicht. Man kann durch Gaben bestimmter Nährstoffe bis zu einem gewissen Grade die Bildung von Eiweiß, Fett ober Kohlehydraten beeinflussen, aber man fyat noch nie beobachtet, daß durch die Mineraldüngung schädliche Stosse oder Verbindungen in der Pflanze gebildet werden.
Während im allgemeinen, wenn einer der Kern- nährstosfe in unzureichender Menge vorhanden ist, was mitunter an mehr ober weniger deutlich sichtbaren Mangelerscheinungen erkennbar ist, nur das Ernteergebnis beeinflußt wird, treten beim Fehlen sogenannter Spurenelemente ernste ^Erkrankungen der Pflanzen auf, die bann in schweren Stoffwechsel- fförungen zum Ausdruck kommen. Dieser Mangel an den lebenswichtigen Stoffen ist aber keine Folge von Kunstdüngeranwendung an sich, sondern rührt entweder von einem Mangel her, den ein Boden von Hause aus in sich trägt oder von erhöhter Beanspruchung des Bodens an solchen Stossen durch alljährliche und hohe Ernten, wodurch diese Stoffe in ein Minimum geraten. Wir haben in den letzten Jahrzehnten und besonders in neuester Zeit durch Ar- beiten von Scharrer und S ch r o p p über die Bedeutung dieser Spurenelemente im Boden für eine normale Entwicklung der Pflanzen Klarheit gewonnen und Abhilfe dafür gefunden. Jedenfalls sind solche Böden Ausnahmen, ebenso wie verdorbene Aecker auf Grund fehlerhafter Düngeranmenbung nicht die Regel barstellen. Es handelt sich bei solchen Körpern zum Teil um schwere Pflanzengifte, wie z. B, Kupfer, die aber trotzdem in kleinsten Mengen vorhanden fein müssen, um normale Pflanzen erzielen zu können. Solche, von Natur kranke Böden können meist in kurzer Zeit durch Verabfolgung ganz geringer Gaben des fehlenden Elementes wie- der gesund gemacht werden.
Den geschilderten Erfahrungen liegen eine Fülle von Untersuchungsergebnissen zu Grunde, von denen einige neuere angeführt seien und deren Unparteilichkeit wohl über jedem Zweifel erhaben sein dürfte. Der von höchsten amtlichen Stellen damit beauftragte Forschungsdienst der Landbauwissenschaft hat es sich erneut sehr angelegen sein lassen, die so hochwichtige, unser Volk in seiner Gesamtheit angehende Frage noch einmal eingehend zu prüfen. Aus einem zusammen fassenden Bericht von Ott (Darmstadt) im „Forschungsdienst", Band V, Heft 11, 1938, mögen hier die auf Grund langjähriger Düngungsversuche mit einiger Sicherheit zu ziehenden Schlüsse wiedergegeben werden:
„1. Meistens hebt die DolWüngung den Bitamingehalt, doch ist dies durchaus nicht immer der Fall. Häufig kann man auch beobachten, daß die unge- düngte Hungerpflanze einen etwas höheren Ditarnin- gehalt hat, als mit irgendeiner Düngung zu erret»
BOM -Untergau 116 Gießen. -
Dom 1. bis 4. Oktober findet von der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft ein kostenloser Lehrgang zur Ausbildung von Rettungsschwimmern statt. Die erste Hebung findet am Samstag, 1. Oktober, von 19 bis 21 Uhr im Dolksbad statt.
Außerdem läuft noch ein zweiter Kursus vom 3. bis 26. Oktober, bei dem der Unkostenbettrag I Mk.. beträgt. Alles Nähere erfahrt ihr auf dem Untergau.
Der Dienst der Werkschar 2, Freitag, 30. September, wird auf Dienstag, 4. Oktober, verlegt.
Mädelgruppe 11/116. Die Mädelgruppe tritt heute abend um 8.15 Uhr zum Gruppenappell an der Schillerschule an.
Gießener wocheumarktpreiie
* Gießen , 29. Sept. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Deutsche feine Molkereibutter, kg 1,52 Mark, Markenbutter 1,55 bis 1,60 Mark, Matte 20 bis 25 Pf., Käse, bas Stück 4 bis 9, Eier, deutsche, Klasse D 10^, ausländische 11 bis 13, Wirsingi % kg 8 bis 10, Weißkraut 8, Rotkraut 10 bis 12, gelbe Rüben und Karotten 10 bis 11, rote Rüben 10, Spinat 20 bis 25, Römischkohl 8 bis 12, Bohnen, grün 25 bis 30, gelb 30, Rosenkohl 35, Feldsalat, '"/io 10, Tomaten, V» kg 15 bis 30, Zwiebeln 10 bis
Jüfli bis gesthrn, dir wrrden. gehörig \ die Wehri rechts, soll Rungen fle;
Die Er heiräflt 2C Erundpriis und meltai Sport, the Erster hil vehelfsmos beftanbenci
mit dem Lastzug ober mit Waggon verloben werben soll", antwortete sie schnell gefaßt.
„Damit brauchen Sie ben Herrn Baron nicht zu belästigen", antwortete Evers grob. „Daß Braugerste nicht im Lastwagen versanbt werben darf, muß Suhl auch wissen, wenn ber Oberinspektor nicht ba ist."
Dore brehte sich ohne ein weiteres Wort um unb verließ bas Zimmer. Als sie bie Treppe erreicht hatte, fiel eine tür heftig ins Schloß. Unwillkürlich manbte sie ben Kopf unb fah Petry mit großen Schritten Den Flur entlang kommen, bie Beleuchtung war hell genug, sie ben zornigen Ausbruck seines Gesichtes erkennen zu lassen. Das ist ja fast wie bamals, dachte sie unwillkürlich unb lief hastig bie Treppe hinunter, um ihm nicht zu begegnen.
Als sie nachher im Kontor über ben Lohnlisten säß, war sie nicht ganz bei ber Sache. Jrgenb etwas war ihr ausgefallen, hakte in ihrem Unterbewußtsein fest, ohne baß sie sagen konnte, was es war. Eine Kleinigkeit nur; natürlich, benn sonst wüßte sie es. Aber es war bennoch genug, sie zu stören.
Nachher, nach bem Mittagessen, als sie in ihrem Zimmer saß unb bas Stopfen von ein paar Strümpfen keinerlei geistige Zusammenraffung verlangte, ba tarnen bie Gebauten wieber. Petry schien ziemlich mit feinem Onkel aneinanbergeraten zu fein, feinem Gesicht nach zu urteilen. Wie er ba ben Flur entlang kam — sie ließ plötzlich ben Stopfpilz unb den Strumpf sinken — jetzt hatte sie es: diese merkwürdige Art, sich über ben Kopf zu streichen, wenn er erregt war, biefe gleiche Bewegung war ihr bei Evers ausgefallen, als sie ihn so plötzlich überraschte. Das war alles, unb wegen einer solchen Kleinigkeit hatte sie sich ftunbenlang ben Kopf zerbrochen, sie würbe anscheinend boch etwas nervös in dieser ungewohnten Stellung als Detektivin; benn nach bem angeblich verschwundenen Brief zu fragen, wagte sie plötzlich auch nicht mehr.
Fiebler würbe enttäuscht sein, er hatte es dringlich gemacht. Sie mußte ihm wenigstens sofort schreiben, daß sie keine Gelegenheit gehabt hatte, und zum Zeichen, daß sie nicht untätig gewesen war, würbe sie ihm von der Begegnung mit bem Förster berichten; sie hatte bie Unterhaltung nachstenographiert, um sie nicht zu vergessen. Ungefähr fünf Kilometer von Rehwalbau entfernt — nach ber Küppingen entgegengesetzten Seite — lag das kleine Dorf Tschirn- rach, bas auch Poststation hatte. Wenn sie ihren Brief borthin trug, brauchte sie sich nicht mit bem Chiffrieren zu quälen. Ein freier Nachmittag in ber Woche staub ihr ohnehin zu, ba war es bei bem guten
immer von Zeit zu Zeit in ben Sattel — sehr interessierte. Er würbe lebhaft, während er mit Suhl bie Aussichten ber verschiedenen Pferde für ein demnächst ftattfinbenbes Rennen erörterte, und es fiel Dore unwillkürlich auf, baß er sich häufig mit einer eigenartigen Bewegung über ben Kopf fuhr, eine Angewohnheit, bie er wohl nur hatte, wenn er erregt würbe; unb bie kaum jemanben auffallen, würbe, ber nicht so scharf beobachtete wie sie. —
Die Montagspost brachte einen Brief, unterschrieben „Deine Frieba". Einen harmlosen, etwas einfältiger Brief,,ber nach Dechiffrierung bie Weisung enthielt, ben alten Baron in gespielter Aufregung nach einem überfälligen Schreiben zu fragen, um auf diese Weise herauszubekommen, wem bie Postmappe nach Ablieferung an.ihn möglicherweise noch zugänglich war. Die Einzelheiten blieben ihrer Ge- schicklichkeit überlassen.
Dore machte sich auf ben Weg zum Arbeitszimmer: Aufträge, bie immerhin nicht ganz einfach waren, erlebigte man am besten sofort. Sie war schon einige Male mit Unterschriften bort gewesen, unb jebesrnal hatte sie bas gleiche/ seltsame Gefühl, wenn sie ben langgestreckten Flur zu bem Arbeitszimmer hinunter- schritt: Hier hatte sich bamals bas Drama abgespielt. Diese Treppe war ber Förster in großen Sätzen her- aufgejagt, diesen Gang war er bann — mit ©eralb zusammen — entlang gerast bis zu bieser Tür. Ihre Phantasie ließ sie ben Vorgang jebesrnal aufs neue erleben.
Sie wollte klopfen, ba hörte sie Stimmen im Zimmer. Stimmen, bie — obwohl anscheinenb weit von der Tür entfernt — bennoch laut genug waren, um durch bie birken Eichenbohlen zu bringen; ftrei- tenbe Stimmen, bas war unverkennbar.
Dore zögerte unb überlegte: Den ganzen Weg zurückgehen, verspürte sie wenig Neigung, sie wollte diese heikle Ausgabe so rasch wie möglich hinter sich bringen. Nebenan war eine Art Dürozimmer, in welchem ber alte Herr seine geschäftlichen Derhanb- lungen zu führen pflegte.
Sie öffnete geräuschlos bie Tür unb trat ein, um sofort überrascht stehen zu bleiben. Der unnahbare unb korrekte Herr Evers ftanb an ber Verbindung-- tür in einer Haltung, bie für einen erstklassigen Diener etwas Unerhörtes ist: es war ganz qffen- kundig, daß er horchte. Er fuhr erschrocken herum, als das leise Schnappen des Schlosses verriet, bah jemanb eingetreten war, unb sichtlich war es ihm äußerst peinlich, in bieser Haltung angetroffen zu werben. „Was wollen Sie hier?" fuhr er Dore an.
Ein Instinkt warnte sie, ihm zu sagen, was sie tat«
„Haben Sie ihm mal was getan?" Dore bemühte sich, ihre Frage so harmlos wie möglich klingen zu lassen.
„Getan?! — Hm, wie man's nimmt. Man macht sich ja so seine Gedanken. Aber ich will mir nicht den Mund verbrennen. Mahlzeit, Fräulein Bertram!"
Mit meitausgreifenben Schritten ging er davon.
Dore sah ihm nach, bis er hinter ben Büschen verschwanb. Dann setzte sie sich auf ben nächsten Baumstumpf, — es war bas Grabdenkmal bes braven Schampus — unb grübelte vor sich hin. Was hatte Fiebler gesagt von bem Instinkt ber Frau, ber erahnt, was noch nicht zu erfassen ist? — Sie wußte nicht, was sie aus bieser Begegnung Machen sollte, sie wußte auch nicht, wie bie Worte bes Försters zu beuten waren, bie sich eifern in bas Gedächtnis gruben.
Der nächste Tag war ein Sonntag, unb an biefem Tage aßen bie Beamten zu Mittag mit ber Gutsherrschaft zusammen, eine alte Gewohnheit, bie gewissenhaft eingehalten würbe. Dore gab es Gelegenheit, nun auch Günther von Petry, Geralbs Nachfolger, etwas näher zu betrachten. Er war tatsächlich ein bildhübscher Mensch, bas muhte sie ohne weiteres zugeben. Dichtes, blonbes Haar, große, dunkle Augen mit langen Wimpern, bie fast mädchenhaft wirkten, eine schmale, geradezu klassisch aeschnittene Nase unb als einzige Störung bes Gesamteinbruckes — wenigstens für einen scharfen Beobachter — ein schlaffes, etwas zurückfliehenbes Äinn.
Im ganzen entsprach er nicht Dores Geschmack, bei aller Anerkennung seiner guten Erscheinung. Er wäre ihr auch nicht gefährlich geworben, wenn ihr Herz noch frei gewesen wäre, unb nur bie Umstände forderten von ihr, baß sie ihn fast bauernb beobachtete.
Der alte Baron sprach wenig, aß Dafür viel unb mit gutem Appetit; gelegentlich betrachtete er Dore mit Blicken, in benen sreunbliches Wohlwollen lag. Sie schien ihm zu gefallen, ben Eindruck hatte sie schon von ben wenigen Malen, ba sie in Ausübung ihrer Tätigkeit mit ihm zusammengetroffen war, unb' auch sie empfanb Sympathie für ihn.
Die Unterhaltung würbe angeregter. Man sprach von Pferberennen, ein Thema, das Petry — er stieg
15, Meerrettich 45 bis 70, Rhabarber 12 bis 15, Kürbis 8 bis 9, Pilze 45 bis 50, Kartoffeln, % kg 4 Pf., 5 kg 40, 50 kg 3,30 bis 4 Mark, Aepfel, H kg 25 bis 40 Pf., Falläpfel 15, Birnen 20 bis 45, Brombeeren 40 nis 50, Preiselbeeren 40 bis 45, Haus- zwetschen 21 bis 25, bulgarische Mirabellen 45 bis 50 Pf-, junge Hähe 1 bis 1,20 Mark, Suppenhühner 90 Pf. bis 14)5 Mark, Tauben, bas Stück 50 bis 60 Pf., Blumenkohl 10 bis 60, Salat 8 bis Iß, Salatgurken 10 bis 20, Einmachgurken 1 bis 6, En- bioien 5 bis 15, Oberkohlrabi 5 bis 12, Lauck 5 bis 10, Sellerie 10 bis 35, Rettich 5 bis 15, Radieschen, das Bündel 8 bis 10 Pf.
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** Eine Siebzigjährige. Am heutigen Donnerstag, 29. September, kann Frau Leicht- weis, Sonnenstraye 18 wohnhaft, in voller Gesundheit ihren 70. Geburtstag begehen. Der Jubilarin unseren herzlichen Glückwunsch.
*♦ Polizei gegen Verkehrssünder. Die Polizei schritt in ber Zeit vom 16. bis 22. September ein: gegen Kraftfahrzeugführer mit 9 Anzeigen; gegen sonstige Fahrzeugführer mit 2 Anzeigen; gegen Rabfahrer mit einer Anzeige unb 20 gebührenpflichtigen Verwarnungen; gegen Fußgänger mit 1 Anzeige.
befanb sich längst wieber auf bem Heimweg, als sie Suhl sah, ber über bie Felder ritt.
Er erkannte sie schon von weitem und kam im Galopp herüber. „Wo stecken Sie ben ganzen Tag, Fräulein Thea?" fragte er vorwurfsvoll. ,Äch habe Sie überall gesucht."
,Hck habe meinen freien Nachmittag benutzt, um mir ein bißchen bie Gegend anzusehen , erklärte sie freundlich. Gott sei Dank, daß er mich nicht auf dem Hinweg erwisckt hat, dachte sie dabei.
Er sprang ab unb streifte die Zügel über den Arm. „Das paßt ja gut, ich wollte gerabe nach Hause."
Sie manberten zusammen am Felbrand entlang, ba machte ber Gaul einen empörten Satz, unb gleich barauf sauste ein Auto in einer großen Staubwolke vorbei. Suhl beruhigte erst fein Pferb, bann grinste er hinter bem Auto her. „Wissen Sie, wer drin saß, Fräulein Thea?"
„War bas nicht ber Wagen von Herrn von Petry?"
„Jawohl. Unb bie Dame neben ihm, wenn sie auch bis zur Nasenspitze verpackt war, das war bie önä* bige von früher."
„Ach!" sagte Dore fassungslos.
,Zch kenne sie nämlich ganz genau, auch wenn W später hergekommen bin. Ein paarmal habe ich sie in Küppingen im Kino gesehen, unb einmal ist sie sogar zu uns aufs Schloß gekommen."
„Nicht möglich?!"
„Haben Sie eine Ahnung, was bei ber möglich ist- Es lag nicht viel Hochachtung in seiner Stimme. „Sicher wollte sie sich als Opfer aufspielen und den Alten anpumpen. Er hat sie natürlich nicht empfan' gen, unb mütenb ist sie wieber abgeschoben. Sie hm wohl inzwischen eingesehen, was für ein gutes M' chen sie so leichtsinnig aufgegeben hat, unb nun versucht sie es anbers herum unb macht sich an den Petry ran."
„Was sagt ber Baron dazu?"
„Der mürbe mächtig toben, wenn er es ahnte, y soll eine große Wut auf sie haben. Aber er I schließlich schon alt, unb wenn er mal ftirbt boch alles bem Petry. Solange werben sie JJL warten müssen. Uebrigens liegt Weiga in btei Richtung, ganz hübsches Schloß ba. Sie sind schemlich eben hingefahren, ins Wochenende , W er spöttisch hinzu.
„Das ist allerdings ein starkes Stück", sagte Dor empört.
„Das ist es. Aber bie bringt alles fertig, die Leme erzählen Wunderdinge von ihr. Bloh der junge Baron, ber hat in sie geguckt wie in einen goioen
chen ist. Dabei ist aber einerseits zu beachten, baß ber Gehalt an ben Vitaminen A und C allein noch kein endgültiger Beweis für eine besonders hohe biologische Qualität ist, und daß anderseits ber Vitamin ertrag bes harmonisch gedüngten Fel- des sicher höher als der bes ungedüngten ist.
2. Einseitige Düngung fetzt ben Ditamingehalt meistens herab. Für jeden Nährstoff gibt es wenig- stens ein Optimum, jenseits dessen ber Ditamingehalt wieder herabsinkt.
3'. Die Werte bei mineralischer Volldüngung unb Stallmist sind gewöhnlich höher, als bei einer Düngungsart allein.
4. Auf ben Ditamingehalt von Wiesen hat offenbar der Stallmist einen besonders günstigen Ein- f 5. Das Verhältnis zwischen Karotin (Provitamin A) unb Vitamin C wechselt stark mit ber Düngung, ohne baß bisher eine bestimmte Tenbenz zu ersehen wäre."
Die Ergebnisse stammen aus Versuchen mit land- wirtschaftlichen aber auch gärtnerischen Kulturpflanzen. Ebenfalls ließen Versuche, bie mit Ratten unternommen würben, wobei zahlreiche Generationen teils mit Stallbünger, teils mit Kunstdünger gedüngte Nahrungsmittel erhielten, keineswegs lnterschiede in ihrer Gesundheit ober Fruchtbarkeit erkennen. Auch zeigten bie auf verschiebe ne Art herangezogenen Nahrungsmittel keine Unterschiebe im Ditamingehalt zugunsten einer bestimmten Dün- gungsart. Gerade die starke Beeinflussung des Gehaltes an Vitaminen wird von den Gegnern ber Mineralsalzbüngung oft als Grunb ihrer Ablehnung ins Feld geführt.
So wie diese landwirtschaftlichen Versuche zur Klärung der Frage beitragen, bleibt auch seitens des Reichsgesundheitsamtes nichts unversucht, indem letzten Endes der Mensch selber als Versuchsobjekt zur Beantwortung herangezogen wird. So sind denn durch großzügiges Entgegenkommen des Reichs- arbettsführers in zwei verschiedenen Arbeitslagern mit Arbeitsdienstmannern in ben Jahren 1936 und 1937 eingehende Versuche angestellt worden. In jedem Lager erhielt ein Teil nur mit Stallmist, ein anderer Teil mit Stallmist und mineralischer Doll- büngung erzeugtes Gemüse, einschließlich Kartoffeln, in reichlichen Mengen. Die sehr eingehende Prüfung ber Versuchsmannschaften ergab. ,Haß sich Unterschiebe in bem Verhalten ber beiben Gruppen nicht zeigten." (H. Ertel, Berlin: Ernährungsversuche als Beiträge zur Klärung der Frage des Zusammenhanges zwischen Düngung unb gesundheitlichem Wert von Gemüse. Forschungsbienst Banb 6, Hest 1 — 1938.)
Selbst wenn biesen Ergebnissen entgegengehalten werden sollte, daß erst nach langjährigem Genuß von Nahrungsmitteln, bie künstlich gehängt herangezogen wurden, schäbigenbe Wirkungen einzutreten brauchen, ober daß erst nachfolgende Generationen baoon etwas verspüren, bann besagen doch bie hier im Auszug mitgeteilten Versuche mit ben Arbeitsmännern für den nüchtern Denkenden genug. Man kann ungezwungen daraus den Schluß ziehen, baß uns keine Gefahr broht unb bie für bie Volksgesundheit verantwortlichen Stellen alles tun. um etwa durch Mineral-Düngung zu befürchtenden, gesundheitsschädlichen Einflüssen zu begegnen.
Der Behauptung endlich, baß bas häufigere Auftreten ber Krebskrankheiten der Verwendung von Düngesalzen zuzuschreiben ist, sind folgende Feststellungen aus der ärzllichen Statistik entgegenzuhalten. Die erhöhten Zahlen der Krebssterblichkeit beruhen nicht auf einer wirklichen Zunahme bes Krebses, sonbern auf ber Steigerung bes Anteils älterer Personen an der Bevölkerung. Außerdem kommt hinzu, daß man heute ben Krebs als Tobes- ursache besser zu erkennen vermag, als früher. Vergleicht man ben Kaliverbrauch, dem in Sonderheit bas Anwachsen ber Krebssterblichkeit zur Last gelegt wird, in ben verschiedenen Ländern, so ist deutlich zu ertennen, daß hier kein Zusammenhang besteht. Holland, dessen Kaliverbrauch mehr als
sächlich wollte. Wetter ein netter Spaziergang.
Ich sollte den Herrn Baron fragen, ob bie Gerste I Der Bries würbe in Tschirndach eingesteckt, unb sie
SÄ'!'!" M


