Dichter zeichnen und malen...
Eine Ausstellung zum Thema der künstlerischen Doppclbegabung.
Von unserem Dresdner Mitarbeiter.
chens auf das Papier gebannt hat. Von Rudolf Alexander Schröder, einem der adeligsten Dichter unserer Gegenwart, der als Innenarchitekt die beiben Ozeanriesen „Bremen" und „Europa" aus- - stattete, werden Aquarelle gezeigt, und Paul Gurk
zeigt seine zeichnerische Begabung in kraftvollen Porträts.
Es war eine beglückende Stunde im Japanischen Palais, dem prächtigen Barockschlosse, das seit langem die sächsische Landesbiblio- thek beherbergt. Draußen im sommerlichen Park wölbte sich ein fast italienischer Himmel über der Silhouette des Dresdner Stadtbildes, während sich drinnen vor dem aufnahmebereiten Äuge und Herzen des Beschauers in einem kleinen Ausschnitt die Vielfalt deutschen Künstlertums in den Arbeiten moderner „Dichter-Maler" offenbarte. Der Bibliothekar Dr. Erhärt Kästner hat mit kundiger Hand und nachempfindendem Feingefühl eine Reihe von Arbeiten moderner Dichter zusammengetragen, an denen sich ein merkwürdiges Schwanken zwischen Dichtung und Malerei, zwischen Feder und Zeichenstift ablesen läßt.
Das Thema der Doppelbegabung — wir besprachen kürzlich das sehr anregende, mit gutem Bildmaterial ausgestattete Buch von Herbert Günther, das diesem Problem nachgeht — gehört zu den reizvollsten und nachdenklichsten der Kunstbetrachtung. Es zeigt gleichermaßen die Fülle, aber auch die Gefährdung künstlerischer Betätigung. Wir sind gewohnt, in diesem Zusammenhang in erster Linie an das goethische Phänomen zu denken, um uns dann vielleicht auch noch Stifters und Kellers^ E. T. A. Hoffmanns und Wilhelm Buschs zu erinnern, die alle Dichter-Maler waren und lange zwischen diesen beiden Polen künstlerischer Ausdrucksweise schwankten, bis sich die Dichtung stärker erwies als die Malerei, und Palette und Zeichenstift die Utensilien einer Liebhaberei wurden. Wenn aber der vierzigjährige Adalbert Stifter einmal schreibt: „Als Schriftsteller bin ich nur Dilettant, und wer weiß, ob ich es auf diesem Felde weiter bringen würde. Aber als Maler werde ich etwas erreichen!", dann ermißt man mit einer gewissen Rührung die hingebende Gläubigkeit an die „kleinere Muse", die wie ein schwieriges Kind stärkergeliebt und überschätzt wird. Aber auch bei den Dichtern unserer Zeit findet man diese oft schmerzliche Spaltung des künsllerischen JchS.
In der gegenwärtigen Dresdner Ausstellung in her Landesbibliothek füllen allein die Arbeiten Max Dauthendeys einen besonderen Saal. Von dem Dichter des Fernwehs, den der große Krieg auf Java überraschte, und der sich, in der Sehnsucht nach der geliebten Heimat und Frau verzehrte, sind eine große Anzahl javanischer Gemälde aufgehängt. Es sind malerisch erzählte Landschaftserlebnisse — 24 Aquarelle —, in denen sich die ganze Farbenseligkeit dieses Dichters ausbreitet, dessen Gedichte nichts anders sind als Sprache gewordene Farbskizzen. Dieser Eindruck wird deutlich, wenn man ein Gedicht wie dieses liest:
Im Bambus schaukeln rote und blaue Papageien, und glänzend in der lila Sonne wehen der Kokospalmen grüne Reihen.
Darunter gehen, bunt wie Edelsteine, die gelbgesichtigen Mafien.
Ich steh geblendet im perlmutterweißen Sand im Meergeruch, im freien, und seufze: All die schrillen Südseefarben, sie können nicht das Trauerschwarz in meinem Herzen überschreien.
Man versteht, wenn man dieses Gedicht in /ich aufnimmt, daß Richard Dehme 1 die Dichtung Dauthendeys ein „Farben-Wort-Gewühle" nannte, denn im Wortklang kommt der Verfasser der Märschen vom Biwasee von allen Dichtern der Malerei am nächsten,
Georg von der Dring, der einen .der ersten Kriegsromane („Soldat Suhren") vorlegte, zeigt ein farbiges Stilleben, ein Selbstbildnis in । Del und einige lustige Skizzen seines Kindes; sein „Bilderbuch für eine junge Mutter", das kürzlich hier angezeigt wurde, gehört ebenfalls in diesen Zusammenhang' Die vielseitige Begabung Emst P e n z o l d t s zeigt sich in Bronzebüsten Hans Carossas und August von Platens, in Scherenschnitten und Zeichnungen und einem ganz köstlichen Bilderbuch, in dem der Dichter des „Armen Chatterton" sein Söhnchen durch das Bücherland führt und den Be
trachter diese Wett mit den Augen eines Kindes erleben läßt. Bei Penzoldt ist der Zwiespalt zwischen den verschiedenen Ausdrucksformen künstlerischer Betätigung wenn auch nicht ganz gelöst, so doch überbrückt, wenn er einmal schreibt: „Ich wußte auf einmal, daß ich nicht zwischen zwei Berufen zu wählen hatte, sondern, daß es, mit verhängt war, Zwiespältiges zu tun. Es mußte mir gelingen, mit den Händen und mit dem Munde zu fassen, was unbegreiflich scheint: das Leben, die Schönheit, Liebe, Freundschaft, Natur und Kreatur."
Die Dichterin Ruth Schaumann hat einen Kirchenfensterentwurf von gotischer Strenge beigesteuert, und Karl Heinrich Waggerl neben schönen Lichtbildern eine Reihe von Landschaften, die wie eine malerische Uebersetzung seines „Wagrainer Tagebuchs" anmuten. Von Hermann Hesse stammen duftige, zarte Zeichnungen in Wasserfarben, die der Dichter als Briefköpfe für Grüße an seine Freunde verwandte, und in denen sich die Landschaft seiner Tessiner Wahlheimat spiegelt. Der Hamburg ger Hans Leip hat seine „Klespe Hafenorgel" selbst illustriert, und es scheint, daß Wilhelm Busch bei den übermütigen Zeichnungen des Hamburger Bänkelsängers Pate gestanden hat. Von Wilhelm Schäfer, dem „Hüter deutschen Geistes in Zeiten der Verwirrung" ist ein Bildnis seines Freundes Benno Rütte nauer voll derber und herber Farbgebung zu sehen, während Hermann Bürte in markanter Linienführung das Bild eines alemannischen Mäd-
Schließlich begegnen uns auf unserem Rundgang noch zwei Dichter der älteren Generation: Gerhart Hauptmann und Johannes Schlaf. Don dem Dichter des „Florian Geyer" ist bekannt, daß er in seiner Jugend in Breslau, Dresden und Rom die .Bildhauerkunst studierte, ehe er zuck Wortführer des Naturalismus wurde, und in feinen kürzlich erschienenen Erinnerung „Das Abenteuer meiner Jugend" bekundet der greife Dichter feine Bemühungen um diese Form künstlerischer Ausdrucksgebung, die dann auch seine Dichtungen mit ihrer plastischen Fülle und dem scharfen Umriß ihrer Gestalten befruchtete. Eine in Wachs ausgeführte Büste seines zwölfjährigen Sohnes Benvenuto und eine bildhauerische Jugendarbeit, ein galoppierendes Pferd darstellend, zeigen Gerhart Hauptmann als Bildhauer von hohen Graden. Und der andere Vertreter einer nun schon der Literaturgeschichte angehörenden Generation ist der alte Kampfgenosse Hauptmanns aus den Aufbruchstagen des Naturalismus: Johannes Schlaf. Von dem Dichter mit der kindlichen Seele ist das köstliche Bilderbuch „Der geschundene Pegasus" ausgelegt, diese ironische Selbstverulkung der beiden Dichterfreunde Arno Holz und Johannes Schlaf aus den Tagen, da beide in einer Mansarde in Pankow im Berliner Norden an eine.m Schreibtisch arbeiteten. Ganz reizend die zeichnerische. Darstellung jenes Kinderzuges, der den Dichter bei der Arbeit störte, und an dem jeder Betrachter seine helle Freude hat. • Dr. E. II.
Radfahrer und Fußgänger beachtet die Verkehrsvorschristen!
Es ift leider immer wieder festzustellen, daß gerade Radfahrer und Fußgänger durch Nichtbeachten der Verkehrsoorschriften Unfälle verursachen. Ihr falsches und unverantwortliches Verhalten kann nicht mehr länger geduldet werden! Im Interesse des Volksgänzen muß erreicht werden, daß die Zahl der Verkehrsunfälle auf ein Mindestmaß beschränkt bleibt. Es ist deshalb jeder Volksgenosse verpflichtet, sein Verhalten im Straßenverkehr dieser Forderung anzupassen. In Zukunft darf niemand mehr, gleichgültig ob Radfahrer oder Fußgänger, glauben, daß er sich als Verkehrsteilnehmer dieser Pflicht entziehen kann, ohne zur Rechenschaft gezogen zu werden. Die Polizei wird dieser Auffassung, die jetzt noch vielfach vertreten wird und durch die chaotischen Zustänöe im Verkehrsleben entstanden sind, mit allen Mitteln entgegentreten. Der Verkehrsteilnehmer muß sich eben nach der Allgemeinheit richten und darf sich nicht so verhalten, wie es ihm gerade beliebt.
Diese Forderung ist in der Straßenverkehrsordnung festgelegt und ist für alle Verkehrsteilnehmer, also auch für Radfahrer und Fußgänger, bindend.
Radfahrer.
bedenkt, daß nicht hur Ihr, sondern auch alle übrigen Verkehrsteilnehmer ein Anrecht haben por Der- kehrsunfällen und ihren Folgen geschützt zu werden. Gerade aber über Euer eigenes Verhalten werden ständig Klagen geführt, und zwar nicht zu Unrecht:
Benutzt stets die Fahrbahn und fahrt nicht auf der Gehbahn! Die Gehbahn ist nur für Fußgänger bestimmt!
Fahrt auf der rechten Seite der Fahrbahn!
Beim Einbiegen in andere Straßen ist nach rechts ein enger, nach links ein weiter Bogen zu fahren!
Fahrt nicht übermäßig schnell, denn Ihr müßt jederzeit in der Lage sein, rechtzeitig zu halten!
Wenn Ihr haltende Straßenbahnen überholt,. so dürft Ihr nur langsam fahren und dürft die Fahrgäste nicht gefährden!
Zeigt rechtzeitig durch Ausstrecken des Armes an, daß Ihr Euere Fahrtrichtung ändern wollt!
Bleibt mit Eueren Fahrrädern nicht an Straßenecken stehen, denn das ist verboten.
Fahrt nicht zu zweit nebeneinander, denn Ihr
müßt grundsätzlich einzeln hintereinander fahren! Wenn Ihr Euch unterhalten wollt, dann steigt vorn Fahrrad ab und entfernt Euch von der Fahrbahn!
Ihr dürft auf Eueren Fahrrädern keine anderen Personen mitnehmen! Erwachsene dürfen Kinder bis zu 7 Jahren mitnehmen, wenn eine geeignete Sitzgelegenheit auf dem Fahrrad vorhanden ist!
Sehr gehaßt sind die „Dunkelmänner", die während der Dunkelheit ohne Licht fahren! Sie werdim ganz besonders gewarnt!
Das A n b i n b e n von Handwagen an Fahrräder, sowie das Führen von Handwagen und Tieren von fahrenden Fahrrädern ist verboten! Hunde dürfen- jedoch geführt werden. Anhänger und Seitenwagen sind nur dann zulässig, wenn sie mit dem Fahrrad fest verbunden und mit rotem Schlußlicht oder Rückstrahler versehen sind.
Beim Fahren ist es verboten, die Lenkstange los- zulasstn oder die Füße von den Tretteilen (Pedalen)' zu entfernen! Verkehrssündern dieser Art wird die Polizei ihre besondere Aufmerksamkeit widmen!
Radfahrer, hängt Euch nicht art andere Fahrzeuge an! t
Fahrt nicht in betrunkenem oder angetrunkenem Zustand! Wer dieser Pflicht nicht entspricht, ist ein rücksichtsloser und unverantwortlicher Zeitgenosse,»den schärfste Bestrafung treffen wird!
Fußgänger,
zeigt auch Ihr, daß Ihr verantwortungsbewußte Volksgenossen seid und beachtet die Verkehrsvorschriften!
Schimpft nicht immer auf Kraftfahrer und Radfahrer! Es ist nämlich festgestellt, daß sehr viele Nerkehrsunfälle gerade von Fußgängern verschuldet werden!
Bleibt auf den Gehbahnen, die Fahrbahn gehört den Fahrzeugen!
Fahrbahnen sind auf dem kürzesten Weg quer zur Fahrtrichtung zu überschreiten! Es muß dies aber ohne Aufenthalt und mit der nötigen Vorsicht geschehen!
Fußgänger, die an Straßenecken stehen bleiben und dadurch den Verkehr behindern, werden in Zukunft bestraft!
Bedenkt alle, daß jährlich Tausende von Volks
genossen ihr Leben durch Derkehrsunfälle lassen müssen ober körperliche Schäden erleiden. Außerdem werden jährlich Millionenwerte durch den bei Verkehrsunfällen entstehenden Sachschaden ver- nichtet. Im Interesse des gesamten deutschen Volkes und zur Erhaltung des Volksvermögens ergeht des- halb diese letzte Aufforderung an alle Verkehrsteilnehmer, die bestehenden Vorschriften zu beachten und dadurch zur Verminderung der Verkehrsunfälle beizutragen. Wer glaubt, sich über.diese Pflicht hin- weasetzen zu können, verstößt erheblich gegen die Gesetze der Gemeinschaft und muß als Schädling mit strenger Bestrafung rechnen.
- Günther, Polizei-Inspektor.
Schwälmer Sippentag mit Wetzlarer Geschlechtern.
Hessentreue vereinigte am vergangenen Sonntag ein altes Solrnser Geschlecht mit seinen hessischen Blutsverwandten in Eudorf an der Schwalm zum Familientag der Kraußer. Jahrhunderte lagen zwischen ^Trennung und freudigem Wiederfinden. Herzliche Willkommensgrüße wurden ausgetauscht, an denen sich auch die Gemeinde Eudorf beteiligte. Der stellvertretende Drtsgruppenleiter Zulauf sprach für Partei und Gemeinde Begrüßungsworte an die Nachkommen eines alten Eudorfer Geschlechts, dessen Familiengeschichte mit der Dorfgeschichte Eudorfs und dem „Kraußer Hof" untrennbar verbunden sei. Jftarf) kurzer Rast -m Urahnen-Haus schritten etwa 100 Namensträgex Krauß unter Glockengeläute zur Dorfkirche zu einem Gottesdienst.
Im Anschluß an den Gottesdienst gab Pfarrer Luft noch wertvolle Erklärungen über die Geschichte der um 1480 erbauten Kirche. Er stellte fest, daß die Kraußer schon damals in Eudorf anjaffig waren; das bezeuge der Name Johannes Krauß, der über der Eingangstür eingemeißelt sei.
Die Höfe „Zum Kraußenberge" sind erstmals urkundlich 1527 erwähnt und sind stille Zeugen vergangener Zeit.
Am Nachmittag fand in Elbenrod an der Derffa im Gasthof Krauß (jetzt Georg Hartmann) die Tagung des Familienrates statt, anschließend gemütliche Unterhaltung. Einige Familienglieder, darunter auch Ausländsdeutsche, hatten Begrüßungstelegramme gesandt.
Oie Diebstähle bei den Opelwerken.
18 Angeklagte vor Gericht.
Darmstadt, 28. Juni. (Lpd.) Die Große Straft tammer in Darmstadt verhandelte in mehrtägiger Sitzung gegen 18 Angeklagte, denen Schiebungen und Diebstähle in den Dpelroerfen in Rüsselsheim und Brandenburg zur Last, gelegt wurden. Neben^ Betriebsangehörigen waren unter den Angeklagten auch Tankstelleninhaber und Spediteure, die gestoh- ’lene Reifen und Ersatzteile erworben hatten und sich jetzt wegen Hehlerei verantworten mußten. *
Nach eingehender Beweisaufnahme wurde am Dienstag das Urteil gesprochen. Der Hauptangeklagte erhielt wegen fortgesetzten Diebstahls, Beihilfe- zum Diebstahl und schwerer Urkundenfälschung insgesamt 2 Jahre 1 Monat Gefängnis, neun .Angeklagte wurden zu Gefängnisstrafen von ^Monaten bis 1 Jahr 4 Monat-en verurteilt, zwei Angeklagte erhielten Geldstrafen von je 30 0 Mark, vier der Beschuldigten wurden mangels ausreichenden , Beweises f r e i g e f p r o - chen und einer amnestiert. Das Verfahren gegen einen der Hehlerei Beschuldigten wurde abgetrennt, da sich die Ladung weiterer Zeugen als notwendig erwies. Den Angeklagten, ,bie geständig waren, wurde die Untersuchungshaft voll angerechnet. Vier der in. Haft befindlichen Angeklagten nahmen die Strafe sofort an.
Briefkasten der Redaktion.
(Rechtsgutachten sind ohne Verbindlichkeit der Schriftleitung.)
C. £. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die Försterlaufbahn einzuschlagen. Es ist nicht möglich, im Rahmen einer Briefkastenantwort Ihre Fragen erschöpfend zu beantworten. Wir empfehlen Ihnen, sich unmittelbar mit dem Forstamt Gießen, Mottke- straße 3, in Verbindung zu setzen, wo sie jede einschlägige Auskunft erhalten..
Marie verrät mich.
Von Hans Pslug-Iranken.
Die Haferkiste stand auf dem Gang vor dem Stall und war mit einem schweren Anhängeschloß versehen. An ihr zogen wir Rekruten immer in Einerreihen vorbei, wenn der Futtermeister Hafer ausgab. Da es Krieg war und man das Jahr 1917 schrieb, wurden die Portionen, die der Sergeant in unsere blauen Schürzen schüttete, von Tag zu Tag kleiner.
Unsere Pferde aber hatten mir lieb. Wohl war es so, daß wir oft fluchten, wenn uns die Arbeit, oder besser gesagt der Dienst; hart zusetzte und wenn uns mancher der Braunen und Rappen und Füchse, die zur damaligen Ersatz-Eskadron zählten, nicht so recht zur Hand ging. Aber schon schlug in uns Jungen ein rechtes Reiterherz, denn alle, die dieses Reiterherz nicht hatten, waren längst, schon in den ersten Wochen, zur ' Infanterie abkommandiert worden, zu jener Waffengattung, die wir-natürlich als eine sehr notwendige anerkannten, die wir aber doch nicht für die „schönste aller Waffen", wie es im Soldatenlied heißt, hielten.
Ja, mir mären stolz, daß wir, als es auf splitternackten Rössern in der Reitbahn an unserem Rittmeister oorbeizutraben galt, nicht zum Fußvolk ausgewählt wurden, sondern im Zug bleiben durften.
Durch diese Sondierung nach wirklichen Reitern war natürlich unsere Zahl sehr zusammengeschmol- zen, so daß mancher von uns zwei, ja drei Pferde zu versorgen, hatte, was keine kleine Arbeit bedeutete.
Aber die Haferrationen wurden dadurch nicht gtößer, und so kam es, daß mich eines schönen Tages meine gute Fuchsstute Marie recht vorwurfsvoll ansah, als ich ihr die wenigen Körner vorschüttete.
Da stand es mit einepi Schlag. für mich fest, daß ich dem guten Vieh >the Zusatzration beschaffen müsse; daß ich das allerdings nur auf etwas krummem Wege tun konnte, war klar.
Neben der Box der Marie befand sich der Stand eines pechschwarzen Wallachs. Dieser Bursche konnte die Ohren übel zurücklegen und hatte eine kitzlige Stelle am Bauch, die ihn beim Putzen zu allerlei gefährlich aussehenden Sprüngen und Keilereien veranlaßte. Er hatte dazu die Unart, meine gute Stute über die Bretterwand hinweg in etwas verirrter Liebe mit seinen gelben Zähnen in den Hals zu kneifen. Dann gab es immer Spektakel und
Gekeile, daß die Bretter krachten, und Schnauben und Augengedrehe, als sei wunder mas geschehen. Seltsam an diesem lärmenden Verhältnis war aber, daß Marie diesen merkwürdigen Liebkosungen gar nicht sehr abgeneigt schien, denn sie drängte sich •immer wieder einladend an den Stand des schwarzen Teufels heran, der, gehalftert wie er war, geringere Bewegungsfreiheit als sie selbst hatte.
Das lonnte auf die Dauer nicht gutaehen. So kam es, daß wir eiyes Morgens den Befehl erhielten, unsere liebgewordene Ecke zu verlassen, um am entgegengesetzten Stallgassenende eine bisher leerstehende Box zu beziehen. Da wir im wahrsten Sinne des Wortes nur ein Amt, aber keine Meinung hatten — sonst wären wir bestimmt in der prächtigen Deckung unserer Ecke geblieben —, trotteten wir nach kurzem Abschiedsgeschnaube zum anderen Ende des Stalls, um uns dort wohnlich einzurichten. Die unmittelbare Nähe der Türe be- hagte uns nicht recht. Vor unliebsamen Ueber- raschungen war man hier bestimmt nicht sicher.
Als die Türe aufging, fiel mein Blick auf die Haferkiste. Nur drei Schritte von uns entfernt lag also die Quelle der begehrten goldgelben. Körner. Das gab zu denken.
An diesem Abend hatte ich Nachtstallwache.
Es ging schon gegen Morgen. Die' Ronde war längst vorbei. Ich war ein paarmal auf den Gang getreten. Die Türe stand offen. Und Marie sah mir neugierig und sehr interessiert zu.
Bald hörte man in meinem Stall, der zu solcher Nachtstunde sonst nur erfüllt war vom leisen Klirren einer Kette oder vom seltsamen Seufzen der schon liegenden Pferde, die im Schlafe leise prusteten, das behagliche Mahlen und Malmen der Zähne meiner gar nicht schlaftrunkenen Marie. Sie stand und taut? — Hafer.
Die Haferkiste war eine alte Kiste. An ihrer Rückseite, die handbreit von der Wand abgerückt stand, war allerhand möglich. Jedes Brett ist zu lockern, wenn man es geschickt macht. Und eine Handvoll Körner ist mehr als gar keine. Nur mußte man aufpassen, daß nichts herausrann, denn das hätte alles verraten.
So ging es wochenlang. Immer, wenn ich Nachtstallwache hatte, mahlte Marie Hafer. Die Stute war damals ganz prächttg in Form. Ihr Fell glänzte, und" ihre handfesten Rund"ngen wiegten sich kokett, wenn sie mit mir in ihrem „butterweichen" Galopp durch die Bahn wechselte.
Springen war nicht gerade unsere Stärke. Dressurreiten war uns beiden lieber. Aber Springen muß auch fein. Immer am Schluß des morgend
lichen Trainings kamen die Stangen. Marie verdrehte dann die Augen. Und mir war es auch nicht recht wohl dabei. 2(betf wir absolvierten unsere Sprünge doch jedesmal schlecht und recht.
Nur eines Morgens gings schief. Marie verweigerte, was für mich ganz neu war. Und dazu hatte ich ihr so schön die Zügel gelassen und meine Fäuste auf ihren Hals gestützt. Aber meine Schenkel saßen diesmal nicht „angegossen". So ging es kopfüber in den Sand...
Bis der Zug über mich hinweg war, blieb ich liegen. Als ich dann meine Gliedmaßen zufammen- fuchte und mich dabei aufrichtete, sah ich gerade noch die ledige Marie polternd über das Pflaster des Kasernenhofs galoppieren, Richtung Stall.
Nun hieß es aber nachsetzen. Ai ch ich fiel unter dem anfeuernden Schimpfen des Stallwachtmeisters in Trab. Maries Vorsprung war aber zu groß. Sie verschwand in der Stalltüre.
Zu allem Unglück kam gerade der Futtermeister sporenklirrend daher. Er grinste über den trabenden Reiter yhne Gaul und strebte hinter der Marie in den Stall. Bevor ich anfam, war es schon geschehen. Marie war nicht, wie man erwarten mußte, beleidigt in ihre Box geeilt. Sie hielt vielmehr vor der Haferkiste an und prustete und schnob zwischen Kiste und Wand. Daneben stand der Futtermeister, der. das gelockerte Brett hin und her bewegte und furchtbar fluchte.
Was nun geschah, kgnn sich jeder ehemalige Kavallerist selbst ausmalen. Marie, ^die Verräterin, bekam von ihm keinen gerade zärtlichen Schlag auf ihre „Porzellanschnute". Ich legte die Sporen zusammen und spielte den Unschuldigen, Es half mir aber wenig. Marie und ich m"ßten an diesem dunklen Tag noch viele Hindernisse nehmen. Die Futterkiste bekam sofort vom Fahnenschmied einen „sicheren" Beschlag. Und aus war es für immer mit der Herrlichkeit unserer ergiebigen Nachtstallwachen.
Die Liebeserklärung
Wenn ein Schauspieler plötzlich krank wird und im letzten Augenblick, um die Vorstellung nicht absagen zu müssen, ein' Kollege für ihn einspringt, der begreiflicherweise die Rolle nicht ganz beherrscht, so ist schon oft eine peinliche Verwirrung auf der Bühne entstanden, die unter Umständen für die ganze Aufführung verhängnisvoll werden konnte. Begreiflich also, daß solche Fälltz von allen Verantwortlichen gefürchtet werden. Der französische
Schauspieler Pajot, der in einem modernen Stück unerwartet die Rolle des Liebhabers übernehmen mußte, behauptete jedoch, den Text vollkommen zu beherrschen. Es ging auch alles gut bis zur Mitte hes dritten Aktsss, wo eine leidenschaftliche Liebes- szene den Höhepunkt des Stückes bildete. Da — mitten in seiner Liebeserklärung verlor der Schauspieler plötzlich den Faden, er wiederholte sich, geriet ins Stammeln. und verstummte schließlich hilflos. Vergeblich bemühte er sich, aus den Worten, die der Souffleur murmelte, einen Sinn zu finden. Peinliche Minuten vergingen mit einer Art stummen Spiel, schon wurde das Publikum unruhig, die Szene war in Gefahr, völlig zu mißlingen. Nicht minder als der Schauspieler im hellen Rampenlicht litt der Souffleur in seinem dunklen Kasten, aber gerade diesem unsichtbaren Helfer kam im letzten Augenblick der rettende Gedanke: er machte dem armen Pajot ein Zeichen, zu schweigen, und dann trug er selbst mit lauter Stimme die ganze Liebeserklärung vor. Der verdutzte Schauspieler stand stumm dabei, aber als der Souffleur geendet, ging Pajot mit ausgebreiteten Armen auf seine Partnerin zu und sagte, auf den Souffleurkasten zeigend: „So wie dieser Herr da unten eben die Ehre gehabt hat, es Ihnen zu erklären, so bete ich Sie an." Die Zuschauer brachen in donnerndes- Gelächter aus, das Spiel war gewonnen. Am Ende des Stückes aber ließ der Beifall sich nicht eher beruhigen, bis der Souffleur aus feinem Kasten hervorkroch und Hand in Hand mit dem Schauspieler seinen Test des Beifalls entgegennahm.
Zeitschriften.
'— „Alte und neue Formen im Selbstschutz" heißt ein interessanter Bericht im neuen Heft der „Sire n e". Von dem übrigen Inhalt sei auf den Bilderartikel „Die stählerne Kavallerie der Franzosen" verwiesen. In Frankreich setzt sich heute wieder die Ueberzeugung durch, daß die Infanterie die Hauptträgerin des Angriffs sein muß, und daß Kampfwagen sie lediglich „unterhaken", also begleiten unb unterstützen sollen. Die interessanten Einzelheiten dieser Entwicklung und die Auswirkungen auf den Neubau von Panzerwagen schildert ein fesselnder Bildbericht der „Sirene", der großen Luftschutz-Illustrierten mit den Mitteilungen des Präsidiums des Reichsluftschutzbundes. Endlich fei noch auf den Bild^ bericht „Der Rettungsring der Luft" verwiesen, mit dem die Aufsatzreihe „Das Schwert am Himmel" fortgesetzt wird.


