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Folgende Staaten haben ihre Teilnahme bereits zu­gesagt: Deutschland, Belgien, Großbritannien, Frank­reich, Japan, Tschechoslowakei, Indien, Holland, die Vereinigten Staaten, Schweden, die Schweiz, Un­garn und die Südafrikanische Union. Jede Regierung hat einen Vertreter bezeichnet, der auf Grund der neuen Abmachungen aus den Filmen seines Lan­des die für die Ausstellung geeignetsten aussuchen wird. Italien wird in Venedig vier Filme zur Auf­führung bringen.

31 euer Geist im Züricher Schauspielhaus.

Die Weiterführung des von einem jüdischen Emigrantenklüngel in Grund und Boden gewirt­schafteten Betriebes des Züricher Schauspielhauses ist nunmehr durch die Gründung der , N e ü e n S ch a u s p i e l - A G." Zürich gesichert. An der Gesellschaft ist auch die Stadt Zürich beteiligt. Zum künstlerischen Leiter und Direktor des neuen Schau- spielunternehmens wurde der Oberspielleiter der

städtischen Bühnen von Frankfurt a. M., Dr Oskar W ä l t e r l i n , berufen, ein gebürtiger Baseler, der vor seiner Ernennung in Frankfurt 1932 sieben Jahre lang das Baseler Stadttheater leitete. DieBasler Nachrichten" schreiben zu dieser Wahl: Mit dieser Neubestellung der Leitung des Züricher Schauspielhauses wird nun and) Gewähr geboten, daß ein von gutem schweizerischen Geist geleiteter wertvoller Spielplan dem Hause seine Stellung als wichtige schweizerische Bühne zurückgeben wird, nachdem bisher die dortige Künstlerarbeit doch stark von Geist und Art des Emigrantentums bedingt und das Programm auf internationale Erfolge zu­sammengestellt war. Der neue Direktor, der auf schönste Bühnenerfolge an den städtischen Theatern in Frankfurt zurückblicken kann, wird seine viel­seitigen Erfahrungen und seine geniale Einfühlungs­gabe nun auch in schönster Weise dem schweize­rischen Schaffen zugute kommen lassen."

Ein Volk in Leibesübungen.

Der Reichssportführer vor dem WeltkongreßArbeit und Freude".

Rom, 28. Juni. (DNB.) Auf dem III. Welt­kongreßArbeit und Freude" legten mehrere deutsche Redner die Gesichtspunkte dar, die in der deutschen Freizeitgestaltung durchaeführt sind und bicf für immer die Sicherung des sozialen Friedens im deutschen Volk gewährleisten. Der Präsident der italienischen Industriearbeiter - Verbände, Qua» netti, hob hervor, daß das immer stärkere Um­sichgreifen der BewegungArbeit und Freude" das italienische Volk mit Stolz erfülle, da diese Ideen in Italien bereits seit 20 Jahren Wirklich­keit geworden seien. Reichsamtsleiter Claus S e l z - n e r behandelteDeutschlands neue Ar­beitsordnung". Klassenstreit und Klassenhaß störten das nationale Arbeitsleben, also das soziale und das wirtschaftliche . Leben gleichermaßen. Schicksalsgemeinschaft brachte uns die gläubige Arbeiterpartei, Volksgemeinschaft gab uns ein hoffendes Arbeitertum, Leistungs­gemeinschaft schuf notwendigen Arbeitsplatz, Betriebsgemeinschaft erzeugte vertrauende Arbeitsfront. Wer die Harmonie aus Arbeit und Freude wolle, verhindere den Krieg, der immer nur *us Streit und Haß entstehe.

Veichssportführer

von Tschammer und Osten

wandte sich besonders gegen die Behauptung der angeblichen Kulturfeindlichkeit des Sportes. Die Erziehung zu einem wirklichen Sozialismus sei durch nichts besser zu gestalten als durck Leibes­übungen. bei denen es ja keinerlei Unterschied des Standes oder der Herkunft gebe. Die nationalsozia­listische Weltanschauung zähle zu ihren Fundamen­ten auch den Glauben an die gottgewollte Einheit und Vollkommenheit des Menschen in der Har­monie von Leib, Geist und Seele. Die Leibesübungen würden heute in Deutschland be­trieben im steten Fortgang der Erfüllung einer Pflicht Gegenüber den Forderungen der national­sozialistischen Weltanschauung. Von Tschammer und Osten betonte das unbingte Prinzip der Frei­willigkeit des Sportes in Deutschland Nur wenn der Mensch mit freudigem Herzen dabei sei, würden ihm Leibesübungen die unermeßliche Freude spenden, die sie zu einem wertvollen Faktor der Freizeitgestaltung macht. Hart und fröhlich solle der neue deutsch? Mensch werden; nicht aber weich und sentimental! DasVolk in Leibesübungen" beginne Wirklichkeit zu werden und aus allem wachse ein neues, stärkeres, gesünderes und frohes Geschlecht, fähig, die Zukunft Deutschlands für alle Ewigkeit zu sichern.

Die Vertreterin des nationalen Spaniens, Ba­ch i l l e r, die in der Uniform der Falange ans Red­nerpult trat, sprach davon, wie die Regierung Ge­neral Francos schon während des blutigen Kampfes zur Vernichtung des Bolschewismus daran gehe, ein neues Spanien zu schaffen und neue so­zialpolitische Ideale Wirklichkeit werden zu lassen. Der Vertreter Chiles, Calvez, stellte fest, daß die übrige Welt, zu der er selbst ja auch gehöre, bei ihrer Arbeit zur Schaffung der sozialen Gerechtig­keit die konstruktiven Wege, die mitKraft durch Freude" undDopolavoro^ beschritten worden sind, allmählich immer mehr begreifen und achten lernen werde.

TXady Darlegungen weiterer Redner aus Ita­lien, Rumänien, England, Portugal, Griechen­land, Schweden und Japan gab der Äeichsamts- leifer der RS.-GemeinfchaftKraft durch Freude" in der D21J Dr. Lafferenh, einen Heber- blick über die gewaltigen Leistungen, die diese Freizeitorganisation aufzuweisen hat, wobei er besonders die Kraft-durch-Freude- Reifen herausstellte.

Insgesamt hätten 30 000 KdF.-Urlauber an den Fahrten ins Mittelmeer und rund um Italien teil- genommen. Ebenso hätten auch 30 000 Italiener Deutschland besucht.Unsere Arbeiter, die wir mit Kraft-durch-Freude-Schiffest ins Ausland fahren las­sen, sind Sendboten der Freundschaft. Wir wissen, daß wir keine besseren Vertreter haben, um Sy nvp athien von Volk zu Volk zu schaf­fen, die in ihrer menschlichen Herzlichkeit eine wun­derbare Ergänzung zu der großen Politik der Re­gierung darstellen." lieber 500 000 Deutsche seien be­reits über die Grenze in andere Länder gefahren und ungeheuer bereichert in ihre Heimat zurückge­kehrt.

Miltelmeer-Reisen mit Landungen in Afrika würden zum sländigen Programm gehören. 3m kommenden 3ahr würden unsere Schiffe erst­malig jugoslawische Häfen und Grie­chenland anlaufen. 3n zwei13ahren werden wir mit unserer gesamten kdF.-Flotte Tausende von deutschen Arbeitern auf eine Welt­reise schicken und sie z u d e n O l ym p i sch e n Spielen nach Tokio bringen.

Der Präsident des 1. Weltkongresses, Kirby, schloß die Sitzung mit dem Wunsche, daß die Ju­gend der Welt in einem solchen Geiste erzogen wer­den möge, daß späteren Geschlechtern noch mehr Frieden, Glück und Wohlfahrt beschieden sein wer­den, als heute der Menschheit zuteil werden könne.

Lm größten Binnenhafen der Welt.

44 Kilometer-Kai in Duisburg. Vermittler zwischen Seefahrt und Flußfahrt.

Von unserem B. Sch.-Korrespondenten.

kann, also über eine Stundenleistung von 1000 Ton­nen verfügt. Die Anlage ist, wie so manche andere in den Häfen, ein Wunderwerk der Technik. Kaum, daß man einen Menschen sieht, alles scheint sich von allein abzuspielen. Doch ist das Herz der Anlage ein Steuerturm, der die Befehlsstelle bildet, mit neu­zeitlichen Meldeanlagen versehen ist wie Fernspre­chern, Lichtschalttafeln, mit Sicherheits- und Sperr­einrichtungen, die falsche Steuergriffe unmöglich machen.

Auf 220 Jahre Geschichte können die Häfen zu- rückblicken. Die Ruhrschiffahrt bestand zwar schon im 11. Jahrhundert, und der Kohlenbergbau, dessen Anfänge auf das Jahr 1317 zurückgeführt werden können, ist auch viel älter als die Häfen, aber erst mit seiner zunehmenden Entwicklung gewann er für die Schiffahrt Bedeutung. Es war im Jahre 1715, als man an den Ausbau einer alten Ruhr­schleife als Hafen heranging, der dieriesige" Ausdehnung von einem Hektar Wasserfläche hatte. Heute umfaßt das Hafenareal über 1000 Hektar! Die Länge der Eisenbahngeleise in den Häfen beträgt 415 Kilometer. Damals Umschlag der Kohlen aus den kleinen Ruhrnachen von 5 bis 10 Tonnen Trag­fähigkeit in die. Rhein-Segelschiffe mit etwa 100 Tonnen Iragfraft. Die heutigen großen Schlepp­kähne haben über 4500 Tonnen Tragfähigkeit.

Der wirtschaftliche Wiederaufstieg Deutschlands seit der Machtergreifung hat am Rheib genau wie die Erringung der politischen Freiheit den Ius- schlag gegeben: Der Rhein war seit demFriedens"- Vertrag international, heute ist er wieder der deutsche Strom. Die Derkehrsbeziehungen aber, die sich jetzt unter dem alleinigen deutschen Hoheits­recht abspielen, sind international. Holländer, Bel­gier, Franzosen und Schweizer nutzen die deutsche Wasserstraße für ihre Güterbeförderung. So ist das Bild dieser Häfen bunt wie die Flaggen der Natio­nen, die hier verkehren. Alles, was in Nordeuropa Schiffahrt treibt, kommt hierhin. Von der Kohle und dem Erz bis zum Kisten-Gut, das alles wird hier umgeschlagen.

Ein paar Jahre zurück: Auf dem Rheinstrom Kahn an Kahn, Boot an Boot ohne Arbeit Meh­rere Millionen Tonnen Schiffsraum warten wa­chen-, monatelang auf Ladung. Der Verkehr ist im Jahre 1932 fast auf ein Drittel des Verkehrs der Jahre 1913 oder 1926 zurückgegangen. Unter den Schiffern herrscht größte Not, denn das, was be­wältigt werden muß, das können die großen Reede­reien mit ihren eigenen Kähnen spielend bewältigen, und für den Kleinschiffer, der über einen Kahn oder zwei ober drei verfügt, bleibt nichts mehr übrig. Ge­nau wie in der Landwirtschaft steigt die Schulden­last durch Hyvotheken, die man auf die Schiffe auf= nimmt, ins Unermeßliche. Mancher bricht zusam­

Essen, im Juni 1938.

Zwischen Wien und dem Ruhrgebiet, zwischen Erz 'und Kohle wird jetzt durch den Main- Donaukanal der ununterbrochene Wasser­weg gebaut. Pis 1945 wird er nach dem neuen Ge­setz, bas der Führer verkündete, für die Riesenkähne von 1500 Tonnen fahrbar fein. Es muß schon einen großen wirtschaftlichen Zweck haben, wenn ein sol­ches Riesenwerk in Arbeit genommen wird. Wir wissen, in Linz werden die Hermann-Goring-Werke gebaut, sie werden.eine Art Gegenstück zu den welt­bekannten gigantischen Anlagen des alten deutschen Jndustriereoiers im Ruhrgebiet bilden. Don dort, vom großen Duisburg-Ruhrorter Hafen aus, beginnt künftig die Wasserfahrt auf Rhein, Main und Donau, und dieser Startplatz einer Strecke, an berem anderen deutschen Ende Wien liegt, ist nichts geringeres als der größte Binnenha­fen der Welf.

Zahlen schien, aber zum Beweis müssen doch ein paar hierhin: In den Rhein-Ruhrhäfen, das sind die öffentlichen und Werk-Häfen auf betben Seiten des Rheins längs der Duisburger Stabt» grenze, wurden im vergangenen Jahre weit über 15 Millionen Tonnen u m g e f ch l a y e n. Diese gewaltige Gütermenge denke man sich in einem einzigen Güterzug zusammengestellt: Er würde dop­pelt so lang wie der Erddurchmesser sein. Die Kai­länge allein der Öffentlichen Duisburg-Ruhrorter Häfen beträgt 44 Kilometer, in Zeiten des Hoch­betriebs laufen täglich über 150 Schiffe ein und aus, und etwa alle 15 Minuten kommt ein 100-achsi- ger Güterzug an.

Woher kommt dieser riesenhaste Umschlag, wohin geht er? Man muß sich vergegenwärtigen, daß die- fer Umschlaghafen das rheinisch-westfali­sche Industriegebiet versorgt, und zwar in der Hauptsache die Kohlen ihm abnimmt, den Rhein hinauf oder über Holland hinab befördert, bafür Erze, Getreide, Holz, Mineralöle und Kies ihm zuführt. 70 vH. der deutschen Steinkohle wer- den in diesem Gebiet gefordert, 70 v. H. aller deut­schen Hochofen werden hier betrieben, etwa 70 v. H des deutschen Roheisens und Rohstahls werden auf einem Gebiet erzeugt, das mit feiner Fläche von 3000 Quadratkilometer noch nicht 6 v. H. der Fläche des Reichsgebiets ausmacht, aber 16 v. H der werk- , tätigen Bevölkerung Deutschlands beherbergt.

Diese gewaltige Zusammenballung der Industrie verlangt' naturgemäß auch Güterumschlagsanlagen von ganz besonderen Ausmaßen. Im Ruhrorter Hafenbecken B steht eine Äoblenfipperan» läge, die mit zwei elektrischen Drehscheibenkippern arbeitet, und von denen jeder bis zu 24 volle Eisenbahnwaggons in der Stunde bei neunstündiger Arbeitszeit über 200 Wagen entleeren

men. Dann kommt der Umschwung. Erst zö­gernd, dann immer schneller wachsen die Umschlags­zahlen. In der deutschen Rheinschiffahrt ist der Ge­sundungsprozeß in vollem Gange, nie wurden solche Mengen umgeschlagen wie heute. Sorgen um die Beschäftigunggibt es nicht mehr, aber, wie überall

in Deutschland, Sorgen um die Erhaltung und Stei­gerung der Leistungskraft, die jetzt nach der Inan­griffnahme der großen Wasserstraße nach der süd­östlichen Mark des Reiches, zu immer größeren An- ftrengungen angefpornt werden muß.

Der Führer bei Truppenübungen der Wehrmacht

MW

WH W

Der Führer und Oberste Befehlshaber der Wehrmacht wohnte in diesen Tagen in Anwesen­heit des Oberbefehlshabers des Heeres, Generaloberst von Brauchitfch, und des Chefs des Oberkommandos der Wehrmacht, General der Artillerie Keitel, den Truppenübungen des Heeres auf dem Uebungsplatz Grafenwöhr bei. Auf unserem Bild sieht man den Führer vor dem Kartentisch; ganz links auf dem Bild General Keitel, rechts Generaloberst von Brauchitfch. (Presfe-Hoffmann-M.)

Aus neuen Wegen nach dem neuen Peking.

Von unterem H.Tr.-Äenchierstaiier.

Nachdruck verboten!

II. Mkden-Expreß.

Mukden, irtf Juni 1938.

Auf die Minute genau rollt der Schnellzug nach Mukden aus der Halle des monumentalen und erst kürzlich mit einem Aufwand von mehreren Millionen Pen fertiggestellten Dairener Haupt­bahn h o f 5. Die letzten Erfahrungen des Bahn­hofsbaues sind hier in diesem Kopfbahnhof des Stillen Ozeans verwertet:^ auf einer breiten Auto­rampe fahren die abfahrenden Reisenden in den ersten Stock des palastartigen Baues und wandern von hier über weitläufige Ueberführungen zu den abgehenden Zügen, während alle Räume im Erd­geschoß für die ankommenden Reisenden beftimmt sind. Das lästige Gegen-den-Strich-Lausen fällt also überall fort, denn das ganze 'Bauwerk stellt ge­wissermaßen zwei ganz verschiedene, aber aufein­ander gesetzte An- und Absahrtsbähnhöfe dar. Im Vergleich zu den ersten Monaten des Krieges macht dieser Bahnhof heute einen recht sachlich nüchternen, fast trübseligen Eindruck: wenig Menschen,' keine Fahnen, kein Jubel, keine Reservisten, die von ihren Angehörigen an den Zug gebracht werden Sachlichkeit, graue, nüchterne Sachlichkeit regiert auch auf diesem Kriegsbahnhof, die Stunde, so wie es eben das Wesen des totalen Krieges erfordert, der nun schon seit Monaten den Fernen Osten in Atem hält.

Im Hinterlande merkt diesen Krieg selbst der blutigste Laie an der rasenden Pr e i s st e i ge­rn n g , der selbst die elementarsten Bedürfnisse unterworfen sind: Tokio meldet amtlich bereits eine Indexziffer von 197, und auch im Speisewagen sind die Preise für fernöstliche Verhältnisse empfindlich in die Höhe gegangen: zahlte man bisher für eine Tasse Milchkaffee mit drei Stück Zucker 7 Pfennige, so muß man jetzt deren 10 hinlegen, und eine Por­tion gekochter Schinken mit grünem und Kartoffel­salat kostet heute 35 Pfennige-.. auch das war vor dem Kriege" billiger und wird vielleicht da­heim auch heute noch alslächerlich" billig emp­funden. Gewiß! Aber auch in Fernost stehen Lohne und Preise in einem ganz bestimmten Verhältnis zueinander, und ein japanischer Major, der alles in allem heute mit allen Frontzulagen 200 Mark Monatsgehalt bezieht, empfindet eine Preissteige­rung von 20 v. H., wie sie schlagartig nach dem 1. April eingetreten ist, ganz empfindlich.

Etwa sechs Stunden braucht dieser Schnellzug bis Mukden: er rast durch eine braune, von Fruchtbarkeit strotzende Ebene, Stationsnamen, die vor 34 Jahren im Russisch-Japanischen Kriege die Welt aufhorchen ließen, fliegen vorbei... reiche Chinesendörfern, riesige Obstplantagen, verwitterte Kriegerdenkmäler... wie rote Tupfen stehen die blühenden Kirschbäume den zartgrünen Aeckern, auf den gartenartig angelegten, mit unendlicher Liebe und Sorgfalt bebauten Feldern emsige chine­sische .Bauern, spielende Kinder in leuchtend roten Kleidern, irgendwo das glitzernde Meer, im fernen blauen Dunst verdämmernde, zackig-kahle Berg­riefen ... ganz eigenartig dieser Frühlingszauber, der über der weiten mandschurischen Landschaft liegt und die auf dem besten Wege dazu ist, ein ge­segneter Garten Gottes zu werden.

Und manchmal empfindet man als Deutscher fast so etwas wie Neid, wenn man diese unend­liche Weite mit ihren unerschöpflichen Möglichkeiten sieht, die sich hier der organi­satorisch-kulturellen Tätigkeit der Japaner barbieten. Gerade weil diese Japaner aus der Enge kom­men, toben sie sich vielleicht in dieser fast hem­mungslos zu nennenden Art und Weife in eben dieser Weite aus: als ob sie von dieser Weite be­rauscht wären: so stampfen sie Stahlwerke,' Oel- anlagen, Fabriken, Industrien, Hochöfen, Berg­werke, Bahnen, ganze Städte aus dem Boden ohne zu fragenWas kostet es?" undWas kommt da­nach?" Organisieren, aufbauen, Ordnung schaffen, arbeiten, arbeiten und noch einmal arbeiten, manch­mal kann man diese Japaner wirklich beneiden ob der Möglichkeiten, die sie hier zur Entfaltung haben! Und es müßte schön sein, auch einmal so ein Stück jungfräulichen Niemandslandes in die Hand ge­drückt zu bekommen, mit dem ungeschriebenen Auf­trag:Da? Nimm! Mach etwas daraus!"

Denn die Japaner haben in den letzten sechs Jahren etwas aus dieser Mandschurei gemacht, das

kann auch der böswilligste Kritiker nicht bestreiten, die Tragik ist aber wohl nur die, daß sie mit all ihrer Arbeit letztem Endes nur der chinesischen Masseneinwanderung die Wege ebnen, den Chinesen das mandschurische, Haus einrichten und zahlenmäßig gegen diese chinesische Völkerwande­rung immer mehr ins Hintertreffen geraten. Heute bereits stehen in dieser Mandschurei 30 Millionen Chinesen einer nicht einmal halben Million Japaner gegenüber, von denen poch dazu die meisten in den Städten als Gewerbetreibende fitzen! Und in einem weiteren Menschenalter werden es vielleicht 70 Mil­lionen Chinesen und immer nur noch erst eine halbe Millionen Japaner fein, weil eben auf die Dauer der einzelne. Japaner in dieser Mandschurei genau so wenig ansässig werden kann und will wie etwa der Engländer in Indien. Und wenn sich dann ein­mal die Chinesen in diesem mandschurischen, vom Japaner eingerichteten Hause wirklich wohnlich niedergelassen haben, dann werden diese Japaner sagen di e Chinesen mit der abgeklärten Ruhe eines Mannes, der in Jahrhunderten denkt genau so im mandschurischen Lehmversack t" sein, wie die Mandschus, die Mongolen und andere, die den Fuß auf den schwankenden Boden des ewigen Chinas gesetzt haben.

Nun, das werden wir nicht mehr erleben, infolge­dessen lassen wir diese trübseligen Betrachtungen, bjenn eben fliegen die großen Stahlwerke von A n »© dj> a n vorbei. Eine qualmende, feuerspeiende Vulkanlandschast, als führe man zur nächtlichen Stunde irgendwo durchs deutsche Industriegebiet kurz darauf donnert der Expreß in die Halle des Muk d euer Hauptbahnhofs. Mukden! Dor allemBahnhof Mukden", auch so ein Begriff, der jeden Deutschen, der etwas zum Spintisieren neigt, nachdenklich stimmen könnte. Hier auf Bahnhof Mukden ohrfeigten sich nämlich im Jahre 1904 Oberstleutnant Hoffmann, 'der General­stabschef Ludendorffs in der Tannenbergschlacht, erwähnt das Faktum in seinenErinnerungen" die russischen Generäle Renne n kamp ff und Samsonow. Hoffmann damals Militär­attache auf russischer Seite war Augenzeuge dieser peinlichen, Szene, und als vor Beginn der Tannenbergschlacht die Frage aufgeworfen wurde, ob Rennenkampff seinem zuerst angegriffe­nen Kollegen Samsonow zu Hilfe kommen würde, bezweifelte Hoffmann dies und führte zur Stütze seiner These unter anderem auch die von ihm miterlebte Ohrfeigenszene auf Bahnhof Mukden ins Treffen. Tatsächlich kam Rennenkampff dem armen Samsonow nicht zu Hilfe, Tannenberg ging für die Russen verloren, und das zaristische System wurde bis ins Mark getroffen. Was wäre ge­schehen, wenn Rennenkampff wirklich marschiert wäre? Hindenburg und die andern haben es in ihrenErinnerungen" deutlich genug ausgemalt und die Weltgeschichte wäre vielleicht in ganz ande­ren Bahnen verlaufen, wenn sich zehn Jahre vor Tannenberg die beiden russischen Generäle auf Bahnhof Mukden nicht geohrfeigt, sondern geküßt hätten. Aber die Weltgeschichte hat sich eben von jeher die eigenartigsten Treppenwitze geleistet...

Nun, das alles sind vielleicht fruchtlose Betrach­tungen, zu denen auf alft Fälle gerade jetzt keine Zeit mehr ist: mit Sack und Pack steht man plötzlich um die mitternächtige Stunde auf dem fast menschen­leeren Mukdener Bahnhof und beschaut sich ziemlich hilflos die bizärren chinesisch-japanischen Aufschriften. Große Frage: Wo und auf welchem Gleis und welchem Bahnsteig läuft nun der Zug nach I e - h o l wollte sagen nach Cheng-The ein? Denn chinesisch" kann man im landläufigen Sinne ebenso­wenig lernen wieeuropäisch". Jedes Land des Erd­teils Europa spricht genau so eine andere Sprache oder einen anderen Dialekt wie etwa die einzelnen Provinzen des Erdteils China. Und da die Man­dschurei-Chinesen aus fast allen Provinzen oder Län­dern des Erdteils China eingewandert sind, ist das chinesische Sprachengemisch in der Mandschurei genau so groß wie in irgendeinem amerikanischen Einwan. dererhafen, wo sämtliche Sprachen Europas gesprochen und langsam zu irgendeinem Kauderwelsch zusam- mengeschweißt werden, von dem die Amerikaner mit eiserner Stirn behaupten, es wäre englisch Auf europäisch" heißt also mein Reiseziel Jehol, die Chi- nesen nennen es Cheng-The, und die Japaner kennen noch einen dritten Namen, der geschrieben aus 25 Strichen besteht, die insgesamt ein entzückendes