Hr.74 Erstes Blatt
188. Zahrgang
Dienstag, 29. März 1938
Erschein» täglich, nutzer Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte (Lietzener Familienblätter Heimat im Bild - Die Scholle Monats-Bezugspreis:
Mit 4 Beilagen RM.1.95 Ohne Illustrierte e 1.80 Zustellgebühr , -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt
Zernsprechanfchlüffe unter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Gieheu
Postscheckkonto:
Krantfurt am Main 11686
Gietzeim Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
Druck und Verlag: Srühlsche Univerfitätrdruckerei «.Lange in Sieben. Lchristleitung und Seschöflrftelle: Schulstratze 7
Annahme von Anzeigen für die Mittagsnummer vis 8'/,Uhr des Vormittags
Grundpreise für 1 mm höhe
für Anzeigen von 22 mm Breite 7 Rps., für Textanzeigen von 70mm Breite 50 Npf.,Platzvorschrift nach oorh.Dereinbg.25°/<, mehr.
Ermäßigte Grundpreise:
Stellen-, Vereins-, gemeinnützige Anzeigen sowie einspaltige Gelegenheitsanzeigen 5 Rpf., Familienanzeigen, Bäder-, Unterrichts- u. behördliche Anzeigen 6Rpf. Mengenabschlüsse Staffel B
Sie Einigung des SudeiendenWnmS.
Von unserem (Ca.)-Äerichterfiatter
Prag, Ende März 1938.
Die gewaltigen Ereignisse der Märztage des Jahres 1938, die die Geschichte des deutschen Volkes mit ehernen Lettern verzeichnen wird, haben eine ganze Welt veralteter Anschauungen und auf papierenen Entrechtungsoerträgen fußender Ideologien aus den Angeln gehoben. Ganz Europa steht unter dem Eindruck jenes März-Tages, an dem 6,5 Millionen deutsche Brüder sich wie ein Mann zum Reiche zurückfanden. Ohne daß ein Schuß gefallen oder auch nur ein Tropfen Blut geflossen wäre, fielen Grenzen, die die Pariser Vorortsverträge aufgerichtet hatten, wurde ein Staat aus der Karte Europas ausgelöscht, den ein wahnwitziges System gegen den Willen und die nationale Ueberzeugung seiner Bürger aufrechterhalten wollte. So sind die Tage vom 11. bis 13. März 1938, an denen di e deutsche O st mark wiedergeboren wurde, zum überragendsten Ereignis deutscher Geschichte geworden.
An die Mürz-Tage knüpft auch ein stolzes Kapitel s v. d e t e n d e u t s ch e r Geschichte an. Die Sehnsucht von dreieinhalb Millionen deutschen Menschen fand durch die Welle nationaler Begeisterung und klarer Erkenntnis politischer Notwendigkeiten ihre Erfüllung. ^Der Aufruf Konrad Henleins in diesen geschichtlichen Tagen konnte kein anderes Ergebnis haben, als daß Tausende, die noch abseits gestanden waren, sich bedingungslos in die Sudetendeutsche Partei einrekhten. Wie Schnee in der Frühlingssonne schmolz der sudeten- deutfche Aktivismus in den kommenden Tagen bis auf einen kläglichen Rest deutscher Marxisten unter der Führung eines jüdischen Ministers zusammen. Das Kartenhaus des sudetendeutschen Aktivismus stürzte endgültig ein, als am 22. März der Vorsitzende des Bundes der Landwirte, Gustav Hacker, seine Partei auflöste und in die Einheitsfront des Sudetendeutschtums eingliederte. Die G e - werbepartei folgte unmittelbar mit dem gleichen Entschluß, dessen Notwendigkeit schließlich auch die Deutsche Christlichsoziale Partei Rechnung trug, ihre Parteitätigkeit einstellte und ihre parlamentarischen Vertreter der Sudetendeutschen Partei angliederte. Eine Anzahl kleiner Gruppen, die politisch unbedeutend waren, sind schon vorher in der Sudetendeutschen Partei aufgegangen. So hatte sich in wenigen Tagen die Struktur des politischen Sudetendeutschtums grundlegend geändert. Die Selbstauslösung der aktivistischen Parteien war das Bekenntnis des Versagens ihrer Politik, die auf ehrlichem Willen aufgebaut, an der in Prag mit unglaublicher Zähigkeit aufrechterhaltenen Idee des tschechischen Nationalstaates scheitern mußte. Dem Entschluß der führenden Männer der deutschen Regierungsparteien wird die Geschichte ihre Anerkennung nicht versagen; die Erklärungen Gustav Hackers, daß der im Jahre 1926 begonnene Versuch, im Wege der Mitarbeit in der Regierung zu einer nationalen Befriedung im Staate und zur Sicherstellung der Lebensrechte der sudetendeutfchen Volksgruppe zu gelangen, gescheitert ist, ebenso wie die mit dem Regierungsbeschluß vom 18. Februar 1937 eingeleitete Politik völlig versagt hat, wird für das Sudetendeutschtum von geschichtlicher Bedeutung bltziben.
Durch diese Entwicklung hat sich für die Prager Regierung eine Tatsache bestätigt, die sie durch zwanzig Jahre nicht wahr haben wollte. Der große Irrtum, durch Anwendung äußerster Gewaltmittel einen tschechischen Nationalstaat, au flauen und aufrechterhalten, aber die nationalen Forderungen und völkischen Bedürfnisse der Minderheiten, die die Hälfte der Bevölkerung des Staates stellen, durch Entrechtung und Unterdrückung ersticken zu können, steht vor aller Welt entblößt da. Selbst das der Tschechoslowakei befreundete Ausland hat mit seiner Meinung darüber nicht zurückgehalten.
Das heutige Bild der Prager Regierung entspricht deshalb vollkommen dem Ergebnis dieser unmöglichen Politik, die man in Prag seit dem Jahre 1918 betrieben hat. Zwei deutsche Minister haben durch ihren Rücktritt den zwölfjährigen Mißbrauch deutscher Verständigungsbereitschaft durch den Prager Zentralismus dokumentiert. Es ist für die innerpolitische Stimmung bezeichnend, daß sogar der jüdisch-marxistische Minister Czech es vorgezogen hat, sein Rücktrittsgesuch zu überreichen, als mit einem kläglichen Rest jüdisch-marxistischer Anhänger die Spottfigur eines „deutschen" Vertreters in der Prager Regierung abzugeben.
Die Sudetendeutsche Partei unter Führung Konrad Henleins hat eine geradezu einzigartige Rechtfertigung ihres Kampfes gegen ein System gefunden, das 3,5 Millionen Deutschen die Lebensrechte vorenthalten wollte. Die Einigung des Sudetendeutschtums unter einer Führung, die Schaffung einer auf ein einziges Ziel ausgerichteten Kampffront haben den Schlußstrich unter eine Entwicklung gesetzt, die von der tschechischen Seite gewollt, gefördert und für die Schaffung eines Ohnmachtszustandes der deutschen Volksgruppe ausgenützt wurde. Dieser Plan ist gescheitert, so wie er durch den Bestand eines volksbewußten und unbeug- krmen Kernes der deutschen Volksgruppe von vorn- fjerein zum Scheitern verurteilt sein mußte. Die tschechische Taktik vom 18. Februar 1937 hat jenes Ende aefunden, das die Prager Regierung hätte voraussehen müssen, wenn sie rechtzeitig bereitgewesen wäre, den polittschen Wirklichkeiten dieses Staates Rechnung zu tragen.
Den künftigen Weg einer verantwortungsvollen, gerechten und den Gegebenheiten entsprechenden
Oer Gau Hessen-Nassau in Erwartung des Führers.
OerKührer spricht amOonnersiagnach einemEmpfang imORömer auf einerAbendkundgebung in der Frankfurter Festhalle.
Die Gauhauptstadt gerüstet.
Frankfurt a. M., 28. März. Der Führer und Reichskanzler wird am Donnerstag, dem 31. März, Frankfurt a. M. einen Besuch abstatten und am Abend dieses Tages von der Frankfurter Fe st Halle aus zu der Bevölkerung des Gaues Hessen-Nassau sprechen. Der Führer wird bereits Donnerstag nachmittag in der Gauhauptstadt eintreffen. Nach feiner Ankunft fährt er zum Römer, wo ein Empfang ftattfinöen wird, bei dem sich der Führer in das Goldene Buch der Stadt Frankfurt a. M. eintragen wird. Vom Römer fährt der Führer zu,feinem Hotel. Von dort aus wird er zur Kundgebung in di e F e st h a l l e fahren. Auf allen Straßen und Plätzen, die der Führer bei feiner Anwesenheit in Frankfurt a. M. berührt, sind Lautsprecher aufgestellt, so daß diejenigen, die in der Festhalle
Deine Stimme dem Führer, denn ... er allein Hal dir den Glauben an Deutschland wieder- gegeben. Seinem Kampf und dem Einsatz seiner Getreuen hast du es zu verdanken, daß wir jetzt wieder ein großes und mächtiges Volk geworden sind, das niemand in der Welt übersehen und übergehen kann.
keinen Platz mehr finden, den Empfang des Führers im Römer und die Kundgebung miterleben können, lieber diese Lautsprecher werden auch ununterbrochen Durchsagen über die Fahrt des Führers durch Frankfurt gegeben. Das Lautsprechernetz, das eine Länge von 4,5 Kilometer hat, geht von der Festhalle über Bismarckallee, Hohenzollern- Anlage, Hohenzollern-Straße, Hindenburgplatz, Kai- serstraße, Hauptwache, Zeil, Liebfrauenstraße und Neue Kräme zum Römer. Außer diesen 52 Lautsprechern ist in der Festhalle eine moderne Anlage mit 72 Lautsprechern eingerichtet. Der Reichs- sender Frankfurt überträgt die Ankunft des Führers, den Empfang im Römer und die Großkundgebung, die rm gesamten Gau Hessen-Nassau im Gemeinschaftsempfang miterlebt wird.
Seit der Stunde, da der Besuch des Führers feststand, wird fieberhaft gearbeitet, um der Stadt ein Bild zu geben, das dieses großen Ereignisses würdig ist. In den Straßen, durch die der Führer kommt, wird ein Fahnenspalier errichtet und überall Grünschmuck angebracht. Die F e st h a l l e erhält innen und außen eine monumentale Ausschmückung. Die Ränge werden rot verkleidet und von der Decke herab hängen die Fahnen der Partei und aller ihrer Gliederungen. Var der Festhalle werden zwei zwölf Meter hohe Pylonen errichtet und vor dem Hauptbahnhof zwei zehn Meter hohe. Der Bahnhof wird eine besondere Ausschmückung mit Grün, Fahnen und Transparenten erfahren. Die Hauptwache wird von einer besonders großartigen Dekoration hervor- .gehoben. Vier 10 Meter hohe Pylonen werden auf dem Schillerplatz errichtet, die in zwei Meter hoher Schrift die Worte tragen, unter denen der ganze Wahlkampf geführt wird: „Ein Volk, ein Reich, ein Führe r". Auch der Römerberg wird besonders ausgeschmückt und mit einer Fülle von Fahnen verschönt. Die Bevölkerung schmückt die Häuser und wird abends die Fenster mit Hunderten van kleinen Lämpchen versehen.
Der gesamte Gau Hessen-Nassau steht seit d^r Nachricht von der Kundgebung des Führers in Frankfurt a. M. im Zeichen dieses größten Ereignisses für den Gau. Wie immer, wenn der Führer
zu uns kommt, werden die Wogen der Begeisterung höher schlagen und der Führer wird auch hier die Liebe seines Volkes erleben. Bei aller Begeisterung und bei aller Liebe zum Führer wird aber an die Disziplin der Bevölkerung appel^ l i e r t, den Anweisungen der Absperrungsmannschaften unbedingt Folge zu leisten. Vor allen Dingen darf unter keinen Umständen d i e Absperrung von Gruppen oder Einzelpersonen
durchbrochen werden, weil dadurch die Fahrer der Wagen mit einer ungeheuren Verantwortung belastet werden. Es wird besonders darauf hingewiesen, daß keine Blumen in den Wagen des Führers geworfen werden, weil dadurch Unfälle verursacht werden können. Die Bevölkerung des Gaues Hessen-Nassau wird auch in diesem Punkt vorbildliche Disziplin und Haltung bewahren.
Hiemanh wirb zu Hause bleiben!
Gin Ausruf des Gauleiters.
Der Führer kommt! Wieder geht dieser Rus durch den Gau Hessen-Nassau! Die Anwesenheit des Führers war für den Gau Hessen-Nassau immer der Höhepunkt des politischen Lebens! Dieser Besuch aber in der stolzesten Zeit der deutschen Geschichte erfüllt uns mehr denn je mit unendlicher Freude und Dankbarkeit! Aus einem Höhepunkt seines geschichtlichen Wirkens dürfen wir den Führer als den Schöpfer des deutschen Volksreiches und Befreier der Ostmark begrüßen, ihm wieder ins Auge schauen und aus seinem Wunde die kommenden Aufgaben unseres Großdeutschen Reiches vernehmen!
Wir werden alle Kraft daran sehen, dem Führer auf der Triumphfahrt durch sein neues größeres Deutschland auch in unserem Gau einen Empfang von einmaliger Wucht und Größe zu bereiten! Für den Gau Hessen-Nassau muß der 31. Wärz 1938 ein historischer Tag werden, der unauslöschlich in aller Erinnerung fortlebt! Tausende und. Abertausende werden den Weg um
säumen, den der Führer kommt. Tausende und Abertausende werden ihn in der Festhalle und an den Lautsprechern auf Plätzen und Straßen hären! Niemand wird zu Haufe bleiben! Jeder einzelne muß seine Ehre daran sehen, den Straßen das schönste und strahlendste Festkleid anzulegen, das sie jemals getragen haben! Ein wogendes Weer von Fahnen soll dem Führer entgegenleuchten, und es muß ein wahrhafter Feiertag sein, den wir ihm mit unserer Liebe und unserem Dank bereiten!
Jeder sorge dafür, daß der 31. Wärz 1938 zugleich ein Bekenntnis zum Führer werde von einzigartiger Einmütigkeit und Geschlossenheit! Beweist auch bei dieser Gelegenheit der Welt, daß des Führers Leben und Werk getragen ist von der unerschütterlichen Treue und der gläubigen Begeisterung eines ganzen Volkes! heraus zum Empfang des Führers und zur Führerkundgebung in der Festhalle!
heil Hitler!
gez.: Sprenger.
Hessen-Nassau im Siedlungswerk voran.
Gauleiter Sprenger spricht in der Heimstättensiedlung Sossenheim.
NSG. In einer Kundgebung in der Heimst ä 11 e n fi e dl u n g am Bahnhof Frankfurt-Sossenheim sprach Gauleiter Sprenger. Nach fünf Jahren der Regierung Adolf Hitlers, so führte er u. a. aus, gäbe es keinen Gau und keine Gemeinde mehr, wo nicht die Tatkraft des Führers deutlich zu spüren sei. Dor allem im Siedlungswesen sei im Gau Hessen-Nassau Hervorragendes geleistet worden. Bäuerliche Siedlungen und Siedlungsheimstätten seien in ungeahntem Umfange geschaffen worden.^ So wie in Sossenheim etwa 100 Siedlungsheimstatten entstanden wären, seien überall im Gau über 70 0*0 Siedl er stellen gebaut worden. Die gleichen Erfolge feien im Bau von Arbeiter- wohnstätten zu verzeichnen. Wenn wir im gleichen Schritt weitermarschierten, würde die Be- völkerüng nach weiteren fünf Jahren erst richtig den Segen der nationalsozialistischen Wohnpolitik begreifen lernen. Die Siedlungen, die immer ein Stück Land mit umfaßten, erhöhten den Lebensstandard und würden an der Erringung der Ernährungsfreiheit mithelfen. Im Gau würde die Siedlungspolitik unermüdlich weitergetrieben. Niemals würde in der Energie nachgelassen werden, der breiten Masse unseres Volkes zu helfen. Der Gauleiter stellte dann fest, daß das deutsche Volk die reichste und arbeitswilligste Nation auf der Erde ist und geschlossen hinter dem Führer steht. Dies würde das Volk am 10. April beweisen. Die Menschen seien innerlich verschieden, aber doch eins, wenn es gelte,
sich vor der Welt als Deutsche zu bekennen. Deutschland würde wie ein Block stehen und. doku- mentieren, daß das große Ziel „Ein Volk — eiy Reich — ein Führer" erreicht sei.
Die Kämpfer, die um Deutschlands Größe und Freiheit ihr Leben lassen mußten, sollen immer mit und unter uns sein. Damit der Name eines alten Kämpfers, der 1927 bei einer Kundgebung der NSDAP, in Nastätten erschossen wurde, 'in der Bevölkerung für ewig lebendig bleibt, soll die Siedlung den Namen des toten Kameraden Wilhelm Wilhelmi tragen. Dieser Kämpfer, der sein Leben für die Gesamtheit des deutschen Volkes opferte, soll der Bevölkerung immer Vorbild sein. Die Siedlung, die an der Westerbacher Straße gelegen ist, benannte der Gauleiter nach dem ^-Scharführer Josef Dieser und ehrte damit einen roei» teren Soldaten Adolf Hitlers, der 1933 ermordet wurde. Diese Blutzeugen, so schloß der Gauleiter seine oft von Beifall unterbrochene Rede, seien ein Mahnmal, niemals mehr Zwietracht herrschen zu lassen. Für alle Zukunft wollen wir ein einiges Volk sein. Der Bevölkerung machte der Gauleiter zur Pflicht, den hohen Wert der Freiheit jedes Deutschen in den Herzen zu tragen und zu verwirklichen. Alle seien wir Deutsche mit gleichen Pflichten und gleichen Rechten. Adolf Hitler sei unser Vorbild und bleibe es immer in der Geschichte des tausendjährigen Reiches. — Anschließend an die Kundgebung besichtigte der Gauleiter die neue Siedlung, die seine volle Anerkennung fand.
Politik muß jeder verantwortliche Politiker und besonders jeder tschechische Staatsmann klar vor Augen sehen. Den bisherigen Weg, an dessen Ende nur Illusionen stehen, die den Abgrund verdecken, weiter zu schreiten, müßte die Empörung eines gerecht denkenden Europa Hervorrufen. Wenn man in Prag bis jetzt nicht mit Hinweisen darauf gespart hat, daß ein Angriff auf die Tschechoslowakei einen Weltkrieg entfesseln müßte, so hat man sich damit nur über die Gefahr hinweggetäuscht, die der eigenen verfehlten Politik über kurz oder lang entspringen mußte; ganz abgesehen davon, daß diese Politik wohl den Eingebungen der tschechischen Linken entspricht, aber von einem Großteil des tschechischen Volkes selbst mit Rücksicht auf das Wohl des eigenen Staates leidenschaftlich abgelehnt wird. Zweifellos stehen die führenden Männer des tschechoslowakischen Staates vor schweren und für den europäischen Frieden entscheidenden Entschlüssen. Es wäre also nur zu hoffen, daß die Beratungen der Prager Regierung, die nun werden folgen müssen, dieser Bedeutung Rechnung tragen und den richtigen Weg festlegen. Die Erklärungen des englischen Ministerpräsidenten Chamberlain können dab>i gerade in jenen Teilen gute Anhaltspunkte bieten, in welchen sie die tschechischen Erwartungen nicht erfüllt haben.
Das geeinte Sudetendeutschtum ist mehr denn je bereit und fähig, als Gleiche unter Glei
chen die Verantwortung für den Staat mitzutragen und an feiner Neugestaltung mitzuwirken. Die Ausschreibungen von Wahlen, wie sie Konrad Henlein in feiner letzten Rede forderte, würden der Prager Regierung zeigen, daß sich zu diesem guten Willen 90 v. H. der sudetendeutschen Wählerstimmen bekennen. Es wäre nicht nur eine staatsmännische, sondern vor allem eine demokratische Tat, dem Sudetendeutschtum Gelegenheit zu diesem Bekenntnis der Mitverantwortlichkeit am Schicksal des Staates zu geben. Das Sudetendeutschtum ist bereit, dem Staate die innere Befriedung zu schaffen und damit auch seine außenpolitische Stellung zu festigen; es ist aber unter keinen Umständen bereit, auf seine völkischen, kulturellen und sozialen Rechte zu verzichten! Von dieser Erkenntnis auf tschechischer Seite wird Gedeih oder Verderb für die Zukunft des Staates abhängen.
Sodza kündigt Minderheitenstatut an.
Prag, £8. März. (DNB.) Der tschechoslowakische Ministerpräsident Dr. Hodza erklärte im tschechoslowakischen Rundfunk: Die Tschechoslowakei müsse feststellen, daß ihre Minderheitenpolitik stets von bestem Willen geleitet gewesen sei. Allerdings könne böser Wille in der ununterrichteten Welt den Eindruck erwecken, daß die Minderheiten in der Tschechoslowakei nicht frei atmen könnten. Die tschecho
slowakische Regierung habe sich deshalb entschlossen, ein Minder h eiten st atut auszuarbeiten, das bisherige Verfügungen über die Stellung der Minderheiten gesetzlich festlegen soll. Die Tschechoslowakei lasse sich von niemandem drängen und handele aus freiem Willen. Es drohe nach ihrer Auffassung kein internationaler Konflikt, die Tschechoslowakei wolle auch weiterhin Ruhe bewahren.
In nahezu 100 Versammlungen hat das Sudetendeutschtum am Sonntag seinem Willen zur Einigkeit Ausdruck gegeben. In den Reichenberger Messehallen sprachen vor etwa 20 000 Menschen die Abgeordneten Professor O b r l i k und Dr. Neu - wirth. Eine historische Tatsache bleibe es, daß die Sudetendeutschen zu jenen Volksgruppen gehören, denen das S e l b st b e st i m m u n g s r e ch t vorenthalten wurde. Alan habe in Prag die Sudetendeutschen als Gleiche unter Gleichen,'als zweites Staatsvolk und ähnlich bezeichnet. Im Widerspruch dazu stehe jedoch die Praxis der tschechoslowakischen Staatlichkeit. Die Nationalität-« seien nun aber im tschechoslowakischen Staat p »• litifd) mündig geworden, und durch die Eingliederung der letzten deutschen Regierungspartei sei die sudetendeutsche Einheit geschaffen. An die Adresse Prags gewendet, forderten die Redner nunmehr praktische Beiträge zur Befriedung.


