Ausgabe 
29.3.1938
 
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Hr.74 Erstes Blatt

188. Zahrgang

Dienstag, 29. März 1938

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Sie Einigung des SudeiendenWnmS.

Von unserem (Ca.)-Äerichterfiatter

Prag, Ende März 1938.

Die gewaltigen Ereignisse der Märztage des Jahres 1938, die die Geschichte des deutschen Volkes mit ehernen Lettern verzeichnen wird, haben eine ganze Welt veralteter Anschauungen und auf papie­renen Entrechtungsoerträgen fußender Ideologien aus den Angeln gehoben. Ganz Europa steht unter dem Eindruck jenes März-Tages, an dem 6,5 Mil­lionen deutsche Brüder sich wie ein Mann zum Reiche zurückfanden. Ohne daß ein Schuß gefallen oder auch nur ein Tropfen Blut geflossen wäre, fielen Grenzen, die die Pariser Vorortsverträge aufgerichtet hatten, wurde ein Staat aus der Karte Europas ausgelöscht, den ein wahnwitziges System gegen den Willen und die nationale Ueberzeugung seiner Bürger aufrechterhalten wollte. So sind die Tage vom 11. bis 13. März 1938, an denen di e deutsche O st mark wiedergeboren wurde, zum überragendsten Ereignis deutscher Geschichte geworden.

An die Mürz-Tage knüpft auch ein stolzes Kapitel s v. d e t e n d e u t s ch e r Geschichte an. Die Sehn­sucht von dreieinhalb Millionen deutschen Menschen fand durch die Welle nationaler Begeisterung und klarer Erkenntnis politischer Notwendigkeiten ihre Erfüllung. ^Der Aufruf Konrad Henleins in diesen geschichtlichen Tagen konnte kein anderes Ergebnis haben, als daß Tausende, die noch abseits gestanden waren, sich bedingungslos in die Su­detendeutsche Partei einrekhten. Wie Schnee in der Frühlingssonne schmolz der sudeten- deutfche Aktivismus in den kommenden Tagen bis auf einen kläglichen Rest deutscher Marxisten unter der Führung eines jüdischen Ministers zusammen. Das Kartenhaus des sudetendeutschen Aktivismus stürzte endgültig ein, als am 22. März der Vor­sitzende des Bundes der Landwirte, Gustav Hacker, seine Partei auflöste und in die Einheits­front des Sudetendeutschtums eingliederte. Die G e - werbepartei folgte unmittelbar mit dem glei­chen Entschluß, dessen Notwendigkeit schließlich auch die Deutsche Christlichsoziale Partei Rechnung trug, ihre Parteitätigkeit einstellte und ihre parlamentarischen Vertreter der Sudetendeut­schen Partei angliederte. Eine Anzahl kleiner Grup­pen, die politisch unbedeutend waren, sind schon vor­her in der Sudetendeutschen Partei aufgegangen. So hatte sich in wenigen Tagen die Struktur des politischen Sudetendeutschtums grundlegend ge­ändert. Die Selbstauslösung der aktivistischen Par­teien war das Bekenntnis des Versagens ihrer Poli­tik, die auf ehrlichem Willen aufgebaut, an der in Prag mit unglaublicher Zähigkeit aufrechterhaltenen Idee des tschechischen Nationalstaates scheitern mußte. Dem Entschluß der führenden Männer der deutschen Regierungsparteien wird die Geschichte ihre Anerkennung nicht versagen; die Erklärungen Gustav Hackers, daß der im Jahre 1926 begonnene Versuch, im Wege der Mitarbeit in der Regierung zu einer nationalen Befriedung im Staate und zur Sicherstellung der Lebensrechte der sudetendeutfchen Volksgruppe zu gelangen, gescheitert ist, ebenso wie die mit dem Regierungsbeschluß vom 18. Februar 1937 eingeleitete Politik völlig versagt hat, wird für das Sudetendeutschtum von geschichtlicher Bedeu­tung bltziben.

Durch diese Entwicklung hat sich für die Prager Regierung eine Tatsache bestätigt, die sie durch zwanzig Jahre nicht wahr haben wollte. Der große Irrtum, durch Anwendung äußerster Gewaltmittel einen tschechischen Nationalstaat, au flauen und auf­rechterhalten, aber die nationalen Forderungen und völkischen Bedürfnisse der Minderheiten, die die Hälfte der Bevölkerung des Staates stellen, durch Entrechtung und Unterdrückung ersticken zu können, steht vor aller Welt entblößt da. Selbst das der Tschechoslowakei befreundete Ausland hat mit seiner Meinung darüber nicht zurückgehalten.

Das heutige Bild der Prager Regierung ent­spricht deshalb vollkommen dem Ergebnis dieser unmöglichen Politik, die man in Prag seit dem Jahre 1918 betrieben hat. Zwei deutsche Minister haben durch ihren Rücktritt den zwölfjährigen Miß­brauch deutscher Verständigungsbereitschaft durch den Prager Zentralismus dokumentiert. Es ist für die innerpolitische Stimmung bezeichnend, daß so­gar der jüdisch-marxistische Minister Czech es vor­gezogen hat, sein Rücktrittsgesuch zu überreichen, als mit einem kläglichen Rest jüdisch-marxistischer Anhänger die Spottfigur einesdeutschen" Ver­treters in der Prager Regierung abzugeben.

Die Sudetendeutsche Partei unter Führung Kon­rad Henleins hat eine geradezu einzigartige Recht­fertigung ihres Kampfes gegen ein System gefun­den, das 3,5 Millionen Deutschen die Lebensrechte vorenthalten wollte. Die Einigung des Sudeten­deutschtums unter einer Führung, die Schaffung einer auf ein einziges Ziel ausgerichteten Kampf­front haben den Schlußstrich unter eine Entwick­lung gesetzt, die von der tschechischen Seite gewollt, gefördert und für die Schaffung eines Ohnmachts­zustandes der deutschen Volksgruppe ausgenützt wurde. Dieser Plan ist gescheitert, so wie er durch den Bestand eines volksbewußten und unbeug- krmen Kernes der deutschen Volksgruppe von vorn- fjerein zum Scheitern verurteilt sein mußte. Die tschechische Taktik vom 18. Februar 1937 hat jenes Ende aefunden, das die Prager Regierung hätte voraussehen müssen, wenn sie rechtzeitig bereitge­wesen wäre, den polittschen Wirklichkeiten dieses Staates Rechnung zu tragen.

Den künftigen Weg einer verantwortungsvollen, gerechten und den Gegebenheiten entsprechenden

Oer Gau Hessen-Nassau in Erwartung des Führers.

OerKührer spricht amOonnersiagnach einemEmpfang imORömer auf einerAbendkundgebung in der Frankfurter Festhalle.

Die Gauhauptstadt gerüstet.

Frankfurt a. M., 28. März. Der Führer und Reichskanzler wird am Donnerstag, dem 31. März, Frankfurt a. M. einen Besuch abstatten und am Abend dieses Tages von der Frankfurter Fe st Halle aus zu der Bevölkerung des Gaues Hessen-Nassau sprechen. Der Führer wird be­reits Donnerstag nachmittag in der Gauhauptstadt eintreffen. Nach feiner Ankunft fährt er zum Römer, wo ein Empfang ftattfinöen wird, bei dem sich der Führer in das Goldene Buch der Stadt Frankfurt a. M. eintragen wird. Vom Römer fährt der Führer zu,feinem Hotel. Von dort aus wird er zur Kundgebung in di e F e st h a l l e fahren. Auf allen Straßen und Plätzen, die der Führer bei feiner Anwesenheit in Frankfurt a. M. berührt, sind Lautsprecher aufgestellt, so daß diejenigen, die in der Festhalle

Deine Stimme dem Führer, denn ... er allein Hal dir den Glauben an Deutschland wieder- gegeben. Seinem Kampf und dem Einsatz seiner Getreuen hast du es zu verdanken, daß wir jetzt wieder ein großes und mächtiges Volk geworden sind, das niemand in der Welt übersehen und über­gehen kann.

keinen Platz mehr finden, den Empfang des Füh­rers im Römer und die Kundgebung miterleben können, lieber diese Lautsprecher werden auch un­unterbrochen Durchsagen über die Fahrt des Füh­rers durch Frankfurt gegeben. Das Lautsprecher­netz, das eine Länge von 4,5 Kilometer hat, geht von der Festhalle über Bismarckallee, Hohenzollern- Anlage, Hohenzollern-Straße, Hindenburgplatz, Kai- serstraße, Hauptwache, Zeil, Liebfrauenstraße und Neue Kräme zum Römer. Außer diesen 52 Laut­sprechern ist in der Festhalle eine moderne Anlage mit 72 Lautsprechern eingerichtet. Der Reichs- sender Frankfurt überträgt die Ankunft des Führers, den Empfang im Römer und die Groß­kundgebung, die rm gesamten Gau Hessen-Nassau im Gemeinschaftsempfang miterlebt wird.

Seit der Stunde, da der Besuch des Führers fest­stand, wird fieberhaft gearbeitet, um der Stadt ein Bild zu geben, das dieses großen Ereignisses wür­dig ist. In den Straßen, durch die der Führer kommt, wird ein Fahnenspalier errichtet und überall Grünschmuck angebracht. Die F e st h a l l e erhält innen und außen eine monumentale Ausschmückung. Die Ränge werden rot ver­kleidet und von der Decke herab hängen die Fahnen der Partei und aller ihrer Gliederungen. Var der Festhalle werden zwei zwölf Meter hohe Pylo­nen errichtet und vor dem Hauptbahnhof zwei zehn Meter hohe. Der Bahnhof wird eine be­sondere Ausschmückung mit Grün, Fahnen und Transparenten erfahren. Die Hauptwache wird von einer besonders großartigen Dekoration hervor- .gehoben. Vier 10 Meter hohe Pylonen werden auf dem Schillerplatz errichtet, die in zwei Meter hoher Schrift die Worte tragen, unter denen der ganze Wahlkampf geführt wird:Ein Volk, ein Reich, ein Führe r". Auch der Römerberg wird besonders ausgeschmückt und mit einer Fülle von Fahnen verschönt. Die Bevölkerung schmückt die Häuser und wird abends die Fenster mit Hun­derten van kleinen Lämpchen versehen.

Der gesamte Gau Hessen-Nassau steht seit d^r Nachricht von der Kundgebung des Führers in Frankfurt a. M. im Zeichen dieses größten Ereig­nisses für den Gau. Wie immer, wenn der Führer

zu uns kommt, werden die Wogen der Begeisterung höher schlagen und der Führer wird auch hier die Liebe seines Volkes erleben. Bei aller Begeisterung und bei aller Liebe zum Führer wird aber an die Disziplin der Bevölkerung appel^ l i e r t, den Anweisungen der Absperrungsmann­schaften unbedingt Folge zu leisten. Vor allen Din­gen darf unter keinen Umständen d i e Absperrung von Gruppen oder Einzelpersonen

durchbrochen werden, weil dadurch die Fahrer der Wagen mit einer ungeheuren Verantwortung belastet werden. Es wird besonders darauf hinge­wiesen, daß keine Blumen in den Wagen des Führers geworfen werden, weil dadurch Unfälle verursacht werden können. Die Bevölkerung des Gaues Hessen-Nassau wird auch in diesem Punkt vorbildliche Disziplin und Hal­tung bewahren.

Hiemanh wirb zu Hause bleiben!

Gin Ausruf des Gauleiters.

Der Führer kommt! Wieder geht dieser Rus durch den Gau Hessen-Nassau! Die Anwesenheit des Führers war für den Gau Hessen-Nassau immer der Höhepunkt des politischen Lebens! Dieser Besuch aber in der stolzesten Zeit der deut­schen Geschichte erfüllt uns mehr denn je mit un­endlicher Freude und Dankbarkeit! Aus einem Höhepunkt seines geschichtlichen Wirkens dürfen wir den Führer als den Schöpfer des deutschen Volksreiches und Befreier der Ost­mark begrüßen, ihm wieder ins Auge schauen und aus seinem Wunde die kommenden Aufgaben un­seres Großdeutschen Reiches vernehmen!

Wir werden alle Kraft daran sehen, dem Führer auf der Triumphfahrt durch sein neues größeres Deutschland auch in unserem Gau einen Emp­fang von einmaliger Wucht und Größe zu bereiten! Für den Gau Hessen-Nassau muß der 31. Wärz 1938 ein historischer Tag werden, der unauslöschlich in aller Erinnerung fortlebt! Tausende und. Abertausende werden den Weg um­

säumen, den der Führer kommt. Tausende und Abertausende werden ihn in der Festhalle und an den Lautsprechern auf Plätzen und Straßen hären! Niemand wird zu Haufe bleiben! Jeder einzelne muß seine Ehre daran sehen, den Straßen das schönste und strahlendste Festkleid an­zulegen, das sie jemals getragen haben! Ein wogendes Weer von Fahnen soll dem Führer entgegenleuchten, und es muß ein wahr­hafter Feiertag sein, den wir ihm mit unserer Liebe und unserem Dank bereiten!

Jeder sorge dafür, daß der 31. Wärz 1938 zu­gleich ein Bekenntnis zum Führer werde von einzigartiger Einmütigkeit und Ge­schlossenheit! Beweist auch bei dieser Gelegenheit der Welt, daß des Führers Leben und Werk ge­tragen ist von der unerschütterlichen Treue und der gläubigen Begeisterung eines ganzen Volkes! her­aus zum Empfang des Führers und zur Führer­kundgebung in der Festhalle!

heil Hitler!

gez.: Sprenger.

Hessen-Nassau im Siedlungswerk voran.

Gauleiter Sprenger spricht in der Heimstättensiedlung Sossenheim.

NSG. In einer Kundgebung in der Heim­st ä 11 e n fi e dl u n g am Bahnhof Frank­furt-Sossenheim sprach Gauleiter Spren­ger. Nach fünf Jahren der Regierung Adolf Hitlers, so führte er u. a. aus, gäbe es keinen Gau und keine Gemeinde mehr, wo nicht die Tatkraft des Führers deutlich zu spüren sei. Dor allem im Siedlungswesen sei im Gau Hessen-Nassau Hervorragendes geleistet worden. Bäuer­liche Siedlungen und Siedlungsheimstätten seien in ungeahntem Umfange geschaffen worden.^ So wie in Sossenheim etwa 100 Siedlungsheimstatten ent­standen wären, seien überall im Gau über 70 0*0 Siedl er stellen gebaut worden. Die gleichen Erfolge feien im Bau von Arbeiter- wohnstätten zu verzeichnen. Wenn wir im gleichen Schritt weitermarschierten, würde die Be- völkerüng nach weiteren fünf Jahren erst richtig den Segen der nationalsozialistischen Wohnpolitik begreifen lernen. Die Siedlungen, die immer ein Stück Land mit umfaßten, erhöhten den Lebens­standard und würden an der Erringung der Er­nährungsfreiheit mithelfen. Im Gau würde die Siedlungspolitik unermüdlich weitergetrieben. Nie­mals würde in der Energie nachgelassen werden, der breiten Masse unseres Volkes zu helfen. Der Gauleiter stellte dann fest, daß das deutsche Volk die reichste und arbeitswilligste Na­tion auf der Erde ist und geschlossen hinter dem Führer steht. Dies würde das Volk am 10. April beweisen. Die Menschen seien innerlich verschieden, aber doch eins, wenn es gelte,

sich vor der Welt als Deutsche zu bekennen. Deutsch­land würde wie ein Block stehen und. doku- mentieren, daß das große ZielEin Volk eiy Reich ein Führer" erreicht sei.

Die Kämpfer, die um Deutschlands Größe und Freiheit ihr Leben lassen mußten, sollen immer mit und unter uns sein. Damit der Name eines alten Kämpfers, der 1927 bei einer Kundgebung der NSDAP, in Nastätten erschossen wurde, 'in der Bevölkerung für ewig lebendig bleibt, soll die Sied­lung den Namen des toten Kameraden Wilhelm Wilhelmi tragen. Dieser Kämpfer, der sein Leben für die Gesamtheit des deutschen Volkes opferte, soll der Bevölkerung immer Vorbild sein. Die Siedlung, die an der Westerbacher Straße ge­legen ist, benannte der Gauleiter nach dem ^-Schar­führer Josef Dieser und ehrte damit einen roei» teren Soldaten Adolf Hitlers, der 1933 ermordet wurde. Diese Blutzeugen, so schloß der Gauleiter seine oft von Beifall unterbrochene Rede, seien ein Mahnmal, niemals mehr Zwietracht herrschen zu lassen. Für alle Zukunft wollen wir ein einiges Volk sein. Der Bevölkerung machte der Gauleiter zur Pflicht, den hohen Wert der Freiheit jedes Deutschen in den Herzen zu tragen und zu verwirk­lichen. Alle seien wir Deutsche mit gleichen Pflichten und gleichen Rechten. Adolf Hitler sei unser Vorbild und bleibe es immer in der Geschichte des tausendjährigen Reiches. An­schließend an die Kundgebung besichtigte der Gau­leiter die neue Siedlung, die seine volle Anerken­nung fand.

Politik muß jeder verantwortliche Politiker und be­sonders jeder tschechische Staatsmann klar vor Augen sehen. Den bisherigen Weg, an dessen Ende nur Illusionen stehen, die den Abgrund verdecken, weiter zu schreiten, müßte die Empörung eines ge­recht denkenden Europa Hervorrufen. Wenn man in Prag bis jetzt nicht mit Hinweisen darauf gespart hat, daß ein Angriff auf die Tschechoslowakei einen Weltkrieg entfesseln müßte, so hat man sich damit nur über die Gefahr hinweggetäuscht, die der eige­nen verfehlten Politik über kurz oder lang entsprin­gen mußte; ganz abgesehen davon, daß diese Poli­tik wohl den Eingebungen der tschechischen Linken entspricht, aber von einem Großteil des tschechischen Volkes selbst mit Rücksicht auf das Wohl des eige­nen Staates leidenschaftlich abgelehnt wird. Zwei­fellos stehen die führenden Männer des tschechoslo­wakischen Staates vor schweren und für den euro­päischen Frieden entscheidenden Entschlüssen. Es wäre also nur zu hoffen, daß die Beratungen der Prager Regierung, die nun werden folgen müssen, dieser Bedeutung Rechnung tragen und den rich­tigen Weg festlegen. Die Erklärungen des eng­lischen Ministerpräsidenten Chamberlain kön­nen dab>i gerade in jenen Teilen gute Anhalts­punkte bieten, in welchen sie die tschechischen Er­wartungen nicht erfüllt haben.

Das geeinte Sudetendeutschtum ist mehr denn je bereit und fähig, als Gleiche unter Glei­

chen die Verantwortung für den Staat mitzutra­gen und an feiner Neugestaltung mitzuwirken. Die Ausschreibungen von Wahlen, wie sie Konrad Henlein in feiner letzten Rede forderte, wür­den der Prager Regierung zeigen, daß sich zu die­sem guten Willen 90 v. H. der sudetendeutschen Wählerstimmen bekennen. Es wäre nicht nur eine staatsmännische, sondern vor allem eine demo­kratische Tat, dem Sudetendeutschtum Gelegen­heit zu diesem Bekenntnis der Mitverantwortlichkeit am Schicksal des Staates zu geben. Das Sudeten­deutschtum ist bereit, dem Staate die innere Befrie­dung zu schaffen und damit auch seine außenpoli­tische Stellung zu festigen; es ist aber unter keinen Umständen bereit, auf seine völkischen, kulturellen und sozialen Rechte zu verzichten! Von dieser Er­kenntnis auf tschechischer Seite wird Gedeih oder Verderb für die Zukunft des Staates abhängen.

Sodza kündigt Minderheitenstatut an.

Prag, £8. März. (DNB.) Der tschechoslowakische Ministerpräsident Dr. Hodza erklärte im tschecho­slowakischen Rundfunk: Die Tschechoslowakei müsse feststellen, daß ihre Minderheitenpolitik stets von bestem Willen geleitet gewesen sei. Allerdings könne böser Wille in der ununterrichteten Welt den Ein­druck erwecken, daß die Minderheiten in der Tsche­choslowakei nicht frei atmen könnten. Die tschecho­

slowakische Regierung habe sich deshalb entschlossen, ein Minder h eiten st atut auszuarbeiten, das bisherige Verfügungen über die Stellung der Min­derheiten gesetzlich festlegen soll. Die Tschechoslowa­kei lasse sich von niemandem drängen und handele aus freiem Willen. Es drohe nach ihrer Auffassung kein internationaler Konflikt, die Tschechoslowakei wolle auch weiterhin Ruhe bewahren.

In nahezu 100 Versammlungen hat das Sudeten­deutschtum am Sonntag seinem Willen zur Einig­keit Ausdruck gegeben. In den Reichenberger Messe­hallen sprachen vor etwa 20 000 Menschen die Ab­geordneten Professor O b r l i k und Dr. Neu - wirth. Eine historische Tatsache bleibe es, daß die Sudetendeutschen zu jenen Volksgruppen gehören, denen das S e l b st b e st i m m u n g s r e ch t vor­enthalten wurde. Alan habe in Prag die Su­detendeutschen als Gleiche unter Gleichen,'als zwei­tes Staatsvolk und ähnlich bezeichnet. Im Wider­spruch dazu stehe jedoch die Praxis der tsche­choslowakischen Staatlichkeit. Die Nationalität-« seien nun aber im tschechoslowakischen Staat p » litifd) mündig geworden, und durch die Eingliederung der letzten deutschen Regierungspar­tei sei die sudetendeutsche Einheit ge­schaffen. An die Adresse Prags gewendet, forderten die Redner nunmehr praktische Beiträge zur Befriedung.