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>88. Jahrgang . Dienstag, 28.3uni 1958
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Prag droht mii Disziplinargerichten.
Gonniagsreden ischechoslowakischer Minister. - Sie wahre Stimmung im Regierungslager.
Prag, 27.Juni. (Europapreß.) Das erste freie Wochenende, das die tschechoslowakischen Regie- rungsmitgliedtzr seit langem hatten, benutzten einige von ihnen dazu, um in der Provinz aus P arte l o e r s a m ml u n g e n zur politischen Lage Stellung zu nehmen. Alle diese Reden sind für den Geist der Verhandlungen, die mit den Volksgruppen geführt werden, aufschlußreicher gewesen als die in den letzten Tagen sich häufenden amtlichen Verlautbarungen, die nur allzu oft völlig nichtssagend waren.
In der Slowakei sprach bei einer Versammlung der slowakischen Sozialdemokraten Justizminister D erer, der u. a. erklärte: „Wir wollen nicht, daß bei uns politische Gegner erschossen und gehenkt werden, aber wir müssen in unserer Demokratie stark und energisch gegen umstürzlerische Elemente austreten.
Die Regierung ist entschlossen, jeden umstürzlerischen Versuch in der Tschechoslowakei zunichte zu machen. Das Gesetz über die Disziplinargerichte bei jeder Landesbehörde wird konsequent durchgeführt werden. Die A n g e st e l L l e n des Staates, der staatlichen Unternehmungen und Einrichtungen sowie auch alle Gemeinde- und Kirchenbeamken werden vor diese Disziplinargerichte gestellt werden, wenn sie gegen die verfassungsmäßigen Grundlagen des Staates verstoßen oder solchen Organisationen angehören sollten, die gegen die Einheit und Souveränität der Republik gearbeitet haben. Rach den Gemeindewahlen ist die Regierung entschlossen, der Verwirrung ein Ende zu machen. Denn in der Republik und in unserer Slowakei muß endgültig Ordnung herrschen."
Bei der Tagung der Tschechischen Klerikalen sprach Arbeitsminister D o st a l e k als Repräsentant jener Partei, die sich in den letzten Tagen bei den Verhandlungen über die Nationalitätenfrage als zäher Verteidiger eines nahezu völlig halsstarrigen Standpunktes erwiesen hat. Dostalek glaubte u. a. folgendes feststellen zu müssen: „Es ist noch nicht lange her, daß sich unsere Armee der Welt als eine der besten europäischen Armeen vorgestellt hat. Sie hat ihre Prüfung mit Auszeichnung bestanden, wofür ihr unsere unendliche Dankbarkeit gebührt.
; Rach zwanzigjähriger Arbeit können wir heule ' mit ruhigem Gewissen erklären, daß sich unser demokratisches Regime allseitig bewährt hat. Schade, daß es nicht immer gelungen ist, der feindlichen Propaganda im Innern des Landes wirksam entgegenzutreten. Es ist wahr, daß das Jubiläumsjahr infolge der politischen Ereignisse einen anderen Inhalt erhielt, als wir ihn uns bis vor kurzem vorgesiellt haben. Wir wollten feiern. Dir werden es auch tun, aber so, daß, wenn aus uns schon eine belagerte Festung gemacht wurde, diese tschechoslowakische Festung uneinnehmbar wird. Wir wollen keine unzufriedenen Bürger haben, mögen sie dieser oder jener Rationalität angehören. Wir wollen in allem loyale Staatsbürger mit einem positiven Verhältnis zum tschechoslowakischen Staat haben. Unsere demokratische Einrichtung gibt allen das, worauf sie Anspruch haben und was ihnen gebührt.
Die Zeit ist derart ernst, daß unter diesen Umständen jeder Streit im Innern aufhören must. Deshalb gibt es weder eine Rechte, noch eine Linke, sondern nur die tschechoslowakische Nation und den tschechoslowakischen Staat. Um gewappnet zu sein, machen wir das Nation« litäten st atut, aber wir werden auch andere Maßnahmen treffen, damit wir niemals ausgeschaltet werden können. Wir hoffen fest, daß weder unsere Verbündeten im Westen, noch im Osten eine Lage schaffen werden, die zu einem Kriege reizen könnte."
Ton und Inhalt dieser amtlichen Worte aus der Tschechoslowakei werden,'da im Schatten der Prager Verhandlungen über das Nationalitätenstatut gesprochen, nicht nur bei den oppositionellen Volksgruppen der Tschechoslowakei Befremden hervor- rufen. Wenn selbstzufrieden erklärt wird, daß das demokratische tschechoslowakische Regime sich seit zwanzig Jahren allseitig bewährt habe, scheint man geflissentlich zu übersehen, daß eine game Welt, und zwar nicht nur eine Prag feindliche Welt seit einigen Monaten erhebliche 3 n> ei f e I in .die Erfolge dieses Regimes setzt, und daß man nicht zuletzt in Londoli und Paris auf eine gründliche Reform dieses Regimes drängt. Glaubt man die abseits stehenden Volksgruppen zu gewinnen, indem man sie als umstürzlerische Elemente zu brandmarken oerfucht? Hofft man, den Glauben an die Loyalität der Prager Regierung, in den Verhandlungen über das Nationalitätenstatut zu stärken, indem man mit Disziplinargerichten droht und neben dem Statut auch „andere Maßnahmen" ankündigt, „um niemals ausgeschaltet zu werden"? Wenn man „loyale Staatsbürger" mit einem positiven Verhältnis zum tschechoslowakischen Staat wünscht, mag man sich m Prag überlegen.
was die Regierung bisher gegenüber den Volksgruppen geleistet hat, um sich zu einer solchen Forderung berechtigt zu fühlen. Aber vielleicht heißt es zuviel verlangen, von amtlichen Vertretern eines Staates, der aus Widersprüchen und Willkür her- vorgegangen ist, andere Auffassungen zu erwarten als neue Widersprüche und Ankündigung neuer Willkürmaßnahmen.
Gegen das deutsche Volkstum in Ostoberschlesien.
Deutschstämmige Arbeiter und Angestellte aus den Betrieben verdrängt.
.Berlin, 27. Juni. (DNB.) Wie aus Kattowitz gemeldet wird, hat der Verband der deutschen Angestellten in Polen am 11. Juni an den schlesischen Woywoden Graczynski eine Eingabe gerichtet, in der auf die Auswirkungen der „Reorganisation" in der polnisch-oberschlefi- schen Industrie chingewiesen und dabei die Bitte um Hilfe für die arbeitslos gewordenen Mitglieder und ihre Familien ausgesprochen wird.
In der Eingabe wird festgestellt, daß seit dem Jahre 1934 bis Ende März 1938 nicht weniger als 1268 Mitglieder des Verbandes, die zum größten Teil jahrzehntelang in den Jndustrieverwal- tungen und Betrieben tätig waren, ihre B e - schäftigung verloren haben. Bis Ende März feien wiederum 25 Mitglieder des Verbandes, die it\ Handel und Industrie tätig sind, Kündigungen zugestellt worden.
Der Verband ist bisher auf seine Eingabe ohne Antwort geblieben. Die Eingabe behandelte nur einen Teil der systematischen Entlassungen deutschstämmiger Arbeitnehmer. Erst vor kurzem haben die Vorstände der „Gewerkschaft deutscher Arbeiter" auf einer Konferenz in Königshütte darauf verwiesen, daß sich die Lage der deutschen Industriearbeiter infolge der fortdauernden Entlassungen immer schwieriger gestalte und daß trotz der Minderheitenerklärungen vom 5. November 1937 und der Zusage des polnischen Ministerpräsidenten eine Besserung oder Entspannung in der Behandlung der werktätigen deutschen Bevölkerung nicht eingetreten sei. Nach wie vor würden deutsche Arbeiter ohne Grund und im Widerspruch zu der bestehenden Arbeiterschutzgesetzgebung aus den Betrieben verdrängt.
Rote Häfen sind wichtige mititärischeZiele
General Franco begründet die Notwendigkeit nationaler Lustangriffe.
London, 28. Juni. (DNB. Funkspruch.) Einem Korrespondenten der „Times" erklärte General Franco, daß die einzige Möglichkeit zur Lösung der durch die Bombenabwürfe auf rote Häfen entstandenen Fragen in der Bereit- Stellung eines bestimmten Hafens bestehe, der ausschließlich dem Handel mit nichtmilitärischen Gütoern zu dienen habe. Von einem solchen Hafen müßten alle militärischen Anlagen entfernt werden. Seine Verwaltung müßte der Kontrolle von neutralen Beobachtern übertragen werden.
Franco stellte auf das entschiedenste in Abrede, daß die nationalen Flieger planmäßig sich britische Schiffe für ihre Angriffe aussuchten. Seine Flieger seien infolge der Beschießung durch die rotspanische Luftabwehr und die Verfolgungsgefahr gezwungen, in groß-er Höhe u-n b in beträchtlicher Geschwindigkeit zu fliegen. Es fei daher unmöglich, die in der Gefahrenzone liegenden Schiffe zu unterscheiden. Auch fei ein genaues Treffen unmöglich. Die Flieger nähmen sich ausschließlich militärische Ziele vor. Höfen feien aber in jedem Kriege mit vollem Recht militärische Ziele, besonders aber im Kriege mit den spanischen Bolschewisten, da gerade ihnen über die Mittelmeerhäfen dauernd neue Waffen zugef- ührt würden. Außerdem, befänden sich in diesen Häfen Rüstungs- fabriken und Luftabwehrbatterken. Die Mehrzahl der in letzter Zeit zu Schaden gekommenen „britischen Schiffe" sei in Wirklichkeit gar nicht britisch gewesen, sondern das Eigentum von Gesellschaften, die aus dem Schutz der britischen Flagge Vorteil ziehen wollten. Viele dieser Schiffe seien früher in Besitz von Spaniern gewesen und bei Beginn des Krieges von den Sowjets beschlagnahmt worden.
Dann beschäftigte sich Franco mit dem spanischen Gold bei der Bank, von Frankreich. Er betonte, daß das Gold nicht dem spanischen Staate gehöre, sondern das Eigentum einer privaten spanischen Bankgesellschaft fei. Es gehöre privaten Effektenbesitzern, von denen die meisten, ebenso wie fast das gesamte Direktorimn der Bankgesellschaft,
sich auf nationalspanischem Gebiet befänden. Bankeinbrüche und Verschleppung alles Erreichbaren aus Spanien feien charakteristisch für die Machthaber in Barcelona. Eine Auslieferung des bei der Bank von Frankreich deponierten spanischen Goldes an die Rotspanier würde daher eine unüberbrückbare Kluft zwischen Nationalspanien und Frankreich aufreißen.
Moskau hinter den Provokationen Varcelonas.
Die Auffassung in Paris.
Paris, 28. Juni. (DNB. Funkspvuch.) „Malin" stellt erneut fest, daß die Lage in Rotspanien verzweifelt sei. Man brauche nur die von Moskau beeinflußte Presse zu lesen, die die letzten Maßnahmen an der französischen Pyrenäengrenze heftig angreife, um zu verstehen, zu welchen Mitteln Leute greifen könnten, die von den Sowjets instruiert wurden. Die Drohung Barcelonas fei hierfür bezeichnend. Die Moskauer Freunde der Rotspanier sähen die Partie als verloren .an und drängten daher auf einen allgemeinen Konflikt, der seit zwei Jahren ihr Hauptziel fei. Frankreich und England würden sich jedoch in ihrem Streben nach Aufrechterhaltung des Friedens in Europa mit allen ihren Kräften gemeinsam diesen Manövern widersetzen. „Petit Journal" berichtet aus London, daß man sich dort die Frage vorlege, ob die neuen Bombenangriffe auf englische Schiffe in Valencia und Alicante tatsächlich von nationalspanischen Fliegern ausgeführt worden feien, denn Francos Interesse gebe offensichtlich dahin, die öffentliche Meinung nicht vor- den Kopf zu stoßen. Angesichts der Haltung Barcelonas habe man das Recht zu der Frage, ob man wieder vor einer Provokation stehe. Die „Volonte" fragt ebenfalls, ob die Roten, wenn sie den teuflichen Plan zur Provozierung eines Weltkrieges weiterhin verfolgten, nicht zeitweilig die Urheber der unerhörten Anschläge seien, die man General Franco in die Schuhe schiebe.
Gegenwärtig der Friede gesichert.
Italien stellt Zuriickrveichen Barcelonas fest.
Rom, 27. Juni. (Europapreß.) Die römische Presse stellt mit Befriedigung fest, daß die Bolschewisten in Barcelona, die Ende vergangener Woche mit „Repressalien" gegen die Staaten gedroht hatten, die General Franco ihre Unterstützung angedeihen lassen, bereits „Gegendampf gegeben" haben. Dieses Zurückweichen, schreibt Gayda im „Giornale d'Jtalia",, sei keineswegs auf den Widerstand zurückzuführen, auf den die wahnwitzigen Absichten der spanischen Bolschewisten in London sind Paris gestoßen seien, sondern ausschließlich auf die u n - mißverständliche Warnung Italiens, daß jeder Versuch einer bewaffneten Aktion gegen italienische Städte und Jnteresien mit bewaffneter Hand zurückgewiesen werde. Die klare unik einfache Regel des faschistischen Italiens sei, auf Kanonen ebenfalls mit Kanonen und nicht mit papiernen Protesten zu antworten. Die Ausflüchte der Roten, es handle sich nur um ein Mißverständnis, würden bei niemandem Glauben finden, denn die Reaktionen in London und Paris feien zu heftig gewesen, um die Annahme zuzulassen, daß sie durch ein Mißverständnis ausgelöst worden seien. Es stehe vielmehr fest, daß die spanischen Bolschewisten die Bombardierung nicht nur von Mallorca, sondern auch von italienischen Städten wie Genua, Neapel und Rom geplant hätten. Aber in Ita
lien mache man' sich über diese Möglichkeit keine Sorgen. Italien sei wachsam und durch seine stets bereite Luftabwehr gut geschützt. Aber ein solcher Angriff auf irgendeinen Punkt des italienischen Gebiets würde zur Folge haben, daß Italien sofort Vergeltungsmaßnahmen gegen das sowjet- spanische Gebiet unternehmen werde. Gegenwärtig scheine der Friede gesichert, aber nicht auf lange Zeit, denn dieser verfehlte Anschlag 'Barcelonas bestätige erneut die Absicht der Bolschewisten, in Spanien und anderswo, ihre verzweifelte Lage durch wahnwitzige und verbrecherische Unternehmen in Europa zu retten.
Unterredung Mussolinis mit Marschall Badogtio.
Rom, 28. Juni. (Europapreß.) In später Abendstunde des Montags wurde hier eine amtlich Verlautbarung ausgegeben, die besagt, daß der Duce am Montag mit Marschall Bado- g I i o eine Unterredung über Fragen militärischen Charakters hatte. Nach dieser Unterredung hatte Mussolini eine weitere Besprechung mit dem Chef des Generalstabes, Unterstaatssekretä'r P a r i a n i.
Polens Bauernpolifik.
Von unserem X H.-Korrespondenten.
W a rfch a u,' Juni 1938.
Die polnische Öffentlichkeit wurde zwei Wochen lang von einem großen politischen Prozeß in Spannung gehalten, der in Przemysl gegen das Leitungsmitglied der bäuerlichen Volkspartei, Dr. M- lold Jedlinski, geführt wurde. Jedlinski war der Geheimbündelei und des Aufruhrs angeklagt, weil er den Bauernstreik in Galizien irh Sommer des vorigen Jahres, der zahlreiche Menschenopfer gefordert hat, organisiert haben soll. Ueberraschend war das Urteil: Jetzlinski wurde von der Anklage der Geheimlmndelei ffeigesprochen und nur wegen Aufruhrs zu 18 Monaten Gefängnis verurteilt.
Das verhältnismäßig milde Urteil gegen einen führenden Kopf der bäuerlichen Opposition läßt erkennen, wie sehr der Regierung an einer Versöhnung mit den Bauern liegt. Hatte es schon Aufsehen erregt daß Staatspräsident Moscicki vor wenigen Wochen auf feinem Schloß Spala zwei Vertreter der Volkspartei» empfangen hatte, so bestätigt das Urteil von Przemysl die Ansicht politischer Kreise, daß vom Regierungslager alle Anstrengungen gemacht werden sollen, um durch eine Lösung der Bauernfrage zu einer Generalbereinigung des innerpolitischen Lebens zu gelangen.
Das Schicksal des Landes, in dem 73 v. H. der Bevölkerung auf dem Lande wohnen, läßt sich vom Schicksal des Bauern nicht trennen. Diese Erkenntnis wurde auch vom Chef des Regierungslagers, dem General Skwarczynfki, kürzlich in Lublin unterstrichen, als er ein Bauernprogramm des „Lageks der Nationalen Einigung" entwickelte. Die elende Lage der polnischen Bauernschaft ist nicht etwa erst eine Folge der Weltwirtschaftskrise, sondern sie ist in erster Linie der Uebervölke- r u n g großer Teile Polens zuzuschreiben. In Galizien und großen Landstrichen Kongreßpolens ist der Bevölkerungsdruck so groß, daß auf einem Quadratkilometer über 100, in der Provinz Krakau sogar 132 Einwohner entfallen. Nur den menschenarmen Ost- und Nordostprovinzen verdankt es Polen, daß es in der Reihe der europäischen Staaten nach seiner Bevölkerungsdichte erst an neunter Stelle steht. General Skwarczynski hat die K lein- h e i t der Bauernwirtschaften als Hauptursache des polnischen Bauernelendes bezeichnet. Von 3,2 Millionen landwirtschaftlichen Betrieben, ohne Großgrundbesitz, entfallen 2,1 Millionen auf Güter von einer Große nicht über 5 Hektar und 750 000 Betriebe find nicht größer als 20 Hektar. Die Zwergwirtschaft als Folge der Uebervölkerung des Dorfes, die noch kein ausreichendes Ventil in größeren Industriezentren besitzt, bestimmt die Struktur der polnischen Landwirtschaft. Dort aber, wo noch Land vorhanden ist, in den Provinzen von Wilna, Pole- sien und Wolhynien,' wirkt' sich die Entlegenheit verhängnisvoll aus, weil die landwirtschaftlichen Erzeugnisse keinen Absatz finden und der Bauer nicht in der Lage ist, die für eine wirtschaftliche Bodennutzung erforderlichen Maschinen anzuschaffen. Die Preisschere zwischen Industrie- und landwirtschaftlichen Erzeugnissen, ist so groß, daß an eine Intensivierung der Bodennutzung in absehbarer Zeit kaum zu denken ist.
Die Dorfkommission des Obersten Rates des Regier rungslagers hat deshalb ein Aktionsprogramm aus^ gearbeitet, das vor allem die Liquidierung der Zwergwirtschaften als das wichtigste soziale Problem des Dorfes bezeichnet. Seine Beseitigung dürfte wohl nur durch eine Fortsetzung der 1925 beschlossenen Agrarreform zu erreichen sein, derzufolge aller Großgrundbesitz im Ausmaße von über 180 Hektar (im Osten 300 Hektar) zu parzellieren fei. Bisher wurde dieses Gesetz
Zehn pflichten für Kutscher.
Verkehrsgemeinschafl ist ein Stück Volksgemeinschaft! Vergiß das nie! Präge dir ein und behälfe gut und für immer:
Erste Pflicht: Scharf rechts am Rand der Fahr» bahn fahren!
Zweite Pflicht: Kraftfahrzeuge und Straßenbahnen vorfahren lassen, wenn du nicht auf gekennzeichneter Hauptstraße fährst!
Dritte Pflicht: Vor dem Einbiegen nach links die entgegenkommenden Fahrzeuge vorbeilassen! Rechtzeitig abwinken!
Vierte Pflicht: Nach links in weitem und nach rechts in engem Bogen einbiegen!
Fünfte Pflicht: Dich überzeugen, ehe du aus einem Grundstück herausfährst, ob du auch den Straßenverkehr nicht gefährdest!
Sechste Pflicht: Bei Dunkelheit oder Nebel an deinem Fuhrwerk links und rechts je eine hellbrennende Laterne führen!
Siebente Pflicht: Dafür sorgen, daß die Ladung deines Fuhrwerkes seitlich nicht herausragt'!
Achte Pflicht: Das äußerste Ende deiner Ladung, wenn sie über dein Gefährt herausragt, durch eine große rote Flagge und bei Dunkelheit oder Nebel durch eine rote Laterne kennzeichnen!
Neunte Pflicht: Ein unbespanntes Fahrzeug bei Dunkelheit ober Nebel grundsätzlich von der Straße fernhalten!
Zehnte Pflicht: Beim Verlassen des Fuhrwerkes die Bremfe an ziehen, die Leine kurz an- binden und die Tiere innen absträngen!
balle dich streng an diese Geboke! Wer sie übertriff, versündigt sich an der Gesundheit und am Wohlstand feines Volkes!


