Ausgabe 
28.4.1938
 
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Eßt mehr Käse!

Fwd. Das reiche Angebot auf dem Käsemarkt hat die Hauptvoreinlgung der deutschen Milchwirtschaft veranlaßt, zusammen mit dem Lebensmitteleinzej- handel vom 2. bis 14. Mai eine umfassende Käse­werbung im ganzen Reichsgebiet durchzuführen. D'.e Werbung soll vor allem in größeren Städten und Verbrauchsgegenden stattfinden und sich auf den Ab­satz sämllicher Käsesorten erstrecken. Der Einzechan­del ist zu einer geeigneten Schaufensterwerbung auf­gerufen worden: durch verstärkte Dekoration der Schaufenster und vermehrte Auslagen aller auf dem Markt befindlichen Käsesorten sollen für den Käse neue Käufer gewonnen werden.

Irühjahrskur mit grünem Galat.

ZdR. In das neue Werden der Natur im Früh­ling ist auch der Mensch mitten hineingestellt, der in seelischer, geistiger und körperlicher Hinsicht jedes Jahr einen Wandlungsprozeß durchmacht. Altes und Ueberständiges wird abgestoßen, um neuem Leben Platz zu machen. Um diesen Vorgang zur vollen Auswirkung gelangen zu lassen, ist es vor allem wichtig, daß wir uns in unserer Ernährung umstellen auf solche Lebensmittel, die den Aufbau unseres Körpers besonders stark fördern. Diese Auf­gabe erfüllt z. B. der grüne Salat, den es jetzt wie­der überall zu kaufen gibt. Er enthält die Lebens­träger, die Vitamine, in reichstem Maße, und wir werden chn daher gerne wieder in unseren Küchen­zettel eingliedern. Außer den Vitaminen A uni) C entnimmt unser Organismus dem Salat für den Neuaufbau wichtige Mineralsalze, während die Zellulose anregend auf die Verdauungstätigkeit wirkt. Von größter Bedeutung sind seine blutbil­denden und Appetit anregenden Eigenschaften. Da­durch, daß wir den Salat roh genießen nur mit einer Tunke je nach Geschmack angerichtet kommt unserem Körper sein voller Nähr- und Aufbauwert zugute. Die Marktordnung und eine vorbildliche Transportorganisation sorgen dafür, daß die Salat- töpfe billig und in frischem Zustand bis zum Ver­braucher gelangen, so daß wir uns im eigenen In­teresse die Gelegenheit nicht entgehen lassen sollten, dieses wohlschmeckende Früherzeugnis des deutschen Bodens so oft wie möglich zu verzehren.

Gießener Wochenmarktpreise.

* G i e ß e n, 28. April. Auf dem heutigen Wochen­markt kosteten: Deutsche feine Molkereibutter, % kg 1,57 Mark, feine Molkereibutter 1,52, Markenbutter 1,55 bis 1,60 Mark, Matte 20 bis 25 Pf., Käse, das Stück 5 bis 10, Eier, deutsche, vollfrisch, Klasse S 13, Klasse A 12%, Klasse B 12, Klasse C 11/*, Klasse D 10%, Wirsing, % kg 15, Weißkraut 14 bis 15, Rot­kraut 18, gelbe Rüben und Karotten 10 bis 12, rote Rüben 10 bis 12, Spinat 10 bis 12 Pf., Spargel 1,20 Mark, Unterkohlrabi 8 Pf., Feldsalat, Vio 8 bis 10, Tomaten, % kg 40 bis 45, Meer­rettich 40 bis 50, Schwarzwurzeln 20 bis 35, Rha­barber 18 bis 20, Kartoffeln, % kg 5 Pf., 5 kg 44 Pf., 50 kg 3,30 bis 3,90 Mark, Aepfel, % kg 15 bis 40 Pf., Suppenhühner 90 Pf. bis 1,05 Mark, Blumenkohl, das Stück 30 bis 50 Pf., Salat 10 bis 25, Salatgurken 70 bis 80, Oberkohlrabi 20 bis 25, Lauch 5 bis 12, Sellerie 10 bis 30, Rettich 10 bis 20, das Bündel 30, Radieschen, das Bündel 10 bis. 15 Pf. .

** Wohnhausneubau f ü r das Elek­trizitätswerk. Auf dem früheren Wichard- schen Grundstück, Ecke Gabelsberger- und^ Lahn- stratze, wird durch das städt. Elektrizitätswerk ein Dreifamilien-Doppelwohnhaus mit insgesamt sechs Wohnungen zu je 3 Zimmern und Zubehör zur Ausführung gebracht. Mit den Bauarbeiten hat man seit einigen Wochen begonnen, so daß jetzt das Kellergeschoß fertiggestellt werden konnte. Die Erd-, Maurer- und Betonarbeiten kommen durch die hiesige Baufirma Wagner zur Ausführung. Die Bauarbeiten sollen beschleunigt durchgeführt wer­den, damit die Wohnungen noch in diesem Herbst bezogen werden können.

Die Preffe-Marbeitenn in der Jrauenschast.

Tagung der presse Mitarbeiterinnen

Am Dienstag kamen zum erstenmal die neu­ernannten Pressemitarbeiterinnen aus den Orts- rauenschaften imBurghof" in Gießen zusammen. Die Abteilungsleiterin für Presse und Propaganda des Kreises Wetterau, Frau Klewitz, eröffnete die Arbeitstagung mit einem Wort des Führers und begrüßte chre neuen Mitarbeiterinnen, außerdem die Kreisfrauenschaftsleiterin Frau W r e d e und die Gauabteilungsleiterin Fräulein Hoch aus Frank­furt.

Nach gemeinsamem Gesang sprach Fräulein Hoch über die Aufgaben der Abteilung Presse und Pro­paganda. Sie betonte, daß dieses Gebiet ein sehr vielseitiges und interesiantes sei, und daß die Ar­beit der Pressemitarbeiterin in enger Fühlung mit der Ortsfrauenschaftsleiterin zu leisten ist und diese entlasten soll.

Fräulein Hoch ging dann näher auf die verschie­denen Arbeitsgruppen im Deutschen Frauenwerk ein, deren Leiterinnen ebenfalls an der Presse­mitarbeiterin eine beratende Hilfe finden werden. Zum Zweck der Werbung sind von der Presse- mitarbeiterin Lehrfilme jeder Art vorzuschlagen und durch die Kreisabteilung anzufordern. So kann an den Abenden der Arbeitsgemeinschaft Grenzland- Ausland ein Film aus den Kolonien, oder aus den abgetrennten Gebieten gezeigt werden, oder wirt­schaftliche Maßnahmen, wie die Altmaterialsamm- lung, werden den Frauen durch die Lichtbilder er­klärt und nahe gebracht.

Die Pressemitarbeiterin ist auch verantwortlich für gelegentliche Ausstellungen, die ebenfalls zum

der NS-Jrauenschast in Gießen.

Zwecke der Werbung durchgeführt werden. Sie wird den Abteilungsleiterinnen von Volkswirtschaft - Hauswirtschaft beratend zur Seite stehens wenn sie ihre Gerichteschau, die der Wahl wegen verschoben wurden, demnächst vorführen. Die Werbung und Vorhereitung für einen neuen Lehrgang des Mütter­dienstes wird auch von der Pressemitarbeiterin ge­meinsam mit der Vertrauensfrau geplant und für jede Gemeinde pasiend ausgeführt werden. Dabei kann eine kleine Schau von Kleidungsstücken, z. B. Neues aus Altem, veränderte Kindersachen, Säug­lingswäsche und dgl. Gegenstände, tfie im Näh- und Flick-Kurs in der 'Nachbargemeinde hergestellt wur­den, gezeigt werden.

^Die Pressemitarbeiterin soll monatlich einen Stim­mungsbericht an ihre Kreisabteilung senden, in dem sie über die gesamte Arbeit in ihrer Ortsfrauenschaft berichtet, der einen Ueberblick gibt über den Besuch der Pflichtabende, über die Beteiligung der Frauen an gemeinsamen Arbeiten, an Filmvorführungen, an Lehrgängen des Mütterdienstes, damit auch sta­tistisch festgestellt werden kann, was in den Frauen- scyaften geleistet wird.

Fräulein Hoch gab zum Schluß noch wichtige Richtlinien über die Berichterstattung für die Zei­tungen. Nur besondere Veranstaltungen sind um­gehend an die Kreisabteilungsleiterin zu melden, die alle Berichte nachsieht und an die Presse weiter­leitet.

Eine lebhafte Aussprache klärte noch verschiedene Fragen. Dann gingen die Frauen mit frischem Mut an ihre neue Aufgabe. F. K.

Der Kolomalgedonke in der Jugenderziehung.

In einer Versammlung des NS.-Lehrerbundes, Bez. Gießen-Land, unter' dem Vorsitz von Rektor Siegfried, am Mittwochnachmittag imBurg­hof" fprach der Ortsverbandsleiter Ernst Schnei- d e r der Ortsgruppe Gießen des Reichskolonialbun­des über den kolonialen Gedanken in der Jugend­erziehung. Er hob dabei hervor, wie wichtig die Mitarbeit der Lehrerschaft für die Ausbreitung des Kolonialgedankens, vor allem durch weitgehende Berücksichtigung der kolonialen Frage im Unterricht, ist. In eingehenden Ausführungen gab er einen Ueberblick über den Wert der Kolonien für die ge­samte Volkswirtschaft als Rohstoffquelle und als' Warenaustauschoebiet. Dabei flocht er aus seiner praktischen Erfahrung im Kolonialdienst in Deutsch- Südwest manche 'Erfahrungen ein.. Mit zahlen­mäßigen Angaben kennzeichnete er das Ausbeu- tungssystem der jetzigen Mandatsherren, und schil­derte die Not der deutschen Farmer, die trotzdem unbeirrbar auf der Wacht für das Deutschtum aus­halten.

Anschließend befaßte sich der Vortragende mit der Kolomalschuldlüge, die längst durch die Tatsachen widerlegt ist und von einsichtigen ehemaligen Geg­nern auch eingestanden wurde. Die Aufgaben, die dem deutschen Volke nun erwachsen, sind in ihrer volkspolitischen, charitativen und erzieherischen Struktur so mannigfaltig, daß der Einsatz und die Michilfe des letzten Deutschen notwendig ist, um die Voraussetzungen für die großen Ziele der Poli­tik des Führers zu schaffen. Jeder Deutsche muß mit dem kolonialen Gedanken nicht nur hinsichtlich unserer Kolonien und deren Werte, sondern auch über den kolonialen Besitz der anderen Völker ver­traut sein.

Zum Schluß kam der Redner auf die erzieherische B^eutung der Kolonien für den jungen Deutschen zu sprechen und hob hier hervor, wie gerade Eng­land es verstanden hat, seine Jugend durch den Kolonialdienst zu Führern heranzubilden. Die Auf­gabe der Lehrer bei dieser brennenden deutschen Frage ist, durch Erweckung der Liebe und des Ver­ständnisses für unsere Kolonien in der Jugend einen

Nachwuchs herauszubilden, der die Arbeit der gro­ßen deutschen Kolonialpioniere fortzusetzen bereit ist und der sich würdig erweist der heldenmütigen deut­schen Schutztruppe, die im Weltkrieg gegen eine Welt von Feinden die deutsche Fahne in unseren Kolonien verteidigt hat, die wiederzugewinnen der Wunsch des ganzen deutschen Volkes ist.

Die Darlegungen fanden reichen Beifall der Ver­sammlung. Rektor Siegfried unterstrich in sei­nen Dankesworten die Bedeutung unserer Kolonien und sprach noch kurz über die Aufgabe der Lehrer, diese wichtigen Gedanken im Unterricht zu ver­werten.

Nach einer kurzen Pause gab Lehrer A i m m e l (Allendorf a. d. Lahn) nähere Erläuterungen für- den Unterricht nach Ganzheiten, soweit er in der Schule Eingang gefunden hat. Daran schloß sich eine rege Aussprache.

Nach einigen geschäftlichen Mitteilungen des Vor­sitzenden wurde die Arbeitstagung in der üblichen Weise geschlossen.

Aundfunkprogramm

Freitag, 29. April.

6 Uhr: Gymnastik. 6.30: Frühkonzert. 7: Nachrich­ten. 8.10: Gymnastik. 8.30: Froher Klang zur Werk­pause. 9.40: Mutter turnt und spielt mit dem Kind. Kommt ein Sonnenstrahl herab. 10: Schulfunk: Sippe Volkert hllft sich selbst. 10.30: Schiffsjungen im Dienst. Hörbilder von deutschen Schulschiffen. 12: Werks­konzert. 13: Nachrichten. 13.15: Mittagskonzert. 14: Nachrichten. 14.10: Heitere Welt der Bühne. 15: Kleines Konzert. Klavier-Musik. 15.30: Gedenke, daß du ein Ahnherr bist. 15.45: Wir sind gesund und haben's schriftlich. 16: Nachmittagskonzert. 18: Zeit­geschehen. 18.30: Der fröhliche Lautsprecher. 19: Nachrichten. 19.10: Musik aus modernen Operetten. 20.10: Wenn der Monat sich neigt. Heitere Hör­folge. 21: Konzert. 22: Nachrichten. 22.30: Nacht­musik. 24 bis 1: Nachtkonzert.

Aus der engeren Heimat.

Reichsarbeitsführer Hierl

in der Lagerschule in Bingenheim.

Lpd. Im Rahmen der mehrtägigen Besichtigungs- reise durch Lager, Schulen und Dienststellen des Nelchsarbeitsdienstes besichtigten Reichsarbeitsführer Reichsleiter Hier! und die höheren Führerinnen des Arbeitsdienstes der weiblichen Jugend am Mitt­woch die Lagerschule in Bingenheim (Kreis Friedberg). Bingenheim ist die erste Schule, auf der Führeranwärterinnen zu Lagergehilfinnen ausgebil, det werden. Im Mittelpunkt der Besichtiguna stan­den eine Vorführung aus dem Gebiet der Leibes­erziehung und eine Unterrichtsstunde über hauswirt­schaftliche Erziehung. Zu beiden Aufgabengebieten nahm der Reichsardeilsführer eingehend Stellung und betonte ihre Wichtigkeit für die Erziehung der Arbeitsmaiden. Die Besichtigungsreise führt am Donnerstag 4n den Westerwald und findet ihren Abschluß am Freitag in Koblenz.

50 Jahre im Dienst

* Lich , 28. April. Arn nächsten Sonntag, 1. Mai, kann der Obergärtner Heinrich Müller aus Birk­lar auf eine 5 0jährige, ununterbrochene Tätigkeit in der fürstlichen Gärtnerei i n L i ch zurückblicken. Herr Müller hat den Weg zu seiner Arbeitsstelle und wieder nach Hause täglich zurückgelegt. Rechnet man wöchentlich nur 35 Kilo­meter, so hätte.Müller die Fußreise Berlin und zu­rück rund llOmal gemacht, oder die Erde am Aequa- tor mehr als zweimal umwandert. Daß dieses Ju­biläum im Kreise gleichgesinnter Freunde gebüh­rend gefeiert wird, ist selbstverständlich. Der Jubi­lar erfreut sich bester Gesundheit. Möge es ihm ver­gönnt sein, noch lange in bester Frische wirken zu können.

Landkreis Gießen.

<£' Wieseck ,. 28. April. In der gestrigen Gene­ralversammlung der Freiwilligen Feuer­wehr erstattete Oberbrandmeister Adolf Schäfer Bericht über die Tätigkeit der Wehr im abge­laufenen Jahr. Außer den regelmäßig durchgeführ­ten Uebungen nahm die Wehr noch an den ver­schiedenen Tagungen des Kreis- und Provinzialver­bandes teil Den Kassenbericht erstattete Kamerad Friedr. Kreiling. Aus Anlaß des 15jährigen Bestehens der Wehr findet am 21. Mai ein Kame­radschaftsabend statt. An der Besichtigungsfahrt der Gießener Freiwilligen Feuerwehr am 8. Mai wer­den sich einige Kameraden beteiligen.

5 Steinbach, 28. April. Am heutigen Tage kann Heinrich Keßler V. in guter Gesundheit sei­nen 7 8. Geburtstag feiern. Vor drei Jahr^r konnte er mit seiner Gattin die Goldene Hochzeit begehen.

<£ Leihgestern, 27. April. Der hiesige Spar- und Vorschußverein hielt seine 47. ordentliche Hauptversammlung im Saale der Wirt­schaftZur Krone" ab. Der Vorsitzende Haas gab nach Begrüßung der gut besuchten Versammlung den Geschäftsbericht für das Jahr 1937 bekannt. Der Stand der Kasse ist ein recht guter, 7 Mit­glieder sind neu hinzugetreten, denen 5 Austritte, davon 3 durch Tod, gegenüberstehen. Die Bilanz wurde von dem Rechner K. Häuser III. vorge­tragen. Der Verteilung des Reingewinns in Höhe von 1457 Mark wurde nach dem Vorschläge des Vorstandes zugestimmt. Der Jahresabschluß fand die Genehmigung der Versammlung. Dem Vorstand und Aufsichtsrat konnte Entlastung erteilt werden. Der gesetzliche Prüfungsbericht für 1936/37, vom Aufsichtsratsvorsitzenden H. Schäfer verlesen, stellt die Kaffen- und Geschäftsführung als muster­gültig hin. Die Kredithöchstgrenze.wurde auf 4000 Mark hinaufgesetzt, die Auszahlungshöchstgrenze für Aufwertungsguthaben auf 50 Mark festgesetzt. Der Umsatz betrug 152 934 Mark gegen 124 743 Mark im Vorjahre. Die Spareinlagen betrugen 33 039,18 Mark; hiervon entfielen auf die Schulsparkasse

Fäden hin und her.

Vornan von Hedda Westenberger.

Copyright by Carl Duncker Verlag, Berlin W 35.

8. Fortsetzung. (Nachdruck verboten!)

8. ????

Das gibt sich von selbst, daß Marga Montwill zu­sammen mit dem Pudelmützigen ins Wartezimmer verfrachtet wird. Erst als sie dort schon auf einem der harten weißen Stühle sitzt und die uralten Zeit­schriften anstarrt, die vor ihr auf dem Tisch liegen, und nebenan des Doktors dröhnendes Organ über dasverfluchte Herumkratzen an frisch verbundenen Wunden" schimpfen hört (Kratzen Sie, wo Sie wollen, aber lassen Sie gefälligst £inen Verband in Ruh', verstanden! Sonst schmeiß' ich Sie wahrhaf­tigen Gottes raus, so wahr ich hier steh'") erst da fällt ihr ein, daß sie hier ja gar nichts zu suchen hat. Ob sie sich nicht lieber wieder hinausschleicht und draußen dem weihbeschürzten Mädchen klar­macht, daß sie den Herrn Doktor nur ganz privat besuchen möchte?

Aber ach was, gleich kommt der Junge an die Reche. Er scheint der letzte der heutigen Patienten zu sein. Bei der Gelegenheit wird sich's ohne wei­teres machen lassen, daß sie dem Doktor zwischen Tür und Angel mal eben die Hand schüttelt, und alles andere wird sich finden.

Der Pudelmützige scheint übrigens doch Angst zu haben. Er hockt sehr blaß und schüchtern auf dem äußersten Rand seines Stuhls, schaut kläglich zu Marga hinüber und duckt jedesmal, wenn drüben die tiefe Stimme aufdröhnt, ängstlich den Kopf.

Na, der is Sie vielleicht ja wiedder inner schee- nen Laune", sagt er einlnal, und die blauen Augen verschwimmen im Vorgefühl dessen, was ihn da drüben erwartet.

Aber Marga nickt ihm ermunternd zu:Wart nur, wenn er mich sieht, dann kriegt er gleich bessere Laune."

Dann hören sie drüben eine Tür gehen und den Doktor mit schweren Schritten jemanden hinaus- begleiten und allein wieder zurückkommen. Eine Schublade wird zugestoßen, ein Stühl beissitegescho- ben, dann scheint der Doktor sein Taschentuch her- auszuziehen und sich ausgiebig zu schneuzen; hier­auf wird eine grelle Lampe auf- und wieder zuge- knipst.

Heil'cher Bimbam!" murmelt der Pudelmützige.

Na laß man", sagt Marga Montwill großartig.

Gleich danach geht die Tür zum Sprechzimmer hinüber auf. Sie geht nur ein kleines Stück auf, gerade so viel, daß ein kleiner Junge durchschlüpfen kann. Und von dem, der sie geöffnet hat, sieht man nichts als eine breite kräftige Hand, die sich lang­sam von der Klinke löst und ins Wartezimmer hinein winkt: Los, los, rin ins Vergnügen!

Da steht Marga Montwill auf und tritt zugleich mit dem Jungen auf die geöffnete Tür zu. Sie hat dunkel die Vorstellung von einem weißhaarigen bär­tigen Gesicht, das sich bei ihrem Anblick zu einem breiten guten Lächeln aufhellt. Sie hat auch die Ab­sicht, irgendwie eine ironische Bemerkung über den Ovkel Grobian anzubringen, dem man sich offenbar nur mit Aufbietung allen vorhandenen Mutes in den Weg stellen kann, usw. Aus jeden Fall hat sie das beruhigende und erfreuliche Gefühl, durch­aus Herr der Situation zu sein, und das steht ihr im Gesicht geschrieben, wie sie nun, die eine Hand auf der Schulter des Jungen, den Oberkörper etwas oorgeneigt, lächelnd den ersten Schritt in die Höhle des Löwen fetzt.

Aber es bleibt bei diesem ersten Schritt. Denn der ihr da im weißen Mantel entgegenschaut, ist weder ein weißhaariger guter alter Onkel, noch hellt sich jein Gesicht durch ein, breites Lächeln auf. Im Ge­genteil. Heber randlose Brillengläser hinweg starren sie zwei scharfblaue Augen äußerst unliebenswürdig an, und der schmale Mund in dem glattrasierten, frischroten Gesicht schließt sich bei ihrem Anblick so finster, daß Marga unwillkürlich die schützende Hand von des Jungen Schulter zieht, ihn somit seinem Schicksal überläßt unö sich statt dessen lieber mit beiden Händen an ihre eigene Handtasche klammert.

Ach, entschuldigen Sie ..."

Sind Sie die Mutter des Knaben?"

Nein", sagt Marga Montwill,im Gegenteil, ich

Gegenteil ist gut", dröhnt der Doktor.Also was soll das bann. Drängeln hat's bei mir noch nie ge­geben wer kommt zuerst dran. Sie oder der Junge?"

Marga und der Pudelmützige wechseln einen ver­wirrten Blick.

Der Junge", sagt Marga bann.Der Junge, Herr Doktor, aber ich .. "

Weiter komm! sie nicht. Doktor Hammerbacher hat sie sanft, aber energisch bei der Schulter gefaßt und umgedreht:Rechtsum kehrt, Abmarsch, meine Verehrteste. Beim alten Hammerbacher gibt's das nicht, daß aus der Reihe getanzt wird. Oder brennt's irgendwo? Pressiert's? Stehen Sie schon mit dem rechten Fuß in der Grube? Nein? Na

also! So, mein Junge, und bu nimm mal vor allen Dingen die Mütze ab, verstehste!"

Aber, Herr Doktor", ruft Marga, und die Wut kocht ebenso sehr in ihr, wie sie das Lachen kitzelt, aber, Herr Doktor, ich wollte doch nur guten Tag sagen, ich ..."

Zu spät. Die Tür ist schon zu, die zwei Schatten, der große breite und der kleine, entfernen sich lang­sam hinter der hohen Milchglasscheibe, Marga ist allein.

Unschlüssig steht sie da. So ein Scheusal von einem Menschen! Und übrigens war das denn der rich­tige Doktor Hammerbacher? Doktor Gottfried Ham­merbacher? Himmel, nach dem Vornamen zu sehen, das hat sie ganz vergessen! Wenn sie nun bei einem falschen Doktor Hammerbacher ist! Vielleicht nur ein Verwandter oder auch ein Kollege, der den alten Onkel Hammerbacher vertritt?

Na, noch ist's ja Zeit, wieder auszukratzen. Aber benommen hat sie sich, daß es gen Himmel schreit. Warum hat sie nicht einfach ihren Namen gesagt?

Sie läßt sich auf einen Stuhl sinken, auf dem sie schon vorhin gesessen hat, und lacht leise auf: Der nicht vorhandene Rauschebart hat sie so aus der Fassung gebracht. Und daß der alte Onkel sich plötzlich so verjüngt präsentierte. Wie alt kann denn der da drinnen bestenfalls sein? Fünfzig viel­leicht, höchstens zweiunofünfzig. Nein, ausgeschlos­sen, der alte Onkel Hammerbacher, den sie meint, der muß doch mindestens sechzig, fünfundsechzig sein wenn er doch schon vor siebzehn Jahren so einen langen Bart gehabt hat! Und Vater wäre doch heute auch schon sechzig.

Marga Montwill steht auf und schleicht auf den Zehenspitzen an die Tür, die zur Diele führt. Sie lauscht hinaus, draußen ist es ganz still. Sie öffnet vorsichtig, schleicht hinüber zu der Haustür. Teufel, da liegt ein Riegel vor. Ob man den ganz lautlos aufbekommen kann? Sie versucht es sehr langsam und vorsichtig es geht. Leise drückt sie auf die Klinke Gott sei Dank, abgeschlossen ist die Tür nicht, sie knarrt nur ein kleines bißchen. Aber das ist jetzt schon egal, man ist ja jetzt draußen, und bann ...

Oha ...

In der geöffneten Tür steht einen Hausschlüssel gezückt die junge Dame in dem blauen Jacken­kleid, zur Seite den fast überfahrenen Teckel. Marga Montwills Gesicht, kaum zu normaler Farbe zurück­gekehrt, rötet sich schon wieder bedenklich.

Aber auch der anderen schießt die Rote bis unter den Ansatz der hellblonden Haare.

Verzeihung", murmelt Marga.

Bitte sehr", murmelt die andere.

Aber wie das so ist da beide das Bestreben haben, möglichst rqsch aneinander vorbeizukommen, weichen sie im Uebereifer natürlich beide nach der gleichen Seite aus, so daß praktisch nur der Teckel vorbeischlüpfen kann, wahrend sie einander mit hochroten Gesichtern den Weg versperren und am liebsten beide kehrtmachten.

Aber das geht denn doch nicht, ein bißchen mehr Schneid ist man sich schließlich doch schuldig. Marga rafft sich zuerst auf.

Ich wollte nämlich gar nicht raus", sagt sie hastig und ärgert sich im gleichen Augenblick. Denn, natürlich wollte sie raus. Sie wollte sogar regel­recht auskneifen, jawohl. Aber nun ist es mal ge­sagt ...Ich wollte nämlich gar nicht raus, ich wollte bloß auf dem Schild nachsehen, ob ich hier auch wirklich bei Doktor Gottfried Hammer­bacher bin."

Monika Hammerbacher hebt unmerklich den Köpft Natürlich. Es gibt nur einen Doktor Hammer­bacher hier."

Marga tut sehr erleichtert:Ah, dann ist's ja gut. Dann kann ich ja wieder ..." Und zum zweitenmal an diesem denkwürdigen Tag und in diesem Hause tritt sie einen unfreiwilligen Rückzug an.

Monika Hammerbacher folgt ihr auf den Fersen.

Es sieht aus, als traue sie der anderen nicht ganz. Sie öffnet ihr selber die Wartezimmertür und schließt sie höchstpersönlich und sehr nachdrücklich, nachdem Marga Montwill eingetreten ist. Dann steht sie sogar noch eine Weile lauschend hinter der Tür und entfernt sich erst, nachdem sie festgestellt hat, daß Margas Schatten hinter dem Milchglas sichtlich kleiner geworden ist, was darauf deutet, daß sie sich gesetzt hat.

Ja, Marga sitzt wieder. Und nun fängt ihr die" Sache an, Spaß zu machen. Kein Gedanke mehr an Weglaufen' und Sich-Drücken! Im Gegenteil, jetzt werden wir den rauhbautzigen Doktor mal ein biß­chen an der Nase herumführen, und das blonde Fräulein Tochter soll noch mehrere Male rot wer­den, und Tapsy soll den verflixten kleinen Teckel im Garten herumhetzen, bis ihm die Lust vergeht, frem­den Autos zwischen die Räder zu flitzen, und über­haupt wöllen wir denen hier mal zeigen, was 'ne Harke is!

Marga hat sich gerade die Nase neu gepudert und die Kriegsbemalung auf den Lippen zweckentspre­chend erhöht. da öffnet sich die Sprechzimmertür- auf genau die gleiche Weise wie vorhin, und die breite Hand winkt wiederum: Los, los, rin ins Ver­gnügen!

Marga schwänzelt an dem Doktor vorbei, ohns den Blick zu heben. (Fortsetzung folgt.)

enthält immer neue Fototips für bessere Aufnahmen, ferner eine

Belichtungstabelle für das ganze Jahr und einen Scheck für echte Fotpserien jnit den schönsten Aufnahmen aus der ganzen Welt