Oer englisch-irische Friede.
In London ist das englisch-irische Vertragswert unterzeichnet worden: damit hat England die eigentümliche Stellung der Republik Irland anerkannt. Premierminister de Valero hat nicht alles durch- aesetzt. Er hat vor allem nicht die in der irischen Verfassung vorgesehene Einverleibung Ulsters, des vorwiegend protestantischen Nordirlands, erreicht. Die Frage ist offen geblieben und man hat zu- nächst versucht, alle' anderen Zwistigkeiten zwischen England und Irland auszugleichen. Gemäß der po» litiscken Grundeinstellung Chamberlains hat die englische Regie'rung eine Versöhnungspolitik getrieben, deren Früchte für England nicht schlecht sind, denn Irland war den Briten nach jahrhundertelangen Kämpfen sowieso verloren. Mit Waffengewalt konnte es nicht niedergeworfen werden. Der „Feind vor den Toren Londons", ein sehr hartnäckiger, andersrassiger und vorwiegend anderskonfessioneller Gegner, hat gesiegt. Irland ist sehr selbständig geworden, und hängt nur durch etwas kühne und nichtssagende britische Kombinationen mit dem englischen Empire zusammen.
Durch die Wahlen zum irischen Parlament hatte de Valero mit seiner Partei, den «Fianna Fail, auf deutsch: «Krieger des Schicksals", im Juli 1937 zum ersten Male die absolute parlamentarische Mehrheit gewonnen und die konservativen, unter Leitung von Cpsgrave stehenden Fine Gael besiegt. Man hat in der englischen Presse immer behauptet, die Gruppe um Cosgrave sei englandfreundlich, aber in Wirklichkeit predigte Cosgrave denselben^ rein irischen Englandhaß wie de Valera, nur, daß er für gute Wirtschaftsbeziehungen zwischen Eire und England eintrat, mährend de Valero seit 1933 das Kriegsbeil auch in dieser Richtung schwang. Der Handelskrieg hat Irland mehr geschadet als England, aber de Valero und das irische Volk haben ihn trotzdem mit gewohnter Zähigkeit und Verbissenheit durchgeführt und die Zeitdauer dieses Kampfes benutzt, um ihr Haus ohne fremde Hilfe oder Einmischung einzurichten. Die Verfassung Irlands ist am 29. Dezember 1937 in Kraft getreten. Sie ist nach Valera „die irische Freiheitscharta", und diese auch rechtliche Losung von der englischen Vormundschaft wird im Mai sinnfällig werden, da sich der Staat ein Oberhaupt, der den Titel Uachtaran führt, gibt. Es ist bezeichnend, daß de Valera und Cosgrave sich auf einen Protestanten, den Wieder- erwecker der gälischen offiziellen Amtssprache, auf Professor Dr. Douglas H y d e, geeinigt haben.
Inzwischen sind nach fast einem Vierteljahr die Dinge unter Dach und Fach gebracht worden, die zwischen England und Irland standen. Die Londoner Regierung legte den Hauptwerk darauf, nicht einen Feind vor Londons Toren zu haben. Strate- gische Rücksichten führten also zum Hauptpunkt des Abkommens, der vorsieht, daß die englische Regierung alle Rechte und Besitztümer der britischen Admiralität in Irland, also die Häfen Berehooen, Lang Swilly und Queenstown, an Irland zurückgibt. Nicht erwähnt sind die Zurückziehung der etwa 11000 Mann betragenden englischen Truppen in diesen Städten sowie der Verzicht auf den irischen Flughafen Ryanna, der bisher von Offizieren und Soldaten des britischen Royal Air Force besetzt war, auch nicht die Rückgabe der großen Oelraffi- nerie, die die englische Admiralität in Dublin errichtet hatte. Aber es ist wohl selbstverständlich, daß alles das Irland zurückgegeben worden ist gegen die Zusage, sich niemals einyr Koalition gegen England anzuschließen. Damit fit England eine Sorge los geworden. Napoleon hat gesagt, er hätte nicht nach Aegypten, sondern nach Irland gehen sollen, um England tödlich zu treffen. Ein feindliches Irland wäre wirklich für die Briten im Ernstfälle ein nicht zu verachtender Gegner gewesen. * «
Ferner sind die finanziellen Verhältnisse geregelt worden. Als England vor einem halben Jahrhundert dem irischen Streben nach Land nachgab und seine Grundeigentümer in Irland ihre Besitzungen unter die Iren austeilen mußten, streckte England den Iren den Betrag für die Entschädigungen vor. Die Zinsen und Rückzahlungen machten jährlich rund 5 Millionen Pfund aus, die allerdings seit der Zuspitzung des irisch- englischen Verhältnisses nicht gezahlt worden sind. Nunmehr wird gegen eine einmalige Abfindung von 10 Millionen Pfund alles hinfällig bis auf eine Annuität von 250 000 Pfund, die Irland auch künftighin zu entrichten hat. England ist also den Iren sehr weit entgegengekommen. Schließlich wurde auch der Handelskrieg beendet. Großbritannien nahm vor dem Zollkrieg rund 90 v. H. des gesamten Außenhandels der Republik Irland auf. Die in den Jahren 1935 und 1936 abgeschlossenen Abkommen, die irisches Rindvieh gegen englische Kohle und irisch? Pferde gegen englischen Zucker austauschten, waren aber als Schritt 3um Handelsfrieden nicht zu bewerten, da Irland Kampf- zolle gegen englische Waren aufrecht erhielt und die Briten ebenfalls zur Waffe der. Sonderzölle gegriffen hatten. Die irische Ausfuhr nach England hatte im Jahre 1935 18,76, im Jahre 1936 20,36 und im Vorjahre 21,10 Millionen Pfund Sterling betragen. Sie setzte sich hauptsächlich aus Agrarprodukten, Fleisch, Wolle, Pferden, Rindvieh zusammen, während England dagegen Fertigfabrikate und Kohlen lieferte, und zwar 1935 für 25,16, 1936 für 25,97 und 1937 für 27,32 Millionen Pfund Sterling. Der Handel mit England verschuldete also die Iren. Jetzt werden die irischen Waren mit Ausnahme einiger landwirtschaftlicher Erzeugnisse, die aber genau dieselbe Vorzugsbehandlung wie die Dominions bekommen haben, in England frei ein» geführt werden, während Irland sich verpflichtete, als Gegengabe Schutzzollermäßigunaen für englische Waren vorzunehmen. Ebenso wird die englische Kohle künftighin in Irland nicht mehr kontingentiert.
Die Politik des do ut des, des Gebens und Wiederaebens, hat also diesen Vertrag bestimmt, hinter dem aber eine geschichtliche Tatsache steht: Irlands staatsrechtliche Selbständigkeit. Das irische Volk, wie die Germanen niemals von den Römern bezwungen, hat sich auch nach greuelreichen Kämpfen, die sich durch Jahrhunderte hinzogen und z. B. noch im vorigen Jahrhundert infolge furchtbarer Hungersnöte die irische Bevölkerung von 8,5 Millionen im Jahre 1846 auf 4,25 im Jahre 1914 zurückgehen ließen, auch gegen die Briten behauptet. Das ist der Stolz und die Würde jedes Staatsbürgers der Republik Irland, und sie ist jetzt auch von England stillschweigend anerkannt worden. Die Bezwingung der Iren und die Behandlung Irlands als Kolonie ist den Briten nicht gelungen. rt.
De Valera
vor dem irischen Parlament.
Dublin, 27. April. (DNB.) Ministerpräsident de Valero sprach irn Dail über das englisch-insche Abkommen. Er erklärte, der Vertrag erkenne end-
Camoo Roma - die Zeltstadt der 50000.
Eine Heerschau der faschistischen Jugend vor dem Führer.
Von unserer Sonderberichterstatterin Adelheid Oehio.
An der Via Casllina, der anttken Labicana, die von Rom in südöstticher Richtung durch die Senke zwischen den Albanerbergen und denen von Pa- lestrina hindurchführt, ersteht mitten in der Einsamkeit der römischen Campagna eine gewaltige Zeltstadt. Hier, wo sonst nur die typischen Schafherden der Campagnä weiden, befand sich im vorigen Mai das Lager der libyschen Kolonialtruppen und der somalischen Dubats, die an der großen Parade zur Einjahrsfeier des faschistischen Imperiums terlnahmen. In diesem Jahr wird hier das III. Campo Roma aufgeschlagen, — ein gewaltiges Zeltlager, das nicht weniger als 5 0 0 0 0 Avan - guardisten und Jungfaschisten a 119 ganz Italien aufnehmen soll. Zum ersten Male findet diese alljährliche Veranstaltung unter dem Oberkommando des Parteisekretärs Starace statt, der im vergangenen Oktober die Leitung der faschistischen Jugendorganisation übernommen hat, die damit zugleich der Partei angegliedert wurde. Sie trägt fortan den Namen „Gioventu Jtaliana bei Littorio", abgekürzt G. I. L. Diesmal werden nicht nur sportliche Wettkämpfe und vormilitärische Uebungen durchgeführt, wie es bisher der Zweck des alljährlichen Lagerlebens der faschistischen Jungmannen war, sondern es soll auch dem Führer des Grohdeutschen Reiches bei seinem Besuch in Rom gezeigt werden, einen wie hohen Grad vormilitärischer Ausbildung die Jugend Mussolinis im Jahre XVI der faschistischen Aera erreicht hat.
Unter den hier versammelten Avanguardisten, die die männliche Jugend von 13 bis 17 Jahren umfassen, werden sich 30 Kohorten Musketiere (Avan- guarbifti moschettteri), drei Schwadronen Reiter (Avanguardisti cavallieri), vier Kohorten Seekadetten (marinaretn) und vier Kohorten Flugschüler (aeronautici), befinden. Iungfaschisten — Jünglinge von 17 bis 21 Jahren, — werden 52 Bataillone Füsiliere, zehn Bataillone MG.-Schützen, 3 Schwadronen Kavallerie, 6 Batterien Artillerie, 3 Kompanien Motorradfahrer, mehrere Abtellungen Matrosen, Flieger usw. umfassen. Dazu kommen 125 Musikkapellen. Das Kommando liegt in den Händen von 2500 Offizieren.
Im Rahmen der gewaltigen Zeltstadt hat jede Provinz Italiens ihr eigenes Lager. Am Eingang der Zeltstadt erhebt sich ein etwa 30 Meter hoher Beobachtungsturm, von dem aus der Duce und der Führer mit ihrem Gefolge den Wald von xund 14 000 Zelten überblicken können. Inmitten der sanftgewölbten, einsamen römischen Campagna mit ihren Resten antiker Aeguadukte und Grab- mäler und im Rahmen der fernen Albaner- und Sabinerberge wird das ein einzigartiger Anblick sein. Die Zelte der Flugschüler sollen bas Wort „DUCE“ unb bie der Seekadetten bas Wort „FÜHRER“ bilden. Auf einem Hügel, der von Pinien und einem alten Sarazenenturm gekrönt wird, werden sich die Zelte des Kommandeurs Starace und feines Generalstabes befinden. Das Lager einer jeden Provinz hat in der Mitte feinen Der- sammlungsplatz mit dem Lautsprecher und dem Fahnenmast, so daß auf ein einziges Kommando an jedem Morgen hundert Fahnen gehißt werden können. Hundert Küchenzelte mit dem nötigen Vorrat an Brennholz unb Wasser werben errichtet. Man rechnet mit einem Wasserverbrauch von 700 000
Litern täglich. Zu dem Zweck sind schon viele Kilometer Wasserleitungen gelegt worden, ebenso wie elektrische Leitungsdrähte für Licht und Lautsprecher. Rund 3000 Bogenlampen von etwa einer Million Watt werden das Lager erhellen. An alles, was das Leben einer so großen Siedlung erfordert, — vom Sanitätsdienst bis zum Postamt und Kaufladen, — an alles wird gedacht, lieber dem ganzen Lagerleben aber steht der Wahlspruch der G. I. L. „Credere — obbedire — combattere!“ Glauben — gehorchen — kämpfen!
Auf dem benachbarten M i l i t ä r f l u g h a f e n von Centocelle werden schon Tribünen gebaut, denn hier soll die große Kundgebung vor dem Duce und dem Führer stattfinden, an dem alle Insassen des III. Campo Roma teilnehmen. Der Ehrentribüne gegenüber wird das Gros der Avanguardisten und Jungfaschisten Aufstellung nehmen, links von ihr werden die Seekadetten und rechts die vormilitärischen Speziallruppen (Artillerie, Kavallerie, Motorradfahrer, Flugschüler usw.) aufmarschieren. Unmittelbar vor der Ehrentribüne sollen die Schüler der Akademie für Leibesübungen den Ehrendienst versehen. Ferner werden Abordnungen der Kolonialtruppen und 4000 jugendliche Trompeter im Vordergründe Stellung nehmen.
Der Vorbeimarsch der faschistischen Jugend wird, ebenso wie die Parade auf der Via dell'Jmpero, unter Anwendung des neueingeführten „passo ro- mano", des römisches Paradeschrittes, stattfinden. Eröffnet wird er durch bie schon genannten vormilitärischen Spezialtruppen, worauf die Reiter ein Hindernisrennen und die Flugschüler Segelflüge vorführen. Dann werden rund 20 000 Avanguardisti Exerzierübungen durchführen, und endlich werden alle teilnehmenden Abteilungen — 52 Bataillone Jungfaschisten und 31 Kohorten Avan- guarbiften — durch Uebungen in der Waffenhandhabung den erreichten Grad der vormilitärischen Ausbildung der faschistischen Jugend zur Anschauung bringen.
Ferner soll die militärische Schlagkraft und Bereitschaft des modernen Italien anläßlich des Führerbesuches in einer Reihe großer militärischer Veranstaltungen zur Geltung kommen. Hierher gehört die große Parade auf der Via dell'Jmpero, die Scheinkämpfe, Gefechtsübungen und Vorführungen der Luftwaffe bei Santa Marinella und endlich die großen Flottenmanöver zwischen Gaeta und Neapel. Äei Santa Marinella in der Nähe von Civitavecchi wird eine Stoßtruppe aus zwei Bataillonen Infanterie, unterstützt von MG.-Abteilungen, Kampfwagen unb Artillerie verschiebenen Kalibers einen Angriff mit Scharfschießen auf eine befestigte Stellung vor führen. Das interessante militärische Schauspiel, bas etwa eine halbe Stunde dauern wird, soll die Schlagkraft einer aufs modernste organisierten, gedrillten unb bewaffneten Stoßtruppe zeigen. Es wird sicher nicht weniger einbrucksvoll sein, als die Scheinkämpfe, die im vergangenen Frühling anläßlich des Mussolini-Besuches in Sibnen stattfan- ben, unb bie ihre befonbere Note erhielten durch die Reiterangriffe der Eingeborenen-Kavallerie und der Moharisten-Abteilungen auf ihren galoppierenden Kamelen.
gültig die Souveränität der südirischen Regierung über 26 Grafschaften und die Hoheitsgewässer an. Er glaube, daß es nup noch eine Frage der Zeit sei — unb zwar einer kurzen Zeit —, bis zu dem Tage, wo man von der Regierungsbank zum ganzen irischen Volk sprechen werde und wo man sagen könne, daß Irland endlich ein völlig unabhängiger Staat sei. Die irische Regierung werde nichtgestatten, daß irisches Gebiet als eine Angriffsbasis gegen England benutzt werde. Selbstverständlich würden die Häfen, wenn notwendig, modernisiert, weil sie offensichtlich von strategischem Wert seien. Irland schulde es sich selbst und seiner Souveränität, daß niemand ohne die Erlaunis der Regierung diese Häfen benutze. Irland werde aber nur dann diese Erlaubnis geben, wenn diese Benutzung in seinem Interesse liege und nicht gegen ein Nachbarland geratet sei. Tue es das, dann werde es sofort in einen Krieg mit England verwickelt werden. Der Vertreter der Opposition Cosgrave erklärte, daß er die Absicht habe, für das Gesetz zu stimmen. Die Aussprache wurde auf Donnerstag vertagt.
Englands Staatshaushalt.
Im Zeichen der Aufrüstung.
Zum ersten Mal brachte in diesem Jahre Sir John Simon als Großbritanniens Schatzkanzler den Haushaltsplan des allgemeinen Mißvergnügens ein. Die neuen Steuererhöhungen haben Heber- raschung hervorgerufen, zumal Sir John Simon ausdrücklich darauf hinwies,,diese Steuererhöhungen würden in den nächsten Jahren noch verschärft werden, da die gewaltige Aufrüstung Englands nüch weitere Ausgaben notwendig mache. Sogar dem „Daily Telegraph", einem Regierungsblatt rüstungsfreundlichster Art, ist bet Schrecken darüber, daß jetzt jeder Engländer fühlt, was die Aufrüstung kosten wird, in die Glieder gefahren. Zur Deckung der Fehlbeträge ist die Erhöhung der Einkommen st euer notwendig geworden. In der Vorkriegszeit mußte der Engländer rund einen Schilling auf das Pfund als Einkommensteuer abgeben. Im Jahre 1936 wurde der Satz auf 4,9 Schilling erhöht, im April 1937 auf 5 Schilling und jetzt auf 5 Schilling 6 Pence. Während also in Vorkriegszeiten der Brite ein Zwanzigstel seines Einkommens dem Staate gab, muß er heute 'über ein Viertel dazu verwenden — eine klassische Illustration zu der im England der Vorkriegszeit allgemein geglaubten Kriegsthese, nach der Vernichtung des deutschen Handelsrivalen werde „jeder Engländer um so reicher sein". Weiter wird die Benzin- und Schwerölsteuer um volle 12V- v. H. erhöht, eine neue Derbrauchsabgabe für Treibstoff-Alkohol ein- geführt und der Tee, der in England bekanntlich eine Rolle wie bei uns der Kaffee spielt, abermals mit Steuern belastet. Interessant ist die Bemerkung Simons, im ersten Halbjahr 1937/38 sei das Steueraufkommen hoher gewesen als im zweiten. Das erläutert die Auffassung, wonach in der letzten Zeit, wie auch die englischen Handelsziffern zeigen, die Geschäfte nicht mehr so gut gingen und die amerikanische Depressionswelle doch auch ihre Spritzer nach England oeroorfen hatte.
Wie hoch sind nun d i e Kosten der R ü • st»n g? Der Ertrag der Tranche der Rüstungs
anleihe von 90 Mill. Pfund ist in den Ausgaben des Staatshaushaltsplanes nicht enthalten. Die gesamten Rüstungsausgaben einschließlich der Zivilausgaben für Luftschutz werden auf 327,7 Mill. Pf. angegeben, das heißt also, wenn man den Pfundkurs von 12,40 annimmt, auf f a ft vier Milliarden Reichsmark. Da aber noch weitere Rüstungsausgaben vorgesehen sind, sollen diese aus der Rüstungsanleihe gedeckt werden, so daß man mindestens 41/? Milliarden RM. Ausgaben nur in diesem Finanzjahr für Rüstungszwecke einsetzen kann. Ueberbies ist auch die Einlagerung van Nahrungsmitteln sowie Rüstungsbedarf für den Kriegsfall im englischen Staatshaushalt noch nicht enthalten, sondern von der Bewilligung besonderer Zusatzhaushalte abhängig, deren Höhe und Deckung dem Unterhaus noch nicht bekannt sind. Noch eins ist ferner bedenklich. Die Steuereinnahmen sind auf der Grundlage der sehr guten Konjunktur geschätzt worden, die bis in den Herbst 1937 herrschte, mittlerweile aber rückgängig geworden ist. Sollte die Flaute anhalten, bann wirb im nächsten Jahr der Schatzkanzler neue Steuererhöhungen beantragen müssen, um bas Loch zu stopfen, bas durch eine zu hohe Voreinschätzung gerissen wurde. rt.
Deutsch-englische Verständigung unerläßlich für den Weltfrieden.
Botschafter Henderson in Hamburg.
Hamburg, 28. April. (DNB.) Zur Iahresver- anftaltung her Friedrich - Sthamer - Gesellschaft (Deutsch-Englische Gesellschaft), Hamburg, waren mit dem britischen Botschafter viele führende Männer der Partei, des Staates, der Wehrmacht, der Wirtschaft unb des kulturellen Lebens erschienen. Der Präsident der Gesellschaft, Staatsrat Dr. B u r ch a r d , begrüßte Sir Neville Hen- b e r f 0 n unb wies auf die besonders engen Verbindungen hin, die gerade Hamburg über die Jahrhunderte hinweg mit dem britischen Volk verknüp. fen. Er bezeichnete es als das Ziel der Deutsch- Englischen Gesellschaft, die Verständigung unter den beiden großen Völkern immer weiter voranzubrin- gen.
Botschafter Henderson kennzeichnete die Grundlinie der britischen Politik, die auf die Aufrechterhaltung des Weltfriedens gerichtet sei, und hob unter großem Beifall hervor, daß Freundschaft und gutes Verstehen zwischen Deutschland und England ganz und gar unabdingbar seien, nicht nur im Interesse beider Länder, sondern der ganzen Welt und der Zivilisation. Die Anbahnung unb Herbeiführung ber gegenseitigen Verständigung über bie Fragen ber Politik sei daher unerläßlich. „Es gibt Nichts Schrecklicheres, nichts Häßlicheres und fein größeres Unglück für beide Länder als einen Krieg. Wir wollen an die Möglichkeit einer derartigen Entwicklung überhaupt nicht denken. Wir wollen vielmehr sprechen und nachdenken über die unerläßliche Notwendigkeit eines guten gegenseitigen Verstehens unb einer engen Zusammenarbeit Deutschlanbs und Englands zur Aufrechterhaltung des Friedens."
Gestatt und Leben.
Ein Bortrag Alfred Rosenbergs in Hatte.
Halle, 27. Aprll. (DNB.) In feierlicher Form beging die Martin-Luther-Universität Halle-Wttten« berg die Eröffnung des Sommersemesters in Anwesenheit des Beauftragten des Führers für die gesamte geistige und weltanschauliche Erziehung ber NSDAP., Reichsleiter Alfreb Rosenberg, der einen Vortrag hielt über „Gestalt unb Leben", in dem er auf die sogenannte Lebensphilosophie von Ludwig Klages einging. Wir haben, so sagte er, den Kampf von Ludwig Klages gegen den zer- störenden Einfluß einer entarteten Technik unb sein Eintreten für bie Kraft ber Anschauung als Ergebnis einer inneren Erfahrung gern gewürdigt. Wir haben es aber auch für notwendig erachtet, uns rechtzeitig gegenüber gewissen Grunbthesen ab« zugrenzen, nach denen in ber „vorgeschichtlichen" Zeit die Menschheit „wettsicherer" 'gewesen sei unb größere Lebensfülle als in der „geschichtlichen" Zeit besessen habe. Nach Klages habe bie geschichtliche Zeit mit ber Zerstörung des paradiesischen Urzustandes durch Einbruch einer "kosmischen Kraft, die er „Geist" nennt, begonnen. Dieser „Geist" habe zu einer unentrinnbaren Zersetzung ber Lebenszellen geführt und treibe damit bie Menschheit ihrem Untergang entgegen. Die Pelasger, bie Klages als Beispiel für das Leben überhaupt dienen, verkörpern die Werte eines vorderasiatischen Völkergemisches, bie bem norbischen Griechentum mit. seiner apollinischen Auffassung und Jemen Lichtgöttern rassisch fremb sind. Dem griechischen wie dem germanischen Lebensgefühl überhaupt widerspricht von Grund ans jene Weltuntergangsstimmung, wie sie
ausgiebig — sparsam — billig
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V 154-305
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PUTZT ALLES
als konsequentes Denken Klages' erscheint. Wir mußten uns schon einmal gegen eine bestimmte Weltuntergangstheorie, wie sie von Oswald Spengler vertreten wurde, wenden. Wäre die nationalsozialistische Bewegung dieser Stimmung gefolgt, dann wäre allerdings eine Rettung des deutschen Wesens ausgeschlossen gewesen.
Mit Schärfe wandte sich der Reichsleiter gegen; die sekterischen Schüler von Klages, die mit einem einzigen Schnitt bas germanische Abenbland in eine schwarze unb weiße Hälfte teilten, wobei es den sekterischen Adepten gar nicht darauf ankomme, Plato, Galilei, Luther unb Kant zusammen mit Marx unb Lenin auf bie schwarze Liste zu stellen. Die nationalsozialistische Bewegung sei weit davon entfernt, Klages verketzern zu wollen. Sie werde keinem Forschenden bie inneren Auseinandersetzungen ersparen, weil sie weiß, daß eine entschiedene und klare Haltung der kommenden' Generation nur durch innere Kämpfe errungen werden kann. „Leben ist stets plastische Gestalt, der Ausdruck ber inneren unb äußeren Gestatt ist d a s Werk, das Werk ist geballte Tat, die Tat, wenn sie organisch ist, ist stets der Gesamtausdruck von Seele, Fleisch, Wille und Vernunft. Das ist unsere innerste Ueberzeugung. Diese Haltung war die Voraussetzung für bie große deutsche Wiebergeburt, für die Rettung des deutschen Lebens."
Gauleiter Sprenger
Schirmherr der Hutten-Spiele.
NSG. Die Partei führt auch in diesem Jahr durch bie NS.-Gemeinschaft „Kraft burch Freude" aus ber Steckelburg bei Schlüchtern wieber die Hutten-Freilichtspiele durch. Zur Aufführung gelangt das Spiel von Erich Bauer „Laßt Hutten nicht verderben'. Die Hauptrolle ist wieder Wolfram Heßler vom Grenzlandtheater in. Regensburg' übertragen. Für bie übrigen Rollen sind Mitglieder des Stadttheaters in Gießen verpflichtet. Es - ist damit zu rechnen, daß Sie Huttenfreilichtspiele in diesem Jahr einen starken Besuch aus bem ganzen Reich zu verzeichnen haben. Von besonderer Bedeutung ist es, daß Gauleiter Sprenger durch die Uebernahme ber Schirmherrschaft sein großes Interesse an diesen Spielen gezeigt hat, die sich mit einem wichtigen Stück Geschichte unseres Gaues und darüber hinaus Deutschlands befassen.
Oie KdI.-Klotte
schon unterwegs nach Junchal.
Die Urlauber ber im Hafen von Lisiabon liegenden KbF.-Flotte besichtigten die portugiesische Hauptstadt und ihre Umgebung. Auf Einladung der portugiesischen Organisation „Freude an der Arbeit" weilten etwa 1000 Urlauber in bem herrlichen Küstenoorort Est 0 ril, währenb andere das malerische Ci n t r a - Gebirge besuchten ober aber Lissabon selbst genauer besichtigten. Mittwoch abend verließ bie KbF.-Flotte ben Hafen und trat die Weiterreise nach Funchal an. Das KdF.^chiff „Ozeana", das am Mittwochmorgen in Lisiabon eintraf, tritt die Weiterfahrt erst am Donnerstagabend an.
Kleine politische Nachrichten.
Um Mißverständnisse zu vermeiden, wird vom Deutschen Nachrichtenbüro darauf hingewiesen, daß die drei großen Tarifordnungen für den öffentlichen Dienst mlt Wirkung vom 1.April 1 938 in Kraft getreten sind.
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Nach amtlichen Berichten aus Bombay sind bei religiösen Unruhen in Indien in ber letzten Woche 22 Personen getötet unb über 100 verletzt worden. Dabei handelte es sich um Zusammenstöße zwischen Hindkls und Moslems.
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Der türkische Ministerpräsident Celal Bayar unb ber türkische Außenminister Rüschtü Aras trafen zur Unterzeichnung des türkisch-griechischen Zusatzvertrages in Athen ein, wo sie von Mi« nisterpräsident Metaxas, sowie den diplomatischen Vertretern der Staaten des Balkanbundes empfangen wurden.


