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Hr.200 Zweiter Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhefsen)

2I./28. August (938

Ausfuhr ja, Einfuhr nein!

Merkwürdige Methoden der Förderung des Welthandels.

V. A. Zur Zeit wird in der Welt wieder einmal sehr viel von der Notwendigkeit der Förderung des Welthandels gesprochen. Allerlei Pläne werden ent­wickelt, und selbstverständlich fehlt es dabei auch nicht an der entsprechenden sittlichen Verbrämung solcher Pläne, wieFörderung des Weltfriedens" ujw. So hörte man es beispielsweise aus dem Munde eines amerikanischen Staatsmannes. Aehn- lich klingt es aus der englisch-französischen Presse, wenn es gilt, den Anleiheplänen für die Südost- Staaten ein ethisches Mäntelchen umzuhängen. Schenkt man diesen Stimmen Glauben, so be­zwecken solche Anleihen nur, den armen Völkern des europäischen Südostens eine Unterstützung gegen die wirtschaftliche Übermacht Deutschlands angedeihen zu lassen. Kurzum, es sieht so aus, als ob eitel Selbstlosigkeit die Welt und insbesondere den Welt­handel regierte.

Sieht man freilich etwas näher zu, dann ändert sich das Bild gar sehr, und hinter der edlen Selbst­losigkeit wird sehr rasch die höchst egoistische Absicht erkennbar, die eigene Ausfuhr zu verstärken. Man scheint geradezu vergessen zu haben, daß sich der Außenhandel und damit auch der Welthandel aus Ausfuhr und Einfuhr zusammensetzt, daß er not­wendigerweise zusammenbrechen muß, wenn jedes Volk sich darauf versteifte, einen Ausfuhrüberschuß zu erzielen. Schließlich ist doch die Ausfuhr des einen Landes immer gleichzeitig auch die Einfuhr anderer Länder. Es muß nun einmal auch Länder

werden, weil es den Umfang des Welthandels ver­ringere.

Nun, Deutschland hat in derselben Zeit, in der Amerika seine Wareneinfuhr um 722 Millionen Dol­lar einschränkte, seine Einfuhr um rund 217 Millio­nen Reichsmark (9 o. H.) erhöht und das, obwohl seine Ausfuhr zurückging, obwohl es eine passive Handelsbilanz hatte. Wer also in Wirklichkeit einen Beitrag zur Förderung des Welthandels geleistet hat, ist wahrlich nicht schwer zu erkennen. Ame­rika jedenfalls nicht, denn der Welthandel lebt mehr oder weniger von der Bereitschaft jedes Lan­des, fremde Waren aufzunehmen, nicht aber von Exportoffensiven und Einfuhrbeschränkungen.

Was von Amerika zu sagen ist, gilt gemildert auch von den meisten anderen Staaten. Hinter der englisch-französischenAnleihehilfe" für die Südost- Staaten steht ebenfalls üichts anderes als der Wille, die Märkte dieser Länder der eigenen Zufuhr zu öffnen und Deutschland einen Teil seines Exports abzujagen, wobei man freilich übersieht, daß.Deutsch­land die Kaufkraft dieser Länder durch sorgsame Pflege überhaupt erst zur fetzigen Höhe entwickelt hat. Die Drohung einer Subventionierung der eng­lischen Kohlenausfuhr, die Forderung nach Schutz­zöllen für die Automobilindustrie, für Musikinstru­

mente, Uhren, Filme usw. rundet das Bild im glei­chen Sinne ab: E x p o r t o f f e ns i o e auf der einen, Einfuhrbeschränkung auf der anderen Seite.

Dieses Denken vom Export, statt vom Import aus, ist der eigentliche Krebsschaden in der Entwick­lung des Welthandels. Und warum denkt man so? Weil man auf dem Weltmarkt die Absatzmöglich­keiten sucht, die .auf dem Binnenmarkt fehlen. Warum aber fehlen sie dort? Weil man Arbeits­losigkeit duldet! Würde man überall w i e in Deutschland die Arbeitslosigkeit ra­dikal beseitigen, dann wären bald kerne Exportoffensiven mehr nötig. Dann würde man im Gegenteil wie in Deutschland Einfuhren brauchen, um arbeitenzu kön­nen. Dann wäre der Welthandel überall einfuhr­betont, wie er es in Deutschland schon längst ist, und würde eine Entwicklung nehmen, die man sich heute nur schwer vorstellen kann. So ist das Pro­blem des Welthandels in Wirklichkeit nichts anderes als das Problem der Arbeitslosigkeit. Alle Derbesserungspläne, Enqueten, Vereinbarungen, Währungsmanipulationen, Anleihen usw. werden nichts helfen, solange man nicht die Axt an die Wurzel des Uebels legt, solange man nicht in jedem Staate die Arbeitslosigkeit beseitigt. Das ist frei­lich schwerer, als Forderungen an andere Stellen, aber es ist auf die Dauer das einzig wirksame Mittel. An Beispielen dafür fehlt es ja in der Welt nicht mehr.

Der Mittellandkanal

mit einem Einfuhr-Ueberschuß geben, und es war von alters her so, daß das die Länder waren, die eine aktive Zahlungsbilanz hatten, d. h. die Gläubi­gerländer. Vor dem Weltkrieg war das auch durch­aus die Regel.

Das es nach dem Weltkrieg anders geworden ist, ist nicht zuletzt die Schuld des Landes, das jetzt am lautesten die Forderung nach einer Belebung des Welthandels erhebt: Amerikas. Die Vereinigten Staaten find durch den Krieg vom größten Schuld­nerland der Welt zum größten Gläubigerland ge­worden. Sie sind die eigentlichen Kriegsgewinnler des Weltkrieges. Auf Grund ihres großen Gold- und Kapitalbesitzes wären sie nach dem Motto Reichtum verpflichtet" in erster Linie dazu berufen, den Waren ihrer Schuldnerländer einen aufnahme- willigen Markt zu bieten. Stattdessen verschließen sie sich nicht nur dieser Notwendigkeit, sondern setzen ihrerseits noch alles daran, umgekehrt amerikanische Waren in den europäischen Schuldnerländern unter­zubringen.

So bezog Deutschland beispielsweise im ersten Halbjahr 1938 für 185,44 Millionen RM. Waren aus Amerika, während die Vereinigten Staaten ihrerseits nur für 67,5 Millionen RM. deutsche Waren abnahmen. Nicht genug damit, versuchte man obendrein noch, dem deutschen Export nach den südamerikanischen Staaten alle möglichen Hinder­nisse in den Weg zu legen, wie beispielsweise in Brasilien.

Doch nicht nur Deutschland allein bekam die Wir­kungen dieser merkwürdigen amerikanischen Auf­fassung vom Welthandel zu spüren. Wie rigoros die Vereinigten Staaten durchweg ihre Einfuhr bei gleichzeitigem stärksten Exportdruck verminder­ten, beweist am besten eine Gegenüberstellung der amerikanischen Außenhandelsziffern für das erste Halbjahr 1937 und 1938. Im ersten Halbjahr 1937 betrug der Wert der amerikanischen Einfuhr 1683 Millionen Dollar, der seiner Ausfuhr 1540 Millio­nen Dollar. Im ersten Halbjahr 1938 dagegen führ­ten die Dereiniaten Staaten insgesamt nur noch für 961 Millionen Dollar Waren ein, dagegen für 1590 Millionen Dollar aus. Und dieses Land, as seine mit 143 Millionen Dollar passive Halbjahresbilanz von 1 9 3 7 in eine mit 629 Millionen Dollar aktive Halb­jahresbilanz für 1 9 38 verwandelte, hat den Mut zu behaupten, das deutsche System der zweiseittgen Handesabmachungen müsse abgelehnt

Neugierige Gäste.

Don Karl Heinrich Waggerl.

Sommergäste sind merkwürdige Geschöpfe, uner­gründliche, sie stecken voller Rätsel. Ob sie nun singen oder pfeifen oder, im stillsten Wiesengrund sitzen und Marschmusik auf einer höllischen Maschine spielen, einerlei, den Drang zum Geräusch haben alle in sich. Wenn irgendwo ein Vogel auf dem Zaun sitzt, um seine Federn zu putzen, und es kommt ein Sommer­gast des Wegs, dann schweigt der Vogel und wartet mit seinem Geschäft, bis der Fremde weitergegangen ist. Aber der kann nicht schweigen, der muß mit dem Finger auf den Vogel zeigen und einen Schrei aus­stoßen: Seht her, ein Kuckuck. Und dann fliegt der Vogel davon und kommt lange nicht mehr. Natürlich, weil ihn das ärgert; er ist gar kein Kuckuck, sondern ein Häher.

Andere Sommergäste wieder sind über aL®4 menschliche Maß hinaus neugierig, besonders die weiblichen, und es gibt fast nur solche, soweit ich mich entsinne. Wo immer ein Kind am Wege sitzt, das eben erst ein wenig krähen kann, gleich wird es in ein weitläufiges Verhör gezogen, wie es denn hieße, und wer sein Vater sei, lauter sehr peinliche

1s" Kind darf ja schweigen und sich sein Teil denken, aber unsereinern ist es weniger leicht ge­macht. Zum Beispiel habe ich einmal, als mir sonst nichts einfiel, die Fensterläden an meinem House blau angestrichen, alle bis auf zwei im Untergeschoß, die sind braun geblieben. Die Dorfleute regt das nicht weiter auf, sie begreifen, daß einem zur Unzeit die Farbe ausgehen kann oder die Geduld, aber die Sommergäste bringt so etwas außer Rand und Band. Sie sammeln sich vor dem Hause an und beraten die Sache unter sich. Etliche ziehen Schlüsse auf meinen Geisteszustand, auf meine Gemütsart, andere meinen, ich müsse auf jeden Fall ein Mensch von (Eigenart sein, und wieder andere bezweifeln das, die raten auf eine völlig zerrüttete Ehe. Und wahrhaftig, es fehlt nicht viel daran, daß sie red)t behielten, denn auch die Hausgenossen mischen sich in den Streit und wollen die Schande nicht langer dulden. Ich weiß nicht, vielleicht werde ich tun, was Salomon getan hätte. Ich werde noch ein paar Fenster rot und gelb dazu malen. Dann heißt mein Haus das Regenbogenhaus, und alle sind zufnedem.

Ein anderes Mal, während ich am Schreibtisch sitze, weil mir ist, als käme mich ein Gedanke an, trifft mich plötzlich eine Stimme vom Fenster her in den Rücken.

im deutschen Wasserstraßennetz.

Es war nur natürlich, wenn man sich in früheren Jahrhunderten der naturgegebenen Wasserstraßen für den Verkehr bediente. Nur wenige Staaten haben sich künstliche Wasserstraßenverbindungen ge­schaffen: möglich war das nur immer dann, wenn ein mächtiger und reicher Staat dahinterstand, der das Erwerbsleben seiner Bewohner fördern und gegebenenfalls auch durch einen Wasserstraßenbau seine Stellung sichern wollte. Wir erinnern hier nur an eine der großen Bauleistungen des klassischen Altertums, den Isthmus von Korinth. In Nord­europa hatte man eine Reihe von großen Strömen, den Rhein, die Ems, die Weser, die Elbe, die Oder, die Weichsel, die sämtlich aus den Gebirgen des Südens in die Ost- oder Nordsee, strömten und beim Durchfließen des norddeutschen Flachlandes oder der westdeutschen Stromtäler auf ihren Wel­lenrücken die Frachtgüter aus den deutschen Landen zu den Städten am Meer beförderten und ihnen so den Zugang in die weite Wett verschafften. Für viele Jahrhunderte genügten diese Verkehrswege. Im Zeichen der Kleinstaaterei dachte n>an in Deutschland kaum daran, ein Kanalnetz zu schaffen, wie es sich z. B. Frankreich bereits am Ausgang des Mittelalters anzulegen begann. Der Verkehr auf den Strömen wurde zudem noch durch ein für uns heute beinahe unvorstellbares System von Zöllen und Abgaben kleingehalten.

(Eine lobenswerte Ausnahme machte der junge Brandenburgisch-Preußische Staat. Bereits der Große Kurfürst bemühte sich, wahrscheinlich ange­regt durch das, was er in seiner Jugend in Holland gesehen hatte, auch seine Lande wirtschaftlich zu för­dern und politisch in ihrer Einheit zu stärken, indem er Kanäle baute. Unter seiner und seiner Nachfolger Regierung wurden nach und nach (Elbe, Spree-Havel und Oder durch Kanalbauten mitein­ander verbunden. Sv wurde es dann unter Fried­rich dem Großen nach dem Bau des Finow-Kanals möglich, die mitteldeutschen Salze ans der Gegend um Magdeburg auf dem Wasserwege bis nach Stettin und damit in den Ostseeraum zu befördern.

Im 19. Jahrhundert begann die große Zeit des Kanalbaues, die durch die industrielle Entwicklung und die Einigung des Reiches ausgelöst wurde.

In jener Zeit wurden auch die Pläne propagiert, nach denen ein großer Kanal von des Reiches Grenze, vom Rheinstrom über die Ems, die Weser, die (Elbe, die Oder, das Weichseltal erreichen sollte. Vor allem nachdem im Jahre 1866 Hannover end­gültig dem preußischen Staate einoerleibt worden war, propagierte pian aus politischen Gründen die­ses Projekt,' um die brandenburgischen Stammlande über das neue Land Hannover mit den preußischen Besitzungen im Westen enger zusammenzuschließen. Nach vielfältigen Widerständen wurde schließlich als erster Teil eines derartigen Kanales der Dort­mundEms-Kanal gebaut, später kam der Ausbau dieser Wasserstraße bis zur Weser hinzu. Damit hatte man erreicht, daß das industrielle Kraftzen­trum des jungen Reiches, das Ruhrgebiet, einen Zugang zu den deutschen Seehäfen erhielt und d er Rhein mit einer deutschen Mündung ausge stattet wurde.

Was immer noch fehlte, war aber jene große Lebensader, die den Zusammenschluß des industriellen Westens mit dem Agrar- Osten bringen sollte. Im Weltkriege empfand man es sehr schmerzlich, daß das Stück Kanal zwischen Weser und Elbe fehlte, das die Stromgebiete des Ostens und des Westens, die nun beide bereits aus- gebaut waren, zu einem einheitlichen Wasserstraßen­system verband. Manche der vielen Massentrans­porte, die der Weltkrieg bedingte, hätte man gern über einen solchen Weg geleitet. Aber erst vom Jahre 1926 an begann man mit dem Bau dieser noch fehlenden Strecke, ein Bau, der nur zögernd sortqeführt wurde, und erst in dem großen Wasser­straßenprogramm nach dem Jahre 1933 seine schnelle Förderung und Fortsührung sand.

Wenn jetzt in diesem Herbst das Schiffshebe - werk in Rothensee bei Magdeburg cin- geweiht werden wird, so sind damit von Duis­burg bis Magdeburg 460 Kilometer Wasserstraße 'ausgebaut worden. Dieses Schiffshebewerk ist übrigens nächst dem bei Nieder­finow in der Mark Brandenburg das größte Schiffshebewerk der Welt. Nun werden die Schiffe, die auf dem Kanal von den Stromgebieten des Westens kommen, hier über einen Zweigkanal in

Hier wohnt er, sagt die Stimme.

Ja, sagt eine zweite. Aber er soll so scheu sein.

Was heißt das nun? Natürlich muh ich sogleich aufstehen und leise zum Fenster schleichen, es war immerhin eine ziemlich treffende Bemerkung. Ich schaue hinaus, und weil das nicht mehr zureicht, stecke ich den Kopf durch das Gitter. Aber in diesem Augenblick dreht sich das eine der beiden Wesen noch einmal um und sieht, mich mit gerecktem Hals und lächerlich zerrauftem Haar, ich kann um alles in der Welt den Kopf nicht schnell genug wieder einziehen.

Es gibt freilich auch dreistere, die stehen plötzlich vor der Tür und kichern und stoßen sich an. Nach einer Weile klopft es auch wirklich, und dann knöpfe ich in Gottes Namen den Hemdkragen zu und führe die beiden herein. Die eine hat einen Zettel mit­gebracht, damit ich ihr einen Vers darauf schreibe, sie sammelt solche Zettel. Die andere aber, die Hübschere, ist eigentlich nur spaßeshalber gekommen, um mir dabei zuzuschauen. Sie hat überhaupt noch keinen lebendigen Dichter gesehen, immer nur Denk­mäler.

Nun, was mich betrifft, ich bin keineswegs aus Stein, sondern ein zugänglicher Mensch. Man darf bei mir in der Stube umhergehen und alles genau betrachten, darf sich in jeden Stuhl setzen und Bilder aus dem Fach kramen, und wenn man einen üppigen Mund hat und winzige Sommersprossen auf der Nase, dann darf man auch Fragen stellen, obwohl mir dabei der Reim wieder entfällt, den ich eben gefunden habe.

Ob ich denn diese vielen Bücher auch alle gelesen hätte?

Einige. .

Und wie das eigentlich zuginge, ob ich mich einfach hinsetzte und schon fiele mir etwas Gereimtes ein?

Ach nein, erkläre ich, viel öfter etwas Ungereimtes. Aber die Leute merken es gar nicht immer.

Natürlich, sagt has Fräulein, als habe es ohnehin nichts Besseres von mir und den Leuten erwartet. Und ob ich immer nur Verse mache ober manchmal auch etwas anderes? Ja? Was denn zum Beispiel.

Zum Beispiel diese Uhr an der Wand, behaupte ich, um mir ein neues Ansehen zu geben.

So. Und die Bilder vielleicht auch?

Ja, sage ich zerstreut, denn ich habe den Reim wieder gefunden.

Und diesen Krug auf der Truhe?

Jawohl, erkläre ich, auch den, mein Kind!

Und woraus? v , .,

Aus Lehm und Geist, sage ich und schreibe meinen Vers auf den Zettel. .

Aber dann müssen wir beide lachen, denn ich habe

schändlich ausgeschnitten, es klebt ja eine Marke unten auf dem Krug.

Nein, sagt die Freundin säuerlich, nein, Liese, du bist entschieden zu vorlaut.

Sie ist die Weitere von den beiden, sie hat keine Sommersprossen auf der Nase.

Das Kind aber verstummt, und ich wende mich auch wieder zu meinem Gedicht, ein wenig be­treten. Es ist ja wahr, ich sollte mehr Würde zeigen, das bin ich dem Ansehen meiner Zunft schuldig. Wohin kämen wir, wenn jedes stupsnäsige Mädchen seinen Spaß mit uns treiben könnte? Wenn gar die Leute ansingen, bei allem, was wir ihnen zeigen, auch den Boden zu besehen!

Nein, mir dürfen uns nicht zu sehr gemein machen, auch in dem nicht, was sterblich an uns ist. Denn der Gott, der nur einmal merken läßt, daß er eine we­niger erhabene Kehrseite hat, der ist auch schon ent­thront.

Ich bin freilich nur ein kleines Licht unter so vielen Leuchten. Und wenngleich man sagt, es sei kein Heiliger so gering, daß er nicht doch darauf hielte, seine eigene Kerze zu haben, zuweilen ist es mir dennoch viel wert, wenn einmal ein Bauer an mein Fenster tritt und ein paar verständige Worte mit mir redet. Oder wenn sonst jemand kommt, nicht, weil er etwas besonders Tiefsinniges von mir hören möchte, sondern weil er meint, ich sei vielleicht auch ein Mensch, dem Fleisch und Blut lieber ist als Papier und Tinte.

Gut, wenn Gott einem von uns manchmal die Zunge löst, daß er den Menschenbrüdern etwas zum Trost sagen kann. Aber in uns allen ist das Beste stumm.

Auffahren in Frankreich.

Das Autofahren in Frankreich ist ein Kapitel für sich.Individuell" ist ein viel zu schwacher Ausdruck für das, wie der Franzose fährt. Zunächst einmal kann er auf der Landstraße keinen Vorfahrer leiden, er muß überholen. Dazu kommt eine kindliche Freude am Hupen: ein einzelner Wagen veranstaltet wahre Hupsymphonien, die Unwillen, Warnung, freundliche Begrüßung und noch vieles andere mehr ausdrücken. Der Franzose ist ein scharfer, aber guter Fahrer. In drei Wochen Fahrt durch Frankreich habe ich, so plaudert Dr. Rudolf Peche! im September­heft von Velhagen & K 1 asings Monats­heften, nur einen wirklich rücksichtslosen Fahrer erlebt. Der französische Automobilist behält seinen Wagen in der Hand, aber er fährt fast nur auf Bremse; doch das hat der Konstrukteur einkalkuliert. Man gewöhnt sich bald an Dinge, die dem in der

die Elbe einfahren können und dann Hamburg und Dresden und über den Ihle- und Plauer-Kanal Berlin, Stettin, Breslau, Bromberg, Danzig er­reichen können. Zum ersten Male kann man nun von einer einheitlichen und geschlosse­nen deutschenBinnenschiffahrt sprechen.

Der Bau dieses Kanals und die Hoffnungen auf den Derkehrsauffchwung, die man daran knüpft, haben Veranlassung zu einer Anzahl weiterer Pro­jekte gegeben. So wird der Mittellandkanal selbst in einer technischen Meisterleistung mit einer großen Brücke bei Magdeburg noch über die Elbe geführt werden, um einige Kilometer weiter den Jhlekanal, der den direkten Zugang zur Havel­wasserstraße vermittelt, zu erreichen. Diese Kanal­überführung über die Elbe soll im Jahre 1942 fer­tiggestellt sein. Es wird sich dann dem Schiffer auf der Elbe das seltsame Bild bieten, daß über seinem Kopf noch einmal ein Kahn seinen Weg nimmt.

Weiterhin ist man darangegangen, d i e Saale bis Merseburg für 1 000 - Tonnen» Kähne auszubauen und von dort aus durch den Elster-Saale-Kanal auch für Leipzig einen Wasseranschluß zu schaffen. Dieser

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Südflügel des Mittellandkanals wird in wenigen Jahren fertiggestellt sein. Im Netz der Berliner Wasserstraßen ist man eifrig dabei, sowohl die Ka­näle, als auch die Schleusen für die Aufnahme des Mittellandkanalverkehrs vor allem für den Ver­kehr mit Schiffen von 1000 Tonnen Tragfähigkeit einzurichten. Auch das westlichste Stück des Mittel­landkanals, der Dortmund-Ems-Kanal, wird zur Zeit vergrößert, hier geht man schon daran, sich auf das 1500-Tonnen-Schiff einzustellen.

Da mit einer ständigen Ausweitung des Ver­kehrs auf Kanälen und Flüssen gerechnet wird, schweben zur Zeit eine Anzahl weiterer Kanalpro­jekte, wird der Ausbau anderer Wasserstraßen be­reits tatkräftig vorgenommen. Wir können nur einige der bedeutendsten Arbeiten nennen. So wird von Bramsche am Mittellandkanal aus der Hansa-Kanal gebaut, der eine kurze Verbin­dung aus dem westdeutschen Industriegebiet zu den deutschen Seehäfen Bremen, Hamburg und Lübeck bildet. Im Osten wird der M a s u r e n k a n a l die dortige Seenplatte mit dem Hafen Königsberg ver­binden, während in Oberschlesien die Oder durch den Adolf - Hitler - Kanal von Cosel bis in das dortige Industrie-Revier nach Gleiwitz verlän­gert wird.

Das größte Kanalprojekt ist die Verbindung des Rheins mit der Donau. Hierfür wird der Main bis Bamberg ausgebaut werden, von dort soll ein Kanal über Nürnberg-Fürth gehen, der bei Kelheim in die Donau münden soll. Ein anderer Plan sieht die Verbindung dieser beiden Ströme über den Neckar und einen Neckar- Donau - Kanal von Plochingen bis Ulm vor. Jedoch ist dieser zweite Plan noch nicht vor der endgültigen Verwirklichung, während die erstge­nannte Wasserstraße bereits im Jahre 1945 befahr­bar sein soll.

Biedenkopfs Heimatmuseum zählt über 1OOOOO Besucher.

Lpd. Biedenkopf, 26. Aug. Das Heimatmu­seum in Biedenkopf hat bereits mehr als 100 000 Besucher aufzuweisen, für ein Heimatmuseum eine sehr erfreuliche Ziffer. In der letzten Zeit konnten die Sammlungen des Museum wesentlich vermehrt werden, so daß es heute einen getreuen und f a ft lückenlosen Ueberblirf über d i e Ge­schichte und auch das V o l k s t u m des hessi­schen Hinterlandes gibt.

Furcht der Verkehrsordnung erzogenen deutschen Fahrer zunächst ungeheuerlich dünken, und die sich bei dem unvorstellbar dichten Verkehr in Paris ins Extrem steigern: man überholt rechts, man fährt von rechts auf die andere Straßenseite und parkt dort in der eigenen Fahrtrichtung, um unvermittelt wieder in den Verkehr einzubiegen aber es geht gut. Und in Paris wird wenig geschimpft. Der Franzose hat bei aller scheinbaren Rücksichtslosigkeit doch eine fabel­hafte Disziplin: die Disziplin des Fahrenkönnens und des Ausnutzens jeder Chance. Daß der Pariser Ver­kehr sich so abwickelt, wie er es tut, ist diesem Um­stand zu danken. Aber ebensosehr der individuellen Verkehrsregelung durch die einfach bewunderungs­würdige Art der Verkehrsschutzleute, unter denen der Verkehrsschutzmann zu Pferde einen schlechthin im­ponierenden Eindruck macht. In Paris offenbart sich der Weltstadtcharakter auch in der Klasse der Taxi­chauffeure man weiß nie, ob man einen russischen Offizier oder einen Tonkinesen erwischt: fahren tun sie alle wie der Teufel.

Hochschulnachrichten.

Der Reichsminister für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung hat den ordentlichen Professor Dr. Theodor Mayer in Freiburg i. Br. zum 1. Oktober in gleicher Diensteigenschaft an die Uni­versität Marburg berufen und ihm die durch das Ausscheiden des Professors Dr. Stengel frei­gewordene planmäßige Professur für mittelalterliche Geschichte verliehen. Zugleich ist Professor Dr. Mayer zum Direktor des Instituts für mittelalter­liche Geschichte, geschichtliche Hilfswissenschaften und geschichtliche Landeskunde ernannt worden.

Ernannt wurden: Dozent Dr. Freiherr von Gemmingen-Homberg an der Universität Greifswald zum ordentlichen Professor für Strafrecht und Strafprozeßrecht an der Universität Halle; der ao. Professor Dr. Adolf M e y n an der Universität Leipzig zum Ordinarius für Ve­terinär-Hygiene in Leipzig.

In der Physikalisch-Mathematischen Klasse der Preußischen Akademie der Wissenschaften in Ber - l i n wurden der Professor für Geographie Dr. Hans A h l m a n n in Stockholm und der Professor für Physik Dr. Owen Willi-ams Richardson in Lon- don zu korrespondierenden Mitgliedern ernannt.

Sein fünfzigjähriges Doktorjubiläum beging kürz­lich der em. o. Honorar-Professor für Indische Phi­lologie, Kulturgeschichte und Bibliothekswissenschaft, ehemaliger Direktor der Universitäts-Bibliothek Göttingen Dr. phil. Richard F i ck.