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Mittwoch, 2 k. Zull 1958

Gießener Anzeiger tSeneral-Anzeiger für Oberhesfen)

Ar. 173 Zweites Blatt

Kür den Büchertisch

aber man wird Paul Fechter zustimmen müssen, der

Tage des Zusammenbruchs

litär und Freikorps ein sch

Das Abenteuer des Geistes

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istreicherel, ?me tüchtige, !, energische

Der König nnd die Kaiserin.

Der neue historische Roman Werner Beumelburgs.

;en Eintritt ge­schriebene aus- oerbungen unt. äckenlosenZeug- - . erbeten. l«nD hieserfieiil fabrlk, Lieh' ruf 317.

Hermgnn Glöckner: Das Aben­teuer des Geistes. 376 Seiten. Brosch. 8,80 Mark, geb. 10,80 Mark. Fr. Frommanns Verlag, Stuttgart, 1938. (173) Das Werk des Gieße­ner Philosophen wünscht nicht als Schulphilosophie gewertet zu werden: es stellt sich dar als eine Möglichkeit oder Form philosophischer Forschung und Aeußerung, die man vielleicht als Personlich- keitsphilosophie bezeichnen kann insofern, als sie vorwiegend inSelbst-Erforschung und Meditation besteht und sich bemüht, ihre Erkenntnisse und Er­gebnisse vor allem aus _ eigener Lebenserfahrung zu gewinnen, was indessen nicht ausschließt, daß die Probleme, Erfahrungen und Erkenntnisse, welche die jahrtausendalte Geschichte der Philosophie ver­zeichnet, weitgehend in den Ablauf der Betrachtung einbezogen und in ihr verarbeitet sind. (Das gilt vornehmlich für Kant und Hegel, Goethe und ! Schiller.) Bemerkenswert erscheint ferner, daß das

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T; 7°ns Beck Inhalt der An, - 9035. Druck ufereiR.Lange ^ugspreis RM' wit der Jllu- 10 Pf.

September 1937

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jiche Anliegen, dis gegenwärtige Aufgabe der Philosophie, eine Einigung zu erzielen vermochten, beschloß Glöckner, das damals dort verhandelte Thema auf seine Weise in Angriff zu nehmen. Das Ergebnis ist (unter Einbeziehung und Neuformung älterer Entwürfe) dieses Buch, das, vom Stand­punkt des Mannes aus geschrieben, in erster Lime und ganz allgemein vom Manne handelt, d. h. von der männlichen Persönlichkeit in Linern philosophisch hohen und weiten Sinne. Dies gibt dem Buche sowohl seinen charakteristischen Standort als auch Wirkungs- und Ausstrahlungsmoglichkeiten beson­derer Art; es wendet sich an Leser,welche die Ohnmacht des Verstandes erlebt haben, aber darum die irrationalen Mächte der Seele keineswegs für

ie deutsche . I I

Dichters und der Wahrhaftigkeit des Forschers ge­zeichneten Charakterbilder dieser beiden großen Gegenspieler und der großen Zahl der Mitwirken­den in diesem deutschen Drama tritt ebenbürtig Beumelburgs Schilderung der großen Schlachten von Mollwitz bis Torgau mit dem ergreifenden, in die Zukunft weifenden Bilde der Episode aus der Torgauer Schlacht, die in den Abendstunden Preu­ßen und Oesterreicher zu einer stummen Kamerad­schaft zusammenführt, Friede und Versöhnung ver­heißend. Beumelburgs ungemein konzentrierte, aber immer an Spannungen und dramatischen Akzenten reiche und bedachtsam abgestufte Sprache verzichtet auf alle Ueberschwänglichkeiten. Ein gro­ßer Gegenstand hat eine ihm würdige Gestaltung gefunden. Fr. W. Lange.

sich in einer ausgezeichneten Besprechung namentlich für das letzte als für ein Porträt Holbeins von eige­ner Hand einsetzt:.. .so muß der Meister dieser Bildnisse geblickt haben. So kühl aus schmalen Augen und so müde des eigenen Wissens, so il­lusionslos und fremd in dieser Welt des Bilder­sturms, der ihn aus der Heimat trieb, und der Kämpfe um schemenhafte Abstraktionen, so über­legen, ohne jeden Schatten von Pose, so sachlich, ohne Wärme, aber auch ohne Härte Das ist überaus treffend gesagt; wer die Galerie dieser Bild­nisse durchblättert (man wird nicht müde, das zu tun) und dann bei dem letzten verweilt und ver­gleicht, wird Fechters Formulierung bestätigen müs­sen. Man wird vielleicht hinzufügen dürfen, daß diese Bildnisse viel eher an den Maler des Totentanzes denken lassen als an einen Hofmaler mit dem Titel Peintre du Roi: das lehrt etwa ein Blick auf das unerhörte Porträt Heinrichs VIII., dieses bru­tale, fleischige, ja feiste Männergesicht mit den kal­ten und gnadenlosen Augen und dem merkwürdig zarten, schmalen und feingezeichneten Mund. II- lusionslosigkeit ... das ist das rechte Wort, und Sachlichkeit. Es gibt keine fachlichere Zeichnung und j Malerei (selbst bei Dürer nicht) als sie auf diesen

behaupten. Beide empfanden tief und schmerzlich den Konflikt, ausländische Mächte als Bundes­genossen in diesen deutschen Bruderkrieg hineinzu­ziehen. Kaum eine Episode ist von Beumelburg er­regender geschildert als der Versuch des Königs, durch die Abrede von Klein-Schnellendorf 1741 dem unnatürlichen Bündnisse mit den Feinden des Reiches zu entgehen und im Bunde mit der Kaise­rin das Reich von den Franzosen zu befreien. Miß­trauen und Stolz hinderten Maria Theresia, um den Preis Schlesiens der deutschen Zwietracht ein Ende zu machen.-Der Kampf ging weiter fast bis zur völligen Erschöpfung der beiden deutschen Mächte, während das englisch-französische Ringen um das gewaltige überseeische Kolonialreich den deutschen Bruderkampf zum Weltkrieg ausweitete. Scharf und klar stellt Beumelburg die beiden größ­ten Gestalten dieser Zeit vor uns hin, wir spüren den inneren Zwiespalt, mit dem beide immer wieder zu kämpfen haben, sehen ihre Einsamkeit in einer Umgebung, die ihre Motive nicht versteht, ihre Ent­schlüsse mißbilligt, sehen ihre Größe in den bitteren Stunden der Niederlage, der Enttäuschung, der inneren Not. Und neben die mit der Intuition des

ziehen zu lassen, obwohl oder vielleicht eben well das Wenigste darunter besonders bekannt oder gar berühmt ist in Holbeins riesigem Oeuvre aus knapp drei Lebensjahrzehnten: außer dem Porträt Hein­richs VIII. eigentlich nur die des Baseler Bürger­meisters Jakob Meyer und der Dorothea Meyer, Vorstudien zu dem Madonnenbilde im Darmstädter Schloß. Wen findet man sonst: neben dem König zwei seiner Frauen, die Boleyn und Jane Seymour, Diplomaten und Kaufleute, Ritter und Gelehrte, Kirchenfürsten und Damen, bekannte und unbe­kannte, aber jedes Bildnis vollkommener Spiegel einer Persönlichkeit, eines menschlichen Schicksals, jedes, wie Geheimrat Waetzold in seinem vortreff­lichen Geleitwort bemerkt,zum Greifen" nah und deutlich. Wunder über Wunder: diese so ungeheuer fachliche Kunst wirkt gerade hier, im Porträt, nir­gends kühl oder erkältend; wohl realistisch, ohne die mindeste Verschleierung oder Beschönigung, ... aber mit welcher behutsamen Zartheit, ja Zärtlichkeit, die wiederum niemand dem Manne jenes späten Selbst­bildnisses zutrauen möchte, sind die Frauenbildnisse gegeben: die Cecily Heron, die kindlich junge Lady Parker und die Lady Elizabeth Audley vor allem, in hauchfeine Konturen gefaßt, wieviel Blutwärme und Temperament, wieviel Beseelung, Geist und Anmut in den Gesichtern dieser Damen, die vor vierhundert Jahren lebten und starben. Man könnte von jedem der Bildnisse eine Geschichte erzählen, jedes abtasten und seinem Linienspiel nachgehen sie gehören, wie Waetzold bemerkt, über ihren Ur­kundenwert hinaus (denn eine große Zahl von Hol­beins Werken, zu denen die Handzeichnungen Ent­würfe und Studien waren, find verloren) dank ihrer Schönheit zu den Weltwundern der Kunst. Von den 24 Blättern ist nur eines in Deutschland (Dres­den Kupferstichkabinett), die meisten in Windsor Castle, der Rest in Basel. Die Wiedergabe muß her­vorragend genannt werden. Dabei kostet das Bänd­chen noch nicht einmal eine Mark; jeder kunstliebende Deutsche sollte es besitzen. Hans Thyriot.

von Hutten. Unter Berücksichtigung neuerer Forschungsergebnisse herausgegeben von Professor Dr. Otta, Clernen. Mit 32 Bildtafeln. Preis in Seinen geb. 8,50 Mark, im Insel-Verlag zu Leipzig. (203) Vor genau 450 Jahren wurde der ritterliche Dichter des Humanismus und der Refor­mation auf der Steckeiburg im Kreise Schlüchtern geboren. Die dort unter der lebhaft interessierten und fördernden Schirmherrschast des Gauleiters Sprenger veranstalteten Hutten-Festspiele sollen unser Volk auf die Bedeutung eines Mannes Hin­weisen, der den Deutschen zuerst den Weg zur Nation wies, der im Kreise der jüngeren Huma­nisten, von der Wärme vaterländischer Gesinnung durchdrungen, am entschiedensten und feurigsten für die Reformation eintrat und im Kamps für die religiöse Freiheit und Unabhängigkeit der deutschen Kirche zugleich den Kampf für die Größe und Ein­heit der deutschen Nation sah. So ist die Neuauflage der besten und lesenswertesten Biographie, die wir kennen, obwohl sie vor fast 70 Jahren geschrieben wurde, heute hochwillkommen. David Friedrich Strauß, der damals in Darmstadt der vielseitig interessierten Erbgroßherzogin Alice freundschaftlich verbunden war, schildert mit liebevollem Verständ­nis, aber ebenso unbedingter Wahrhaftigkeit unge­mein anschaulich und lebendig den abenteuerlichen Lebensweg Huttens, dessen Schicksal es war, mit ungeheurem Elan sich in die Händel dieser Welt zu stürzen, immerdar und überall die Fahne des Rechts und der Wahrheit zu ergreifen und hochzu­halten und nach unbedingtem Einsatz seiner ganzen Person in jungen Jahren schon, von tückischer Krankheit gefällt, zugrunde zu gehen. Der schönen Neuausgabe des Straußschen Werkes, die Otto Clernen besorgt hat und der Verlag mit zahlreichen ganzseitigen Porträts Huttens und seiner Zeitge- no en geschmückt hat, wünschen wir viele aufmerk- same Leser. Fr. W. Lange.

Gottfried Keller: Briefe, ausgewählt von Carl Beck, Insel-Bücherei Nr. 528. Preis geb. 0,80 RM. (175) im Insel-Verlag, Leipzig. Das menschliche Porträt des großen schweizerischen Dich­ters ist vielfach verzerrt auf die Nachwelt gekom­men. Heute noch lebt er wesentlich fort in mehr ober minder gutmütigen Anekdoten als mürrischer.Ver­ächter der Frauen und Freund eines guten Tropfens. Daß er ein rührend gütiger und besorgter Bruder war, ein mitteilsamer und anhänglicher Freund, sehen wir aus dieser kleinen sorgfältig getroffenen Auswahl seiner Briefe, die ebenso von eigenen Sor­gen und Nöten sprechen, wie sie Liebe und Ver­ständnis für die Menschen zeigen, denen es gelungen ist, die Mauer zu durchbrechen, die der verschlossene Dichter nach vielen Enttäuschungen und Mißver­ständnissen um fein überempfindliches Herz errichtet hat. Carl Beck hat zu der Brief-Auswahl ein schönes Nachwort geschrieben. L.

1 Hanns Arens: Karl Heinrich Wag-

! q e r l. Der Mensch und der Dichter. Mit Scheren- [ schnitten, Zeichnungen, Photos und einer Hand- i schristenorobe des Dichters. 45 Seiten. Werkstätten = der Stadt fyatfe, Burg Giebichenstein. (202) i Wir haben uns seit Jahren nach Kräften für die ; ursprüngliche dichterische Begabung des Oester- ) reichers Karl Heinrich Waggerl eingesetzt, und unsere j Leser werden sich, wie wir annehmen, außer zahl- 1 reichen kleineren Beiträgen vor allem des schönen Romanes vomJahr des Herrn" mit Freuden er­innern, den wir vor einiger Zeit in der Unter­haltungsbeilage abaedruckt haben. Hanns Arens entwirft in dem vorliegenden, sorgfältig ausgestatte­ten, in einer klaren Fraktur gedruckten Bande aus freundschaftlicher Verbundenheit mit dem Dichter und aus liebevoll einbringenbem Verständnis ein anziehendes Bild von Waggerls Leben und Werk, und dieses Bild gewinnt um so persönlichere Züge, als dem Dichter'selbst reichlich das Wort gegeben wird, und die angezogenen Stellen aus seiner Lebensgeschichte und seinen Büchern sehr charakte­ristisch genannt werden müssen, llebrigens findet man auch bei Waaaerl vorzügliche Bsilviele für bas interessante Phänomen ber künstlerischen Doppelbegabung, wovon hier in ber letzten Zeit bes öfteren bie Rede gewesen ist; bas belegen vor allem die in den Text eingestreuten Bildbeigaben. Das schmale Buch wird allen Freunden des Dichters willkommen sein und ist sehr baiu angetan, ihm Hans Thyriot. ,

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Aomwe.

Joses Martin Bauer: Der Doppel­gänger. 217 Seiten. Ganzleinen 3,80 Mark. Ver- lagshaus Bong & Co., Berlin. (106) Dies ist eine nach der Eingangserzählung benannte Novellen- ammlung des bayerischen Dichters Josef Martin Bauer, den unsere Leser aus gelegentlichen Bei­trägen zum Feuilleton und zur Unterhaltungsbeilage kennen. Von seinen früheren Büchern haben wir die RomaneAchtfiedel" undDas Haus am Fohlenmarkt" besprochen. Aehnlich geschlossen, wie sich imFohlenmarkt" die Welt einer kleinen Stadt vor dem Leser auftut, ist in den Erzählungen dieses Bandes eine einfache bäuerliche Welt lebendig, und der gelassene und fachliche Stil Bauers ist ihrer Darstellung günstig und angemessen. Auf den ersten Blick zwar sehr voneinander verschieden, haben die Novellen dieses Bandes doch etwas allen Gemein­sames, das ihre Zusammenfassung gerechtfertigt er­scheinen läßt: das ist nicht nur die bäuerliche Um­welt im allgemeinen, sondern im besondern dies, daß die Menschen, bie als bie schlichten Helden ber Begebenheiten erscheinen, alle (wie bie Ankünbigung des Verlages sich ausbrückt) innerlichan ben Grenzen" leben; man kann auch sagen: vor einer Entscheibung, an einem Wendepunkt, einem Schick­sal gegenüber, vor dem der einzelne, Mann ober Weib, sich zu bewähren hat. Liebe und Tod, Heimat und ererbter Besitz sind die Mächte, bie bas bäuer­liche Dasein dieser Menschen regieren. Sehr reizvoll zu vergleichen, wie in den ErzählungenDer Doppelgänger" undMatthäus Deinböck" ein ähn­liches Thema zu ganz verschiedenen Lösungen ge­langt: hier und dort wird geschildert, wie ein Mann sich verhält, dem die Gewißheit seines nahe bevor­stehenden Todes zuteil wird. Die Erhebung des Einzelschicksals ins Allgemeine erlebt man in der starken Erzählung von derBäuerlichen Anabasis", die den Schluß des Bandes bildet und die von der Heimsuchung und dem Heimweh deutscher Bauern auf den eisigen russischen Leichenfeldern des Winters 1812 berichtet. Hans Thyriot.

Biographisches.

David Friedrich Strauß: Ulrich

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Melchior Vischer: Münnich, Feld­herr, Ingenieur, Hochverräter. Preis 12 Mark. Mit 12 Abbildungen. Sozietäts-Verlag m Frankfurt a. M. (138) Das 18. Jahrhundert ist wie keines vorher oder nachher reich an wahr­haft kosmopolitischen Gestalten, die den Großen die- _ $ßerncr Beumelburg: Der König

fer Welt Arm und Kopf leihen, ohne nach -politiE u n ö j e Kaiserin, Friedrich der Große und und Glauben zu fragen. Ihr Vaterland war oon, g^arja Theresia. Preis in Ganzleinen geb. 7,80 Mk. wo man sie brauchen konnte. Daß dies in ben sei- sQerlQg Gerharb Stalling in Oldenburg i. O. teuften Fällen ihre deutsche Heimat war, die zer- -x\t die.Tragödie des deutschen Volkes,

splittert und machtlos ihre besten Söhne dem 21115= erjt in unseren Tagen Adolf Hitler mit der land als Feldherren und Staatsmänner zur Ver- Schaffung des Großdeutschen Reiches ein Ende be= fügung stellte, ist einer der tragischen Zuge in der hat, daß, solange es ein Deutschland gibt, Geschichte des deutschen Volkes. Trotz seines an gegen Deutsche gestanden haben und

Abenteuern überreichen Lebens, das den oldenbur- deutsche Zwietracht ausländischen Mächten stets der gischen Deichgräsensohn aus weit verzweigtem und hefte Helfer war, Deutschland niederzuhalten. Eine schon früh in den Händeln der Zeit agierenden ur= ber tragischsten Szenen in dieser Tragödie deut- sprünglich bayrischem Bauerngeschlecht durch aller Schicksals hat Beumelburg zum Gegenstand

Herren Länder und über alle Kriegsschauplätze neuen Romans gewählt, der die gleicherweise

Europas schließlich als Felümarschall und Reichs- grandiosen und in tiefstem Sinne deutschen Ge- graf an die Stufen des russischen Zarenthrones galten des Preußenkönigs Friedrich und der letzten stellte, war Münnich fein Glücksritter wie so viele Habsburgerin Maria Theresia gegenüberstellt. Der seiner Zeitgenossen. Der kluge und energische 23ater ^ampf zwischen ihnen begann, wie so viele Kämpfe hatte ihn in eine harte Schule genommen, so mürbe Deutschen vor ihnen begonnen hatten, aus

er wie der Vater ein Wasserbauingenieur von hohen einer bestimmten machtpolitischen Situation heraus Graben, ber seine Kunst beim Bau bes Laboga- um begrenzter machtpolitischer Ziele willen, aber Kanals unter Beweis gestellt hat. Bis er aber Jo er cn.öete ;n einem Kampf um die letzte Entscheidung weit war, Hot er freilich in Diensten der Landgrafen über den Führungsanspruch im Reich, äußerlich von Darmstadt und Kassel nach dem Brauch seiner zwar noch mit einem Remis, im tiefsten

Qeit das Soldatenhandwerk von der Pike auf ge- ^ern ft-och schon mit der jetzt unausweichlich ge­lernt Er hat das Glück gehabt, während des spani- wordenen Forderung der in drei furchtbaren Kriegen dien Erbfolgekrieges die bedeutendsten Feldherren geschmiedeten jungen preußischen Großmacht, sort- einer Zeit, den Prinzen Eugen und den Herzog an ö,a5 Banner des Reiches den Deutschen voran- von Marlborough zu Lehrmeistern zu haben, aber fragen. Beide standen im Kampf in höchstem von dem großen Bischof Fenton lernte er wahrend Maße erfüllt von ihrer Mission. Friedrich begann . seiner Kriegsgefangenschaft in Cambrai eine wahr- fcen Krieg um Schlesien im tiefsten Bewußtsein [ hast philosophische Betrachtung dieses Lebens. Eine feiner Pflicht, eine einmalige Situation nicht un-

1 Episode blieb seine Arbeit am Diemel-Fulda-Kanal, genützt verstreichen zu dürfen, sein innerlich ge-

er ging nach Warschau in bie Dienste Augusts bes fundes unb starkes. Preußen aus ber Enge des

Starken als Reorganisator ber polnischen Armee, brandenburgischen Kleinstaats emporzuheben zur

i aber bald noch weiter nach Osten, an ben Hof Pe- deutschen und europäischen Großmacht. Mana ters des Großen, der ihm lohnende Aufgaben ver- Theresia entschied sich gegen die Mahnungen ihrer hieß. Aber wieviel Schwierigkeiten sowohl aus dem zaghaften Ratgeber für den Appell an die Waffen ( Charakter des Zaren, wie aus der russischen Um- im Bewußtsein ihres moralischen unb historischen [ weit erwuchsen allen benen, bie wie Münnich, mit Rechts,' bas ihr überkommene Erbe unversehrt zu ! deutscher Grünblichkeit an ihr Werk gingen und nur

ihr Werk im Auge hatten. Er würbe in bie nicht abreißenden Intrigen am Zarenhof hineingezogen, stieg unter der Kaiserin Anna zu den höchsten Aem- tern empor, führte ihre Kriege gegen Polen und Türken, fiel ebenso schnell bei der Kaiserin Elisa-1 bett) in Unqnabe. Erst Peter III. holt ben Greis aus der sibirischen Verbannung, und Kaiserin Katharina II. stellt ihn noch einmal in höchste Aemter. Und doch ist er trotz dieses Auf und Ab seines Lebensweges kein Abenteurer und Glücks­ritter, immer steht der solide deutsche Facharbeiter in ihm für fein Werk gegen Intrigen und Rankünen, eine Persönlichkeit von Format, die es verdient, so eingehend gewürdigt zu werden, wie es Melchior Vischer an Hand eines außerordentlich vielseitigen und mit der Spürnase des Forschers ausgeschöpften Dokumentenmaterials in diesem umfangreichen, weit ausholenden Buch unternommen hat. Vischer hat seinen Helden in die Geschichte seiner Zeit ge­stellt und diese Querverbindungen, die er geschaffen hat, machen ebenso wie die vielen bezeichnenden Einzelheiten, die Vischer aus seinem Material 3ur »Ku«««»««» ..... ,...... --M -

- Mustrierung herbeibringt, das Buch so ungernem J ^ssen Vorstudien teilweise zeitlich weit zu- anschaulich und farbig. Mögen einzelne Charaktere, einem äußeren Anlaß feine Entstehung

wie Peter der Große, Osterrnann und Biron, in ^^cmkt und gewissermaßen als ein Protest konzi- ber Schilderung Vischers etwas einseitig überspitzt murbe. qti ' bie unbefriedigenden Ergebnisse erscheinen, als Ganzes gewinnt man aus dem breit einer Berliner Philosophen-Tagung im

angelegten Werk einen plastischen Eindruck von den ' - sicher ^as ThemaSeele und

politischen Kräften der Zeit und dem großartigen ? D<'anbeIt wurde. Enttäuscht von der Ab-

Schasfen einer so vielseitigen begabten unb starken standenheit ber bort gehaltenen Vorträge, bie

Persönlichkeit wie Münnich. Fr. W. Lange. ÜQm großen Wandel ber Zeit berührt ober

Büdnisie Hans Holbeins. a? ergriffen sch - 9ritfnnFi» hsr

Hans Holbein d. I.: B i l b n i s s e. 24 far­bige Hanbzeichnungen. Mit einem Geleitwort von Wilhelm W a e tz 0 1 b. Im Insel-Verlag, Leipzig. (189)Dieses schmale Bänbchen, Nr. 95 ber Insel-Bücherei, enthält große Kostbarkeiten. Don ben etwa 400 bezeugten unb erhaltenen Hanbzeichnungen Hans Holbeins bes Jüngeren, bes bekanntesten und bebeutenbsten aus der Augsburger Künsterfamilie, sind hier 24 Porträtzeichnungen vereinigt, von wel- chen bie erste unb bie letzte in ber Reihe zwei Selbst- bilbnisse sinb, ein frühes (vom Jahre 1523) unb eins aus. ber. letzten Lebenszeit, mit etwa 40 Jahren, *.Ur3 bevor bie Pest ben Maler hinwegraffte; beibe Unb allerdings als Selbstbildnisse nicht unbestritten,

Josef Hofmiller: Revolutions- :a geb ui. 1918/19. Aus den Tagen ber Münchener Revolution. Preis 7,50 RM. geb. Ver­lag für Buchwerbung Karl Rauch, Mark-Kleeberg bei Leipzig. (198) Hofmiller hat sich als feinfinniger Essayist unb warmherziger Buch- und Theaterkritiker, der empfangene Anregungen zu einem neuen Kunstwerk zu gestalten vermochte, einen Namen gemacht, der sein vorzeitig abgeschlos­senes Schaffen weit überdauern wird. Aus feinem Nachlaß hat feine Witwe nun die Aufzeichnungen veröffentlicht, die sich Hofmiller, damals Gymna- sialprofeffor in München, tn den Reoolutionstagen 1918/19 gemacht hat, in dem Bedürfnis, sich selber Klarheit zu verschaffen über die erregenden Ereig­nisse dieser niederdrückenden Wochen des Zusam­menbruches unb über seine eigene Stellung zu ihnen. Ungeschminkt, ohne Rücksicht auf hergebrachte Meinung unb Konvention, wie es überhaupt seine Art wur, hat er biesen Notizen Tag für Tag eine Eindrücke anvertraut. Er sah sehr nüchtern )ie Fehler des zusammengebrochenen Systems, aber ebenso nüchtern würbe ihm klar, baß bieser Um­sturz keine N>ferische Revolution war unb von.^^ keine/bie einfacher, un=

diesen Nooembermannern auch ene °wv l ^^jscher und sparsamer wäre als diese, dabei

eitle wie ^Kurt vollkommen in jeglicher Beherrschung alles Tech-

eines ludstchen b Dolksführern nischen und Handwerklichen. Eines der größten unb

?tneü' mrV 1?1nn her föcfdiidVe W nachbenklich machenben Erlebnisse vor bem

Realität lab Hof- kleinen Bilderbuch man kann bas freilich nicht 9c!Jar^.en.'?Itcf Nerrteck-n bin- nur bei Holbein, fonbern auch bei zahlreichen seiner

Mller d 1 e 1 arnmer 11che Fe 1 gheit, Verstecken W f en ^^'en hier war bereits ein abfo=

^n; MP luter Höhepunkt künstlerischer Gestaltung unb Aus- Rabikalisrnus bes Spartakus-Spuks, dem dann JJtiJ bru£fgf^^eit erreicht, den wir in vier Jahrhun- ... ,, - y ^p^ffharfen B^bachters derten nicht überstiegen haben, ber vielleicht, mit UnnT£eua^5 ^^uf7eidmunaen gleichen Mitteln, überhaupt nicht Überboten werben

bes Wahnsinns bieser Tage sind fann. Man pirb nicht mübe, wir sagten es schon,

von unschätzbarem Wert. $ öie schmale Bildergalerie aufzublättern unb Namen

Mnnich I nach Namen, Gesicht nach Gesicht, an sich vorüber-

vertrauenswürbiger halten sondern die ent­scheidende Wendung zur Freiheit in einem Unbe­dingten vermuten, welches sich im Verstände so gut wie in der Anschauung, im Fühlen so gut wie im Wollen auswirken kann, ohne auf einer dieser Fähigkeiten zu beruhen..." Der systematische Auf­bau der Betrachtungen gruppiert sich um vier große Fragenkomplexe, deren innere Kontinuität und Wechselbeziehung sich erst dem aufmerksam mit- denkenden Leser erschließen werden: der erste er­gibt sich aus dem schöpferischen Wesen und Willen des Geistes; der zweite aus der eigentümlichen Persönlichkeit des Philosophen, seiner Stellung und seiner Aufgabe in der Welt; der dritte bezieht sich auf die freie Handlung und dasWagnis, welche sie in sich schließt"; der vierte und letzte handelt vom Glück, als vomunverdienten Gelingen dieses Wagnisses in der Schicksal schaffenden Persönlich­keit^. Der Referent ist sich darüber klar, baß auch mit bieser allerknappsten Zusammenfassung bes Inhaltes ber vier großen Kapitel, welche das Buck) ausmachen, vom Ganzen noch immer herzlich wenig ausgefagt wirb; aber es scheint im. begrenzten Rahmen eines Zeitungsreferates' kaum möglich, mehr als bie Anbeutung von.Zusammenhängen zu vermitteln, beren Darlegung keinerlei Abbrevia­turen gestattet, wenn bie Durchbringung bes Ge­samtgefüges nicht in Frage gestellt merben soll. Man muß sich also schon bie Zeit nehmen das Werk ist natürlich nichts für eilige Leser, selbst in ben Aufbau bieser Philosophie einzubringen, die vom Abenteuer des Geistes, von der schöpferischen Persönlichkeit und von einem vielfältig gefährlichen Leben handelt: man wird sich belohnt und mannig­fach angeregt finden. Der vielleicht allgemeinste, aber sicher nicht unwesentlichste Gewinn der Lektüre scheint uns darin zu bestehen, daß der Leser von Anfang an genötigt wird, intensiv mitzudenken, so­fern er sich von ber Lektüre Genuß unb Nutzen verspricht: dazu Hilst ihm der ausgezeichnete Stu dieser Abhandlung, der (abgesehen von der selbst­verständlich vorauszusetzenden Klarheit) sehr un­mittelbar und oft suggestiv auf den Leser emmirtt. ------

1 1 Hans Thyriot. neue Freunde zu gewinnen.