Ausgabe 
27.6.1938
 
Einzelbild herunterladen

anwalt Rumäniens, einer der angesehensten Juri­sten des Landes. Vertreter der Auslandspresse sind nicht zuoelassen. Lediglich fünf rumänische Zeitun­gen durften Berichterstatter zur Verhandlung ent­senden.

Japan auf eine lange Knegs- dauer gefaßt.

T o k i o , 25. Juni. (DRV.) Der Kriegsminister kündigte neue Maßnahmen zur Verstärkung der Mobilisierung an. Er forderte, daß das gesamte Volk, die Regierung und die Wehrmacht sich noch enger zusammenschließen. Es müßten alle Voraus­setzungen für eine kraftvolle Bereinigung des Kon­fliktes in China geschaffen werden. Der Kriegs- mmlster stellte fest, daß Japan auch dann seine Ziele in China durchsetzen werde, wenn Tschiang- kaischek stärkere Bindungen mit dritten Mächten eingehen sollte und diese Mächte ver­suchten, neue Konzessionen zu erhalten. Die Frage der Kriegserkl.ärung an China sei in Tokio gründlichst überlegt worden. Dabei habe man fest­gestellt, daß ein solcher Schritt bisher nicht unbedingt notwendig gewesen sei. Tschiang- kaischek sei bestrebt, die Feindseligkeiten gegen Japan Zeit seines Lebens aufrechtzuerhalten. So­lange er nicht seine Haltung gegenüber Japgn ändere, hätte Japan die Pflicht, die Feindselig­keiten fortzusetzen. Japan habe damit zu rechnen, sich auf mindestens zehn Jahre weiterer Feindselig­keiten einstellen zu müssen. Obgleich dritte Mächte verzweifelte Versuche machten, ihre eigenen Inter­essen in China zu wählen, so könne Japan sich dadurch in seiner Haltung nicht beeinflussen lassen.

Amtseinführung

des ersten Präsidenten Irlands.

Dublin, 25. Juni. (Europapreß.) Der erste Präsident Irlands, Dr. H y d e, wurde im Schloß von Dublin in sein Amt eingeführt. Die Straßen trugen reichen Flagaenschmuck, und als Präsident Hyde in feierlichem Zuge, der von berittenem Mili­tär angeführt wurde, in das Schloß geleitet wurde, säumten Tausende von Menschen die Straßen, um ihrem ersten Präsidenten zuzujubeln. Festgottes­dienste in der katholischen und protestantischen Hauptkirche wurden von den Erzbischöfen beider Bekenntnisse zelebriert.

Zuspitzung der Lage

in Britifch-Guayana.

London, 26. Juni. (Europapreß.) In Britisch- Guayana, der britischen Kronkolonie an der Nord- osttüste des südamerikanischen Kontinents, wo ähn­lich wie auf der Insel Jamaika Streikunruhen auf den Zucker- und Reisplantagen ausgebrochen waren, find die Verhandlungen der Plantagenbesitzer mtt oen Stteikführern, die in der vorigen Woche noch eine Einigung versprachen, plötzlich abgebrochen worden. Der englische Generalgouverneur Jakson hat sich am Sonntag gezwungen gesehen, weitere Truppenver st är,Lungen in die Stteikgebiete zu entsenden. In London erklärt man, bei einer weiteren Ausdehnung des Stteiks in Britisch- Guayana werde die britische Regierung einen Untersuchungsausschuß nach dort entsen­den, der die Aufgabe haben würde, ähnlich wie auf Trinidad und Jamaika die sozialen Verhält­nisse zu überprüfen.

Kleine politische Nachrichten.

Reichssportführer , ö o n Tschammer und Osten wurde in Rom von Graf Ciano empfangen und weilte dann als Gast von General Vatiaro in Ostia. Parteisekretär Minister Starace gab zu Ehren des Reichssportführers ein Frühstück. Dann fuhr der Reichssportführer in das pontinische Sied­lungsgebiet, wo er Littoria und Sabaudia eingehend besichtigte.

Die deutsch-litauischen Wirtschafts­vereinbarungen vom 5. August 1936 sind um ein weiteres Jahr verlängert worden. Der gün­stigen Entwicklung des deutsch-litauischen Warenver­kehrs konnte durch eine erhebliche Heraufsetzung des

vorgesehenen Vertragsrahmens Rechnung getragen werden. Zur gleichen Zeit wurde die Ausdehnung der Wirtschaftsverträge auf das Gebiet des früheren Bundesstaates Oesterreich geregelt.

*

Der langjährige Kriegskommandant des Memel- aebietes, Oberst Liormanas, ist zum 1.Juli von seinem Posten abberufen und zur anderen Ver­wendung in Litauen bestimmt worden. Zum neuen Kommandanten des Memelgebietes ist der bisherige Kriegskommandant des Kreises Panevezys, Oberst­leutnant Andraschunas, ernannt worden.

*

Die Beisetzung der Mutter der englischen Königin, der Gräfin S t r a t h m o r e, ist auf nächsten Montag festgesetzt worden. Sie wird auf Schloß Glamis, dem ^Stammsitz der Grdfen von Strath- more erfolgen. Das Königspaar wird am Samstag nach Schloß Glamis abreisen. Das Programm für den Pariser Königsbesuch ist unverändert geblieben und wird sich nunmehr vom 19. Juli ab abwickeln. Der Führer und Reichskanzler hat dem König und der Königin drahtlich sein Bei­leid ausgesprochen.

In London ist die 16. Internationale Rote-Kreuz-Konferenz zu Ende gegangen. Die deutsche Abordnung unter Führung ihrer beiden

Präsidenten, des RSKK.-Obergruppenführers H e r - zogvon Coburg und des f^-Brigadeführers Dr. G r a w i tz hat sich erfolgreich an allen Arbeiten der Konferenz beteiligt. Im Vordergrund standen völker­rechtliche Fragen; insbesondere die Notwendigkeit einer Ausdehnung des Schutzes durch das Rote Kreuz in Kriegszeiten.

*

Auf einer Generalversammlung des polnischen Le­gionäroerbandes ernannte Marschall Rydz-Smigly anstelle des Obersten Koc, der unlängst auch von der Leitung des Lagers der nationalen Einigung zurückgetreten ist, den Verkehrsminister Oberst U l - rych zum Kommandanten des Verbandes. Rydz- Smigly erklärte, daß vor allem die Jugend für die Arbeit am Staate gewonnen werden müsse. Oberst Ulrych gab der Ueverzeugung Ausdruck, daß Polen einer nationalen Erneuerung auch in welt­anschaulicher und geistiger Hinsicht entgegen gehe.

*

Die Feierlichkeiten zu Ehren des vor 900 Jahren verstorbenen ersten ungarischen Königs St. Ste­phan wurden in Anwesenheit des Reichsverwesers vonHorthr)im Rahmen einer festlichen National­versammlung im Kuppelsaal des ungarischen Parla­ments eröffnet. Das gesamte offizielle Ungarn war in prunkvoller Gala vertreten. Auch das gesamte Diplomatische Korps war erschienen.

Aus aller Welt.

Rudolf Heß bei der Hitlerjugend aus der Ostmark auf Burg Gtahleck.

B a ch a r a ch , 25. Juni. (DNB.) Auf Einladung des Landesverbandes Rheinland für die deutschen Jugendherbergen und des Landeshauptmanns der Rheinprovinz, Haake, machten über 100 Hitlerjun- gen und BDM.-Mädel der ehemaligen illegalen österreichischen HI. eine achttägige Fahrt durch die schönsten Gegenden des Rheinlandes. Den Abschluß fand die Fahrt mit einem Sommerfest auf der Juacndburg S t a h l e ck. Als Fanfaren und Böl­lerschüsse das Eintreffen des Stellvertreters des Führers ankündigten, kannte die Freude keine Grenzen mehr. Rudolf Heß verweilte dann einige Stunden unter der frohen Schar der Jungen und Mädels aus der Steiermark und Kärnten, die zunächst im Rittersaal dem Stellvertreter des Füh­rers einige ihrer schönsten Heimatlieder vorsangen. Im Burghof nahm Rudolf Heß dann mitten unter den österreichischen Jungen und Mädeln in ihren schmucken Gebirgstrachten Platz.

Schlußkundgebung des Deutschen Stubententages.

Heidelberg, 25. Juni. (DNB.) Mit einer großen Kundgebung fand der Deutsche Stu­dententag seinen Abschluß. Reichsstudetenführer Dr. Scheel ging in seiner Rede davon aus, daß die studentische Jugend nicht mehr hinten sieht, sondern marschiert. Für die deutsche Hochschule heiße es, sich ihrer großen kulturellen Sendung aus dem Geist der nationalsozialistischen Weltanschauung heraus bewußt zu werden. Die Aufgabenstellung der Facharbeit, die unter ganz bestimmten Gesichts­punkten erfolge, führe den Studenten wieder heran an die Wirklichkeit unseres völkischen Lebens. Der Wissenschaft würden dadurch neue Forschungs­methoden und neue Probleme eröffnet. Mit Freude könne die Tatsache festgestellt werden, daß Mittel und Wege gefunden wurden, Wissenschaft und Be- rufserziehüng in Einklang zu bringen. Hieraus er­gebe sich eine Neugestaltung des Stu­diums, dessen tragende Faktoren sein müssen: 1. die Erziebung au Zucht und Ordnung, Charakter­festigkeit und Willensstärke, die Leibeserziehung, die musische Erziehung der Kameradschaften, 2. die wis­senschaftliche Lehre und Forschung und die Erzie­hung zu eigenem Denken und Arbeiten in den Vor­lesungen und Hebungen der Dozenten und Profes­soren, den Arbeitsgemeinschaften und den Fachgrup­pen und den Mannschaften des Reichsberufswett­kampfes; 3' die Berufsausbildung und Erziehung I zur Menschenführung in völkischer Verpflichtung1

und Verantwortung im späteren Beruf durch die Fachgruppen und die Berufspraxis. Der Reichs- studentenführer ging dann auf die Frage der Sicherung eines fähigen Nachwuchses ein. Diese Frage sei eine Existenzfrage der deutschen Hochschule. Wir müßten der Jugend sagen, daß Wissenschaft nicht eine unnütze Beschäftigung, nicht geistreiches Problematisieren sei, sondern Kampf, Kampf in der Auseinandersetzung mit Gegnern un­serer. Weltanschauung, der nur von Kerlen mit Wis­sen und Können, Charakterstärke und Willenskraft bestanden werden kann. Erzogen zu Charakteren und Persönlichkeiten würden die neuen Träger un­serer Berufe jene Fähigkeiten entwickeln, die das deutsche Volk von ihnen erwarte. Die neuen deut­schen Hochschulen würden wahre Mittelpunkte deut­schen Geisteslebens und Bollwerke deutscher Art gegen artfremde.Einflüsse sein. Gerade vom deut­schen Studenten müsse verlangt werden, daß er sich auszeichne vor dem deutschen Volke durch Charak­ter und Leistung, daß er ein Wahrer, Hüter und Mehrer der höchsten deutschen Kulturwerte sei, daß er Kämpfer sei für die geistige Freiheit des deut­schen Volkes und für die deutsche Kultur. Mit dem gemeinsamen LiedHeilig Vaterland" schloß der Appell.

Der Gegelflug in das Programm der Olympischen Spiele ausgenommen.

Die 38. Konferenz der F^ddration Aeronautique Internationale (FA1) hat ihren Abschluß gefunden. Die Ausnahme des S e a e l f l u g e s in das Pro­gramm der Olympischen Spiele wurde fest­gelegt. Es wurde vereinbart, daß die interessierten Länder hierzu Einheitssegelflugzeuge entwickeln, unter denen das geeignetste auf einem Vergleichsfliegen im Frühjahr des kommenden Jah­res in Rom als Olympia-Segelflugzeug bestimmt werden soll. Auf Grund eines durch den Aeroklub von Deutschland eingebrachten Entwurfes wurde weiterhin das internationale Flie­gerabzeichen geschaffen, das einen über der Weltkugel fliegenden Adler darstellt, über dessen ausgebreiteten Schwingen ein Regenbogen als Zei­chen internationaler Zusammengehörigkeit aufscheint. Durch Abänderungsanträge zu den internationalen Rekordvorschriften werden die Bestimmungen für die Ausstellung und Anerkennung von Segel- flugrekorden vereinfacht, die bisher der Eigen­art des motorlosen Fluges nicht in allen Teilen gerecht wurden. Der Aeroklub wurde beauftragt, für 1939 einen Internationalen Zielsegelflug­wettbewerb nach Bukarest um den Prinz- Bibesco-Pokal vorzubereiten. Zum Präsidenten der FAI wurde Prinz Bibesco (Rumänien) wie-

Auiowegelagerei.

Don unserer Äerlmer Schriftle'tung.

Zum zweitenmal hat jetzt die Reichsregierung mit dem drakonischen Mittel der Todesstrafe im Gesetzeswege zu einer Frage Stellung genommen, die die Allgemeinheit in ernster Weise angeht. Im Zusammenhang mit dem neuesten Skandal einer Kindesentführung in Amerika mochte man sich dar­an erinnern, daß die Rsichsregierung am 22. Juni 1936 die Todes st rase für Kindesraub eingeführt hat, der in erpresserischer Ab­sicht begangen wird. Diese Maßnahme erfolgte damals unmittelbar im Anschluß an ein derartiges Verbrechen. Wenn die Reichsregierung jetzt die Todesstrafe auch für Autobanditen be-

Morgens und abends Chlorodont verhütet Zahnstein-Ansatz

schloffen hat, die eins der gemeinsten Verbrechen, den Straßenraub, ohne Rücksicht auf Men­schenleben, Verkehr und wertvolles Material be­gehen, so zeigt. sie mit derselben Energie und Schlagkraft, daß sie entschlossen ist, gemeine Ver­brechen mit aller wünschenswerten Rücksichtslosig­keit auszurotten.

Daß Straßenraub schon immer als ein besonders verabscheuungswürdiae? Verbrechen gegolten hat, zeigt die Tatsache, daß schon unter der früheren Gesetzgebung eine solche Tat. mit mindestens fünf Jahren Zuchthaus bestraft wurde. Nun gehen im nationalfoziglistifchen Deutschland alle Maßnahmen zum Schutz der Allgemeinheit von dem Grundbe­griff der Volksgemeinschaft aus. Ist dieser aber einmal der Ausgangspunkt für jeden Schutz des öffentlichen Lebens geworden, so ergibt sich logisch aus oer Volksgemeinschaft für das Gebiet de? öffentlichen Verkehrs eine Verkehrsge­meinschaft. Gerade in den letzten Jahren ist der nicht nur technische, sondern vor allem auch moralische Begriff der Verkehrsgemeinschaft u. a. ja auch dadurch sehr deutlich unterstrichen worden, daß öie Reform der Verkehrsregeln jedem Ver­kehrsteilnehmer ein Höchstmaß von Verantwortungs­gefühl und Rücksichtnahme auferlegt.

Demzufolge ist eine Tat, die sich gegen die Ver- kehrsgemeinschast richtet und in der gewissenlosesten Weise Menschenleben und wertvolle Güter miß­achtet, ein ungewöhnlich schweres Kapitalverbrechen. Schon aus Abschreckungsgründen muß die Strafe von einer exemplarischen Harte fein. Der Prozeß gegen die Gebrüder Götze in Berlin enthüllte einen geradezu entsetzenerregenden Tiefstand solcher aus­gesprochen asozialer Elemente. Wie das Rechts- empfinden des Volkes über solche Verbrecher denkt, das zeigte sich im Moabiter Gerichtssaal in dem erregten Gemurmel der Zustimmung und der Ge­nugtuung, als der Vorsitzende den Gesetzesbeschluß über die Todesstrafe gegen Autobanditen mit Auto­fallen verlas. Dadurch, daß bas1 Gesetz rückwirkende Kraft erhalten hat, ist die Gewähr gegeben, daß Volksgemeinschaft . und Verkehrsgemeinschaft von solchen Gangstertypen befreit werden. Darauf hat die Volksgemeinschaft um so mehr einen Anspruch, als das Kraftfahrzeug durch die Motorisierung Deutschlands unter Adolf Hitler ein Massenver­kehrsmittel geworden ist, dessen Breitenwirkung von Jahr zu Jahr sprunghaft steigt und mit der Massen­produktion des Volkswagens erst dem eigentlichen Höhepunkt entgegeneilt.

dergewählt. Nach einer Besichtigungsfahrt nach Karinhall und in die Schorfheide sand, die Tagung mit einem Empfang im Haus der Flieger am Sonntagabend ihren Abschluß. Als Gäste des Aeroklubs von Deutschland werden die Delegierten jedoch noch einige Tage in Deutschland weilen und Gelegenheit nehmen, die Junkerswerke in Dessau zu besichtigen sowie die Stadt der Reichsparteitage

Marburger Festspiele.

Shakespeare:Wie es Euch gefällt."

Die zwölfte Spielzeit der Marburger Festspiele, die am Samstag begann, ist ganz dem heiteren Geiste Shakespeares gewidmet, und von den drei Lustspielen, welche diesmal auf dem Programm stehen, machte jenes den Anfang, das in der lan­gen, innerlich und äußerlich sehr variablen Reihe seiner comedies den Namen des Lustspiels vielleicht am legitimsten trägt und ohne die mindeste Ein­schränkung verdient.

As you like it" ist ein ganz aus souveräner Schöpferlaune heroorgegangenes Spiel, unwirklich wie ein Märchen, romantisch in feiner nachdenklich schweifenden Phantasie, barock zugleich in feinem wortspielerischen Spaß und Witz. (1599, vermutet man, wird es entstanden fein.) Die Handlung ist, dramatisch-theatralisch betrachtet, gering, ohne große Bewegung und umstürz,ende Entwicklung. Ein ver­triebener Herzog, zwei feindliche, am Ende auf wunderbare Art versöhnte Brüder, eine liebliche, als Mann verkleidete Prinzessin mit dem Märchen­namen Rosalinde, Schäfer und Narren ... und alles um Liebe. Im Ardenner-Walde, der bei Shakespeare kein wilder Forst ist, sondern ein arka­discher Hain, erfüllt sich auf eine zauberhaft-schalk­hafte Weise, von Hymen gesegnet, das Schicksal aller, erfüllt sich auch der Nebensinn des Spiels, das lange vor Rousseau den RufZurück zur Na­tur!" hören und ein schäferlich-idyllisches, freies und schweifendes Leben unterm Himmel über Konvention und Intrige der höfisch-ritterlichen Welt ttiumphie- ren läßt. *

Das Stück ist so locker gefügt, so bewußt spiele- risch, so flüchtig schwebend zwischen Scherz und zar­ter Melancholie, und eben dies macht es (von sei­nen Hauptschauplätzen abgesehen) wie nicht viele andere geeignet, auf einer Bühne im Freien dar- gestellt zu werden, welche nicht der Kulissen bedarf, die Natur zu malen, aus der es lebt.

Der Beginn stand unter einem freundlichen Ge­stirn: je später es wurde, um so selbstverständlicher verloren sich die verschwimmenden Konturen der Szenenbiloer im natürlichen Nahmen der Schloß­parkbühne. Ein hoher, nachtblauer Himmel wölbte sich mit milden Sternlichtern über dem Lustspiel, die Bäume rauschten im lauen Wind, als seien es die märchenhaften der Ardennen, wo Orlandos

schmerzlich-sehnsüchtige Liebesbriefe mit Rosalindes Namen von Stämmen und Zweigen wehen.

Dr Fritz Budde, der feit Jahren die Mar­burger Festspiele leitet, hatte den zerbrechlichen Szenenbau des Spiels behutsam und locker ange­faßt, mit den Klängen eines unsichtbaren Orchesters und Gesang zur Laute durchwirkt, melodisch, lyrisch, .ohne scharfe dramatische Akzente. Der Bühnenbild­ner Franz Mertz hatte die strenge Stilisierung der drei hohen gotischen Bögen gemildert, aufge- lockert und mit frischem Grün verkleidet, um die märchenhaft-naturhafte Sphäre der Vorgänge an­zudeuten. Die Einbeziehung der Tanzgruppe (Lei­tung: Günter Heß) unterstrich noch die opernhaft­melodramatischen Elemente der Inszenierung.

Lilo Dietrich war die Rosalinde: ihr stand die Verwandlung aus der höfischen Prinzessinnentracht in einen knabenhaften Jagdjunker und wieder zu­rück nicht übel an; sie erschien mädchenhaft verliebt, und betrübt, zärtlich und heiter, dabei von beweg­lich-romantischer Laune, das Spiel der Verkleidung bis zum guten Ende zu wahren. Die Celia der Ilse Knochenhauer war ihr eine anmutig fröhliche, I gleichgestimmte Begleiterin.

Die darstellerisch belebteste Figur im großen En­semble, zugleich auch die am ausgeprägtesten shake- spearische Erscheinung, war der von Seppl Litsch gespielte Jaques, ein nachdenklicher, leise melancho­lischer, musikalisch inspirierter, tiefsinniger Narr. Die berühmte Monologszene-Die ganze Welt ist Bühne, und alle Frau'n und Männer bloße Spieler ..." war ein kleines Kabinettstück maß­voll andeutender Charakterisierung und schauspiele­rischer Verwandlung.

Henry R ü b e f a m gab den jungen, ritterlich- scheuen Orlando, Rodert Harp recht den als Rolle minder dankbaren, aber sprachlich schärfer profitierten Oliver. Den mehr diesseitig gestimmten, mit derberem Witz aufwartenden Prvbstein spielte, stellenweise etwas überbetont, Edgar Pauly. Richard Täufel als bombastischer Ringer Char­les, die Schäfer Helmut Peine und Karl B o ck x, Anneliese Würtz und Ruth Konrad als Phoebe und Kätchen waren unbekümmert luftige Personen am Rande des Spiels.

*

Die erste Aufführung fand, in Anwesenheit zahl­reicher Ehrengäste, sehr freundlichen Beifall. Fest­liche Beleuchtung des Schlosses, der Elisabethkirche und der Philipps-Universität beschloß den Abend in hergebrachter Weife. Hans Tbyriot

Briefe im Zorn.

Von Julius Kreis.

Soll man im Zorn Briefe schreiben? Daraus wird jeder weise Seelenarzt und erfahrene Berater mit einem laut schallenden Ja! antworten. Briefe, so richtig mit allem Gift und Groll des Augenblicks geladen, mit allem akuten Aerger über nicht gehal­tene Versprechungen, vernommene Verleumdungen, übermittelte Kränkungen, über schlechte Kritiken, leichtfertige oder treulose Geliebte, verpatzte Aktio­nen oh, wie erleichtern sie unser hochgespanntes, affektgeladenes Gemüt! Wie ein holdes Rauschgift lindern sie brodelnde Wut, bohrenden Grimm!

Man wähle glattes, möglichst holzfreies Papier zu diesem Brief, daß kein mechanisches Hindernis den Laivafluß unserer Wort aufhält, die aus dem Vulkan unseres verletzten Herzens emporquellen. Die ersten zwei Seiten mögen einem hemmungs­losen Ausbruch vorbehalten sein.

Schreibe wie du sprichst, unmittelbar, nachdem du die Kränkung oder Enttäuschung erfahren hast. Sollte bei selteneren und ausgesucht ehrenrührigen Wörtern dir die richtige Schreibweise nicht gegen­wärtig fein, so blättere nicht im Orthographie-Lexi- kon. C? hält nur auf.

An markigen Stellen lasse einen dicken Tinten­klecks zurück, als Zeichen besonderer Verachtung. Die nächsten zwei Seiten können überlegten und ausgewählten Injurien vorbehalten bleiben. Fein­sinnige Vergleiche aus dem Tierreich, aus der Welt obskurer Körperteile, aus dem Bereich symbolischer Redensarten und volkstümlicher Wendungen mögen deinen Feind wie die Pfeile der Banderillos ver­wunden und reizen. Rollen auf den ersten zwei Seiten deine Worte naturhaft kräftig, ungebändigt, eruptiv, so liegt im zweiten Teil deines Briefes der Reiz, die Hiebe grammatikalisch und orthographisch einwandfrei zu gestalten, ja, sie mit einer gewissen Liebe zu ziselieren, Meisterwerke kränkender und atzender Wort-Kleinplastik zu schaffen. Im dritten und letzten Teil deiner Epistel magft du alle Hoff­nungen und Wünsche zusammenfassen, die dich um das Wohlergehen des Adressaten bewegen.

Ist der Brief fertig, so lies ihn noch einmal sorg­fältig durch und hebe besonders gravierende Worte durch dicke Unterstreichung hervor. Deinem Ermes- sen sei es anheimaestellt, den Brief einem vertrau­ten Gatten oder Freund vorzulesen und alle Be­schwörungen um Milderung von Form und Inhalt mit einem kalt grausam lächelnden Kopfschütteln abzutun.

Nun gib den Brief in den Umschlag, schreibe die Adresse lesbar und genau daraus und versieh ihn denn anderes wäre taktlos mit einer Marke. Dann trägst bu dein Schreiben zum nächsten Brief­kasten, schiebst es in den Schlitz undziehst es wieder zurück. Morgen! O nein nicht aus Feig- heit. Sondern vielleicht fällt uns noch was beson­ders Kräftiges, Duftiges für den Gegner ein. Mor­gen ist dein Zorn nur noch ein Zehntel von heute, und übermorgen wunderst du dich, wenn du deinen zerknitterten Brief in der Rocktasche findest, wie man sich überhaupt so aufregen kann. Dein schar- fer Brief.hat dich entladen. Absenden oder nicht ist eine reine Formsache. Sorgfältig bitzelt man die unbenützte Briefmarke vom Brief herunter, er liegt vielleicht noch ein zwei Tage auf deinem Tisch herum. Dann wirfst du ihn mit anderem Kram ins Feuer. Nach acht Tagen begegnet dir der Feind. Er sagt:Hären Die mal. Sie haben da durch mich, wie ich erfahre, Aerger gehabt, aber ich ..." Und du winkst großartig ab und sagst:Ach, ich bitt Sie, nicht der Rede wert."

Zeitschriften.

Ein Beitrag von Dr. Johannes Stoye in der neuesten Nummer derI l l u st r i r t e n Z e i t u n q Leipzig" weist auf die Entwicklung Indiens unter der englischen Herrschaft hin. Dem Beitrag, sind zahl- reiche Illustrationen beigegeben, die dem Leser das Gesicht" Indiens erschließen, das allerdings wohl in feinem innersten Wesenskern von Europäern nie­mals gemz erschlossen werden wird.Frankreichs farbige Armee in Nordafrika", ein zweiseitiger Bil­derbeitrag, erinnert an Frankreichs Ausbau feiner Kolonialarmee. Die BeiträgeDeutsche Ritter- grabmäter",Oldenburg die Stadt zwischen Marsch, Moor und Geest" undBei den Bergbauern von St. Oswald" führen in deutsche Kultur und Landschaft em. Hierher gehört auch der Aufsatz über Albrecht Altdorfer, den ersten Romantiker der deut- schen Kunst. Die farbige SeiteBuntes Stein- Zeug" gibt einen interessanten Einblick in das Töpfer- Handwerk.

Hochschulnachnchien.

Der mit Winkung vom 1. April d. I. wegen Er­reichung der Altersgrenze emeritierte o. Professor $ 1n Tübingen wurde beauftragt, den Lehrstuhl für Pathologie zunächst weiter zu vertreten.