Ausgabe 
27.5.1938
 
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Nr. 122 Erstes Blatt

188. Zahrgang

Freitag, 27. Btai 1938

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Der Führer legi den Grundstein zum KdF.-Wagen-Werk.

Drei Typen des Volkswagens zum Preis von990 Reichsmark. Eine ganz neue Kauferfchicht wird der Motorisierung gewonnen.

tige Produktion aufgenommen. Dort drüben end­lich wird unsere neue Stadt erbaut, die in der ersten Ausbaustufe eine Einwohnerzahl von etwa 30 000, im Vollausbau etwa 60000 ß i n = wohner umfassen wird. Das schöne waldgrüne Gelände bietet Gelegenheit zu hervorragender städtebaulicher Entfaltung, so daß hier eine Stadt entsteht, die zu den schönsten der ganzen Welt ge­zählt wird.

Der Festplatz.

Fallersleben, 26. Mai. (DNB.) In einem festlichen Akt legte der Führer am Himmelfahrts­tage vor 70 000 Volksgenossen aus allen Teilen des Reiches auf dem Werkplatz bei Fallersleben den Grundstein zum größten Kraftwagenwerk der Erde, dem Volkswagen-Werk. Das Gelände des Volkswagen-Werks, nur wenige Kilometer von Fal­lersleben entfernt, zieht sich in einer zwei Kilo­meter langen Front nördlich des Mittellandkanals ^entlang. Ein eigener Hafen, dessen Umrisse schon deutlich zu erkennen sind, wird das Werk auf dem Wasserwege 'mit dem ganzen Reich verbinden. Im Westen werden die' eigenllichen Industrieanlagen, die Werk- und Motorenhallen erstehen. Daran schließt sich das Verwaltungsgebäude mit dem etwa 80 Meter hohen Turmbau an und in der Richtung auf das Dorf Sandkamp die Anlagen, die der Be- treuung der ip diesem Werk schaffenden Volks­genossen dienen, wie das Sportfeld mit den Boots­häusern auf dem Kanal, Sportplätzen mit Schwimmhallen, Sporthallen, einem Freibad, wäh­rend landeinwärts ein Hotel für die Käufer des Volkswagens, die Warenlagerhallen mit eigenem Dersandbahnhof und weiteren Lagern, eine große Einfahrbahn und ein werkeigenes Krankenhaus, das ganz im Grünen liegt, erstehen. Schon heute ist zu erkennen, daß der vorhandene Baumbestand des Geländes sorgfältig erhalten bleibt.

Um dieses Werk herum wird die neue Stadt wachsen, in deren Siedlungsgebiet 28 Gemeinden einbezogen werden. Jenseits des Kanals ist bereits das Vorwerk zum Volkswagen-Werk in Angriff genommen. In diesem Werk erhalten die Arbeiter des Volkswagen-Werks ihre fachliche Aus­bildung, so daß wenn dgs Werk fertiggestellt ist, zugleich auch die hochqualifizierten Facharbeiter zur Verfügung stehen. Zugleich wird im Vorwerk die Ausbildung der Lehrlinge vorgenom­men. Zwischen dem Vorwerk und der Fabrik wird aus dem Gut Moerse ein landwirtschaftliches Mu­stergut für die Volkswagenfabrik geschaffen. Rings um Festplatz sind eine große Anzahl von Barackenbauten errichtet, liegt in gewaltigen Sta­peln das Baumaterial, ragen bereits die Türme der Kraftwagenzentralen empor, Feldbahngeleise durch­ziehen das Gelände, im Hafen liegt ein riesenhafter Bagger. Große Greifkrane künden an, daß alles bereit ist, um das gewaltige Werk erstehen zu lassen.

Vor der großartigen Kulisse des Kiefernwaldes ist eine hohe Ehrentribüne aufgebaut, die das Zei­chen der Deutschen Arbeitsfront trägt und von 20 Meter hohen Hakenkreuzfahnen flankiert ist. Vor der Mitte der Tribüne liegt der Grundstein und vor diesem wieder sind die drei Typen des Volks­wagens aufgestellt. Dor der großen Tribüne, die die Ehrengäste aus Partei und Staat, Wehrmacht und Wirtschaft füllen, sind die Ehrenformationen der Parteigliederungen angetreten. Ihnen gegenüber haben die bisher bei dem Werk beschäftigten 3000 Arbeiter, die Ehrenzeichenträger aus dem Gau Ost- Hannover und die Landwirte, die Grund und Ser­ben für die Errichtung des Werkes abgetreten haben, deinen bevorzugten Platz erhalten. Bei schön­stem Frühsommerwetter hat sich der Aufmarsch der 50 000 Volksgenossen, die mit Sonderzügen aus ollen Teilen des Reiches nach Fallersleben gekom­men sind, und der Bevölkerung des Braunschweiger Landes vollzogen.

Wenige Minuten nach 13 Uhr wird jenseits des Kanals die Wagenkolonne des Führers sichtbar. Um 13.15 Uhr trifft der Führer unter ohrenbetäubenden Stürmen der Begeisterung vor der Ehrentribüne ein.

Langsam schreitet der Führer die Front der Ehrenformationen ab. Dor der Ehrentribüne über­reicht ihm ein junges Mädchen ein Blumengebinde. Immer wieder erneuern sich die Huldigungen bis der Reichsorganisationsleiter Dr. Ley das Wort ergreift.

Dr.Lep dankt dem Führer.

Mein Führer! so erklärte Dr. Ley. Was hier be­gonnen wird, dieses Werk und alles, was daraus werden wird, das ist allein und ursächlich Ihr Werk, mein Führer. Sie haben uns durch Ihre große Idee und Ihren großen Glauben gelehrt, daß der Mensch sich nur durch Arbeit weiter­entwickeln kann, daß nicht Worte und Phrasen Sozialismus bedeuten, sondern Taten, und daß der Mensch nur das verleben und verbrauchen kann, was erarbeitet worden ist. Sie haben uns weiter gelehrt, daß alle großen Werke nur durch die Gemeinschaft gebaut werden können. Wir wissen es, wie Sie bereits vor der Machtübernahme sich mit dem Gedanken getragen haben, dem deut­schen Volk dereinst ein billiges und gutes Fahrzeug zu geben. Heute wird nun der Grundstein zu diesem gewaltigen Werk gelegt werden. Alles das ist Ihr Werk, mein Füh­rer, und so danke ich Ihnen zuerst. Und mit die­sem Dank verknüpfe ich den Dank an den Erfinder dieses Volkswagens Dr. Porsche und den Dank an alle Mitarbeiter. Und so bitte ich Sie nun, mein Führer, den Bericht meines Amtsleiters Lasse« r e n tz entgegenzunehmen, über das, was bereits tetan wurde.

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Der Führer spricht.

Nun trat, von erneutem Jubel überschüttet, der Führer an das Mikrophon. In seiner Ansprache führte er aus:

Als die nationalsozialistische Bewegung im Jahre 1933 zur Macht kam, erschien mir ein Gebiet be­sonders geeignet, um auf ihm den Kampf gegen die Erwerbslosigkeit aufzunehmen: das Pro­blem der Motorisierung! Hier war das deutsche Volk am meist en zurückgeblieben. Gemessen an den Produktionsziffern nicht nur etwa Amerikas, sondern auch anderer europäischer Län­der, war die deutsche Kraftwagenerzeugung gerade­zu lächerlich gering geworden: knapp 4 6 000 Personenwagen in einem Jahr! Das entsprach nicht im entferntesten den Derkehrsbe- dürfnissen des deutschen Volkes. Es ist verständlich, daß daher in einer Zeit, in der fast 7 Millionen Erwerbslose unser Leben belasteten, gerade auf diesem Gebiet sofort Wandel geschaffen werden mußte.

Als erster Schrill für die Motorisierung galt dabei die Loslösung von der früheren Auffas­sung, daß das Kraftfahrzeug ein Luxusartikel sei. Natürlich, wenn in einem Lande nur zwei-, drei- oder vierhundert­tausend Kraftfahrzeuge laufen, trifft dies zu. 3m deutschen Volk ist Bedarf aber nicht für zwei- bis dreihunderttausend, sondern für 6 oder 7 Millionen Kraftwagen vor­handen! Entscheidend ist dabei nur, daß An- schaffungs- und Erhaltungskosten dieses modernsten Verkehrsmittels mit den Einkommensverhältnissen des Vol­kes in eine Uebereinstimmung ge­bracht werden! Man hielt mir damals ent­gegen:Das ist nicht möglich!" Darauf kann ich nur eine Antwort geben:Was in anderen Ländern möglich ist, wird auch in Deutschland möglich sein!" Das Wortunmöglich" hasse ich; es ist zu allen Zeiten das Kenn­zeichen feiger Menschen gewesen, die es nicht wagten, große Entschlüsse zu verwirklichen.

Der Führer während feiner Rede. Im V (Scherl-Bild

Wie der Volkswagen entstand.

Reichsamtsleiter Dr. Lafferentz führte dann aus: Um eine vollkommene Gewißheit in der praktischen Bewährung zu erreichen, wurde eine Vorserie von 30 Volkswagen erbaut, die im Laufe des Jahres 1937 in jeder Hinsicht den schwersten Anforderungen unterworfen wurde. Bis zum heu­tigen Tage haben die Wagen etwa 2 Millio­nen Kilometer zurückgelegt, darunter einige Wagen über 100 000 Kilometer, die ohne sonderliche Reparaturen weiterfahren. Wohl noch niemals ist eine Konstruktion einer derartigen Erprobung unter­zogen worden. Bei allen Fahrten auf schwierigen Strecken des Schwarzwaldes, bei Kraftproben auf der Reichsautobahn, bei der Ueberwindung schwer­ster Alpenpässe: der Volkswagen hat überall eine überragende Leistungsfähigkeit be­wiesen. Fest steht schon jetzt, daß die gegenwärtige Ausführung in jeder Hinsicht produktions­reif ist.

Eine weitere Vorserie von 40 Volkswagen

irbergrunb einer der drei Volkswagentypen.

ndienst-M.)

Haltungskosten zu ermöglichen. Auf den wichtigsten Gebieten ist bereits ein ungewöhnlicher Erfolg aufzuweisen, so z. B. auf dem Gebiet des Garagen- und Ersatzteilwesens sowie der Versiche­rung. Wir werden diesen Weg bis zum Einsatz der Großproduktion völlig geebnet haben. Neben diesen Arbeiten läuft seit dem Frühjahr 1937 die Planung des technischen Produktionsprozesses.

Um die Inbetriebnahme des Werkes zu verein­fachen und zu sichern, wird seit dsesem Frühjahr in Braunschweig einV orroer k" erbaut, in dem im Lause des Sommers die Arbeit aufgenommen wird. Dieses Werk dient für Teile- und Werk« geugfertiguna und besonders zur Heran­bildung von Lehrlingen und des ersten Stammes von Arbeitern, die 1939 als Vorarbeiter in das Hauptwerk übernommen werden sollen. Spä­ter wird bann in biesem Vorwerk eine anbere wich-

Ein Typ des nein

Der Kraftwagen muß also zu einem Volks- verkehrsmittel werben! Da bieses Ziel mit den Preislagen ber bisherigen Wagen nicht erreicht werben konnte, war ich schon vor der Machtüber­nahme entschlossen, in bem Augenblick, in bem uns bie Regierung zufallen würde, sofort mit den Vor­arbeiten für die Produktion eines Wagens zu be­ginnen, dessen Preis es ihm ermöglicht, ein wirk­liches Verkehrsmittel breitester Mas­se n zu werden. Damit erst hört dann der Kraft­wagen auf, ein klassentrennendes Mittel zu sein.

Und noch ein weiterer Grund war es, der mich veranlaßte, der Motorisierung mein besonderes Augenmerk zuzuwenden. Wenn das deutsche Volk alles das, was es an Löhnen für seine Arbeit erhält, nur in Lebensrnitteln anlegen wollte, die wir mit unseren 150 Menschen auf einem Quadratkilometer nicht unbegrenzt proou- zieren können, dann mußte dies zu einer Katastrophe führen. Deshalb ist es notwendig, daß wir die Kaufkraft des deutschen Volkes in

ist im Bau. Als erste Zeugen haben wir heule hier drei Exemplare aufgesielll. und zwar einen of f enen, eine Limousine und eine Eabrlo-Limousine. Diese drei Modelle des gleichen Typs stellen die endgültige Form dar, in denen künftig produziert wer­den soll. Der Volkswagen ist mit Vollschwing­achsen ausgerüstet und 4,20 Meter lang, 1,55 Meter hoch und breit und fahrbereit 650 Kilo­gramm schwer. 3m übrigen haben vier bis fünf Personen Platz. Der luftgekühlte Heckmotor hat eine Stärke von 24 PS, einen kraftstoffver- brauch von 6 bis 7 Liter und einen zehntel Liter Oel auf 100 Kilometer. Der Wagen ist mit 100 Kilometer D ane r g e s ch win - digkeit autobahnfest, mithin alles in allem ein kleines technisches Wunder. Er ist aber darüber hinaus ein Preiswunder, denn er wird ab Derk nur 9 9 0 RM. kosten. Dieser sensationell niedrige Preis wird es breitesten Schichten unserer Bevölkerung er­möglichen, den Volkswagen zu erwerben.

Um den Kauf darüber hinaus noch zu erleichtern, werden wir zu Beginn der zweiten Jahreshälfte ein neuartiges Spar- und Versiche­rungssystem eröffnen, dessen Einzelheiten noch bekanntgegeben werden. Die Mindestrate wirb 5 RM. wöchentlich betragen. Die Versicherung und zwar Kasko unb Haftpflicht zirka 1 RM. wöchentlich. Die Sicherstellung bes Absatzes für bie Riesenprobuktion darf den Wagen nicht verteuern. Das Problem ist durch Einsatz der NSG. Kraft durch Freude" als gelöst zu betrach­ten. Es wird eine ber wichtigsten Aufgaben sein, auf neuem Wege eine Senkung der Unter­

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Der Führer bei der Besichtigung eines der neuen KdF.-Wagen. Von links: Korpsführer Hühnlein, Reichsorganisationsleiter Dr. Ley, etwas im Hintergrund Stabschef Lutze« der Führer, Konstrukteur Dr. Porsche unb Gruppenführer Schaub.

(Scherl-Bilderdienst.)