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Nr. 97 Drittes Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen)

Mittwoch. 27. April (938

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Die Ausflugs-Gaststätte Windhof vor dem großen Brande.

Ein Blick in den Festsaal der ehemaligen Gaststätte.

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Neuzeitliche Waschräume für die Gefolgschaft.

tzahlreiKe mofceme Werkzeugmaschinen wurden im Neuhau untergebracht.

2)et neue Saal Le? ^onstruktfonshüros, geräumig und hell,

daß die Firma eine beiterschaft fand, die guten Begabungep

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her bestand die Firma bereits seit fünf Jahren in Fulda, ohne dort jedoch einen besonderen Auf­schwung verzeichnen zu können. Zwar: der Anfang stand unter keinem günstigen Omen: 14 Tage, nach­dem der Betrieb in Fulda ausgenommen worden war, brach der Krieg aus! Die Firma war noch nicht bekannt genug, es ging nur langsam vonstatten.

Doch nach Kriegsende änderte sich die Situation. Die Fabrikationsmethoden wurden ausgebaut, ver­vollkommnet; der Markt energisch bearbeitet die Zahl der Beschäftigten stieg, und die Entwickttlng wurde stetig und günstiger. Diese günstige Ent­wicklung war nicht zuletzt nur dadurch möglich,

besserung der Erzeugnisse gearbeitet wird. Außer­dem birgt der Bau eine Anzahl Lagerräume. In besonderer Weise hat man es sich aber angelegen sein lassen, für die gesamte Gefolgschaft mustergültige hygienische Einrichtungen zu schaffen. Aus vielen Hähnen rinnt heißes und kaltes Wasser in steinerne Becken, eine stattliche Anzahl von Brausebädern steht zur Verfügung. Für die weib­lichen Gefolgschaftsmitglieüer besteht die Möglich­keit zum Wannenbad.

Auch die Gemeinschaftsräume, mit Tischen, Stüh­len, mit Bluinen- und Bilderschmuck fehlen nicht. Ueberall Licht und Luft! Bon vielen Fenstern bie­

ten sich herrliche Ausblicke auf die reizvolle Land­schaft der Umgebung, zu Gleiberg und Vetzberg, zum Oberen Hardthof usw. Bei schönem Wetter locken die Bänke in dem vor zwei Jahren angelegten Werksgarten. Man hat es an Großzügigkeit nicht ehlen lassen. Die Forderungen zur .Schönheit der Arbeit" sind im Rahmen aller gegebenen Möglich­keiten erfüllt.

Wenn auch das gegenwärtige bedeutende Jndu- striewerk imWindhof" mit der ehemaligen Gast­hausstätteWindhof" nichts gemein haben kann, so .schien es uns doch interessant, jener Zeit und der

Westlich von Gießen, nördlich von Heuchelheim, liegt an der Landstraße nach dem Biebertal und dem althessischenHinterland" der Windhof. Dor Jahren war er eine Stätte der Erholung der Gie­ßener Bürger und der geselligen Veranstaltungen oder auch der Mensuren der Gießener Studenten. Das Leben und Treiben in Gießen und in seiner Umgebung floß damals in geruhsamen Bahnen da­hin. Diese Zeiten sind längst vergangen. Der alte Windhof wurde durch eine Feuersbrunst einge­äschert, aber wieder aufgebaut. Später kam an dessen Stelle stark pulsierendes wirtschaftliches Leben, denn die Industrie hielt dort ihren Einzug. Die Firma Schunk & Ebe erwarb die Gebäude irtib richtete ihren Fabrikationsbetrieb ein. Vor-

eine Hessens hat die seitherige Verbandsvorsitzende, Frau Julie Heraeus, aus gesundheitlichen Grün­den ihr Amt niedergelegt. Frau Heraeus war im Verband schon seit seiner Gründung tätig und hat während der letzten sechs Jahre seinen Vorsitz ge­führt. Außerdem hatte sie in der letzten Zeit das Amt der Vorsitzenden des Propsteiverbandes Wies­baden übernommen. Frau Heraeus hat während ihrer Amtszeit durch ihre umsichtige und tatkräftige Leitung dem Verband wertvolle Dienste geleistet.

Als Nachfolgerin von Frau Heraeus hat der Vor­stand Frau Dr. Regina Schmitt-Darmstadt zur Landesoerbandsvorsitzenden gewählt. In einem Auf­ruf an die Frauenhilfen im Land hat die neue Vor­sitzende um Mitarbeit gebeten.

Aus der Stadl Gießen.

Generalmajor a. O. Dr. Bethcke.

Am kommenden Freitag, 29. April, kann General­major a. D. Dr. phil. Bethcke in Gießen in bester Frische seinen 70. Geburtstag begehen.

General a. D. Bethcke entstammt einer Familie, die in Pommern ansässig war. Als Sohn des Generals Bethcke wurde er in Danzig geboren. Die ersten Beziehungen zwischen unserer hessischen Heimat und dem Jubilar kamen dadurch zustande, daß sein Vater nach dem Kriege 1870/71 in das Infanterie-Regiment 117 in Mainz versetzt wurde. Der junge Ernst Bethcke besuchte damals die Schulen in Mainz und, nach der Versetzung seines Vaters, in Düsseldorf.

Die militärische Laufbahn des jungen Offiziers begann beim Jnf.-Regt. 71 in Erfurt und Sonders­hausen. Er kam dann für kurze Zeit zum Füs.- Regt. 37 in Krotoschin (Posen). Von dort wurdö er zum Großen Generalstab kommandiert und in diesen im Jahre 1906 als Hauptmann übernommen. Später war er Generalstabsofsizier beim VIII. Armeekorps in Koblenz und nach der üblichen Frontdienstzeit als Kompaniechef beim Jnf.-Regt. 69 in Trier bei der 16. Division in Trier. Im Jahre 1914 wirkte er als Lehrer an der Kriegs­akademie in Berlin.

Bei Kriegsausbruch rückte er als Generalstabs­offizier des VIII. Reservekorps ins Feld. Während des Krieges war er als Generalstabsoffizier in Chef-Stellungen bei höheren Kommandostellen an der Front tätig. Nach dem Kriege wurde er in die Reichswehr übernommen. Sein Weg führte ihn dann zum zweiten Male nach Hessen, und zwar nach Gießen in das damalige Jnf.-Regt. 15 als Oberst und Regiments-Kommandeur. Hier diente er noch mehrere Jahre in gewohnter soldatischer Hin­gabe dem Daterlande, bis er im Jahre 1925 in den Ruhestand trat. In Anerkennung seines verdienst­vollen Einsatzes für Volk und Vaterland im Frie­den und irti Kriege wurde ihm beim Uebertritt in

für den 1. Mai während der Morgenstunden stattet.

Aus der hessischen Frauenhilfe.

Sache diente und stets starkes eigenes Interesse am Werke nahm. Heute stellt das Werk im Wind­hof ein weit über unsere Stadt hinaus bekanntes

Industrie-Unternehmen dar, dessen Erzeugnisse in der ganzen Welt, d. h. überall da, wo die Elek­trotechnik ihren Sieges­zug auf immer breiterer Bahn vollzieht, geschätzt sind.

Nun läßt sich aller­dings nicht behaupten, daß die Erzeugnisse aus dem Windhof sonderlich populär, sind. Sie können es auch nicht sein! Das Werk dient einem sehr speziellen technischen Be­darf. In den weitläufigen Arbeitsräumen werden in der Hauptsache Kohle­bürsten und Kohle- bürstenhalter her- aestellt, die wichtige Be­standteile jeglichen Elektro- motores oder Dynamos darstellen.Kohlebürsten" sind diejenigen Teile des . Elektromotors (oder des Dynamos), welche die Stromzuführung bzw. die Stromabnahme auf bzw. von dem rotieren­den Kupferschleifring zu vermitteln haben. Die Kohle", die hierzu Ver­wendung findet, besteht aus Graphit, aus ganz bestimmten Hochofenrück­ständen und aus Kupfer. Die Mischungen sind sehr verschieden und werden jeweils von den Anforde­rungen bestimmt. Das fein vermahlene Roh­

material wird in vielerlei Formen gepreßt und in Kohlebürstenhaltern befestigt. Bis zur Verwendungs­fähigkeit ist die Kohle aber manchen Bearbeitungs­oorgängen unterworfen (Pressen, Schneiden, Po­lieren, Galvanisieren usw.), die im einzelnen zu schildern hier zu weit führen würde. Was die Kohlebürstenhalter anbetrifft, so werden sie in allen ihren Einzelheiten im Werke fertiggestellt. In Hunderten von verschiedenen Formen gehen die Erzeugnisse in die Welt.

In diesem Jphre nun kann die Firma Schunk & Ebe auf ihr fünfundzwanzigjäh­riges Bestehen zurückhlicken. Mit diesem ersten Abschnitt in der Entwicklung des Werkes fällt aber gleichzeitig ein bedeutender Schritt im Ausbau des Betriebs zusammen. In den vergangenen Mona­ten ist ein Erweite­rungsbau entstanden, der in seinen Ausmaßen etwa ein Drittel der bis­herigen Werksanlagen ausmacht. Im Erdgeschoß dieses Neubaues befindet sich ein großer Heller Saal, ' der ausschließlich der Werkzeugherstellung für das Werk dient. Zahlreiche wertvolle und komplizierte Stahlbear-

EPNH. Anläßlich der Jahresversammlung Landesverbandes evangelisch-kirchlicher Frauenoer-

Industrie auf dem Windhof

Detriebsjubiläutn der Firma Schunk & Ebe.

Teilansicht des großen Neubaues.

modernen Technik, die hier gleichermaßen unter einem NamenW i ndhof" in Vergangenheit und Erinnerung, in Gegenwart und der Unmittel­barkeit unserer ganz der deutschen Leistung gewid­meten Zeit lebendig ist, bei dieser Gelegenheit zu gedenken. N.

beitungsmaschinen wur­den aufgestellt, deren einige von den Konstruk­teuren des Werkes selbst entwickelt wurden. Das erste Obergeschoß birgt das weitläufige Konstruk­tionsbüro, umfangreiche Laboratorien und Ver­suchsanlagen, in denen nach wissenschaftlichen Me­thoden an der Ueberprü- fung und ständigen Ver-

AusfhißkOtt Windhof b. Giessen.

Telefon. 340.

den Ruhestand der Charakter als Generalmajor verliehen.

Während seiner aktiven Dienstjahre betätigte sich General Dr. Bethcke bereits als militärwissenschaft­licher Schriftsteller und Mitarbeiter des" Militär- Wochenblattes, sowie verschiedener anderer Fach­schriften. Aus seinem schriftstellerischen Wirken seien u. a. hier genannt: Das GtzneralstabswerkDas Offizierkorps von 1806", von dessen beiden Bear­beitern er allein noch am Leben ist. Das General­stabswerkDie Kriege Friedrichs des Großen"; durch die Mitarbeit an diesem Werke kam er in Berüh­rung mit dem Gaudyschen Journal, die ihn anregte, im Militär-Wochenblatt (Beiheft 1905) eine Arbeit Dje Gaudyschen Handschriften für das Jahr 1758/59" zu veröffentlichen. Seine schriftstellerische Tätigkeit setzte er auch nach seinem Uebertritt in den Ruhestand an Zeitungen, Zeitschriften und in einem BuchePolitische Generale", das 1930 in einem Berliner Verlag erschien, fort. Daneben war er noch vielfach als militärwissenschaftlicher Fachmann am Vortragstisch tätig.

Nach seinem Ausscheiden aus dem Militärdienst gönnte sich der regsame Mann keine Ruhe. Er wid­mete sich mit bewundernswerter Frische noch dem akademischen Studium, studierte an der Universität Gießen Geschichte und Kunstgeschichte und promo­vierte hier zum Dr. phil.

Seine aufrechte soldatische Art und seine enge Verbundenheit mit dem deutschen Soldatentum, aber auch sein liebenswürdiges Wesen im Verkehr mit allen Volksgenossen haben ihm allenthalben hohe Wertschätzung zugeführt. Möge dem verdien­ten alten Soldaten noch ein gesegneter Lebensabend beschieden sein.

üornofuen.

Tageskalender für Mittwoch.

Stadttheater: 19.30 bis 22.30 Uhr,Marietta". Gloria-Palast (Seltersweg):Olympia, Fest der Völker". Lichtspielhaus (Bahnhofstraße):Flo­rentine". Oberhessischer Kunstoerein: 17 bis 18 Uhr, Ausstellung im Turmhaus am Brand,Ge­samtschau Richard Walter (Darmstadt)".

Stadttheater Gießen.

Heute, 19.30 Uhr, findet eine Aufführung der er­folgreichen OperetteMarietta" von Walter Kollo statt. Musikalische Leitung Joachim Popelka, Spiel­leitung Karl-Ludwig Lindt.

NS -Oozentenbund der Universität Gießen.

Mit Beginn des Sommersemesters 1938 weist die Leitung des NS.-Dozentenbundes der Universität Gießen folgende Besetzung auf:

1. Leiter des Dozentenbundes: Gauhauptstellen­leiter Pa. Dr. F r e e r k s e n, Anatomisches Institut, Bahnhofstraße 84, Fernruf: 3687.

2. Stellv. Leiter des NS.-Dozentenbundes und Geschäftsführer der Dozentenschaft: SA.-Sturm- führer Pg. Prof. Dr. Hummel, Geologisches Institut, Braugasse 7, Fernruf: 3374.

3. Organisationsleiter des NS.-Dozentenbundes: Kreisstellenleiter Pg. Dr. Heidt, Botanisches Institut, Brandplatz 4, Fernruf; 3570.

Grünschmuck zum 1. Mai ohne Wald- und Feldfrevel.

Schont und erhattet unseren IBatb!

DNB. Zur Maifeier will der Deutsche sein Haus, die Straßen und Plätze mit frischem Frühlings- grün aus unseren Wäldern schmücken. Dieser schöne Brauch soll nicht geschmälert werden. Doch scheint eine ernste Mahnung am Platze zu fein. Jeder soll sich fein Schmuckgrün so beschaffen, daß unser Wald und damit unsere Naturschönheiten nicht beeinträch­tigt werden. Auch sollen Holzarten verwandt wer­den, die eher einige Zweige vermissen können, als z.B. die in unseren Wäldern selten gewordene Birke. Auch Kiefer, Fichte und Tanne geben schönen Schmuck, es muß nicht immer gerade Birke fein. Bei Beschaffung von Grünschmuck müssen die gesetz­lichen Bestimmungen beachtet werden. Jede will­kürliche und eigenmächtige Versorgung aus Busch und Wald ist untersagt. Wer mit Grünschmuck han­deln will, muß einen Ausweis haben. Eigenmächtig­keiten jeder Art werden' streng geahndet. Die Be­stimmungen galten schon in den letzten Jahren, sie sind bereits Allgemeingut geworden. Unsere Mah­nung richtet sich an die wenigen Außenseiter, die flicht wissen, daß Wald- und Feldfrevel sich nicht mit dem guten Brauch des Maischmückens verträgt. Auch den Umfang des Schmückens kann man auf dem Lande unseren Wäldern, Bäumen und Sträu­chern zuliebe einschränken, weil man doch hier so günstige Gelegenheit hat, mit der Natur selbst zu feiern.- Denken wir also bei der Beschaffung unseres Maischmuckes an die Schonung, Erhaltung und Mehrung unseres Waldes?

Die Herstellung und der Verkauf von Grün- schmuck in Ladengeschäften und im Straßenhandel sind am 1. Mai während der Morgenstunden zu- gelassen. Gleichzeitig ist die Beschäftigung von Ar­beitnehmern bei Herstellung, Anbringung und Ver­kauf von Grünschmuck in gewerblichen Betrieben