/
AVM -tlntergau 116.
Bett.: Volkstanzgruppe im BDZH.-lBerf.
Dienstag, 3. Mai, treffen sich die 17. bis 21« jährigen Mädel, die sich dem BDM.-Werk zur Volkstanzgruppe gemeldet hoben, um 20 Uhr im Handarbeitssaal der Schillerfchule zum Volkstanz. ZurErholung nach Schleswig-Holstein
NSG. Am Dienstag trafen in Altona die ersten erholungsbedürftigen Kinder aus dem Gau Hessen- Nassau ein. Die Kinder fuhren von dort aus in die Kreise Eutin, Eckernförde, Eiderstedt, Flensburg- Land, Husum, Lauenburg, Lübeck, Norder-Dithmarschen, Oldenburg, Plön, Rendsburg, Segeberg, Steinburg, Stormarn, Süder-Dithmarschen und Süd-Ton- dern. Die Kinder werden bis Ende Mai in den Landpflegestellen, die durch die NSV. zurVerfügung gestellt wurden, bleiben.
15740 HM. für das Winterhilfswerk.
EPNH. In diesen Tagen hat die Landeskirche Nassau-Hessen ihre Spende für das Winterhilsswerk 1937/38 überwiesen. Insgesamt waren 15 740 Mark zusammengekommen, von denen 5120 Mark als Kollekte am 1. Januar eingegangen waren. Die übrigen 10 620 Mark sind Spenden der Geistlichen, Beamten und Angestellten der Landeskirche.
Zum Schutz des Wudes.
LPd. In den Monaten Mai und Juni ist die Hauptsetzzeit des Wildes. Daher wird zum Schutze des Wildes von der zuständigen Stelle angeordnet, daß während der Monate Mai und Juni die Lese- holznutzung in allen Waldungen verboten ist. Auch bestehende Berechtigungen werden von diesem Verbot betroffen. Zuwiderhandlungen werden mit Geldstrafe oder Haft geahndet. Die Fortt- und Feld- schutzbeamten sind angewiesen, Uebeltäter unnachsichtlich zur Anzeige zu bringen.
ZagdtrophäenfchauenundZägerappelle in Oberheffen.
Die Jäger der Kreise Gießen und Friedberg werden sich am 8. Mai in Gießen zu einem Säger» appell und einer Jagdtrophäenschau versammeln. Dabei werden sie neue Anregungen und Richtlinien erhalten. Die gleichen Veranstaltungen werden an andern Tagen in den übrigen oberhessischen Kreisen stattfinden. Sie sollen Ausgangspunkt für die Arbeit im kommenden Jagdjahr sein.
Bezlrksverwaltungsgerlcht Gießen.
Am Freitag, 29. April, 9 Uhr, findet im Sitzungssaal des Regrerungsgebäudes zu Gießen, Landgraf- Philipp-Platz 3, eine öffentliche Sitzung des Be- zirksverwaltungsgerichts Gießen statt mit folgender Tagesordnung:
Privatentbiiürunasanstalt Dr. Hackemann in Bad- Nauheim; hier: Antrag des Kreisamts Friedberg vom 10. Januar 1938 aus Entziehung der Konzession.
Enteignung von Grundstücken zum Bau der Kraftfahrbahn Frankfurt a. M.—Gießen—Eisenach in Gemarkung Garbenteich..
Waidbrände zehren amDolksvermögen
ZdR. Wenn wir jetzt durch den grünenden Frühlingswald gehen, erfreuen wir uns an dem Werden und Wachsen jedes Baumes und Bäumchens. Aus Schonungen entstanden die jetzt hochragenden Birken, Buchen, Tannen, Eichen u. a. m. Eine ungeheure Leistung liegt vor diesen Werten, die einen beträchtlichen Teil des Volksoermögens ausmachen, das wir unter allen Umständen weiter erhalten und vermehren muffen. Wie fahrlässig geht nun aber doch noch so mancher mit diesetn uns allen anoertrauten Vermögen um. Allein die Tatsache, daß zur Hege und Pflege unserer Forste rund 300 000 Waldarbeiter tagtäglich beschäftigt sind, sollte doch eigentlich schon jeden zur Besinnung zwingen. Ein Streichholz, das man zu Hunderttausenden aus einem Bcmmstamm herstellen kann, leichtsinnig fortgeworfen, kann bereits ganze Wälder vernichten. Jedermann ist also verpflichtet, Fahrlässigkeiten nicht nur zu unterlasset, sondern auch jeden leichtsinnigen Waldfreoler der verdienten Strafe zuzu- führen.
Am gestrigen Dienstagabend versammelte sich der Presseaussckutz für das 3. Hessische Gau - Sängerfest vom 8. bis 11. Juli in Gle - feen wieder zu einer Sitzung. Dabei konnte bie Feststellung gemacht werden, daß die Vorbereitungen für dieses Fest überall mit großer Tatkraft im Gange sind und das Interesse der Sängerschaft in allen Teilen Hessens stark ist.
Die Gießener Feslleitung hatte für die Sängertage mit einer Beteiligung von rund 10 000 San- gern gerechnet. Diese Annahme ist schon ganz erheblich übertroffen worden, denn es liegen jetzt bereits Anmeldungen von rund 15000
15000 Gänger kommen nach Gießen
lleberall großes Intereffe für das 3. Hessische Gau Gängerfest.
Beschaffung der Quartiere noch eine weitere Leistung auf sich nehmen, damit die Gäste aus den entfernteren Teilen Hessens für die beiden Nächte ihres Aufenthaltes in Gießen in angemessener Weise untergebracht werden.
Don den zahlreichen Veranstaltungen, die anläß- lich dieses Sängerfestes in Gießen geboten werden, sei heute das große öffentliche Singen auf 16 Plätzen der Stadt am Sonntag, 10. Juli, hervorgehoben. Bei diesem öffentlichen Singen werden Sänaergruppen antreten, die $um Teil bis z u 1500 Sängern stark sein meroen. Man kann also auf einzigartige Gesangsdarbietun- aen allein schon bei diesem öffentlichen Singen gespannt sein. Eine Feier st unde und ein Fest- spiel von Georg Heß, bei dem auch Trachten- gruppen mitwirken werden, sollen weitere schöne Bereicherungen dieser Sängertage bringen.
Zur Beförderung der pielen auswärtigen Sänger werden Sonderzüge mit Sonderzug- und Festtagskarten von der Reichsbahn vorgesehen. In aller Kürze werden Plakate in Stadt und Land die Aufmerksamkeit aller Volksgenossen tag* lich auf dieses Fest hinlenken. Der Rundfunk hat sich ebenfalls in den Dienst der Sache gestellt und wird in den kommenden Wochen wiederholt auf die
Sängern vor.
Die sehr große Beteiligung ist erfreulich, denn sie beweist, daß Gießen als Feststadt auch in San- gerfretfen einen guten Ruf hat. Die starke Bctetti- gung hat aber auch eine Steigerung der Zahl der erforderlichen Quartiere zur Folge. Ursprünglich hatte man geglaubt, mit 2500 Quartieren auskommen $u /können. Nunmehr er» weist es sich als notwendig, rund 3 5 00 Quartiere zur Unterbringung auswärtiger Sänger bereitzustellen. In anerkennenswerter Weise sind dem Wohnungsausschuß schon viele Quartiere an die Hand gegeben worden. Dennoch ist es erforderlich, daß unsere Gießener Volksgenossen für die große Veranstaltung Hinweisen.
OaS Leistung« buch SerZugendgruppen
Die Jugendavuppen im Deutschen Frauenwßrk, in denen Die Mädchen von 21 bis 30 Jahren in fröhlicher Gemeinschaft zusammenstehen, bilden den Nachwuchs für die NS.-Frauenschast. Ihre Mitglieder sollen hineinwachsen in den Dienst am Volk und find verpflichtet, den Nachweis chrer national- sozialistischen Wettanschauung zu erbringen durch Erfüllung verschiedener Aufgaben, die im Leistungsbuch der Jugendgruvpen dokumentiert werden. Da sind zunächst die Leyraänge des Mütterdienstes, die jedes Mädchen gewiß gern besuchen wird. Ein Samariterkursus tm Roten Kreuz ist Pflicht, ebenso die soziale Betätigung in einer kinderreichen Familie in der Stadt ober in einer Siedlung oder als Hilfskraft auf dem Lande. Welche Befriedigung wird gerade diese Arbett den jungen Mädchen bringen, wenn sie sehen, daß durch ihre Bereitwilligkeit eine geplagte Mutter einmal aufatmen oder vielleicht einen Erholungsurlaub antreten kann.
Aber nicht nur Arbeit und Pflichten bringt der Zusammenschluß in den Jugendgruppen. Wir sehen in unserem Kreis Wetterau, wie schön sich die gegenseitige Kameradschaft in den Ortsgruppen entwickelt hat. Da wird geturnt und gewandert; hier pflegt ein Singkreis Den mehrstimmigen Gesang des Volksliedes; dort hat sich eine Spielschar gebildet mit Blockflöten, Akkordion und Violinen; eine andere Gruppe übt besonders den Volkstanz. Sie alle tragen Dazu bei, die Pflichtabende der Frauenschast festlich zu gestatten.
So werden diese Gruppen auch ihre Aufgaben für bas Leistungsbuch bald in Angriff nehmen und gegenseitig wetteifern in opferbereiter Hingabe an Die Erfüllung ihrer Pflicht. F. K.
Zugendprüfung für Jagdhunde bei Gießen.
Der.Zagdgebrauchshundeverein Oberhessen" hielt am Samstag in Gemeinschaft mit ber Fachschaft Deutsch-Drahthaar, Landesgruppe Hessen, in Revieren bei Gießen seine alljährliche Verbandsjugend- prüfung nach ber Prüfungsorbnung bes „Jagbge- brauchshunbeoerbanbes" ab. Den Richtern stellten sich von 52 gemeldeten Hunben 45, an die 43 Preise, unb zwar 27 erste, 9 zweite unb 7 britte, vergeben werben konnten. Das meist aus einheimischen Zuchten stammenbe Material an Junghunben aus Dem Jahre 1937, bas auf biefer Prüfung auf seine natürlichen Anlagen geprüft wurde, bewies, wie schon oft, einen bemerkenswerten Hochstand ber Zucht und damit die Möglichkeit, den hessischen Jägern den Hund zur Verfügung zu stellen, der von Natur aus
die Anlagen in sich trägt, ein wirklicher Gebrauchshund zu werden, ohne den es keine weidgerechte Jagdausübung gibt. Die Beteiligung bewies ferner, daß das Verständnis für diesen Hund im steten Wachsen begriffen ist.
Der Jagdgebrauchshundeverein Oberheffen hat es sich zur Aufgabe gemacht, die im Jahre 1921 von dem damaligen „Hubertus" in Gießen aufgenommene Arbeit für den deutschen Gebrauchshund auf breitester Grundlage fortzuführen. Ein ununterbrochener Zustrom von Mitgliedern, eine Verdreifachung der Mitgliederzahl innerhalb von 6 Wochen Werbearbeit beweisen das Verständnis für die Wichtigkeit der Aufgabe und das Bedürfnis nach einer solchen Zusammenfassung aller Kräfte. Das Ziel muß fein, daß kein oberhessischer Jäger in Kürze mehr abseits steht, sondern mithilft an dem Werk, bas ihm unb Der weibgerechten Jagd zu bienen berufen ist. Möge dieses große Ziel, vorblldlich für alle deutschen Jagdgaue, erreicht sein, wenn die Zeit ber großen Herbstprüfungen kömmt!
Ganitäteverein Gießen.
Am vergangenen Sonntag hielt der Sanitätsverein Gießen im Saale von Boller seine Mtt- gliederversammlung ab.
Nach dem Rechenschaftsbericht des Vorsitzenden Simon erstattete ' Redner Stimmer Bericht über die Kassenverhättnisse, ber die günstige Lage bes Vereins auswies. Die Einnahmen betrugen 20 166,98 RM., bie Ausgaben 13 226,44 RM., ber Reservebestanb runb 15 000 RM. Der Verein besteht aus über 500 Familien mit runb 1000 Versicherten. Er ist "igelassen für ben Kreis Gießen. Obwohl anerkannt mürbe, baß für einen Beitrag von 32>0 RM. im Monat für bie Familie die Leistungen sehr erheblich seien, wurden biefe noch erhöht, inbem man die Krankenhauskosten erhöhte und Zuschüsse zu Operationen neu eistführte. Gleichzeitig wurde in Aussicht gestellt, daß die Tarife in Diesem Jahre nochmals eine Verbesserung erfahren sollen. Auch auf dem Gebiete der Krankheitsverhütung soll in diesem Jahre Zusätzliches geleistet werden. Für neu- eintretenbe Mitglieder mürbe bie allgemeine Wartezeit für eine große Anzahl von Krankheiten in Wegfall gebracht. Desgleichen sind Erleichterungen geschaffen für Mitglieder, die zum Arbeitsdienst ober zum Heer kommen ober zurückkehren
Nach bem Bericht bes Vorsitzenden bes Aufiichts- rates, Fleischmann, wurde Vorstand und Aufsichtsrat einstimmig das Vertrauen ausgesprochen und die Bilanz genehmigt. Die Ersatzwahlen für den Aufsichtsrat ergaben die Wiederwahl von C. Bender. Neu gewählt wurde L. M ö b u s (Wieseck).
Eine Reihe von Mitgliedern, die länger als 25 Jahre dem Verein die Treue gehalten haben, wurde durch Ueberreichung von Diplomen geehrt: für 48jährige Mitgliedschaft Frau K. Müller, für 46 Jahre Frau E. H o f m a n n und Frau F. Hantel, für 45 Jahre Frau M. Kühl, für 44 Jahre Frau E. Link, für 39 Jahre Frau M. Heinz und Frau C. Vollmöller, für 38 Jahre Frau K. Preiß, für 35 Jahre Frau M. Bauer, für 34 Jahre Frau L. R e u 11 n g und für 25 Jahre Otto Nachtigall.
Für 60 ältere Mitglieder wurde ein freiwilliges Sterbegeld beschlossen, für das ber Verein einige taufenb Mark bereitstelll. !
VH6. auf öer Wanderung.
Man berichtet uns: Obgleich das Wetter in ben letzten Tagen nicht gerade bas Beste war, hatten wir bei unserer Wanderung am vergangenen Sonntag wieder mal — man könnte sagen, „DHC."- Wanderwetter. Die Bahn brachte bie nahezu 80 Teilnehmer zunächst nach Aßlar^ wo bie Wanderung ihren Anfang nahm. Zunächst durchschritten wir das Dorf unb strebten Der Anhöhe mit dem direkt am Walde gelegenen Kinderheim zu. Aus halber Höhe bot sich unseren Augen ein schöner Blick in das Lahntal mit b^m auf der gegenüberliegenden Seite gelegenen Kloster Altenberg. Weiter ging*s nach kurzer Rast auf wechselvollen Wegen,
Ruhl Sehersweg Nr. 67 I
adio Telephon Nr. 3170 I
eparaturen »9/l ™
nach allen Seiten hatten wir immer wieder schöne und reizvolle Ausblicke, sei es auf Braunfels ober Stoppelbera, selbst ber Dünsberg grüßte aus der Ferne. In Dem tm engen Solmsvach-Tal liegenden Bonbaden hietten wir Mittagsrast, um dann neu gestärkt die Wanderung nach dem Tiergarten unb Braunfels fortzusetzen. Der Tiergarten, ber immer ein besonderer Anziehungspunkt ist, erfreute uns wieder bei bem Anblick eines vor uns erscheinenden Rudels Damhirsche, von denen einige ganz nahe herankamen unb sich füttern ließen. Nach der Besichtigung von Park und Schloß Braunfels kehrten wir noch einmal zur Rast ein. Der Schluß ber Wanderung brachte uns nach einstündigem Marsch durch bas liebliche Tälchen nach Station Braunfels, von wo wir die Heimfahrt antraten.
* /
♦ * D i e Wochenmärkte beginnen von Dienstag, 3. Mai, ab um 7 Uhr unb enben um 13 Uhr.
* * 12 5 Jahre Thüringisches Ulanen« Regiment Nr. 6 in Hanau. Das ehemalige Ulanen-Reaiment Nr. 6 v. Lützow feiert am 4., 5. und 6. Juni sein 125jähriges Gründungsfest mit < Wiedersehensfeier in der Garnisonstadt Hanau. Zugleich wird die Heldengedenktafel im Ehrenmal ge=
। weiht und in der ehemaligen Ulanenkaserne eine Erinnerungstafel angebracht. Dielen tausenden, in Deutschland verstreut lebenden früheren Angehörigen dieses nach dem Waffenstillstand aufgelösten Regiments soll das Fest Gelegenheit geben, Hanau unb die alten Kameraden wiederzusehen. Für Unterbringung und Standquartiere ist gesorgt. 2Infra= gen und Anmeldungen sind zu richten an die Geschäftsstelle: Kamerad Gregor Krämer, Hanau, v. b. Kinzigbrücke 10.
* *Wiedersehensfe i-e r der eh e m. 87 er. Am 7. unb 8. Mai findet eine Wiedersehens-
। feier aller Kameraden des ehern. JR. 87 und feiner Kriegstruppenteile: RJR. 87, LJR. 87, JR 186, 223, 253, 349, 365 und 468 im Standort Mainz- Wiesbaden mit der Feier der 130. Wiederkehr des Regimentsgründungstages und Traditionsübernahme durch Regimentsstab, II. Batl., sowie 13. unb 14. Kompanie JR. 87 statt. Die Festfolge sieht vor: am 7. Mai in ber Stadthalle in Mainz Wiedersehensfeier. Am 8. Mai Regimentsappell mit Traditionsübernahme in der neuen Ochampskalerne in Wiesbaden, anschließend Vorführung der modernen, schweren Jnfanterie-Waffen. Anmelde-Frage« bogen bei Kamerad Paul Münd, Wiesbaden, Rhein- gauerstraße 32.
Kaden hin und her.
Vornan von Hedda Westenberger.
(Copyright by Carl Duncker Verlag, Berlin W 35.
7. Fortsetzung. . (Nachdruck verboten!)
Da in diesem Augenblick sowohl die Haustür schellt als auch die Sprechzimmertür sich öffnet, um eine Gestalt mit weißvermummtem Kops zu entlassen, flüchten die beiden Damen Hammerbacher äußerst eilig.
Und zehn Minuten später kann man Monika Hammerbacher zum Markt marschieren sehen: die weiße Hemdbluse unter dem blauen Jackenkleid mit einem korrekt sitzenden blaugetupften Schlips geschmückt, das Einkaufsnetz an der Seite, den Teckel Sepp an der anderen unb bie sorglich eingepackte Tasse mit ben zwei „s-tinkenben Eiern" m der rechten Hand.
7. Beinahe wird ein Teckel überfahren, unb zwei junge Damen sinb nicht sehr höflich zueinander.
„Ach, wie nett!" sagt Marga Montwill und läßt ihren Wagen am Marktplatz in Eigelstein halten.
Ja, das ist wirklich nett, diese schmale gotische Kirche unb rings herum die Marktbuden mit ben roten unb rot-weiß gestreiften Schirmen und die Bauersfrauen mit ben Tüchern um den Kopf vor ihren Eier- unb Butterkörben unb vor der Kirchentür die drei großen Ahornbäume unb bas Kinder- geschrei und all die Hausfrauen mit ihren Einkaufsnetzen, wie sie da einer Gans prüfend an der fetten Vrust herumdrücken und Dort einen grünen Kahlkopf abwägend in ber Hand halten unb anderswo wieber mit zagen Fingern auf rotschaligen Käse und pralle Würste deuten.
Marga Montwill hat ganz vergessen, daß hinten in Ihrem Wagen ein pudelmütziger Junge sitzt, ber es sich auf keinen Fall entgehen lassen möchte, am Doktorhaus im Auto vorgefahren zu werden — so • sehr reizt sie bas bunte Bild dort auf dem Markt. Am liebsten stiege sie aus und kaufte gleich den anderen Frauen mit einem großen Einkaufsnetz ein, bis so ein Stilleben zusammen ist. wie do drüben bei der jungen Dame im blauen Jackenkleid, und bis das Netz so prallvoll wäre, daß man es kaum noch schleppen kann.
Komisch übrigens, in ihrem ganzen Leben hat sie noch nie auf einem Markt eingekauft, und noch nie hat sie so ein grünes ober blaues Netz besessen, in
bas so unheimlich viel hineingeht. Und voraussichtlich wird sie auch nie dazukommen. Woher auch? Menschen ihrer Art rasen abends, zehn Minuten vor sieben, mit dem Wagen los, stürmen nervös in irgendein Geschäft, wo es möglichst alles gibt, was man braucht, vom Tee angefangen bis zur Braunschweiger Wurst und von ber Schrippe bis zum fix unb fertigen Mayonnaisesalat, verfrachten dieses „Alles" achtlos im Fond bes Wagens, kommen atemlos fünf Minuten vor den geladenen Freunden nach Hause und stellen bann entsetzt fest, Daß man doch noch bie Hälfte vergessen hat — aber na, es wirb ja wohl mal ohne Senf unb ohne Petersilie gehen, und Salat gibfs eben nicht unb fertig... Aber hier! Ach, biefe köstliche Muße, mit der die Leute zwischen ben Ständen umherwandern. Ach, diese Gründlichkeit, mit der sie jedes Stück erst prüfen, die Gelassenheit, mit der sie zahlen, nach- rechnen, gewechseltes Geld zurücknehmen.
Der Pudelmützige im Fond räuspert sich leise.
Marga Montwill dreht sich lächelnd zu ihm um: „Nur keine Soxge, du kommst noch zehnmal zu- recht zu deinem Doktor. Aber weißt du, irgendwas muß ich mir hier auf dem Markt kaufen, ich muß, und wenn sie mir derweil bas Auto stehlen. Willst du auch was haben? Sieh mal da drüben, da gibfs 3um Beispiel Feigenkränze. Kennst du bie? Nein? Also warte, ich kaufe uns jebem einen Feigenkranz."
Aber natürlich bleibt's nicht dabei. Auch junge Radieschen futtern sich herrlich im Auto, unb geschälte- Nüsse sind auch nicht zu verachten, und Tapsy bekommt zur Feier des Tages eine Land- jägerwurst und Bananen — an Bananen kommt man prinzipiell nicht vorbei, nicht mal in Berlin, geschweige denn hiev.
Und zum Schluß entdeckt Marga auch noch einen Mann, der Gummischlangen unb Gummibonbons in allen Farben verkauft, dazu rosa und weiße Mäuse aus einer geheimnisvoll nachgiebigen fußen Masse, bie nach Leim schmeckt und nach Mandelöl riecht, und die man als Kind solange gefuttert hat, bis einem der ganze Magen wie zugekleistert war.
Gummischlangen, Gummibonbons ..
Ach, Breda, guter Jupp, davon bring’ ich dir ein Dutzend mit, bie mußt du mal probieren, und wenn ich dir hinterher für zwanzig Mark den Magen auspumpen lassen müßte!
„Freilein, fahr'n mer nu wieder?"
Marga Montwill, im Mund zwei rosa Mäuse, auf dem Schoß ein Bündel Radieschen und den angeknabberten Feigenkranz, nickt eifrig: „Jawoll, mein Junge, jetzt fahren wir."
Aber das ist nun nicht so einfach. Der gerade Weg zu Doktor Hammerbachers Haus ift mit lauter Bauernwagen besetzt; außerdem gibt es auch in Eigelstein eine Verkehrsordnung und Einbahnstraßen, und Marga muß mit ihrem kleinen schwarzen Wagen um halb Wgelstein hemmfohren, bis her Pudelmützige schließlich sagt: „Jetzt die Straße 'nein un grade durch und rechts rum, denn komm' Se grade druff zu."
/zDie Straße ’nein" — das ist eine kleine fülle Dillenstraße. Junge Bäume säumen den Bürgersteig; kleine Vorgärten stempeln die Einfamillen- häuser zu Villen.
hübsch hier", sagt Marga Montwill unb schaut sich interessiert um.
In biesem Augenblick schreit eine Frauenstimme laut auf, etwas (Selbes flitzt bicht vor bem Kühler hin unb her, Marga bremst mit aller Gewalt, so daß ber Wagen erst einen Ruck tut unb Hann wild zur Sette schleudert, zugleich quietscht ein Hund jammervoll auf — bann wird's still.
„Verbammt noch mal", murmelt Marga unb holt tief Atem, um bes Zitterns Herr zu werden, das durch chren Körper läuft.
Dann reißt sie die Wagentür auf unb springt rasch heraus. Was war Denn, um Gottes willen? Wo steckt denn dieses ... dieses ... von einem Hund? Hat es ihn doch noch erwischt, ist er angefahren worden?
Nein, er ist Gott sei Dank nicht angefahren worden oder wenigstens nicht schlimm. Denn er sitzt jetzt mit eingeklemmtem Schwanz, Kummerfalten über der Teckelstirn, zitternd unb bebend neben feiner Herrin, bie nicht minder zittert.
„Warum hängen Sie Ihren Hund nicht an, wenn er noch nicht mal weiß, wie er sich auf der Straße zu benehmen hat?" fragt Marga böse und geht dabei rings um ihr Auto herum, als könnte bei Dem Zusammenstoß mit einem kleinen hellbraunen Teckel der Kotflügel oerbeuli worden fern.
Die junge Dame, der der Teckel gehört, ■ kommt langsam näher heran. „Der Hund wird nie an» gehängt. Passen Sie doch auf, wohin Sie fahren — Sie, mit Jhr^rn Auto! Auf der Straße ist weit unb breit nichts gewesen außer meinem Hund. Müssen Sie da ausgerechnet auf den zufahren?"
,Hch bin nicht auf ihn zugefahren. Aber Ihr Hund ist ganz unerwartet plötzlich vom Bürgersteig heruntergeschossen."
„Wenn Sie langsamer gefahren wären, hätten Sie das frühzeitig genug gesehen."
„Na, erlauben Sie mal — weniger als vierzig kann ich doch wirklich nicht fahren."
„Wenn Sie so unsicher fahren, daß Sie mit vierzig nicht einmal einem kleinen Hund ausweichen können..."
Marga ist mit einem Bein schon wieder im Wagen. Dabei wirft sie der anderen — Übrigens hat sie sie vorher schon mal auf dem Markt gesehen — einen hochmütig-gelassenen Blick zu, so von oben bis unten, mit hochgezogenen Brauen und einem ungemein mokanten Lächeln um ben Mund.
Nun zieht sie das zwette Bein nach, dreht das Fenster ber Tür herunter, klappt gemächlich bie Tür zu, lehnt sich bann so ein ganz klein wenig gegen das offene Fenster hin, aber so, baß sie über ihre eigene Schulter hinweg zu schauen gezwungen ist, und sagt dann fließend freundlich: „Liebes Fräulein, über Autofahren wollen wir hier nickt diskutieren. Ick glaube nicht, daß Sie darin Fachmann sind. Außerdem dürste Ihnen, wenn Sie noch lange da herumstehen, auch Ihr Netz zu schwer werden. Ich wäre untröstlich, wenn Sie sich nach dem Schreck über Ihr Hündchen auch noch über« heben würden."
Spricht's, macht eine großartige Grußbewegung mit der Hand und fährt stolz davon.
Gleich drauf prüftet hinter ihr ber Pudelmützige laut heraus. Marga betrachtet ihn erstaunt durch den Spiegel: „Du hast aber ’ne lange Leitung, mein Junge. Ist der Groschen jetzt erst gefallen?"
21ber der Junge lacht nur noch mehr: „Das war se doch, Freillein, das war se doch!"
„Wer denn?"
„Na, be junge Freillein Hammerbacher. Freillein Monika! Mit'n Seppi."
Marga Montwills Gesicht ist nicht gerade geistreich. „Ach. Da hab' ich mich ja reizend eingeführt! Hm. Donnerwetter! So was Blödes. Was mach' ich denn jetzt? ... Du, weißt du was, steig mal lieber hier an der Ecke aus und geh das letzte Stück zu Fuß. Ich glaube nämlich, ich ... ich besuche die Hammerbachers erst später."
Aber der Junge denkt gar nicht daran, auszustei- geru Was? Fünf Minuten vor bem Ziel soll er sich den schönsten Triumph seines Lebens entgehen lassen? Ausgeschlossen! Er will im Auto vorfahren.
So legt er sich aufs Betteln, und seine blauen Jungenaugen flehen mit einer Inbrunst, als ginge es ums Leben.
„Na also, in Gottes Namen", sagt Marga Montwill schließlich und fährt mit elegantem Schwung bei Hammerbachers vor.
(Fortjetzung folgt)


