„Olympia, Fest der Völker."
Oer Olympia-rilm im Gloria-Palast.
Es erscheint angebracht, ein Wort der Anerkennung dafür oorauszu,agen, daß es der Leitung der Lichtspiele „Gloria-Palast" gelungen ist, schon jetzt, sechs Tage nach der Uraufführung, den Olympia- Film von Leni Riefenstahl in unserer Stadt zu zeigen. Mit höchster Spannung wurde der Film erwartet, um so mehr, als man seit einiger Zeit wußte: der Film ist fertig! Wohl niemand, der die Augusttage 1936, die Tage der Olympischen Spiele, bewußt miterlebt hat, wird den Besuch dieses Films versäumen. Wer glücklich genug war, in Berlin mit dabei sein zu können, wird das Filmkunstwerk als eine großartige Erinnerung eigener Erlebnisse empfinden, jede Phase der Kämpfe wird ihm neu gegenwärtig werden Denjenigen aber, die damals zu Hause am Rundfunkgerät gesessen haben, oder an Hand der Berichte in den Zeitungen den Geschehnissen gefolgt waren — ihnen wird das Filmbild die Erinnerung an diese Tage ergänzen und sie, wenn auch in übertragenem Sinne, zutiefst zu beteiligten Zuschauern der Olympischen Spiele 1936 machen. Wohl niemand, der offenen Herzens ist, wird sich der Gewalt der Bilder erwehren können, in denen die gigantischen Kämpfe der Jugend der Welt ihren Niederschlag gefunden haben. Die künstlerische Intuition und die moderne Filmtechnik sicherten uns allen das große Nacherleben. Es geht dabei nicht an, es als selbstverständlich zu betrachten, daß nun dieser Film da ist — vielmehr mag man sich vor Augen halten, daß er nur möglich wurde durch gründliche deutsche Organisation, durch den letzten Einsatz aller Beteiligten.
Der Aufführung des Olympia-Films wurde aestern abend ein dem Kunstwerk entsprechender festlicher Rahmen gegeben. Die Front des Gloria- Palastes bot sich im Schmucke großer Hakenkreuzfahnen und olympischer Banner dar. Im Vorraum hatte man eine schöne dekorative Anordnung mit Fahnen verschiedener Länder, die an den Olympischen Spielen beteiligt waren, geschaffen. Jungvolk leitete mit Fanfarenrufen die Vorstellung ein und NfL.-Kreisführer Dr. Schäfer würdigte in einer kurzen einleitenden Ansprache die Bedeutung des Olympia-Films für unser Volk und für die ganze Welt. In wenigen Worten, kennzeichnete er die ungeheure Arbeit, aus der der Film herausgewachsen war. Dank sagte er der Leitung des Gloria-Palastes für die Bemühung um diese frühzeitige Aufführung des Films in Gießen. — Aus dem Kreise der Partei und ihrer Gliederungen waren alle Führer erschienen; die Wehrmacht und die Behörden des Staates und der Stadt waren stark vertreten; viele Volksgenossen füllten den großen Raum. Jedermann folgte den Geschehnissen auf der Leinwand vom ersten bis zum letzten Bild mit größter Aufmerksamkeit.
Daß der Film selbst weit mehr ist,' als nur ein Bericht, das wurde jedermann schon nach den ersten .Bildern bewußt. Der Film, ein Wegbereiter für olympischen Gedanken und olympischen Geist, wird eine große Mission zu erfüllen haben, eine Mission im Dienste des Völkerfriedens, dem der olympische Gedanke ja überhaupt dienen will. In einem Filmprolog von größartiger Komposition, großer geistiger Linienführung und reifer Gestaltung findet die olympische Idee klassischen Ausdruck. Der willige Zuschauer wird im Geiste nach Griechenland geführt, zu jenen Stätten, von denen so großer Einfluß auf die ganze abendländische 'Kultur ausge- aangcn ist. In starker eigenwilliger und damit um so eindrucksvollerer Bildgestaltung ziehen die Trümmer der Akropolis und die vollendeten Bildwerke griechischer Götter und Helden an unserem Auge vorüber, bis sich schließlich aus dem Bildwerke des Diskuswerfers von Myron der lebendige Mensch unserer Zeit, der Olympia-Kämpfer löst, in dem sich der Geist von Hellas, erneuert. Und neben männliche Kraft und Harmonie der Person treten Frauengestalten, in denen sich die Sehnsucht nach dem Idealen verkörpert. Und aus der Sehnsucht nach Schönheit und Vollkommenheit lodert dann die reine olympische Flamme auf — jene Flamme, die in den Augusttagen 1936 als Symbol von Olympia nach Berlin getragen wurde. So führt der Filmprolog aus dem griechischen Mythos in unsere un-1
mittelbare Gegenwart. Mit begeistertem Herzen folgt man dem Läufer, der das t)eilige Feuer in das Olympische Stadion zu Berlin trägt und die olympische Flamme entfacht, die dann über den Kämpfen der Besten der Welt Tag und Nacht lodert.
Näch der Wiedergabe des begeisternden Aufmarsches der Nationen folgen in vielen Bildern Ausschnitte aus den unerhört dramattschen Kämpfen, die damals eine Welt in ihren Bann schlugen. Es ist hier nicht möglich, auch nur anzudeuten, was der Kirn zu geben vermag — der Olympia-Film will ja auch gesehen und nicht geschildert werden —, es sei aber allem voraus festgestellt, daß wohl kaum jemand, der in Berlin mit dabei war, den Ereignissen so unmittelbar zu folgen vermocht hat, wie es der Kamera möglich war. Man ist nun ganz nahe dabei! Man vermag jedem Schritt des Speerwerfers, jedem Endspurt, jedem Sprung in allen seinen Phasen zu folgen; man erlebt ganz unmittelbar die himmelstürmende Freude über den Sieg und die herbe Erkenntnis der Niederlage. Die Zeitlupe offenbart alle Kraft und Eleganz, allen Schwung der Bewegung, und das Bild, ganz nahe ausgenommen, läßt tief hineinsehen in die Menschen, die für ihre Nation um die Ehre des Sieges kämpften.
Unvergeßlich das Bild, wie Tilly Fleischer für den entscheidenden Wurf fast andächtig den Speer umfaßt, und nicht ohne Erschütterung erlebt iman aus ihrem Antlitz, wie sie aus allen Fasern ihres Körpers die Kraft sammelt für ihren großen Sieg in den nächsten Sekunden. Wie steht Weinkötz da'vor dem entscheidenden Hochsprung! Wie folgt der Japaner Nishida mit den Augen seinem großen amerikanischen Konkurrenten Meadow vor dem letzten Stabhochsprung! Wie offenbart sich überhaupt in vielen Bildern die fast religiös empfundene Verpflichtung der Japaner für ihre ferne Heiryat! Wie stark empfindet man die Verzweiflung nach, die die deutsche Schlußläuferin erfüllt, die kurz vor dem deutschen Sieg in der 4X100-Meter-Staffel den Stab verloren hatte! Wie ein Bronzebildnis erscheint der Kopf der siegreichen italienischen Hürdenläuferin Valla bei der Siegerehrung. In vielen Bildern sind die von der Dramatik der Kämpfe hingerissenen Zuschauer aus allen Nationen festgehalten. Nicht ohne Ergriffenheit sieht man, mit welch innerer Anteilnahme der Führer den Geschehnissen
Der Mann, der in Berlin täglich 12 000 Menschen speist, ist ein kleiner, liebenswürdiger Herr in einem weißen Kittel. Direktor R u b e I i u s , der oberste Küchenchef des größten Hotel- und Gaststättenbetriebes auf dem Kontinent. Ich suche ihn im Kellergeschoß des 7000 Quadratmeter umfassenden Gebäudekomplexes am Anhalter Bahnhof, in dem alles vereinigt ist, was zur Unterbringung und gastlichen Verpflegung einer Menschenmasse erforderlich ist, die immerhin ein ansehnliches Städtchen füllen würde: ein Riesenhotel, Weinrestaurant, Bar, Cafä und mehrere Gaststättenbetriebe.
Stadt der Arbeit unter der Erde.
Ich finde ihn an einem der elektrischen Herde der Hotel-Großküche im Gespräch mit dem Spezial-Küchenchef der Wiener Küche, und während wir einen Rundgang durch die weiten Werkräume unter Tage machen, durch die Großküchen und Vorratsräume, Schlächterei und Wursterei, Bäckerei, Konditorei und Gemüsepuherei, durch die Maschinenanlagen zur Beheizung, Warmwasserversorgung, Entlüftung und Eisfabrikation, durch Pumpstation und Jnstallationswerkstätten, Bier- und Weinkeller, gibt mir Meister Rubelius mit sachlichen Worten das Bild von der Arbeits-
in den Kampfbahnen folgt und wie den Deutschen Siegern die Augen leuchten, wenn er ihnen die Hand drückt. Jedes der Bilder, das der Film von den phantastischen Endkämpfen bringt, ist nicht nur ein Dokument aus den großen Kämpfen, sondern darüber hinaus eine Offenbarung an Schönheit, Kraft- und Willensentfaltung
Und immer ist das Bild begleitet von den Worten des Sprechers, in dessen Stimme die Erregung und das intensive Miterleben mitschwingen, immer ist das Bild vqn Musik begleitet, die zu rechter Zeit kontrastiert, Harmonien schafft, den Geschehnissen oorauseilt ober nachklingt, und so dazu beiträgt, das Gesamtwert wie aus einem Guß erscheinen zu lassen. Immer wieder auch hört man die Stürme der Begeisterung, die Sprechchöre der Zuschauer, die mit allen Fasern den Kämpfen folgen.
Es bedarf kaum der besonderen Erwähnung, daß alle, die an diesem Filmkunstwerk mitgearbeitet haben, sichtlich mit äußerstem Einsatz um den Erfolg bemüht waren. Wer dem Filmwerk und seinen Schöpfern Gerechtigkeit angedeihen lassen will, wird verstehen können, daß der Olympia-Film nicht früher erscheinen konnte. Viele Einzelheiten lassen darauf schließen, daß der Regie und der Photographie außergewöhnliche Schwierigkeiten im Wege standen, denn nie durfte der Ablauf der Kampfhandlungen gestört werden. Für jegliche Gunst oder Ungunst der Witterung galt es bereit oder gewappnet zu sein — und trotz alledem ist das Werk zu einer Vollkommenheit gediehen, die man voraus-' sehend kaum erwarten konnte.
Leni R i e f e n st a h l hat nach ihren Erfolgen mit den Filmen der Reichsparteitage erneut ihre überragende Künstlerschaft erhärtet. Ihrer Initiative verdankt der Film die Prägung. Viele treue Helfer standen ihr zur Seite, die sich der Sache nicht weniger verbunden fühlten als sie selbst. Die Musik schrieb Herbert W i n d t. An der Kamera arbeiteten Hans Ertl, Walter Frenz, Guzzi Lantsch - n e r, Kurt Neubert und Hans Scheib. Ihnen wiederum stand ein Stab von weiteren 40 Operateuren zur Verfügung. Als Sprecher wirkten Dr. Paul Laven und Rolf Wernicke mit.
Und die Darsteller? Darsteller waren die Olympia- Kämpfer, jung, kraftvoll, schlank, schön — die ganz im Banne ihrer Sache standen und den Filmleuten die Arbeit nicht erleichtern konnten.
Der erste Teil des Filmes, der unter dem Titel „Olympia, Fest der Völker" gezeigt wird, ist ein großes Erlebnis — der zweite Teil, der unter dem Titel „Fest der Schönheit" erscheinen wird, wird das außerordentliche künstlerische Filmwerk runden.
Heinrich Ludwig Neuner.
schlacht, wie sie Tag für Tag unter dem Pflaster Berlins geschlagen wird, um 12 000 Menschen zu speisen.
Hexerei ist es nicht", sagt Meister Rubelius, „sondern das Ergebnis einer mit vollendeter Präzision funktionierenden Arbeitseinteilung und Betriebsorganisation, die auf jahrzehntelanger Erfährung beruht, daß wir täglich die gastronomischen Bedürfnisse einer solchen Menschenmasse befriedigen können. Durchschnittlich etwa 15 0 0 0 Portionen geben wir aus in allen Formen vom ersten Frühstück bis zum letzten Nachtmahl. Wir leisten diese Arbeit in einer Arbeitsgemeinschaft von 5 Küchenchefs — denn jede Abtei-, lUng hat ihre eigene, elektrisch betriebene Großküche — 70 Köchen, 8 Schlächtern, 8 Bäckern, 4 Konditoren, 3 Patissiers, die die Süßspeisen bereiten, und einer Belegschaft von 120 Männern und Frauen in den Küchen und Werkstätten. Dazu kommen die 200 Kellner, die in zwei Schichten arbeiten."
Wir wandern durch die Kühkräume, in denen reihenweise die Rinderviertel und Schweinehälften hängen und große Bottiche mit Fleischstücken der Verarbeitung harren, wo zentnerweise die Seefische auf Eis lagern und in großen Bassins Karpfen und Forellen schwimmen.
Eisbeine reihenweise...
„Ja, das sind Massen", sagt Herr Rubelius, „die täglich in die hungrigen Mägen unserer Gäste wandern." Und dann läßt er ein Bataillon von Zahlen aufmarschieren: „120 Zentner Frischfleisch, 12 Zentner Wild, 600 Hähnchen, 300 Suppenhühner, 5 Zentner Fische, 40 Zentner Kartoffeln, 10 Zentner Gemüse werden hier unten täglich verarbeitet. Unsere Bäcker backen täglich 20 000 Brötchen und 400 Brote."
Wir kommen in einen Kühlraum, in dem auf Wandborden fünf Etagen übereinander Schüssel an Schüssel steht. In jeder der kleinen Schüsseln liegt gebrauchsfertig ein Eisbein. Eisbeine r e i h en- weise, ein appetitlicher Anblick! „Sie müssen bedenken", erklärt Meister Rubelius, „daß wir jederzeit auf einen unvorhergesehenen Zustrom von Gästen gerüstet sein müssen. Neulich kam unangemeldet eine KdF. -Reisegesellschaft von 300 Personen aus dem Rheinland. Alle wollten das berühmte Berliner Eisbein essen. In 10 Minuten konnten die 300 ihr Eisbein vorgesetzt bekommen."
Oie Geschmäcker sind verschieden ...
„Ueberhaupt muß ein internationaler Hotel- küchen-Großbetrieb sich auf die ausgefallensten Geschmäcker einstellen können. Verlangt ein Chinese gedämpfte Schwalbennester ober Haifisch- flössen, so kann er sie bekommen. Der Brasilianer erwartet zu jeder Mittags- und Abendmahlzeit als Ernährungsgrundlage schwarze Bahnen mit Reis, der Inder bekommt auf Verlangen seinen heimischen Curry, der Wiener seinen Wiener Rostbraten oder sein Wiener Backhähndl, der Bayer erhält seine echten Münchener Weißwürscht und der Thüringer seine Thürmger Bratwurst. Umgekehrt muß auch den einfachsten Bedürfnissen Rechnung getragen werden. So kochen wir täglich Erbsensuppe in zwei Kesseln, von denen jeder 400 Liter faßt."
Es Dorf nichts umkommen.
Auf meine Frage, wie sich ein solcher Großküchenbetrieb bei der täglichen Speisung von 12 000 Menschen auf den Vierjahr e's plan umgestellt habe, erklärte Meister Rubelius: „3n einem Punkte haben wir schon von jeher aus Gründen der betriebswirtschaftlichen Organisation den Erfordernissen des Vierjahresplanes Rechnung getragen: im „Kampf dem Verderb". In einem gut geleiteten Großküchenbetriebe darf nichts umkommen, und es kommt auch nichts um. Von jeher ist auch die Verwertung der saisonbedingten Nahrungsmittel im Sinne einer vernünftigen Verbrauchslenkung bei uns gehandhabt worden. Darüber hinaus tragen wir den besonderen Erfordernissen des Vierjahresplanes selbstverständlich Rechnung. Kommt es einmal vor, daß in einzelnen Sorten von Frischfleisch eine vorübergehende Verknappung eintritt, so haben wir ein unfehlbares Mittel des Ausgleichs: das Spezialgericht auf unserer Speisekarte. Mit ihm können wir ohne weiteres einen Ausfall von 20 Zentnern Schweinefleisch durch 20 Zentner Wildfleisch ersetzen."
Nurdrei Müllkasten füreineganzeEstadt
Auf meine Frage, was man denn mit der Masse von Abfällen mache, die bei einem Wirtschaftsbetrieb von dem Umfang einer ganzen Stadt sehr erheblich fein müsse, zeigt mir Meister Rubelius drei Müllkasten auf einem der Höfe neben der Kartoffelschälerei. „Mit diesen drei Müllkasten/ wie sie jedes kleine Berliner Miethaus hat. reichen wir aus. Wir haben in der Tat so wenig unverwendbare Abfälle, weil wir alles noch Brauchbare der Wiederverwendung zuführen Unsere Kartoffelschälmaschinen sind so umgebaut worden, daß die Kartoffelschalen gereinigt und zerschnitzelt ebenso wie die Speisereste und die Gemüseabfälle sofort den Schweinemästereien zugeführt werden können. Leere Konservendosen werden zerstampft und als Altmetall abgeholt. Der Kaffeesatz von täglich zwei Zentnern Kaffee wird zur Oelgewinnung einem Versuchslaboratorium überlassen, die ausgekochten Knochen werden, zermahlen und zur Verwertung weitergegeben, . aus den Abfällen der Schlächterei lassen wir unsere eigene Schmierseife Herstellen. Aller unverwertbare Abfall wird im Müllverbrennungsofen verbrannt, und für den Abfall, der dann noch unverbrennbar übrigbleibt, genügen unsere drei Müllkasten ..."
12000 Portionen Tag für Tag...
Gespräch mit dem Küchenchef der größten Gaststätte Europas.
Von Franz Alfred Blumberg.
Feierstunde „Soidatund Dichter"
Hans Zöberlein liest im Goethe-Bund.
Goethe-Bund und Kaufmännischer Verein veranstalteten gestern abend in Verbindung mit der Arbeitsgemeinschaft der Gießener Soldatenkameradschaften und unter Mitwirkung des Musikzuges der SA.-Standarte 116 eine Feierstunde „Soldat und Dichter" in der Aula. SA.-Oberführer Hans Z ö b e r l e i n, Träger des Münchener Dichterpreises von 1933 und des Kulturpreises der SA. für 1938, las aus seinen Werken. Nach dem Fahneneinmarsch und einem Musikvortrage der Standartenkapelle richtete Bürgermeister Professor Dr. Hamm im Namen des Goethe-Bundes, des Kaufmännischen Vereins und der Gießener Soldatenkameradschaften herzliche Begrüßungsworte an die Hörer, insbesondere an die Vertreter der Partei und ihrer Gliederungen, sowie der staatlichen und kommunalen Behörden. Sem Dank galt der SA., dem Musikzug der Standarte und vornehmlich dem Dichter Hans Z ö derlei n. Die Feierstunde im Rahmen des Soldatischen Vortragsdienstes wolle vor allem der jungen Generation das Erlebnis der Front und das Erlebnis der Kämpfer der Bewegung ins Herz schreiben. Mit hoher Befriedigung und herzlicher Freude könne man heute in Zöberlein einen Dichter der Front und des Aufbruches der Nation in Gießen willkommen heißen.
Standartenführer Sutter sprach im Namen des Brigadeführers und der Standarte 116: mit Stolz und Freude hieß er Oberführer Zöberlein willkommen, in dessen Werken der Geist der Front, der Freikorps und der SA. lebendig sei. Mit dem Wunsche, Zöberlein möge einmal in größerem Rahmen vor der Standarte sprechen, und mit dem Gelöbnis, das Vermächtnis der Front bis zum lebten Atemzuge zu bewahren, schloß Standartenführer Lutter feine Ansprache.
Dann betrat Z o b e r l e i n das von Fahnen flam fierte Rednerpult. Ausgehend von der Erinnerung an eine Begegnung mit dem Gießener Regiment an der Front vor 20 Jahren, las er zunächst aus dem Kriegsbuche „Der Glaube an Deutschland"; das hier geschilderte Kampfgeschehen ereignete sich im Juli 1918, und auch hieran waren hessische Truppen beteiligt. Zöberlein gab zuvor einen Ueberblitf über die damalige allgemeine Lage, die durch schwere französische Angriffe, das Eingreifen amerikanischer Divisionen und starker Tankmassen, auf unserer Seite durch mangelndes Material zur Abwehr der neuen Tankwaffe gekennzeichnet war.
Knapp und schlicht, männlich und sachlich, mit leicht bayerisch gefärbtem Stimmklang gab der Dichter dann aus dem Buch eine packende Schilderung der Ereignisse am Vormittag jenes 20. Juli im Abschnitt seiner Kompanie: ein ungemein lebendiges Bild, dem man das nachklingende persönliche Erlebnis in jedem Satz anmerkte, formte sich hier wie ein Mosaik aus vielen Einzeleindrücken, so daß der Hö-
Hans Zöberlein. — (Aufn.: Archiv.)
rer gleichsam gezwungen war, von Viertelstunde zu Viertelstunde, von Minute zu Minute die erregenden und zermürbenden Phasen der Schlacht mitzu- empfinden — die Gedanken des Führers („Du mußt dich jetzt sehen lassen vor deinen Leuten, wo es hart auf hart geht"), die aus Todesangst, Kampfbereitschaft, Willen und Vertrauen gemischte Stimmung der Männer im Graben, den zum Orkan gesteigerten Feuerwirbel, die tief gestaffelten Angriffswellen, die Abwehr am MG., die Berge der Gefallenen vor der Linie, die zunehmende Knappheit an Wasser unb Munition, während draußen schon die vierte, die fünfte, die sechste Welle zum Sturm ansetzen, die ।
blitzschnellen Ueberlegungen und Entschlüsse des Führers, den Befehl „Die Stellung ist um jeden Preis zu halten", Munitionsnachschub und beseitigte Ladehemmung im kritischsten Augenblick, die siebente, achte und neunte Welle, eine erdrückende Ueberlegenheit gegen die 25 Mann der fünften Kompanie, Sie auf verlorenem Posten ihren Abschnitt hält, während der Gegner schon beiderseits durchgebrochen ist, das endliche Zurückfluten der Angreifer, indes die Läufe der deutschen Maschinengewehre rotglühend und krummgezogen sind —: aus solchen Einzelzügen formte sich ein mitreißendes Abbild der Schlacht von außerordentlicher Spannung, Dramatik und Erlebnisnähe. — Reicher Beifall dankte dem Vortragenden.
Nach einer Pause und einem weiteren Vortrage des Musikzuges las Zöberlein aus dem zeitlich und innerlich anschließenden Buche „Der Befehl des Gewissens". Wieder gab er auch hier zunächst einen kurzen Abriß der in den fünf Jahren nach dem Kriege, etwa vom November 18 bis zum November 23 spielenden Ereignisse. Das Buch schildert die erste schwere Zeit der Bewegung — bis zum Aufbruch der Nattvn unter den' Fahnen Adolf Hitlers. Der Held des Buches ist der SA- Mann Hans Kraft, ein heimgekehrter Frontsoldat, der sich nach der Rückkehr nicht mehr zurechtfindet, der aber den Glauben an Deutschland nicht verliert und die Notwendigkeit des Handelns begreift. Er geht ins Freikorps, als in München die Räterepublik ausgerufen wird, und findet bald, dem Befehl des Gewissens gehorsam, den Weg zur Partei- und in die SA. Hier setzt dann, Winter 1922/23 in München, die Schilderung ein: eine der allerersten Sturmabteilungen (mit Stocken und in Räuberzivil), ein kleines Häuflein hinter der Reichskriegsflagge singend auf der Straße, die doch der Uebermacht eines „roten Proletariats" gehören soll. Es kann denn auch nicht ausbleiben, daß sich eine Straßenschlacht entwickelt. Kraft wird niedergeschlagen, verwundet und am Ende ausgenommen in das kleine Häuflein der trotzig und gläubig Marschierenden; hier findet er, was er längst dunkel gesucht hat: den alten Geist der Front, den alten, unerschütterlichen Glauben an das ewige Deutschland — in einer neuen Gemeinschaft und neuen Kameradschaft. Aus der Unbedingtheit jener Männer damals formt sich die Stoßkraft einer Bewegung, die heute ganz Deutschland umspannt. Im Kreise dieser Wenigen taucht eines Tages der neue Name auf, den niemand gehört hat und niemand kennt: aber bald werden ihn alle kennen. In der aufwühlenden und begeisternden Begegnung des jungen
Kraft mit Adolf Hitler fand die Schilderung ihren erhebenden Ausklang.
Kameradschaftsführer Müller richtete nach der Vorlesung herzliche Dankesworte an Hans Zöberlein, der als Dichter der Front und der Bewegung im besten Sinne Lehrer und Prediger eines stolzen und wehrhaften Volkes fei; der Redner schloß mit dem Dank an die SA.-Kapelle für die musikalische Umrahmung der Feierstunde und mit dem Wunsch», daß sich Veranstaltungen wie diese recht häufig wiederholen mochten. — Mit dem von Standartenführer Lutter ausgebrachten Gruß an den Führer, mit dem Gesang der Lieder der Nation und mit dem Fahnenausmarsch wurde die erlebnisreiche Feierstunde beendet. Hans Thyriot.
Zeitschriften.
— „Luftschutz im Chiemgau" heißt ein reichbebil- berter Artikel im neuen Heft der „Sirene", der uns zeigt, daß bei richtiger Ausbildung der Luft- ichutzgedanke auch bei den Bergbauern immer mehr an Boden gewinnt und auch dort ganze Luftschutzarbeit geleistet wird. In Grunau am Riesengebirge stellten deutsche Segelflieger einen neuen Höhenweitrekord auf. Ein schöner Erfolg, der Bilder-Artikel im neuesten Heft der „Sirene", das neben weiteren interessanten Berichten auch die Mitteilungen des Reichsluftschutzbundes bringt, läßt auch den mühevollen Weg deutlich werden, den die Segelfliegerei nehmen mußte, um aus'bem simplen Gleitflug den raffinierten, thermischen Segelflug von heute zu entwickeln.
Hochsckutnacknckien.
Dr. med. Walter Groß, der Leiter des Rassenpolitischen Amtes der NSDAP., ist zum Honorarprofessor an der Universität Berlin ernannt worden.
Ernannt wurden: der ao. Professor Dr. Hein; M a y b a u m in R o st o ck zum Ordinarius für mittlere und neuere Geschichte daselbst; der ao Professor Dr. M. Czerny in Frankfurt zum Ordinarius für experimentelle Physik daselbst; Dr.- Jng. Kurt Klöppel in Darmstadt zum Ordinarius für Stahl- und Hüttenbau daselbst; Dr.- Jng. Hermann. Schlich ting in Friedrichs- bafen zum Ordinarius für Flugmechanik an der Technischen Hochschule Braunschweig.
Der Dozent Dr. Carl August Weber wurde zpm ordentlichen Professor und zum Direktor des Englischen Seminars der Universität Tübingen ernannt.


